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E_1939_Zeitung_Nr.045

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ÄnKMnobll-'Revn« No 45

ÄnKMnobll-'Revn« No 45 • ..und im Keller — Wein. Die leichten Weine wünscht man kalt, die schweren chambriert. Champagne und Liqueurs frappSs. In verschiedenen Gegenden der Schweiz ist das Klima so mild, dass die Weinrebe gedeiht und Weinbau in grösserem Umfang getrieben werr den kann. Dies ist dort der Fall, wo die mittlere Monatswärme im Juli 18—20*'und mehr beträgt. Die Anbaufläche für 'Reben betrug in der Schweiz im Jahre 1898 rund 30 000 ha. Sie nahm dann jedes Jahr rasch ab bis zum Tiefstand im Jahre 1932 mit rund 12 500 ha. Seither nimmt sie wieder langsam zu und betrug 1937, 13400 ha. Es werden jetzt mancherorts-, wieder Reben gepflanzt; wo früher solche waren, wie in Spiez, ObefHbfea, im Fricktal, ' -: ' "~ Die Ernte 1935 brachte den Rekord von 1 100 000 hl, die geringste. Ernte 1933 ergab 240 000 hl, 1937 ergab 118 000 hl roten und 336 000 hl weissen Wein. Rot- und Weisswein verhielten sich also wie 1 :4. Der Wert der gesamten Weinernte betrug 1934 54 Mill. Fr., 1935 46 MÜ1. Fr,, t937 37 Mill. Fr. Das ist im Durchschnitt nahezu der sechste Teil des Pflanzenanbaues. Der Weinbau bildet also einen bedeutsamen Bestandteil des Volkseinkommens. Die Reben sind bei uns vor hald zwei Jahrtausenden von den Römern eingeführt worden. Die Schweiz erzeugt folgende Weine: Waadtländer: weiss: Die bekannteren Sorten sind: Vom unteren Rhonetal: Aigle, Yvorne. Vom Lavaux (oberer Genfersee von Villeneuve bis Lausanne): Villeneuve, Dezaley, Cure d'Attalens, Calamin, Chardonne, Epesses, Riex, St-Saphorin. Die Spitzenweine tragen und verdi^e. nen den stolzen Namen «Grands Vins». Von der Cöte {Genfersee von Lausanne abwärts): Fechy, Luins, Malessert, Tartagnin, Mont, Vinzel. Walliser: mit den weissen Fendant; Johannisberg, Montibeux, Heidenwein, Gletscherwein, Muscat, Malvoisie, Amigne, Aroine, Ermitage, Mont d'Or, Humagne, Molignon und dem hervorragenden Rotwein Dole, dem schweizerischen Burgunder. N e u e n b u r g e r : vorwiegend weiss , (Champreveyres, Höpital) und den hervorragenden Rotwein Cortaillod. Bieler,seewein: mit den weissen und roten Schafiser, Twanner, Ligerzer, Neuveville, Erlacher. Murtenseewein: mit dem weissen Vully. 0 s t s ch w eizer t Unter diesem Namen fa'sst man die Weine der Ostschweiz zusammen, als da sind: Der Zürichseewein mit den roten und weissen Stäfner, Meilener, Herr. Überger. ' Zürcher Unterland: mit den roten Flaacher, Freiensteiner, Neftenbacher, Otelfinger, Rafzer, Stammheimer, Teufener, Winterthurer, Rh'einauer Korbwein. Aar g au er : «Und mit dem edlen Kastelberger Tat er die Trompete füllen.» Scheffel. Mit den roten und weissen Brestenberger, Goldwändler (Baden), Wettinger, Kasteier (Scheffel). Basellandschäftler: mit den weissen und roten Buuser, Wintersinger, Maispracher. Schaffhaus er : mit den roten Hallauer< Osterfinger, Trasadinger, Wilchinger, Rheinhaider, Steiner. Thurgauer: mit den röten Bachtobler, Iselisberger, Nussbaumer, Karthäuser (Ittingen), Rauspfeiffer. St. Galler: mit dem roten Bernecker. Bündner Herrschaft: mit den roten Maienfelder,'Malanser, Jeninser, Fläscher, Zizer- ' ser, Churer (Schiller). Tcssiner; mit dem roten Nostrano (der Hiesige, UnSrige). Von diesen Weinen sind verbreitet Waadtländer und Walliser in der ganzen Schweiz, dann