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E_1939_Zeitung_Nr.055

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"I" Automobil-Revue —

"I" Automobil-Revue — N r 55 Kulis, hinten schieben sie, und nach jedem Meter, den sie den Wagen höher gebracht haben, legt Helmuth Holzplanken hinter die Hinterräder, damit der Wagen nicht zurückrutscht. Der Motor nützt kaum, weil sich die Räder am schlüpfrigen Abhang leer drehten. Ich glaube, dass selbst das stärkste Raupenauto hier versagt hätte. Ihm hätten aber auch menschliche Kräfte kaum viel helfen können, weil sein Eigengewicht zu gross ist. Ich habe oft mit grosser Freude feststellen können, dass unser Kleinauto gegenüber einem schweren Wagen durch sein geringes Gewicht sehr im Vorteil war. Sei es nun auf gebrechlichen Fähren oder auf solchen Steigungen. Noch leichter •-*• unvergleichlich leichter — Wären solche Hindernisse freilich mit einem Motorrad zu überwinden. Es ist später Nachmittag, als wir regennass und schweisstriefend die Böschung erklommen haben. Die Sonne bricht etwas durch. Gleich einem Spielzeug liegt die Fähre 50 Meter unter uns am Ufer des Saluen. Lächerliche 6 Rupien (etwa 11 Fr.) fordert der Anführer der Kulis. An Essen denken wir nicht; Hunger wird mit Zigaretten befriedigt. Weiter, nur weiter drängt es in unserer leider so rastlosen europäischen Seele. Wir müssen nun noch zwei Gebirgsketten überwinden, Ausläufer des Himalaja, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Hier am Saluen befinden wir uns etwa 250 Meter hoch. Wenn ich unsern Karten glauben darf, so sind die zwei Pässe, die nun vor uns liegen, 1250 und 1750 Meter hoch. Also ist ein beträchtlicher Höhenunterschied zu überwinden. Nach 12 Kilometern kommt wieder ein Fluss, selbstverständlich ohne Brücke. Er ist unangenehm klein, zu seicht und zu reissend, um eine Fähre verwenden zu können, und doch zu tief, um ihn zu durchfahren. Trotzdem versuchen wir es; wie zu erwarten, bleibt der Wagen mitten im Fluss «ersoffen» stecken. Langsam quillt das Wasser durch die Schlitze für die Fusshebel. Eine leere Thermosflasche fängt zu schwimmen an, der Werkzeugbehälter läuft voll Wasser. Höher und höher steigt das nasse Element. Mit grosser Gewalt drückt der Gebirgsfluss gegen die Breitseite des Wagens und droht, ihn mit sich zu reissen. Eile tut not. Zum Glück sind, ein paar Hütten in der Nähe, und die Bewohner eilen mit Stangen lind Brettern bewaffnet zu Hilfe. Unter Schreien und Lachen zerren sie den Wagen aus der gefährlichen Mitte des Flusses bis nahe ans Ufer. Dann wird aus Brettern eine notdürftige Rampe gebaut und der Wagen aufs Trockene gebracht. Helmuth macht sich, gleich daran, Kerzen und Verteiler trockenzulegen. Zögernd beginnt, der Motor wieder zu arbeiten. Der Vergaser spuckt und hustet, und aus dem Auspuff topf fliegt das eingedrungene Wasser heraus., Sonst ist alles in Ordnung. -Es war nur eine kleine Episode unter vielen andern. Man wird abgehärtet, und nimmt manches gleichgültig hin, was man in Europa als «besondere Leistung» werten würde. Abends gegen 10 Uhr erreichen wir nach einer /Tagesleistung von 80 Kilometer eine Missionsstation. Der italienische Pater-macht ein etwas ver- .wundertes