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E_1939_Zeitung_Nr.074

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BERN, Dienstag, 19. September 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 74 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjäbrlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht poitamtlieh abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unlallvanlcb.) Tiertellährlich Fr. 7.&U. Ausgabe C (mit Insassenveraicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Der Motor, Herr des Friedens und des Krieges Wenn der Pulsschlag unseres motorischen Strassenverkehrs seit dem Erlass der Vorschriften über die Brennstoffeinscbränkung merklich nachgelassen hat, wenn an Sonntagen überhaupt jeder private Fahrbetrieb ruht, dann hat diese Stille etwas Beklemmendes, man möchte fast sagen etwas Dramatisches an sich. Nicht nur bei uns, sondern in zahlreichen anderen Staaten Europas sind die Motoren zum Schweigen verurteilt, auf den Karnpffeldern aber rattern und brüllen sie zu Tausenden und Abertausenden, auf der Erde wie in der Luft. Der Motor ist zum eigentlichen Herrn und Beherrscher der Schlachten geworden. Angesichts der ungeheuren Fortschritte in der Motorisierung der Armeen vermag die Erinnerung an jene 1300 Taxi, welche Frankreich einsetzte, um die Reserven der 7. Division in aller Eile an die Marnefront zu bringen, nur noch ein leises Lächeln zu erwecken. In seinem Buch «Der Krieg von morgen» stellte Stephen Possony die Behauptung auf, dass ein modernes motorisiertes Heer mindestens 280.000 Kampf- und Panzerwagen benötigte. Scheint er damit auch reichlich hoch in die Harfe zu greifen, so mutet die von ihm genannte Zahl doch nicht übertrieben a«r> sofern man sich vergegenwärtigt-, dass Frankreich und England am Ende des Weltkrieges bereits 6570 Kampfwagen besassen, dass die französische Armee damals für 1919 bereits weitere 12.000, die englische 6000, das amerikanische Korps 8000 und das italienische Heer 1500 in Auftrag gegeben haben sollten. Zusammengerechnet hätten sich also unmittelbar nach dem Ende des grossen Völkerringens allein bei den Alliierten rund 27.000 motorisierte Kampfeinheiten im Bau befunden. Winston Churchill, heute wieder, wie im Weltkrieg, erster Lord der englischen Admiralität, entwirft in seinen Memoiren das Bild einer Schlacht der Zukunft •— einer Zukunft, die inzwischen Wirklichkeit geworden ist — wobei er schreibt : « 10.000 Kampfwagen, grosse und kleine, die auf einer Front von 300—400 km Länge gleichzeitig im Schütze des Artilleriesperrfeuers vorrücken, gefolgt von 10.000 weiteren gepanzerten oder ungepanzerten Fahrzeugen, welche quer durchs Gelände alles heranführen, wessen die Truipipe bedarf. » Noch ist der Zeitpunkt nicht gekommen, um sagen zu können, ob sich diese Prophe- F E U I L L E T O N Der Siedler. Roman von Heinrich Lämmlin. 9. Fortsetzung Dem Sepp schmeckt das Essen nicht mehr, und er schiebt den Teller zurück. < Das Leben ist für Sie schon so schwer, dass Sie es sich nicht mit unnützen Gedanken noch schwerer machen sollten. Es ist mir leid, dass ich Ihnen sagte, zu was das Holz verwendet wird. Aber Sie sprechen keinen unserer Dialekte, sind Sie nicht Schweizer ? » , Der Sepp zuckt unwillig mit den Schultern. Die berühmte Frage, denkt er. In Zukunft hänge ich mir den Pass um den Hals, damit jeder sehen kann, wer ich bin. Laut sagt er : «Doch, ich bin Schweizer — AusJandschweizer... und also nur halb soviel wert, wie die, die immer zu Hause sassen und den Rahm von der Milch schöpften! » « Sie sind verbittert! > — Fürst steht auf. — « Wir sind Nachbarn. Wenn ich etwas für Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich-1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Pottcheck III 414 • Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zflrlth : Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 