Neuenburger, Malanser, Maienfelder, Die übrigen haben mehr lokale oder regionale Verbreitung. Ostschweizer findet man in der Westschweiz nur vereinzelt. Zu leichten Speisen bevorzugt man auch einen leichteren Wein neueren Jahrgangs, zu schwereren Speisen einen schwereren, älteren Jahrgang. Auf die Farbe, weiss oder rot, kommt es weniger an. An ausländischen Weinen sind verbreitet: Burgunder: Rot: Beaujolais, Fleurie, Moulin ä Vent, Mtcon, Beaune, Pommard, Santenay, Volnay, Chambolle - Musigny, Nuits, Clos-Vougeot, Aloxe-Corton, Chambertin, Weiss: Montrachet, Meursault, Chablis. Rhonewein: Chlteau Neuf du Pape, Hermitage. Bordeaux: Rot: St.Estephe, St. Julien, St. Emilion, M£doc, Pontet Canet, Chäteau Lafite, Chateau Mouton Rothschild. Weiss: Graves, Sauternes, Ch&- teau Yquem, Elsässer. Italiener: Rot: Veltliner (Montagner, Perla di Sasella, Grumello, Inferno), Chianti im Fiasco, Barbera, Barbaresco, Tiroler (Kälterer, Lagreiner-Kretzer, Magdalener), dieser hauptsächlich in der Ostschweiz. Weiss: Asti, Chianti, Rhein- u. Moselweine: Rüdesheimer, Niersteiner, Liebfrauenmilch, Brauneberger, Berncasteler, Zeltinger, Piesporter Graacher. FrankenweimWürzburger Bocksbeutel. Champagner: Mumm, Roederer, Veuve Cliquot, Pommery. Bowlen: im Sommer glasweise.. Für einige Weine gibt es spezielle Weinstuben, auch von Winzergenossenschaften, so Walliser, Waadtländer, Ostschweizer Stuben, Locandä Ticinese, Carnotzet (welsche Schweiz). Veltlinerstuben sind nicht selten. Im Herbst kommt der neue Wein zunächst als Süsser offen zum Ausschank, dann als Sauser und schliesslich als «Neuer», gegenüber den früheren Jahrgängen, die als «Alter» ausgeschenkt werden. Aperitifs: Bitter (Amer), Vermouth nature mit Bitter oder Gin, Portwein, Madere, Marsala, Malaga. ,, = , Spirituosen zum Kaffee: "'•>]•.. Kirsch (Zuger, Schwyzer, Baselbieter, Sch.i*ar*r Wälder), Marc de Bourgogne oder du Valais.'Armagnac, Grappa, Aqüa vitae (Lebenswasser, 'eä'ü de vie), Cognac (fine Champagne), Steinhöger. '•'- Kaffee: '•• ist am besten gekocht nach Wiener Art (Kona). - Dem Kaffee wird' in der Schweiz zumeist zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Verlange Kaffee Filter oder Kona. Zigarren: Beliebte Zigarren sind: Dannemann, Brasil, Toscani, Brissago, Stumpen. Importen, wie Henri Clay, Bock, Upmann, Corona, Huifkar, sind stets ein Hochgenuss. Souvenirs: Was man seiner Frau mitbringt von A p p e n z e 11: Handstickereien. Baden: Chräbeli, Basel: Leckerli, Klopfer. Bern: Lebkuchen (Bäremutz) aus Honigkuchen oder Haselnuss, Zungenwurst. Bern er Jura: Tete de Moine (Käse). Berner Oberland: Handweberei, Schnitzlerei. C h u r : Pfirsichsteine, Steinbock, Leckerli, Bündnerfleisch, Rohschinken. Glarus: Birewegge, Leckerli, Pasteten. L u % e r n : Birewegge, Lebkuchen. Neuchatel: Saucisses, Taillaul es. St. Gallen: Stickereien. Seh äff hausen: Züngli (Patisserie), Schieitheim: Rickli, Gugelhopf. Sursee: Martins-Gans, gefüllt (in Konditorei' Tessini Panettone, Salami, Handweberei. Toggenburg: Birewegge. Waad t: Saucisses. Willisau:.Ringli. Zug: Kirschtorte, Kirsch. Zürich: Leckerli. Waldemar und der Bauch Waldemar brachte seinem Bauch'jenes aufrichtige Gefühl entgegen, das man den intimsten Freunden gegenüber zu empfinden pflegt, verbunden mit dem Respekt, den Vorgesetzte von einem zu verlangen berechtigt sind. Er hegte und pflegte ihn sorglich, bemühte sich, jedem seiner Wünsche gerecht zu werden, kam