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E_1939_Zeitung_Nr.056

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BERN, Dienstag, 11. Juli 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 56 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Autgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfaiiversich.) vierteljährlich Fn 7.5«. Ausgabe C (mit InsassenversicherunR) vierteljährlich Fr. 7.7S. 10.-. Erseheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste*' REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtarif. Imeratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Ifmnmer Abschliessen oder Entrümpeln! Die Bluttaten des Mordbuben Vollenweider haben im ganzen Lande herum eine Woge der Empörung und teilweise auch ein etwas gänsehäutiges Gefühl erzeugt. Immer wieder tauchte dabei in den Erörterungen und Glossen zum « Fall» dieses ruchlosen •Verächters menschlichen Lebens die Frage auf, wie es denn komme, dass er sich zur Ausführung seiner verbrecherischen Pläne ohne die geringsten Schwierigkeiten und (Hindernisse habe Wagen aneignen können. Denn das Auto nimmt in diesem düstern Kapitel unserer Kriminalistik einen bedeutsamen Platz ein: mit einem gestohlenen Fahrzeug lauerte Vollenweider dem Postfaktor Stoll auf, mit einem gestohlenen Wagen ergriff er, nachdem er sein Opfer niedergestreckt, die Flucht. In einem entwendeten Auto ermordete er den Hotelportier Zwyssig, um nachher dessen Leiche, die sich neben ihm auf dem Sitz befand, an den Zugersee zu verbringen, sie dort zu versenken und damit die Spuren seiner Tat zu verwischen. Ja — man. hat diesem gefährlichen Burschen_ dieAusübung seines traurigen Handwerks, wobei dem Auto eine wichtige Rolle zugedacht war, nicht eben sonderlich schwer gemacht. Er brauchte nur zu nehmen, was er wollte, er hatte weiter nichts zu tun, als in einen fremden Wagen einzusteigen. Gas zu geben und zu verschwinden. «Offene Türen» fand er, wie der tragische Ablauf der Ereignisse bewies, gerade genug, wobei man nicht um die Feststellung herumkommt, dass es vielfach Autobesitzer gibt, die es aus Bequemlichkeit oder Sorglosigkeit unterlassen, ihren Wagen abzusperren. F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 49. Fortsetzung. « Ah, Mister d'Andrade! » ruft er jovial und kommt trotz reichlichen Alkoholgenusses festen Schrittes auf die Ankömmlinge zu. « Das ist eine unverhoffte Freude ! — Dieser Herr ist der Beauftragte meines Reeders ! > stellt er dann Charles der Tafelrunde vor. Ein Gemurmel der Begrüssung erhebt sich. « Können Sie sich bald hier frei machen ? > fragt Charles leise, indem er die allgemeine Unruhe ausnutzt. Eigentlich ist er auf Widerstand gefasst, denn aus der Nähe ist dem Kapitän der reichliche Konsum spirituoser Getränke deutlich genug anzumerken. Aber er wird angenehm überrascht. « 0, gewiss ! » erwidert Captain Black bereitwillig und wendet sich sofort zum Wirt um. c Ich zahle noch eine Runde für alle ! » verkündet er großspurig.» Ich selbst muss leider schon fort. Diese Kaufleute haben immer ihre Geschäfte im Kopf und sind nie gemütlich. > Charles fühlt, dass diese Bemerkung mehr an die Tafelrunde gerichtet, als ein wirklicher Vorwurf für ihn ist und übrigens ist greift, um sich auf diese nicht ganz ungewöhnliche Art und Weise das Vergnügen einer kostenlosen Fahrt zu verschaffen, so pflegt sich die Gattung der Autostrolche immerhin alles andern als vorbildlichen Manieren im Strassenverkehr zu befleissigen. Dass damit auch Dritte gefährdet werden, liegt auf der Hand, und die ständig wiederkehrenden Meldungen über Unfälle, welche das Konto der Strofchenfahrer belasten, liefern die Bestätigung dafür. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit — wobei der Begriff im weitesten Sinne des Wortes aufzufassen ist — sollte es sich der Automobilbesitzer deshalb zur selbstverständlichen Pflicht machen, das Tun solcher asozialen Elemente nicht noch dadurch zu begünstigen, dass er aus purer Nachlässigkeit oder Bequemlichkeit sein Fahrzeug jedem fremden Zugriff preisgibt. Weil wir schon davon reden, sei bei dieser Gelegenheit auch noch einer andern « Zunft » gedacht, die dank der Vertrauensseligekit Nicht nur das: zu den alltäglichen Vergesslichkeiten gehört es auch, dass im unverschlossenen Fahrzeug der Zündschlüssel stecken, wenn nicht gar der Motor laufen gelassen und damit allerhand zweifelhaftes Gelichter aufgemuntert wird, den Wagen zu « entfernen ». Gelegenheit macht Diebe. Und was für Folgen das unbekümmerte Stehenlassen eines offenen Automobils nach sich ziehen kann, hat das Drama, in dessen Mittelpunkt die Figur eines Vollenweider stand, mit erschreckender Deutlichkeit dargetan. Aber selbst wenn sich eine unberufene Hand an Ihrem Vehikel auch «nur» verund Unbesorgtheit gewisser Automobilisten vorzugsweise im Sommer reiche Ernte hält. Jetzt ist die Zeit der Automarder. Jetzt blüht ihr Weizen und will geerntet sein. Sie wittern Hochkonjunktur und entfalten eine gesteigerte Tätigkeit. Dabei erscheint die Frage immerhin nicht ganz deplaziert, ob nicht vielleicht auch Sie, verehrter Herr Kollege vom Volant, ungewollt zwar, aber dennoch erfolgreich dazu beitragen, das Treiben dieses Dunkelehrenmännergewerbes zu unterstützen und dessen Prosperität zu fördern. Sollten Sie jedoch zu der Auffassung hinneigen, es sei nicht gerade erwünscht, den Langfingern bei ihrem Handwerk Vorschub zu leisten — warum nur ziehen Sie denn, sofern Sie einen geschlossenen Wagen Ihr eigen nennen, die Fenster beim Parkieren nicht so weit hoch, dass gerade noch ein Spalt für das Eindringen frischer Luft übrig bleibt? Und weshalb riegeln Sie die Türen dabei nicht konsequent ab, wie es sich für einen vorsorglichen Familienvater geziemt? Scheuen Sie diese lächerlich kleine Mühe nicht, denn andernfalls — das ist Ihnen doch klar? — arbeiten Sie den Schelmen schnurstracks in die Hände. Passfahrten «wischen meterhohen Schneewän-den "wie auf unserem Bild — es stammt von der Grimsel — werden jedem Automobilisten zum unauslöschlichen Erlebnis. er froh, den Seemann so leicht losgeeist zu haben. Erst vor der Tür des Restaurants macht er ihn mit dem Südamerikaner bekannt, der sich im Lokal ganz im Hintergrund gehalten hat. «Dies ist Dr. Martinez », stellt er vor, «der Käufer von Schiff und Ladung. — Captain Black, der Schiffsführer der Zanzibar.» « Sehr erfreut! > sagt Dr. Martinez sofort. «Können wir noch, heute aufs Schiff ? Sie begreifen —» « Ich habe selbst Eile und meine Papiere beisammen », antwortet Black mit trockener Bereitwilligkeit. Einen Augenblick stutzt der kluge Martinez vor so viel Entgegenkommen, aber dann schiebt er alles auf Mr. d'Andrades vorzüglich arbeitende Organisation und beruhigt sich dabei. Charles besteht darauf, noch einmal beim Hotel vorüberzugehen, obwohl Captain Black sich erbietet, Don Paulo und das geringe Gepäck der beiden Südamerikaner durch einen Matrosen holen zu lassen. Indes, Lady Constanza lässt sich nicht sprechen und es stellt sich heraus, dass Muriel und Don Paulo ausgegangen sind. Sie werden beide, freundschaftlich plaudernd, bei der Schaluppe angetroffen, in der Don Paulo sein Weines Köfferchen bereits verstaut hat. Während die beiden Anhänger Sabamillos aufeinander spanisch und auf Captain Black englisch einsprachen, streckt Charles Muriel die Hand hin. «Ich hoffe, du wirst mich im Hotel erwarten», sagt er etwas melancholisch, « damit wir nach unserem letzten gemeinsamen Abenteuer wenigstens richtig Abschied, nehmen können.» « Ich denke nicht daran ! » lächelt Muriel, «Schade ! Das könntest du wirklich tun. Sir Andrew würde dir gewiss gern Gesellschaft leisten.» «Ich habe Mühe genug gehabt, ihn jetzt