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E_1939_Zeitung_Nr.069

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BERN, Freitag, 25. August 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 69 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5U. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Die Frage der sogenannten B enzinsparmittel An der Generalversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für das Studium der Motorbrennstoffe, die kürzlich in Zürich tagte, hielt Dr. M. Brunner, Abteilungsvorsteher der Eidg. Materialprüfungsanstalt, ein Referat über die sog. Benzinsparmittel, das wir hier im Auszug folgen lassen: Der Vortrag war eine vernichtende Abrechnung mit einem «Erwerbszweig», dessen Praktiken im Interesse der Gemeinschaft der Motorfahrzeugbesitzer einmal schonungslos ans Tageslicht gebracht werden müssen. Zu Beginn seiner Darlegungen zog Dr. Brunner einen scharfen Trennungsstrich zwischen jenen Brennstoffzusätzen, die einzig der Erhöhung der Klopffestigkeit und damit auf dem Umweg über eine Erhöhung der Verdichtung eine Brennstoffersparnis ermöglichen, weiter den Zusätzen zur Erhöhung der Lagerungsbeständigkeit des Benzins, zur Färbung gewisser Brennstoffsorten usw. einerseits und den direkt als Brennstoffsparer bezeichneten flüssigen oder festen Stoffen, die den Gegenstand der Untersuchungen bildeten. Alle jene an erster Stelle genannten Zusätze als vollkommen wertlos erkannt worden. besitzen eine wissenschaftlich festgestellte und allgemein anerkannte Wirksamkeit; die letztgenannten sind durch die Untersuchungen der EMPA in Verbindung mit der « Studiengesellschaft» Auch die ausgesprochenen Obenschmiermittel werden nicht in diese Untersuchungen einbezogen, deren Ergebnisse also nichts über den Nutzen dieser Stoffe aussagen, was zur Klarstellung des Bereiches der Arbeit ausdrücklich festgestellt sei. Die Erfinder und Verkäufer der «Benzinsparmittel», dieser wahren corpora delicti», , rühmen den von ihnen vertriebenen Stoffen die verschiedensten Eigenschaften nach, die sich sämtlich in der Verminderung des Benzinverbrauchs geltend machen wollen. Verbesserung der Gemischbildung und der Verbrennung, Erhöhung der Klpoffestigkeit, Obenschmierung, Verminderung des Ansatzes von Russ und Oelkohle und Abbau schon vorhandener derartiger Beläge nebst weiteren Wirkungen sind einige dieser Vorzüge, die sämtlich eine 10 bis 30% betragende Brennstoffersparnis ermöglichen sollen. Ausserhalb der Schweiz hat schon vor mehreren Jahren W. Ostwald das völlige Fehlen aller dieser Vorzüge festgestellt, und die Ver- F E U I L L E T O N Der Siedler. Roman von Heinrich Lämmlin. 5. Fortsetzung « Das mache ich gerne ! Nur waschen will ich mich zuvor und anders kleiden. Zur Feier des Tages darf auch der Wein nicht fehlen. Es soll ein ganz besonders schöner Tag werden. » Während der Sepp sein Werkzeug zusammenträgt, schreibt Lisbeth auf ein Blatt Papier alle die Dinge, die er im Dorfe holen muss. Sie kann sich Zeit lassen dazu, denn der Sepp geht noch hinüber zum Bach, um sich zu waschen. Er reibt so lange an sich herum, bis die Haut ganz Tot ist. Darauf kramt er im Zelt den besten Anzug heraus, den er hier auf dem Berge noch nicht getragen hat. «Der Rock ist mir zu eng geworden», sagt er zu seiner Frau. « Da kannst du sehen, wie breit ich durch die Arbeit geworden bin. » «Ein Riese bist du geworden!» antwortet Lisbeth. «Ja, ein wahrer Goliath bist du. Hast du nicht die grössten Bäume gefällt? — Jetzt musst du wahrhaftig einen andern Anzug haben.» Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Autor Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" RED AKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürieh : Lfiwenstrasse 51, Telephon 39.743 suche verschiedener Motorenbaufirmen und des Deutschen Benzolverbandes haben diesen Befund bestätigt. Die Prüfungen, denen eine grosse Auswahl der in Frage stehenden Geheimmittel unterzogen wurde, begannen im Jahre 1932, und aus den Ausführungen Dr. Brunners geht hervor, mit welcher wissenschaftlichen Objektivität und Zuverlässigkeit diese Untersuchungen an Stoffen vorgenommen wurden, deren Wirkungslosigkeit für jeden Sachverständigen im Grunde von vorneherein feststehen musste. Der Bereich dieser Untersuchungen erstreckte sich auf die Beeinflussung der