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E_1939_Zeitung_Nr.043

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BERN, Freitag, 26. Mai 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 43 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS.PREISE: Autfabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) Yierteljfinrlich Fr. 7.5U. Ausgabe C (mit InsassenversicherunfO vierteljährlich Fr. 7.75. Automobilist und Garagist ... und der Garagist repliziert. «Sehen Sie, es ist zwar ein heikles Ding, der Kundschaft gewissermassen den Spiegel Vorzuhalten und ihr zu sagen, woran es hei ihr, vom Standpunkt des Garagiers aus betrachtet, hin und wieder noch fehlt. Vielleicht aber trägt ein offenes Wort über das, was uns am Herzen liegt, mit dazu bei, etwas mehr Verständnis auch für die Wünsche und Nöte des Garagengewerbes zu wecken. Nicht nur uns, sondern auch sich selbst würde der Kunde damit vieles erleichtern und mancher Stein des Anstosses Hesse sich so aus dem Wege räumen. Da wäre zum Beispiel das Kapitel Schwarzarbeiten, eine Angelegenheit, die uns heftig zu schaffen macht. Wieso dieser Mißstand einreissen konnte? Weil dieser und jener Automobilist in der Garage seinen «Stammechaniker» hat, dem er oft genug seine Aufträge direkt, unter Umgehung des Chefmechanikers oder des Meisters übergibt;'Die 'wissen nichts davon und sind dann höchlich erstaunt, wenn plötzlich ehW Reklamation des Kunden wegen unsachgemässer Ausführung oder wegen verspäteter Ablieferung hereingeschneit kommt. .Gerade aus solchen Stammverhältnissen heraus entwickelt sich mitunter die Schwarzarbeiterei. Nicht jeder Automobilist vermag nämlich der Versuchung zu widerstehen, < seinen » Mechaniker zu sich zu bestellen und ihn in der eigenen Garage, wenn möglich noch mit den Werkzeugen des Meisters, den Wagen in Ordnung bringen zu lassen. Weil wir schon einmal davon reden, sei im Vorübergehen noch ein anderes, ähnlich geartetes- Uebel aufgedeckt, dessen Beseitigung ebenfalls in erster Linie vom guten Willen der Automobilisten abhängt. Hat sich da — namentlich bei den Angehörigen eines bestimmten Berufes — die «Sitte» eingebürgert, gemeinsam einen arbeitslosen Mechaniker einzustellen und ihn mit dem Service zu betrauen. In regelmässigem Turnus klopft der Mann die Garagen seiner Klienten ab. Was weiter not tut, ist ein Quentchen mehr Rücksicht gegenüber der Garage hinsichtlich der Arbeitseinteilung. Wir wüssten ein Liedchen davon zu singen, Siehe Nr. 42. (Schluss.)* F JE: U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 38. Fortsetzung. « Aber!» « Lassen Sie mich erst ausreden ! Da Sie sich wohl nicht ganz gesund fühlten, nahmen Sie heimlich eine Pille. Diese Pillen waren in Wirklichkeit ein Rauschmittel, das Don Paulo sich im Orient angewöhnt hat. Als er zurückkam, fand er Sie bewusstlos, und da er ein Menschenfreund ist, legte er Sie auf sein Sofa und Hess Sie ausschlafen. Haben Sie mich verstanden ?