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E_1939_Zeitung_Nr.051

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BERN, Frütig, 23. Juni 1939 AutomobiNRevui • II. Blatt, Nr. 51 Abb. 8. Picasso: .Frau,, vor dem Spiegel. in der modernen Kunst Uns Menschen des 20. Jahrhunderts ist das mehr oder weniger beneidenswerte Los zugefallen, einer Zeit anzugehören, in welcher die Ueberlieferung und Tradition durch ungestüm vorwärtsdrängende und neuheitstruhkene Bewegungen aufgewühlt werden. Geistige Gebilde, deren Grundlagen bis jetzt als unerschütterlich angesehen wurden, stürzen wie Kartenhäuser in sich zusammen; dagegen feiern kühne und anfänglich als nicht lebensfähig gebrändmarkte Ideen verblüffende Triumphe. Eine intensive Dynamik hat die heutige Welt ergriffen. Die extremsten Ansichten in den verschiedensten geistigen Gebieten werden mit Ton Dr. F. v. Hormtein Vehemenz und Einsatz aller Kräfte verteidigt und als unbedingt notwendig gewordenes Allgemeingut der Menschheit angepriesen. Diese Erscheinungen haben wir am intensivsten in den letzten Dezennien feststellen können, und zwar zum Beispiel nicht nur auf religiösem, philosophischem, politischem oder biologischem Gebiet, sondern auch ganz besonders im Kunstgeschehen. Auf den ersten Blick mag die Aufzählung der Kunst in diesem Zusammenhang als kühn erscheinen, empfindet doch der Laie dieselbe sehr oft nur als eine schöne «Liebhaberei» oder als «Steckenpferd» für ganz ganz bestimmte Kreise. Die Kunstgeschichte und ganz besonders das Kunstgeschehen der letzten Zeit belehren uns eines andern. Die, Kunst erscheint uns nämlich wie ein Spiegel, in welchem sich stetsfort die geistigen Strömungen einer Zeit widerspiegeln; sie ist daher keine verlorene Insel im Meer des Weltgeschehens, sondern sie spielt im Gegenteil die Rolle einer Kulturmacht. Im Rahmen dieses Aufsatzes wollen wir unser Augenmerk besonders auf die Malerei richten. Vorerst sei die Frage aufgeworfen, was überhaupt Kunst im engeren Sinn ist. Folgende kurze Definition dürfte dieser Frage im grossen und ganzen gerecht werden: Kunst leitet sich \om Wort «können» ab und ist, im engeren Sinn aufgefasst, die bestimmte Fähigkeit eines Menschen, mit Hilfe eines künstlichen Gebildes (zum Beispiel eines Bildes, einer Plastik, eines Gedichtes, eines Musikstückes) seine eigenen Gefühle einem andern Menschen zu vermitteln, ohne däss damit ein eigentlicher Nutzeffekt verbunden wäre. ; Die Erfahrung lehrt, dass der Mensch verschieb dene Gefühle in sich tragen kann, die zum Beispiel als erhaben, edel und schön, aber auch als vulgär, ja pervers bezeichnet werden können. Daraus folgt, dass diese Prädikate, im einzelnen wie im allgemeinen, auch auf Kunstprodukte übertragbar sind. Ausserdem kann ein Künstler seine innern Gefühle auf eine geschickte, zielsichere Art und Weise, aber auch mit stümperhaften, ungeschickten, ja höchst primitiven Mitteln andern zu übermitteln versuchen. Es würde den bescheidenen Rahmen dieser Abhandlung überschreiten, wollten wir in den bedeutendsten Abschnitten der Kunstgeschichte nach diesen Höhen und Tiefen schürfen. Wir wollen uns ausschliesslich auf die neueste Zeit konzentrieren und vor allem eine Kunsteinstellung beleuchten, die landläufig kurzweg als «modern» bezeichnet wird. Einleitend seien einige Worte über die persönliche Einstellung des Künstlers der Natur gegenüber gesagt. wir führen hier nur zwei Einstellungen an, die sich «Naturalismus» und