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E_1939_Zeitung_Nr.058

E_1939_Zeitung_Nr.058

BERN, Dienstag, 18. Juli 1939 Nummer 20 Cts: 35. Jahrgang — No 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Anifübe A (ohne Versicherung) hdibjährlich Fr. 5—, Jährlich Fr. 10.-. Ausland mit Portozuschlaa, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Untailversich.) vierteljährlich Fr. 7.5U. Ausgab* C (mit Insässenversictieruns) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint jeden Dfemtao und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „G»lbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zttrlcü: L6wenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, Grflssere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen-der Nnntmer Wirkt der Strassenteer krebserzeugend ? In unserer letzten Nummer brachen wir das Expose, das der Schweizer Dr. Guglielminetti vor der französischen Academie de Medecine gehalten hat, an jenem Punkte ab, da von seinen bei Gaswerken, Teerdestillerien usw. durchgeführten Erhebungen über die Frage die Rede war, ob beim Personal dieser Betriebe Krebserkrankungen festgestellt worden seien. Hier die Antworten: Frankreich. Die Pariser Gasgesellschaft stellt fest, dass nach den Ergebnissen einer sehr eingehenden medizinischen Statistik der Krebs unter ihren Arbeitern nicht häufiger sei als es dem Durchschnitt der Stadt Paris entspreche. Und dieses Ergebnis findet seine Bestätigung in den Antworten ausländischer Gasfabriken. Unter den verschiedenen Betriebsabteilungen der Pariser Gasgesellschaft Schemen, soweit es sich um Krebserkrankungen handelt, keine grossen Unterschiede zu bestehen,. Die Teerfabrik im besonderen zähty nicht -mehr,Krebsfälle als die übrigen AbteilungeTTf" v Sö*'*wurden während ; der letzten. 10 Jahre Bei der. ganzen Belegschaft von 13.00Q i Mahn biqsfi 1?.Krebse festgestellt, davon 8'beitn-Bureaupersonal, das mit der Teerherstelloing; überhaupt nichts zu tun hat. Läge übrigens im « Umgang mit dem Teer» irgend eine Gefahr, so wären ihr die bei der Strassenteerung beschäftigten Leute bei weitem am stärksten ausgesetzt. Tatsache ist aber, dass gerade hier auch nur von einer einzigen Krebserkrankung nichts bekannt geworden ist, weder in Frankreich noch sonstwo — und doch führt man die Strassenteerung seit mehr als 30 Jahren durch. Dr. Huguenin vom Pariser Krebsinstitut hat eine ausserordentlich interessante Studie über ein rundes Hundert Lungenkrebsfälle in Frankreich veröffentlicht; dass dabei die Berufszugehörigkeit irgend eine Rolle spiele, findet jedoch nicht mit einem Wort Erwähnung. Auf Krebs stiess er sowohl bei Bibliothekaren als auch bei Frauen aus der Gesellschaft und bei Teerarbeitern. England. Frankreich begann mit der Strassenteerung im Jahre 1901. Englische Ingenieure übernahmen dieses Verfahren, dessen gute Resultate ihnen nicht entgangen waren, 1903 für ihr Land: Nirgends hat die Teerung einen derartigen Umfang angenommen wie F E U I L L E T O N . Rätsel um Muriel. * Roman von Jobann Friedrich. 51. Fortsetzung. «Ach, so ist das! > Muriel befreit sich vorsichtig, fast zögernd wieder von Charles' Arm. «Ich dachte nicht, dass das so rasch gehen würde. > «Wahrscheinlich hat jede Nacht ein Patrouillenschiff vorsichtshalber vor, der Hafenausfahrt auf der Lauer gelegen. Ich bin neugierig, wie die Südamerikaner alle drei dieses Ende aufnehmen werden.» « Für Martinez und Paulo ist es doch eigentlich noch ein Glück. General Riveralta hätte bestimmt kurzen Prozess mit ihnen gemacht. »' « Aber Don AguiUar ? > Plötzlich wird die Tür der kleinen Kabine aufgerissen und r zwei Matrosen erscheinen zitternd und tötenblass' «Kommen Sie schnell, Mister d'Andfade!» ruft'der eine sichtlich in Todesangst «Don Aguillar sprengt das Schiff m die Luft» (Fortsetzung und Schluss.) gerade hier, im Lande der Kohlenbergwerke. Zu' welchen Schlussfolgerungen aber gelangt der Medical Research Council in bezug auf den Krebs ? : «Nichts deutet darauf hin, dass die Staubpartikelchen des Teers die Entstehung des Krebses hervorrufen, weder •durch äusserliche Wirkung auf die Haut, noch durch innerliche auf die Atmungsoder Verdauungsorgane. Die Leute an der Teerbrechmaschine, die jahraus jahrein in dichtem Teerstaub arbeiten, erkranken nicht häufiger an Krebs als andere Arbeiter. Mitunter stellen sich bei ihnen Hautreizungen ein. Das ist aber auch alles. » Und Sir Maybury, Generaldirektor des englischen Strassenwesens, hat mär auf meine Anfrage erwidert, dass ihm kein Fall von Krebserkrankung als Folge der Strassenteerung zu Gehör gekommen sei, bei den Strassenarbeitern, welche die Teerung verrichten, so wenig wie bei den Benutzern und den Anwohnern solcher Strassen. In Deutschland existieren eine ganze Anzahl.von Medizinern-verfasste Abhandlungen über die Strassenteerung. Von Dr. Barnewitz, dem Chefarzt der dermatologischen*Klinik.in Essen, einem Gebiet.also, wjo,: Hunderttau-; sende von Arbeitern mitunter ihr ganzes Leben lang mit Teer und dessen Nebenprodukten in Berührung stehen, weiss ich, dass sich dieser Kontakt in den Brikettfabriken besonders eng gestaltet. Ueber einzelnen Stationen dieses Fabrikationsprozesses lagert dabei ein derart dichter Teerstaub, dass man kaum ein paar Meter weit sehen kann. Beim Verlassen der Arbeitsstätte sind die Leute vollständig damit bedeckt und selbstverständlich atmen sie auch erhebliche Mengen des Staubes ein. Trotzdem: während der letzten 24 Jahre hat man unter ihnen nicht einen einzigen Fall von Lungenkrebs konstatiert, der durch den Teer erzeugt worden wäre. Am Budapester Kongress 1928, der sich mit den Problemen der Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten be$chäftigte, legte Prof. Teutschlander, Direktor des Hygiene-Institutes Heidelberg, in einem Expose dar, dass sich in sämtlichen Gasfabriken Badens nicht ein einziger « Teerkrebs » eingestellt habe. Ganz kürzlich erst brachte Prof. Lehmann, Direktor des Hygiene-Institutes von Würzburg, zusammen mit seinem Assistenten eine Studie « Die Teerstrassen vom Standpunkt der Hygiene gesehen » heraus. Danach zählte « Was ? > Charles und Muriel fragen es gleichzeitig. < Er hat den Kapitän niedergeschlagen, als er sich ihm in den Weg stellte », stottert der andere. « Er ist im Laderaum und will die Granaten zur Explosion bringen. Wir konnten ihn nicht daran verhindern. Sie haben keine Sekunde zu verlieren ! » « Dämned ! » Charles will mit einem Riesensatz zur Kabine hinaus. Da fühlt er sich an der Hand zurückgehalten. « Lass ihn doch ! » sagt Muriel und lacht. Die beiden Matrosen sehen sie entgeistert an. Hat sie den Verstand verloren ? «Muriel! » Charles' Stimme klingt beschwörend. «Die Granaten sind doch Attrappen!» Muriel amüsiert sich sichtlich ausgezeichnet. «Es sind alles leere Hülsen, wenn man sie nicht gerade als Keule benutzt,, kann man kein Unheil damit anrichten. Segne die weise Vorsicht der — hm — der Organisation, Charles!» , .. Der ist ebenso erstaunt und erlöst wie die beiden Seeleute an'der Tür, in deren Gesichter die J Farbe allmählich zurückkehrt «• Davon wusste ich doch selbst gar nichts», bringt er erstaunt hervor. man in sämtlichen Teerdestillerien Deutschlangs nur 6 Arbeiter, die Warzen an den Händen aufwiesen. Ein einziger unter ihnen, der seit 40 Jahren seinen Dienst versieht, musste wegen des krebsartigen Charakters dieser Warzen operiert werden. Prof. Lehmann zieht aus seinen Untersuchungen folgende Schlüsse: «Lässt es sich auch nicht leugnen, dass in Deutschland einige wenige Fälle von Hautkrebs bei Arbeitern vorgekommen sind, die jahrelang mit dem Teer in Berührung gestanden, so hat Mit dem Bundesratsbeschluss vom 23. Mai 1939, der.eine Abänderung von Art. 10 und Art. 65, Abs. 2, Vollziehungsverordnung zum MFG im Sinne der Erhöhung der Höchstgesamtgewichte der Holzgaswagen brachte, ist ein weiterer sachlich zweifellos gerechtfertigter Einbruch in die Motorfahrzeuggesetzgebung erfolgt, nachdem erst vor kurzem, durch den Bundesratsbeschluss vom 4. Oktober 1938, den Kantonen die Ermächtigung erteilt worden war, die Höchstgeschwindigkeiten für fahrplanmässig verkehrende schwere Motorwagen zum Personentransport heraufzusetzen, i • Indessen- bandelt es sich bei diesen Korrekturen nur um Einzehnasshahmen. Sie er- «wtesen sich mit Rücksichi "auf dringende wirtschaftliche ütid militärische-sowie verkehrspolitische Bedürfnisse als nötwendig. • Praktisch