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E_1939_Zeitung_Nr.044

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BERN, Dienstag, 30. Mai 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang —7 No 44 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Atafab* A (ohne Versieherimg) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5U. Ausgab* C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.75. Erscheint Jeden Dienstag und Freit»« Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „G»l»t liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse : Autorevu*, Bern Geschäftsstelle Zürich : LSwemtrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrOssere Inserate nach Spezialtarif. Imeratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Rnmmer Der Ausbau der Gotthardstrasse Vor Jahresfrist forderten wir, nicht zuletzt auf Grund wehrpolitischer Ueberlegungen, an dieser Stelle den unverzüglichen Ausbau von Gotthardbahn und Gotthardstrasse. Inzwischen sind sich die aussenpolitischen Ereignisse in immer rascherem Tempo Schlag auf Schlag gefolgt — geblieben ist die hochaktuelle Bedeutung der über und durch den St. Gotthard führenden Verkehrsstränge. Davon abgesehen, lassen die im Verlaufe der letzten Monate zur Diskussion gestellten Projekte hinsichtlich Schiffbarmachung des Rheins von Basel bis zum Bodensee in Verbindung mit einer Reihe anderer Symptome darauf schliessen, dass die zentraleuropä- ziehen. Zur touristischen Zugkraft dieses Alpenüberganges aber gesellt sich besonders für den ausländischen Besucher noch ein weiteres : Welthistorisch bekannte Namen wie Tellskapelle, Zwing-Urä, Suwarowdenkdas haben wir seit Jahren schon betont — ist der durchgehende Ausbau der Gotthardstrasse entsprechend den Erfordernissen des neuzeitlichen Verkehrs, und zwar von der deutschen bis zur italienischen Grenze. Geben wir uns nun heute einmal Rechenschaft sIsöÄiilil Ahb. 1: Verkleidungsmauer (Höhe 20 m, Sohlenbreite 1,50 m, Anzug 4:1 resp. 1 cm pro Meter). ischen Verkehrsprobleme neuerdings einer genauen Sichtung und Ueberprüfung unterzogen werden. Energisch und unter Aufwand erklecklicher Mittel bauen unsere Nachbarn im Osten und Südwesten ihr Alpenstrassennetz aus. Sie sind uns um mehrere Nasenlängen voraus und die laut werdenden Befürchtungen bezüglich Umfahrenwerden der Schweiz entbehren nicht der Grundlage. -Und doch steht fest: Der sagenumwobene St. Gotthard hat seine grosse Anziehungskraft mit nichten eingebüsst. Von den Gestaden der Mittelmeeres bis hinab ins 'Wienerbecken gibt es nicht eine einzige Passstrasse, die eine solche Fülle in raschem Wechsel sich ablösender landschaftlicher Eigenartigkeiten und Schönheiten böte, wie dies bei unserer grossen, internationalen Abb. 3: Erstellung eines Autotunnels zur Umgehung der bekannten Axengalerie; Der Durchbrach des Söhlstöllens für den ö£wa 300 m langen Tunnel erfolgte'Ärst kürzlich. ' ""*'"""' Nord-Südverbindung zwischen Schaffhaufcen und Chiasso der Fall. Gewiss — auch die französischen oder deutsch-österreichischen Alpenpässe sind voller Reize; an das Ueberraschende der Gotthardroute aber reichen sie bei weitem nicht heran. Wer immer einmal die Fahrt durch die Schöllenen hinauf und die Tremola hinunter gewagt, den wird es unwiderstehlich von neuem über die vom Wasserstaub eingehüllte Teufelsbrücke, durch Andermatts enge Gassen und Motto Bartolas dunkle Tannenwälder südwärts Abb. 4: Verschalüngsarbeiten einer aus Zement und Naturstein bestehenden Axenstrassengalerie. (Schutz vor Steinschlag.) von dem, was in dieser Beziehung im Verlaufe der letzten Jahre geleistet worden ist: Um es vorweg zu nehmen : Diese wichtige Nord-Südverbindung ist heute