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E_1939_Zeitung_Nr.074

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In eine besonders

In eine besonders missliche Lage gerieten die amerikanischen Automobilisten, da an eine Verschiffung von einem deutschen oder französischen Hafen aus, wo sie die Kabinen bereits belegt hatten, nicht mehr zu denken war. Erfreulicherweise halfen die italienischen Dampfer den Leuten aus der Klemme, doch hiess es dabei vorerst Kabinen und einen Platz für den Wagen bestellen, was nicht ohne erhebliche Nachzahlungen abging. Eine erhebliche Erschwerung des internationalen Automobilverkehrs verursachte jedoch vor allem die schwierige Benzlnbeschaffung. Die Schweiz hat zwar den hier weilenden Ausländern die Ausreise in der Weise erleichtert, dass sie mit Hilfe der gelben Benzinkarte und sogar von zusätzlichen Mengen bis zum schweizerischen Zollamt fahren und sogar noch 10 Liter Brennstoff mit ins Ausland nehmen konnten. Schwieriger lagen dagegen die Verhältnisse im Ausland. In Deutschland sind die ausländischen Automobilisten gehalten, sich bei den Geschäftsstellen des Deutschen Automobilclubs nach den in Betracht kommenden wenigen Tankstellen zu erkundigen, doch haben sie auch dann noch allerlei Hemmnisse beim Brennstoffbezug zu gewärtigen. Die nach Italien fahrenden Automobilisten mussten beim Enit- Bureau des italienischen Einreiseortes eine Benzinbezugskarte verlangen, die sie berechtigte, den Brennstoff bei den offenen Tankstellen zum Preis von L. 5.60 (!) per Liter zu erstehen. Schon am 7. September waren die italienischen Hotelbons und damit auch die \ Benzinbons für den Bezug verbilligten Benzins aufgehoben worden. Frankreich auferlegte dem Benzinbezug keine Beschränkungen, doch war ja die französische Grenze für den Autoverkehr vollständig geschlossen. Gerade diese, wenn auch nur vorübergehenden totalen Grenzsperren gestalten die Weiterfahrt der Ausländer aus der Schweiz äusserst unsicher. Im übrigen ist vorauszusehen, dass die Einführung des Visumszwanges nun bald wieder allgemein erfolgen wird. Die Franzosen sind vorangegangen (für die Beschaffung eines Visums braucht es nicht weniger als 14 Tage !), de Schweiz folgte nach und die übrigen Länder werden kaum zurückbleiben. Ein Grund mehr, sich vor Antritt jeder Reise genau zu erkundigen, welche Erschwerungen heute bestehen. Angesichts der gegenwätigen Unsicherheit im internationalen Automobilverkehr verdienen die mit Auto in die Schweiz eingereisten Auslandsschweizer besondere Rücksichtnahme. Im Ausland domiziherte Autos dürfen bekanntlich 3 Monate in der Schweiz zirkulieren, ohne dass der Halter Verkehrssteuern zu zahlen hat. Es ist nun vorauszusehen, dass besonders die TJebersee-Schweizer und vielleicht später auch andere Auslandsschweizer wegen dieses Termins in Zeitnöte geraten. Ein Entgegenkommen im Sinne einer Verlängerung der steuerfreien Zeitperiode von 90 Tagen ist hier am Platz. Da hiefür die Kantone zuständig sind, steht zu hoffen, -die kantonalen Finanzdirektoren werden sich darauf einigen können, die Frist für Auslandsschweizer auf mindestens ein halbes Jahr zu erweitern. Zahlreiche Auslandsschweizer haben für die Einreise in die Schweiz mit ihrem Wagen eine sog. provisorische Einreisekarte benützt, die, normalerweise auf 10 Tage lautend, gegen Nachbezahlung einer Gebühr von Fr. 2.