Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.064

E_1939_Zeitung_Nr.064

BERN, Dienstag, 8. August 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 64 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PR EISE: Autgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5 , jährlieh Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.bu. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Erseheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Urte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegranun-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: DM achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach Spezfaltarif. Inseratenschliiss 4 Taae vor Erseheinen der Nummer Der Ausbau des bernischen Strassennetzes Während Jahren hat der Kanton Bern bei den Automobilisten nicht gerade im besten Ansehen gestanden. Schuld daran waren nicht Schikanen wie Bussenfallen usw., sondern der missliche Zustand des Strassennetzes; dieser trug dem bernischen See-, Mittel- und Oberland in automöbilistischer Hinsicht ein recht schlechtes Renommee ein. So wies beispielsweise die Teilstrecke Bern- Murgenthal — die schweizerische Hauptdurchgangsstrasse Nr 1 — ein Querprofil auf, das eher einem Gewölbe als einer Fahrbahn vergleichbar war. Dass solche « Spe-1 zialitäten » nicht zu den Ruhmesblättern des grössten Kantons unseres Landes, zählen können, erkannte der neue Baudirektoir schon bald nach seinem Amtsantritt und kehrte — das sei dankbar anerkannt — das im Rahmen der für den Ausbau der bernischen Fremdenverkehrsstrassen zur „Verfügung stehenden Mitteln Mögliehe zur besseren Profilierung und zur Verbreiterung der Hauptstrassenzüge vor. Diese im Vergleich zu andern Kantonen bemerkenswerte strassenbauliche Rückständigkeit war bedingt zum Teil durch die ausserordentliche Ausdehnung des bernischen Staats- (2291 km) und Qemeindestrassennetzes (ca. 6400 km), zum Teil die einem Alpdruck gleich auf den Kantonsfinanzen lastenden Verhältnisse bei den Dekretsbahnen. Mit diesem Bleigewicht behaftet, konnte ein bernischer Baudirektor als gleichzeitiger Vorsteher der • kantonalen Eisenbahndirektion beim besten Willen auf dem Gebiete des Strassenaus- oder sogar Neubaues keine grossen Sprünge unternehmen- Immerhin erbrachte der seinerzeitige Departementswechsel dann doch den Beweis, dass trotz allem Die ausgebaute Brienaerseestrasse. Die Portbrücke. Im Rahmen des Ausbaues der Simmentaistrasse wird demnächst eine neue Brücke dem Verkehr übergeben, durch die eine bedeutend flüssigere Linienführung von Spiez, resp. Wimmis in Richtung Zweisimmen wie auch in derjenigen nach Reutigen, resp. Thun gewährleistet ist. Die neue Brücke hat die aus dem Jahre 1766 stammende alte Strassenüberführung (Bild links) zu ersetzen, da .diese sowohl hinsichtlich Tragfähigkeit und Breite als auch bezüglich Linienführung den heutigen Verhältnissen keineswegs mehr zu genügen vermag. Dessen ungeachtet lässt die Baudirektion des Kantons Bern die alte Brücke bestehen..Die Lage der neuen Brücke ist aus dem Situationsplan ersichtlich. Während der alte TJebergang nur eine Fahrbahnbreite von 4,45 m aufweist, beträgt dieser beim Neubau 6,50 m, ausserdem sind noch zwei Auftritte von je 70 cm vorgesehen. Diese massive steinerne Bogenbrücke hat eine Spannweite von 34 m und eine Pfeilerhöhe von 9,72 m. Im Scheitel ist das Gewölbe 70 cm und an den Kämpfern 121 cm stark. Es besteht aus einer Schicht Gränitquadern mit darüberliegender Betonkonstruktion. Die betonierten Stirnwände sind mit aus dem bekannten Steinbruch «Balmholz» am Thunersee stammenden Kalkstein verkleidet. Auch die Brüstungsmauern wurden ebenfalls aus «Balmholz» stein erstellt. — Das formschöne Lehrgerüst ist von der bekannten bündnerischen Gerüstebaufirma Gorey entworfen und'unter deren Aufsicht auf dem Zimmerplatz des Spiezer Baugeschäftes Trachsel abgebunden und nachher auf der Baustelle aufgerichtet worden. Oberaufsicht über Projekt und Ausführung war Sache von Oberingenieur Walther des I. Kreises. Mit der Ausarbeitung des Bauprojektes waren Dipl.