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E_1939_Zeitung_Nr.046

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BERN, Dienstag, 6. Juni 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 46 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE* Aalfabt A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5«—t Jährlich Fr. 10.—. Anstand mit Poftozuschlag, «renn nicht postamtlieh abonniert. Ausgab« B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5U. Aasgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Jewtdenveckehc,, Ttutötc «Darüber, dass dem Fremdenverkehr im Gesamtbild der schweizerischen Volkswirtschaft eine hervorragende Stellung zukommt, werden heute keine Zweifel mehr bestehen... Schutz und Pflege des Fremdenverkehrs erweisen sich als eine wichtige gesamtschweizerische Aufgabe, der sich der Bund um so weniger entziehen kann, als die Vorzugsstellung der Schweiz als Fremdenverkehrsland längst nicht mehr unbestritten ist und bald alle Staaten die eigene Fremdenverkehrswirtschaft im Hinblick auf die Devisenbeschaffung weitgehend schützen und mit allen Mitteln grosszuziehen suchen >, führte der Bundesrat in seiner Botschaft zur Landesvertevdigungs- und Arbeitsbeschaffungsvorlage aus, um vor dem Forum der eidgenössischen Räte sein Begehren um Gewährung eines ^-Millionen-Kredites zur Förderung des Fremdenverkehrs zu begründen. Die Kammern habe den Gedanken, einen Teil der Arbeitsbeschaffungsmillionen auch in die Kanäle dieses~Zw"eiges unserer Wirtschaft zu leiten, nicht nur gutgeheissen, sie haben vielmehr, wie man sich erinnert, den Kredit auf 6 Millionen erhöht und damit ihr Verständnis und ihren Willen manifestiert, die Unterlassungssünden, welche der Staat in diesem Gebiet bisher begangen, wenigstens etwas zu mildern. Denn allerdings sind jene Zeiten, da wir uns damit begnügen durften, die landschaftlichen Schönheiten der Schweiz ins Schaufenster zu stellen, um den goldenen Quell des Verkehrsstroms zum Sprudeln zu bringen,- endgültig vorbei. Die stiefmütterliche Behandlung, deren sich ein so eminent wichtiger Exportartikel wie der Fremdenverkehr von Seiten des Bundes « erfreute », hat sich gerächt. Und es bedarf gewaltiger Anstrengungen, um den Vorsprung der Konkurrenzländer, vornehmlich jener mit staatlich dirigierter Propaganda, aufzuholen. Angesichts der Tatsache, dass der Fremdenverkehr unzählige Verästelungen Dach allen Bezirken unseres wirtschaftlichen Lebens aussendet, entgegentürmten, dass er für unsere Berggegenden recht eigentlich zum Lebensspender geworden ist und darüber hinaus auch als Faktor der Verbesserung unserer Aussenhandelsbilanz eine entscheidende Rolle spielt, wäre es müssig, zu fragen, ob es sich für den Bund rechtfertige, in dieser Domäne eine Politik der offenen Hand zu inaugurieren. Ein paar Zahlen tnögen immerhin die Auswirkungen der Tou- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „G«Ibe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION;: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern GesehtCttstelle Zürich s Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 ucUmiti ristik auf unsern gesamten Wirtschaftskörper veranschaulichen und die Zusammenhänge ins richtige Licht rücken: Im Jahr 1937 erreichten die Bruttoeinnahmen der schweizerischen Hotellerie eine Höhe von 312 Millionen, d. h. 19.29 Fr. pro Loglernacht. Annähernd die Hälfte dieses Betrages, nämlich rund 140 Millionen, fanden für die Deckung des Bedarfs von Küche und Keller Verwendung, wobei schätzungsweise 70 %, also etwa 100 Millionen, im Lande blieben und unserer