jedem Knurren aufmerksam zuvor und respektierte vor allem schon das geringste Anzeichen eines beginnenden Missbehagens durch geradezu sklavische Berücksichtigung der in langjährigem Zusammenleben erprobten Eigenheiten. Der Bauch dankte Waldemar diese Pflege durch die dekorative Tatsache seiner Anwesenheit, die Waldemar ein kreditwürdiges Aussehen und dementsprechend selbstbewußtes Auftreten verlieh. Das alles änderte sich, als Waldemar - nicht zum wenigsten dank dieser betonten Kreditwürdigkeit - sich verheiratete. Zweifellos war es ein gewisses Gefühl der Eifersucht auf den bisherigen treuen Weggenossen ihres Gatten, der die junge Frau verazüäsate, zuerst versteckt und heimlich, bald aber immer offener gegen ihn Stellung zu nehmen, um schliesslich kurzerhand nicht weniger als seine vollständige Beseitigung zu fordern. Waldemar wehrte sich verzweifelt; aber seine Verteidigungsversuche scheiterten jämmerlich an den jeder jungen Frau eigenen taktischen und strategischen Künsten, und so wurde eines Morgens der schmähliche Friede unterzeichnet: der Bauch muss wegl Es ist schwer, die Leiden zu beschreiben, denen von diesem Augenblick an die beiden Freunde unterworfen wurden. Der Bauch wehrte sich mit bewundernswürdiger Zähigkeit. Er widerstand siegreich der Einführung eines wöchentlichen Fasttages (wobei allerdings wohl die Tatsache ihm zu Hilfe kam, dass Waldemar, der getreu seinem Versprechen einen ganzen Tag lang keinen Bissen über seine läppen brachte, Schlag Mitternacht sich still und leise in die Speisekammer schlich, um dort unter den Würsten, Kuchen und sonstigen ach so schönen Dingen fürchterliche Musterung zu halten). Es folgte ein 21tägiger Angriff, der. nach einem angeblich von Greta Garbo persönlich entworfenen Diatplan durchgeführt wurde: Waidemars Nahrung bestand zum gröstten Teil aus halben Südfrüchten, salz- und fettlos gekochtem Kuhfutter und an Sonnund Feiertagen einem Anflug grillierten Fleisches, das bestenfalls zur notdürftigen Sättigung einer wenig anspruchsvollen Stubenfliege ausgereicht hätte. Waidemars Frau hatte eine höchst komplizierte Waage angeschafft, auf der Waldemar alle sechs Stunden im Adamskostüm Platz zu nehmen hatte, um vermittels der Drehung verschiedener Schrauben liOb des von Rudi. liaiidwirtslmiises und - der Verschiebung zahlreicher Laufgewichte aufs Gramm genau festzustellen, wie weit die Wirkung der Kur gediehen war. Waldemar führte diese schwierigen Operationen mit ziemlichem Interesse durch; er hatte schon von Kind auf eine gewiwe Vorliebe für technische Spielereien gehabt, während seine Frau der ganzen Maschinerie mit bewunderndem Unverständnis gegenüberstand. Je nach dem Resultat des Wiegevorgangs wurde die Kur verschärft oder gemildert; nach einer besonders zufriedenstellenden Abnahme wurde Waldemar sogar einmal ein ausserplanmässiges Beefsteak genehmigt, das sich allerdings sofort durch einen geradezu katastrophalen Ausschlag des Wiegebalkens .rächte und einen vollen Zwiebacktag zur Folge hatte. Waldemar war schon lange nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Backen waren eingefallen, seine Augen glanzlos, seine Haare begannen sich zu lichten - das einzige, was noch an die Tage früheren Glanzes erinnerte, war der Bauch. Der Bauch wehrte sich sozusagen seiner Haut; in ihm konzentrierte sich, was vom alten Waldemar noch übrig geblieben war Aber der Kampf von Waidemars Frau richtete