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E_1939_Zeitung_Nr.064

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Zittfach exMäxt Von den

Zittfach exMäxt Von den Brems-PS und wie man sie misst So praktisch die Engländer in manchem sind, so unpraktisch haben sie sich ihr Maßsystem eingerichtet mit ihren Zoll und Fuss und Meilen. Und 3a es ein Engländer war, der das Mass der Pferdestärke festlegte, so kam natürlich dabei auch keine sehr «runde » Zahl heraus. Um sie zu messen, liess er einen Gaul Gewichtstücke mittels eines Seilzuges aus einem Sodbrunnen heraufziehen und stellte fest,, wie lange es dauerte, bis eine bestimmte Menge davon gehoben war. Er fand, dass es dem fraglichen englischen Karrengaul gelang, in einer Minute 500 Pfund 66 Fuss noch zu heben und nannte daher die Leistung von 500X66 = 33000 Fuss-Pfund pro Minute eine Pferdestärke, (Umgerechnet in unser eigenes Masssystem sind das 4500 Meter-Kilogramm pro Minute oder auch 75 mkg pro Sekunde.) Als anständiger Engländer glaubte er auf eine wesentliche Abrundung dieser Zahl verzichten zu müssen. Ein anderer hätte sich vielleicht im gleichen Fall gesagt; «Dieser alte Gaul soll es nicht fertig bringen, Zehntausende von Ingenieuren und Technikern zu zwingen, in ihren Rechnungen jahraus, iahrein (ButmM xind Steue*=JS jeinst identisch *ln der guten alten Zeit», als die Motoren weh nicht so rasch drehten, gaben sie ungefähr eine den sogenannten «Steuer-PS» entsprechende Leistung ab, d. h. ein Motor von 1000 cem Hubraum leistete schätzungsweise 5 Brems-PS. Als daher vor Jahren die sogenannte «Steuer-Formel» geschaffen werden musste und man beabsichtigte, die stärhirn Wagen mit höhern Steuern zu belasten, legte man dieses Verhältnis von Leistung und Hubraum («Zylinderinhalt-») zugrunde. Denn es wäre für die Steuerbehörden natürlich zu umständlich gewesen, jeden Motor auszubauen und seine Leistung zu messen. Man zog es daher vor, einfach auf die Motorgrösse abzustellen. Seither haben sich die Motorleistungen stark vergrössert, weshalb jetzt Brems- PS und die nach der alten Formel berechneten Steuer-«PS-» nicht mehr identisch sind. Vielmehr hat ein moderner Personenwagenmotor 4,5- bis 7mal mehr Brems- als Steuer-PS. Sie sparen Brennstoff mit der eine ungrade Zahl einzusetzen. Runden wir auf! > Er hätte damit so unrecht nicht gehabt, denn schliesslich war der Gaul am betreffenden Tag möglicherweise nicht ganz «In Form ». Ausserdem gibt es Pferde und Pferde. Ein schwerer Belgier hätte vielleicht noch eine ganz andere Leistung erreicht, eventuell gar die so erwünschten 100 mkg pro Sekunde. Böse Zungen behaupten zwar, dass bei den fraglichen 75 mkg auch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Gehilfen hätten dem braven englischen Gelehrten eins mitgespielt ... Nun, sei dem wie ihm wolle. Die Pferdestärke [PS) als leistungseinheit hat sich jedenfalls allgemein eingeführt und wird wohl kaum so rasch durch etwas anderes ersetzt werden. PS und menschliche Leistung. Ein PS kann entweder dadurch zustandekonv men, dass wir 75 kg in einer Sekunde einen Meter hoch oder auch 25 kg in der gleichen Zeit 3 m hoch heben. Ein Hochspringer von 75 kg Gewicht, dessen Schwerpunkt sich bei guten Sprüngen um vielleicht einen Meter hebt, leistet also in der < Sprungsekunde > ungefähr 1 PS. Dies ist jedoch eine einmalige konzentrierte Leistungsabgabe. Abg esehen davon, dass sie sich aus praktischen »runden nicht Sekunde um Sekunde wiederholen lässt, wäre der Springer physisch auch gar nicht imstande, diese Leistung öfter kurz hintereinander zu vollbringen. Wenn ein Turner von 75 kg Gewicht tiefe Kniebeugen macht, so senkt sich sein Schwerpunkt gegenüber der aufrechten Stellung um ca. 50 cm. Streckt er sich Im Laufe einer Sekunde wieder, so leistet er dabei etwa '/j PS. Wiederholt er die Uebung alle 2 Sekunden ein-' mal, so verteilen sich die beim Strecken der' Beine jedesmal geleisteten 37,5 