> c Jedes Wort ist eine Lüge ! Eine gemeine und hinterhältige Verleumdung! Glauben Sie ihm keine Silbe, Herr Doktor!» Der Kellner würde gern schreien, wenn sein Kräftezustanddas schon zuliesse, es ist Martinez Glück, dass der Mann noch sehr schwach ist. t Erst hat der Mensch mich betäubt und jetzt will er sich als Menschenfreund und; mich als Dieb hinstellen ! Ich — > : Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlieh 1 mal „Gelfce litte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Barn Gesehlfttstelle Zürich : LGwenstrasse 51, Telephon 39.743 wie häufig Kunden zu uns kommen und sofort oder noch schneller die Vornahme einer Reparatur verlangen, bevor sie und wir überhaupt eine Ahnung haben, was eigentlich los ist. So furchtbar pressiert's mitunter, dass sie kurzerhand beim Auto stehenbleiben und nicht eher vom Platz weichen, als bis der Schaden behoben ist. Fügt es in solchen Fällen die Tücke des Geschicks, dass die Garage bis zum Hals hinauf in andern, nicht minder dringenden Arbeiten steckt, dann bleibt, sofern man dem Kunden eine Gefälligkeit erweisen will, vielleicht kein anderer Weg, als dass sich mal eine Hilfskraft, ein ungelernter Arbeiter, den Wagen vornimmt. Ist es da verwunderlich, wenn die Geschichte einmal schief ausgeht, bloss weil es der Kunde so riesig eilig hatte? Auch der. Garagist und sein Personal sind keine Uebermenschen, auch bei ihnen lässt die Spannkraft nach, wenn sie in Zeiten des Stossverkehrs Ueberstunden bis weit in die Nacht hinein leisten müssen. Also etwas mehr Verständnis, bitte, für den Garagisten. Und vor »Ilem: Geben Sie Inm mehr ZeÜI"""' ~ß* Sie erweisen sich selbst dabei den besseren? Dienst als mit ungestümem Drängen. Im übrigen: Sprechen Sie beim Meister oder im Büro vor; damit werden Missverständnisse ausgeschaltet und Sie gehen auf Nummer sicher. Reklamationen bleiben uns Garagisten so wenig erspart wie jedem andern Geschäftsinhaber. Aber wenn schon, dann sollte sie der Kunde sofort anbringen, sobald er merkt, dass er Grund zu einer Beanstandung hat oder zu haben glaubt. Mit langem Zuwarten, vielleicht sogar bis zum Zeitpunkt, da ihm die Mahnung ins Haus flattert, erschwert er nur die Feststellung, ob seine Beschwerde berechtigt ist oder nicht. Niemand kann sich dann der Sache mehr recht erinnern. Ausgerechnet darauf scheinen es einzelne spekulativ veranlagte Köpfe unter den Automobilisten abgesehen zu haben, um einen Nachlass an der Rechnung zu erwirken. Und nun das Thema Devisierungen. Natürlich, wir Garagisten begreifen den Wunsch des Kunden vollauf, sich auf einen Kostenvoranschlag verlassen und mit fixen Preisen rechnen zu können. Allein das ist es eben: Gewisse Arbeiten lassen sich ihrer Natur nach gar nicht im voraus auf den Rappen genau kalkulieren, zum Beispiel Instandstellungen am Chassis oder an der Karosserie. Die Versicherungs- < Regen Sie sich nicht auf! » mahnt Martinez ärztlich. «Hören Sie mir lieber zu. Wer ein Kopfschmerzmittel nimmt, ist noch kein Dieb. Aber wir können uns auch anders einigen. Sie haben Don Paulo um ein Mittel gebeten und er hat Ihnen versehentlich aus der falschen Schachtel gegeben. Passt Ihnen das besser ? > «Ja — aber — was soll denn das heissen ? » « Das soirheissen, dass ich Ihrem Gedächtnis jetzt mit einem ganz ausgezeichneten Medikament nachhelfen werde.» « Freiwillig nehme ich kein Mittel mehr ! » Der Kellner sagt es mit aller Energie und Martinez sieht an seinen Augen, dass der welterfahrene Mann zu durchschauen beginnt, was hier gespielt wird. < Sie haben zu wenig Vertrauen zu meinen Rezepten >, lächelt der Südamerikaner sanft. Und plötzlich hält er einen 1000-Fr.