Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.063

E_1939_Zeitung_Nr.063

BERN, Freitag, 4. August 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 63 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohn« Versicherung) halbjährlich Fr. 5 , Jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50. Ausgabe C (mit Insassenversieherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto- Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainsir. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse j Autorevue, Bern GesehifMstellt Zürich : töwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene '&mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehlusa 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Schutz des Menschenlebens im Strassenverkehr Im folgenden möchte sich ein Automobilist, der als Arzt täglich mit Opfern von Strassenunfällen zu tun hat, von seinem Standpunkt aus einmal über die Verhütung des Verkehrsunfalls äussern. Ueberall ist heute von der «Aufwertung des Menschenlebens » die Rede. Bestimmte Gerichte, wie z.B. das Zürcher Obergericht, gehen dazu über, für alle Fälle von fahrlässiger Tötung durch Autofahrer eine besonders harte Strafe in Aussicht zu stellen. Sie hoffen, dadurch präventiv zu wirken und allgemein zu vorsichtigerem Fahren zu veranlassen. Die Notwendigkeit, die Verkehrsunfälle auf ein Minimum herabzudrücken,- leuchtet uns gewiss allen ein, besonders auch einem Familienvater, dessen Kinder täglich auf dem Schulweg den schlimmsten Verkehrsgefahren ausgesetzt sind. Es stellt sich aber doch die Frage, ob durch das Mittel drakonischer Strafen wirklich- etwas zu erreichen ist. Kann man durch strenge Strafen bei Delikten aus Fahrlässigkeit überhaupt prä- ••" •' ventiv wirken? Lässt das Studium der Gerichtsberichte nicht immer wieder den Eindruck zurück, dass man selbst einmal einen Unfall herbeiführen könnte, bei dem das Gericht eine Fahrlässigkeit feststellen würde ? Es sind in letzter Zeit mehrfach Automobilisten zu Freiheitsstrafen verurteilt worden, wobei der Ueberfahrene zugegebenermassen der Hauptschuldige war und dem Automobilisten nur ein kleines Verschulden vorgeworfen wurde, etwa nach der Ansicht: Wenn kein Auto dagewesen wäre, so wäre dem Ueberfahrenen nichts passiert, also ist das Auto schuldig! Die dehnbare Gesetzesbestimmung, dass man sein Auto stets beherrschen müsse, gestattet es in jedem Fall, ein fahrlässiges Verschulden des Fahrers anzunehmen. Auch dem gewissenhaftesten Fahrer bliebe, sofern er sich vor schweren Strafen sicher schützen will, kaum ein anderer Ausweg, als sich überhaupt nie mehr ans Volant zu setzen. Soweit soll und darf aber die prohibitive Wirkung des Prinzips der Generalprävention doch nicht gehen ! Dagegen kann der Faktor Wagen noch viel zur Behebung der Unfallgefahr beitragen. Denken wir beispielsweise an die Bremsen; Man spricht viel vom Bremsweg eines Wagens und nimmt hier im allgemeinen Werte an, die in einem konstanten Verhältnis zur Geschwindigkeit stehen. Dass aber die Güte der Bremsen auch eine Rolle Gedanken eines Arztes spielt, wird meistens vergessen. Auch wenn aMe Wagen mit gut eingestellten Bremsen und griffigen Pneus ausgerüstet wären, bestünden immer noch grosse Unterschiede. Allzugerne nur werden die Automobilisten als rücksichtslose, brutale Kerle gebrandmarkt. Der Arzt, der bei Verkehrsunfällen viel zu kleinen Bremstrommeln und entspre- Warum sieht man noch so viele Modelle mit sein Augenmerk jeweils auch auf den unglücklicheli Fahrer lenkt, bekommt sehr oft einen andern Eindruck. Meist ist menschliches