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E_1939_Zeitung_Nr.070

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BERN, Dienstag, 29. August 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 70 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich ab'onniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallverslch.) vierteljährlich Fr. 7.5u. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Sfrassenbau und -verkehr in Grossbritannien Die Länge des britischen Staatsstrassennetzes beträgt 290 000 km gegenüber 16 563 Jcm, die auf dasjenige der Schweiz entfallen. Die britischen Strassen weisen eine bedeutend grossere Verkehrsdichte auf, als dies in irgendeinem andern Lande der Fall ist. In Grossbritannien entfallen nicht weniger als 22 Motorfahrzeuge auf einen km, während Belgien, das Land mit der nächstgrössten Dichtigkeit, nur deren 17, die Vereinigten Staaten 16, Deutschland 11, die Schweiz nicht ganz 8 und Italien sogar nur 5 aufweist. Bei Berücksichtigung des grösseren Verkehrsvolumens auf den englischen Strassen ist die Zahl der Unfälle im Vergleich mit andern Ländern verhältnismässig gering. Auf 10 000 Automobile (ohne Motorräder) beträgt der Koeffizient tödlicher Unfälle in England 29,70. Holland hingegen hat einen solchen von 51,50, Belgien 43,60, Italien 61,4 und Deutschland 42,40.* Diese verhältnismässig geringe Zahl von Unfällen auf den englischen Strassen ist um so bemerkenswerter, als man allgemein annehmen würde, dass infolge des intensiven Verkehrs in den Großstädten, wie London, Manchester, Liverpool, Glasgow usw., eine viel höhere Anzahl von Zusammenstössen vorkommen sollte. Wenn einerseits die ausgezeichnete Verkehrsregelung in den Großstädten und eine sehr ausgesprochene Selbstdisziplin der Fahrer für diese erfreuliche Tatsache verantwortlich sind, so haben andererseits die englischen Behörden seit Jahren die Unfallsgründe und deren Beseitigung sehr intensiv studiert. Wie überall in der Welt, waren auch in England vor allem die Strassenkreuzungen die gefährlichsten Punkte. In dieser Hinsicht wird nun in Grossbritannien eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Unfallverhütungsmethode angewendet. Fast an allen Kreuzungen wichtiger Strassenstränge wurden in die Mitte der Kreuzungen runde Grasflächen eingebaut, so dass alle Wagen ihre Schnelligkeit reduzieren und, anstatt mit grosser Geschwindigkeit die Kreuzung zu durchfahren, langsam die Grasrondelle umfahren müssen. Diese «Roundabouts» haben sich als Unfallverhüter ausgezeichnet bewährt. Auch die Qualität der englischen Verkehrszeichen, die sehr klar und immer an gut sichtbarer Stelle angebracht sind, haben das ihre zur Reduktion der Verkehrsunfälle beigetragen. Die Grosszahl der britischen Strassen unterstehen den Lokalbehörden, d. h. den Stadtund Grafschaftsräten. Etwa 8000 km der grössten Durchgangsstrassen, wie beispielsweise die « Great North Road », die von London bis ganz in den Norden Schottlands führt, werden vom Transportministerium nicht nur unterhalten, sondern, wenn nötig, auch verbessert. Selbstverständlich können die lokalen Steuerzahler nicht die gesamte Bürde der Ausgaben tragen und erhalten aus diesem Grunde vom Transportministerium und je nach 'Bedürfnis Zuschüsse. Diese Beiträge werden dem im Jahre 1909 von Lloyd George ins Leben gerufenen Strassenfonds entnommen. Er wird geäufnet aus der Besteuerung des Benzins, der Motorfahrzeuge und den Erscheint jeden Dienstag nnd Freltao Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich 1 mal „ Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 , Abgaben für Fahrbewilligungen. Die Einnähmen aus allen diesen Quellen betrugen im Jahre 1938 £ 79 049 000 oder über 1% Milliar- •den Schweizerfranken. Allerdings werden nicht die gesamten Einnahmen für Strassenbau und -unterhalt verwendet, sondern ein Teil wird dem Finanzministerium zu anderweitiger Verfügung abgeleitet Die im Laufe der letzten Jahre vorgenommenen Verbesserungen betrafen hauptsächlich Strassenverbreiterungen, Fahrdammbau einheitlicher Breite, Ausgleich von Steigungen, Konstruktion von Umgehungsstrassen, den sog. «by-passes», welche um verkehrsreiche Städte und Dörfer herumgeführt werden, Bau von Uebergängen an Stelle von Kreuzungen und allgemeine Verbesserung der Beläge, um diese schleuderfrei zu gestalten. Für die Fahrbahneinheit in einer Richtung wurde eine einheitliche Breite von 3 fn eingeführt während die Fahrzeuge eine solche v"ön""T,8|fiisP^ Kreuzungsstelle der «Great West Road> mit der «Bath B.oad>, etwa 13 km ausserhalb Londons. Man beachte die Vorkehrungen, die zur Vermeidung von Unfällen angewendet werdea INSERTIONS-PREIS: Di« achtfespaltene 2 mm hohe Grundzalle oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarif. Inaeratensehlbss 4 Tage vor Erscheinen itr Hummer Manche von Grossbritanniens Hauptdurchgangsstrassen sind heute, wie auf diesem Bilde ersichtlich ist, mit doppelten Fahrdämmen in beiden Fahrrichtungen und speziellen Fahrradwegen konstruiert. Die Breite und die praktisch schleuderfreien Beläge erlauben ein sehr rasches Fahren bei -voller Sicherheit 2,7 m aufweisen. ' '" ..' -* Die wichtigsten Strassen verfügen über 3—4 solcher Fahrbahneinheiten, zwei Velound .grasumränderte Fussgängersteige. Manche besitzen auch einen Grasstreifen in der Mitte, der mit Bäumen oder Sträuchern bepflanzt ist Somit erreichen die Hauptstfassen Englands meist eine Breite von Über 20 m. Ein kürzlich in Kraft getretenes Gesetz, das sich mit der Einschränkung des Bauens am laufenden Bande befasst, schreibt vor, dass keine Hauptstrassen mehr gebaut werden dürfen, die nicht mindestens 20 m breit sind. Neuerdings werden sogar Breiten von bis zu 48 m in Aussicht genommen! Die verhältnismässig kleine Oberfläche der britischen Inseln macht den Bau eigentlicher Autostrassen für den Schnellverkehr und anderer, für den langsamen Verkehr eigentlich überflüssig. Trotzdem ist die Konstruktion einiger Autostraden zwischen den wichtigsten Hauptzentren in allernächster Zeit in Aussicht genommen. Die Vorteile der Autostraden sind bis zu einem gewissen Grad schon in den bestehenden Strassen erreicht, indem die langsamer fahrenden Vehikel angehalten sind, die innere Fahrbahn zu benützen, während dem Sohnellverkehr die äusseren Partien zur Verfügung stehen. Es ist wohl bekannt, dass die Landstrassen und Wege in Grossbritannien zu den schönsten der Welt gehören. Aber auch die modernen Strassen sind an gewissen Stellen ausserordentlich ansprechend und dem parkähnlichen Charakter der Landschaft angepasst. Was dem englischen Strassennetz sein besonderes Gepräge gibt, ist die Vorzüglichkeit seiner Strassen zweiter Klasse. In.vielen europäischen Ländern ist der Unterschied zwischen den Strassen I. und II. Klasse sehr gross. Dem ist nioht so in England. Letztere Strassen, die von einem Landstädtchen zum andern führen, sind, obwohl selbstverständlich nicht so breit wie die Hauptstrassen, doch alle mit staubfreien Belägen versehen und immer gut unterhalten. A. L. Beilage: