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E_1939_Zeitung_Nr.059

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BERN, Freitag, 21. Juli 1939 Gelbe Liste Kummer 2M Cts. 35. Jahrgang — No 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS. PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5U. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Kleine Tips für grosse Pässe Ob Sie Ihr Wagen den Gestaden des Meeres entlang trägt oder durch die weite Ebene mit ihren vielfältigen Reizen, ob Sie durch die Wälder und Felder des Flachlandes oder der Voralpen streifen und diesen oder jenen Aus sichtsberg erklimmen, von dem sich der Blick weitet wie auf. einem Gipfel des Hochgebirges — Sie werden begeistert von einer solchen Reise heimkehren. Trotzdem: Das Schönste und Erlebnisreichste bleibt eine Fahrt durch die Berge. Rund 200 Paßstrassen überqueren in verschiedenen Höhen das Massiv der Alpen zwischen dem Erscheint jeden Diensten und Freltao Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe litte«* REDAKTION u. ADMINISTRATION: Ureitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegranjm-Adresse : Autorevue, Bern Geschätastelle Zürich : Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Dann die Steuerung: Der Wagen muss wirklich dorthin laufen, wohin man Ihn lenkt, was durchaus nicht überall sofort der Fall ist. Sie kennen doch jene Sorte von Autos, deren Lenkung ein so grosses Spiel aufweist, dass sich das « Lenken > eher zu einem Zielen gestaltet. Bei Begegnungen auf schmalen Alpenstrassen bleibt aber oft auf keiner Seite soviel Platz, als dass man sich Ungenauigkeiten in der Lenkung leisten könnte. Selbstredend muss der Motor einigermassen ab, ohne dass man Verziehungen usw. zu befürchten hätte. Häufige ganz kurze Halte mit abgeschaltetem Motor auf steilen Paßstrecken sind für den Motor ausgesprochen schädlich. Zur Betätigung der Kupplung gehört auf Paßstrassen eine gewisse Geschicklichkeit. Man muss es einfach ein paarmal probieren, auch in starker Steigung stossfrei anzufahren, indem die Bremse in jenem Augenblick gelöst wird da die Kupplyng zu greifen beginnt. Keine Hexerei, nur Uebungssache. Aber sie muss sowohl im Vorwärtsgang als auch im Rückwärtsgang gekonnt sein. Ueberhaupt: was ein tüchtiger Passfahrer ist, der manövriert seinen Wagen Zentimeter für Zentimeter vorwärts und rückwärts, ohne Ruck und ohne plötzlichen Eingriff der Kupplung. INSERTION S-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrOssere Inserate nach Spezialtarit. Inseratenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer: Internationaler Kongress der Strassen- und Kleinhahnen und der öffentlichen Kraftverkehrshetriehe. Klopffestigkeit u. a. m. Grosser Preis von Deutschland. Bergrennen Develier—Les Rangiers. Feuilleton: S. 2. Beilage: Der draufgängerische Ignorant bringt seinen Motor zum Kochen.., Semmering bei Wien und den Seealpen bei Nizza. Im Durchschnitt weitaus die höchsten entfallen auf die Schweiz. Mit Angst oder Mut ? Es gibt Leute, die in topfebenen Regionen zu Hause sind und vollkommen unbekümmert die Alpenpässe angehen. Sie bringen bei der Bergaufwärtsfahrt mit viel Geschick'und Geschimpf über die schlechte Konstruktion des Wagens den Motor zum Kochen, und sie fahren bergab im direkten Gang, so wie sie dies von'ihren hei- matlichen Hügelchen her gewohnt sind. Wenn sie an einem Baum landen, dann hat die Steue- Tung oder haben die Bremsen versagt.' Den Gegenpart dazu bilden jene, die mit ängstlicher Sorge und Zurückhaltung