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E_1939_Zeitung_Nr.051

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BERN, Freitag, 23. Juni 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang— No 5J ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Auifibe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.6u. Ausgabe C (mit Insassenversieherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint, jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse : Autorevue; Bern Geschäftsstelle Zürich": Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 GrSssere Inserate nach Speztaltarif. InseratensehlnM 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Militärische Bemerkungen zu den ».Rivendicazioni Ticinesi" In Nr. 32 unseres Blattes haben wir redaktionell bereits zu den Tessiner Strassenbegehren Stellung genommen. Im nachstehenden geben wir Kenntnis Tön einer aus militärischen Kreisen stammenden Auffassung, in' der allerdings die Rivendicazioni Ticinesi ausschliesslich vom strategischen Gesichtspunkte aus betrachtet werden. Unseres Erachtens eind aber bei der. Behandlung der strassenbaupolitischen Wünsche der Tessiner ebenfalle touristische Erwägungen in Berücksichtigung zu ziehen. Im Interesse einer allseitigen Abklärung des umfangreichen tessinischen Wunschzettels seien dennoch die mit den Tessiner Forderungen verbundenen militärischen Belange unseren Lesern zur Kenntnis rebracht. Red. Zum zweitenmal hat bekanntlich der Tessiner Staatsrat in Bern Rivendicazioni angemeldet, Forderungen, die sich aus der besonderen geographischen und wirtschaftlichen Lage des Kantons Tessin ergeben. Man wird diese Ansprüche-unserer Miteidgenossen italienischer Zunge sorgfältig prüfen müssen und wird hoffentlich dazu gelangen, ihnen besonders in Verkehrsfragen entgegenzukommen. Ohne -aber einer eingehenden Prüfung und WjirdisMijglder Rjyendicazioni in ihrem eesamten Äusmass vorgreifen zu wollen, muss doch heute schon ;eindeutig festgestellt werden, däss, auf Ansprüche, die die militärische Sicherheit des Tessins und damit des SchweizerlatiHes gefährden, überhaupt nicht eingetreten Werden darf. Wir meinen damit einzelne Punkte aus den tessinischen Strassenbauwünschen, von den man sich ; nur wundern muss, dass sie der tessinische Staatsrat überhaupt diskutiert, offenbar ohne von ihrer Gefährlichkeit eine Ahnung zu haben. Oder sollten etwa diese militärisch gefährlichen Begehren deshalb in den Katalog der tessinischen Wünsche aufgenommen worden sein, um einige Objekte zum Markten zu besitzen, auf die man dann grossmütig verzichten kann, wenn der Bund dafür den andern Forderungen entspricht ? Man kann die tessinischen Strassenverkehrsforderungen in zwei Gruppen einteilen: umfassend einerseits bessere Strassenverbindungett mit der übrigen Schweiz und anderseits solche mit Italien. Die besseren Verbindungen mit der übrigen Schweiz: Korrektion der Gotthardstrasse und Ausbau der Lukmanierstrasse. verdienen gerade vom Standpunkt der Landesverteidigung aus volle Unterstützung, wenn auch die geforderten Bundesbei- -träge mit 75 und 80 % der Kosten reichlich hoch sind. Da es sich aber um militärisch wichtige Strassen handelt, mag es sich durchaus rechtfertigen, dass der Bund V\ bis % der Kosten übernimmt. Durch den eben beschlossenen Bau einer Kistenstrasse Linthal- Brigels kommt einem Ausbau der Lukmanierstrasse erhöhte Bedeutung zu. Heikler ist schon die Frage eines Strassentunnels durch den Gotthard. Er würde zwar neben seiner verkehrspölitischen Bedeutung ermöglichen, die Gotthardstrasse das ganze Jahr offen zu halten, was vom Standpunkt der Landesverteidigung aus sicherlich sehr wertvoll wäre. Anderseits aber ist zu berücksichtigen, dass der Tunnelausgang bei Airolo nur 14 km von der italienischen Grenze entfernt ist und daher im Konfliktsfalle nicht nur italienischem Artilleriefeuer, sondern unter Umständen auch einem italienischen Überfall ausgesetzt wäre, trotz der Befestigungen bei Airolo und an der Grenze. Es ist schon gefährlich genug, dass Gotthardbahn und Gotthardstrasse diesen exponierten Punkt berühren, es ist nicht nötig, das Gefahrenmoment durch den Bau eines Strassentunnels noch zu vergrössern. Unter der Gruppe der Grenzstrassen, die den Tessin mit Italien verbinden, nennen wir vor allem die Forderung des Tessiner Staatsrates, den Bau der San Giacomostrasse In dieser Nummer s Linksaussteigen. Glühzündungen. Bergrennen Rheineck- Walzenhausen. Emilio Villoresi f. Beilage: zu gestatten und vom Bunde zu subventionieren. Die'Strasse über den San Giacomopass würde eine direkte Verbindung von Domodossolä mit Airolo herstellen und indirekt auch den Zugang zum Oberwallis über den Nufenenpass erleichtern, und zwar eben über jenes Grenzstück, das bis 12 km an Airolo heranreicht. Italien hat seinen TeÜ dieser Strasse schon längst durch Genietruppen erstellen lassen und diese bis auf die Passhöhe 2315 m am 1. Juli 1930 dem Verkehr freigegeben. Nach italienischen