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E_1939_Zeitung_Nr.040

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 16. MAI 1939 — Citroen „15" Ein geräumiger Sechszylinder-Gebrauchswagen für Freunde guter Fahrteistungen bei höchster Fahrsicherheit Zum letzten Pariser Automobilsalon ha Citroen einen neuen. Sechszylinder-Wagen herausgebracht, von dessen Fahrleistung un soviel Interessantes zu Ohren gekommen war, dass wir die Gelegenheit zu einer eingehenden Prüfung gerne benützten. Was wir dabei zu sehen bekamen, war —wir dürfen es ohne Uebertreibung gestehen — restlos überzeugend. Aeusserlich sowie in seinen baulichen Einzelheiten ein typischer Vertreter der grossen französischen Marke, erinnern Geräumigkeit und Leistungsfähigkeit dieses Fahrzeuges an amerikanische Gepflogenheiten, was die aufgenommenen Beschleunigungsdiagramme sowie die Zeichnung mit den Innenmassen bezeugen. Man würde diesem Wagen, zum mindesten von weitem gesehen, bestimmt nicht die bedeutende Innenhöhe zutrauen, die er infolge der Frontantriebskonstruktion, trotz seiner niedrigen Gesamthöhe tatsächlich hat. Diese wirkt sich, abgesehen von der ästhetischen Verbesserung der Linie, auch in einer für die Kurvenstabilität günstigen tiefen Schwerpunktlage sowie ejnem verhältnismässig geringen Luftwiderstand aus, wodurch eine recht hohe Spitzengeschwindigkeit von gestoppten (!) 131 km/St, erhalten wird (nach unserem graphisch-rechnerischen Verfahren aus dem Beschleunigungsdiagramm erhalten). Dies bei einer maximalen Bremsleistung des obengesteuerten 2,9-Liter-Motors von 80 PS. Ganz Ia ist die Strassen- und Kurvenlage dieses neuesten Citroen-Modells, was nach unseren Erfahrungen für alle denkbaren Strassenverhältnisse bis hinauf zu den höchsten Geschwindigkeiten gilt. Die Zahnstangenlenkung ist niedrig übersetzt und reagiert entsprechend rasch auf jede Bewegung. Trotzdem und ungeachtet des Vorderradantriebes ist das Lenkrad verhältnismässig leicht zu betätigen, sobald der Wagen - Unsere sämtlichen Messungen werden mit eigenen Präzisionsapparaten durchgeführt. Bremsweg-, Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsmessung mittels Registriergerät. fährt. Dank der vorzüglichen Lenkgeometrie treten beim Ueberfahren von Bodenunebenheiten keinerlei spürbare Lenkrad-Reaktionen auf. Unsere Beschleunigungsprüfungen wurden, wie üblich, mit dem registrierenden Geschwindigkeitsmesser durchgeführt, dessen Antriebsrad an einer Schwingachse neben dem Wagen herläuft. Am serienmässig eingebauten Kühlwasser - Thermometer konnte während dieser Fahrten die Kühlwassertemperatur laufend festgestellt werden. Sie hielt sich dauernd zwischen 52 und 62°, erreichte also nie den günstigsten Wert von ca. 80°, Als Prüfstrecke benützten wir ein vollkommen ebenes und gutes Strassenstück von mehr als 1 km Länge, das zum Ausgleich.eventueller Gegenwinde in beiden Richtungen in den verschiedenen Gäi.gen ' befahren wurde. Die so erhaltenen Beschleunigungs - Diagramme (siehe Skizze) geben einen Begriff vom ausserordentüchen Anzugsvermogen dieses Wagens. Beim Anfahren im ersten Gang zog er geradezu phantastisch weg, so wie man dies sonst nur von Sportwagen gewöhnt ist. Schwarze «Bremsspuren» auf der geteerten Strasse zeugten von der ungewöhnlichen Rasse, die er bei diesem Vorgang entwikkelte. Auch die hydraulischen Bremsen hät- ten nicht überzeugender arbeiten können. 5,5 m Bremsweg"--aus einer Geschwindigkeit von 30 km/St. — und wohl gemerkt wirklicher Bremsweg, nicht etwa bloss Bremsspur — das ist doch tatsächlich allerhand! Dabei erfolgte die Bremsung sehr schön gerade. Ebenso wie die Beschleunigung wurde der Bremsvorgang mit unserem Registriergerät in allen Phasen genau festgehalten. Demgegenüber ermittelten wir Höchstgeschwindigkeit und Steigvermögen auf Grund eines von uns entwickelten Verfahrens auf graphisch-rechnerischem 'Wege aus den aufgenommenen Beschleunigungs-Schaubildern. Den Brennstoffverbrauch 'prüften wir bei verschiedenen konstanten Geschwindigkeiten über die gleiche abgesteckte Meßstrecke, wobei ebenfalls in beiden Richtungen gefahren und der Durchschnittsverbrauch festgestellt wurde. Das Fahrtempo wurde an Hand des eingebauten Geschwindigkeitsmessers kontrolliert, wobei wir den anlässlich der Bemit hydraulischen Stossdämpfern. Bezüglich der Anordnung der Bedienungsorgane sei besonders auf die praktische Lage des Schalt- Ansicht des Citroen «15». Seine gefälligen Linien lehnen sich ganz an die der andern Modelle dieser'"Marke an. schleunigungsmessungen gefundenen Messfehler des Instrumentes berücksichtigten. Auffallend ist, wie wenig bei diesem Wagen, der Verbrauch mit der Geschwindigkeit ansteigt. Wie wir einleitend bemerkten, hält sich das geprüfte Modell an die seit vielen Jahren bekannten und bewährten baulichen Richtlinien von Citroen. Wie bei den bereits bekannten Typen ist also die Karosserie selbsttragend ausgebildet. Die AntriebsleistuTig wird über ein vorn an den Motor angeflanschtes, dreigängiges Schaltgetriebe sowie das Differentialgetriebe' an die Vorderräder weitergeleitet. Die Abfederung geschieht bei allen vier Rädern einzeln durch Törsiönsstäbe in Verbindung Blick Ins komfortabel eingerichtete Wageninnere. In das Rückenpolster der hintern Sitzbank ist eine herabklappbare Armstütze eingelassen. Die Innenmasse der Karosserie des Citroen «15». hebeis verwiesen, der neben dem Lenkrad aus dem Armaturenbrett vorsteht. Der Boden bleibt daher frei von jeglichen Bedienungshebeln — und das Resultat: Gleich angenehmer Einstieg von beiden Seiten. Dies sind Nebenstehend; Leistungsdiagramme des Citroen. Links dLIe Beschleunigung des Wagens in den einzelnen'Gängen. Daneben die Beschleunigung beim Anfahren unter Benützung aller drei Gänge. Unteres Innenbild:, Die, Steigfähigkeit in den einzelnen Gängen jn Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit (Qberes Innenbild: 1 Der Bremsweg in Abhängigkeit .von der Fahrge> schwindigkejt vor der Bremsung. Steigfähigkeitsu. .Beschleunigungs-Schaulinien gelten für Besetzung des Wagens mit 2 Personen. Unten: Der Brennstoffverbrauch in Abhängigkeit vom Fahrtempo auf ebener Bahn, bei Besetzung des Wagens mit zwei Personen.. Technische Merkmale und Messresultate. einige der wichtigsten Besonderheiten des grössten Citroen-Modells. -b- Geprüfter Wagen: Normale fünfplätzige, viertürige Limousine Citroen «15« mit Vorderradantrieb. Chassis-Nummer 680.152. Jlotornummer E"A 0181. Motor: Sechszylinder-Stoßstangentyp, Bohrung 78 mm, Hub 100 mm, Hubraum 2866 ccm, 14,61/80 PS. Kompressionsverhältnis 1:6,25, vierfach gelagerte Kurbelwelle mit hinten liegendem Schwingungsdämpfer, auswechselbare Stahl-Zylinderbüchsen, Doppelfallstromvergaser mit Beschleunigungspumpe. O e 1 i n h a 11 des Kurbelgehäuses = 7 Liter. Elektrische Ausrüstung: 6-Volt-Batterie von 90 Ah. Kühlung: Pumpenkühlung. Kühlerinbalt 12 Liter. Brennstofftank; Hintenliegend, 70 Liter Inhalt Kraftübertragung: Zweischeibentrockenkupplunjj mit graphitiertem Drucklager. Dreiganggetriebe mit Flügel-Oelpumpe. Oelinhalt des Getriebes 3.5 Liter. Spiralverzahnter Ach s a n tri eb auf Vorderräder mit Uebersetzung 1:3,88. Bibai- Gummigelenke in den Vorderradantriebswellen, Keijbahnfn mit grosser Schmierfett-Reserve. Lenkung: Zahn Stangenlenkung, Lenkradius links 7,10, rechts 7,15 m, 2% Lenkrad-Umdrehungen von Anschlag rechts und Anschlag links. Bremsen: Hydraulische Vierrad-Fussbremse. Bremstrommeldurchmesser überall 30 cm. Vorn je zwei Zylinder von 32 mm Durchmesser, "hinten je zwei Zylinder von 25 mm Durchmesser. Bremsbelag 46 mm breit. Handbremsgriff unter dem Instrumentenbrett links vom Lenkrad wirkt mechanisch auf Hinterräder. Abfederung: Rundum einzeln durch Torsionsetäbe in Verbindung mit hydraulischen Teleskop- Stoßdämpfern. Karosserie: Selbsttragender Wagenkasten aus Stahl. Abmessungen und Gewicht: Totallänge 4760 min, Rädstand, 3087 mm, Spur vorn 1487 mm, hinten 1458 mm, Gesamtbreite 1790 mm. Totalhöhe 1540 mm. Totalgewicht fahrferti^ inklusive Werkzeug, Reservereifen, Kühlwasser, Oel und 55 Liter Benzin = 1328 kg (vorn ca." 740, hinten ca. 590 km). Reifen: Michelin Stop mit Querlamellen, Grosse 185X400. Klimatische Verhältnisse: Barometerstand 723 mm und Aussenlufttemperatur 11—14° C. Tag der Prüfung: 21. 4. 39. Gemessene Fahrleistungen und Brennstoffverbrauch: Höchstgeschwindigkeit 131 km/St. Steigfähigkeit bei Besetzung mit 2 Tersonen im 1. Gang 35%, im 2. Gang 17,5%, im direkten Gang 10,6%. Bremsweg aus einer Geschwindigkeit von 30 km/St. = 5,5 m, aus einem Tempo von 60 km/St. = 25 m. Brennstoffverbrauch bei konstanter Fahrgeschwindigkeit auf ebener Strecke und ohne Gegenwind (Besetzung mit 2 Rersonen): 30 km/St. = 12,15 Lit./lOO kmr 50 km/St = 12,15 LitJlOO km; 70 km/St. 13,3 Lit/100 km; 90 km/St = 14,35 Lit./lOO km. Bremsweg in m O'sfpnct de frethage (, to—, ,— m \l :?= :füIÜ , Die. Anordnung der Bedienungsorgane im CitroSn «15». Dank der raumsparenden Ahordnuiur Schalthebels ist der Einstieg auch zur Vorder bänk von' beiden" Seiten" gleich, angenehm. ••• '5 _J:_^ v . • 0 ' -20 V «V(( 80 100 0 5 IC 15 20 25 30 35 40 *5 50 55 0 5 10 15 20 25 30 35 See —-

• • - * . . _ _ ; • t BERN, Dienstag, 16. Mai 1939 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 40 yy Als Kühlerfigur zu gross geraten Der Motor machte auf einmal «Blupp... blupp ... blupp...» Dann stand das Kraftrad. Hella hätte es beinahe aus dem Soziussitz gehoben. «Was ist los, Fritz?» «Weiss* nicht», brummte Fritz und hob das Rad auf den Ständer. «Komm, halte mir mal die Taschenlampe!» Hella stiess einen Seufzer aus und starrte in die Nacht. Ein Schraubenschlüssel klirrte. «Möchte wetten, dass die Düse verstopft ist», knurrte Fritz. Er schraubte emsig, hielt das kleine Messingding in der Hand und blies nach Leibeskräften hindurch. «So wird's gehen», rief er siegessicher, schraubte wiederum und trat an den Kickstarter. « Paff paff paff paff paff... blupp... blupp... blupp... blupp...!» Aus! Wieder stand der Motor. Fritz tippte mit Stenotypistinnengeschwindigkeit auf den Vergaserknopf. Endlich schnurrte der Motor das gewohnte Lied. Im nächsten Dorf wieder das fatale «blupp... blupp... bluppbb ... blupp». Und dann aus! «Wenn das so weiter geht, sind wir morgen abend zu Hause», schimpfte Hella. «Das ist ein bisschen Mühle von Motorrad.» «Erlaube mal, Mühle?» «Dann meinetwegen Windmühle! Wie spät ist es denn?» «Kurz nach 11 Uhr.» «Mutti hat gesagt, wenn ich nicht spätestens um 12 Uhr zu Hause bin, gibt es einen Mordskrach!» «Es ist wieder die Düse, sicher die Düse!» knurrte Fritz und schraubte und blies wie besessen, trat an, tippte auf den Vergäserknopf... Nichts ... nichts! «Was nun?» seufzte Hella. «Das Rad in den nächsten Gasthof einstellen und mit dem Zug fahren. Um 12.45 Uhr geht einer, der um 4 Uhr eintrifft...» i «Mensch, den Segen, den ich zu Hause kriege!» schmollte Hella. «Dabei hast du das Rad gerade den vierten Tag; du hast mir doch erzählt, du könntest, wenn es darauf ankäme, sogar Rennen fahren ...» «Natürlich, ich habe schon als Säugling auf dem Motorrad gesessen!» «Und jetzt sitzest du fest!» Fritz legte den Finger an die Nase. «Weisst du, bei neuen Maschinen gibt es mitunter im Tank ganz winzige Unreinigkeiten. Man sieht sie mit blossem Auge kaum, aber diese winzigen Dingerchen verstopfen die Düse, es tritt nicht genügend Luft hinzu und, ja, dann steht die Maschine ...» «Merke ich, Fritz ... Und wenn nun bei unserer Urlaubsfahrt in der nächsten Woche die Düse auch immer verstopft ist, dann kommen wir wohl in vier Wochen in Lugano an?» Fritz schob seufzend das Rad auf den hellen Eingang zu. «Uebrigens werde ich nicht mit dem Zug fahren», fuhr Hella fort, «ich stelle mich ein- fach mitten auf die Landstrasse und hall, ersten besten Wagen an...» Da gruben auch schön zwei breite Lichtkegel in die Nacht. Hella sich mitten auf die Ländstrasse und winkte. Ein brüllender Hupenton, dann kreischten die Bremsen. «Dann gute Nacht, Fritz...» — Hella stieg schon ein — «bis morgen abend um 6 Uhr! Schlaf gut!» Ein Schlag klappte, fort stob der Wagen in die Nacht. «Das Kennzeichen!» dachte Fritz... und starrte der Nummer ZH 44587 nach. «ZH 44587», murmelte er. Am Gasthof schrieb er sich die Nummer auf. Dort war auch eine Zapfstelle. «Panqe gehabt, Düse verstopft», sagte er zum Tankwart. «Keine Spur, die Düse ist sauber wie frische Wäsche, aber Ihr Sprit ist fertig...» Richtig, als Fritz getankt hatte, schnurrte die Maschine so laut, als wollte sie ihn auslachen. «Es geht wirklich nicht, Fritz», sagte Hella zwei Wochen darauf. «Der Chef hat bestimmt, dass ich nächste Woche in Urlaub gehe ...» ^TJnd ich kann mich dann nicht freimachen. -Also ist es Essig mit unserer Ferienfahrt.» y^Leihr mir deinen Photoapparat. Ich bringe dir auch ein paar ganz feine Bilder mit.» fritz brachte am Abend den Photoapparat mit, am nächsten Morgen wollte Hella fahren. In den zehn Ferientagen Hellas war es Fritz zumute, als habe er ebensolange auf das Ergebnis der Maturitätsprüfung zu warten. Endlich kam sie zurück, doch am nächsten Tage Wollte er ja seinen Urlaub antreten. «Wie war es? Gut erholt, Hella?» «Fein, ja! War im Tessin...» Sie kramte einen ganzen Stapel Bilder aus der Handtasche ... Das Haus, in dem Hella gewohnt hatte... Hella im Badeanzug... Hella, wie sie die Hühner fütterte... Hella im Touristenkostüm .>.. Hella auf einem Felsen am See, als Nixe... Hella und im Hintergrund die Wiese... Hella, wie sie die Lämmchen umarmt ... «Ich möchte unterwegs auch ein paar Aufnahmen machen.» Er blickte dabei auf ihre grosse hellbraune Handtasche... «Dort ist der Apparat... das ist nett, dass du ihn nicht vergessen hast...» «Ja...» stammelte Hella, «aber ich muss ihn dir morgen früh an den Zug bringen!» «Weshalb?» «Es ist noch ein Film von mir drinnen.» «Gib nur her», rief "Fritz und nahm den Apparat an sich, «ich lasse ihn unterwegs entwickeln ...» «Wie du denkst, lieber Fritz», meinte Hella eigenartig. Und Fritz fuhr ab. Unterwegs, irgendwo in den Ferien, Hess Fritz den Film entwickeln. Als er die Abzüge betrachtete, sah er wiederum Hella... Hella beim Kopfsprung, Hella beim Kaffeetrinken und Hella... als Kühlerfigur, vergnügt auf der schlanken Kühlerhaube einer eleganten Limousine sitzend... Und diese Limousine trug das Kennzeichen... ZH 44587.., Da er ein gewissenhafter Mensch war, stellte er die betreffenden Bilder Hella durch die nächste Post zu... Die einzige Zeile, die er hinzuschrieb, hiess: «Als Kühlerfigur zu gross geraten...»