Gesicht, als ihn« zwei verschmutzte, müde Menschen zu so später Stunde stören. Er lässt es sich nicht nehmen, ein kleines Fläschehen .Messwein zur,Feier des besondern Ereignis- «es. aufzutischen. ,-•':'. '-•'- . • Wenn die Sonne scheint und man eine, gute Nacht hinter sich hat, ist alles rosig. Nur noch 140 Kilometer trennen uns-von Kengtung; Wir sind voll Zuversicht. Leider haben" wir durch -das häufige Fahren im ersten Gang sowie dürchVdas viele Vor- und Zurückfahren bei morastigen Stellen weit mehr Benzin als vorgesehen verbraucht. Der Pater hat einen Vorrat von 5 Litern für seine Benzinlampe, und wir sind dankbar, dass er sie uns verkauft. Brennstoff hat in den Schanstaaten Seltenheitswert. Bald hinter der Missionsstation steigt die ' Strasse steil an. Der lehmige Grund ist von erstaunlichen'Urwaldriesen überschattet, die leider selten einen .Strahl Sonne zur Erde durchlassen. Es ist so schlüpfrig, dass wir die Schneeketten anlegen müssen. Die Fahrt ist aufregend. Ganz schmal klebt der Weg am Be'rgrand, knapp gleitet der Wagen an Abgründen vorbei.* An besonders steilen Stellen drehen sich, gelegentlich die Räder vorwärts, und der Wagen rutscht doch langsam zurück. Je höher wir kommen, desto tiefer und weicher wird der Lehm. Steine scheinen hier eine Seltenheit zu sein. Die Ochsenkarren mit ihren hohen Rädern haben tiefe Gleise eingeschnitten. - Wenn der Wagen mit dem Bauch am Lehm aufsitzt und die. Räder.in den tiefen Furchen hängen, , ist alle Kunst vergeblich. Dann gibt es nur eine Möglichkeit... man' nehme die Schaufel und grabe das Erdreich zwischen den beiden Furchen ab; dann kann der Wagen weiterfahren... Das liest sich so leicht wie ein Kochbuchrezept; und doch War es eine mühselige Arbeit. Der Lehm ist zäh wie Leim und mit Blättern und lialbverfaulten Lianen untermischt. Ich habe selten einen sc^'mmeren Geruch in der Nase gehabt als beim Umgraben dieses Morastes. Wasserblasen, mit Schweiss und Lehm vermischet, brennen wie Feuer in den Handflächen. Wir achten kaum darauf, es kommt mir erst jetzt zum Bewusstsein, wo ich kaum in der Lage bin, den Füller zu halten. Dieses «Jetzt» ist ein armseliges Bergdorf, knapp unter der Passhöhe, das wir noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Das hat uns beide sehr glücklich gemacht. Die Nacht im Freien zu' verbringen; wäre mehr -als ungemütlich' gewesen. Wir hätten im Wagen schlafen müssen, auf dem abschüssigen schlüpfrigen Weg konnten wir das Zelt ja nicht aufstellen. Nicht einmal Feuer hätten wir mit dem nassen, grünen Dschungelholz entfachen können. So erscheint uns das Bambusdach, unter dem wir nun die.Feldbetten aufschlagen, geradezu als Paradies. Der Wagen ist so gestellt, dass seine Stadtlampen das Lager beleuchten. Während ich diese Zeilen niederschreibe, sitzt das ganze Dorf im Halbkreis um uns und glotzt. Ein Blick auf den Zähler sagt mir, dass wir heute 50 Kilometer zurückgelegt haben. In Wirklichkeit sind es aber weniger, wenn man bedenkt, dass sich die Räder oft und oft wie rasend auf der Stelle gedreht haben. Die Einladung eines Hüttenbesitzers hatten wir abgelehnt. Wir waren so unhöflich, weil wir erfahrungsgemäss die Schlafsäcke gern in ausreichendem Abstand von allen Eingeborenen Asiens hielten. So hatten wir uns mit dem Bambusdach begnügt, das eine Art Rasthaus zu sein schien. 