Flüchtigkeit bzw. Vergasungsfähigkeit des Grundbrennstoffs, der Motorleistung, des Brennstoffverbrauchs und endlich der Klopffestigkeit. In einer Tabelle stellt Dr. Brunner die sämtlichen" Eigenschaften zusammen, die diesen Produkten von ihren Erzeugern und Verkäufern zugeschrieben werden. Diese Angaben können hier raumeshalber nicht wiedergegeben werden; erwähnt sei dagegen die reizvoll-ironische Bemerkung, dass nicht weniger als vier dieser Produkte als die besten der Welt bezeichnet werden. ; " - :;v • Unter sorgfältiger Belegung gibt der fasser der Arbeit die Ergebnisse seiner Untersuchungen wieder. Ueberall zeigt sich, dass die Behauptungen über die Vorteile der verschiedenen Produkte entweder Belanglosigkeiten betreffen, die für die Motorleistung und den Brennstoffverbrauch ohne Bedeutung sind, oder dass sie masslose Uebertreibungen, ja meist eigentliche Unwahrheiten darstellen. So zeigt sich, dass von einer Verbesserung des Anspringens der Motoren durch Erleichterung der Gemischbildung keine Rede sein kann. Auch das Beschleunigungsvermögen wird durch die « Benzinsparmittel» auf diesem Wege besserer Gemischbildung nicht beeinflusst. Aus einer vom Vortragenden im Lichtbild wiedergegebenen Tabelle ging hervor, dass selbst die allergenaueste Siedepunktbestimmung des den Untersuchungen zugrunde liegenden Basisbenzins ohne Zusatz und desselben Brennstoffes nach Beifügung des «Sparmittels» keine Unterschiede in den «Wenn ich keine andern Sorgen hätte, als den Anzug, so wäre es gut. Zeige mir was ich bringen muss; ich habe Eile.» Die Frau zeigt ihm, was er bringen muss, lacht ihn noch spitzbübisch an und schlüpft in das Zelt. Der Weg ins Dorf ist nicht weit. Trotzdem muss Lisbeth eine Stunde und etwas darüber warten, bis der Sepp zurückkommt. Die Zeit wird ihr aber nicht lange. Sie geht in den Wald und sucht Beeren; dann geht auch sie zum Bach und wascht sich. Lange Zeit kramt sie dann in ihrem Koffer herum. Endlich findet sie, was sie gesucht hat. Es ist ein weisses Kleid, das Kleid, das sie trug, als sie dem Sepp zum erstenmal begegnete. Sie musste es alle die Wochen, die sie im Walde weilte, im Koffer aufbewahren, und es ist etwas zerdrückt. Aber was schadet das? — Hier im Walde kann sie es tragen, und der Sepp wird sich auch so daran freuen. Nachdem sie fertig angekleidet ist, betrachtet sie sich lange Zeit im Spiegel, den sie an der Zeltstange befestigt hat, zupft hier etwas zurecht, findet da noch etwas auszubessern und kann sich nicht schön genug machen für ihren Mann. Endlich ist sie fertig und zieht eine grosse Schürze an, die sie vom Hals bis zu den Füssen einhüllt. Nur zur « M a ä gefundenen Ergebnissen zeitigt, die über die Fehlergrenze hinausgehen würden; eine eindeutige Herabsetzung des Siedepunktes samt der damit verbundenen erhöhten Flüchtigkeit war bei keinem dieser Versuche -festzustellen, womit die Mär von einem erhöhten Beschleunigungsvermögen und andern Zauberwirkungen zweifelsfrei widerlegt war. Genau dasselbe ergibt sich mit Bezug auf die behauptete Erhöhung des Gemischheizwertes nach Zusatz des sogenannten Sparmitteils, ja teilweise war vielmehr eher das Gegenteil festzustellen — ein Ergebnis, das keine Verwunderung erregt, wenn man der Beweisführung des Verfassers dafür folgt, dass diese Sparmittel den hundertfachen Heizwert selbst der an Heizwerten reichsten Superbrennstoffe besitzen müssten, um in der rezeptgemässen Verdünnung des Zusatzes dem Gemisch die Eigenschaften zu verleihen, die eine Brennstoffersparnis von Unter diesem Titel erschien im «Verbandsorgan der schweizerischen Grütlikrankenkasse» vom 31. Juli dieses Jahres ein Artikel, der auch 'das Interesse der Automobilwelt verdient. Sein Autor, Dr. med. Limacher, bespricht die Möglichkeiten von gesundheitlichen Schädigungen durch Lärm und Ltrftvergiftung, wobei er allerdings ausschliesslich von durch Automobile verursachten Störungen spricht. Der Artikel, .dessen Grundgedanken auch von unserer Seite nicht bekämpft werden sollen, schiesst allerdings weit übers Ziel hinaus und scheint aus einem gewissen Ressentiment gegen alles was Auto heisst entsprungen zu sein. Eine Entgegnung mag deshalb angezeigt sein, um die Dinge auf das richtige Mass zurückzuführen. Da wird zunächst auf Schädigungen des menschlichen Wohlbefindens durch hingewiesen. Dass