mkg auf 2 Sekunden. Im Durchschnitt leistet er dann also sekundlich nur V* PS. Wer nicht sehr trainiert Ist, wird auch diese Leistung nicht ohne weiteres eine Minute lang durchhalten. So viel zur Leistungseinheit PS. Wenn der Konstrukteur einen Motor entworfen und die Werkstätte ihn gebaut hat, so plagt sie begreiflicherweise der «Gwunder >, was er wohl leisten wird. Denn als «Maschine zur Verwandlung von chemischer Brennstoffenergie In mechanische Leistung > [siehe Lexikon) verlangt man von ihm, dass er diese Funktion rationell erfüllt. Man will möglichst wenig hineinstecken und dafür je mehr desto lieber herausholen. Da man auf der Fahrt mit dem Wagen nicht feststellen kann, wieviel PS der Motor hergibt, muss man ihn hiezu vor dem Einbau auf den Prüfstand nehmen und dort die Leistung messen. Man AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 8. AUGUST 1939 — N° 64 lässt ihn eine Bremsmaschine antreiben, die so beschaffen ist, dass man die auf ihre Welle ausgeübte Drehkraft sowie die Drehzahl des Motors feststellen kann. Daraus lässt sich die Leistung berechnen. Weil man zu diesem Zweck — wie gesagt — eine Bremsvorrichtung braucht, damit der Motor etwas zu schaffen hat und nicht einfach leerläuft oder durchbrennt, nennt man die bei der Leistungsmessung ermittelten Pferdekräfte die Fig. 1. Mechanische Reibungsbremse zur Messung der Motorleistunfl. B = Bremsklötze. K = Bremstrommel. P — Handrad zur Regulierung der Bremswirkung. Brems-PS des Motors. Sie haben also weder mit der Bremswirkung des Motors bei Talfahrten noch mit den Bremsen des Wagens etwas zu tun. Mechanische Bremsvorrichtung. Als Bremsvorrichtung benützt man entweder mechanische, elektrische oder Wasserbremsen. Erstere befriedigen bei den modernen hochtourigen Motoren nicht mehr ganz. Sie bestanden aus einer mit der Motorwelle bei der Prüfung gekuppelten, radförmigen Bremstrommel, worauf ein Bremsgerüst vermittelst zweier Bremsbacken festgeklemmt wurde (Flg. 1}. Durch einen langen Hebel, der sich auf einö Waage abstützte, wurde es am Mitdrehen verhindert. Ein Handrad erlaubte, den Druck der Bremsbacken zu verstellen und damit die vom Motor auszuübende Drehkraft bis zu dem bei der betreffenden Drehzahl und «Vollgas-Stellung der Drossel» erreichbaren Maximum zu erhöhen. Js grösser die vom Motor Fig. 2. Wasserbremse zur Messung der Motorleistung. A = mit Schaufeln versehenes Laufrad der Bremse. B

N° 64 — DIENSTAG, 8. AUGUST 1930 AUTOMOBIL-REVUE Laufrad, so wird von seinen Schaufeln das in der Apparatur enthaltene Wasser gegen die des feststehenden Gehäuses geworfen und sucht dieses mitzudrehen. Ein daran befestigter und auch auf eine Waage abgestützter Hebelarm verhindert dies und erlaubt zugleich, die durch diese «hydraulische Kupplung > vom Läufer an das Gehäuse übertragene Drehkraft 1= Drehkraft der Motorwelle) zu messen. Ausführung der Schaufeln und Art der Regulierung wechseln von Modell zu Modell. Bei der in Bild 2 im Schnitt gezeigten Bauart geschieht die Regulierung des Bremsdrehmoments durch Veränderung des Wasserstandes in der Bremse. Nochmals „Abstand halten!" Wie man den notwendigen Mindestabstand aus dem Diagramm abliest. flg. 3. Aflflchf «int» Mofor-PrOfstandes mit Wasserbr*m*c. A — Brennstoff-Verbrauchsmesser. B = Federwaag«. C = Oeldämpfer. D = Ausgleichgewioht E = Waesereinlaas zur Bremse. F =» Wasseraustritt. G = Handrad zur Regulierung des Bretns- Brehmomente. H = Drehzahlmesser. einfacher Weis« berechnen. Ein Drehzahlmesser erlaubt bei allen Bremsvorrichtungen die Tourenzahl jederzeit abzulesen. Die Wasserbremsen enthalten im Innern ein mit Schaufeln besetztes Laufrad. Das sie umgebende Gehäuse sitzt pendelnd auf der Welle und verfügt seinerseits ebenfalls über einen Schaufelkranz. Dreht sich das Flg. 4. Luftbremse zur LeistungsprQfuno von Motoren. Diese Art von Bremse wird nur in seltenen Fällen zur Prüfung von Automobil-Motoren verwendet. Durch