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E_1939_Zeitung_Nr.054

E_1939_Zeitung_Nr.054

BEKH, EfenÄfcs, 4. Joü 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang —No 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versiehernnj) halbjlbrllch Fr. 5.—* JUirneh Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlleh abonniert. Ausgabe B (mit gew. ünfallverslch.) TierUl]ahrHeh Fr. 7.6«. Ausgabe C (mit Insassen venichercra*) Tierteljahrlieb Fr. 7.75. Es rnuss etwas geschehen! Es Ist an dieser Stelle schon wiederholt auf die Auswirkungen hingewiesen worden, welche die Anpöbeleien ausländischer und speziell deutscher Automobilisten nach sich ziehen könnten. Bundesrat Baumann hat diesen Befürchtungen letzte Woche im Nationalrat ebenfalls Ausdruck gegeben, wobei er mit seiner Kritik an diesen Zuständen nicht hinter dem Berg hielt und erklärte, es könne so nicht weitergehen. Die letzten Wochen haben gelehrt, dass idie Bedenken, welche sich in Zusammenhang mit solchen Vorkommnissen erhoben, nur allzu begründet waren : die zuständigen Stellen des deutschen Reiseverkehrs empfehlen heute den Automobilisten, Touren nach der Schweiz zu unterlassen, da sie riskieren müssen, dort wenig gastfreundlich behandelt zu werden. Darüber hinaus hat der Deutsche Automobil-Club (DDAC) seine diesjährigen Schweizerfahrten — es waren deren 6 angekündigt' — "abgesagt. So mussten die -für den 6. Mai in Zürich reservierten 264 Betten, Naclitessen und Frühstück vier Tage vorher wieder abbestellt werden. Die andern 5 Fahrten, deren Dauer auf je 5 bis 10 Tage berechnet war, hätten je 100—160 Personen in die Schweiz '"gebracht. Heute nun orientiert der DDAC seine diesjährigen Tourenfahrten nach gastfreundlicheren Ländern, in denen Auswüchse, wie er sie bei uns zu gewärtigen hätte, unbekannt sind. Diesen Absagen gesellt sich als neueste die Nichtbeteiligung am internationalen Camipingtreffen vom kommenden Monat am Zürichsee (Bächau) hinzu. In dem an seine über 200.000 Mitglieder versandten Zirkular erklärt der DDAC, es sei ihm wegen der «unentwegt feindseligen Haltung gewisser Kreise in der Schweiz gegenüber deutschen Kraftfahrern > nicht möglich, sich am internationalen Campingkongresse 1939 am Zürichsee zu beteiligen. Zu was für eigentümlichen Massnahmen solche Lausbubenstreiche gegenüber ausländischen Automobilisten die Behörden veranlassen können, dafür liefert das Vorgehen des Kantons Zürich ein Beispiel. Es hat sich Erscheint Jeden DIenstaf und Freitag Wöchentliche Beilage -Auto • Magazin". Monatlich 1 mal -Gell» Uite" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitemainstr. 97, Bern Tdepfaan 38.222 - Postcheek III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, B«rn Geschäftsstelle Zürich i Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 nämlich gezeigt, dass zu den Leidtragenden dieser Anrempelunigen auch zahlreiche Auslandschweizer zählten, die entweder in Deutschland wohnen oder, von Uebersee kommend und mit ihrem Wagen in einem deutschen Hafen landend, gezwungen sind, an ihrem Auto eine deutsche Nummer mit dem D-Nationalitätsschfld anzubringen. Mehr als einer unter ihnen weiss davon zu erzählen, wie er in der Heimat von den eigenen Landsleuten angqpöbelt worden ist. Vorletzte Woche kehrte z. B. ein in Südamerika wohnender Schweizer zu einem. Ferienaufenthalt für ein paar Monate nach Zürich zurück. Die Art und Weise, wie er hier «empfangen » wurde, löste in ihm um so erössere Empörung aus, als man sich, nach unserer Presse zu urteilen, bemühe, den Auslandschweizern zu helfen. Weil sich diese mit deutscher Nummer fahrenden. Apiandschweizer weiteren Gehässigkeiten und: Wagenbeschädigungen nicht äasset^eÄ^. ; s^Ilt0'i![».*.'i^9nsiteEi'>'sie''' an die kantonale Motorfahrzeugkonf rolle Zürich, mit dem Ersuchen, ihnen während des Ferienaufenthaltes in ihrem Vaterlande einen schweizerischen Kontrollschild abzugeben. Die genannte Amtsstelle hat sich in entgegenkommender Weise bereit erklärt, diesem Wunsch zu entprechen und den betreffenden Landsleuten für die ibauer ihres Schweizer Aufenthaltes eine Zürcher Nummer auszuhändigen, gegen Deponierung des ausländischen Erkennungszeichens und Hinterlegung eines Betrages von 30 Fr. Verdient dieses Vorgehen auch Anerkennung, so ist und bleibt es bemühend, dass es überhaupt so weit kommen musste. Auslandschweizer, die in ihrem eigenen Land des Schutzes bedürfen — welche Ironie ! Energisches Einschreiten auf der ganzen Linie tut deshalb not, um diese Ausschreitungen und Beschimpfungen fremder Gäste zu unterbinden. Lässt man den Dingen weiter ihren Lauf, so darf man sich nicht