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E_1939_Zeitung_Nr.066

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18 AUTOMOBIL KEVUC

18 AUTOMOBIL KEVUC DIENSTAG, 15. August 1Ö39 — N° 66 Jahre gezeigt. Er wurde Sieger Irin Grossen Preis von Tripolis auf dörrt neuen l,$tit»fi-R«nnwägen, er siegte Im Grossen Preis von,Pau r Jm Elfelrennen auf dem Nürburgring, im Grossen Preis vöri Belgien und In den Bergrennen von Wien und Grossglocknerl - ,,,., »• -•; Eine einmalige Erfolgsserie, absolut nicht zufällig und rätselhaft^ wenn man den Menschen Lang ein wenig näher kennt! . : ' Der schnellste Mann — ein guter cSchwob». Es gibt grosse Sportsleute, die das Leben der «Leute von Welt» führen. Dazu gehört Geld, Müssigsein und sehr viel Glück. Sportsleute, die Erfolg haben wollen, die immer kampfbereit sein müssen, können sich das nicht leisten. Sie sind genügsam, denken nur an ihre Aufgabe, suchen sich stets in Höchstform zu halten. Der eine macht's so, der andere macht's anders. Viele betreiben einen Ausgleichssport, sie spielen Tennis und Golf, sind begeisterte Jäger oder Angler, sie machen Waldlauf, sie schwimmen, sie reiten, sie laufen Ski, wie es gerade kommt. Und in den Bars der grossen Hotels nehmen sie, wenn man mal dort einen findet, ein Glas Orangensaft, was wiederum junge Mädchen als läppisch und unsportlich empfinden! So ist das nun einmal. — — Und Hermann Lang? Er schöpft seine Kraft aus der Heimat, indem er das geblieben ist, was er war: ein guter, biederer Schwabe und Bürger. Der Erfolg hat auch ihm was eingebracht. Er Kaufte sich Hauser dafür und ist Im «Privatberuf» Hausbesitzer. Er hat selbst ein kleines Häuschen oben am Berg, das er jetzt an seinen Bruder verkauft. Ein neues ist im Bau begriffen, denn er muss Platz schaffen — für all die Preise, die er aus aller Welt mit nach Hause brachte. Es wird ein gutes, ein solides Haus, und seine Freunde bauen es, die «Kegelbrüder» Hermann Längs. Denn — Kegeln, das ist sein Ausgleichssport; er ist nicht nur Deutscher Bergmeister, er ist auch der «Kegelmeister Cannstatts». Ueberall wo es nur geht, sind seine Kegelbrüder dabei, wenn «Hermännle» startet. Und sie müssen starke Daumen haben, da sie ihm so viel Glück einbrachten I «Ja, und in der Freizeit, wenn Sie wirklich nicht wissen, was Sie in Cannstatt tun sollen, was treiben Sie da, lieber Lang?» Hermann Lang spricht wiedeVurri nicht viel, bittet mich, ihm zu folgen, und wir fahren jetzt hinaus ins schwäbische Land, er, die junge Frau Lydia und Hasso, der Schäferhund. — Wenige Kilometer von Cannstatt entfernt liegt das Remstal, ringsherum von Weinbergen umeben. Dort hat Lang auf herrlicher Höhe, über § eutlesbach gelegen, ein Wochenendhaus. Die Bürger von Beutelsbach grüssen ihren «Ehrenburger Hermann Lang». «Aha, der Lang kimmt!» Sie sagen nicht «Herr Lang», sie sagen einfach «der Lang» oder «Hermännle». Dann sind wir obenl Ein prachtvoller Ausblick Tns weite grüne Land. Frau Lydia öffnet die Türe und stösst die Fensterläden auf. Das also ist das «zweite zu Hause». Alles nett und praktisch eingerichtet. Ein Bergblumengarten davor, Obstbäume, Gemüse, alles'selbst angeregt/'ddPurn ein «Mäuerle», ebenfalls selbst angelegt, dahinter ein ist schön, von allem nichts mehr zu wissen und grosser Holzstoss für den Winter, ebenfalls selbst viel allein zu seinl» — gesägt und klein gemacht. Man sieht's: in allem Woher also der Erfolg? — Gesundheit, Gradheit, das ist die