Verateilung der Platten nach innen oder aueeen eowie durch Montage grösserer Tafeln kann das Brems-Drehmoment. in weiten Grenzen verstellt werden. Blendschutz mit Gelbglasfenster Wer öfter zur Zeit des Sonnenauf- oder unter- ^ ganges mit dem Wagen unterwegs ist, weiss die heute an den meisten Fahrzeugen vorhandenen Blendschutzschilder zu schätzen, die sich bei Bedarf herabklappen lassen, um die blendenden Strahlen der am Horizont stehenden Sonne von den Augen abzuhalten. Leider haben die,se Schilder einen wesentlichen Nachteil: Sie schützen wohl vor Blendung, behindern aber auch die Sicht. Wer etwas gross gewachsen ist und vielleicht dazu noch einen Wagen aus einem Land sein eigen nennt, dessen Durchschnittsbürger um 10—20 cm kürzer zu sein pflegen als er selbst, der wird sein Blendschutzschild überhaupt nie ganz herabklappen können, will er nicht total Sonnen- und Mondfinsternis mit Bezug auf In Ergänzung unserer Ausführungen in Nr. 55 wurde angenommen, dass die Bremsen des hintern der tAutomo.bil-Revue> sei noch kurz erläutert, Fahrzeugs gerade noch den verlangten Mindestanforderungen entsprechen, die je nach der Art wie man aus dem dort beigefügten Diagramm den einzuhaltenden Mindestatetand findet Das Dia-degramm ist unter der stillschweigenden Voraus- Bestimmung des Mindestabstandes; Man Bucht Fahrzeugs verschieden hoch sind. setzung berechnet, dass das vor uns liegende Fahrzeug über die bestmöglichen Bremsen verfügt und digkeit entspricht und fährt auf ihr big zum die senkrechte Linie, die der gefahrenen Geschwin- Kur- somit ein Bremsvermögen entwickelt, wie man es meist nur bei gut instandgehaltenen Personenwagen antrifft. Das nachfolgende Fahrzeug muss einen «einem eigenen Bremsvermögen angepassten Mindestabstand einhalten, der natürlich von Fahrzeuggattung zu Fahrzeuggattung wechselt. Lastwagenzüge beispielsweise haben meist einen viel längeren Bremsweg und müssen daher in entsprechend gröseerem Abstand hinterherfahren. Bei der Berechnung der einzelnen Kunvenzüge des Diagramms lesen, der im vorliegenden Fall nahezu 30 m beträgt, -ibdie vorausliegende Fahrstrecke schaffen. Diesen Übelstand beseitigt ein neues von W o 1 - s e 1 e y erstmals an den Modellen des kommenden Jahres serienmässig eingebaute Blendschutzschild (siehe Bild), das einen kleinen Einsatz aus •Gelbglas besitzt, durch den man die Fahrbahn ohne Behinderung durch seitliche 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Fahrgeschwindigkeit in km/St. W venzug aufwärts, der sich auf das eigene Fahrzeug bezieht. Handelt es sich also beispielsweise um einen schweren Motorwagen mit Vierradbremse (Mindestbremsverzögerung 4 m/sec. 2 ) und wird ein Tempo von 60 km/St, eingehalten, so sucht man den Punkt, wo die vertikale Linie 60. den Kurvenzug & m/sec. trifft. Von dort geht man waagrecht nach links hinüber, um den Mindestabstand abzu- Blendstrahlen beobachten kann. Gelbgefärbtes Glas hat den Vorzug, dass man dadurch die üblichen Farben der Verkehrsampeln ohne weiteres erkennt. Dank besagter Besonderheiten seiner Konstruktion ist dieses Schild auch bei sehr tiefem Sonnenstand im Flachland oder an grossen Seen wirksam. i Rechts oben in unserer Illustration ist iibri- Der neue Durchlaufzähler (System Tokheim) Vorverkauf Grand Prix Zürich Zürcher Rundstreckenrennen um den Grossen Preis der Schweizerischen Landesausstellung und den Grossen Preis der Schweiz für Motorräder 5 internationale Automobil- und Motorradrennen am gleichen Tage. Die besten Fabrik- und Privatfahrer am Start Sonntag, 8. Oktober 1939, 9—17 Uhr: Schwamendinger Rundstrecke (5 km) EINTRITTSKARTEN für sämtliche Platzkategorien sind erhältlich: Sekretariate Sekretariate Aarau: A.o.».,Bahnhoiitr. «/i T.o.«.,Hauptpostt»b.Z.54 Luzern: Basel: A.C.I., BurffiJserpJati6 T.C.S., Streitgasse 3 St. Gallen: Bern: A.c.s.,w»u«nhau»pi.i/i T.C.I., Bundttgasse33 Winterthur: Kreuzungen: A.c.». Hauptstrasse e Lausanne: A.C.S.,SoeKM