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E_1939_Zeitung_Nr.055

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BERN, Freitag, 7. Juli 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 55 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen nachher eine Spitzkehre hätte ausführen müssen. Bei der Ausfahrt war die Sicht nach der einen Strassenrichtüng durch eine Treppe verdeckt und ausserdem durch eine Gerüststange bis auf 2,3 Meter verengt. Ein Fussgänger erklärte sich bereit, dem Automobilisten behilflich zu sein, wandte dann aber seine Aufmerksamkeit mehr der Gerüststange als dem Verkehr auf der Hauptstrasse zu, und da er sich neben dem langsam rück- ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. IQ- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5U. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.75. Abstand halten! Jeder Automobilist weiss zur Genüge aus eigener Erfahrung, dass Motorfahrzeuge unterwegs nicht ungem in Kolonne dicht hintereinander angetroffen werden. Dies rührt meist daher, dass irgend eine Bahnschranke lange Zeit geschlossen blieb und sich daher eine ganze Reihe von Fahrzeugen ansammelte. Bei erheblichem Gegenverkehr ist es dann für die hintersten Wagen nicht immer einfach, die übrigen, unter Umständen bedeutend langsameren Fahrzeuge zu überholen, da sich der Ueberholweg durch die erwähnten Umstände erheblich verlängert. Um diesen Nachteil möglichst auszugleichen, besteht die Verlockung, sich dicht an die Fersen der vornliegenden Wagen zu heften, weil es nur so gelegentlich doch noch gelingt, durchzukommen. Diese Fahrweise birgt nun, wie im folgenden gezeigt werden soll, ganz erhebliche Gefahren in sich, die schon manchen Fahrer zu seiner unliebsamen Ueberraschung am eigenen Leibe — oder mindestens am eigenen Wagen (bzw. Portemonnaie) — zu spüren kriegte. Muss nämlich das vornliegende Fahrzeug aus irgend einem Grunde plötzlich abgebremst werden„so hat der hintere Fahrer oft nicht mehr Zeit anzuhalten un4 fährt daher den vorderen Wagen mehr, oder weniger heftig an. Erfolg: heftige Proteste vörnj vielleicht verbunden mit einer zünftigen Reparaturrechnung für entstandene Schäden — ganz abgesehen von blutigen Nasen bei.den eigenen Mitfahrern. Um dies zu vermeiden, gilt es zum mindesten, an unübersichtlichen Stellen, in Dörfern usw., wo dem Vordermann immer mal ein Hund oder selbst ein unvorsichtiges Kind vor die Räder springen und eine heftige Bremsung erforderlich machen kann, stets einen bestimmten Mindestabstand einzuhalten. Dieser muss so bemessen sein, dass ein «Aufbrummen» auf den vordem Wagen sich unter allen Umständen vermeiden lässt. Die Länge dieses Mindestabstandes hängt einerseits von der Fahrgeschwindigkeit und Erscheint Jeden Dienstag Und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „Galbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 • Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : Löwenstrasse 51, Telephon 29.743 anderseits von der Wirkung der eigenen Bremsen ab. Um ganz sicher zu gehen, soll man dem Vordermann die bestmöglichen Bremsen zutrauen. Die Wirkung der eigenen Bremsen kennt man ja aus Erfahrung. Hat der vordere Wagen nämlich bessere Bremsen als der hintere, so ist auch sein Bremsweg kürzer. Will man ein Auffahren verhüten, so muss also der Abstand mindestens so gross gewählt werden wie der Unterschied der Bremswege. Selbst dies jedoch genügt noch nicht, und zwar wegen der sogenannten Schrecksekunde. Man hat durch psychotechnische Messungen ermittelt, dass vom Moment des Erkennens einer Gefahr (hier Aufleuchten des Bremslichts am vordem Wagen) bis zur