— auf 20 resp. 40 Tage verlängert werden kann — auf mehr aber nicht. Da es anderseits diesen Auslandsschweizern kaum möglich sein dürfte, sich auf den Ablauf dieser Karte hin von ihren Auslands-Clubs ein Triptyk oder Grenzpassierscheinheft zu beschaffen oder den Zollbetrag zur Erlangung eines schweizerischen Freipasses zu hinterlegen, sei die Hoffnung ausgesprochen, die schweizerische Zollverwaltung werde allen Auslandsschweizern ihre Zolldokumente für den Wagen bis zu einem gewissen Zeitpunkt, z. B. 30. Juni 1940, vorläufig verlängern, eine Massnahme, welche nicht nur für die provisorischen Einreisekarten, sondern auch für die vorher zum Ablauf kommenden anderen Zolldokumente für die Schweiz Gültigkeit haben sollte. Gesuche um Entlassung requirierter Motorfahrzeuge nur in Fällen wirtschaftlich dringender Notwendigkeit einreichen. Die Gesuche um Entlassung von requirierten Motorfahrzeugen gehen beim Armeekommando in übergrosser Zahl ein. Wir machen die Fahrzeughalter darauf aufmerksam, dass bereits eine Anzahl Wagen, die für die militärischen Bedürfnisse vorläufig entbehrlich geworden sind, unter Pikettsfellung entlassen werden konnten. Weitere Entlassungen sind in Aussicht genommen, sobald es die Lage gestattet. Hierbei wird den Wfrtschaftsbedürfnissen weitgehendst Rechnung getragen. Darüber hinaus kann aber die Bewilligung von Entlassungsgesuchen nur ganz ausnahmsweise in dringenden Einzelfällen in Frage kommen. Es hat deshalb keinen Sinn, die ftir die Bearbeitung zuständige Dienststelle mit Gesuchen zu behelligen, die objekfivwirtschaftlich nicht einem dringenden Bedürfnis entsprechen, oder ein einmal eingereichtes Gesuch innert weniger Tage verschiedene Male zu erneuern; dadurch wird lediglich eine Ueberlastung der entscheidenden Instanz und damit eine weniger rasche Erledigung der wirklich berechtigten Eingaben erzielt. Für eine rasche Behandlung ist ferner wichtig, dass neben der Begründung Angaben über Stellungsplatz, Fahrzeugart, kantonale Polizeinummer, militärische Kontrollnummer und Das Problem der Geschwindigkeit bei den Kampfwagen. Als im September 1916 zwischen Somme und Aisne zum erstenmal britische Tanks in den Kampf traten, da endete dieses Experiment mit einem recht dürftigen Erfolg. Und nicht viel glücklicher waren die Franzosen mit ihren Schneidertanks, die im April 1917 auftauchten. Woran es lag ? Neben der Langsamkeit der Kampfwagen spielte dabei noch eine ganze Reihe von «Kinderkrankheiten » mit: die ungenügende Stärke der Panzerung, das zu hohe Gewicht der Raupen, die mangelhafte Ventilation im Innern, welche das Atmen erschwerte und die Bildung 'leicht entzündlicher Dämpfe begünstigte. Diese ersten Kampfwagen foesassen eine Leistimg von 4—5 PS pro Tonne Gewicht; der Zugwiderstand nahm bei Höchstgeschwindigkeit einen Wert von ca. 80 kg pro Tonne an. In den Hauptschwächen der neuen Tankwaffe — ungenügende Schnelligkeit und zu wenig widerstandsfähige Panzerung — lag auch der Grund für deren leichte Verletzbarkeit. Die Verwendung stärkerer Panzer allein hätte jedoch nur die Geschwindigkeit noch weiter beeinträchtigt und des Problems Lösung nicht gebracht. Von der Seite des Motors aus musste es angepackt werden. Tatsächlich baute man denn auch in den nächsten Typen leistungsfähigere Motoren ein und der französische 2 0, dessen erste Exemplare Ende 1918 herauskamen, barg als Kraftquelle bereits einen Motor von 550 PS. Am Ausgang des Weltkrieges war man so weit, dass die Kampfwagen Maximalgeschwindigkeiten von km/St, erreichten, trotzdem inzwischen die Stärke der Panzerplatten auf 17 mm angewachsen war. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen machte dch die Technik daran, den neuen Tank zu entwickeln, wobei das Fundamen- AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 19. SEPTEMBER 1939. —N° 74 Armeebefehle, die auch den Automobilisten angehen Das Armeekommando teilt mit: wenn möglich Truppenzuteilung des Fahrzeug« gemacht werden. Adresse: Sektion für Kraft und Wärme, Bahnhofplatz 5, Bern (Tel. 22.480 oder 22.489). Verdunkelungsbefehl nur, wenn die Umstände es erfordern Die Armeeleitung erlässt folgende Bekanntmachung : Da über die Massnahmen der Verdunkelung unzutreffende Auffassungen bestehen, sehen wir uns zu folgender Klarstellung veranlasst: 1. Der Verdunkelung ist eine Massnahme, die gemäss Verordnung des Bundesrates vom 3. Juli 1936 bei Kriegsgefahr durchgeführt wird. Darüber, wann sie vorzunehmen ist, entscheidet der General. 