Kraft dieses Mannes, den man ein Schwabe I , tAlso, da gefällt's uns, da hausen wir, und das den erfolgreichsten des Jahres 1939 nenntl Wenn es ihnen ganx gut geht, essen sie dann? JUtii Btttrfuss ist viel zu faul zum Aussuchen und isst und trinkt, was seine charmante Frau Chouchou ihm aussucht, vorlegt und einredet. Er widerspricht nicht einmal! Solche Ehemänner wollen wir schon lange haben I (Kewtann £OHQ- «Das Herrmännle», wie sie ihn alle nennen, macht seiner Frau Lydia das Leben nicht so leicht. Da heisst es parieren und kochen, was befohlen wird. Schlagwort ist «Spätzle» und um dieses herum gruppieren sich die verschiedenen Lieblingsgerichte: Spätzle mit Sauerkraut, Spätzle mit frischen Bohnen (sehr beliebt), Spätzle in allen Lagen und in allen Arten. Na ja, schliesslich ist das ja auch das Nationalgericht der Schwaben. Zur Abwechslung tut ein gutes Rahmschnitzel mit einem anständigen Bordeaux auch das Seinige. Für Süssigkeiten ist der schnelle Mann nicht zu haben. «Es muss schon was drin sein» ist die Devise - und die hat er ja bei seinen tempi auch und nicht nur beim Essen! RudiQtasse der lange, immer lustige Sachse mit dem nicht endenwollenden Humor hat jeden Tag eine andere Lieblingsspeise. Das regt an und bekommt besser, als immer die gleichen Nudeleien ... Heute ist es ein Spanferkel, das er verschlingt und morgen belustigt er sich mit einem Krammetsvogel. Er legt sich in keiner Weise fest und der Appetit vergeht, ihnj fast nie. Sein Sinn steht jeden Tag nach etwas anderem, gestern waren es Röstwürstchen und und in wenigen Tagen werden es Weinbergschnecken sein. Nur isst er ungern allein - er ist überhaupt kein Kostverächter, der lange Rudi mit seinen launigen Vorträgen, dem nimmermüden Magen, dem unübertrefflichen Mundstück und dem grossen Herzen ... 9ians Stuck «Zu Wasser und zu Lande» gibt es für ihn nur saure Nieren als Hauptgericht und Schildkrötensuppe zu allen Tageszeiten, mit Apfelstrudel oder Obstsalat ohne Alkohol, als Abschluss. Dieses Menü steht unabänderlich fest, an Wochen- und Festtagen wird es gewünscht und serviert und wenn die sauren Nieren mal ausgegangen sind, macht der lange Hans ein so «saures» Gesicht, wie man es sonst nie an ihm sieht. Als Ersatz kommt Schnitzel nature in Frage oder Beefsteak mit Ei. Unter dem Motto «Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht», lehnt er jede weitere Menüänderung ab. Den sauren Nieren ist er treuer als irgend ein Mann irgend einer Frau in der ganzen Welt! Jtaufced ». 3$caucfutsch Wenn er grossen Hunger hat und recht guter Laune ist, bestellt er sich einen Wurstsalat mit vielen Zwiebeln - doppelte Portion, und trinkt dazu einen Aquavit. Wenn er Zeit und Kasse hat - fährt er an die Waterkant und dort bestellt er sich folgendes Menü: Tomatensuppe - scharf; frischen Aal mit Lapp- kaus und zum Schluss einen steinharten, uralten Holländer Käse, den man mit den Fingern essen muss. Dazu trinkt er mehrere Aquavits und zum Schluss einen Bordeaux, den schon unsere Grossväter in Flaschen gefüllt haben. Qtexniann Jiüitec schwärmt und erwärmt sich immer wieder für Reibepfannekuchen. Was das ist und wie das gemacht wird, müssen die tüchtigen Hausfrauen wissen. Abgesehen davon reizen ihn frische Schlachtplatten ungemein. Er sucht deshalb Metzgerfeste an allen Orten und in den verschiedensten Ländern. Nach den sogenannten «Liebesmahlen» nach grossen Siegen spricht er gerne graukörnigem Kaviar zu, den er mit