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E_1939_Zeitung_Nr.071

E_1939_Zeitung_Nr.071

BERN, Freitag, 1. September 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 71 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PR EISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.5u. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Dia achtgespalteneSä mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 GrSssere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Ausgaben und Einnahmen der Kantone für das Strassenwesen 1. Ausgaben. Das Motorfahrzeug verlieh den Strassen erneut eine grosse Bedeutung als Träger des Verkehrs und die intensivere Beanspruchung musste sich auch wirtschaftlich in einer allgemeinen Ausdehnung des Budgets für die Kommunikationen auswirken. Für längere Zeitabschnitte fehlen leider zuverlässige Angaben über die Rechnungen, sowie den Stand des Ausbaus. Mitte der Zwanzigerjahre begannen das Eidg. Oberbauinspektorat und die Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner (VSS) mit umfassenden Erhebungen, die seither zu einer vollständigen Statistik geführt haben. Die vom Oberbauinspektorat gesammelten Ergebnisse werden von der Geschäftsstelle der VSS verarbeitet und im Organ «Strasse und Verkehr > periodisch veröffentlicht. Kürzlich wurden nun die Angaben für das Jahr 1937 bekanntgegeben : Die Ausgaben für den «Unterhalt» zeigen leicht rückläufige Tendenz. Es bestätigt sich eben, dass die dauerhaften Hartbeläge einer geringeren Wartung bedürfen. Innerhalb der Rubrik «Unterhalt» nahmen lediglich die Posten für die Schneeräumung und Verschiedenes (Wetterschäden) von 1936 auf 1937 geringfügig zu. In den Jahren 1932/33 erreichten die Auslagen für < Verbesserungen » mit 55 Mill. Fr. ihr erstes Maximum. Man hätte erwarten können, dass während der Krisenjahre 1934/35 der Ausbau als Mittel zur Arbeitsbeschaffung auf breitester Basis in Gang gesetzt würde. Die relativ günstigste Gelegenheit für Strassenbauten wurde wegen Finanzierungsschwierigkeiten verpasst. Trotzdem von Seiten der Verkehrsinteressenten rechtzeitig auf die Notwendigkeit der raschen Artpassung unserer Alpenstrassen hingewiesen wurde, verzögerte der Bundesrat die Behandlung der dringlichen Frage derart, dass sie erst nach der Abwertung ihre Lösung fand. Durch den Bundesbeschluss vom 4. April 1935 sind dann für den Ausbau der Alpen- strassen 1936 4 Mill. Fr. und 1937 7 Mill. Fr. bereitgestellt worden. Diese Subventionen ermöglichten in den Gebirgskantonen eine regere Bautätigkeit und man kann aus verschiedenen Anzeichen schliessen, dass der Wiederanstieg der Verbesserungskosten mit dem Beginn der Modernisierung der Alpenstrassen zusammenhängt. Von den 3 Millionen Mehrausgaben für Verbesserungen gegenüber 1936 entfallen fast 2 Millionen auf Strassenkorrektionen (Verbreiterungen, Entwässerungen usw.) Im Zeitraum 1932/35 entstanden an grösseren Neubauten der Passwang, die Zufahrtsstrassen zum Völkerbundsgebäude in Genf, die Gandriastrasse und die neue Verbindung Wil-St. Gallen. Seit der Vollendung dieser Werke fielen die Kosten für Neubauten wieder auf den Normalstand. Die unterschiedlichen Bewegungen hin- Die Ausgabenkurve nahm folgenden Verlauf: Jahr Staats-Str.