Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.060

E_1939_Zeitung_Nr.060

AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 25. JULI 1939 — N° 60 Die rahrzeugindustrie an der Landi I. Montage und Serienkarosserie. « Holka »-Karosserie auf Viersäulenhft der;- Serva-Technik, im Hintergrund ein Labico-Leuchtwegweiser. 4plätzig»s Ford-Cabriolet, karossiert durch die Carrosserie Langenthai A.-G Kühlergehäuse und -elemente, daneben das jüngste Kind der Zubehörindustrie, Lufterhitzer und Luftkühler zur Luftkonditionierung geschlossener Räume; kühl im Sommer, warm im Winter. Die Schwerindustrie ist hervorragend am Automobil beteiligt: Räder, Vorderund Hinterachsbrücken aus Schweizer Eisen- und Stahlwerken. Ein weltbekanntes Schweizer Fabrikat: Die elektroinechamschen ; Getriebe Marke COTAL. Wenn man beim Betrachten unserer Industrieerzeugnisse im Verkehrspavillon so 30, 40 Jahre zurücksinniert, so beschleicht das Herz des damals jungen, heute gräulichen (nicht greulichen, bitte!) Automobilisten eine stille Wehmut. Wo sind sie hin, die guten, währschaften Schweizermarken, wo sind die Turicum, Pic-Pic, Fischer, Martini und wie sie sonst noch alle hiessen, deren Erzeugnisse der damals jungen, kräftig aufstrebenden Personenwagenindustrie auch im Auslande einen guten Namen besassen, die damals schon Leistungen vollbrachten, die heute noch vom Ausland nachgeahmt und ah Spitzenleistungen gewertet werden. Sie meinen, ich hätte jetzt eben den Mund etwas voll genommen? Bitte schön, wurde nicht vor erst zwei oder drei Jahren die Ersteigung des Rigi auf den Schwellen der Rigibahn durch einen ausländischen Personenwagen allenthalben bestaunt und, nebenbei bemerkt, mehrfach angezweifelt? Und hat nicht ein Martiniwagen in den ersten Jahren unseres händelsüchtigen Jahrhunderts das gleiche Kunststück auf einer ebenso giftigen Bergbahn am Genfersee vollbracht? Na also! Diese junge, vielversprechende Industrie musste nach langem Kämpfen vor dem über weit ausgedehntere Möglichkeiten verfügenden Ausland die Segel streichen und als letzte Erinnerung verbleiben die verschiedenen Montagewerke, die allerdings kaum als selbständige Gebilde, sondern eher als Anhängsel der grossen ausländischen Konzerne gewertet werden müssen; aber auch so wollen wir schliesslich zufrieden sein, gibt doch auch diese Pseudo-Automobilproduktion nahezu 1000 Arbeiterfamilien Arbeit und Brot mit einer jährlichen Ausgabenswnme für Löhne und Schweizermaterial von über 9 Millionen Franken. Zwei grosse Weltkonzerne, die General -Motors in ihren bekannten Montagewerken in Biel, und Chrysler (neuerdings auch Willys) bei Saurer, beziehen die Einzelteile ihrer Fahrzeuge aus ihren Werken und lassen aus ihnen im Verlaufe der Fliessarbeit die bekannten formschönen Personenwagen entstehen, die sich von ihren amerikanischen Brüdern äusserlich in gar nichts, im Gebrauch nur dadurch unterscheiden, dass sie ihnen an Qualität überlegen sind. Zu ihnen gesellt sich als dritte im Bunde die «Holka> in Altstätten, die jedoch in der Struktur insofern von den andern beiden Werken abweicht, als sie von der deutschen Auto-Union die DKW-Chassis fertig bezieht, dafür aber die Karosserie in Serienarbeit von hinten bis vorn und bis zum letzten Nagel aus Schweizerholz und Schweizerzubehör selbst anfertigt. Die «Holka> verdankt ihr Entstehen dem Wagemut und der klugen Voraussicht eines jungen Schweizeringenieurs, der bereits vor Jahren erkannte, dass der damals