Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.042

E_1939_Zeitung_Nr.042

12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 23. MAI 1939 — N° 42 Schutz dem Polster! Auch Motoren werden mit dem Alter oft zu immer anspruchsvolleren Trinkkumpanen, deren Zeche niemand anders als Sie berappen muss... Ein probates Mittel, das sicher heilt ? Das gibt's: „OLD GOLD"-Kolbenringe, die dank ihrer Schmiegsamkeit auch stark ovalisierte Zylinder — ohne anormale Abnützung — vollkommen abdichten und dadurch dem Wagen nicht nur seine ursprüngliche Massigkeit im Ocl- und Benzinbedürfnis wieder verschaffen, sondern ihm gleichzeitig wieder seine ursprüngliche Rasse, Elastizität und Leistungsfähigkeit zurückgeben. Dazu fordert die Montage nur ein Minimum an Zeit und verursacht keine grossen Auslagen. Ausführliche Prospekte und schweizerische. Referenzen stehen Ihnen gerne zur Verfügung. Acar A—G. Das altbekannte Vertrauensnaus ffir Auto-Ersatzteile Bern Zürich Lausanne Elflngcrstrasse 6 a Seehofstrasse 15 5, avenue Ruchonnet Tel. 2 6084/85: Tel. 2 68 28/29 Tel. 325 67 II Bin AonvPolttcr hfll OUT aelrm die Lebensdauer eines Waren! Darum tind Polsterdberzilre — der HanddeaFadunanniangepaist — nnerlässftth. Wir haben am in der Anferrif unf %ofd)rr spezialisiert, pasten sie in kurzer Frist an und beredinen nur massige Preise« Ver* langen Sie dodk einmal «nverbind' lid> Offert«. MÜLLER