einheimischen Produktion, der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie, zustatten kamen. An die über 60.000 Hotelangestellten wurden an Bar- und Naturallöhnen sowie an Trinkgeldern etwa 100 Millionen ausbezahlt. Davon abgesehen, verdankt allein das Baugewerbe der Hotellerie Arbeitsaufträge von mehr als 26 Millionen. Selbstredend macht jedoch die befruchtende Wirkung, weichender Fremdenverkehr auf unsere Wirtschaft aasstrahlt, beim Gastgewerbe nicht halt; sie erstreckt sich weiter auf den Handel, das Versicherungswesen, die Banken, die freien Berufe, auf das Vergnügungsgewerbe, auf alle Arten von Transportunternehmen, lösten doch allein die letzteren 1937 aus dem Tou- wie wir bereits kurz mitgeteilt haben, konnte die Simplonstrasse dank den Anstrengungen der Vereinigung c Pro Sempione» vor acht Tagen für den durchgehenden Verkehr geöffnet werden. Diese Oeffnung war — wie erinnerlich — schon für die Ostertage vorgesehen, doch höhere Gewalt in Form von Schneefällen und Lawinen, die sich in den letzten zwei Monaten sozusagen am laufenden Band folgten, machte immer wieder eine Verschiebung der Freigabe der Strasse notwendig. Nun aber hat «Pro Sempione » die Schwierigkeiten, die sich ihr überwunden und die Simplonetrasse als eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen ist seit 30. Mai wieder durchwegs ohne Ketten befahrbar; auf der Passhöhe beträgt die Breite der Fahrbahn, die zwischen hohen Schneemauern hindurchführt, 3% Meter. « Pro Sempione > hat die Oeffnung der Strasse zum Anlass genommen, auf letzten Freitag eine Reihe von schweizerischen und italienischen Persönlichkeiten, die an der Offenhaltung besonders interessierte Regionen vertreten, zu einer bescheidenen, würdigen Feier auf der Passhöhe einzuladen. Beim offiziellen Bankett im Hotel Simplon- Alles in allein genommen steht das Konto des Fremdenverkehrs für 1937 mit einem Umsatz von 600—700 Millionen zu Buch, woran die Ausländer mit rund 300 Millionen partizipieren. Hätte es eines Beweises dafür bedurft, welche Tragweite dem Fremdenverkehr für die Erhaltung der Lebensfähigkeit nahezu aller unserer Berufsstände beigemessen werden muss, dann erbringen ihn diese trockenen, aber in ihrer Sprache eindringlichen und eindrucksvollen Zahlen. In welchem Ausmass nun der Autotourismus. das Spiel der Wechselwirkungen zwischen Fremdenverkehr und Wirtschaft beeinflusst, darüber kann man sich lediglich in Vermutungen ergehen. Umfassende Erhebungen, die sich zu Vergleichszwecken auswerten Hessen, mussten bisher frommer Wunsch bleiben. Immerhin, so weit hat die Statistik Klarheit geschafft, als wir jetzt wissen, dass im Sommer 1938 rund 200.000 ausländische Personenwagen und Autocars über 760.000 Gäste in die Schweiz gebracht haben, für "-sfch an der letztjährigen Tagung des Baden die Sektion Zürich für die Uebernahme ! der Delegiertenversammlung und des Zentralfestes 1939 meldete, da wurde diese Ankündigung mit begeistertem Beifall aufgenommen. Und die Hoffnungen, welche sich an die Verbindung der «Sommersession» des Clubs mit der Landesausstellung knüpften, Zur Oeffnung der Simplonstrasse Kulm begrüsste der Präsident der Vereinigung, Herr Joseph Escher (Brig), die stattliche Versammlung und erteilte dann das Wort Herrn Natonalrat J. Escher, der die touristischen und wirtschaftlichen Vorteile dieser transalpinen Verbindung nachdrücklich unterstrich und auf die materiellen und moralischen Ziele hinwies, die «Pro Sempione > seit Jahren verfolgt. Nachdem der Gedanke, einen der Simplon-Tunnels für den Automobilverkehr einzurichten, vorderhand in den Hintergrund getreten sei, handle es sich darum, die Strasse über den Pass zu verbessern, wofür vom Bund 2/4 Millionen Franken bewilligt worden sind (Ausbau in der zweiten Periode). Nationalrat Escher machte darauf aufmerksam, dass nun endlich auch an die Befriedigung eines seit langem gehegten Wunsches geschritten werden sollte, nämlich, die Simplonstrasse für das ganze. Jahr fahrbar zu machen, was abermals 2 Millionen verschlingen würde für die Erstellung von Galerien und weitern Lawinenschutzanlagen. Unbedingt notwendig sei für den nächsten Winter die Führung von Spezialzügen für den Automobiltransport durch den Simplon und die Erstellung einer Laderampe in Iselle. INSERTIONS-PREIS: Di« achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeil« oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarlf. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen «*r Kummet welche 1.882.000 Aufenthaltstag© registriert wurden. Damit erhöhte sich der Anteil der Autotouristik ausländischer Herkunft am gesamten Auslandsfremdenverkehr der Schweiz von 27 auf 29 %, was nichts anderes heisst, als dass die Zahl der fremden Autogäste gegenüber 1937 einen etwas geringeren Rückgang verzeichnete als das Total der Auslandsgäste. Dabei allerdings ist man mit seinem Latein zu Ende, denn zu weiteren Schlüssen bieten die behördlichen Erhebungen keine Handhabe und Eine restlose, auf umfassender statistischer Grundlage beruhende Abklärung dieses Fragenkomplexes, wobei analog der eidg. Fremdenverkehrsstatistik die ausländische sowohl als auch die einheimische Autotouristik zu erfassen wäre, täte schon im Hinblick auf den Kampf zwischen Schiene und Strasse not. Offenbar verschliesst sich auch der Bundesrat dieser Auffassung nicht, wenn er die Absicht hegt, den erwähnten 6-Millionenkredit mit zur Lösung dieser Aufgabe heranzuziehen. (Sch luss folgt.) Der ACS fast an Zürich Delegiertenversammlung und Zentralfest im Zeichen der LA die Zürcher einmal mehr als Meister der Organisation erwiesen — es klappte alles reibungslos —, sie warteten für den geselligen Teil auch mit einem Programm auf, das sich mit Bankett und Ball am Samstag und dem gemeinsamen Lunch am Sonntag begnügte, im übrigen aber dem « Drang nach freier Bewegung » durchaus keine Schranken auferlegte und einen jeden nach seiner Fasson selig werden Hess. Daneben — und das war die köstlichste Gabe, die sie ihren Gästen aus allen Gauen der Schweiz gewähren konnten — daneben sorgten sie für eine Wetterregie, die nun schlechterdings nicht mehr zu überbieten war. Unvergleichlich schön erstrahlte das Land in seiner frischen vorsommerlichen Pracht, die Sonne tat, was sie konnte, ja sie tat nach den kühlen Tagen, die hinter uns liegen, des Guten In dieser Nummer: Bernische Steuer- und Verkehrsfragen. Die Aeronca «Chief» in Bern. Schmiegsame Kolbenringe. Studebaker Champion. Feuilleton: «Rätsel um Muriel» DIE KLEINE REVUE Von Unks n»ch rechts: der Car Alpin mit den eingeladenen Gästen. Unser Bild zeigt die Herren F. L. Blanc, den Reporter von Radio Lausanne und Alblas, Direktor des Verkehrsvereins Montreux. — Auf der Passhöhe ist die Strasse in den Schnee eingeschnitten worden, aber reicht der Raum vorläufig nur für einen Autocar aus. Im Hintergrund das Simplon-Hospiz. — Herr J. Escher (Brig), der Präsident der Pro Sempione, erklettert die Schneewälle, die stellenweise eine Höhe von 3 m erreichen. — Vor dem Motorengeräusch unserer Kolonne nahm diese Kuh hier Reissaus. Sie blieb aber im tiefen, -«reichen Schnee stecken und vermochte sich nicht aus eigener Kraft wieder flottzumachen. (Photos .)