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E_1939_Zeitung_Nr.037

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BERN, Freitag, 5. Mai 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang •?—-,No\« ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen AB ONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Im ewiopäischeu Slwssetweikehi Man pflegt die Entwicklung des motorisierten Strassenverkehrs oft als « Konjunkturspiegel > zu bezeichnen. Das hat bis zu einem gewissen Grad zweifellos seine Berechtigung. Vergleicht man über einen längern Zeitraum hinweg den Verlauf der Indexziffern der Wirtschaftstätigkeit mit der Kurve der Automobilbestände, so lässt sich zumindest in der allgemeinen Tendenz eine unverkennbare Analogie der Bewegungen wahrnehmen. Anderseits ist aber auch festzustellen, dass ungeachtet jenes naheliegenden inneren Zusammenhangs zwischen Konjunktur- und Motorisierungsverlauf das Tempo und Ausmass dieser Bewegungen doch bisweilen stark differiert. So hat beispielsweise in den 15 nachstehend verzeichneten europäischen Ländern die Zahl der Personenwagen im letzten, an wirtschaftlichen und politischen Krisen so reichen Jahr, von rund 5.6 auf 6.2 Millionen Einheiten ungefähr im gleichen Verhältnis zugenommen wie im vorangegangenen Hochkonjunkturjahr 1937. Auch das äst leicht. erklärlich. Gerade das Automobil- hat in den letzten Jahrzehnten eine Vervollkommnung erfahren, die den Luxusartikel von einst längst zum unentbehrlichen Gebrauchsgegenstand von heute werden Hess. Auch in Zeiten wirtschaftlicher Depression ist sein Besitz für Millionen von Menschen in unsern Tagen ein© unbedingte Notwendigkeit. So beobachten wir in konjunkturell ungünstigen Perioden eine oft nur massige Verlangsamung des Motorisierungsfortschritts und anderseits in Phasen des Wirtschaftsaufstiegs ein um so rascheres •Hochschnellen des Automobilabsatzes. Ein weiteres Moment kommt hinzu. Der motorische Verkehr als ganzes ist ein ungemein vielseitiger Transportzweig mit stark unterschiedlicher Struktur. Das Automobil ist das einzige unter den in grossem "Umfang eingesetzten mechanisierten Beförderungsmitteln, das sowohl privaten wie öffentlichen Verkehrszwecken dient. Diese Zweiteilung des Aufgabenbereichs hat auch in der Entwicklung des motorisierten Strassenverkehrs ihren deutlichen Ausdruck gefunden. Während die Ausbreitung des Personenwagens sich relativ frei nach Massgabe der natürlichen Verkehrsbedürfnisse vollziehen konnte, war dies bei den Nutzfahrzeugen keineswegs der Fall. Abgesehen davon, dass der Güterkraftverkehr als ein ausschliessliches Instrument der gewerblichen Wirtschaft durch Konjunkturverschlechterungen viel unmittelbarer in Mitleidenschaft gezogen wird, war er auch von jeher behördlichen Eingriffen weit stärker ausgesetzt als der private Automobilismus. Bekanntlich war diese überwiegend von den Wünschen der Eisenbahnen diktierte staatliche Einflussnahme fast stets restriktiver Natur. Erst in jüngster Zeit macht sich in einzelnen Ländern das Bestreben bemerkbar, das durch einseitige Koordinationsordnung so lange aufgehaltene natürliche Wachstum des Nutzkraftverkehrs im Hinblick auf dessen hohe wehrwirtschaftliche Bedeutung durch entsprechende Erleichterungen nunmehr zu beschleunigen und in einzelnen Fällen sogar mit allen verfügbaren Mitteln zu forcieren. Gewiss vollzog sich auch beim Personenwagen die Entwicklung keineswegs ohne äussere