zeiung erfüllt, aber alles deutet darauf hin, dass sie nicht weitab von der Wirklichkeit liegen dürfte. Zahlreiche Schätzungen sind vor Ausbruch des heutigen Konfliktes, worin sich die an mechanischen Mitteln reichsten und bestgerüsteten Nationen Europas gegenüberstehen, nach dieser Richtung hin angestellt und eine Menge von Zahlen veröffentlicht worden. Sie alle lassen die gewaltige, wenn nicht sogar entscheidende Rolle erkennen, welche der Motor innerhalb dieser Machtprobe zu spielen berufen ist. Er vielleicht bestimmt, wie die Würfel im neuen Krieg fallen, der; wie jener von 1914-18, auf den Wogen des Petrols gewonnen, wird. Selbst diese grandiose Vision aber bleibt Sie tun kann, so kommen Sie ruhig zu mir. Sie können jederzeit auf mich zählen ! > Er reicht Lisbeth und dem Sepp die Hand und geht zwischen dett Geleisen auf die Strasse hinab. Lisbeth atmet auf. « Gott sei Dank, ist er fort! » Und als der Mann sie erstaunt ansieht, fährt sie fort: « Ich habe mich wirklich geschämt. » % So !» staunt der Sepp. « Warum hast du dich geschämt ? » « Na, schau mich doch an...» « Wir sind doch hier nicht im Tanzsaal ! Das Schämen wirst du dir noch abgewöhnen müssen, Kind. Wer zu uns kommt, der muss uns so hinnehmen wie wir sind. Wir haben den Herrn Fürst ja nicht gerufen ! » « Trotzdem ... ! Der Mann lacht: «Iss jetzt fertig, Lisbeth, deine Suppe ist kalt genug.» Dann schaut er die Frau belustigt ari. «Du bist und bleibst eine Frau ! » « Natürlich bin und bleibe ich eine Frau ! So kann ich mich nicht aufführen wie du. Ich möchte nur wissen, was der Herr von dir gedacht hat!» ruft Lisbeth und ist beleidigt. Aber der Sepp lacht nur noch lauter. noch, unvollständig. Mit dem verblüffend raschen Vorrücken ihrer motorisierten Kolonnen, mit den wuchtigen Vorstössen ihrer Panzerdivisionen in Polen haben die Deutschen bewiesen, was für eine Kampfkraft diese Einheiten repräsentieren und welcher Ueberraschungen sie fähig sind. Wie gewaltig die Verwendung des Motors das Tempo der militärischen Bewegungen beschleunigt, mag ein Vergleich Schlachten Von Tannenberg und an den Masurischen Seen rückte die Armee Hindenburgs durchschnittlich 5 km im Tag vor, und die fast im selben Gebiet erfolgende Offensive Falkenhayns vom Juli/August 1915 brachte dessen Truppen im Mittel um zirka 8 km pro Tag vorwärts, währenddem heute die deutschen Einheiten bei ihren Operationen in Polen dank dem massenhaften Einsatz des Motors ein Vielfaches dieser Vormarschgeschwindigkeiten erreichten. Was sich darin spiegelt, ist nichts anderes als das Ergebnis unaufhörlicher Entwicklung, welche die Motoren- und Automobilkonstruktion im Laufe der letzten 25 Jahre durchgemacht hat. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 min hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezlaltarlf. IiNeratenscblnss 4 Tage vor Erseheinen der Summet Äutomobilyerkehr zu Kriegszeiten Mit dem Wiedereintritt Europas in den Krieg ist auch der Automobilismus, vor allem der internationale Automobilreiseverkehr au*fs schwerste be- worden. Die Sekretariate der Automobil- illustrieren: in dentroffen Verbände wurden am 31. August, am 1. und 2. Sep- Schluss auf Seile 2. Eine Kolonne von Lastwagen, welche dem Requisitionsbefehl Folge geleistet haben. Bisher war das Wetter dem Siedler günstig, aber seit einigen Tagen ist der Himmel verhängt. Eine lange Reihe von Beeten ist fertig und eingesät. Damit haben die ersten Gartenarbeiten ihr Ende gefunden. Jetzt beginnt der Sepp den Boden, auf dem die Hütte stehen soll, einzuebnen. Auch das ist ein schweres Stück Arbeit, denn auch hier müssen Wurzeln entfernt und Steine tember von ausländischen Autotouristen geradezu bestürmt, die sich entweder auf Ferienreisen in der Schweiz befanden, oder aus den von den kriegerischen Ereignissen betroffenen Staaten in unser Land geflüchtet waren. Aufgabe der schweizerischen Verbände war es dann, diesen verängstigten Leuten zu helfen, ihnen entweder den Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen oder die Weiterreise ins Ausland zu erleichtern. Dabei galt es, nicht nur die oft komplizierten Zoll- und Steuerfragen zu lösen, was bei den verschiedenartigen Zolldokumenten und Devisenschwierigkeiten oft keine einfache Sache war, sondern auch die ebenso wichtige Frage der Benzinbeschaffung abzuklären. Dazu kamen noch die mannigfaltigsten anderen Probleme, wie Verschiffung nach Uebersee, Devisenbeschaffung, Pässvisa usw. Es darf als ein besonderes Verdienst der Sektionssekretariate des AGS und TCS gebucht werden, dass sie all diesen hilfesuchenden ausländischen Autotouristen und Flüchtlingen bereitwilligst Auskunft erteilten und ihnen wirksam Hilfe gewährten.. Zahllos waren daher auch die Fälle, da die betreffenden Ausländer den schweizerischen aütomobilistischen Clubstellen grösstes Lob und Anerkennung zollten. Verschiedenen Sektionssekretariaten, fiel diese Aufgabe sehr schwer; waren doch zahlreiche Angestellte zu den Fahnen gerufen worden. Einzelne Sekretariate mussten ihren Betrieb deswegen ganz schliessen und ihre eigenen Mitglieder und die Auskunftssuchenden >an benachbarte , Sekretariate verweisen. Man hat sich aber überall zu "helfen gewusst; auch am Samstagna«hmittag (2. September) waren die Bureaux geöffnet und über den Sonntag ein telephonischer Auskunftsdienst installiert. In der grossen Ueberzahl der Fälle handelte es sich darum, die Gültigkeit der gelben provisorischen Eintrittskarte zu verlängern. Um nach Ablauf der ÖOtägigen steuerfreien Epoche die Bezahlung von Verkehrssteuern zu vermeiden, mussten die ausländischen Kontrollschilder abgenommen und bei der nächsten kantonalen Motorfahrzeugkontrolle deponiert werden. , In dieser Nummer: Wie gestaltet sich die Brennstoff rationierung weiter? Armeebefehle, die auch den Automobilisten angehen. Benzin, Auto und Strassenverkehr im Krieg. Auto-Magazin. DIE KLEINE REVUE ausgebrochen werden. « Wenn es nur keinen Regen gibt! » sorgt sich der Mann. « Wenn alles gut geht, dann bin ich in einigen Tagen mit der Hütte fertig. > « Wir hatten immer Glück und dürfen uns nicht beklagen, wenn es regnet», antwortet die Frau. « Es ist mir ja nur wegen dir !» «Mach dir um mich keine Sorgen, Sepp ! Ich habe bis jetzt ausgehalten, und werde auch durchhalten, wenn es regnet.» Aber der Sepp macht sich doch Sorgen. Er nimmt sich kaum noch Zeit zum Essern In den Nächten schläft er nicht mehr ruhig, sondern steht immer wieder auf und schaut zum Zelt hinaus und zum Himmel empor. Nurt ist die erste Arbeit getan, der Boden eben und festgetreten. Auch die Zementstücke für die Eckbälken sind bereits eingegossen. Da geht in der Nacht ein Wolkenbruch über den Berg nieder. Die Wind heult durch den Wald, fährt über die Lichtung hin und rüttelt an dem Zelt, dass die beiden Menschen die Leinwand festhalten müssen, damit sie ihnen nicht davonfliegt. Erst gegen Morgen Jässt der Regen nach und der Himmel hellt auf, so dass der Mann wieder seiner Arbeit nachgehen kann. « Nur noch wenige Tage», fleht er bei sich, während er die Eckballken einsetzt und verstrebt. «Ich habe ja nur zwei Hände, aber mit diesen will ich schaffen, bis ich sie nicht mehr spüre.» Lisbeth geht bei den Beeten hin und her. Der Schaden, den das Wasser dort angerichtat hat, ist nicht gross. Sie wollte ihrem Manne helfen, aber der Sepp Hess es nicht zu. «Nein, das kannst du nicht mehr. Du solltest an deinen Zustand.denken ! > So sprach er zu ihr. Lisbeth lachte: «Aber, Sepp, die Arbeit kann mir doch nichts schaden !» Der Sepp aber hatte einen harten Kopf. « Nein >, sagte er, und dabei blieb es. Jetzt geht Lisbeth bei den Beeten hin und her und weiss nichts mit sich anzufangen. Soll ich nun hier sitzen und die Hände in