2. Die Verdunkelung bedarf zuverlässiger Vorbereitung. Wird sie angeordnet, so muss sie derart gut vorbereitet sein, dass das wirtschaftliche Leben möglichst wenig beeinträchtigt wird. Die seit anfangs September getroffenen Verfügungen beziehen sich nur auf die Vorbereitung der Verdunkelung. 3. Die Armeeleitung wird den Verdünkelungsbefehl nur erteilen, wenn die Umstände es erfordern. Hierbei werden selbstverständlich alle ins Gewicht fallenden Faktoren berücksichtigt. 4. Je nach der Lage werden Verdunkelungsübungen angeordnet, die ohnehin für diesen Herbst vorgesehen waren. Der Motor, Herr des Friedens und des Krieges (Schluss von Seite 1.) talproblem « Geschwindigkeit » nach wie vor die härtesten Nüsse zu knacken gab. Denn allerdings verringert sich mit grösserer Schnelligkeit die «Verwundbarkeit > des Panzerwagens; gleichzeitig kann jedoch auch die Panzerung leichter gehalten werden. Aber der Weg zur Erzielung höherer Geschwindigkeiten führte weniger über eine Leistungssteigerung des Motors, vielmehr bestand die wesentliche Aufgabe darin, diese Leistung ungeschmälert durch das delikate Organ der Raupen zur Wirkung zu bringen. Ihnen also wendeten sich die Ingenieure in erster Linie zu, mit dem Erfolg, dass das System der Stahlraupenbänder mit Gummilaufstollen geschaffen wurde, wodurch es gelang, bei einem Tempo von 10 km/St, die Zugwiderstandskraft von 80 auf 25 kg pro Tonne zu reduzieren. Hinzu kommt noch, dass die PS-Zahil der Motoren zunahm, dass die Raupenbänder weitere Verbesserungen erfuhren, dass man Mittel und Wege fand, um die Kraftübertragung und die Aufhängung zu vervollkommnen — Fortschritte, die zusammengewirkt haben, um dem heutigen Raupentanz auch In coupiertem Gelände eine Geschwindigkeit von 45 km/St, und mehr zu verleihen; in einzelnen Fällen streift sie sogar die 60 km/St.-Grenze. Mit diesem erheblichen Schnelligkeitsgewinn waren aber auch die Voraussetzungen erfüllt, um zur Verwendung weniger dicker Panzerverkleidungen zu schreiten. Und währenddem man heute bei den schweren Kampfwagen, die zugleich auch die langsamsten sind, Panzer bis zu 45 mm Stärke findet, denen die Geschosse der Antitankwaffe nicht mehr viel anzuhaben vermögen, hält man bei den leichten Sturmwagen eine Panzerung von 15 mm Dicke für genügend, um dem Maschinengewehrfeuer Widerstand zu leisten. Wie wird sich die Treibstoffrationierung weiter gestalten? Wer in diesen Zeiten seinen Kopf klar behalten hat — und das trifft für die weitaus überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unseres Landes zu — der kann auch nicht einen Moment daran zweifeln, dass die Rationierung der Brennstoffe, von den kriegswirtschaftlichen Behörden in vorsorglicher Weise angeordnet, lediglich als Auswirkung der gestörten Versorgungslage zu betrachten ist, die sich mit dem Ausbruch der kriegerischen Verwicklungen eingestellt hat. Tatsächlich spiegelt sich denn auch in der Einführung des Treibstoffrationierungssystems nichts anderes als die Folge der Unsicherheit und Unüberblickbarkeit in der Gestaltung unserer Einfuhrverhältnisse während der ersten Zeit nach dem Wiederaufflammen der Kriegsfackel. Angesichts dieser durch Ein- und Ausfuhrverbote in einer ganzen Reihe von Staaten charakterisierten Situation erwuchs den Behörden die selbstverständliche Pflicht, unverzüglich Vorkehrungen zu treffen, um den Brennstoffverbrauch im Interesse unserer Landesverteidigung solange zurückzudämmen, bis die Fragen des Importes, der Ersatzzufuhr soweit abgeklärt und geordnet sind, dass Gewähr für die vollständige Deckung des zukünftigen Bedarfs besteht. Eine vom 16. September datierte Meldung aus dem Bundeshaus erklärt, es seien gegenwärtig in Bern Verhandlungen mit Deutschland und Frankreich im Gange, um die für die Landesversorgung notwendigen Zufuhren sicherzustellen. Italien habe der Schweiz seine Häfen zur Verfügung gestellt, über die Regelung der damit zusammenhängenden Transportprobleme schweben zur Zeit ebenfalls Unterhandlungen. Grund zur