-Netz Unterhalt Verbesserungen Neubauten Total km Fr. Fr. Fr. Fr. 1930 14 960 28 760 163 44 874 781 2 630 141 78 547 984 193-1 - 15 759 -29 531212- 52 425 939 5 306 906' 89 540 493 1932 16 339 27 834 669 54 643 170 " 8 475 561 93 390194 1933 16 384 28 301463 54967 942 8 848 985 94 565 808 1034 16 154 28 230 095 50 881898 8 600 242 90168 650 1935 16 517 29 091185 42 698 931 6 027 184 80269 801 1036 16 485 27 635 639 47 179 616 2 809 643 80122 895 1937 16 563 27 449 747 50 378 208 2 823 298 83144 855 sichtlich des Postens « Verbesserungen » beeinflussten die Gesamtaufwendungen am stärksten. 2. Einnahmen. Die Zusammenstellung der VSS enthält drei Haupteinnahmewiuellen : 1. die Nettoeinnahmen aus Verkehrsabgaben; 2. die Anteile der Kantone an den Brennstoffzöllen, und 3. die Bundesbeiträige. Der erste Posten setzt sich aus den Motorfahrzeugsteuern, den Fahrradgebühren und den Motorfahrzeuggebühren zusammen. Offenbar sind davon aber die Verwaltungsspesen der Motorfahrzeugkontrollen bereits in Abzug gebracht. Seit 1925 erhalten die Kantone pro Doppelzentner Benzin 5 Fr. Nach der Erhöhung des Zolles für Gasöl (Dieselöl) räumte der Bund den Kantonen einen entsprechenden Anteil ein, so dass sich die Bezüge der Kantone seit dem zweiten Semester 1935 aus zwei gleichen Komponenten zusammensetzen. Der an sie abgeführte Gesamtbetrag hängt also von der Einfuhrmenge bzw. vom Verbrauch an Treibstoffen zu motorischen Zwecken ab. Art. 30 der BV verpflichtet die Eidgenossenschaft, jährlich an Graubünden 400.000 Fr., an den Tessin 400.000 Fr., an Uri 160.000 Fr. und an das, Wallis 100.000 Fr. auszurichten, diese gebundene Subvention beläuft sich auf insgesamt 1.060.000 Fr. Die Beiträge für den Ausbau der Alpenstrassen werden ebenfalls aus dem Benzinzollertrag entnommen, allerdings sind die bewilligten Kredite vorerst nur teilweise beansprucht worden. Es wurden 1936 2,5 Mill. und 1937 5,6 Mill. Fr. ausbezahlt. Nachstehende Zusammenstellung gibt über die Bewegungen der drei hauptsächlichen Einnahmenposten Aufschluss : K «innahmen Anttil« an J»hr aus Verkenn- Dek- Treibstoll- Dek- Bundes- Dekabcatun kunt Jollen kirnt beitrage kung Fr, '/. Fr. •/. Fr. •/. 1930 24 673 857 31,4 8 996 808 11,5 1177 938 1,5 1931 28 384 818 31,7 10 233 436 11,4 1863 580 2,1 1932 29 815 700 31,9 11455 216 12,3 2 172 313 2,3 1933 29791044 31,5 10 921302 11,5 3 055 047 3,2 1934 30 299 221 33,6 12 230 882 13,6 3 575 548 3,9 1935 30 468 762 37,9 11887 322 14,9 3 403 399 4,2 1936 29 497 113 36,8 11 195 152 14,0 5 071 665 6,3 1937 30 505 456 36,7 11 146 742 13,4 9 466 487 11,4 Mit den Nettoeinkünften aus Verkehrsabgaben vermögen die Kantone im Landesdurchschnitt fast 37 % der Aufwendungen für die Strassen zu decken. Dieser Posten bedeutet für sie die wichtigste Finanzquelile. Die Benzinzollanteile gestatteten, die Kosten zu 11,5—.14,9 % zu bezahlen. Die Bundesbeiträge, in denen die erwähnten 1,06 Mill. eingeschlossen sind; gingen in den letzten beiden