Versicherungen handelt es sich um eine* reine Touristenstrasse; trotzdem vermag das geübte Auge am Giacomopass verschiedene V6r-~ kehren militärischer Art zu erkennen, wie auch die ganze Anlage der'Strasse allen rhili* tärischen Bedürfnissen genügt. Die italienisch© Regierung hat dann an die Schweb offiziell das Begehren gerichtet, die Strasse abzunehmen und weiterzuführen- durch den Bau des Verbindungsstückes zwischen der Grenze und der Strasse im Bedrettotail. Dank der Aufklärungsarbeit des frühern Waffenchefs der Genietruppen, Oberstkorpskommandant Robert Weber, der laut und deutlich den Warnruf « Hütet euch am San Glacomo ! > erschallen Hess, trat der Bund auf das italienische Begehren nicht ein, erkannte die Gefährlichkeit einer solchen Strasse und verzichtete auf die Erstellung des schweizerischen Teilstückes. Seither stehen auf dem Giacomopass ein Speise- und ein Schlafwagen, um hungrige und müde Touristen zu laben und zu beherbergen, und wer über den Giacomopass in die Schweiz hinein will, der muss schon sein Auto auf der Passhöhe stehen lassen und den Weg ins Bedrettota! unter die Füsse nehmen. Ueber den Charakter dieser italienischen Touristenstrasse' hat dann zwei Jahre nach der Erbauung ein Prozess eindeutig aufgeklärt, den einige zwangsenteignete Grundeigentümer vor den Staatsrat (Verwaltungsgericht) brachten. Es ergab sich im Prozess, dass die Strasse im Auftrag des Festungsbureaus von Turin erbaut and vom Kriegsministerium als gemeinnütziges Rätsel um Muriel. Roman von Jobann Friedrich. 45. Fortsetzung. Am Ende hat d'Andrade diese Unannehmlichkeit nur arrangiert, um sie hintanzuhalten und inzwischen in Ruhe Schiff und Ladung dem Gegner übergeben zu können. Aber er soll sich täuschen ! Vor allem eilt Dr. Martinez zu Peggy. Das Mittel, das er ihr diesmal einflösst, ist zwar ungefährlich, doch es reicht hin, sie für weitere Stunden zu betäuben. Sie wenigstens will er sich als Druckmittel erhalten, obwohl er sich leider darüber klar ist, dass sie an ihrer Gesundheit Schaden nehmen muss, wenn er ihren Zustand noch weiter aufrecht erhält. Lady Constanza betrachtet sein Tun zwar mit gr&sstem Misstrauen, aber sie hat leider seit ihrer frühesten Jugend eine Art Aerztekomplex, der sie nötigt, die Anordnungen eines Medizinmannes unter allen Umständen hinzunehmen. In der Nebenkajüte'hat Major Law sich inzwischen so weit überwunden, um unter Verzicht auf die geheiligte Diskretion eine offene Frage an Charles zu stellen. «Seien Sie ehrlich, Mister d'Andrade», sagt er entschlossen, «man kann Ihnen Ihre Pässe nicht ohne Grund fortgenommen haben. Wenn Sie sich mir anvertrauen, bin ich vielleicht in der Lage, Ihnen behilflich zu sein.» « Sie sind sehr freundlich, Sir Andrew », antwortet Charles verbindlich, « aber es tut mir leid, ich stehe selbst vor einem Rätsel.» «In Dover wird sich bestimmt alles aufklären », behauptet Muriel unverzagt. Sir Andrew sieht sie bedauernd an. Offenbar hat sie keine Ahnung, welche Schwierigkeiten bevorstehen, wenn die Gren?beamten erst einmal Verdacht gefasst haben. « Nehmen Sie es nicht zu leicht», warnt er vorsichtig, die Behörden sind, so pedantisch. « Das macht nichts », lächelt Charles unbekümmert, «schlimmsten Falls wird die Organisation, die hinter mir steht, schon dafür sorgen, dass alles bald in Ordnung kommt. •» Organisation ? Sir Andrew blickt Charles prüfend an. Welche Organisation gibt es in England, die den Zollbehörden ins •Handwerk pfuschen könnte ? « Meinen Sie die Handelskammer ? » fragt er nicht ohne leise Neugier. Muriel schüttelt nur den Kopf. Da er durchaus keine Antwort erhält, bescheidet sich Major Law. Aber die Angelegenheit beschäftigt ihn innerlich als Mensch und Briten. Soll er hoffen, dass es für die Frau, die er liebt, einen Weg, gewissermassen hintenherum um die Grenzbehörde gibt, oder soll er als ordentlicher Engländer das Gegenteil wünschen ? Während er mit solchen Gedanken beschäftigt ist, ruft Martinez Charles heraus, um ihm sein Missgeschick zu berich-' ten. Er ist überaus aufgeregt, mit Misstrauen geladen und von den schwärzesten Befürchtungen erfüllt. Es gelingt Charles mit Mühe, ihn durch dunkle, aber hoffnungsvolle Andeutungen wenigstens äusserlich einigermassen zu beruhigen. Dass auch er selbst und Muriel zur nochmaligen Kontrolle bestellt sind, verschweigt er ihm vorläufig. Aber es ist Dr. Martinez keine geringe Genugtuung, als er wenig später dem Ehepaar d'Andrade auf der ominösen Paßstelle begegnet. Zwar werden dadurch seine eigenen Aussichten auf Einreise und Geschäftsabschluss keineswegs besser, sondern eher schlechter, aber er braucht wenigstens nicht das Gefühl zu haben, hereingelegt Worden zu sein. « Nun, Mister d'Andrade », sagt er ironisch in dem fliessenden Englisch*, das er nach der ersten Aufregung wiedergefunden hat, «Sie sind mir ein netter Protektor ! Mir scheint, Sie sitzen selbst fest ! » « Das wird nicht lange dauern ! » behauptet Charles in unverändert guter Laune. (Fortsetzung folgt.)