'Diese «Bescheidenheit» wurde durch einen heftigen nächtlichen Regen bestraft, der sich'infolge der Schadhaftigkeit des Daches recht unangenehm bemerkbar machte. Flögelt ein kleiner, blauer Falter vom Winde geweht, Ein perlmutterner Schauer, Glitzert, flimmert, vergeht. Das ist ein Kapitel, das fast alle modernen Frauen interessiert! Um die Hüften wirklich und gurndlegend zu verändern, muss man viel Geduld haben I Wenn die folgenden Uebungen konsequent 2 Monate hindurch gemacht werden, Wird ein deutlicher Unterschied merkbar sein. 1. Mit gegrätschten Beinen stehend, die Äfme ober "den Kopf gehoben, werden gleichmässige Kreise beschrieben. Je grosser der Radius, desto wirksamer die" Uebung. 15mal nach rechts und nach links. ,2. Auf einem Bein stehend, schwingt man das andere so hoch als möglich nach vorne und nach hinten. Die Arme sind {wenn man nicht eine Hand als Stütze braucht) seitlich ausgestreckt. Je rascher man schwingt, desto besser ist es. Nach 8 Schwüngen Beinwechsel. 3. Am Boden liegend, Arme und Beine in der Verlängerung des Körpers ausgestreckt, rollt man vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück. Sobald man den nötigen Schwung hat, dürfen Hände und Füsse den Boden nicht mehr berühren. Der Drehungspunkt sind die Hüfte. (Kein Bild.) 4. In Kreuzform auf dem Rücken liegend, zieht man die Knie an und führt sie geschlossen abwechselnd zum rechten und zum linken Arm. Dabei darf der Rücken nicht, oder kaum, vom Boden abgehoben werden. .2—8mal auf jeder Seite (anstrengend). Schmetterling; So mit Augenblicksblinken, So im Vorüberwehn, Sah ich das Glück mir winken, Glitzern, flimmern, vergehn. rf - : Hermann Hesse. Kosmetisches Tarnen Die Hüften Als wir aus den wasserschweren Decken herauskriechen, fröstelt uns. Ein seltenes Gefühl ist das, seit den Passfahrten in Persien und Afghanistan habe ich es nicht mehr empfunden. Wir sind hier schon etwa 1600 Meter hoch, es kann nicht mehr weit bis zur Höhe sein. Schwere Wolken hängen tief in den Bergen und nehmen jede Sicht. Nebelschwaden steigen aus dem Tal. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufbruch und wenden viel Liebe auf die Bereitung des Frühstücks. Das schönste Huhn des Dorfes wird für 8 Annas erstanden, dazu noch 6 Eier. Alles sollte man auf Reisen können, auch ein Huhn kunstgerecht rupfen. Wir verzehrten es mit einer tüchtigen Anzahl Flaumfedern als Hauptgericht des Frühstücks. Bei genauer Betrachtung war es eigentlich kein Frühstück, sondern ein doppeltes Mittagessen mit zwei Suppen und zwei Fleischspeisen. Das muss aber auch bis zum Abend vorhalten. «Auf Vorratessen» ist eine höchst erstrebenswerte Fähigkeit, in der es sowohl Helmuth als auch ich zur Meisterschaft brachten. In Asien ist das von beachtlichem Nutzen, und im Lauf der Reise stellte sich der Magen ganz auf diese Ernährungsweise ein. Nach diesem «Frühstück» verstauen wir das Gepäck im Wagen und starten. Ich will es gleich vorweg sagen, dass dieser Tag einer der schwersten war. In dreizehn Stunden haben wir ganze 12 Kilometer gefahren. «Fahren» ist nicht der richtige