sich schon lange nicht mehr gegen ihn; der Feind hatte eine andere Form angenommen: er hiess jetzt «Gewicht». Waldemar merkte dies eines Tages, als er auf der Waage eine der Schrauben irrtümlich falsch gedreht hatte und infolgedessen plötzlich eine Abnahme von über einem Kilo verzeichnete: seine Frau war restlos selig und drückte beim Mittagessen beide Augen zu. Damit war Waidemars Weg für alle Zukunft vorgezeichnet. Unter den Augen seiner bedauernswerten, nichtsahnenden Gattin begann er, den gemeinsten Betrug aller Zeiten einzuleiten. Er arbeitete ein genaues Schema aus, nach welchem seine Abnahme vorwärtszuschreiten hatte, und hielt dieses Schema vermittels der Schrauben und Gewichte aufs sorgfältigste ein. Tag für Tag zeigte die Waage ein Minus, und gerade vor Geburtstagen und ähnlichen Festen verzeichnete sie einen besonders anerkennenswerten Sprung nach unten, der die Einnahme eines solennen Festmahls durchaus rechtfertigte. Schon längst hat Waldemar das Fasten aufgegeben. Schon längst hat er wieder volle Backen und glänzende Augen, und sein Bauch prunkt kreditwürdiger denn je. Aber Waidemars Frau ist trotz allem glücklich und zufrieden: ihr Mann hat zur Zeit etwa das Durchschnittsgewicht eines 15jährigen Knaben und nimmt immer noch ab. Sie denkt sogar schon daran, ob ihm nicht eine kleine Mastkur bekömmlich wäre. Im Landwirtshaus gibt's gut zu trinken, ein herber Wein mit Brot und Speck. Im Weine braucht kein Stern zu blinken, zum Essen braucht es kein Gedeck. Zum Plaudern braucht es keine tiefen Worte, zum Scherzen keine eitle Ziererei. Ein rechter Geist am rechten Orte, ist besser als Phrasen und Schonrederei. Und auch zum Schweigen und zum Träumen ist so ein Wirtshaus wahrhaft ideal. Man sitzt beschaulich unter Apfelbäumen und blickt versonnen über Feld und Tal. Drum lob ich so ein Wirtshaus sehr In einer Zeit, die nichts als hetzt und hastet! Ich trank darin schon manchen Becher leer und habe gut nach mancher Wanderung gerastet. Peter Kilian. ßlERUHANS' ERLEBNISSE w. Dos Kegeln iil Hons lierii't Stell, Doch nur mit tief modit «r «gut Hell*

N° — Automobfl-Revufc Iffl Die Schweiz wirbt auch mit Menüs Von jeher haben Spezialitäten aus KGche und Keller beim Lobpreis eines Landes ihre Rolle gespielt, und seit der Autoverkehr die Gourmands in Massen in den Stand gesetzt hat, bequem zu jeder Essenszeit altberühmte Gaststätten aufzusuchen und neue zu entdecken, sind die Kulinaria zu einem wichtigen Bestandteil der Werbung im Fremdenverkehr qeworden. Und sicher nicht erfolglos, wie das Beispiel Frankreich so nachhaltig immer wieder einer ganzen Welt ad oculus vordemonstriert. Auch die Schweiz hat diesen Weg der Werbung beschriften, und an der Landesausstellung in Zürich werden die Regionalgerichte unseres Landes eine grosse Aufgabe zu erfüllen bekommen. Einen Auftakt dazu hat die Schweizerische Verkehrszentrale in Paris gegeben — ausgerechnet im Zentrum der Gourmanaise — indem sie die gesamte französische Fremdenverkehrswelt samt Presse zu einem «Diner Suisse» einlud. Es gab Käsespezialitäten — Raclette als Hors-d'Oeuvres und Yacherin, Deckeli — Bindenfleisch als Ein- Schnappschuss vom «Diner Suisse». Man bemerkt an der Tafel Minister StucM, Roland Marcel und Direktor •Bittel von der Verkehrszentrale. Avant« de se mettre • iftable V Ermitagi Hätte Ml'Etat da falais V La Fiandx KcMc den Gruum MENÜ La n&el£t:e jfeuUftt «*s?::, L* fta»M'Ägfi«au