Beunruhigung oder zur Kopfhängerei ist also schon danach wie auch nach weiteren uns zugekommenen Informationen für den schweizerischen Autobesitzer nicht vorhanden. Die zuständigen Instanzen verkennen die Rolle, welche das Automobil heute als Wirtschaftsfaktor spielt, keineswegs und sind gewillt, dem privaten Motorfahrzeug in dem Masse grössere Bewegungsfreiheit einzuräumen, wie die Sicherstellung und Versorgung mit flüssigen Brennstoffen durch die Wiederingangsetzung des Importes fortschreitet. Etwas Geduld braucht es hiezu freilich, einerseits weil die Lösung dieses Fragenkomplexes nur im Einvernehmen mit andern Staaten erfolgen kann, anderseits weil dabei noch gewisse weitere auf dem Gebiete des Transportproblems sich erhebende Hemmnisse zu überwinden sind. Auf jeden Fall darf es heute ausgesprochen werden, dass allfällige Befürchtungen wegen einer völligen Unterbindung des zivilen Motorfahrzeugverkehrs übers Ziel hinausschiessen, denn nichts deutet zur Zeit auf die Notwendigkeit eines derart weitgehenden Schrittes hin. Allerdings lassen sich heute, da sich die Dinge in bezug auf die künftige Entwicklung der Einfuhrund Transportbedingungen noch im Fluss befinden, keine näheren Angaben darüber machen, welche Brennstoffmengen nach dem 15. Oktober zugeteilt werden. Fest steht indessen das eine: dass dabei jene Fahrzeuge, deren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen aufrecht erhalten werden muss, eine Priorität gemessen. Um nun zu-ermitteln, in welchen Fällen diese Voraussetzung zutrifft, welche Personen also für die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz auf die Benützung eines Motorfahrzeuges angewiesen sind, hat die Sektion für Kraft und Wärme den Versand eines Fragebogens vorbereitet. Nach den Ergebnissen dieser Umfrage wird sich dann voraussichtlich die weitere Zuteilung und Staffelung der Brennstoffrationen richten. Natürlich haben sich mit dem Auftauchen dieser neuen, schnellen Waffe auch die Bedingungen für deren Einsatz im Kampf verändert. Im Fussmarsch kann ihnen die Infanterie nicht mehr folgen, vielmehr muss die nachrückende Truppe mit motorisierten Transportkolonnen herangeführt werden, deren Geschwindigkeit hinter jener der Kampfwagen nicht zurückbleiben darf. Im Zusammenwirken dieser beiden Formationen liegt das Wesen der neuen Panzertruppen begründet. den Schoss legen ? — Ich habe mich gefreut, als ich erkannte, wie es um mich steht. Nun habe ich keine Freude mehr, denkt sie. Und dann grübelt sie weiter : Soll ich immer zusehen, wie der Sepp sich schindet ? Er geht mir auf die Nerven mit seiner Sorge, ich werde ihm einmal Bescheid sagen müssen ! — Sie ist ernsthaft böse auf ihreln Mann. Als sie hinübergehen will zu ihm, sieht sie Alois Fürst von der Strasse heraufkommen. Heute hat er einen Sportanzug an und trägt einen Spazierstock in der Hand. Schon von weitem schwingt er seinen Stock. « Der Herr kommt wieder ! » ruft Lisbeth dem Sepp, aber der knurrt nur vor sich hin. « Sei nicht gar so unfreundlich gegen ihn, er ist unser Nachbar ! » sagt sie noch. «Der Herr soll kommen, wenn ich Zeit habe. Wenn ich dir zu unfreundlich bin, dann kannst du ihm ja Gesellschaft leisten. Ich brauche mich dann wenigstens nicht zu sorgen, dass du dich nicht so anstrengst! » brummt der Sepp ärgerlich. Wortlos wendet sich die Frau ab und geht Alois Fürst entgegen. Dieser benimmt sich so, als seien sie alte Freunde. Er schüttelt ihr die Hand, sagt Frau Lüthy, schaut sich um und alles scheint ihm zu gefallen. « Sie haben gewaltig gearbeitet ! » «Das haben wir. Es gibt aber noch viel zu tun.» Lisbeth ist stolz auf das Lob und führt den Besucher umher. Sie hat jetzt alle Scheu verloren und beginnt zu berichten. «Hier haben wir ©ingesät. Hoffentlich haben wir damit Glück. Ich hatte schon Sorge, der Regen könnte zu viel vernichtet haben, aber er hat nicht viel Schaden angerichtet. » Fürst schaut sich alles an, sagt da ein anerkennendes