Ausdruck. ' Zerren, Schieben, Ziehen, Schaufeln, Fluchen, das Boschhorn um Hilfe durch die Berge gellen lassen,, stundenlang nach Menschen suchen, den Motor martern, die Kupplung verbrennen, die Reifen schleifen lassen, das alles ist in dem Wörtchen «Fahren» enthalten. Helmuth bekommt noch dazu einen schweren Fieberanfall. In Decken gehüllt sitzt er im Wagen. Seine Augen glänzen. Immer wieder sagt er: «Du musst entschuldigen, dass ich dir nicht helfen kann.» Was nützt eine Kraft mehr oder weniger, wenn oft zehn Kulis nicht ausreichen? Zwei Stunden muss ich nach ihnen suchen, als der Wagen zum erstenmal rettungslos festgefahren war. Soll ich •wirklich niederschreiben, wie wir- um die Wette geschaufelt und gegraben haben? Wie die Kulis in den Seilen hingen? Wie sie geschoben haben? Wie ich zitterte, nur aus Angst, dass das Differential bricht? Wie verdreckt ich bin, wie widerlich es ist, sich nicht waschen zu können? Wie bestialisch dieser hinterindische Morast stinkt, in den man bis zu den Waden versinkt? Es hat keinen Zweck; ich käme nicht zu Ende. Abends 9 Uhr erreichen wir die Hütte, von der ich die Kulis geholt habe. Sie arbeiten hier als Holzfäller im Teakwald. Helmuth wird nahe dem Feuer gebettet, er schläft sofort ein. Meine Hände sind von messerscharfem Bambus zerschnitten und bluten. Ich sitze am Feuer und denke: Warum das alles? Wo man doch in Europa mit schön gebundener Krawatte und reinen Fingernägeln herumlaufen und heute abend vielleicht mit einer netten Kollegin in Grinzing sitzen könnte ... Warum ist man geflohen vor Zivilisation und Bürgerlichkeit? Warum hat man die Arbeit verlassen, die Freude und Erfolg brachte? Diese fesselnde-Schilderung ist eine Kostprobe des vor kurzem erschienenen Buches von Max Reisch; r " Transasien. 2HHX) Kilometer' init '32 PS von Palästina bis China. Die beiden jungen Leute haben diese erste Durchquerung Hinterindiens und Südchinas im Auto mit erstaunlichem Optimismus bewältigt und diese gewaltige Strecke in 18 Monaten zurückgelegt. Das Buch ist mit 90 Photographien, von welchen wir hier zwei wiedergeben, prächtig illustriert lind im Verlag ?F, A. Brockhaus, Leipzig, erschienen. Tierisches — Allzutierisches Haben Sie das alles wirklich schon gewusst? ...dass hunderttausend Bienen sechs Millionen Blüten besuchen müssen, um ein Kilogramm Honig zu produzieren? ...dass die Wissenschaftler annehmen, die Vögel könnten ihr Futter weder schmecken noch riechen? ... dass es in der Nähe von Skutari bis vor kurzem einen See gab, in dem es dermassen von Fischen wimmelte, dass sie tatsächlich keinen Platz im Wasser hatten? Da es keine Raubfische in dem See gab, war die Vermehrung des Fischbestandes so ungeheuerlich, dass man schliesslich, um Luft zu schaffen, gezwungen war fremde Raubfische einzusetzen. Seither haben sich die einheimischen Fischbestände etwas gelichtet, um so besser steht es um das Gedeihen der Raubfische. ..;. das die Pinguine, die den Nestbau nicht kennen, ihre Eier auf ihre eigenen Füsse legen und dort ausbrüten? ...dass der Stachelschweinfisch, dessen Haut so dicht mit Stacheln bedeckt ist. dass sie einen vollkommenen Panzer bilden, sich mit 1 Hilfe von Luft oder Wasser aufblasen kann, bis. er einem gewaltigen