Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.066

E_1939_Zeitung_Nr.066

BERN, Dienstag, 15. August 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang W No 66 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jthrlieh Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5u. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste*" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach SpezialtarU. InseTatenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer u „ jeuebuteik &el Hennen Die Torliegende Nnxnmer enthält die ,,G«md-Prbe-Beflage M . Wollen nicht auch Sie einen Blick hineinwerfen? Eine der unangenehmsten Erinnerungen aus dem Sporfsleben ist mir der Start zu einer Bergprüfung an der Solitude vor sehr langen Jahren. Die Wagen und dahinter die Motorräder waren bergauf unterhalb des Startbandes aufgereiht. Wie damals üblich, liefen alle Motoren mit freiem Auspuff und die Wagenführer pumpten eifrig Druck auf ihre Treibstoffbehälter. Einem der vordersten Wagen platzte dabei der Tank, und 30 oder 50 Liter Benzin liefen die Strasse bergab, entlang der Kolonne knatternder Fahrzeuge aller Art. Glücklicherweise passierte nichts. Er gelang uns, in kürzester Frist alle Motoren zum Stillstand zu bringen und sämtliche Raucher rechtzeitig zu entfernen. Aber verfl.... gefährlich war die Kriegslage doch. Seit dieser Zeit war ich lange Jahre hindurch bekannt für mein Interesse an Feuerlöschern bei Start- und Zielstellen, sowie ganz, besonders bei den Boxen von Rundrennen. Heute gehören neuzeitliche Feuerlöscheinrichtungen dabei zu den Selbstverständlichkeiten. Die letzten Fälle von von Brauchitsch und Meier haben gezeigt, wie wirkungsvoll solche Anlagen sind und wie zielklar und rasch vernünftige Menschen damit im Ernstfall der unheimlichen Gefahr des Treibstoffbrandes zu begegnen wissen. Der Wagen brennt! Flammen und Rauch um Bfauch'itsChs Mercedes am Grossen Preis von Deutschland 1938. Oben (Bild 1): Der Wagen fährt an d«r Boxe'zum. Tanken vor, die Mechaniker walten ihres Amtes, Brauchitsch, ein Tuch über dem Nacken, stärkt sich, Neubauer überwacht die Geschichte und Dir. Sailer steht daneben mit der Stöppuhr in der Hand. Der normale, übliche Anblick... Bild 2: Eine" Sekunde später — etwas Brennstoff ist verschüttet worden, er. läuft am Heck hinunter, entzündet sich am glühenden Auspuffrohr. Flammen züngeln, lohen bald hell empor. Der Sitz ist leer — man hat Brauchitsch im letzten •• Moment herausgerissen. Bild 3: Rasende Eile und fiebernde Bewegung... Der Schaum-Feuerlöscher (über dem linken Hinterrad sichtbar) tritt in Tätigkeit.^ Bild 4: Der Brand ist bewältigt, Brauchitsch sitzt schon wieder am Volant und wird in den näch~ sten Sekunden davondonnern, umbraust vom tosenden Beifall für seine tollkühne Dräufgängerei. Und das weise« Zeug ringsum? Nichts anderes als die Löschmasse, welche den Schauplatz in eine Schriee/andsohaft verwandelt hat. Aber warum kommen derartige Brände bei Rennen so ungemein leicht vor, während sie doch sonst recht selten sind? Liegt es am Brennstoff, dem ganz besonderen «Saft> der Rennfahrer, oder an was sonst? Eigentlich müsste man sich noch viel mehr darüber wundern, dass überhaupt Treibstoffbrände so selten eintreten, als darüber, dass sie sich bei Rennwagen leicht ereignen. Denn jeder weiss von der Heimtücke der Treibstoffdämpfe. Handschuh-Wäschen mit Benzin genügt für verheerende Explosion und Brand, wenn man die Sparflamme in der Therme zu löschen vergass. Aber der tägliche Umgang mit der Gefahr des Benzins — es ist 3--bis 4mal so energiereich wie Dynamit! — und der anderen Treibstoffe macht gleichgültig gegen diese Gefahren. Wenn man bedenkt, dass beim Tanken von 50 Liter Benzin genau 50 Liter benzmdampfgesättigte Luft aus dem Tank des Fahrzeugs verdrängt werden und dass diese schweren, brennbaren Dämpfe, mit Vorliebe weithin herumkriechen,-dann bleibt es wirklich verwunderlich,.wenn Tankstellenbrände nicht zu den Alltäglichkeiten gehören. Die Erklärung für diese merkwürdige Tatsache? Nun, die Aussenluft ist fast stets so bewegt, dass sie verhältnismässig rasch die ja ziemlich langsam austretenden Dämpfe auf das unschädliche Mass verdünnt, wie bei den giftigen Leerlaufgasen der Benzinmotoren: Im Freien kommt diese Giftigkeit wegen zu rascher, Verdünnung nicht zur Wirkung. Im geschlossenen Garagenraum oder bei Undichtigkeiten der Abgasleitung im geschlossenem Wagen aber bringen sie nur zu rascb den Tod.- • , Die Treibstoffe der neuzeitlichen Rennwagen sindanders zusammengesetzt als unsere Fahrbenzine. Sie enthalten in grosser Menge Alkohole, besonders den .leichtsiedenden Alkohol Methanol. Und obwohl sie einen kleineren Heizwert besitzen als Benzin, gestatten sie trotzdem höhere Literleistungen der Motoren,