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E_1939_Zeitung_Nr.052

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 27. JUNI 1939 — N° 52 Film des Fabrikat iotisprozesses Bei einer Länge von 150 m IHM! einer Breite von 30 m bedeckt der neue, im Februar dieses Jahres m Betrieb genommen« Gebäudekomplex eine Fläche von 4500 m 2 . Was den Besucher beim Betreten der Fabrikhalle überrascht, das ist die Fülle von Licht, das sowohl seitlich als auch von oben her in den weiten Raum hineinflutet, die Ordnung und Sauberkeit, die überall herrscht. Man spürt es auf Schritt und Tritt: Hier atmet der Geist eines zielbewußten Organisators, für den Arbeitsrationalisierung kein leeres Wort ist Schon ein erster Blick lässt die Aufteilung des Arbeitsprozesses in seine verschiedenen Vorgänge klar und deutlich erkennen: Auf der einen Seite die Fabrikation mit ihren auf modernste eingerichteten Maschinen, auf der andern die Montage, das Lager, die Werkzeug- und die Reparaturabteilung. Ausgerichtet und geordnet stehen überall die zur Verarbeitung vorbereiteten Bestandteile genau auf dem Platz, wohin sie gehören. Und so paradox es auch anmuten mag, wenn man das fertige Endprodukt, die massiven, robusten Traktoren sieht, diese Schwerarbeiter der Industrie und Landwirtschaft — was hier geleistet wird ist Präzisionsarbeit in höchster Vollendung, ist eine Sorgfalt und mit bundertstel und tausendstel Millimeter rechnende Genauigkeit, die sich auch auf die Herstellung des letzten, bescheidensten Teilchens erstreckt. Für jedes, selbst für das scheinbar simpelste Stück erhält der Arbeiter eine Zeichnung des Konstruktionsbüros in die Hand gedrückt. Nur unter dieser Voraussetzung sind Spitzenfabrikate denkbar, wie sie dieses Unternehmen hervorbringt und hervorbringen muss, wenn es im Konkurrenzkampf bestehen will. Angesichts der Knappheit an Spezialmaschinen bleibt nichts anderes übrig, als sie Tag und Nacht laufen zu lassen, um dem Bestelliungseingang nachkommen und die Lieferfristen einhalten zu können. Deshalb arbeitet denn auch die Belegschaft heute — und voraussichtlich noch Mr mehrere Monate — in dreischichtigem Betrieb. Um sich den mannigfaltigen Bedürfnissen anzupassen, hat die Firma drei verschiedene Modelle von Ländwirtschaftstraktoren in ihr Programm aufgenommen : Einen 2-Zylinder von 20 PS, einen 4-Zylinder von 40 PS und einen 6-Zylinder von 70 PS. Dazu gesellen sich zwei Typen von Industrietraktoren, ein 4- und ein 6-Zylinder und als Sonderausführung der Motorschlitten mit Schneeschleuder, jene imposante Konstruktion, die gegenwärtig im Strassen- und Verkehrspavillon der Landesausstellung Furore macht und deren technische Einzelheiten in der « A.-R.» bereits eine eingehende Schilderung erfahren haben. Bezeichnend für die Schaffenskraft ihres Erbauers Hans Hürliimann ist dabei die Tatsache, dass vom Moment an, da in ihm die erste Idee erwachte, von der gedanklichen Geburt bis zur Vollendung des Fahrzeugs bloss 6 Wochen verstrichen, eine beinahe unglaublich anmutende Leistung. In Flims trat der Motorschlitten während des vergangenen Winters zum erstenmal ans Licht der Oeffentlichkeit. Die Gemeinde erwarb ihn und 9 Wochen lang schleppte der gelbe Raupentraktor mit seinen Schlittenanhängern die Wintersportler unermüdlich hinauf in ihre Skigefilde. Ueberflüssig zu bemerken, dass er, sowohl wie alle übrigen Produkte der Firma, hundertprozentiges Schweizerfabrikat darstellt. Da ist nichts, weder unter den Bestandteilen noch bei der Zubehör, das nicht der Arbeit einheimischer Hände entstammen würde. Und darin, in dieser konseauenten Heranziehung unseres nationalen Unternehmertums, liegt nicht zuletzt die Erklärung dafür, dass Hürlimann jener Pioniertaten fähig war, auf die er heute stolz zurückblicken kann. Im Jahresmittel erreicht die Produktion des Werkes an Traktoren' 180 Stück; seit der 1930 erfolgten Gründung bezifferte sich der Absatz auf 1500 Einheiten. Die Fabrikation. Entsprechend den Verhältnissen, wie sie auf dem schweizerischen Markt herrschen, verzichtet Hürlimann bei der Fabrikation auf das laufende Band, was jedoch keineswegs ausschliesst, dass sich der ganze Herstellungsvorgang dank einer rationellen Einteilung dennoch flüssig gestaltet. 