-Ing. H. Aeberhard in Thun und mit der Ausführung die Unternehmer W.J.Heller in Bern und die bereits erwähnte Spiezer Firma betraut ein Mehreres möglich ist, wenn das durch die kantonale Eisenbahnjjo'litik allzu lange abgelenkte Berner Volk endlich einsah, wie sehr ausgebaute, resp. verkehrssichere Strassenzüge im ureigensten Interesse seiner Wirtschaft und damit des Staates überhaupt liegen. Welche Grundsätze beim Ausbau des bernischen Strassennetzes künftig zur Anwendung gelangen sollen, das hat Regierungsrat Grimm in seiner kürzlich herausgegebenen Broschüre über « Strassen, und Einsenbahnen im Kanton Bern» niedergelegt. Nach seiner Meinung, besteht das grosse Zukunftsproblem des bernischen Strassenbaus in der Lösung des grossen Widerspruches zwischen dem bestehenden umfassenden Verkehrsbedürfnis und den zu seineryBefriedigung im Strassenbau zur Verfügung ^stehenden ungenügenden Mitteln. In der Vergangenheit war nämlich eine Beschleunigung des Strassenausbaues auf dem Wege der sog. Vorbelastungen versucht worden. Dieses System hat aber praktisch lediglich zur Folge gehabt, dass heute für den nötigen Weiterausbau des Strassennetzes die ; Mittel einfach fehlen, weil sie weitgehend durch die Abtragung früherer Schulden in Anspruch genommen sind. Man bedenke : vom Automobilsteuerertrag in Höhe von rund 37 Mill. Fr. während der nächsten 10 Jahre sind nicht weniger als 25 Mill. F t r. vorbelastet ! Das aber heisst nicht mehr und nicht weniger, als dass im Jahresdruchschnitt ganze 1,2 Mill. Fr. zur Durchführung von Neubauten und Korrektionen zur Verfügung stehen. Mit Recht erklärt der bernische Bau- und Eisenbahndirektor, diese gespannte Finanzlage erzwinge notwendigerweise die Zufluchtnahme zu vereinfachten Ausbauverfahren- Mit andern Worten: Es müsse versucht werden, mit den gleichen Mitteln mehr Strassenkilometer als früher auszubauen, auf Luxusbauten und letzte strassenbäutechnische Vollendungen sei bewusst zu verzichten, kurzum — man habe sich in der Hauptsache mit dem Ausgleich der Querprofile und dem Anbringen leichterer Beläge zu begnügen Vom strassenbautechnischen Gesichtspunkt aus betrachtet, sind diese Darlegungen zweifellos wenig erfreulich; doch ist zugegeben — technische Wünsche ersetzen die fehlenden Finanzmittel nicht. Für den Verkehr im allgemeinen dürfte überdies die Beseitigung des verkehrsgefährdenden Zustandes vieler Strassen, ferner der zahlreichen Niveauübergänge und endlich die Staubfreimachung der, Verbindungen ein Haupterfordernis darstellen. Lässt sich deren Verwirklichung mit den zur Verfügung stehenden geringen Mitteln erreichen, so dürfte — wenigstens vorläufig — den Anforderungen des motorisierten Strassenverkehrs Genüge geleistet sein- Das Verhältnis der Unterhaltskosten derart provisorisch ausgebauter Strecken unter Einwirkung steigendem Verkehr im Vergleich zu demjenigen neuzeitlich ausgebauter Strassenzüge, das allerdings steht auf einem andern Blatt. Fortsetzung Seite 3. Zwischen Spiez und Wimmis, im Hintergrund der Niesen. In dieser Nummer: Rückwärtsfahren auf der Strasse. Deutscher Bergpreis. Grosser Preis von Comminges. Von den Brems-PS. Nochmals « Abstand halten! » Internat. Zeltlager auf der Bächau. Beilage: Der Automobilist an der Landesausstellung.