wundern, wenn die Schweiz als gastfreundliches Reiseland in Verruf gerät. Angesichts dieser Situation haben deshalb die meisten Sektionen des A.C.S. in Eingaben an die kantonalen Behörden auf die bisher eingetretenen Folgen aufmerksam eemaoht and im besonderen darauf hingewiesen,- in welchem Masse das Ansehen unseres Landes durch die Belästigung ausländischer Automobilisten von seiten schulpflichtiger Kinder leide. Aus der Erkenntnis heraus ist an die Erziehurigsdirektionen das Gesuch ergangen, durch die Lehrerschaft die Jugend immer wieder an die, elementarsten Gebote des Anstandes auf der Strasse, besonders gegenüber den Ausländern, zu ermahnen. Da stellen wir unsere nationale Fremdenverkehrswerbung auf eine neue Grundlage, um • deren Wirksamkeit und Durchschlagskraft zu erhöhen, gleichzeitig aber laufen wir Gefahr, dass sich der internationale Automobilverkehr, den wir heute in reduziertem Mass noch besitzen, dank den Unfreundlichkeiten, denen er sich heute bei uns ausgesetzt Wie viele Dutzende, ja vieleicht Hunderte von Malen ist Ihnen diese Auf schrift bei Fahrten durchs Land nicht schon begegnet? Zu Stadt und Dorf, auf grossen Verkehrsadern Aufmerksamkeit zu erregen und an, sein Fahrergewissen 'zu appellieren. Dabei zeichnet eine erstaunliche Mannigfaltigkeit der Form und Farbe, wie der Art der Anbringung diese Warnungstafeln, aus. Ganz zufällig geschieht es freilich nicht, dass der Individualismus, der persönliche Gestaltungswille gerade hier seine Blüten treibt. Sieht man nämlich etwas näher zu, so erheben sich immerhin gelinde Zweifel darüber, ob sich diese — an sich wohl immer gut gemeinte — Mahnung an die Adresse der Strassenbenützer mit den gesetzlichen Bestimmungen im Einklang befindet oder ob sie sich nicht vielmehr ausserhalb dessen bewegt, was heute rechtens ist. Konsultieren wir daraufhin einmal die eidg. Verordnung über die Strassensignälisätion, Gleich in ihrem ersten Artikel stellt sie den Grundsatz auf, dass für die Signalisierung des Strassenverkehrs nur die darin vorgese-: henen Signale Verwendung finden dürfen, wobei sie lediglich die üblichen Markierungsschilder für Fuss- und Reitwege vorbehält. Auf einen andern Nenner gebracht,heisst das: Die Verordnung zählt die zulässigen Signale erschöpfend auf, etwas anderes duldet sie da- INSERTIONS-PREIS: Dia aehtgwpattene 2 mm hohe Grnndzeile oder deren Raum 45 GrSssere Inserate nach Spezialtarit. Imeratensehlnss 4 Tage vor Ersehelnea ••* Iftwunr In dieser Nummer s Schweiz. Treibstoffimporte. Nat Gelände- u. Orlentierungsfahrt IL Auto-Skl-Meetlng In Gletsch. Die Schweisstechnik im Automobilbau. Betriebskostensenkung durch Dieselantrieb. DIE KLEINE REVUE sieht, von der Schweiz abgewendet Wer sich darüber freut, werden die Fremdenverkehrskonkurrenzgebiete des Auslandes sein. V „Achtung, Ausgang!" neben nicht Nach einem offiziellen Signal «Achtung, Ausfahrt!» jedoch fahndet man völlig umsonst. Nirgends ist auch nur die leiseste Spur davon zu entdecken, wohl aber bringt es der Gesetzgeber klar, und eindeutig zurrt Ausdruck, d^ss eV-^'"offenBar um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer nicht durch ein Uebermass an Blech abzustumpfen oder um sie nicht zu verwirren — die Aufstellung von Signalen nur dort erlaubt «wo die Sicherheit des Strassenverkehrs oder die Innehaltung verkehrspolizeilicher Vorschriften es unumgänglich notwendig macht». Durchaus zu Recht auferlegt er somit den Kantonen oder Gemeinden die Pflicht, bei der Bewilligung zur Anbringung von Verkehrssehildern weise Beschränkung zu üben. Vielleicht nimmt man deshalb zuständigenorts die vielen, allzuviejen Aufschriften und Schilder «Achtung, Ausfahrt!» einmal unter die kritische Lupe, wobei vorerst die Frage der gesetzlichen Existenzberechtigung dieser «Signale» etwas näher geprüft werden sollte. Denn dass es darum etwas fragwürdig bestellt ist, lässt sich angesichts der unzweideutigen Bestimmung der Signalverordnung wohl kaum leugnen. Anders allerdings verhält es sich, wenn das Signal Nr. 6 (andere Gefahren) die Einmündung einer Ausfahrt in eine öffentliche Strasse kennzeichnet; in diesem Fall gibt es an der Zulässigkeit des Warnungsschildes als solchen nichts zu tippen. NATIONALE GELANDE- LUZERN— ^p«iP^i«r\J^^i^^^H UND ORIENTIERUNGSFAHRT —GLETSCH Links: Der Parkplatz, in Gletsch nach der Ankunft der Konkurrenten ain Samstagnachmittag. Mitte: Die «Truppenkonzentration» beim .Belvedere am Sonntagmittag anlässlich der Skichilbi. Rechts: Ein Schnappsohuss vom Start in Luzern (links die Sportkommiesäre—stehend (Herr Lumpert, St Gallen, zum'Konkurrenten hingeneigt Herr Lareida, St. Moritz).