aber 1 bedeuten sie nichtsdestoweniger ein Zugeständnis der Behörden, dass die heutige Motorfahrzeug-Gesetzgebung, insbesondere ein beträchtlicher Teil der Vollziehungsverordnung zum MFG, zu eng, revisionsbedürftig ist. Theoretisch ist dieses Zugeständnis schon häufig erfolgt. Verschiedene, darunter höchste Instanzen des Bundes haben immer wieder die Inangriffnahme einer umfassenden Revision der Motorfahrzeuggesetzgebung in Aussicht gestellt. Vor Jahren schon erklärte Bundesrat Baumann im Nationalrat, dass diese Frage «momentan» geprüft werde. Den Vertretern des schweizerischen Strassenverkehrs, die bei jeder Gelegenheit eine bessere Anpassung der Motorfahrzeuggesetzgebung an die Anforderungen von Verkehr und Wirtschaft gefordert hatten, wurde zuletzt wiederholt versprochen, die Revision zusammen mit dem Erlass der Autotransportordnung vorzunehmen. Der Zeitpunkt für eine umfassende Revision der Motoriahrzeuggesetzgebung ist nun gekommen. « Du musst ja nicht alles wissen, Lieber ! » lacht Muriel. Die beiden Matrosen ziehen sich wortlos und etwas beschämt wieder zurück. «Du bist ein wunderbares Rätsel, Muriel ! » sagt Charles. « Soll das ein Kompliment sein ? > « Fassest du es anders auf ? » Charles' Blicke reden eine deutliche Sprache. «"Die Komplimente eines Mannes, der mit einer ändern verlobt ist, Charles, sind wie silberne Löffel, die man an fremder Tafel stiehlt. > «Muriel! > Plötzlich kracht es, als ginge die Welt unter. Die Einrichtung der Kabine stürzt wie ein Kartenhaus durcheinander, das kleine Bullauge ist vom Widerschein eines grossen Feuers jäh und unheimlich erleuchtet, man hört Balken und allerhand•' Gegenstände auf das Deck poltern und ins Meer niederprasseln. «Die Granaten!» ruft Charles, der vom Luftdruck mit Muriel an die nächste Wand geschleudert worden ist.. «Und ich bin schuld!» Muriel klammert sich an Charles'' Schulter fest. «Vielleicht hättest du es verhindern können, aber ich -y man bei dem mit der Strassenteenmg-;beschäftigten Personal nirgends Krebsanfälle ermitteln können. Diese Arbeit geht in freier Luft vor sich und bedeutet keine Gefahr, ebensowenig wie der Verkehr auf geteerten Strassen und das Wohnen längs solcher.* In der ganzen Literatur wird man heute vergeblich nach einer auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Abhandlung suchen, die imstande wäre, den Beweis für die Zusammenhänge zwischen Strassenteerung und Krebs zu erbringen. ,* Am 30. September 1938 ist der Bundesbeschluss über den Transport von Personen und Sachen mit Motorfahrzeugen auf öffentlichen Strassen erlassen worden und damit sind die von den Behörden verlangten Voraussetzungen für die Revision erfüllt. Es darf unbedingt erwartet werden, dass die amtlichen Stellen ihre Versprechen einlösen. Ganz abgesehen davon bildet die Aenderung der Motorfahrzeuggesetzgebung aber" auch insofern ein berechtigtes, Postulat, als sich ein rechtlich unhaltbarer Zustand herausgebildet hat, indem einzelne Forderungen gewisser Gruppen durch Teilrevisipnen der. Vollziehungs Verordnung" zum MES -Verwirk?, lichung gefunden haben, während andere,, ebenso berechtägte«ari& ebenso dringlicheiBegehren, die von den Strassenverkehrsverbähden und den hinter ihnen stehenden bedeutenden Verkehrs- und Wirtschaftskreisen längst gestellt wurden, immer noch auf eine Erledigung durch das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement warten. In dieser Nummer: Neue Signalanlagen Zürichs Im Lichte der Kritik. Der Schweizer Armand Hug in Frankreich schwer verunglückt. Ein interessanter Stromlinienversuchswagen. Internationaler Autotourismus nach der Schweiz. Willys 1939. Beilage: Der Automobilist an der Landesausstellung. « Sollten sie denn nicht hohl sein ? »r Charles' Stimme klingt entsetzt «Doch. Wirklich. Aber,es muss eine Verwechslung vorgekommen sein. Es ist schrecklich. > «Vielleicht ist es schon vorbei», .tröstet Charles. « Es ist ja möglich, ,dass nur wenige scharfe Granaten unter die Attrappen gekommen sind. > • , • _ «Und sonst ?» . ,'•• versichert Charles. Langsam nur gibt er Muriels Befreiun>gsversuehen nach. ; , «Das ist doch! — -ach — Pardon!» schnarrt hörbar yerbihlfft eine fremde -Stimme von der Tür her.