Mitleid mit dem Fahrer ebenso berechtigt wie mit dem Verletzten. Die grosse Mehrzahl der Lenker erleidet durch einen von ihnen verursachten Unfall einen derartigen seelischen Schock und ist in der Folge oft moralisch und physisch derart zusammengebrochen, dass auch die härteste Strafe keine Die Stadt Zürich hat kürzlich in rascher Folge drei neue Verkehrssignalanlagen erhalten; die bisherige Heuerampel an der weitere präventive Wirkung erreichen kann. Zahlreiche Fahrer geben nach einem solchen Missgeschick das Automobilfahren für längere Zeit, oft sogar für immer auf. Es ist deshalb sehr fraglich, ob eine verschärfte Strafpraxis bei fahrlässigen'Verkehrsdelikten überhaupt imstande ist, die Unfallzahlen zu senken. Niemand mehr als der Arzt, der die meist schweren 'StrassenVef!etz"üngrert'' anr "gründlichsten zu Gesicht,bekommt, wird'"mithelfen wollen, die Verkehrsunfälle zu verhüten. Mir scheint es aber, dass nicht nur mit Strafen gewirkt, sondern dass in erster Linie alle andern Mittel erschöpft werden sollten, die die ünfallgefahr verkleinern könnten. Die automobilistischen Verbände und Zeitschriften haben immer wieder auf diese Notwendigkeit hingewiesen. Es sollen hier nicht alle entsprechenden Vorsehläge von dieser Seite aufgezählt werden (bessere Disziplin auch der andern Strassenbenützer, Bekämpfung des Alkoholgenusses, Kontrollen der Bremsen und Scheinwerfer usw.). Der Kampf gegen den Verkehrsunfall kann nur auf breiter Basi.s und auf lange Sicht erfolgreich geführt werden, denn es gilt, vielfach gegen, allerlei Egoismus und Unvernunft anzukämpfen. Die Hauptangriffspunkte in diesem Kampfe sind : erstens der Fahrer, zweitens der Wagen und drittens die Strasse. Der Fahrer ist und bleibt immer ein Mensch mit allen seinen Unzulänglichkeiten. Auf ihn noch besser einzuwirken, als es bisher schon geschieht (Fahrprüfung, Bussen, Strafandrohung), ist kaum mehr möglich. Kreuzung Talstrasse-Bleicherweg wurde durch eine modernere Ständerampelanlage ersetzt, und an den Kreuzungen Bleicherweg- Tunnelstrasse und Limmatquai-Mühlegasse trat der bisher dort seines Amtes waltende Polizist seinen Platz einer ebensolchen automatischen Verkehrsregelungseinrichtung ab. Alle diese Anlagen begegnen" nun, wie Einjendungen in der Zürcher Tagespresse und in-einer der letzten Nummern der « Auto- chend ungenügender Wirkung ? Motor und Karosserie des Autos sind heute weitgehend vervollkommnet. Verbesserungsfähig ist jedoch die Bremswirkung. Gross dimensionierte Bremstrommeln eines guten Systems, verbunden mit besserer Bodenhaltung des Wagens sollten heute unbedingt angestrebt und gefordert werden. Bei den Bremsen aber ist wirklich nur das Beste gut genug ! Hier einmal durch Vorschriften und häufig* technische Kontrollen auf der Landstrasse Besserung zu schaffen, erscheint als dringendes Gebot. Gute Bremsen und gute Bodenhaltung könnten manchen Unfall vermeiden! (Schluss Seite 2.) Die Zürcher Verkehrssignal-Anlagen mobil-Revue » erkennen lassen, unter verschiedenen Gesichtspunkten scharfer Kritik, und es rechtfertigt sich, vor allem die Oeffentlichkeit über die Funktionsweise der Verkehrsregelung nach Zürcher Muster einmal auf breiter Grundlage aufzuklären. Eine solche allgemeine Orientierung soll an dieser Stelle erfolgen, sobald sich hierzu die Möglichkeit bietet. Heute ist dies aus dem Grunde noch nicht der Fall, weil die Anlagen gegenwärtig teilweise noch in Umänderung begriffen sind, indem die Erfahrungen der letzten Wochen die Behörden und die" Ersteller- F E U I L L E T O N Der Siedler. Roman von Heinrich Lämmlin. 