Wort und dort, und macht Lisbeth die Unterhaltung leicht. Er benimmt sich so, dass Lisbeth immer mehr Vertrauen zu ihm fasst und von ihren Plänen erzählt. Sie kann nicht Worte genug finden, um ihren Mann zu loben. Den Aerger hat sie bereits vergessen. « Er ist nicht umzubringen, der Sepp. Vom frühen Morgen bis in die späte Nacht ist er auf den Beinen und geizt selbst mit den Minuten, die er zum Essen braucht. Dabei ist er stets guter Laune, lacht und singt und macht mir das Leben leicht! » So berichtet sie, und Fürst hört ihr zu. «Ihr Mann ist doch sicher Handwerker ? » meint er. Lisbeth lacht. « Er packt alles so selbstverständlich an, wie es nur ein Handwerker tun kann. Ich hätte sicher alles falsch gemacht, das Letzte zuerst und das Erste zuletzt!» scherzt Fürst, den das Lachen der Frau unsicher macht. « Sie hätten sicher auch das Erste zuerst gemacht», lacht sie. «Etwas anderes war ja gar nicht möglich ! Aber in einem andern haben Sie daneben geraten : Mein Mann ist nicht Handwerker, sondern Künstler.» « Was ? » Fürst ist erstaunt. «Das ist doch nicht möglich !» «Es ist so, wie ich sage. Der ^epp ist wirklich ein Künstler ! » Durch Lisbeths Stimme klingt Stolz. « O, Eitelkeit der Frauen», denkt Fürst. Laut sagt er : «Dann nehme ich vor Ihrem Mann den Hut ab. Wahrhaftig, kleine Frau, Sie haben allen Grund, auch auf seine Leistung hier stolz zu sein. Aber, wie kam das nur — ich meine — was für ein Künstler ist Ihr Mann ? » « Musiker ! » « Aber nein ! » « Wenn ich es doch sage ! » « Ja, ich glaube es Ihnen ! » lacht Fürst. « Aber er baut sich hier ein Haus. Wie das kam, das müssen Sie mir erzählen, Frau Lüthy.» Lisbeth zeigt mit einer einladenden Gebärde auif einen Stein, und Fürst setzt sich. Mit einem Blick auf ihren Mann lässt die Frau sich ebenfalls nieder. « Wie das kommt, wollen Sie wissen ? Ja, das ist eine lange Geschichte. > «Ich habe nichts zu versäumen, und wenn es Sie nicht stört...» « Nein, ich darf schon ein Plauderstündchen einschalten. » « Dann, bitte, Frau Lüthy !» Lisbeth erzählt gerne; sie hat sich so lange nur mit ihrem Mann unterhalten können, dass ihr die Abwechslung jetzt Freude macht. « Ja, das ist eine lange Geschichte ! > sagt sie noch einmal und überlegt sich, wo sie mit ihrer Erzählung beginnen soll. « Dass der Sepp Auslandschweizer ist, das wissen Sie bereits. Er ist in Deutschland aufgewachsen, hat dort studiert und seine ersten Konzerte in deutschen Städten gegeben. Sein Name hatte als Geigenvirtuose einen guten Klang, und er hätte es sicher weit bringen können. Dann kam der Umsturz.» Die vergangene Zeit steigt vor Lisbeth empor. Oft und oft hat sie sich in diesen Wochen, die sie nun auf der Lichtung lebt, alle diese Dinge durch den Kopf gehen lassen. Nun ist alles wieder so frisch, als sei es erst gestern geschehen. Sie sieht den Sepp im Bahnabteil sitzen, sie spricht mit ihm und teilt mit ihm ihr Brot. Da vergisst sie, dass sie den Mann, der ihr gegenüber sitzt, kaum kennt und erzählt von Dingen, die sie zu jeder andern Zeit verschwiegen hätte. « Und dann ? » fragt Alois Fürst. «Ich lernte meinen Mann an dem Tage kennen, an dem er in die Schweiz reiste. Wir sahen uns in der Bahn. Er sass im Abteil gegenüber, sah so schlecht, so verzweifelt aus, dass ich Mitleid mit ihm hatte. Wir sprachen nur über gleichgültige Dinge, aber als ich mein Brot auspackte, bemerkte ich, dass er Hunger hatte. Da teilte ich mein Vesper mit ihm. Als wir in Zürich ankamen, verabschiedeten wir uns und keines dachte daran, dass wir uns wieder sehen würden. (Fortsetzung folgt.)