Jahren sprunghaft in die Höhe. Aber auch diese Erscheinung ist ganz natürlich, denn sie beruht auf der Ausrichtung von Beiträgen für Alpenstrassen. Mittels den drei Hauptposten konnten die Kantone im Jahr 1937 51.118.685 Fr. = 61,5 Prozent der Gesamtausgaben bezahlen. Bei den einzelnen Kantonen sind indessen beträchtliche Unterschiede zu beobachten. Der Tabelle ist zu entnehmen, dass z. B. Neuenburg allein durch die Verkehrssteuern 82 % seiner Strassenrechnung begleichen konnte. Anderseits entsprachen die Einnahmen aus Steuern von Uri nur 4,0 % seiner Ausgaben. Das auf den einzelnen Kanton entfallende Treibstoffbetreffnis richtete sich nach den Ausgaben der Jahre 1934/36, nach der Länge der Durchgangsstrassen und nach den Einnahmen aus den Verkehrstaxen. Da das komplizierte RechnungSverfahren auf die Aufwendungen frührer Jahre abstellt und die damaligen Steuereinnahmen in Abzug bringt, ändern die Deckungsverhältnisse von Jahr zu Jahr. In der Zusammenstellung erscheinen die aus den Treibstoffzollbetreffnissen gebildeten Deckungsverhältnisse gerade für jene Kantone, welche die Ausgaben stark vermehrten, deswegen relativ klein, weil die Ausgabenzunahme erst bei einer späteren Verteilung berücksichtigt wird. Oberstkorpskommandant Henri Guisan, der am 30. August von der Vereinigten Bundesversammlung zum General der schweizerischen Armee j»- wählt wurde. Fasst man die drei Deckungskomponenten zusammen, so erhält man folgende Reihenfolge.: 1. Neuenburg 104,6%; 2. Uri 97,6%; 3. Luzern 83%, 4. Obwalden 80,7%; 5. Graubünden 76,5%; 6. Zürich 70%; 7. Nidwaiden 68%; 8. Waadt 66,6%; 9. Wallis 66,2%; 10. Bern 62,8%; 11. Appenzell A.-Rh. 59,9%; 12. St. Gallen 59,9%; 13. Genf 59,9%; 14. Zug 58,4%; 15. Thurgau 56,9%; 16. Solothurn 55,4%, 17. Schaffhausen 52,2%; 18. Aargau 52,1%; 19. Tessin 50,6%; 20. Baselland 49,0%; 21. Obwalden 44%; 22. Freiburg 42,9%; 23. Appenzell I.-Rh. 42,3%; 24. BaseJstadt 35,3%; 25. Glarus 26,1%. Die Zusammenstellung besagt, dass Neuenburg einen kleinen Ueberschuss erzielte, also aus den ordentlichen Steuern keinen Rappen für das Strassenwesen benötigte. Ein solcher Aktivsaldo wäre für sämtliche Kantone leicht möglich unter der Voraussetzung, dass alle Erträgnisse aus dem Strassenverkehr für die Kommunikationen verwendet werden. Im Jahre 1937 nahm der Bund aus dem Strassenverkehr Fr. 68.482.370 ein, nämlich Fr. 53.627.000 Benzinzoll, Fr. 1.865.719 Gasölzoll und Fr. 12,989.651 Einfuhrzölle auf Fahrzeuge und Zubehörteile. Addiert man zu den 68,5 Mill. Fr. noch die 31,5 MilL Fr. Brutto einnahmen aus kantonalen Verkehrsabgaben, so resultiert eine Steuerbelastung von 100 Mill. Fr. Die Gesamteinnahmen von Bund und Kantonen übersteigen somit die Aufwendungen der Kantone um 17 Mill. Fr. An die Strassenkosten trug der Bund mit 20,6 Mill. Fr. nur geradezu zu einem Viertel bei, 48 Mill. Fr. behielt er zur freien Verfügung. F E U I L L E T O N Der Siedler. Roman von Heinrich Lämmlin. 