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E_1939_Zeitung_Nr.071

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AUTOMOBIL-REVUE FREITAG,

AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 1. SEPTEMBER 1939 — N° 71 Die kriegswirtschaftlichen Massnahmen des Bundes Rationierung des Benzins Mit Verfügung vom 28. August 1939 hat das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement auf 29. August 1939 abOO Uhr eine provisorische Rationierung von flüssigen Kraft- und Brennstoffen eingeführt, um ©inen möglichst sparsamen Verbrauch der vorhandenen Vorräte zu gewährleisten. Während der Zeit, welche für die Einführung eines definitiven Rationierungssystems nötig wird — es wird sich ca. um 14 Tage handeln —, wird allgemein die gewerbsmässige Abgab© von flüssigen Kraftund Brennstoffen (Benzin, Benzol, Petrol, Alkohole usw. sowie Dieselöle aller Art für Motorfahrzeuge nur noch gegen Aushändigung von provisorischen Rationierungsschemen gestattet. Während der Dauer dieser vorläufigen Rationierung wird jeglicher Verkauf von flüssigen Kraft- und Brennstoffen für Heizzwecke, für gewerbliche und industrielle Zwecke untersagt. Nur in den allerdringendsten Fällen kann die Sektion für Kraft und Wärme des Kriegsindustrie- und Arbeitsamtes eine besondere Bewilligung erteilen. Die Motorfahrzeughalter, die flüssige Treibstoffe der vorerwähnten Art benötigen, können bei der kantonalen Automobilkontrollstelle ihres Wohnortkantons oder bei einer von dieser beauftragten Instanz provisorische Rationierungsscheine beziehen, die auf die Verkehrsnummer des Fahrzeuges lauten und nur für solche Fahrzeuge ausgegeben werden, für die schon bisher eine Verkehrsbewilligung bestand. Für die Dauer der provisorischen Rationierung wird eine Rationierungskarte verabfolgt für: A. Motorräder 1 Rationierungsschein über 20 Liter Vergasertreibstoff. B. Personenautomobile 60 Liter. Die provisorische Rationierungskarte für flüssige Kraft- und Brennstoffe, Form. B : Personenautomobil, äst in je 6 Felder eingeteilt, die zum Bezug von je 10 Liter Vergasertreibstoff (Benzin, Benzol usw.) ermächtigen. Diese Abschnitte besitzen nur Gültigkeit, wenn sie vom Verkäufer, also vom Tankstellenhalter, abgetrennt werden. Der anbegehrte Treibstoff darf nur in den Tankbehältern des auf der Karte vermerkten Personenautomobils abgegeben werden. Der Verkäufer ist verpflichtet zu prüfen, dass die vermerkte Polizeinummer mit derjenigen des tankenden Fahrzeugs übereinstimmt. Nach unsern Feststellungen war die Abgabe der Rationierungskarten ausgezeichnet organisiert, so dass innert kürzester Zeit dem Begehren der Automobilisten entsprochen werden konnte. C. Lastwagen unter 3 Tonnen 200 Liter, über 3 Tonnen 300 Liter. D. Diesellastwagen unter 3 Tonnen 200 Liter Dieseltreibstoff, über 3 Tonnen 250 Liter. E. Traktoren 100 Liter Dieseltreibstoff. Für Personenautomobile von Aerzten und Taxameterwagen werden während der Dauer der provisorischen Rationierung, soweit ein Bedürfnis hierfür nachgewiesen wird, zwei Rationierungsscheine ausgegeben. Halter von Motorfahrzeugen mit ausländischen Verkehrsnummern, die sich während der Dauer der provisorischen Rationierung in der Schweiz aufhalten, haben sich zum Bezug eines provisorischen Rationierungsscheins an die nächstgelegene Automobilkontrollstelle zu wenden. Die Ausgabe eines provisorischen Rationierungsscheins muss, um mehrfache Bezüge des nämlichen Fahrzeughalters zu verhindern, in dem Triptyk vorgemerkt werden. Ein über die Fahrbedürfnisse in der Schweiz hinausgehender Bezug von Treibstoffen durch ausländische Motorfahrzeughalter ist sinnlos, da das Eidgenö'ssiche Volkswirtschaftsdepartement gestützt auf den Bundesratsbeschluss über die Beschränkung der Ausfuhr vom 28. August verfügt hat, dass ausländische Motorfahrzeuge beim Verlassen der Schweiz im Maximum zehn Liter Kraft- und Brennstoffe in ihrem Tank mitführen dürfen. Es wird im Interesse des sparsamsten Verbrauchs an diesen wichtigen Kraft- und Brennstoffen, auf die wir bekanntlich vollständig auf den Import und die im Lande geäufneten Vorräte angewiesen sind, von jedem Verbraucher dringend erwartet, dass er nur noch diejenigen Fahrten ausführt, die absolut notwendig sind. Die zugeteilten Mengen sollen nicht ohne dringendes Bedürfnis verwendet werden. Ohne Rationierungsschein ist der Verkauf von flüssiger Kraft- und Brennstoffen nur noch gestattet an die Armee, an eidgenössische, kantonale und kommunale Behörden, an Postautohalter und Inhaber der Konzession A, soweit sie die Treibstoffe zu Pflichtfahrten benötigen. Diese vorerwähnten Bezüger, die sich ebenfalls der grössten Sparsamkeit befleissen, haben an Stelle des Rationierungsscheins dem Verkäufer eine von ihnen unterschriebene Bescheinigung abzugeben, in welcher enthalten sein muss : Datum, Verkaufsstelle, Art und Menge des bezogenen Kraft- und Brennstoffes, Name der kaufenden Behörde, der Militärperson (Grad und militärische Einteilung), des Postautohalters oder des Konzessionärs. Das gleiche gilt für die Abgabe von Treibstoffen an Wagen, die gestützt au', einen Stellungsbefehl auf den Schatzungsptatz geführt werden. Die Verfügung verpflichtet ferner alle Personen, die mit den umschriebenen flüssigen Kraft- und Brennstoffen Handel treiben, im Zeitpunkt des Inkrafttretens der vorläufigen Rationierung den genauen Lagerbestand der in Frage stehenden Kraft- und Brennstoffe wahrheitsgemäss festzustellen und über den Bestand laufend Buch zu führen. Eine Nachbelieferung der Detailverkaufsstellen, die gegen provisorisch© Rationierungskarten oder Bescheinigungen Kraft- und Brennstoffe abgegeben haben, darf nur noch im Umfang und gegen Abgabe der eingelösten Karten und Bescheinigungen erfolgen. Der die Detailverkaufsstellen beliefernde Verkäufer ist verpflichtet, Rationierungskarten und Bescheinigungen aufzubewahren, um die von ihm getätigten erlaubten Verkäufe zu belegen. Widerhandlungen gegen die Bestimmung dieser Verfügung wie insbesondere Verstoss gegen das generelle Verbot der gewerbsmässigen Abgabe von Kraft- und Brennstoffen ohne Ermächtigung durch Rationierungskarten oder Bescheinigung, jede irgendwie geartete missbräuchliche Verwendung von Rationierungskarten und Bescheinigungen, jede Verletzung der Pflicht zur wahrheitsgemässen und genauen Bestandesaufnahme und zur Buchführung über die Lagerbestände werden mit Busse bis zu 5000 Fr. bestraft. Beschlagnahmung von Lagerräumen für Treibstoffe. Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement hat seitens des Bundesrates die Ermächtigung erhalten, die Beschlagnahmung von Lagerund Tankräumen und Behältnissen anzuordnen. Diese Massnahme wird damit begründet, die zweekmässige Unterbringung der im Interesse der Landesversorgung angelegten Vorräte, vor allem an flüssigen Brenn-, Kraft- und Treibstoffen, sicherzustellen. Die Beschlagnahme soll jedoch nur in dringendsten Fällen angewendet werden, da die weitaus überwiegende Zahl der Eigentümer von Lager- und Tankräumen für flüssige Treibstoffe freiwillig ihre Kapazität gemeldet und zur Verfügung gestellt hat. Die Beschlagnahmung erfolgt gegen eine angemessene Schadloshaltung und soll nur in einzelnen wenigen Fällen in Frage kommen. Teilschliessung . von Grenzübertrittstellen. Mit dem 29. August 1939 ist ein Bundesratsbeschluss in Kraft getreten, gemäss dessen der Grenzübertritt mit Motorfahrzeugen auf folgenden Strassen und Strassenstücken beschränkt wird : a) Grenzübertritt von Deutschland her: Leopoldshöhe - Kleinhüningen - Basel, Grenzach - Basel, Lörrach - Riehen - Basel, Rheinfelden (Stadtbrücke), Koblenz, Ebringen, Thayngen, Konstanz - Kreuzungen ZoHhauptstrasse, Kreuzungen, St. Margrethen, Martinsbruck. b) Grenzübertritt von Liechtenstein her: Buchs. c) Grenzübertritt von Italien her : Taufers (Tubre) - Münster, Tirano - Poschiavo, Ghiavenna - Castasegna (Maloja-Route), Porlezza - Gandria - Lugano, Como - Chiasso, Ponte-Tresa, Simplonstrasse, Grosser St. Bernhard. d) Grenzübertritt von Frankreich her: Annemasse - Genf, St. Julien - Carouge - Genf, Gex - Femey, Grand Saconnex - Genf, Jougne - Vallorbe, Pontarlier - Les Verrieres, Delle - Boncourt, St. Louis - Basel. Auf allen andern Fahrstrassen ist der kleine Grenzverkehr von Fussgängern und Fahrrädern zugelassen. Jeglicher Grenzübertritt ausserhalb der Fahrstrasse ist verboten. Die Bestimmung über die Stellung der Motorfahrzeuge. Im Hinblick auf die vom Bundesrat verfügten Massnahmen sei auf die Bestimmungen der Verordnung über die Requisition und Einschätzung der Motorfahrzeuge hingewiesen. Demnach sind Motorfahrzeuge, deren Fahrausweise mit einem weissen, grünen oder roten Aufgebotzettel versehen sind, derart bereitzustellen, dass sie jederzeit auf die auf dem Aufgebotzettel bezeichneten Einschätzungsplätz© gebracht werden können. Die requirierten Motorfahrzeuge sind mit der Winterausrüstung zu versehen. Es ist ein Verzeichnis sämtlicher Zubehör (Werkzeug, Ersatzteile, Blachen, Verdunkekngsmaterial) zu erstellen. Die Fahrzeuge mit dem weissen Aufgebotzettel rücken am ersten Mobilmachungstag um 7.00 Uihr auf dem Sammelplatz ein. Für die Motorfahrzeuge, die mit gelbem oder grünem Aufgebotszettel belegt sind, werden besondere Weisungen erteilt. Militärdienstpflichtige und hilfsdienstpflichtige Motorfahrzeughalter oder -führer, die mit der Stellung von Motorfahrzeugen beauftragt sind, haben vorerst das Fahrzeug auf den Schatzungsplatz zu stellen und rücken erst nachher auf ihrem Korpssammeliplatz ein. Die Militärdienstpflichtigen tragen die Uniform und sind feldmässig ausgerüstet. Die übrigen Halter und Fahrer tragen feldtüchtige Kleidung und Ausrüstungsgegenstände (Rucksack, Umhängetasche oder Handköfferchen, zwei Paar stark© Schuhe, Mantel, Ersatzwäsche, Schlafdecke, Essgeschirr). Diejenigen Motorfahrzeughalter, die aus irgend einem Grunde verhindert sind, ihr Motorfahrzeug selbst auf den Schatzungsplatz zu bringen, haben damit eine Drittperson zu beauftragen. Dies gilt auch für Offiziere, höhere Unteroffiziere, die durch die Stellung des Fahrzeugs verhindert wären, rechtzeitig auf dem Korpssammelplatz einzurücken, und auch für Militärpersonen, die schon im Dienst stehen. Falls sie nicht in der Lage sind einen Führer damit zu beauftragen, oder wenn das Fahrzeug infolge Reparatur nicht betriebsbereit ist, so ist sofort bei Bekanntwerden des Mobilmachungsbefehls der Kommandant des betreffenden Schatzungsplatzes telephonisch oder telegraphisch zu benachrichtigen. Die requirierten Motorfahrzeuge werden entweder käuflich oder gegen Entrichtung eines Mietgeldes übernommen. Der Fahrzeughalter oder sein Bevollmächtigter haben der Einschätzung beizuwohnen. Die Fahrzeughalter sind verpflichtet, Schäden des Fahrzeugs anzuzeigen. Schäden des Fahrzeugs werden auf Kosten des Halters behoben. Kommt das Fahrzeug nach dem Dienst wieder zur Abschätzung, so erhält der Fahrzeughalter schriftlich oder durch öffentliche Aufrufe Kenntnis. nichts vermisst, und nun sollen wir zu dritt sein. Es ist schwer, das zu fassen, und ich wundere mich, dass heute ein Tag ist, wie immer.» « Was sollte auch anders sein ? Jeden Tag werden Kinder geboren, und die Sonne steht deshalb nicht stille ! Was sollte anders sein ? — Ich verstehe dich nicht! » So antwortet Lisbeth, aber ihre Augen glänzen vor Glück. « Nein, die Sonne steht heute nicht stille und wird nicht stille stehen, wenn das Kind zur Welt kommt. Aber für mich ist trotzdem heute ein grosser Tag, und der Tag der Geburt wird für mich bange Stunden bringen. Ich fürchte mich heute schon vor dieser Zeit. Vieles geschieht in einer Ehe, das Mann und Frau gemeinsam tragen können. Hier aber muss der Mann zur Seite stehen, kann nichts dazu und nichts davon tun, sondern nur hoffen und warten. Das ist es, was mich bedrückt, wenn ich daran denke ! > Lisbeth fasste des Mannes Hand. « Dummer Kerl! — Was sollte auch geschehen ? — Ich bin jung und stark, ich bin auch gesund. Ich begreife deine Furcht nicht! » Aber der Sepp schüttelt den Kopf. «Das kann eine Frau wohl nicht fassen. Es ist keine Furcht, es ist keine gewöhnliche Angst, sondern eine tiefe, unermessliche Bangigkeit, die mich erfüllt, wenn ich daran denke, dass ich nichts tun kann, sondern abseits stehen muss und warten. > Und wieder schüttelt er den Kopf. «Nein, Lisbeth, du wirst das verstehen. Ich freue mich und fürchte mich vor dieser Stunde.» «Ich bin so glücklich! » antwortet die Frau. « Für uns Frauen ist das die grösste Stunde des Lebens. Zu jeder andern Zeit steht der Mann bereit, um uns die Lasten abzunehmen und das Leben leichter zu mächen. Hier sind wir allein. Aus uns heraus schaffen wir das neue Leben. Das ist es, was" beglückt, stolz und demütig zugleich macht.» Lange schwiegen sie. « Es ist eigenartig, wie das so geht. Seit ich weiss, wie es um mich steht, muss ich immer wieder stillestehen und hinablauschen in mich. Ich weiss, dass es noch zu früh ist, und doch stehe ich stille. Wenn ich aber so nahe der Erde bin, wenn ich den Samen in die Furchen streue, dann habe ich das Gefühl, als sei ich selbst nichts anderes mehr, als so ein Stück sonnendurchglühter Fruchtboden. Jedes Tier, jede Pflanze ist mir näher als zuvor, und doch fühle ich mich als eine Welt für mich, als ein Kosmos, und ruhe ganz tief in mir selbst. Die Sonne hat tieferen Glanz, die Erde ist näher und gütiger, und ich bin in der Sonne und in der Erde und doch nur in mir selbst. — ]£b glaube, man kann nicht sagen, wie das ift ! » Erstaunt hat der Sepp die