N° 74 — DIENSTAG, 19. SEPTEMBEBJ 1939. AUTOMOBIL-REVUE Benzin, Auto und Strassen verkehr im Krieg Deutschland Privater Benzinverbrauch in Deutschland nur noch für lebenswichtige Interessen. Eme amtliche Mitteilung der deutschen Behörden ruft den Automobilisten, welche heute noch Brennstoff im Rahmen der bereits angeordneten Einschränkung erhalten, in Erinnerung, dass sie eine besondere Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit tragen. Auch sie dürfen Brennstoff nur im Dienste lebenswichtiger Interessen verbrauchen. Von diesem Grundsatz ausgehend, werden den Automobilisten folgende vier Regeln eingeschärft: Die Beförderung aller lebenswichtigen Güter ist vordringlich. Auch der Lastwagen darf nicht ru anderen Zwecken Verwendung finden. Das Fahren aus Bequemlichkeit oder zum Vergnügen bedeutet eine verwerfliche Handlung, weil damit der Allgemeinheit ein notwendiges Gut entzogen wird. Auch Fahrten zu beruflichen Zwecken sind auf das allernotwendigste Minimum zu beschränken. Auf die Benützung der Taxi haben nur jene Anspruch, die in wichtigen und dringenden Fällen ihr Ziel nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Im weitern legt der amtliche Erlass dar, dass auch Tankausweiskarten keinen Freibrief zur unbeschränkten Benützung der Wagen verkörpern. Bei Verstössen gegen die oben aufgeführten Richtlinien, deren Einhaltung polizeilicher Kontrolle unterliege, müsse mit sofortiger Stillegung des Wagens (.'^rechnet werden. Die hier wiedergegebene Verfügung war noch keine zwei Wochen alt, als die Verkündung einer weiteren Einschränkung des Autoverkehrs erfolgte. Vom 20. September an dürfen lediglich noch jene Fahrzeuge benützt werden, die mit einem besonderen Kennzeichen (einem roten Wimpel) versehen sind. Wer ihn erhält ? Bloss Fahrzeuge, deren Betrieb das öffentliche Interesse rechtfertigt. Wagen mit mehr als 2,5 L. Hubraum kriegen eine Verkehrsbewilligung überhaupt nicht mehr. Ein Schritt weiter: Beschlagnahme der Pneus. Im Zuge der dem privaten Automobilwesen auferlegten Restriktionen griffen die staatlichen Organe noch zu einem weiteren Mittel : der Beschlagnahmung sämtlicher Reifen, handle es sich dabei nun um Auto- und Motorradpneus oder Veloreifen. Allerdings erstreckt sich dieser Zugriff nicht auf bereits montierte Reifen von Fahrrädern, die bereits im Verkehr stehen. Ebensowenig ersteht die 'Abgabepflicht für Pneus, die auf Motorfahrzeugen aufgezogen sind, sofort in Kraft. Was geschieht mit der Volkswagenfabrik ? Auf Ende des laufenden Jahres sollte die erste Ausbaustufe der Volkswagenfabrik bei Fallersieben vollendet sein. Die Frage liegt nahe, ob die Arbeiten eine Unterbrechung erfahren. N'ach den Erklärungen deutscher Behörden sollen sie aber ihren Fortgang nehmen. Ebenso wie der weitere Ausbau des Reichsautobahnnetzes. England Hochkonjunktur auf dem englischen Velomarkt. In England hat der Krieg einen wahren rush auf Fahrräder hervorgerufen und die Velohändler erlebten bewegte Zeiten. In einzelnen Teilen des Inselreichs sind sie bereits ausverkauft, so dass wieder auf die Bestände alter, gebrauchter Velos zurückgegriffen werden muss. Noch eine andere Erscheinung hat der Kriegsausbruch mit den Verdunkelungen gezeitigt: in den Strassen tauchen die ersten Fussgänger mit «Rücklicht» auf. Unter den gegebenen Umständen gar keine so ungeschickte Idee. Auch England muss Brennstoff sparen. Aehnlich wie Berlin hat sich auch London vor die Frage gestellt gesehen, ob die Verdunkelung angesichts der dadurch verursachten Zunahme der Verkehrsunfälle nicht um eine Kleinigkeit < aufgelockert » -werden könnte. Jedenfalls gehen die Behörden der englischen Kapitale mit dem Gedanken um, eine zusätzliche Strassenbeleuchtung spielen zu lassen und den Motorfahrzeugbesitzern die Verwendung etwas stärkerer Lichter zu gestatten. Letzter Tage drang übrigens die Kunde durch, dass sich nunmehr auch die britischen Automobilisten auf eine Brennstoffratiönierung gefasst zu machen hätten. Pro Fahrzeug würde danach eine Menge bewilligt, die im Monat für eine Strecke von etwa 200 Meilen werde einem jeden ausgestellt, der sich darum bewerbe. Einheimischen so gut wie Ausländern. Pariser Strassenverkehr lebt wieder auf. Mag sich auch unter den Auswirkungen der Mobilisierung und der Abwanderung aufs Land die Bevölkerung der Seinestadt auf