7. Fortsetzung So sagt er zu Lisbeth. Die Frau nickt nur: «Du wirst schon wissen, was recht ist!» Als er den ersten Samen in die Erde legt, ist es ihm feierlich zumute. « Da legt ein Mensch ein Korn in die Erde. Es ist klein, und man sieht es kaum, und doch wächst eine Pflanze daraus auf. Ist das nicht ein Wunder? » So spricht er, mehr zu sich selbst, als zu Lisbeth. Auch die Frau empfindet die Grosse der Stunde. « Das ist sonderbar! » sagt sie. Sie findet keine anderen Worte, aber der Sepp versteht sie doch. « Ja, es ist sonderbar, Lisbeth! Mir ist es, als müsse ich mich ganz tief hinneigen zur Erde. Ja, ich fühle wieder, dass auch ich nichts anderes bin, als Erde. » « So ist es wohl, Sepp. Die Erde ist wie eine Frau! » Lisbeth errötet und blickt zur Seite, dann aber spricht sie doch weiter: « Die Erde ist so, wie ich bin! » Der Mann horcht auf. « Wie du bist? » fragt er und schaut die Frau an. « Ja, genau so! Ich weiss es jetzt, ich fühle es genau. Wenn dieser Boden die ersten Früchte trägt, so wird ein junger Mensch mehr auf der Siedelung leben! » Sie schaut ihrem Mann nicht in das Gesicht, nein, sie schaut auf den Boden und zum Himmel, sie schaut hinüber zu den Bäumen und scharrt mit den Füssen in der Erde, wie sie immer tut, wenn sie in Verlegenheit ist. Der Sepp steht da, als habe sich der Boden vor seinen Augen gespalten, so überrascht ist er. Was hat die Lisbeth gesagt! — Wenn die Erde die ersten Früchte trägt, wird ein junger Mensch mehr auf der Siedelung leben... Ja, das war deutlich, das kann man gar nicht falsch verstehen. Er muss aber doch noch einigemal schlucken, ehe er Worte findet. Dann legt er der Frau die Hände auf die Schultern, schaut ihr tief in die Augen und spricht: «Du Lisbeth! > — Kein weiteres Wort sagt er, aber in diesem Worte klingt alles mit, sein Glück, sein Stolz, seine Freude und Dankbarkeit. Lisbeth lacht glücklich auf, und sie arbeiten wieder weiter. Die Aussaat hat für sie jetzt noch einen tieferen Sinn und wird zur sakralen Handlung. Und immer wieder blickt der Mann die Frau an, als sehe er ein Wunder vor sich. Am Abend fragt er: « Wie lange weisst du das schon? » «Ach, schon einige Zeit. Ich wollte aber nicht darüber sprechen, so lange ich meiner Sache nicht ganz sicher war.» « Und jetzt bist du sicher? » « Ja, jetzt bin ich ganz sicher! » Der Mann denkt an die Zukunft. «loh werde die Hütte bald bauen müssen. Das wird nicht viel Mühe machen, denn ich Hess mir Balken und Bretter auf das richtige Mass zurichten. Wenn wir ein Kind haben, dann kannst du ja nicht mehr im Zelt wohnen.» « Wird die Hütte gross werden? » « Ja, sie wird uns für lange Zeit das Haus ersetzen können. Ich denke mir, sie wird eine kleine Küche und einen grossen Wohn- und Schlafraum haben. Auch eine Kammer soll nicht fehlen.» «Ich freue mich darauf, Spp. So lange wir allein waren, habe ich selten die richtige Wohnung venmisst, aber wenn das Kind da ist, dann wird das alles anders sein. Denke dir doch, wie das ist, wenn wir ein Kind haben! » « Ich begreife das noch nicht! » gesteht der Mann. « Wir waren so lange.allein und haben In dieser Nummer s Die kriegswirtschaftlichen Massnahmen des Bundes. Fussgängerstreifen. Bergrennen Casaccia-Maloja abgesagt Vergaser mit Sparvorrichtung.