Expressionismus» nennen. Ein Künstler huldigt dem «Naturalismus», wenn er sich in seinem Kunstschaffen ganz von der Natur leiten lässt, wobei er die strenge Naturwiedergabe als höchstes Prinzip herstellt; versucht er aber, seine innern Empfindungen und Gefühle mit Hilfe von Naturformen wiederzugeben, die er nach Gutdünken umgestaltet, wobei ganz schematische Formen und unnatürliche Farben entstehen können, so sprechen wir von «Expressionismus». Zwischen diesen, beiden Extremen erstreckt sich ein weites Kunstfeld, in welchem wiederum eine bunte Skala verschiedener Strömungen vorhanden sind. «Na' turalismus» und Expressionismus» liegen, im Lichte einer allgemeinen Beurteilung, jenseits von gut und böse; es kommt lediglich auf die Absicht, den Geschmack und das Können des Künstlers an, ob man bald der einen, bald der andern Richtung den Vorzug geben will oder muss. Der Naturalist ist demnach ein objektiver Künstler; er begnügt sich nicht mit einem summarischen Gesamteindruck der Natur. Im Gegenteil; gerade die Einzelheiten des Objektes reizen ihn und er befleissigt sich, diese möglichst genau wiederzugeben. Für den Expressionisten aber ist die Natur nicht Endzweck, sondern nur Mittel zum Zweck; er ist also subjektiv eingestellt und diese Einstellung findet ihren typischen Niederschlag im Aus-i sprach, des Malers Van Gogh, einem ausgestochenen Vertreter des Expressionismus: «Ich yaro verzweifelt, wenn meine Figuren gut wären.» Der Expressionismus, obschon er, wieischon erwähnt, nicht a priori zu verwerfen islf birgt doch grosse Gefahren in sich, besondere>mi seine Anhänger ihm bis in seine letzten Kofl qüenzen die Gefolgschaft bewahren. Diesen überspitzen Expressionismus, der die Natur mit allen Mitteln vergewaltigt und sogar überhaupt ignoriert, erleben wir gerade heute. Eine pathologische «Naturflucht» hat einige Künstler ergriffen, und diese trifft die Schuld, wenn in gewissen Ausstellungen Bilder und Plastiken zu sehen sind, die auf den Beschauer nicht nur einen «humoristischen», sondern leider auch einen niederschlagenden und oft gemein-perversen Eindruck ausüben. _ Besonders in der unmittelbaren Vor- und Nachkriegszeit trieb diese extreme Kunstrichtung ihre «schönsten» Blüten. Wir erlebten den «Dadaismus», das Schmerzenskind des Expressionismus, dessen Wiege in Zürich im Jahre 1916 zu suchen ist. Es war eine typische «revolutionäre» Bewegung, die alle Schranken in der Kunst mit blinder Wut durchbrach und jedwede Tradition mit Füssen trat. Heute wird diese Bewegung sehr treffend als «bolchevisme en art» bezeichnet. Eine andere Kunstströmung, die mit Ueberzeugung die Parole «Los von der Natur» ausgibt, ist der. «Konstruktivismus». Sein Ziel besteht darin, irgend einen Gedanken oder ein Gefühl in Form von verschiedenfarbigen geometrischen Figuren auszudrücken. Wir befinden uns hier somit, im weiteren Sinne des, Wortes, im Gebiet der «abstrakten» Kunst. Es ist, wie der Maler Kandinskv selber sagt, die Malerei ohne Gegenstand. Zu wel- -, chien Kunstprodukten eine solche Einstellung führt,,, zeigt die Abb. 1, die dem Katalog der Berner Kunsthalle anlässlich der Kandinsky-Ausstellung aus dem Jähre 1937 entnommen ist. -Andere «Blüten» des extremen Expressionismus illustrieren die Abb. 2, ein betrunkener Eiffelturm, und Abb. 3, ein «Redner», wie er uns vielleicht einmal in einem bösen Traum begegnet ist. » Ein bekannter Vertreter der «abstrakten» Kunst ist Paul Klee, der mit der gleichen unerbittlichen