ungefähr die Hälfte verringert haben, schrittweise kehrt das Leben wieder zurück. Der Autobusbetrieb funktioniert nahezu normal und die flinken Taxi haben sich wieder heimgefunden, nachdem sie alle Strassen des Landes durcheilt. Damit hört auch der « Metro » auf, das Zwangsverkehrsmittel jener zu sein, die nicht ein Auto ihr eigen nennen. Lastwagenchauffeure stark gefragt. Der Mangel an Lastwagen-Chauffeuren hat dazu geführt, dass nach einem kürzlich veröffentlichten Erlass nunmehr der gewöhnliche Führerausweis auch für Lastwagen bis zu 5000 kg Gültigkeit besitzt. Zugleich wurde das Mindestalter für die Erwerbung des Fahrausweises von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt, und gewisse Kategorien von Führerbewilligungen für Lastwagen auch auf Autocars ausgedehnt, denn gerade für Car-Chauffeuie besteht eine ausgesprochene Nachfrage. Das Auto als Warner bei Fliegeralarm. Bei Fliegeralarm praktizieren jetzt die Pariser Behörden eine neue, zusätzliche Methode, um die Bevölkerung auf ihre Luftschutzpflichten aufmerksam zu machen. Unter das Geheul der Sirenen mischt sich neuerdings die Stimme von auf Polizeiautos angebrachten Lautsprechern: «Löschen Sie Ihre Lichter aus, schliessen Sie die Gas-, Wasserund elektrischen Leitungen» usw. Jedem Quartier ist ein solcher «Alarmwagen» zugeteilt. Italienische Städte im Zeichen der Kutsche und des Velos. Mit dem 4. September .sind in Rom die privaten Motorfahrzeuge praktisch aus dem Strassenbild verschwunden. Der Verkehr zeigt ein Antlitz, dessen Züge durch die wachsende Zahl der Radfahrer und durch die wiedererstandenen Droschken charakterisiert werden. Sie dürfen sich heute wieder als Beherrscher der Strasse fühlen, um so mehr als ihnen die Behörden ausnahmsweise auch Am 14. September 1939 vollendete in voller geistiger und körperlicher Frische der über unsere Grenzen hinaus bekannte Senior des Schweizerischen Automobilhandels, Herr C. Schlotterbeck- Simon, in Basel sein 70. Lebensjahr. Ebenfalls noch im Laufe dieses Jahres blickt das von ihm geschaffene Unternehmen, die Grossgarage C. Schlotter- Mit der vom 12. Sept. bis 15. Okt. vorgesehenen Benzin-Rationierung können Sie im Durchschnitt zurücklegen : mit dem FIAT "500" 3 PS. 4 Zyl. mit dem FIAT-BALILLA 508 C. 6 PS. 4 Zyl. Kastenwagen • 15 km. pro Tag FIAT'500' • *f\ , 4 zyi. • OU km. Kasten- oder offener Lieferungs-Wagen FIAT 508 L 6 PS. 4 Zyl. Italien Alle diese Modelle sind mit einem Benzmspprer ausgerüstet, wodurch die oben aufgeführten Resultate noch verbessert werden können. • SOFORTIGE LIEFERUNGEN • Preise ab Fr. 255O.— BENZINc«»i RATIONIERUNG "SERVICE" UND ORIGINAL- Cl AT_CDC AT7TCII E llDEDAII jene Wer» reöffnet hobtn, deren Benützung innen in normalen Zeiten versagt blieb. Reibungslos vollzog sich auch in Mailand di« Einstellung des privaten Autoverkehrs. Für den Bedarf, wie er heute noch besteht, reichen die Taxi und die patriarchalisch anmutenden Pferdedroschken aus. Wenn inzwischen auch die Meldung spukte, unser südlicher Nachbar gehe mit dem Gedanken um, den unterbundenen Autoverkehr wieder freizugeben, so wurde damit eine jener unkontrollierbaren Nachrichten mehr In die Welt gesetzt, die uns heute überschwemmen. Eine Bestätigung ist jedenfalls bis heute ausgeblieben. •.•. der populäre Pionier des schweizerischen Antogiwirbes, 70jährlg Sein Unternehmen feiert das 40jährige Jubiläum. «10 km. pro Tag INDUSTRIELLE FAHRZEUGE Sckl 3 PS. pro Ta9 «40 km. pro Tag erbeckcSiinon beck Automobile AG., Basel und Zürich, auf ihr 40jähriges Bestehen zurück. Trotz des Ernstes der Zeit rechtfertigt es das Lebenswerk dieses Pioniers und Kaufmanns, dass ihm einige Worte gewidmet werden. Als einziger Sohn eines einfachen Schuhmachermeisters wuchs Carl Schlotterbeck in Basel auf, wo er nach seiner Schulzeit in einer bekannten Basler Drogerie eine kaufmännische Lehre absolvierte. Daran schlössen sich mehrjährige Auslandsaufenthalte in Paris und London, die ihm