Ballon gleicht? Er kann qrosse Raubfische, beispielsweise Haie, die unvorsichtig genug waren, ihn r zu verschlucken, dadurch, töten, dass er sich in ihrem Magen aufpumpt und dadurch die Mägenwände seines Gastgebers zerfetzt. ...dass Känguruhs die Weltmeister Im 'Langsamessen sein dürften? Eine Känguruhmahlzeit pflegt bis zu vier Stunden zu dauern. ... dass es im Sargassomeer einen Fisch gibt, der seine Flossen wie Hände gebrauchen kann? Da er überhaupt nicht schwimmen kann, ist er darauf angewiesen, im Tang zu leben, in dem er geschickt wie ein Bchhörnchenr herumklettert. Eine andere Fischart, die ihre Flossen als Füsse benützt und damit auf dem Grunde des Meeres spazieren läuft, lebt an der chinesischen Küste. ... dass in Neu-Guinea eine Rattenart lebt, die einen Meter lang wird? ... dass es in Ecuador Regenwürmer gibt, welche die stattliche Länge von anderthalb Meter erreichen? ... dass von allen in Europa heimischen Vögeln die Schwäne die grössten Eier legen? ... dass ein ausgewachsener Wal soviel wiegen kann wie sechzig ausgewachsene Elefanten zusammen? ...dass eine mit Honig beladene Biene nicht stechen kann — nicht einmal in Selbstverteidigung? ... dass Ratten und Mäuse in den Vereinigten Staaten soviel Werte vernicht, wie dem Durchschnittsverdienst von 200000 Menschen entspricht? C Pr.

JJO 55 »-» Automobil-Revue in Graubünden und seine j; rossen Paßstrassen Text und Aufnahmen: Dr. Willy Meyer. In vielfacher Hinsicht ist Graubünden ausgezeichnet. Seine Ausdehnung von Norden nach Süden bedingt den bezaubernden Wechsel von begletscherten Berggruppen bis zum Vorkommen üppiger Vegetation. Es ist Ursprungsbereich vieler Heilquellen. Seine geologische Gliederung ist mannigfaltig, die Zahl seiner Täler so stattlich, dass es als das «Land der 150 Täler» sprichwörtlich wurde. Seine Bevölkerung, die im wesentlichen von den Rätiern abstammt, ihrerseits Abkömmlinge eines etruskisch-keltischen Zweiges, erfreut sich ihres Reichtums dreier Sprachen und hat Kulturwerte geschaffen, die höchste Beachtung verdienen. Seine Besiedelung ist uralt und seine Geschichte ausserordentlich bewegt; zeitweise, als sie ins Ringen von Grossmächten hinüberspielte, Oesterreich-Spanien einerseits, Frankreich-Venedig andrerseits, machte sie ein wichtiges Stück der gesamteuropäischen aus. Für friedlichen Handel wie für kriegerische Handlungen waren Graubündens Berg- und Talstrassen naturgegebene Routen. Deshalb besitzen einige von ihnen ein wahrhaft ehrwürdiges Alter. Die Erschliessung der Alpen für Touristik, Hochtouristik und Erholungsreisen musste in einem so vorbestimmten Erd- ' strich eine neue Aera eröffnen. Ortsnamen wie Arosa, Celerina, Davos, Flims, Klosters, Lenzerheide, Pontresina, Samaden, Schuls- Tarasp, St. Moritz sind gewissermassen nur Kennworte einer Aufzählung, die um Hunderte • vervollständigt werden müsste. Graubündens Ruf als einer Oase für Sporttreibende ist längst weltläufig: Bergsteigen aller Grade, Schnee- und Wassersporte aller Arten. Tennis und Golf sind- in ihm heimisch geworden, und Klassizität erlangten seine vorbildlichen Möglichkeiten für den Automobilisten. Drei grosse Pass - Autostrassen führen von Westen nach Osten: Oberalp, Flüela und