Gründlichkeit wie Kandinsky, den Einfluss der Natur in seinen Bildern ausschaltet. Die Abb. 4, «Wandbild aus dem Tempel der Sehnsucht 1922», zeigt uns wieder mit aller gewünschten Eindringlichkeit, wohin die «par force» gewollte Negierung der Natur, der grössten Lehrmeisterin, führt. Ein etwas anderer Typ unter diesen «Ismen» ist der «Surrealismus». Es ist eine Kunstrichtung, die sich nicht ganz dem Einfluss der Natur entziehen will, aber sich zu einer Art «Uebernatur» bekennt. Auch hier entstehen seltsame Kunstprodukte, welche dem Beschauer traumhaft-magische Unwahrscheinlichkeiten vorgaukeln wollen (siehe Abb. 5). , Vollständigkeitshalber wollen; wir -• noch zwei andere Richtungen in der «modernen» Malerei streifen, die heute als «Kubismus» und «Primitive Kunst» allgemein bekannt sind und noch immer eine (frösse Kunstrfemeinde in ihren Bann ziehen. Pe'sschftichf der * Der Kubismus, seinem Wesen nach ebenfalls anaturalistisch, stellt sich die merkwürdige Aufgabe, die Natur in einzelne Kuben, das heisst in würfelförmige Gebilde zu zergliedern. Die im letzten Monat Mai von der Berner Kunsthalle organisierte Ausstellung einer Reihe prominenter Kubisten erlaubte dem Kunstfreund, sich ein ziemlich abgerundetes Bild über diese exzentrische Kunstauffassung zu machen. Wir bringen als Abb. 6 ein typisch kubistische« Gemälde, welches vom bekannten Kubisten Gleizes stammt und als «Drei sitzende Frauen»' betitelt ist. Der noch gesund fühlende Kunstfreund wird kaum ein solches Bild als Kunstwerk ansprechen, eher aber als «Vexierbild». ^ In vielen intellektuellen Kreisen herrscht die Ansicht, dass das 20. Jahrhundert in jeder Hinsicht, also auch betreffend der Kunst, als höchste Entwicklungsstufe im Weltgeschehen angesprochen werden kann. Wenn wir aber unsere Zeit als Blüteperiode des krassesten Materialismus brandmarken müssen, so dürfte mit Fug und'Recht diese Ansicht mit einem grossen Fragezeichen versehen werden. Die primitive Kunst», wie sie uns gegenwärtig leider noch allzu oft begegnet, dürfte das Gesagte beweiskräftig gestalten. Es handelt sich um-eine Strömung in- der Kunst, die das Rad des Künstgeschehens kühn zurückdreht 'und sich für Kunstprodukte begeistert, wie sie uns primitive'Völker, Kinder und sogar Irrsinnige liefern. Somit befinden wir uns auf diesem Gebiete wieder ahnungslos am Anfang der Kunstentwicklung. Diese Erscheinung ist für unsere Zeit überaus charakteristisch, und sie, beschränkt sich nicht nur auf die Malerei, sondern greift auch auf die Plastik, die Musik und die Architektur über. Hand in Hand mit dieser degenerierten Kunstbewegung geht schlussendlich auch der «Deformismus» im engeren Sinne des Wortes; er bezweckt; Bilder und Plastiken zu schaffen, die absichtlich auf eine unbeholfene Art vereinfachte und verzerrte Objekte aus der Natur darstellen. Die Abb. 7 stellt eine Plastik von Picasso dar, welche in der Weltausstellung in Paris im Jahre 1937 am Eingang des Pavillons von «Rot-Spanien» zu «bewundern» war. Bei Abb. 8 handelt es sich um ein typisches «Meisterwerk» des Deformismus, das ebenfalls Picasso auf dem Gewissen hat. Obschon wir im Urwald dieser «Ismen» in der Kunst schon eine Reihe von Typen kennen gelernt haben, ist deren Anzahl noch lange nicht erschöpft. Wir hoffen aber, dass es uns mit dieser kurzen Abhandlung gelungen ist, dem Kunstfreund, der sich bis jetzt mit diesen komplexen Kunstproble- Abb. 1. Waeeily Kandinsky: Chacun tfour soi. 1934. Schills« Seite 3.