4 elektrische Kranen nehmen am rückwärtigen Ende des Gebäudes das Material in Empfang und befördern es zu den einzelnen Stationen des sinnvoll ausgedachten Kreislaufs, der die Herstellungsmethoden der Hürliraann'schen Erzeugnisse kennzeichnet. Die erste Etappe bildet das Fräsen der Rohgusszylinderblöcke, die teils von Sim in Morges und teils von Saurer kommen, im grossen Fräswerk mit seinen 2 vertikalen und 2 horizontalen Spindeln. Die riesige Maschine — sie wiegt die Kleinigkeit von 20000 kg— fräst sämtliche Flächen und ist imstande, 10 Zylinderblöcke auf einmal zu bearbeiten, Nebenan drehen sich mit leisem Knirschen^die Spindeln einer zweiten Maschine, die ein komplettes Chassis in einem stabilen Gußstück vollständig fräst, ebenfalls horizontal und" vertikal zugleich. Von schwirrenden Treibriemen lässt sich übrigens in der ganzen Halle keine Spur entdecken. Jede Maschine besitzt ihren eigenen Motor und ist mit Druckknopfsteuerung versehen. Nach der Beendigung des Fräsens wandern die Gehäuse auf das Horizontal-Bohr- und Fräswerk, das sämtliche Kugellagerstellen mit einer Präzision bearbeitet, die eines Uhrwerks würdig wäre. Und da stosisen wir auch auf die massigen, gefrästen Kühlerrahmen, die «Gesichter» des Traktors. Dicht daneben paradieren, fein säuberlich ausgerichtet, die 1 Getriebegehäuse, die nur noch der Prozedur des Putzens bedürfen, um ihren Weg in die Montagehalle antreten zu können. Wie es die Gliederung des Fabrikationsvorganges erheischt, hat in dieser Abteilung auch die grosse dreimotorige Radialbohrmaschine Aufstellung gefunden, ein «Ding», das den Betrachter nicht nur durch seine Dimensionen, sondern auch durch die ingeniöse Art und Weise beeindruckt, wie es verschiedene Verrichtungen in einem einzigen Arbeitsgang zusammenfasst. Werden hier die Gewinde in den Zylinderblock geschnitten, so besorgt nebenan eine andere Maschine die nämliche Operation an den Zylinderköpfen. In der folgenden Abteilung dominieren die Drehbänke, die sich in einer ganzen Batterie aneinander reihen und deren jeder seine eigene, spezifische Aufgabe erfüllt: Drehen der vorderen und hinteren Schwungräder hier, der Stehbolzen und Schalen dort, der Schrauben auf einer dritten, und was der Dinge noch mehr sind. Und immer wieder staunt man ob der Präzision, die jeder einzelnen Phase des langen Bearbeitungsprozesses ihren Stempel aufdrückt. Blitzblank und, sauber — es wird alles geschliffen und nichts fertig gedreht — und auf die Toleranzen kontrolliert, verlässt Stück um Stück die Maschine. Von der Fabrikation wandern die fertiggestellten Stücke direkt auf die gegenüberliegende Seite der Halle in die Montage-Abteilung, wo die Zusammensetzung beginnt. Gegossene Kurbelwellen—iHürlimann war der erste, der sie in der Schweiz verwendet und entwickelt hat — Carter im Grauguss, Instrumentenbrette usw. warten da auf den Einbau, wir sehen das Schleifen der Ventilsitze und deren Nachbehandlung mit einem Feinstein und lassen uns den neuartigen tMotorenprüfstand erklären, den Hans Hürlimann nach seinen eigenen Ideen angelegt hat. Das Fundament, worauf die Einrichtung ruht, besteht aus einer mächtigen schwimmenden Platte in armiertem Beton, wobei der ganze Klotz in Kork gelagert ist, um eine Uebertragung der Vibrationen auf die Maschinen zu; vermeiden. Weit draussen im Feld entströmen die Abgase der unterirdischen Leitung. Für den « laufenden » Bedarf genügt vorläufig ein Stand, aber daneben sind bereits die Fundamente für sieben weitere gelegt. Auf unserem Rundgang nimmt uns sodann die Schmiede auf, die sowohl über eine autogene Hochdruckanlage zum Schneiden und Brennen wie über eine elektrische verfügt. Was im Lager an Stahlsorten aller Art und Grossen und an Ersatzteilen aufgestapelt ist, das repräsentiert einen Wert von Hunderttausenden von Franken. Vom riesenhaften, gehärteten und geschliffenen Schneckengetriebe mit nahezu einem halben Meter Durchmesser, umfasst es, übersichtlich auf Gestellen sortiert und geord- net, alles bis zum kleinsten Schräubchen. Eine Sammlung kostbarer Stücke jeglicher Art verkörpert daneben