zum grössten Teil fertig ausgebaut! Die eigentlichen nördlichen Zufahrtslinien von Schaffhausen über Winterthur/Zürich bis Arth- Goldäu wie von Basel über den untern Hauenstein bis Luzern dürfen sich sowohl bezüglich Ausbau als Oberflächenbehandlung sehr wohl sehen lassen. Schönheitsfehler Abb. 6: Ausbau des im Reusstal, jedoch auf tessinischem Boden gelegenen Teilstückes der Gotthardstrasse zwischen Urnergrenze und Pont Lücendro. malbreite ausgebaut; die Kurvenüberhöhung beträgt maximal 7 %. Der zahlreichen Uiereinbuchtungen wegen musste das Strassentrasse bergwärts verlegt werden. Auch der baldige Umbau der mit Schlaglöchern reichlich verzierten Strecke über die Bernerhöhe (Goldau-Lowerz) scheint beschlossene Sache; hoffen wir, dass die Behörden des Kantons Schwyz auf möglichst unverzügliche Inangriffnahme der Arbeiten drängen! Der Zustand der dem Lowerzersee entlang führenden Strasse lässt nichts zu wünschen übrig; durch Anbringung von Schutzbanden suchte man die bekannten Unfallstellen ihrer Tücke zu entledigen. Gegenwärtig in Umbau begriffen ist die auf schwyzerischem Territorium gelegene Zufahrtsstrecke Luzern-Weggis-Brunnen, d. h. die rechtsufrige Vierwaldstätterseestrasse. Freuen wir uns dessen, denn ähnlich wie am Ufer des Zugersees war auch hier das ausserhalb des Kantons Schwyz gelegene Strassenstück (auf luzernischem Boden) längst ausgebaut, die auf schwyzerischem Boden liegende Seeuferstrecke hinter Vitznau aber gereichte einer internationalen Durchgangsroute wahrlich nicht zur Zierde ! Zum Ausbau vorgemerkt soll ferner das schwyzerische Stück der Axenstrasse sein. Auf der urnerischen Teilstrecke der weltbekannten Axenstrasse dagegen schreiten die Ausbauarbeiten rüstig voran (Abb. 3 und 4). Das Strassenstück Sisikon-Tellsplatte wurde bereits letztes Jahr fertiggestellt und darf als nach grosszügigen Gesichtspunkten orientiert und gelungen bezeichnet werden. Auch die eigentliche Gotthardstrasse ist mit Ausnahme gewisser Bergstrecken, z. B. oberhalb des Kraftwerkes Amsteg und dem Wassener Stutz bis Göschenen fertig ausgebaut. Die romantische Schöllenen allerdings (Abb. 5) AI». 2: Ueberbrückung eines Bergbaches südlich Walchwil. Die Anlage lässt die durch Stützmauern flüssiger gestaltete Linienführung der kurvenreichen Zugerseestrasee erkennen. Ahb. 5: Die Schöllenen mit der Teufelsbrücke. mal, Tunnelmonument von Airolo, Denkmal von Giornico — ganz abgesehen von den drei stolzen Kastellen Bellinzonas — locken und machen die Fahrt besonders anziehend. Man muss die Begeisterung der Fremden für diese Orte, ihre Bedeutung und Schönheit mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren deren Ausdruck gehört haben, um als ein wenig nüchterner und trockener Schweizer deren Anziehungskraft voll ermessen zu können. An uns ist es, dies gewaltige Plus, das wir einer- weisen Vorsehung verdanken, richtig zu nützen! Voraussetzung hiefür aber — und stellen nurmehr die kurvenreiche Strasse durch das zürcherische Sihltal und die Teilstrecke Baar-Zug dar, deren baldiger Umbau sich aufdrängt. Das auf zugerischem Boden gelegene Teilstück der Route — dem lieblichen Zugersee entlang — entspricht dagegen vollauf auch den Ansprüchen des verwöhntesten Autlers. Letztes Jahr nun wurde von den Schwyzern endlich die Anschlussstrecke Walchwil-Arth in Angriff genommen. Dass dabei ganze Arbeit geleistet und nach weitblickenden Grundsätzen gebaut wurde, illustrieren die Abbildungen 1 und 2. Die Strasse wird durchgehend auf 7.50 m Mini- In dieser Nummer: Strassenfragen vor dem Bündner Parlament. Die Begehung der Pragelstraße. Ein wirkungsvolles, neues Kühlsystem. Italiens Brennstoff-Politik. Diesel-elektrische Autobusse in Luzern.