1. Fortsetzung i Die Frau schaut ihn aus vorwurfsvollen Augen und traurig wie ein müdes Kind an. «Ich dachte mir, dass du zornig wirst >, antwortete sie, «• aber ich konnte es zu Hause nicht mehr aushalten. Mir jeden Tag sagen lassen, was ich für einen Mann habe, einen, der davongeht und die Frau allein sitzen lässt, das ging wirklich nicht länger. Als auch noch der Vater zu giftein begann, da bin ich davongelaufen ! » Sie schaut zur Erde und scharrt mit den Schuhen im Sand, aber sie schaut dem Manne nicht in die Augen, damit er die Tränen in ihren Augen nicht sehen kann. '«Das ist alles recht und gut, ich verstehe dich, aber was soll ich hier anfangen mit dir ? — Hier kannst du doch nicht bleiben, das musst du selbst eifisehen ! » Des Mahnes Stimme klingt nicht mehr so rauh; er steht' da, sieht die Frau an und weiss sich keinen Rat < Warum soll ich nicht sein, wo du bist ? — Bin ich nicht deine Frau ? — Gut, dann will ich es auch nicht besser haben, als du es hast. Was dir recht. ist, das wird auch mir recht sein! — Du arbeitest hier, du schuftest dich ab, und ich soll nichts tun als in Zürich sitzen und mich pflegen! Ich sehe nicht ein, warum ich es immer besser haben soll als du ! -» « Aber das ist doch blödsinnig !» fährt der Mann auf. « Habe ich denn eine Villa hier, in der man mit Stöckelschuhen herumlaufen kann ? — Schau dich doch um ! — Hier ist Wald, ja nichts anderes. Zu allem ist der Boden auch noch sumpfig. Ich kann in keinem Hause wohnen, nein, ich schlug mir ein Zelt auf und liege dort in den Nächten auf einem Mooslager.. Aber selbst, wenn man das noch in Kauf nehmen wollte, so ist es um das Essen so, schlecht bestellt, dass du sehr rasch genug hättest. Und sage selbst; Ist das ein Ort für eine junge Frau ? » Er ist sehr zornig, und seine Augen blitzen die junge Frau böse an. Sie erschrickt nicht vor diesen Blicken, nein, sie macht sogar einen Schritt auf ihren Mann zu, und schaut ihm ruhig in das Ge- Sicht. Nur ein Wort sagt sie, ein kleines Wörtch'en i ; « S&pp... ! » Aber wie sie das sagt! Der Mann wird unsicher; er kann der Frau nicht mehr in die Augen sehen, wendet sich ab, schaut an den Bäumen empor, auf die Erde und hinab in das Dorf. Nur die Frau schaut er nicht an. Er kämpft mit sich, er krümmt sich innerlich wie ein Wurm, bäumt sich auf wie eine Ameise, deren Hinterteil ein unvorsichtiger Spaziergänger auf der Erde festgetreten hat. « Verdammt noch einmal! » möchte er sagen, aber er kann es nicht, solange die Augen der Frau sich festsaugen an. seinem Gesicht. Es wäre eine Erlösung für ihn, wenn er fluchen könnte, aber es geht wirklich nicht. Da knurrt er : « Na, also, mir kann es ja gleichgültig sein. Wenn du hier bleiben willst, so bleibe!» Dann wendet er sich ab, geht wieder in den Wald, ohne sich weiter um die Frau zu kümmern. Die Frau sagt kein Wort mehr. Was soll sie jetzt auch noch sagen ? — Sie zwängt sich durch das Gebüsch und versucht ihrem Manne zu folgen. Aber ihre Stöckelschuhe hindern sie, sie kann mit dem Manne nicht Schritt halten und hat ihn bald aus den. Augen verloren. Sie besinnt sich, ob sie rufen soll, da klingen wieder die Axtschläge durch den Wald und zeigen ihr die Richtung. Ihr Mann soll ruhig seinen ersten Zorn an den Bäumen austoben; später wird um so besser mit ihm zu reden sein. Sie lacht vor sich hin; denn sie ist sich ihrer Macht bewusst, die sie über den Mann besitzt. In dieser Nummer: Grosser Preis der Schweiz als Endlauf um die Europa- Meisterschaft. Winker heraus als Signal beim Ueberholen? Eine Aktion für richtiges Parken Ein neuer amerikanischer Kleinwagen. Beilage: