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E_1939_Zeitung_Nr.048

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BERN, Dienstag, 13. Juni 1939 Gelbe Liste Mummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 48 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS. PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—,. jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallvenich.) vierteljährlich Fr. 7.bü. Ausgabe C(mit Insassenverslchemna) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". ' Monatlich 1 mal „Gelbe Liste' 4 REDAKTION u. ADMINISTRATION;; Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - PostchecJt'lII^t* - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Gesehättistelle Zürich : I.öwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ER TIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezlaltarif. r Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nmnmer v Vom Strassenverkehrsfragen (m Völkerbund. • Am vergangenen Wochenende hat in Genf die Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes ihre 22. Tagung abgeschlossen, die sich in weitem Masse mit Problemen des Strassenverkehrs und des Automobilwesens befasste. So erörterte sie die Fragen der Haftpflicht der Automobilisten und der obligatorischen Versicherung, welche bereits den Gegenstand von Studien des Internationalen Institutes für die Vereinheitlichung des Privatrechtes in Rom gebildet hatten. Die ursprünglich vorgesehene Prüfung der beiden von dieser Kommission ausgearbeiteten Projekte durch ein Expertenkomitee hat nie stattgefunden; dafür haben sich in der Zwischenzeit gewisse hiezu berufene internationale Organisationen über die Entwürfe ausgesprochen, und zwar zugunsten einer Vereinheitlichung der Regeln betreffend dje. obligatorische Versicherung, wobei jedoch die Meinung ausgedrückt wurde, dass die finanziellen, Lasten der Prämie bei einem solcfren 1 -; Sysfenr '-flicht ausschliesslich dem- Automobilisten aufgebürdet werden dürfen. Die Kommission ihrerseits beschloss, beim internationalen Institut für die Vereinheitlichung des Privatrechtes die Anregung zu mafchen, dass dieses seine zwei Vorentwürfe den Staaten als Musterbestimmungen empfehlen möge; Das Problem einer ders die Frage der Konkurrenz hervorgehoben worden, die gegenwärtig noch zwischen dem Eisenbahn- und Strassentransport besteht, sowie das Interesse, das an der Erhaltung des durch die Bahnen verkörperten nationalen Gutes besteht. Das Ergebnis der Umfrage über das Problem der Koordination.der Verkehrsarten ist den Regierungen vorgelegt worden; gleichzeitig erging die Einladung an sie, die Aenderungen und Zusätze zu nennen, die sie gegenüber dem gesammelten Material zu machen hätten. Auf diese Weise hofft man, in einigen Monaten in die zweite Phase der Arbeiten einzutreten, das heisst die systematische Ordnung der eingegangenen. Auskünfte. Die anlässlich der jüngsten Session der Verkehrs- und Transitkommission ebenfalls behandelte Frage der Kodifikation des Strassenverkehrsrechtes hat schon während mehrerer Jahre ein Expertenkomitee beschäftigt, dessen Arbeiten sich hauptsächlich auf die Revision der Konvention von 1926 betreffend den Autömobilverkehr. und derjenigen voh 1931 über die chen beziehen. Die Ergebnisse dieser Studien sind in zwei vorläufigen Berichten und in dem Projekt einer Regelung des internationalen Verkehrs der Automobile und Fahrräder, sowie der Strassensignalisierung niedergelegt. Noch hat aber der Expertenausschuss die erwähnte Regelung betreffend die Automobile und