- Schein zwischen den Fingern. «Es kann mich meine Stellung kosten», behauptet der Kellner, während seine Augen schon begehrlich glänzen. * «Es wird Ihrer Direktion nur - angenehm Gesellschaften wissen um diese Problematik und verzichten denn auch darauf, einen Devis zu verlangen. Letzten Endes handelt es sich hier um etwas Grundsätzliches, um die Frage des Vertrauens zum Gewerbe nämlich. Je stärker die Beziehungen vom Automobilisten zum Garagisten in dieser Vertrauensgrundlage wurzeln, desto mehr schwindet die Möglichkeit von Reibungen und Anständen. Selbstredend aber soll der Kunde rechtzeitig avisiert werden, wenn es sich herausstellt, dass eine Ueberschreitung des Kostenvoranschlages unvermeidlich ist. Es beruht auf einer irrtümlichen Auffassung, zu glauben, der Garagist, der auf seriöses Geschäftsgebaren hält, habe ein Interesse daran, den Wagen lange zu behalten, um mehr an der Reparatur zu verdienen. Zieht sie sich länger hinaus als vorgesehen, dann liegt das in der Eigenart des Garagenbetriebes begründet. Was verlangt man heute nicht alles von einem Automechaniker! Nicht nur sein, eigenes Metier als gelernter Mechaniker muss er aus dem ff beherrschen, er sollte daneben Elektriker, Vergaser- und Geräuschspezialist und weiss der Kuckuck noch alles sein. Ja, es ist ein weitverzweigtes, umfangreiches Gebiet, auf dem sich unsereiner auskennen muss. Doch daran denkt der Kunde leider nur selten. Würde er diesem Umstand etwas mehr Rechnung tragen, und sich vergegenwärtigen, wie kompliziert sich der Ar- Hbeitspr^zesä in einer Repafaturwerkstätte. ge-" staltet, so wäre damit für beide Teile allerhand gewonnen. Schliesslich darf ich vielleicht bei dieser Ein einfältiger Scherz, den sich angeheiterte Fussgänger des Nachts immer noch häufig gegenüber Autofahrern leisten, hat im bündnerischen Dorf Zizers zu einem Unfall geführt. Um 2 Uhr morgens kam der Wagen von Igis her beim Dorf an und nun sah der Lenker auf etwa 100 m Entfernung vor sich auf der rechten Seite der Dorfstrasse einen jungen Mann, der mit den Armen gestikulierte und herumzwirbelte. Er Hess den Wagen, der vorher mit etwa 60 km gefahren war, auslaufen und erst als sich das Tempo sehr verringert hatte und der Fussgänger sich nunmehr*an der rechten Strassenseite ruhig verhielt, gab er wieder Qas, um links von diesem mit 30—40 km Geschwindigkeit vorbeizufahren. In diesem Augenblick wollte der. Fussgänger dicht vor dem Wagen durch sein, ohne Skandal und Polizei auszukommen », hält ihm Martinez zugleich mit einem zweiten lOOO-Fr.-Schein entgegen. Der dritte lOOO-Fr.-Schein macht den Bedenken des Aufwärters ein Ende. Er schluckt die Medizin des Dr. Martinez und. lässt sich von ihm fürsorglich zur Direktion geleiten. Alles geht noch viel glatter als zu erwarten war, da von Seiten der Gäste keine Beschwerden eingelaufen sind. Die Hotelleitung hat andere Sorgen und erledigt den Fall nebensächlich mit einem. flüchtigen Verweis an den Kellner und einem etwas ausführlicheren Dank an Dr. Martinez. Die Hauptsache ist, dass Don Paulo sich nicht belästigt gefühlt hat. « Aber nein ! » Dr. Martinez strahlt wohlwollende Milde aus. Und dann ist alles in Ordnung. « Na, sehen Sie ! » verabschiedet sich der Südamerikaner von dem Kellner, der ihn bewundernd anstarrt. «Herr Doktor sind ein ganz wunderbarer Arzt», erwidert der Mahn mit einer sehr tiefen Verbeugung. Dreitausend Francs sind eine ganz hübsche INSERTIONS-PREIS: Di« aehtfetpaltene 2 nun hohe Grandzeil* oder deren Raum 45 Bt* Grössere Inserate nach Speiialtarif. Imcratenschlun 4 Tage TOT Ersehetnen im Hamm«* Aus dem Bundesgericht Gelegenheit noch einen Wunsch «zuhanden» der Automobilbesitzer anbringen. • Wlrd der Wagen während des Winters stillgelegt, so geben Sie ihn doch dann zur Revision und schieben Sie diese nicht bis zum Frühling auf. Wir kennen sie nur allzugut, jene zappelige Ungeduld, die sich des Kunden zu bemächtigen- pflegt, sobald die Fahrsaison wieder anbricht. Dann erleben wir Garagisten bewegte Zeiten, weil sozusagen auf einen Streich der letzte Wagen betriebsbereit dastehen sollte. Vor • dieser Hatz blieben wirwerschont und obendrein hätte der Kunde einen Vorteil davon, so er sich entschliessen könnte, die Wintermonate für die Ueberholung zu benützen. Lässt man uns Zeit und Ruhe, so werden die Arbeiten nicht nur gründlicher und liebevoller besorgt, sondern wir sind, dabei auch imstande, Mängeln und Gebresten des Wagens auf die Spur zu kommen, die uns in der Hitze des Gefechtes und bei drängender Eile vielleicht entgangen wären. Gewährt es dem Kunden nicht ein Gefühl der Sicherheit, sich im Frühjahr mit dem Bewusstsein ans Volant zu setzen, seih Auto sei.nun wirklich top-fit und bis zum letzten Schräubchen fahrbereit? Damit, fährt der Automobilist,— soviel leuchtet doch ein — billiger, als wenn eine Revision in fliegender Hast erledigt werden muss. Nochmals: Vertrauen zum Garagisten ztt fassen, darin scheint mir eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Schaffung eines angenehmen und erspriessHchen VerhaHnte* ses zwischen dem Automobilisten und dem Gewerbe zu liegen. • -, , Uoblc Verkehpisitten nach der linken Strassenseite ihimüberrennen, wurde aber dabei vom Wagen erfasst und derart verletzt, dass er monatelang arbeitsunfähig war und einen bleibenden Nachteil davonträgt. Nach Art. 25 des MFG hat der Führer des Fahrzeugs die Geschwindigkeit den Strassenund Verkehrsverhältnissen anzupassen und in Ortschaften oder bei Unfallgefähr den Lauf zu massigen und nötigenfalls anzuhalten. Art. 26 MFG verpflichtet ihn, beim Ueberholen auf die übrigen Strassenbenützer Rücksicht zu nehmen. Wegen Widerhandiung gegen diese Bestimmungen wurde der Chauffeur des Autos vom Kreisamt der V Dörfer zu 70 Fr. Busse verurteilt. Der Kleine Rat von Graubünden wies eine dagegen gerichtete Beschwerde des Chauffeurs ab, -wobei er Menge Geld, denkt Martinez bei sich, dafür,, däss Paulo die Falsche entführt hat. .Und dann macht er-sich auf den Weg zu Mr. d'Andrade, er will versuchen, jetzt gleich hoch die ganze Munitiohsangelegenheit zu einem guten Ende zu bringen. Der Portier hat inzwischen die Berichte von seinen geringeren Kollegen an den Hinterausgängen erhalten. Eine Dame, wie er sie beschrieben hat, wurde natürlich nirgends gesehen. Ueberhaupt ist nichts Auffallendes bemerkt worden, wenn . man es In dieser Nummer s Benzinzollviertel und Strassenfragen vor dem Bündner Grossen Rat Rückblick auf das Eifelrennen. Heraufsetzung der Höchstgewichte für Holzgaswagen. Auftakt zur Radfahrer-Schulungsaktion in Bern. Glarner Strassenfragen.