heftiger Strassenlärm, an welchem in vielen Fällen selbstverständlich Motorfahrzeuge beteiligt sind, für viele Leute unangenehm, ruhe- und schlafstörend wirkt, sei nicht bestritten. Der Verfasser des Artikels verwechselt aber doch Ursache und Wirkung, wenn er schreibt: « Wie oft konstatiert man heute in der Sprechstunde bei kräftigen Menschen einen Nervenzusammenbruch, eine ausserordentliche Ueberempfmdlichkeit und nicht selten Verzweiflung und Vorsicht tut sie das, um sich nicht vorzeitig schmutzig zu machen. Wo der Sepp nur bleibt? denkt sie und trifft Vorbereitungen zum Kochen. Er müsste doch schon lange hier sein. Hoffentlich ist ihm nichts passiert... Auf der Strasse schleicht der Sepp heran. Wie ein Dieb nähert er sich dem Waldrand. Unter dem einen Arm trägt er einige Pakete, unter dem andern einen Geigenkasten und in den Händen hält er Weinflaschen. Hinter den Büschen, an der Strasse, bleibt er stehen und wartet, bis die Frau in das Zelt geht. Dann hetzt er in langen Sprüngen über die Lichtung, verbirgt den Geigenkasten hinter dem Zelte und ruft laut seiner Frau. « Ja », antwortet sie, « bist du endlich wieder da? — Du hast mich lange warten lassen.» «Ich war noch in der Säge. Die Eichen sollen morgen abgeführt werden. Ich brauche Balken und Bretter für die Hütte.» «Armer Kerl, selbst an unserm Festtag musst du noch arbeiten », bedauert ihn die Frau. «Es lag mir am Weg. Morgen müsste ich extra ins Dorf gehen. Aber ich habe mich beeilt und mich nirgends aufgehalten. » «Ei ja, ich will es dir glauben, obwohl ich lange warten musste. Nun könntest du mir - INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer In dieser Nummer s Unfallverhütung beim Vorfahren. Zuverlässigkeitsfahrt Lüttich- Rom-Lüttich. Von der Zündkerze. Um das neue bernische Autosteuergesetz. Beilage: 20 % bzw. eine 25prozentige KMometermehrleistung ergeben würden. (Schluss Seite 2.) Lärm und L ! Sa geht das nicht! Alle diese Dinge hat es schon in der geruhsamen Biedermeierzeit gegeben, wozu noch die damals bei jungen Damen so beliebten OhnmachtsanfäiMe kamen, die heute weniger mehr in Mode sind. Auch möchte ich Herrn Kollege Limacher sagen, dass ich in meiner hiesigen Sprechstunde auf dem Land, in einer durchaus motorarmeti Gegend, merkwürdigerweise viel mehr «Nervenzusammenbrüche» und nervöse «Ueberempfindlichkeit» feststelle, als in meiner früheren Tätigkeit in einer schweizerischen Großstadt. Er würde staunen, wenn ich ihm in meine Patientenkartothek Einblick geben könnte. Ernster zu nehmen sind die möglichen Schädigungen durch giftige Abgase. Glücklicherweise werden die an sich gefährlichen Auspuffgase in der atmosphärischen Luft rasch und gründlich verdünnt. Immerhin erscheint es möglich, dass an Stellen dichten Verkehrs in schlecht ventilierten Strassen eine chronische Vergiftungsgefahr entstehen und zu einenv Problem werden könnte. Es geht allerdings nicht an, die anscheinende Zunahme von gewissen Krankheiten einfach einer Vergiftung durch Verbrennungsgase zuzuschreiben. Vor einigen Jahren z. B. glaubten ernsthafte Wissenschaftler und Kliniker, den Lungenkrebs mit Wasser holen, sonst bekommen wir heute nichts zu essen.» Der Sepp holt Wasser, legt sich darauf neben das Zelt und schaut seiner Frau zu. Jede Bewegung, die sie macht, beobachtet er. Sie ist hübscher geworden, als sie früher war, denkt er und macht verliebte Augen. Lisbeth bemerkt es, aber sie tut, als habe sie keine Zeit, auf ihren Mann zu achten. Ja, heute ist ein besonderer Festtag in der Siedelung. Das Essen wird auf einem Tisch. serviert. Es ist kein richtiger Tisch, denn dafür hat es noch nicht gereicht; nein, es ist nur eine Kiste, über die Lisbeth ihr grosses, rotes Halstuch legt. Aber sie erfüllt ihren Zweck vollständig. Steine, auf denen man sitzen kann, liegen genug herum. Nachdem so alles vorbereitet ist, zieht die Frau ihren Schurz aus und präsentiert sich dem Sepp im weissen Kleide. «Hallo, du! » freut er sich. «Du hast dich heute ganz besonders schön gemacht. In letzter Zeit bist du überhaupt noch schöner geworden. Wenn ich nicht schon lange in dich verliebt wäre, so würde ich mich jetzt in dich verlieben. » « Was du nicht sagst! Mir geht es nicht so. Ich habe einen weissen Mann geheiratet, und nun ist er ein Neger geworden! > So scherzen sie zur Mahlzeit, und' die Zeit