Auslösung der entsprechenden Reaktion (hier Betätigung der Bremsen am hintern Fahrzeug ein Zeitraum von fast einer Sekunde ver- es Fig. 1. Abhängigkeit des Bremsweges von der Fahrgeschwindigkeit und dem BremSverzögerungswert. •• .M streicht. Während dieser Zeit rollt das hintere Fahrzeug mit unvermindertem Tempo weiter, während die Geschwindigkeit des vordem bereits abnimmt. Man muss deshalb den in der Schrecksekunde durchlaufenen Weg noch zum Unterschied der Bremsstrecke hinzuzählen, um den Mindestabstand zu erhalten, bei dessen Einhaltung sich nach menschlichem Ermessen die erwähnte Gefahr vermeiden lässt. Da sich die gesetzlichen Vorschriften über die Wirksamkeit der Bremsen als ungenügend erwiesen haben, wurden auf Grund eines Zirkularschreibens an die einzelnen Motorfahrzeugkontrollämter neue Bestimmungen erlassen, welche die verlangten Bremsverzögerungen für die verschiedenen Motorfahrzeuge angeben. Diese Zahlen vermitteln an und für sich keinen genauen Begriff von der Wirkung der Bremsen; erst wenn man daraus die Bremswege bei verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten errechnet, kann man sich ein Bild davon machen, was mit den angegebenen Verzögerungswerten gemeint ist (Fig. 1). Das mit guten Personenwagenbremsen und griffigen neuen Reifen durchschnittlich erreichbare Optimum ist eine Bremsverzögerung von 6,0 m/sec 2 entsprechend einem Bremsweg von 6 m bei einer Fahrgeschiwin- Voilziehungsverordnüng zum Motorfahrzeuggesetz enthält in Art. 48 folgende Vorschriften: «^Motorfahrzeuge dürfen rückwärts nur im-Schnttempo fahren. Sie haben den andern Fahrzeugen den Vortritt zu lassen. — Auf der Strasse darf ein Fahrzeug nur dann umgewendet werden, wenn dies ohne Störung des Verkehrs geschehen kann.» Ein Automobilist wollte in Schüipfheim aus einer Hofstatt hinaus rückwärts in die Kantonsstrasse Bern - Luzern einfahren, wo er INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nrnnmer In dieser Nummer s Steuererleichterungen in Baselland auf guten Wegen. Grosser Preis von Frankreich. Die Schweisstechnik im Automobilbau. Crystal-Palace-Cup-Meeting. Feuilleton «Rätsel um Muriel» S.2. Beilage: digkeit von 30 km/St, und 24 m bei einer solchen von 60 km/St. Noch etwas kürzere Bremswege werden nur sehr selten erhalten. Schluss Seite 2. Bundesgerichtliche Urteile aus dem Gebiet des Strassenverkehrs Wenden auf der Strasse wärtsfahrenden Wagen hielt, war er für allfällig von Bern kommende Fahrer durch diesen verdeckt. Ein aus dieser Richtung nahender Automobilist stiess denn auch mit dem eben in die Strasse einfahrenden Wagen zusammen, weil er glaubte, dieser stehe still und sei dort parkiert. Das Luzerner Obergericht sprach den auf der Hauptstrasse herangekommenen Fahrer frei, verurteilte dagegen den andern zu 20 Fr. Busse mit der Begründung, er habe sein Rückwärtsmanöver nicht mit der erforderlichen Vorsicht ausgeführt und so gegen die in Art. 25 MFG aufgestellten Vorschriften verstossen. Der Verurteilte reichte beim Kassationshof des Bundesgerichtes Nichtigkeitsbeschwerde ein, der nach folgenden Gesichtspunkten entschied. Der Beschwerdeführer ist vorschriftsgemäss in langsamem Tempo rückwärts in die Hauptstrasse eingefahren, hatte aber der MIT DER KAMERA AN DER GELÄNDE- UND ORIENTIERUNGSFAHRT LUZERN-GLETSCH vom letzten Samstag Links: W. Locher (Zürich) klassierte sich bei den Amateuren im zweiten Rang. — Mitte: Ein Basler Konkurrent bei einem .Halt auf der Brünig-Route. — Rechts: Blick vom Belvedere auf den Matthorngletscher, auf dem am Sonntagvormittag in Richtung von links oben nach rechts unten der Abfahrtsslalom für Skifahrer ausgetragen wurde.