Ofenberg, acht ebensolche von Norden nach Süden: Lukmanier, St. Bernardin, Splügen, Maloja, Julier, Albula, Bernina und Umbrail. Als eine Hauptverkehrsader durchzieht Nordwestgraubünden, nahe seinen Grenzen gegen Uri, Glarus und St. Gallen, die langgestreckte Fahrstrasse, die vom Oberalppass bis Disentis Oberalpstrasse heisst, Ilanz und Reichenau-Tamins berührt, westlich von Chur, mit diesem jedoch durch eine Abzweigung verknüpft, nach Norden ausbiegt und im Maienfelder Winkel den Kanton verlässt. Die Oberalpstrasse durchschneidet das fruchtbare Acker- und Weideland des Tavetsch, mit Tschamut, wo Conrad Ferdinand Meyer so gern weilte, und dem aufblühenden Sommerund Winterfrischeort Sedrun. Der 2048 Meter hohe Oberalppass ist Kantonsgrenze; der nahe Oberalpsee gehört noch zu Uri. — Von Disentis, dem berühmten klösterlichen Kulturzentrum, nimmt ihren Anfang die Lukmanierstrasse, die es mit Bellinzona verbindet. Graubündisch ist sie bis zur Passhöhe, die das bündnerische Medelser- vom tessinischen Bleniotale trennt. Vor der heutigen Strasse wurde eine frühere mindestens schon zur Karolingerzeit und dann namentlich im Mittelalter häufig benutzt. Im Medelsertale trifft der Kunstfreund auf mancherlei sehenswerte kirchliche Architektur. 1842 Meter hoch passiert"er das ehemalige Hospiz zur «Sancta Maria in luco magno», auf 1919 Meter den Lukmanierpass. Julierstrasse. Savognin i. 0. (Foto Meyer.) —• Ebenfalls mit Bellinzona verbindet die St. Bernhardinstrasse Chur. Zwar versteht man unter ihr im strengen Sinn bloss den Teil ab Splügen. Aber tatsächlich löst sie sich bei Reichenau von der beschriebenen Bündner Oberländer Linie, durchbricht Via Mala- und Rofflaschlucht und steigt über Splügen, Medels im Rheinwald, Nüfenen, Hinterrhein zur 2063 Meter hohen Passhöhe hinauf. Diese hiess einst nach dem Vogelsberg, Pizzo Uccello, wurde aber dann zu Ehren des Hl. Bernardino von Siena umgetauft, der in den umliegenden Talschaften predigte. Die Vogelsbergroute wurde schon in ältester Zeit, einer Mutmassung zufolge gar in prähistorischer, begangen. Sie zählt vermöge ihrer prachtvollen Landschaftsbilder, vorab im Rheinwaldgebiet mit seinen Firnen und Gletschern, sodann in der Südlichkeit des auch kulturgeschichtlich so interessanten Misoxtales, zu den eindrucksvollsten Bergstrassen überhaupt. — In Splügen zweigt gen Chiavenna, also Italien, die Splügenstrasse ab, deren schweizerischer Anteil, bis zum 2118 Meter hohen Pass, nur kurz ist. Verwendung fand sie bereits zur Römerzeit. — Gleichfalls nach Chiavenna wendet sich die Malojastrasse, die hinter Castasegna die Schweiz verlässt. Sie verbindet das Oberengadin mit dem Bergeil und damit die zwei herrlichsten Berggebiete Graubündens: die Eisriesen der Bernina und die Kletternadeln der Val Bregaglia! Campferer-, Silvaplanaund Silsersee charakterisieren die Landschaft, die Segantini sich zur letzten wählte. Im Ber- «»gell treten 1 unweit des modernen Verkehrsweges noch die Spuren der Römerstrasse zutage. Höhepunkt ist mit 1817 Meter Malojakulm. — Jugendland des Malers aus Arco . durchläuft die Julierstrasse, die Tiefencastel "(und durch Tiefencastel Chur) mit dem Oberengadin verbindet. Denn im Oberhalbstein (das den