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E_1939_Zeitung_Nr.061

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!*_• Automobil-Revue

!*_• Automobil-Revue — N° 61 weniger darin einig, dass auch im Schweizerlande «die Kultur nicht mit der Technik Schritt gehalten» habe, weshalb sich eben so viele unerfreuliche Erscheinungen zeigen würden. Als sie nun auf der Höhe des Hügels angelangt waren, ausstiegen und der Wagen am Waldesrand geparkt wurde, setzte das abendliche Glockengeläute zur Bundesfeier ein. Durch die Dämmerung leuchteten schon, hier und dort von den Gipfeln und Hängen der Berge die Höhenfeuer herüber, und wie nun die drei auf einem schmalen Fussweg die letzte Anhöhe erklömmen hatten und die ganze Herrlichkeit der Landschaft vor ihren Augen lag, da wurden doch auch unsere Kritiker von dem Anblick ergriffen. Ihre Gesichter begannen zu strahlen. Freudig zeigten sie einander die immer zahlreicher werdenden Flammenmale, und entzückt lauschten sie dem Gesang der Glocken, der heraufklang. Was sie da sahen und hörten, das, waren ja alles Zeichen einer innigen- Liebe' zum freien Schweizerland. Und, so gestanden. sie sich's gerne ein, dass es doch eine recht schöne Sache sei um die Bundesfeier, dass man denn doch noch immer ein freier Schweizer sei und sich diese Freiheit wohl auch etwas kosten lassen dürfe. Es war, als • ab sie. sich jetzt ein wenig ihrer Kritik und Unzufriedenheit schämten, die sie' vorher geäussert hatten. Als aber der Jüngste diesem Gefühl Ausdruck' gab und bemerkte, er bedaüre nun doch, dass er so tüchtig mitgeschimpft habe, erwiderte der Aelteste: «Du hast nichts zu bedauern! Weissf du, was selbst Gottfried Keller sagte?» Er zog sein Notizbuch hervor und im Schein des Feuers, das unfern von ihnen jetzt auch hier angezündet worden war, las er den Satz: «Es würde vieles erträglicher werden, wenn man weniger selbstzufrieden wäre und die Vaterlandsliebe nicht immer mit der Selbstbewunderung verwechselte.» «Wir brauchen uns also nicht zu schämen», setzte er hinzu, «wir heutigen sind wohl nicht schlechtere, sondern nur andere Eidgenossen als die früheren — weniger zur Bewunderung aufgelegt. Und es ist auch recht so: viel besser ist heute Selbsterkenntnis am Platze.» Dann kehrten sie im nahen Gasthause ein, und es wurde «gefeiert», wobei ob dem schönen Geburtstagsfest der Eidgenossenschaft dasjenige des Fünfzigjährigen fast vergessen wurde. Emil Hügli. Sehnsucht nach de*

N° 61 — Automobfl-Benje Lti" Her Ursprung; der schweizerischen Nationalhymne Allgemein bekannt ist, dass die schweizerische Nationalhymne dieselbe Melodie hat wie diejenige Englands. Welches ist wohl ihr Ursprung?... Es wird so manches behauptet, unter anderem wird folgende, ganz wahrscheinliche Behauptung aufgestellt, dass nämlich die Melodie französischen Ursprungs sei. Die Musik der Nationalhymne soll das Werk der Mitarbeit einer Französin und eines naturalisierten Italieners sein. Zum erstenmal soll diese Melodie gespielt worden sein in Saint-Cyr bei Paris an einem Septembertage des Jahres 1686, als Ludwig XIV. zu Besuch in die dortige Erziehungsanstalt, die Madame de Maintenon für arme junge Mädchen der französischen Aristokratie gegründet hatte, gekommen war. Er war gerade im Begriff, in die Hauskapelle zum Gottesdienste zu treten, als plötzlich zweihundert zarte Mädchenstimmen einen Lobgesang anstimmten, dessen einziger Vers lautete: «Allmächtiger Gott — Erhalte den König! Allmächtiger Gott — Räche den König! Es lebe der König! Immer vom Siege begünstigt — Möge Ludwig der Siegreiche Seine Feinde stets beherrschen!» Tief bewegt, erkundigte er sich nach den Namen der Verfasser. Er erfuhr, dass den Text Mme de Brinon verfasst hatte, die Oberin der frommen Schwestern von Saint-Cyr, und die Musik stamme von Jean-Baptiste Lully, ihrem Hauskomponisten, dem gewesenen Küchenjungen, der mit zwölf Jahren vom Duc de Guise nach Paris gebracht worden war, und der es durch seine ausserordentliche Begabung zum berühmten Komponisten und Operndirektor gebracht hatte. Er starb ein Jahr darnach, aber dieser Choral — denn er hatte im Sinne, einen Choral zu komponieren — blieb sehr volkstümlich in Versailles. Es kam sogar dazu, dass man diesen Choral von einer Turmuhr, die man dem König darbrachte, ausführen liess. Aus einem schriftlichen Zeugnisse geht hervor, dass man diesen Choral noch zur Zeit Ludwig XVI. sang. Noch viel interessanter ist aber folgendes: Der grosse deutsche Musiker Händel hörte diese Motette, als er in Saint-Cyr zu Besuch weilte, und er notierte sich die Musik und die Worte. Im Jahre 1714, als Lulli schon seit 27 Jahren tot war, brachte er diese Motette als seine eigene Komposition dem damals zum König von England gewählten Georg von Hannover zur Huldigung dar. Ein clergy-man, namens Henry Carey, hatte mittlerweile den Text geändert. Und er hatte folgenden Wortlaut: j «God save great George our King! — Gott erhalte unsern grossen König Georg!» Durch eine nochmalige Plünderung hatte sich ein gewisser Bernhard Schuhmacher den Text und die Melodie angeeignet und daraus eine preussische Hymne gemacht, die er Friedrich Wilh. II, dem in Jena Besiegten, zur Huldigung darbrachte, und so wurde dieselbe zum preussischen Volkslied und dann auch eine der preussischen Nationalhymnen. R. B. Aus dem Dahinden-Film « Eusi Schwyz». T)vi 7Mm xxom JCauipf jq&qm den 5ed „Es ist ein wundervolles Schaffen!" Nützen Sie beim Fahren im offenen Wagen die Intensität der Sonne zum Forcieren der Bräunung»mit Hamol Ultra. Wissenschaftliche Versuche erwiesen, dass dieser Schutzstoff die verbrennenden Sonnenstrahlen wegfiltriert, während gleichzeitig die bräunenden Strahlen in ungehemmter Sonnenkraft auf die Haut einwirken können. Im Vorgebirge und Strandbad Sönnenöl Hamol Ultra Fr. 1.75 Für Touren über 2000 m und empfindliche Haut Creme Hamol Ultra2000 Fr.2.-u.1.- „,Das teben und Kämpfen des Arztes Dr. Robert Koch. .-siEin Dasein voll Einsamkeit, Entsagung und Enttäuschung. - Gespräch mit dem Regisseur Hans Steinhoff. (Sonderbericht.) (NR) Während einer Mittagspause empfing der bekannte Filmregisseur Hans Steinhoff unseren Reporter und erzählte bereitwillig über all das Interessante seiner neuen Arbeit. Jeder Mensch hat sein Steckenpferd. «Ich beschäftige mich schon seit drei Jahren mit der Idee, den Robert-Koch-Film zu drehen. Erstens interessierte mich die Materie ungeheuer, und die medizinische Wissenschaft - mein «hobby» von frühester Jugend an - und Bakteriologie sind Gebiete, die mir neben meinem eigentlichen Beruf die schönsten und liebsten Beschäftigungen waren. Jeder Mensch hat ja ein Steckenpferd. Der eine sammelt Briefmarken, der andere züchtet Kakteen oder ist auf der Jagd nach Schmetterlingen - ich befasste mich eben mit der Medizin und ihren vielfachen Nebengebieten. Sie müssten einmal meine Literatur darüber sehen - grosse Regale voll, vom vorigen Jahrhundert bis zu den heutigen neuesten Erscheinungen. Kein Kultur- oder Lehrfilm. Und da war es die Gestalt des grossen Forschers Dr. Robert Koch, die mich immer wieder beeindruckte. Es drängte mich geradezu, das Schicksal des Menschen und Arztes, des Bekämpfers des Todes, im Film aufzuzeigen. ' Dieser Wunsch ist nun Wirklichkeit und dieser langjährige Plan ist zur Tat geworden. Sie können sich wohl denken, wie glücklich ich bin, Schauspieler wie Emil Jannings und Werner Krauss als die Träger der Hauptrollen gewonnen zu haben. - Es handelt sich bei diesem Film - das möchte ich besonders wieder und wieder betonen - nicht um einen Kulturoder medizinischen Lehrfilm. Ich sage dies absichtlich, weil ich weiss, dass dieser Gedanke bei dem zugrundeliegenden Stoff naheliegt. Nein, wir gestalten einen lebensnahen, glutvollen, dramatischen Film, der Menschen und Schicksale mit allen Konflikten, Irrungen und Wirrungen aufzeigt. Das Leben des Arztes Dr. Robert Koch, wie wir es im Film zeigen, ist trotz allen Erfolges letzten Endes ein schweres, hartes Dasein gewesen, voll Einsamkeit, Entsagung und Enttäuschung. Es war ein Leben voll Einsatz- und Opferbereitschaft für sein Lebenswerk, das er uneigennützig - nur zum Wohle der Menschheit - durchführte, ohne auf Dank und Anerkennung zu rechnen. Und die Rolle dieses Kämpfers hat Emil Jannings übernommen und gestaltet sie mit seiner grossen Kunst. Vorstudien und Dreharbeit. Seit dem 15. September 1938 beschäftigen wir uns intensiv mit den Vorarbeiten und Vorstudien zu dieser Rolle. Wir wohnten vielen Operationen bei, waren bei manchen Sektionen zugegen und informierten uns im Berliner Robert-Koch-Institut, in der Anatomie und im Pathologischen Institut mit aller Ruhe und Gründlichkeit für die kommende Arbeit. Auch möchte ich besonders dankend erwähnen die Unterstützung der Wissenschaftler überall, sie war in weitgehendster Weise entgegenkommend und verschaffte uns ungewöhnliche Einblicke und „Orientierungen. Und nun sind wir mitten drin in der Dreharbeit, und es ist ein wundervolles Schaffen. Emü Jannings gestaltet diese Rolle mit einer Liebe und Sorgfältig, keit - einer Behutsamkeit, die bewundernswert ist. Er, dieser grosse Menschendarsteller, ist in der Arbeit von einer Wachsamkeit und Korrektheit, die einfach vorbildlich ist. Er ist einer von denen, die nichts leicht nehmen, die es sich schwer machen und voller Selbstkritik und Disziplin sind. Es gehörte viel Geduld und Ausdauer dazu, die manuellen Dinge zu erlernen und zu beherrschen, um sie in der Rolle wie selbstverständlich zu meistern. Und dann ist da der grosse Gegenspieler von Emil Jannings resp. Robert Koch - es ist Werner Krauss als Virchow. Auch er ist einer unserer Besten in der Kunst. Und im Leben des Forschers Robert Koch war er, als Rudolf Virchow, einer der Grössten im Reiche der medizinischen Wissenschaft. - Es war ein harter, erbitterter Kampf damals zwischen diesen beiden Heroen der Wissenschaft. Es ging um die Anschauung des einzelnen, und dennoch musste Virchow nach langem Ringen dem Forscher Robert Koch recht geben und" die grosse Bedeutung seiner Forschungen und Feststellungen anerkennen. Diese zwei grossen Schauspieler spielen mm in diesem Film, der voller Leidenschaften und Spannungen, voller Tragik und Seelengrosse ist. - Es ist schon eine Freude.» Und die hellen jungen Augen im braungebrannten Gesicht unter dem vollen weissen Haar lachen und leuchten. Hans Steinhoff ist einer von jenen «Besessenen», wie wir sie brauchen - hingegeben dem Werk, dem sie dienen. In die Ferien mit einem SIEMENS-KINO Filmen mit Siemens ist leicht und nicht teuer. Verlangen Sie Vorführung der 8- und 16-mm-Kameras durch Ihren Photohändler. Prospekte AM 7 129 und 7S63 auch durch: CINE-ENGROS AG, ZÜRICH Falkenstr. 12, Telephon 4 49 04