Hemmungen. Ericheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 m»l „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse; Autorevue, Bern Geschittntelle Zürich : Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Hohe Fahrzeug- und Treibstoffabgaben haben auch in diesem Bereich das Vordringen der Motorisierung vielfach empfindlich erschwert, doch haben diese Belastungen im allgemeinen mehr fiskalischen als verkehrspolitischen Charakter und lassen somit der Ausbreitung des Automobilisrmis immerhin einen weiteren Spielraum. So spiegelt der Personenwagenverkehr den natürlichen-Fortschritt auf diesem Gebiet gewissermassen am unverfälschtesten wider, und es mag daher angebracht sein, die vorliegende Betrachtung über den gegenwärtigen Stand des europäischen Kraftverkehrs allein auf den Personenwagen abzustellen und den Nutzfahrzeugen eine besondere Darstellung zu widmen. Als Maßstäbe für die Veränderungen im Motorisierungsgrad der Länder pflegen sowohl die Absatzziffern der Automobllindustrie wie auch die Statistiken des Motorfahrzeugumlaufs herangezogen'zu werden. Beide sind*" für die Beurteilung Wesentlich; die ersteren als Kennzeichen für die Dynamik der Bedarfsgestaltung, die letztere als Tndices für den jeweiligen Gesamtumfang des Kraftverkehrs. Daraus ergfbt sich, dass die spezifischen Einflüsse, die von einem Jahr zum andern das Tempo des Motorisierungsfortschritts bedingen, in den.-Zahlen des Absatzes bzw. der Neuzulassungen von Automobilen ihren treffendsten Ausdruck finden. Betrachten Wir daraufhin die nachstehende Tabelle, so bestätigt diese zwar den eingangs erwähnten Zusammenhang zwischen Wirtschaftsablauf und Kraftwagenbeschaffungen, lässt aber auf der andern Seite auch erkennen," dass die letzteren offenbar auch noch durch andere Faktoren wesentlich mitbestimmt worden sind. So ist beachtlich, dass sich beispielsweise in Grossbritannien und Deutschland nach einem rapiden Anstieg def Zulassungsziffern nach 1933 die Zuwachsrate der Neuregistrierungen gerade im Hochkoniunkturjahr 1937 verlangsamt hat, während demgegenüber der französische Autoabsatz nach stärkeren Schwankungen Die < einäugigen» Autos, die nur mit einem einzigen StirnlicHt verkejiren, weil der*£31ühfaden der zweiten Lampe, durchgebrannt istKoder sonst eine Störung im Stromkreis besteht,; gelten mit Recht als der Schrecken der nächtlichen Strasse, weil die übrigen Verkehrsteilnehmer durch das eine Licht über die Natur des ihnen begegnenden DER ZÜRCHER TRÖLLEYBUS Oben: Der erste der 6 Trolleybusse, die von der Städtischen Straßenbahn Zürich demnächst auf der Linie Bezirksgebäude - ;Langstrasse, - Kornhausbrücke - Rötetetrasse — Bucheggplatz in Betrieb gesetzt werden. Chassis und Karosserie erstellt durch AG. Ad. Saurer, komplette elektrische Ausrüstung durch Maschinenfabrik Oerlikon. Der Trölleybus mit 5,2 ni Jtadstantf hat eine Gesamtlänge von 10,5 m, max. Breite 2,4 m und eine max. Höhe von 2,8 m. Das Fassungsvermögen beträgt 26 Sitz- und ca. 50 Stehplätze. Die besondern Merkmale in der Bauart bestehen in einer durchgehenden Verglasung in Sicherheitsglas, einer patentierten Dachkonstruktion in Leichtmetall, in welcher die Geräuschlosigkeit, Wasserdichtheit und Ausdehnung besonders berücksichtigt wurden, elektropneumatisch betätigte Gleittüren und einer neuartigen Bestuhlung, welche bis anhin nur im Ausland mit Vorteil angewendet wurde.. Das Chassis ist vorn einfach und hinten doppeltbereift mit Spezial-Pallasreifen Grosse 9,75X20, die Hinterachse ist als Niederachse ausgebildet mit beidseitigem Ritzelantrieb, dadurch wurde ein vollständig ebener Wagenboden ermöglicht von 720 mm Bodenabstand. Die max. Geschwindigkeit des Fährzeuges beträgt 45 km/St. An Bremsen sind vorhanden: als Detriebsbremse eine elektr. •Widerstandsbremse, als Notbremse eine Druckluft-Vierräd-Innenbackenbremse und als Feststellbremse eine mechanische Handbremse. Nebenstehend: Innenansicht gegen den Fahrerstand. Man beachte die gute Sicht gegen- vorn< die einfache, .gänzlich abgeschlossene' Anordnung des Führertisches. . INSERTIONS-PREIS: Die achtfespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Iroeratensehhus 4 Tage vor Ericheinen der Nummer In dieser Nummer s Verantwortung des Mitfahrers bei Alkoholunfällen. Tripolis-Vorschau. Was geschieht, wenn man den Zündschalter und Anlassknopf bedient? Feuilleton: S. 2. Beilage: : in den Vorjahren während der vergangenen 12 Monaten einen kräftigen Auftrieb zeigte. Schtuss Seite 2. „Einäugige" und „blinde" Autos auf der Strasse Fahrzeugs getäuscht werden. Sie glauben vielleicht, ein Motorrad vor sicti^zu haben und weichen ihm nur so weit aus, "als es die" normale Breite des hinter dem Lichte vermuteten Rades entspricht, um dann von dem auf der Seite des erloschenen Scheinwerfers viel weiter hinausragenden Fahrzeug gefährdet zu werden. Aber auch wenn der Strassenbenützer erkennt, dass er ein Auto vor sich hat, bleibt er im Unsicheren über den wirklichen Sachverhalt. Denn im Blendungskreis des einzigen Scheinwerfers vermag er den dunkeln Umriss des Fahrzeugs nicht zu erkennen und daher nicht zu bestimmen welcher der beiden Scheinwerfer eigentlich leuchtet. Neben diesen gefährlichen Benutzern der Strasse, die auch auf den Ueberlandverkehrswegen ihr Unwesen treiben, weil der Fahrer ob des hellen Scheines des allein brennenden Scheinwerfers den Ausfall des andern gär nicht merkt oder weil er dem an sich festgestellten Mangel praktisch» unterwegs gar nicht abhelfen kann, mögen die ganz,«blinden » Autos verhältnismsäsig harmlos erscheinen. jene gänzlich ohne Lichter herumfahrenden Wagen, die man in den Ortschaften erstaunlich oft trifft. Aber auch sie bilden eine unerfreuliche Erscheinung im Strassenverkehr, weil sie auf alle Fälle mangelnde Aufmerksamkeit des Fährers bekunden, wenn auch die durch sie heraufbeschworenen Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer nicht sogross sind; dehn die allgemeine Strassenbeleuchtung macht sie meist doch erkennbar. Und wenn sie dann auf die unbeleuchtete Landstrasse oder auch schon in die dunkleren Aussenquartiere der Stadt kommen, werden sie natürlich ihres Fehlers gewahr, weil der Lichtschein ;yor ihrem Wagen fehlt. ^ .:: ":: Der Verfasser dieser Zeilen, beispielsweise, hat beinahe auf jedem seiner abend* liehen Gänge in den Strassen der' Bündesstadt Gelegenheit, einen oder gar mehrere Autofährer auf das Nichtbrennen ihrer sämtlichen Lichter aufmerksam zu machen.' Er tritt dann meist unvermittelt in ihre Fahrbahn und macht ihnen das Zeichen' des Schalterdrehens, wenn sie nicht schön ihren Fehler daran erkennen, dass die vor ihnen auftauchende Gestalt gänzlich dunkel bleibt. Besonders köstlich wird die Sache jeweilen. dann, wenn der Fahrer unwillkürlich an den Lichtschalter greift, um den vermeintlich unvorsichtigen Fussgänger durch Auf- und Abblenden der Scheinwerfer zu warnen—utid