Bündnern ihren « Winkelried », den Helden der Calvenschlacht Benedikt Fontana, geschenkt hat), in Savognin, Hess sich 28j#hrig Giovanni Segantini nieder, als er Italien mit der Schweiz vertäuschte. Ihm eigenen Motiven begegnet man allenthalben auf dieser Strasse, jiber die schon die Römer marschierten. Aus ihrer Epoche rijhren zwei vielumrätsefte Säu- Strassenwalze, über etliche andere Deutungen hinweg, zur Sinnbildschaft einer Gottheit erhoben. — Mit dem Mittelengadin, nämlich dem Dorfe Ponte, verbindet Chur via Lenzerheide, Thusis via Schyn, dann über Filisur und Bergün, die Albalastrasse. Ihre Kulminationen in jeder Hinsicht sind Weissenstein, 2031 Meter, und Albulapass, 2315 Meter, nicht zuletzt wegen ihrer erlesenen Bergflora und Insektenfauna und als Standorte zu prächtigen Bergfahrten. — Wieder ein Grenzweg nach Italien, von Pontresina im Oberengadin nach Tirano im Veltlin, ist die Berninastrasse, die ihre Passhöhe in 2330 Meter gewinnt. Indem sie an der grandiosen Eiswelt der Bernina entlangläuft und danach sich zum lieblichen Puschlav senkt, das voll von historischen und kulturhistorischen Erinnerungen ist, hinterlässt sie unvergessliche Eindrücke. Die Läghi Bianco und Nero (zwischen denen sich die Wasser nach dem Adriatischen und Schwarzen Meere scheiden) sowie der von Le Prese sind Meisterwerke der Natur. — Ueber zwei sehr wichtige Passwege für den Automobilverkehr verfügt das Unterengadin. In Süs mündet die Flüelastrasse, die von Davos her kommt. Sie hat in Süs Anschlüsse ebensowohl nach Schuls, Martinsbruck und der Landesgrenze bei Finstermünz wie nach Zernez, St. Moritz und der Malojastrasse. Wie die ganze Fahrt auf der Flüelastrasse vielfach durch ernste, Ofenbergstrasse. Valcava i. M. wildromantische Szenerien geht, so ist der 2389 Meter hohe Flüelapass für sich ein Schaustück von besonders düsterer Wucht: ,das Hospiz mit Schwarz- und Schottensee und den ungeheuren Schwarzhornwänden diesem gegenüber. — Der andere Unterengadiner Passweg für Kraftfahrzeuge ist die Ofenbergstrasse zwischen Zernez und der Tirolergrenze jenseits Münster, der einzige fahrbare Zugang zum bündnerischen Münstertal. Ihr Name gemahnt an vor Zeiten hier betriebenen Bergbau. Sie trägt den Reisenden bis zum Schweizerischen Nationalpark und erschliesst ihm in Val Müstair ein zwar geographisch abgesondertes, jedoch im Wesen unverfälscht gebliebenes Randstück der Schweiz, das sich schon von Süsom Give, der 2155 Meter hohen Passhöhe, in idyllischer Abgeschiedenheit dartut. — Sein Hauptort Santa Maria, nur knapp 4 Kilometer von Karls des Grossen Benediktinerstiftung Monastero entfernt, ist Ausgangspunkt für die Umbrailstrasse, die ihn mit Bormio im Veltlin und durch einen weiteren Strassenast mit dem Stilfserjoch, d. h. mit dem Vintschgau und Meran, verbindet. Mit ihrer Gipfelung in 2505 Meter hat sie den Ruhm, die höchste Schweizer Autostrasse zu sein. Hier oben lebt noch unvermindert das Gedenken an die Grenzbesetzung während des Weltkrieges, und sie macht sinnfälliger als etwas sonst die strategische Aufgabe des Grenzkantons: Bollwerk zu sein. BIERUHANS' ERLEBNISSE MIT MM"WELTMf ISTER* 3ZE. Hans Bferir* Wünschelrute zittert, Weil sie das bessre Nass gewittert.