Frau angeschaut, jetzt nickt er mit dem Kopfe : « Nein, Lisbeth, das wird man nicht sagen können* Jedes Wunder verliert seine Grosse, wenn man es in Worte fassen will. Das Wort ist arm; es dringt nicht vor bis in die letzten Tiefen unseres Empfindens...» Lange sitzen sie noch, bis Lisbeth in der Kühle erschauert. Da blickt sie auf zu dem Manne. « Ich bin sehr glücklich, Sepp ! Wir sind sehr reich geworden auf diesem Flecken Erde. » « Ja, so ist es !» antwortete der Mann versonnen. Die beiden Menschen auf der Lichtung haben sich von der Welt abgesondert. Sie waren sich selbst genug, aber die Welt hat sie doch nicht vergessen. Im Dorf spricht man von ihnen und der Siedelung, und je mehr sie sich zurückziehen, um so grosser ist die Neugierde der Umwelt. Und die Neugierde nimmt sich die Zeit, um auf den Berg zu steigen. Es ist an einem Abend... Lisbeth ist gerade mit dem Essen fertig geworden und stellt die Teller auf die Kiste vor dem Zelt. Da kommt ein Mann — ein Herr — von der Strasse her. Er hat weisse Hosen und Schuhe an, trägt ein weisses Hemd und unter dem Arm einen weissen Kittel. Alles an ihm ist weiss, selbst das Haar. « Guten Abend!» sagt der Herr und bleibt vor dem Zelte stehen. Guten Abend ! > antworten sie. « Ich bin neugierig», fährt der Herr fort und sieht sich um. c Im Dorf hat man erzählt, dass Sie sich hier ansiedeln wollen. Da bin ich neugierig geworden und zu ihnen heraufgestiegen, um zu sehen, ob es stimmt Ich wohne selbst in der Nähe; dort drüben, das Haus hinter der Waldecke gehört mir. Wir sind also Nachbarn. Fürst heisse ich, Alois Fürst. » Der Sepp steht auf, stellt seine Frau und sich vor, und sie schütteln sich die Hände. < Ja, es ist die Wahrheit, was die Leute sagen. « Wir haben den Wald gekauft und wollen uns hier niederlassen», berichtet er dann. Lisbeth ist verlegen. Es ist eine Ewigkeit her, dass sie einem Herrn gegenüberstand. Ausser dem Briefträger kam ja noch kein Mensch auf die Siedelung, der ihr fremd war. Und jetzt steht sie da, ist nur halb gekleidet und muss dem fremden Manne Rede und Antwort stehen. Was wird dieser Herr Fürst von ihr denken ? — Und das ist der Sepp ! Nein, so ein Mann ! Er löffelt schon wieder an seiner Suppe und tut, als kämen täglich Menschen zu ihnen, um neugierige Fragen zu stellen. Jetzt brockt er auch noch Brot in die Suppe. (Fortsetzung folgt.)

N° 71 — FREITAG, t. SEPTEMBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE Q Fussgämyersfireifeii I. Grundsätzliche Ueberlegungen. Die Verkehrsabwicklung: zwischen Fahrzeug und Fussgänger steht in der Schweiz unter der Herrschaft der folgenden zwei Bestimmungen : Art. 35 MFG: «Der Fussgänger hat die Trottoire oder Fussgängerstreifen zu benützen und die Strasse vorsichtig zu überschreiten.» Art. 45 VV- cVor Fussgängerstreifen haben die Motorfahrzeugführer die Geschwindigkeit zu massigen und nötigenfalls anzuhalten, um den sich schon darauf befindenden Fussgängern die ungehinderte Ueberquerung der Fahrbahn zu ermöglichen. > Die Eigenart dieses Vorschriftenpaares besteht rechtlich darin, dass die Bundesgesetzgebung die dem Fussgänger auferlegten Pflichten streng genommen gar nicht durchsetzen kann, weil sie hierin die verfassungsmässige Zuständigkeit des Bundes überschreitet und bezeichnenderweise für die Uebertretung durch den Fussgänger auch keine Strafbestimmungen aufstellt, während der Automobilist und Radfahrer grundsätzlich straffällig wird, wenn er gegen die Regeln verstösst. Wenn sich an den Fussgängerstreifen oder Schutzwegen (wie wir sie aus grundsätzlichen Überlegungen lieber bezeichnen wollen) trotzdem eine leidlich befriedigende Verkehrsabwicklung herausbilden konnte und heute niemand mehr diese Streifen missen möchte, so rührt dies davon her, dass eine derartige Regelung der Beziehungen zwischen Fahrverkehr und Fussgänger schlechthin eine Notwendigkeit ist. Vor allem vorteilhaft wirkt sich die örtliche Zusammenfassung der Begegnungen zwischen Fahrverkehr und Fussgänger aus. Einmal bringt sich die an einzelne Strassenstellen konzentrierte Menge der Fussgänger schon hinsichtliich der Sichtbarkeit besser zur Geltung, als wenn jeder Einzelne die Strasse für sich an beliebiger Stelle überschreitet. Ferner lässt sich auf diese Weise die Beanspruchung und Gewährung des gegenseitigen Vortrittes gruppenweise und dadurch rationeller durchführen, und drittens wird durch jeden Fussgänger, der die Fahrbahn auf einem Schutzweg überschreitet, der übrige Verkehrsraum für den Fahrverkehr entlastet. Trotzdem häufen sich um den Schutzweg als Verkehrseinrichtung zahlreiche Probleme, deren Nichtbeachtung durch die Praxis der Strassenbauer und der Polizei immer wieder zum Versagen scheinbar gut ausgebauter- Verkehrsanlagen, häufig zu eigentlichen Verkehrsbehinderungen und sogar nicht selten zu eigentlichen Gefährdungen von Verkehrsteilnehmern führt. Wenn dann an so einer Stelle das Publikum die Wege über die Fahrbahn nicht benützt und vielleicht dicht daneben die Strasse in allen möglichen unerwünschten Richtungen überschreitet, werden diese unerfreulichen Zustände allzugerne auf die Unvorsichtigkeit oder Kopflosigkeit, wenn nicht gar auf böse Absicht seitens der Fussgänger zurückgeführt, während niemand auf 1. den Gedanken zu kommen scheint, dass eben eine verfehlte Anordnung des Schutzweges selber die Ursache dieser Zustände sein könnte. Wenn die Fachwelt des Verkehrsbaues diesen Dingen häufig verständnislos gegenübersteht, so ist das darauf zurückzuführen, dass der Strassenverkehr kein Getriebe Strassenverkehrstechnik ist daher in einem weiten Bereiche nicht einfach eine baufachliche Angelegenheit, die auf dem Reissbret gelöst werden kann; * sie bildet vielmehr zu einem grossen Teil ein merkwürdiges Zwischenreich zwischen der Wissenschaft des Tiefbautechnikers und den verschiedenen Disziplinen der Psychologie oder der Biologie im weitesten Sinne und die zweckmässige Lösung ihrer Aufgaben ist nicht möglich ohne ein Mindestmas: an Einsichten in die Triebkräfte, die das Verhalten der Menschen als denkender und wollender Lebewesen bestimmen. Diese Triebkräfte des Menschen als Masse sind aber auf der anderen Seite wieder so typisch, dass sie die Analogie mit gewissen physikalischen und mechanischen Erscheinungen geradezu herausfordern, und es ist nicht ohne tiefere Bedeutung, dass die Verkehrstechnik ganz allgemein vom Verkehrsstorm, von flüssiger Verkehrsabwicklung und dergleichen spricht. Die zunächstliegende dieser Kräfte ist, wie ohne weiteres verständlich sein dürfte, das Bestreben des Fussgängers, auf kürzestem Wege von seinem jeweiligen Standort aus an das Ziel seines Ganges zu kommen. Nicht viel weniger ausschlaggebend ist vielleicht die unbewusste Tendenz, am gleichen Orte