im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung sich abzeichnende Uebergang weiter Kreise vom Grosszum Kleinwagen nicht eine vorübergehende Erscheinung, sondern für einen langen Zeitraum die Regel sein werde und darauf das Unternehmen aufbaute, das seither einer beträchtlichen Zahl von Holzarbeitern im st. gallischen Rheintal ihr Auskommen sichert. Wenn man nun die «Holka> weniger als Montagewerk denn als Karosseriefabrik anspricht, so scheidet sie von unsern andern schweizerischen Karosserien wieder ein grundlegender Zug: Sie können bei ihr keine Karosserie für Ihren Wagen kaufen, sondern es gibt bei ihr nur Serienfabrikation und wenn Sie unbedingt eine €Ho!ka»-Karosserie haben wollen, so müssen Sie sich schon dazu bequemen, ein Minimum von 50 Stück zu bestellen. Heute liefert sie ausschliesslich für DKW, wir würden uns aber nicht wundern, wenn nächsthin irgendeine andere ausländische Fabrik sich die hier gebotenen Möglichkeiten zunutze machen würde. Das von ihr ausgestellte aufgeschnittene Modell eines DKW-Cabriolets zeigt nicht nur hohe Eleganz in der Linienführung, sondern auch die gute Qualität des verwendeten Materials, das, wie schon betont, bis zur letzten Faser schweizerischer Provenienz ist. General Motors und Saurer haben auf Ausstellung von Originalmodellen verzichtet, dafür bekommt man an Hand von zahlreichen Werkphotographien einen Einblick in das Entstehen eines General Motors- oder Chryslerwagens, wie man ihn in solcher Detaillierung sonst selten haben kann. Von der Ankunft der ausländischen Teile über das Auspacken und Reinigen derselben wohnt man zuerst der Zusammensetzarbeit und dem Schweissen der Karosserie zu einem Stahlpanzer bei, wofür die Einzelteile in einem Rahmen befestigt bzw. aufgehängt werden. Schon hier kommt die Schweizerindustrie zu Hilfe, die besagten Rahmen liefert. Steht einmal das Gerippe im Rohbau da, so geht es auch schon sofort zur Montage der Türen und Vorbereitung für das Aufspritzen des äussern Gewandes, des Sprifzlackes, bei dem die Schweizerindustrie durch diverse Lackfabriken, wie Eclatin in Soiothum und die Schweiz. Duco-Fabrik in Altstetten ihren zweiten Gutpunkt bucht. In der gleichen Zeit sind auf der andern Montagelinie die Chassis zusammengenietet, die Motoren eingesetzt, Kotflügel und Kühler angebracht, überhaupt die ganze Chassismontage vollendet worden,- plötzlich laufen die beiden Linien zusammen und von oben senkt sich die fertig lackierte und gepolsterte Karosserie, die Pneus rollen herbei, als letzte Arbeitsleistung bringt das Fliessband den fertigen Wagen zur Einfüllstation für Benzin, Oel und Wasser. Es kommt noch die letzte Kontrolle der Scheinwerfer auf ihre Einstellung, der Vorderräder auf Sturz und Vorlauf, und für das weitere ist das Automobil in der Hand seines Fahrers nun selbständig geworden. 4türiges Cabriolet der Carrosserie Langentharl A.-G. Ein Ausschnitt aus der Schau des Schweizerischen Garrosserie-Verbandes. Qualitätsprodukte der schweizerischen Lastwagenindustrie: Im Vordergrund 6-Zyl.-Dieselmotor mit 8-Ganggetriebe für Lastwagen und Omnibusse. Spitzenleistung 105 PS bei 1900 U/min. (Fabrikat Berna A.-G., Ölten). Im Hintergrund 8-Zyl.-Dieselmotor für Lastwagen und Omnibusse, Spitzenleistung 140 PS und 2000 U/min. (Fabrikat A.-G. Adolph Saurer, Arbon).

flJO 60 — DIENSTAG, 25. JULI 1939 AUTOMOBIL-REVUE 19 Was West und Ost an Wagen alles bauen auf engstem Raum vereint ist's hier zu schauen Ständige Automobil-Ausstellungen