abzuschütteln», Muriels Gesicht wird geradezu spitzbübisch, «er ist ein so lieber Mensch, aber ich mochte ihn nicht mitnehmen. Denn ich begleite dich natürlich, mein Lieber. > « Du willst mitkommen ?.» « Unter allen Umständen ! » An Muriels Entschluss scheitern alle Einwendungen, mit denen besonders Captain Black nicht spart. Als das. Boot vom Lande abstösst, sitzt sie im Stern, hübsch, gut angezogen und mit seltsam glänzenden Augen. An Bord der Zanzibar macht alles den denkbar besten Eindruck. Das Deck ist blitzblank, die Mannschaft höflich, Captain Black spielt den liebenswürdigen "Wirt. Einen Begrüssungsdrink in der Kajüte kann man ihm unmöglich abschlagen, doch dann drängen In dieser Nummer s Die nicht beachteten Fussgängerpassagen. Der Zürcher Fiskus und der Motorfahrzeugverkehr. Müllers erster Grand-Prix-Sieg auf Auto-Union. Zürcher Zuverlässigkeitsfahrt Praktische Ratschläge für die Autowäsche. Ein Auto mit herabgelassenen Scheiben, bei dem man, ruck-zuck, nur hineinzufassen braucht, wirkt geradezu aufreizend auf Leute, die zwischen Mein und Dein nicht zu unterscheiden vermögen. Ersparen Sie ihnen diese Versuchung, Sie verschonen sich selbst damit vor Aerger, Verdruss und Verlegenheit! Bitte, wer lächelt denn da? Ist es Ihnen noch nie passiert, dass Dinge, die Sie in Ihrem Wagen in sicherem Gewahrsam glaubten, bei Ihrer Rückkehr gemaust waren? Nein, so etwas haben Sie noch nicht erlebt? Dann können Sie aber von Glück reden, dann'waltet über Ihnen ein besonders freundliches Geschick. Eines geradezu sträflichen --Leichtsinnes aber machen sich die Insassen eines, offenen Wagens schuldig, sofern sie ihn bei längerem Parkieren im Freien nicht radikal bis auf den hintersten Winkel ausräumen. Die Missachtung dieser elementarsten Vorsichtsmassnahmen bedeutet nichts anderes als eine Einladung an die Automarder: Bitte, bedienen Sie sich, wir stehen zu Ihrer Verfügung! Raus also mit Ihren Siebensachen und rein damit in den Kofferraum oder sonst an einen Ort, wo sie vor ungebetenen Händen sicher sind, das ist die Moral von der Geschichte. Weder gehören Photoapparate, HandkÖfferchen und -taschen, Karten, Kisten und dergl. in den offenen Wagenraum, noch gewähren die Fächer des Spritzbrettes Ihren Handschuhen, der Schutzbrille, dem Zigarettenetuis usw. ausreichenden Schutz vor dem Gek'lautwerden. Fahren Sie ein Cabriolet, nun dann können Sie sich diese Entrümpelung schenken, vorausgesetzt, dass Sie beim Abstellen des Wagens auf dem Parkplatz das Verdeck und die Fenster hochziehen. Lassen Sie sich dieses bisschen Arbeit nicht verdriessen, auch wenn es Ueberwindung kosten sollte: es macht sich unter Umständen reichlich bezahlt. Dr. Martinez und Don Paulo darauf, den Laderaum zu besihtigen. « Jetzt in der Dunkelheit ? » zweifelt Charles. « Eine höchst ungewöhnliche Zeit, meine Herren !» Doch Captain Black macht das nichts aus. Mit einem Male hat er ein paar Listen in der Hand. «Was mich betrifft, Mister d'Andrade, können wir gleich übergehen», erklärt er bieder, « dann bin ich wenigstens einen Teil der Verantwortung los. » «Wir sind überstimmt, Charles ! > sagt Muriel. Ihr Ton klingt so anders als die Worte, dass Charles sie erstaunt ansieht Dann begibt man sich in den Laderaum, die elektrische Beleuchtung blitzt auf und man sieht eine Menge grosser Kisten in schönster Ordnung gestapelt. Der Inhalt ist als Maschinen und Werkzeuge angegeben. «Wir können ein paar Stichproben machen », meint Captain Black selbst und. gewinnt dadurch das Vertrauen der Südamerikaner, die sich gerade vorgenommen hatten, den gleichen Vorschlag in möglichst unverfänglicher Form vorzubringen. Einige Kisten, die Dr. Martinez wahllos bezeichnet, werden mit aller Vorsicht geöffnet. In ihrem Innern erkennt man, sorgfältig verpackt, Granaten, sie sehen hübsch und ordentlich aus, kein Mensch merkt ihnen an,