durchzugehen, wo der grosse Haufe durchläuft — jene Lebensäusserung des Kollektivsubjektes, die man gerne oberflächlich als Herdentrieb bezeichnet. Erst dann kommt das Bestreben, den Weg über die Strasse so einzurichten, dass man möglichst ungefährdet durch den Fahrverkehr hindurchgelangt, wobei dann freilich dem Urteilsvermögen des einzelnen, der Angewöhnung an den Verkehr, der persönlichen Disziplin und dergleichen ein weites Spielfeld gegeben ist. Alle diese Faktoren bestimmen das, was wir in Uebereinstimmung mit jenen mechanischen Analogien am besten als Gefälle des Fussgängerverkehrs bezeichnen, nur dass eben dieses Gefälle nicht eine rein physikalische Höhen- oder Druckdifferenz wie in einem Flüssigkeitssystem darstellt, sondern die Resultante einer Vielzahl von Komponenten meist psychologischer Natur. Die sorgfältige Beachtung dieser Faktoren ist aber für das Gelingen einer verkehrstechnischen Massnahme deswegen besonders wichtig, weil gerade der Fusagängerverkehr ja nur an sehr vereinzelten Stellen wirklich zwangsläufig geführt werden kann — nämlich durch Absperrgeländer, Ketten und dergleichen. Im übrigen aber ist dessen Beherrschung weitgehend darauf angewiesen, sich jene inneren Triebkräfte des menschlichen Verhaltens zunutze zu machen. Diese Tatsache kommt in treffender Weise zum Ausdruck in jenem Ausspruche des Chefs einer schweizerischen großstädtischen Verkehrspolizei: «Wenn ich einen Fussgängerstreifen anlegen will, so sehe ich zu, wo die Leute über die Strasse zu gehen pflegen zwangsläufig gesteuerter Maschinen oder — dort bringe ich dinn den Schutzweg an.> Dieses willenloser Partikel wie von Molekülen des Wort scheint paradox; aber es drückt in unübertrefflicher Klarheit die Tatsache aus, dass es sich Wassers ist, sondern eine Lebensäusserung bei der Anlage von Schutzwegen für Fussgänger des Menschen als Individuum und Masse. J züta grossen Teil bloss um eine Kanalisierung verbrauchen oft, wie übrigens auch gewisse Personenwagen, mehr Brennstoff als für eine einwandfreie Funktionsweise des Motors notwendig ist. Die Ursache kann liegen in einem schlechten Zustand des Motors, einem schlecht eingestellten Vergaser, einem zu alten Vergaser oder irgendwo anders. Um diesem Zustand abzuhelfen, der heute schwerer wiegt denn je, da der Bezug des Brennstoffs rationiert ist, sollten Sie probeweise auf Ihren Motor einen -Vergaser mit Starter mit oder ohne Regulator montieren. Die Benzin-Rationierung ist dann leichter zu ertragen, da Solex nicht nur bei gleicher Leistung verringert oder umgekehrt bei gleichem Verbrauch die Leistung verbessert, sondern daneben auch alle Motoren nach einer Vierteldrehung der Kurbelwelle anspringen lässt, die Beschleunigung denkbar verbessert und den Motor dazu noch elastischer macht. Montage in allen Garagen. FÜR DTE SCHWEIZ: HENRI BACH MANN „Schwergewichte' Der Bundesrat ernannte gestern den bisherigen Chef des Generalstabes, Oberstkorpskommandant Labhardt, auf Vorschlag von General Guisan zum Generalstabschef der Schweizerischen Armee. des Verkehrs handelt — auch hier wieder eino jener Analogien zu mechanischen Strömungsvorgängen und ihrer technischen Beherrschung, die immer nur bei genauer Kenntnis der inneren Struktur und der Bewegungsgesetze des jeweiligen Mediums glücken kann! Aus diesen wenigen, gewissermassen theoretischen Ueberlegungen ergeben sich in