auch die Werkzeugabteilung. Durch eine Flucht von grossbemessenen Fenstern, deren Konstruktion übrigens, belüftungstechnisch betrachtet, eine beachtenswerte Lösung darstellt, strömt das Lieh ungehindert auch in die unmittelbar an die Fabrikhalle anschliessenden Büroräume der Zeichner und der Lagerkontrolle. Zweckmässigkeit der Einrichtung paart sich hier mit einer raffiniert ausgeklügelten internen Organisation, gilt es doch, über rund 3400 Bestandteile Buch zu führen, sie ständig zu überwachen und den ganzen Betrieb in ungestörtem Gang zu erhalten. Eine sinnvoll ausgebaute und mit den Errungenschaften moderner Bürotechnik ausgestattete Kartothek verleiht diesem Kontrollsystem sozusagen zwangsläufige Wirkung. Und gleich wie hier jeder Bestandteil seine eigene Karte mit den erforderlichen Spezifikationen besitzt, so existiert für jeden davon noch eine numerierte Zeichnung in Original und in Kopie. Ausserdem birgt das Archiv noch die grossen Pläne, woraus nachher die Details ausgezogen werden. Nach der Innenseite des Gebäudes hin münden die Büroräume in die weite Eingangshalle, deren Architektur mit ihrer schlichten Linienführung, der hellen Tönung von Boden und Wänden und mit der ruhigen Gliederung der als Glasdach ausgebildeten Decke auf eine vornehme, gediegene Note abgestimmt ist. Den einzigen « Schmuck » — wenn man so will — auf den der Blick des Besuchers beim Eintritt unwillkürlich fällt, bilden die drei auf gleissenden Gestellen ruhenden, sauber herausgeputzten Hürlimann - Motoren auf der einen und eine ausgewachsene Traktoren- Kurbelwelle auf der andern Seite. Im Keller haben die komfortablen Waschräume für die Arbeiter, die Garderobe, W. C. und die Heizungs- und Entlüftungsanlage Platz gefunden, währenddem das über den Büros gelegene Stockwerk, mit der Eingangshalle durch eine elegant geschwungene Treppe verbunden, zwei Wohnungen enthält, deren eine der Schöpfer und Leiter des Werkes für sich benützt. Eine interessante und für Fabrikhallen dieser Grosse auch neuartige Lösung hat die Heizungsanlage in Form der SchneMluftheizung gefunden. Die ganze Fabrikhalle wird durch eine zentral angeordnete Warmluftheizung mit künstlicher Luftumwälzung in besonders konstruierten Luiftheizungsöfen erwärmt und tritt durch 10 Oeffnungen in die Halle aus. Wenn sich auch die ganze Anordnung der Heizungsanlage auf den ersten Blick äusserst einfach präsentiert, so hat sie dennoch ein eingehendes Studium der örtlichen und lufttechnischen Verhältnisse erfordert. Die Wärme- und Luftverteilung sowohl in horizontaler wie auch vertikaler

N° 52 — DIENSTAG, 27. JUNI 1939 AUTOMOBIL-REVUE 11 SAURER IESELMOTOREN für sparsam and betriebssicher von 50 bis 450 PS LASTWAGEN CARS-ALPINS STADTOMNIBUSSE SPEZIALFAHRZEUGE TRAKTOREN SCHIENENTRIEBWAGEN FAHRBARE UND STATIONÄRE KRAFTANLAGEN AKTIENGESELLSCHAFT ADOLPH SAURER ARBOH BASEL MORGES ZÜRICH Phönix-Stahl Die zuverlässige Qualität Schnelldrehstahl kobalt-, wolfram-, vanadiumlegiert Werkzeugstahl für jeden Verwendungs-Zweck Chromnickelstahl vergütet und für Einsatzhärtung Nichtrostende Stähle Federstähle Hartmetall „Phönixit" Schoeller, Bleckmann & de. Stahlhaus ZÜRICH 5 ELEKTRISCHE ANLAGEN FÜR KRAFT, LICHT UND WÄRME 5a ucteUt die Jiuiidschalt: ELEKTRIZITÄTSWERK WIL (St.G.) O5RAMA.G, Zürich Installationen aller Art für: £idd=und Quecksilberdampflampen und Leuchtstoff-Lampen Beratung und Offerten kostenlos TcMphon Nr. 102 Druckschriften und Beratung kostenfrei Telefon Nr. 2 72 80, Zürich, Limxnatquai 3 BELEUCHTUNGS-ARMATUREN fttr Mischlicht Quecksilberdampflampen Natriumdampflampen Gew. Glühlampen für Fabrik- und Hofbeleuchtung, Strassen, öffentliche Plätze und Anleuchtungen Lichttechnische Beratung kostenlos Selen- und GLEICHRICHTER ergeben die wirtschaftlichste Beleuchtung für Fabriken und Werkstätten. Gltthkathodtafür Elektrokarzen-Xkkuladung Spezialgleichrichter für alle Zwecke Rauscher &Stcecklin AG.,Sissach Fabrik elektr. Apparate und Transformatoren 30 Jahre Erfahrung im Bau von Präzisionsapparaten Passende Modelle für Motorfahrzeuge aller Art Emile Eigenheer, Corcelles (Neuchätel) Telephon 613 67 An der Schweiz. Landesausstellung. Halle 25