Zitrone anreizt. Dazu trinkt er: Champagner nature und zu den erstgenannten Gerichten ein «helles Pils». Xasia Thiixolaü Seme Genüsse sind eigener Art. Er schwelgt beinahe alltäglich in zwei rohen Eidottern (nach Siegen dürfen es auch drei sein), die er mit Zitrone beträufelt. Hühnchen bekommt er niemals satt und ein Glas Rotwein auch nicht. In Deutschland vertauscht er dieses mit Münchener Bier. Rudi Ccvtacciota Der Caratsch ist ein Geniesser und seine Lieblingsgerichte müssen sorgfältig und genauest zubereitet werden. Nicht ohne Grund ist Baby, seine Frau, eine Expertin der Küche und man sagt sich, dass man bei ihm zuhause das bewusste Filet en Casserole, mit Senfsauce und Gewürzen, besser zubereitet bekommt als im Ritz in Paris und in der «Landi» in Zürich. Als Vorspeise genehmigt der Rudi gern Schinken mit Melone und als Nachtisch Apfelsinen in feine Scheiben geschnitten. Hin und wieder ist er einem Glas französischen Champagner nicht abgeneigt, und um dieses mit Grund oft zu trinken, hat er ja nach seinen grossen Erfolgen in den letzten Jahren immer Gelegenheit gehabt MIT DEN NEUEN mit Sill.imahjt-lsoJator WERDEN SIE KERZEN DASS IHR BENZINVERBRAUCH TROTZ HÖCHSTLEISTUNG NIEDRIGER IST. Wenlger Benzin Grössere Geschwindigkeit mehr Kilometer und nie Störungen. SEIN, festzustellen, Dem Miodecaen Wollen Sie mit Ihrem Wagen auch auf den Steigungen unserer Bergstrassen restlos zufrieden sein, dann verwenden Sie für Ihren hoch komprimierten Motor den für solche Zwecke speziell geschaffenen Brennstoff: SUPER NOBEX Preist Fr;3.50 In allen Garagen erhältlich Ein NOBA-Produkt NOBA A.G. GENF BASEL

zum wenigsten auch meine jetzigen Erfolge zu verdanken » sagt Müller. < Fortuna wollte mir gar nicht lächeln und stellte mich auf manche harte Probe. Es ist wirklich nicht leicht, sich als Rennfahrer durchzusetzen und in die Spitzengruppe der europäischen Meii ster aufzurücken. Dabei ist die seelische Bell 0 66 — DIENSTAG, 15. Auguet 1999 AUTOMOBIL-REVUE 19 Hermann Müller und Georg 1 Meier von der Auto-Union erzählen Man hat s nicht leicht, während der Rennsaison einen der bekannten Fahrer einmal zu erwischen, um ihn — und wär's auch nur husch, husch — anzuzapfen und ein bisschen auszunehmen. Kaum ist ein Rennen zu Ende, bricht der ganze « Rennstall» wieder auf und in wenigen Stunden sind Fahrer und Rennleitung nach allen Himmelsrichtungen auseinandergestoben: Nuvolari nach Mantua, Müller nach Norddeutschland, Stuck nach Süddeutschland (an die oberbayrischen Seen, um nun auch Motorbootrennen zu fahren), Meier in sein geliebtes München zu « Radi und Bier », der lange Sachse Rudi Hasse in sein Heimatstädtchen Mittweida, und der Berliner Bigalke in die Reichshaupfcstadt. Nach wenigen Ruhetagen strömen sie dann alle wieder wie in einer Sternfahrt ins Land und an den Ort der nächsten Motorengroßschilacht. Müller — schon wieder auf und davon. Wir wähnten, den Sieger im Grossen Preis von Frankreich, Hermann Müller, in seiner westfälischen Heimatstadt Stade zu treffen. Es hat nicht sollen sein !, denn als wir dort ankamen, erfuhren wir, dass er nach einer Feier durch seine Landsleute gleich wieder abgereist sei. Und nun sitzen wir hier in Ferleiten am Qroissglockner und können uns 1 endlich einmal ein wenig unterhalten. Hermann Müller (das « P» hat er gestrichen, um kein Pech mehr zu haben !) brachte sich ein starkes DKW-Motorrad mit, um sich darauf als Wagenrenrofahrer für den « Or. Bergpreis von Deutschland » vorzubereiten. Stück für Stück und Kurve für Kurve fährt er damit die Strecke ab, hält wieder, geht mal auch zu Fuss und studiert den Rennabschnitt wie kein anderer. « Ja, dieser Beharrlichkeit habe ich nicht anspruchung noch viel grösser und schwerer zu ertragen als die körperliche Anstrengung, die man aus Begeisterung für eine Sache und aus rein sportlichem Geist heraus vollbringt und im Rennen selbst noch steigert. » «Ich fahre jetzt seit 1937 den Auto-Ünton- Rennwagen. Sicher ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Doch was habe ich trotz aller Anstrengungen für Pech gehabt! Soll ich an meinen Sturz im Training zum vorjährigen Grossen Preis von Frankreich versuchte ? ! Was solche Schicksalsschläge Hermann Müller hat sich, wie ein Nuvolari, ein Lang und viele andere, vom erfolgreichen Motorrad-Rennfahrer zu einer Grosse des Volants durchgemausert. Vor kurzem noch sass er im Sattel der DK.W, heute bändigt er die paar hundert PS des Auto-Union-Rennwagens, den er im französischen Grand Prix zum Sieg und im Grossen Preis von Deutschland auf den zweiten Platz gesteuert hat. ennnera, an Pescara 1938, wo ich, an zweiter Stelle liegend, wegen Brennstoffmangels ausscheiden musste, oder gar an den Bremgartenwald, an den Gr. Preis der Schweiz im vorigen Jahr, bei dem ich in der drittletzten Runde aus der Bahn flog, als ich einem , andern schleudernden > Fahrer auszuweichen einem Manne bedeuten, der nur für seinen Sport leibt und lebt, vermag ein Fernstehender kaum zu fassen. Dass mich deshalb mein Sieg im Gr. Preis von Frankreich und mein 2. Platz im Gr. Preis von Deutschland um so mehr freuen, werden Sie nun vielleicht besser verstehen können.» «I bl not fürs redn » meint Georg Meier, der eben noch hinzukommt c I ka a not redn und will not redn. Dazu und zum schreibn san andarö Leit da!» c I fahr halt meine Renna was i ka and so schnell als was d'Maischina hergebn, dös is ganzi!» « Eigentli wollt' 1 heuer nur mehr für die Auto-Union-Rennwagen fahrn. Aber dann is mein Freund GaU auf der Insel Man tödlich verunglückt und BMW hat gsagt, i soll die Auto-Union doch bitten, dass sie mich heuer auch nochmal die Europameisterschaft für Motorräder in der Halbliterklasse verteidigen lisst Und ao fahr i jetzt oan Sonntag Motorradi und am nächsten an Rennwagn, wia's dl Termine erlaufen. > « Na, Reims war für Sie aber ein glänzender Anfangserfolg auf dem Auto-Union-Rennwagen !» < Ja, dös scho, mir is aba a sakrisch warm worn. Wia dea Wagn beim Tankn auf oamal brennt, i raus aus'n Sitz, am Boden hingschmissn, mei Freund Bigalke auf mich drauf und d'Flamme dastickt, dös war oans ! — Wias Feua nacha wieda aus war, weil a unsere Mechaniker wia da Blitz g'arbeit harn, bin i wieda eingstiegn und weita gfahrn und d'Franzosen ham ganz narrisch vor Begeisterung applaudiert!» (Nachseht, d. Red.): So gemütlich Meier beim Reden ist, so ungemütlich kann er werden, wenn er einmal losgelassen. Am Grossen Preis ist der bayrische Feldwebel leider nicht dabei, weil er kürzlich bei einem Motorradrennen gefahren ist < so schnell als was d'Mascihina hergebn >. Sie gab so viel, dass er einen « Zwangsaufenthailt > in einer Klinik nehmen musste.) r \ BASSADOR der REIFEN für schwere, schnelle Wagen So überlegen der Flugmotor dam gewöhnlich« Motor ist, so überlegen ist \EP) OOTANIN dun gewöhn* liehen Benzin. Klopffest! Kühlt den Motorl GENF 3, Rue Louis Duchosal ZÜRICH Wa Ichestrasse 32