BERN, Dienstag, 23. Mai 1939 Automobil-Revue - III. Blatt, Nr. 42 „Kurzer Leitfaden" für Besucher Ifcr „Landi" Von K. TKire Bitte, warten Sie einen Augenblick, ehe Sie die Prehtür am Billettschalter der Ausstellung passieren. Ich möchte Ihnen ein paar Worte mitgeben. Keine Vorschriften, keine guten Ratschläge, nein; nur ein wenig plaudern wollen wir darüber, wie verschieden man die Ausstellung erleben kann. Ein jeder sieht die Dinge auf seine Art, und oft kommt es mehr auf die Einstellung des Besuchers an als darauf, was gezeigt und in welcher Gestalt das Gebotene vor Augen geführt wird. «Der lebendige Mensch ist das Mass aller Dinge», sagt Piaton. Uebrigens, hatten Sie schon Gelegenheit, einige Ihrer Bekannten nach ihrem Urteil über die Ausstellung zu befragen? Resultat? Natürlich helle Begeisterung, nicht wahrl «Etwas ganz Grosses hat man da geschaffen...», und so ähnlich lauten die Meinungen. Aber diese Meinungen bewegen sich in allgemeinen Redensarten. Wünscht man Urteile über Einzelheiten zu hören, so macht man die Beobachtung, dass jeder die Ausstellung auf seine ganz private, persönliche Weise in sich aufgenommen hat, ja, noch mehr, jeder Einzelne hat meist nur einen Teil gesehen, während all^das viele, das seinem Interessenkreis fern liegt, nur summarisch «1s auch vorhanden im Gedächtnis registriert wurde. Dabei gedenke ich nicht einmal jener, die wie eine Windsbraut durch die Ausstellung rasen, in jeden Winkel einen Blick werfen, damit ihnen ja nichts entgehe und die nach Torschluss nichts als ein Chaos als Erinnerung im Kopfe haben. Am liebsten würde ich Sie bitten, das erstemal mit. mir durch die Landi zu schlendern. Ich frage Sie erst gar nicht, was Ihnen persönlich die Ausstellung bedeutet. Ich erinnere mich nämlich gerade an das bekannte Beispiel vom Begriff: «Birnbaum», Der Botaniker sieht nichts als die Artmerkmale des Baumes, der Schreiner die Bretter, die aus dem Stamm' geschnitten werden können, der Bauer den Ertrag an Birnen und für den Künstler hat nur das «innere Erlebnis» Bedeutung. Beginnen wir also damit, unbefangen von Erwartungen und unbeschwert von Sonderinteressen durch die Anlage zu bummeln, soweit dies unter freiem Himmel möglich ist. Das allein ist schon eine köstliche Augenweide; von aussen die Architektur der Gebäulichkeiten zu betrachten, und es lohnte sich, lediglich zu diesem Zwecke eine Reise von Genf oder von Romanshorn nach der Ausstellungsstadt anzutreten. Gewiss, ich verstehe Sie, zunächst wollten Sie sich einmal die elektrische Hochspannungsanlage für 1% Millionen Volt ansehen, weil Sie für Atomzertrümmerung Interesse haben. Und- Sie, liebe Frau Müller, zieht es ins Paradies der Frauen, zu den feenhaften Modeschöpfungen. Aber bedenken Sie: Wir haben ja Zeit. Warum die Nidle schon am ersten Tag abschöpfen? Sollten Sie die Absicht haben, alles in einem Tage zu «machen», dann müsste ich Sie als einen ganz hoffnungslosen Fall aufgeben. Lassen Sie uns also vorerst die reizend angelegten Strassen* Wege und Weglein gemessen, die sich hier spielerisch zwischen duftigen Blumenbeeten hindurchschlängeln und dort an imposanten Bauten vorbeifünren. Sehen Sie diesen Herrn dort mit der Brille, wie er den Boulevard entlang* hastet, ohne einen Blick für die Eigenart der • Gebäulichkeiten und die herbe Schönheit der Plastiken zu haben. Ihn drängt es, etwas zu sehen, und dabei verliert er die Fähigkeit des beschaulichen Erkennens. Uns aber ruft der Anblick dieser in ruhigen und klaren Formen gehaltenen Bauten als Vergleich die letzte Landesausstellung in Bern von 1914 in Erinnerung. Welch ein Unterschied in Geschmack und Stil! Damals waren wir stolz auf den mit barockem Stuckwerk überladenen Rokokopalast, in dessen Innern, nüchterne Maschinen Tabletten pressten und Konservenbüchsen zulöteten. Heute ruht unser Auge froh an den sachlichen, in hellen, abgetönten Farben gehaltenen Bauten mit ihrer zeitgemäss horizontal betonten Linienführung. Keine aufdringliche Schrift schreit uns- an, das hier der Installateur Binggeli seinen patentierten Sprudelapparat vordemonstriere, der in jede Badewanne eingebaut werden könne und gegen tausenderlei Krankheiten die einzige vernünftige Rettung bringe. Die Reklame im schlechten Sinne des Wortes ist verbannt; sie hat sich hier zur grossen Geste der Allgemeinwerbung gewandelt, die fürs Ganze auf die vornehmste Weise plädiert. Fällt es Ihnen nicht ebenfalls auf, dass Sie nirgends durch Aufschriften ermüdet werden? Es galt damit ein schwieriges,Problem zu lösen, Gegenstände, ja selbst abstrakte Dinge, wie Statistiken, dem Auge so vorzuführen, dass umfangreiche schriftliche' Erläuterungen umgangen werden konnten. Denn um zu lesen, geht man nicht in eine Ausstellung; man will schauen .und schauend die Dinge verstehen. Sehen Sie nur, wie prächtig diese Forderung hier erfüllt ist! Das Wort wandelt sich hier zum Bild und vermittelt so nicht nur den Begriff in höchster Anschaulichkeit, sondern gleichzeitig in Gestalt eines ästhetisch schönen Kunstwerkes. Und da, wo ein kurzer schriftlicher' Hinweis unumgänglich wird, stehen die Buchstaben nicht auf planer Fläche gemalt oder gedruckt, sondern sie treten körperlich heraus, und werden zum dreidimensionalen Relief wie all die vielen andern bildlichen Darstellungen. Vielleicht erscheinen Ihnen diese Dinge alle nebensächlich. Sie sind es aber nicht, denn sie geben der Ausstellung jene vornehme und würdige Note, die unsere Achtung weckt und die sie von der Aneinanderreihung von Schaufenstern einer Geschäftsstrasse unterscheidet. Und wer ein Auge dafür hat, für den ist es eine Freude, auch solche formale Einzelheiten zu entdecken. Wenn wir nun per pedes oder auf den stillen Wassern der. Schifflibahn das Gelände der Aulstellung auf besagte Weise rekognosziert haben, wenn wir mit einem der flinken Motorboote oder in übermütiger Laune mit der schwindelerregenden Schwebebahn den See überquert haben, dann lassen wir uns im Dörfli an einem Gartentisch des wunderschön gelegenen Landgasthauses bei einem Glas Fendant oder Waadtländer nieder. Oh, es ist herrlich, an einem Frühlingsmorgen von-hier