eine Fahrt in die Alpen antreten. Vorher bringen sie den Wagen in die Werkstatt, um ihn gründlich überholen zu lassen, sie selbst wälzen zu Hause Handbücher, um sich über die Gefährlichkeit der einzelnen Strecken zu unterrichten und ihnen womöglichst aus dem Weg zu gehen. Das eine ist so falsch wie das andere. Jeder moderne Wagen in gutem Zustande bezwingt bei richtiger Behandlung sämtliche Alpenpässe spielend. Von einer wirklichen Gefahr kann übrigens nicht gesprochen werden, wenn ... ja wenn der Fahrer sich stets im Rahmen seiner persönlichen Fahrkünste hält. Was für den einen noch durchaus sicheres und angemessenes Fahren bedeutet, das weder ihn selbst noch andere gefährdet, ist für einen weniger geübten Fahrer bereits ein tollkühnes und unverantwortliches Unterfangen. Die Grenze des eigenen Könnens erkennen — das ist für die Passfahrt die erste Parole! Mut oder Angst — keines von beiden! Wohl aber sollte jeder, der in die Alpen fährt, erfüllt sein von Ehrfurcht für das Wunder der Natur, das die Bergriesen schuf, und von .Hochachtung für die prächtige Anlage der Strassen! Technische Vorbereitungen für eine Alpenfahrt. Natürlich muss sich der Wagen in gutem Zustande befinden. Wir wollen da vorerst gar nicht vom Motor reden, sondern vor allem von den Bremsen. Sie sind das>Entscheidende. Sie müssen gleichmässig und kräftig wirken, und zwar so untadelig, dass man in jeder Steigung den Wagen zum Halten bringen kann, sowohl nach vorwärts als auch nach rückwärts. auf der Höhe seiner Leistung sein. Von gut dichtenden Ventilen und der richtigen Einstellung von Vergaser und Zündung hängt fast alles ab. Wenn der Motor zum Heisswerden neigt, lässt man das Kühlsystem reinigen. Auf gute Schmierung kommt sehr viel an. Vor einer grösseren Alpenfahrt wechselt man das Oel und sieht darauf, dass der Oelstand stets bis zum oberen Strich des Meßstabes reicht. Auch Getriebe und Differential müssen das vorgeschriebene Quantum Oel besitzen. Und nun die Kunst des Fahrens selbst. Eine Regel sei hier gleich in den Vordergrund gestellt: Stets ganz scharf rechts fähren. Immer wieder trifft man Fahrer, die auch in unübersichtlichen Kurven die Mitte der Strasse einhalten. So etwas gehört zu den automobilistischen Todsünden: bei plötzlichen Begegnungen heisst es dann den Wagen scharf nach rechts reissen, wobei es vielfach nicht mehr gelingt, am sandigen Strassenrand rechtzeitig zurückzulenken. Da ist es schon besser, man fährt von vornherein ganz rechts, besonders auch in Linkskurven. Das Wichtigste beim Passfahren ist natürlich das richtige Schalten. Eine Grundregel bleibt dabei vielfach unbeachtet: Man soll nie mit mehr als 3 A Gas fahren. Vollgas gibt man nur auf ganz kurzen Strecken, besonders zum Ueberholen. Kommt man mit % Gas nicht mehr durch, dann schaltet man auf den nächst kleirreren Gang. Bei Befolgung dieser Regel tritt niemals eine Ueberhitzung des Motors ein. Vielfach schaltet man kurze Halte ein, um sich von einem besonders schönen Punkt aus in den Anblick der Landschaft zu versenken oder um Aufnahmen zu machen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, den sehr heissen oder etwas vergrössertem Leerlauf weiterlaufen Motor nicht abzustellen, sondern auf Leerlauf zu lassen. Dadurch kühlt er sich inzwischen Die gefürchteten engen K e h r e n , in denen man reversieren musste, sind ja nun alle ausgebaut. Trotzdem kann es gelegentlich notwendig werden, den Wagen ein Stück zurückzusetzen. Dabei kommt es auf das richtige Zusammenspiel von Kupplung und Bremse