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E_1939_Zeitung_Nr.047

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BERN, Freitag, 9. Juni 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 47 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5u. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.75. jwndenwekehe, rlutötoucUmus Was den 29 % Logiernächten, welche im Zeitraum Juni-September 1938 allein auf die ausländischen Autogäste entfielen, besonderes Relief verleiht, das ist der Umstand, dass sie das Produkt neuen, zusätzlichen Verkehrs repräsentieren, dessen Ursprung letzten Endes aHein im unaufhaltsamen Aufstieg und in der Popularisierung des Motorfahrzeugs liegt. Hält man sich diese erst durch das Hinzukommen des Autos möglich geworden© Erweiterung unserer wirtschaftlichen Existenzbasis vor Augen, dann mutet es beinahe absurd an, wenn gewisse Kreise mit einer Beharrlichkeit, die eines besseren Ziels würdig wäre, gegen das Motorfahrzeug zu Felde ziehen und ihm dabei vorrechnen, es bezahle ja nicht einmal seine Strasse. Weil der Zweck die Mittel heiligt, «übersehen» sie dabei, dass das Erscheinen des Autos erst den modernen Strassenbau ins Dasein gerufen und damit den Autotourismus zum Leben erweckt hat, der heute seinen klingenden Segen in alle Erwerbskreise und last but not least auch in die Kassen des Fiskus ergiesst. Strassen bauen heisst nicht nur unser Nationailvermögen mehren, es heisst auch aktive Verkehrspolitik treiben, an deren Früchten unsere ganze Wirtschaft teil hat. Man braucht nicht weit zu suchen, um es durch die Wirklichkeit selbst bestätigt zu finden, wie stark die Erkenntnis überall verwurzelt ist, dass unser wirtschaftliches Wohlergehen heute mehr denn je vom Vorhandensein guter Strassen abhängt. Wie, haben denn nicht sowohl die Bündner als auch die Sernftaler ihre Haltung im Kampf um die Strassenverbindung Qlarus-Vorderrheintal vor allem mit dem Hinweis auf die verkehrspolitischen und volkswirtschaftlichen Belange begründet, stehen nicht Strassenbauten mit in vorderster Linie unter den Tessiner Verkehrsbegehren ? Und bekennt sich nicht auch der Bundesrat zur Devise, dass die Strasse das Leben bedeute, wenn er bei der Behandlung des Kapitels « Ausbau der Alpenstrassen » in seiner Botschaft zur Arbeitsbeschaffungsvorlage schreibt, der Aufwand für die von ihm vorgeschlagenen strassenbaulichen Arbeiten finde — ganz abgesehen von der dadurch *) Siehe Nr. 46. F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 42. Fortsetzung. « Wir gehen nicht nach England ! > erklärt Martinez kategorisch und setzt seine Handtasche nieder. « Lassen Sie den Steamer so schnell wie möglich herüberkommen und übergeben Sie ihn uns in einem beliebigen französischen Hafen. Sie wissen, wie streng drüben das Ausfuhrverbot gehandhabt wird und welche Strafen für Uebertretungen verhängt werden.» «Ich übergebe Ihnen das Schiff in der britischen Hoheitszone, oder gar nicht!», antwortet Charles eisern. « Meine Firma hat das Risiko der Ausfuhr und der Beschlagnahme von vornherein ausdrücklich abgelehnt. Daran ist nicht zu rütteln. Wenn Sie daran Anstoss nehmen, kommt das Geschäft nicht zustande. Ihre Konkurrenten, wenn ich und Ußidsckaft (Schluss.)* Erseheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magaiin". Monatlich 1 mal „G*lbe Ii«te" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414,- Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : LOwenstrasse 51, Telephon 39.743 bewirkten Förderung des einheimischen Automobilismus — seine Rechtfertigung darin, dass sich der Ertrag der ausländischen Autotouristik im Jahre 1937 auf annähernd 47 Millionen beziffert habe ? Wohl darf sich unser Programm für den Ausbau bestehender und die Anlage neuer Alpenstrassen sehen lassen. Noch aber harrt, vornehmlich was den Ausbau anbelangt, noch manches wichtige Projekt seiner Ausführung. Sie auf die lange Bank zu schieben, könnte uns teuer zu stehen kommen, denn wenn ausländische Konkurrenzstaaten, welche den Wert der Autotouristik ebenfalls < kennen und schätzen gelernt», und die alle Hebel in Bewegung setzen, um diesen vielbegehrten Strom nach ihrem Gebiet abzulenken, uns im Strassenbau klar distanziert haben, so lassen sie kein Mittel unversucht, um diese Position zu behaupten. Noch eine andere Pflicht erwächst uns daneben, auf die wir gerade im gegenwärtigen Moment unsere Kräfte mehr denn je konzentrieren sollten : Mit den politischen Ereignissen der letzten Zeit sind selbständige Staaten und Kunden unserer Fremdenwirtschaft von der Landkarte verschwunden. Am Horizont türmt sich finsteres Gewölk, das die Reiselust lähmt. Aus unserer Hotellerie dringt die Kunde, dass zahlreiche Bestellungen ausländischer Gäste rückgängig gemacht worden sind. Dazu hat der fremde Autotourismus nach der Schweiz seit Jahresanfang eine absteigende Richtung eingeschlagen. Besinnen wir uns daher in vermehrtem Mass auf den inländischen Reiseverkehr, um den drohenden Ausfall wettzumachen ! Wir haben um so mehr Grund dazu, als es schon letztes Jahr lediglich die gesteigerte Frequenz von, Schweizergästen war, welche die Schrumpfung im Kontingent der Ausländer ausglich. Jahre sind vergangen, seitdem Ueber 430.000 ausländische Motorfahrzeuge •weilten letztes Jahr bei uns zu Gast. Rund 47 Millionen haben sie in der Schweiz ausgegeben. so sagen darf, teilen Ihre Bedenken übrigens nicht.» Hier mischt sich Don Paulo ein, der nicht länger auf seiner Dienerrolle besteht, und bittet, sich mit seinem Kollegen noch einmal auf kurze Zeit zurückziehen zu dürfen. Dagegen ist keine Einwendung zu machen und die beiden Südamerikaner verlassen den Raum. Sobald sie hinaus sind, tritt Muriel ans Fenster und blickt mit betonter Diskretion auf die dunkle Strasse, auf der absolut nichts zu sehen ist. Charles hat irgend eine innere Hemmung zu überwinden, ehe er mit zwei Schritten an Peggys Lager tritt, doch es bleibt ihm kaum Zeit, ihr zärtlich über das Haar zu fahren, da treten die beiden Parteigänger Sabanillos wieder ein. « Wir sind im Prinzip bereit, Ihre Bedingungen anzunehmen, da uns nichts anderes übrig bleibt», sagt Dr. Martinez etwas bitter, « aber wir müssen Sie darauf hinweisen, dass schon bei unserer Einreise Schwierigkeiten entstehen können.» « Sind Ihre Pässe - nicht in Ordnung ? > Die Förderung der Inlandstouristik. fragt Charles sachlich, « oder bestehen sonst besondere Gründe für Ihre Befürchtung ?» «Das nicht gerade >, bemerkt Don Paulo, «aber wir haben von Landsleuten gehört, dass die grossen Schikanen und Unannehmlichkeiten ausgesetzt waren. Es soll eine schwarze Liste geben. Sie verstehen mich.» « Keine Angst! » Charles lächelt sein unbeschwertes Jungenslächeln. «In unserer Gesellschaft haben Sie keine übertriebene Revision zu befürchten.» INSERTIONS-PREIS: Dia achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarif. Imeratensehluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer In dieser Nummer: Um die Vereinheitlichung unserer Verkehrswerhung. Vollzugsbestimmungen der Armee-Motorisierung. Bergrennen Valangin- Vue des Alpes. Das Auspuffsystem. Beilage: der Ruf nach einer Erleichterung der einheimischen Touristik erscholl. Zu greifbaren Resultaten hat er bisher jedoch nicht geführt. Angesichts der kaum ermutigenden Perspektiven, die sich heute für den ausländischen Autöreiseverkehr eröffnen, ist es höchste Zeit geworden, die Verbilligung des Binnenverkehrs endlich vom Fleck zu bringen. Will man dabei wirklich ganze Arbeit leisten, so versteht es sich von selbst, dass nicht nur den Bahnreisenden, sondern auch dem Automobilisten ein Entgegenkommen gewährt werden muss. Den Weg, der sich dabei als einzig gangbar erweist, hat vor drei Jahren schon der heutige Nationalratspräsident Vallotton aufgezeigt, als er in seiner Interpellation für die Förderung des inländischen Fremdenverkehrs u. a. auch eine Ermässigung des Benzinpreises forderte. Dass die Verwirklichung eines solchen Begehrens starkem Widerstand begegnet, davon zeugt die glatte Ablehnung, welche der Vorstoss des TCS nach Einräumung einer Benzinrückvergütung für die Besucher der Landesausstellung erfahren hat. Sein kategorisches Nein stützt der Bundesrat vor allem auf Erwägungen fiskalischer Natur. Ob er indessen mit dieser einseitigen Rücksichtnahme auf die Interessen der Staatskasse die Bedürfnisse der Wirtschaft nicht Vernachlässigt? Denn darüber können sich nach dem, was oben ausgeführt wurde, keine Zweifel mehr erheben, dass von einer Belebung der einheimischen Autotouristik unsere gesamte Wirtschaft profitieren würde. Woraus aber lebt und woraus schöpft der Fiskus als aus eben dieser Wirtschaft? Und weil er es tut, nützt er nur sich selbst, wenn er danach trachtet, deren Ertragsfähigkeit zu steigern. Martinez und Paulo verständigen sich durch Blicke. Sie haben einigen Grund, sich vor der Pedanterie der britischen Behörden in acht zu nehmen, aber wenn dieser Engländer so sicher ist, sie glücklich über die Grenzkontrolle zu bringen, so kann es ihnen nur recht sein. Bis zum endgültigen Geschäftsabschluss hat er doch jetzt alles Interesse an ihnen beiden. « Ich wollte Ihnen nur unsere Bedenken nicht verheimlichen», sagt Martinez ölig. « Im übrigen sind wir bereit. » Die kleine Karawane setzt sich in Bewegung. Voran Charles, der es unter den veränderten Verhältnissen vorzieht, Peggy selbst zum Wagen zu tragen, dann die beiden Südamerikaner, als letzte Muriel, die die Rechte immerhin zur Vorsicht in der Tasche an der Pistole hat. Der grosse Cadillac schuckt alle fünf Personen ganz bequem. « Die Zeit schleicht», sagt Lady Troy zu Sir Andrew, der seine eigene Erregung hinter einer undurchdringlich höflichen Maske verbirgt. Er äst in grosser Sorge um Muriel. Solche Wildwestabenteuer, wie sie gerade eins vor hat, findet er gleich gefährlich in der Ausführung, wie in den Folgen. «Wir müssen Geduld haben, gnädige Frau >, versucht er trotzdem, Lady Constanza zu trösten, «sicherlich werden Sie Ihre Tochter bald wiedersehen.» «Meinen Sie wirklich ?» Es liegt viel Zweifel in der Frage. Sir Andrew versteht ganz richtig, dass die Lady nicht nur den Erfolg, sondern auch die Absicht Charles in Zweifel zieht. Kann er nicht selbst mitschuldig an Peggys Entführung sein und die