Fahrräder zu ergänzen und die Revision der zweiten Konvention von 1926 über den Strassenverkehr vorzunehmen. Nach Anhörung des Berichtes eines Mitgliedes des Expertenausschusse.s, des Ungarn v. Szechy, über den gegenwärtigen Stand der Arbeiten hat sich die Kommission der Auffassung angeschlossen, dass eine erneute Tagung jenes Komitees-im Herbst dieses Jahres angezeigt erscheine. Im weiteren hat die Verkehrs- und Transitkommission u. a. auch den Schlussfolgerungen des Unterkomitees für die Strassensignalisierung zugestimmt, wobei sie, vor allem im Hinblick auf die Bekämpfung der Verkehrsunfälle, "der Frage der Kennzeichnung der Niveaukreuzungen besondere Aufmerksamkeit schenkte. Wie schon aus den neulichen Verhandlungen des Völkerbundsrates in dieser Sache bekannt ist, musste die für das Frühjahr 1939 in Aussicht genommene Konferenz wegen ungenügender Zahl von Zusagen verschoben werden, weshalb die Frage neuerdings an die Verkehrs- und Transitkommission zurückverwiesen wurde. Diese hat nun nach einem Verfahren Umschau gehalten, das Bergrennen Valan gin-Vue des Alpes In dieser Nummer: Subventionierung der Pragelstrasse. Anrempelung von ausländischen Automobilisten. Bergrennen an der Vue des Alpes. Lässt sich die Höchstgeschwindigkeit voll ausfahren? des bereits ausgearbeiteten Konventionserftwurfs in die Praxis umzusetzen. In dieser Richtung stellte man zwei Möglichkeiten Ae'st. Die erste würde darin bestehen, dass der Völkerbundsrat den Staaten den Text eines internationalen Uebereinkommens zur Unterzeichnung unterbreitete. Die zweite Möglichkeit wäre die, dass der Rat an die Regierungen eine entsprechend begründete Empfehlung gelangen Hesse, die den Zweck hätte,, den Bestimmungen, welche die. Sachverständigen für die Sicherheit an den Niveaukreuzungen befürworten, in kürzester Frist Geltung zu verschaffen. Koordination der Verkehrsarten ist der Kommission des Völkerbundes durch die Vollversammlung des Jahres 1935 zur Prüfung überwiesen worden. Man ging dabei von der Auffassung aus, dass eine Vergleichung der in den verschiedenen Ländern getroffenen Massnahmen nützliche Anhaltspunkte für die Orientierung der Politik des Verkehrsausgleiches in gewissen Staaten bieten können, welche die Lösung dieses Problems in Angriff genommen haben. Als erstes Stadium der Arbeiten erfolgte zunächst die Beibringung einer Dokumentierung, die sich augenblicklich auf Transporte mit Eisenbahn, auf der Strasse und auf dem Wege der Binnenschiffahrt beschränkt. Die so gesammelten Auskünfte beziehen sich auf die Situation in 38 verschiedenen Ländern. Anderseits ist von der Völkerbundsversammlung beson- Links: Der Genfer Noverraz auf Bugatti, Klassensieger bei den Rennwagen über 2000 com. Mitte: Trump y (Glarus) auf Bugatti, rast in der Sportwagenklaese 3000 ccm unter peitschendem Regen dem Ziel entgegen. Rechts: Der Lausanner L. de M o n t f o r t errang mit seinem Bugatti Kategorien-Siege bei den Sport- und Tourenwagen. F E U I L L E T O N Rätsel um Murlei. Roman von Johann Friedrich. 