an. Am besten übt man das zu Hause auf dem Platz vor der Garage, nicht erst im sonntäglichen Verkehrsgewimmel. Beim Schalten auf den kleineren Gang gibt man, wenn das Getriebe nicht über Schalterleichterungen verfügt, Zwischengas, wobei man kurz einkuppelt. Die Gänge müssen stets vollkommen geräuschfrei eingeschaltet werden. Viel wichtiger ist es jedoch, beim Wiedereinkuppeln jeden Stoss zu vermeiden. Und das geschieht dadurch, dass man gerade so viel Gas gibt, als der betreffenden Fahrgeschwindigkeit bei dem betreffenden Gang entspricht. Sollte doch mal, trotz aller Kunst, der Motor zum Kochen kommen, dann bleibt man stehen ILÖMJ der Aengstliche brütet zu Hause über Büchern, bevor er die Fahrt- antritt. und lässt ihn agf Leerlauf weiterlaufen, so dass Ventilator und Wasserpumpe arbeiten und eine rasche Abkühlung herbeiführen. Niemals in grosser Menge kaltes Wasser unmittelbar nachgiessen! Die Abwärtsfahrt. Eine alte Faustregel besagt, dass man abwärts mit dem gleichen Gang fährt, den man aufwärts benötigt. Eher aber noch einen kleineren Gang wählen! Grundsätzlich muss mit der Moforbremse auszukommen sein, so dass also bei längerer Abwärtsfahrt die Fussbremse oder Handbremse nicht benötigt wird.* Diese Bremsen bleiben dann kühl und voll wirksam und stehen* somit zur plötzlichen Verlarigsamung vor engen Kehren und zum vollständigen Anhalten bei Gefahren zur Verfügung. Üebrigens: beim Abwärtsfahren die Zündung nicht ausschalten* um ein Verölen der Kerzen zu vermeiden. Ist im Wagen ein Freilauf eingebaut, dann wird er für die Talfahrt, am besten aber für die ganze Fahrt in den Alpen ausgeschaltet. Steht man plötzlich vor einem besonders steilen G e f ä 11 e , tut ein jeder, der nicht wirklich ein Routinier des Alpenfahrens ist, am besten daran, wenn er den Wagen vollkommen anhält, den ersten Gang einschaltet und mit diesem das steile Gefälle bewältigt. Manches Unglück an solchen Stellen geht nur darauf zurück, dass der Fahrer mit dem direkten Gang in das Gefälle geriet und dann vergeblich das Umschalten auf den ersten Gang versuchte. Im Leerlauf geht es dann in sausender Fahrt bergab. Das lässt sich leicht vermeiden! Alpenfahren ist keine Hexerei. Ein bisschen Aufmerksamkeit und Anpassung an die besonderen Verhältnisse der Alpenstrassen — und es ist geschafft. Und zum Schluss noch einmal.- Sich niemals mehr zutrauen, als dem eigenen Können entspricht. K.-M. Eine Vereinigung für die frühere Oeffnung der Pässe im Gotthardgebiet. Zu Beginn dieses Monats ist in Andermatt eine Verkehrs-Interessengemeinschäft, bestehend aus den Gemeinde- und Talbehörden des Urserentals sowie den Verkehrsvereinen Andermatt und Hospenthal ins Leben gerufen worden, die ihre Hauptaufgabe darin erblickt, sich bei den zuständigen Behörden für eine möglichst frühzeitige Schneeräumung auf den Pässen des Gotthardgebietes einzusetzen. Auf der Erkenntnis dieser verkehrspolitischen und wirtschaftlichen Notwendigkeit waren denn auch alle Voten aufgebaut, welche an der Gründungsversammlung fielen. Darüber hinaus bedeutet die Inangriffnahme der Freilegung im Mai und Juni auch eine wertvolle und willkommene Verdienstquelle für die einheimische Bevölkerung. < Wir wissen» — schreibt die « Gotthardpost > dazu — « dass der Kantonssäckelmeister nicht aus dem Vollen schöpfen kann und mit seinen Geldern haushälterisch umgehen muss. Unverständlich ist es uns aber, dass mit dem Schneeräumen erst dann begonnen werden darf, wenn nur noch für so und soviele Franken Schnee wegzuräumen ist (von uns