Verbindung mit der unbefangenen Beobachtung der praktischen Verkehrsabwicklung an bestehenden Schutzweg-Anlagen zahlreiche Nutzanwendungen, die sowohl für die polizeiliche Verkehrsregelung, wie für die allfällige Abänderung erkennbar unzweckmässiger Fussgängerstreifen, aber besonders für die Planung und Ausführung neuer Schutzwege, Trottoirinseln und dergleichen von Wert sein können. Nicht weniger -wichtig aber ist es für die Verkehrsteilnehmer selber, und unter ihnen vor allem für den Autofahrer, die Gründe zu kennen, die das Verhalten des Fussgängers am Schutzweg bestimmen, die Ursachen aber vor allem, die an so vielen Stellen zum Versagen der schönsten Verkehrsanlage und so häufig zu einem zunächst völlig unfasslichen Benehmen des Publikums führen. Denn nur diese Kenntnis ermöglicht es dem Verkehrsteilnehmer, sich entsprechend einzustellen und nicht selten jenen Gefahren zuvorzukommen, die in der verfehlten Verkehrsanlage selber auf den Strassenbenützer lauern. Ein Erkenntnismittel von besonderer Eindrücklichkeit sei dabei dem Autofahrer ans Herz gelegt: die Selbstbeobachtung. An so vielen Stellen, wo ihm Fussgänger scheinbar kopflos vor den Kühler laufen oder sich sonst unzweckmässig verhalten, wird er sogleich zu einem ganz anderen Bilde von der Lage des Publikums gelangen, wenn er selber einmal als Fussgänger den Schutzweg benützt und dann vielleicht erfährt, wie trügerisch das Sicherheitsgefühl sein kann, das eine noch so schöne, aber verkehrstechnisch falsche Verkehrsanlage scheinbar gewährt. (Forts, folgt.) Ausland Rationierung der deutschen Treibstoffabgabe. Die kürzlich erlassenen Bestimmungen für die Verteilungen von Treibstoffen und Dieselölen sehen für Personenfahrzeuge ab 1. September und für Lastwagen ab 3. September die Abgabe von Treibstoff nur noch gegen Mineralölbezugsscheine oder Tankausweiskarten vor. Letztere berechtigen zum Bezug von Vergasertreibstoffen und Dieselölen bei Tankstellen, während erstere zum Verkauf von Treibstoffen und Oelen in Kannen dienen. Im Gegensatz zur schweizerischen Reehmg, die eine Benzinabgabe an alle Motorfahrzeughalter, die im Besitze einer Verkehrsbewilligung sind, ermöglicht, werden in Deutschland die Ausweise nur für Fahrzeuge ausgestellt, deren Betrieb im allgemeinen, d. h. militärischen und öffentlichen Interesse liegt. Ein Teil der Tankstellen ist bereits seit inigen Tagen stillgelegt wegen Fehlens von Motortreibstoffen. Ein anderer, grösserer Teil wurde vom Militär mit Beschlag belegt, so dass nur noch wenige Tankstellen dem öffentlichen Verkehr offen stehen. Die tägliche Abgabe beschränkt sich jedoch auf nur 5—10 iter. Der Ausbau der Simmentaistrasse. Im Laufe des nächsten Jahres sollen im jimmental folgende Teilstrecken der grosen Durchigangsstrasse Vierwaldstättersee- Brünig-Interlaken-Simmental-Col des Mosses- Genfersee ausgebaut werden: Weissenibächli- Oey-Enge-Bäuerrweidli 3689 m, Garstatt- Lehn 1368 m, und zwischen Zweisimmen- Saanen die Strecke Bachofen-Schlütidilibach 1702 m. Dazu kommen die Neubauten der Simmenbrück'e'n bei Garstatt und Laubegg. Wir haben kürzlich in unserm Blatte über den Ausbau des bernischen Strassennetzes, insbesondere über die Simmentaistrasse berichtet. Mit der Korrektion oben erwähnter Strecken dürfte die Strasse durch das viel efahrene Simmental beinahe durchgehend mit einem staubfreien Belag versehen seht