erlaubten, die Horizonte seiner Bildung zu erweitern. Nach seiner Heimat zurückgekehrt, betätigte sich Herr Schlotterbeck einige Zeit als kaufmännischer Disponent in einer angesehenen Carrosserie-Firma, um sich hernach als selbständiger Kaufmann und Unternehmer zu etablieren. Anfänglich bildete der Velohandel den Hauptzweig seiner Tätigkeit; später ging er zum Motorrad- und schliesslich zum Autogeschäft über. Da sich Herr Schlotterbeck in diesem neuen Erwerbszweig die technischen Kenntnisse über den Unterhalt und die Pflege sowie die Reparatur der im Strassenbild noch seltenen Motorfahrzeuge in der Fabrik selbst aneignen musste, war er schon als junger selbständiger Unternehmer darauf angewiesen, sich tüchtige Mechaniker und Mitarbeiter selbst heranzuziehen. Trotz strengster Inanspruchnahme durch den Aufbau seines Geschäftes fand Herr Schlotterbeck noch Zeit, sich intensiv dem Radsport zu widmen, der ihm am Sonntag willkommene Erholung brachte. Die während der neunziger Jahre im Basler Radsport vergebene höchste Würde, das «Championnat de Bäle > wurde seine Beute. Durch diese für die damalige Zeit ausserordentlichen Erfolge erwarb sich der Jubilar in den hiesigen Sportskreisen, eine Popularität, die nicht ohne günstige Auswirkungen auf die Anfangsentwicklung seines Geschäftes blieb. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges befand sich das Unternehmen in stetigem Aufschwung, und neben den bekannten Schweizer Fabrikaten Pic- Pic und Martini übernahm die Firma Schlotterbeck auch die Vertretung ausländischer Automarken. Die 1904 erworbene Liegenschaft Steinenring 45 in Basel wurde 1914, kurz vor dem Krieg, erweitert und umgebaut. Aus der Zeit der Friedensjahre weist Herr Schlotterbeck heute noch mit berechtigtem Stolz auf ein Bild, das ihn als ersten Autolieferanten der Schweizer Armee als Wachtmeister am Steuer des ersten Mannschafts-Wagens zeigt, den er dem Heer zur Verfügung stellte. Das also war vor 25 Jahren — und bis heute hat Herr Schlotterbeck, wie aus einer seit der Gründung seines Unternehmens geführjen Kontrolle hervorgeht, rund 12000 Automobile verkauft, von denen dieser Tage auch eine grössere Anzahl bei den für unsere Armee requirierten Motorfahrzeugen zu finden sein werden. Möge der Mut, der Herrn Schlotterbeck und seine wertvollste und treue Mitarbeiterin, seine Frau, damals beseelten, auch dem heutigen Unternehmen mit seinen über 140 Arbeitnehmern, ein gutes Omen bilden für die Weiterentwicklung und das Gedeihen des Lebenswerkes dieses Pioniers im Gebiete des schweizerischen Automobilhandels. 1928 erstand die heutige Grossgarage Schlotterbeck am Viadukt In Basel, wo das nunmehr führende Grossunternehmen seinen Zentralsitz aufgeschlagen hat. Bei allen Schwierigkeiten, die sich ihm entgegenstellten, vergass Herr Schlotterbeck nie das Wohlergehen seiner Angestellten und Arbeiter. Der von allen Untergebenen hochgeschätzte Seniorchef gliederte seinem Unternehmen eine Fürsorgestiftung für alternde und arbeitsunfähig gewordene Arbeiter und Angestellte an, soziale Tat, deren Segen bereits mehrere Arbeitnehmer erfahren durften. Sein ganzes Streben, seine ganze Energie und Arbeitskraft stellte der Jubilar In den Dienst des Geschäftes. So kam es, dass Herr Schlotterbeck im öffentlichen und politischen Leben unserer Stadt weniger hervortrat. Er gehört aber den hiesigen massgebenden Wirtschaftsverbänden und zahlreichen Wohltätigkeits-Institutionen als Mitglied an. Die gesamte Arbeitnehmerschaft der Firma Schlotterbeck wünscht aus vollem Herzen, es möge dem feinfühlenden Seniorchef noch recht lange vergönnt bleiben, seinem Lebenswerk vorzustehen und die schwere Prüfung, welche ihm die |üngsten Ereignisse auferlegt, erfolgreich zu überwinden. Diese Hoffnung und dieses aus Dankbarkeit und Verehrung geborene Empfinden seines ganzen Personals mag dem Jubilar, der grosse Feierlichkeiten nie liebte, der schönst© Glückwunsch zu seinem Doppeljubiläum sein.