43. Fortsetzung. Sir Andrew liess sich kopfschüttelnd den aufgeschriebenen Text noch einmal vor. « Merkwürdige Geschäfte hat Charles », stöhnt Lady Troy, die aufmerksam zugehört hat. Major Law kann dem nicht widersprechen, obwohl er der Lady gern etwas Tröstliches sagen würde. < Glauben Sie, es wäre indiskret, den Zettel dieses Dompteurs zu lesen, gnädige Frau?» fragt er zögernd. « In unserer Lage ! » Lady Constanza findet, dass ihre Situation sogar einen kleinen Taktfehler entschuldbar macht. Die Zeilen Don, Aguillars lauten : Ich bin nicht müssig gewesen. Ihr Schiff heisst Zahzibar, Captain Black, und liegt in englischem Hafen. Verzeihen Sie mein Benehmen Ihrer Gattin gegenüber und tragen Sie den Tatsachen Rechnung. Wenn Sie jetzt nicht an mich verkaufen, gibt es einen Kampf, gleich gefährlich für Sie wie für mich. Ich erwarte Ihre sofortige Nachricht. Selbstverständlich passe ich auf, dass Sie mich nicht hintergehen. « Entsetzlich ! » stöhnt Lady Constanza. « Sagen Sie selbst, Sir Andrew, glauben Sie, dass dies die Art ist, in der reelle Geschäftsleute miteinander verkehren ? » « Ich verstehe nicht sehr viel von kaufmännischen Usancen », gibt Sie Andrew zurück, « allerdings ist ein Onkel von mir in der Direktion der Bank von England, aber ich kann mich nicht erinnern, bei meinen häufigen Wochenendbesuchen auf seinem Landsitz Aehnliches wie hier erlebt zu haben. » , « Das glaube ich gern », nickt Lady Constanza. Wie steif und vornehm ist ihr Vetter Lewis Saxtorph, der im Aufsichtsrat vieler industrieller Unternehmungen sitzt. Es ist undenkbar, dass er drohende Zettel eines Tigerbändigers in Empfang nimmt. Dieser Charles dagegen — Plötzlich steht er im Zimmer. Wie vom Himmel gefallen und allein. « Wo ist Peggy ? » ruft Lady Constanza. t Und Mistress Muriel ? » fügt Sir Andrew drohend hinzu. Charles hält diesen Ansturm von Misstrauen lächelnd aus. «Sie sind beide im Auto vor dem Hotel», beruhigt er die aufgeregten Fragesteller. «Das glaube ich nicht! » erklärt Lady Constanza schroff. * Peggy weiss, wie sehr ich in Angst bin. Sie würde bestimmt sofort heraufkommen, wenn —» «Wenn sie könnte», vollendet Charles. «Aber sie kann leider noch nicht, kleine Mammy. Dr. Martinez hat ihr ein Mittel gegeben, das für längere Zeit betäubt. Wir fahren jetzt alle zusammen unverzüglich nach England, wo ich ihm die Ware übergebe, die er durchaus haben will. Inzwischen wird Peggy unter meinem Schutz und seiner ärztlichen Aufsicht allmählich erwachen.» « Wenn ich Sie richtig verstehe, Mister d'Andrade », sagt Major Law, « so* haben Sie sich jetzt mit diesen ausländischen Mädchenentführern über den in Frage stehenden Geschäftsabschluss geeinigt ?» « Ganz recht», erwidert Charles noch immer lächelnd. « Uebrigens wurde mir hier vor kurzem zum Vorwurf gemacht, dass ich zu einer solchen Einigung, nicht sofort und bedingungslos bereit war. Oder irre ich mich ? » « Lass das jetzt, Charles ! » verlangt Lady Troy gebieterisch. «Soviel Herz wirst du doch haben, um zu verstehen, dass ich jetzt vor allem Peggy sehen will. » «Selbstverständlich, kleine Mammy! Wir können gleich zusammen zum .Wagen gehen. Allerdings wirst du dich ja dann.noch einmal von ihr trennen müssen. Wir fahren augenblicklich weiter.» « Sofort? Noch jetzt in der Nacht? » Lady Constanza ist fassungslos. «Allerdings. Ich fürchte, das lässt sich nicht vermeiden.» « Es sind Nachrichten für Sie gekommen », erinnert sich Major Law und hält Charles zwei Zettel wie mit der Feuerzange hin. Der überfliegt sie flüchtig. Sir Andrew beobachtet ihn genau, aber offenbar enthalten sie für ihn nichts Unerwartetes oder Befremdliches. « Das gibt den Ausschlag », erklärt 'Charles nach der hastigen Lektüre. Ich wäre dir wirklich gern gefällig gewesen, Mammy, aber es ist nicht zu verantworten. Wir müssen unsere Reise sofort antreten.» « Dann begleite ich dich ! » Lady Constanza ist sichtlich entschlossen. «Abgesehen davon, dass es höchst unpassend wäre, Peggy unter den vorliegenden Umständen mit dir reisen zu lassen — noch einmal trenne ich mich nicht von ihr ! > « Aber — »