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E_1939_Zeitung_Nr.080

E_1939_Zeitung_Nr.080

BERN, Dienstag, 31. Oktober 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr, 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS IM* achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Ranm 45 Itp. Grfissere Inserate nach Spezlattaril Inserattnsrblns« 4 Tage vor Erseheinen der Ifnmmer Sprechende Beispiele Ein paar Rechenexempel für die untragbare Verteuerung der Kilometerkosten infolge der Benzinrationierung. — Das Mittel gegen ein Anwachsen der Schilderrückgabe: Revision der Verkehrssteuergesetzgebung Herr Oberst Vallotton, Präsident des Nationalrates, hat in einer aufsehenerregenden Presse-Abhandlung die Frage geprüft, ob der Ruin des schweizerischen Automobilgewerbes vermieden werden könne. Er nimmt als feststehend an, dass unser Automobilgewerbe ernstlich bedroht, ja bereits gelähmt sei durch die Benzmrationierung, das Sonntagsfahrverbot und die Rückgabe Tausender von Nummernschildern durch Automobilisten, welche keine Steuer für einen Wagen bezahlen wollen, den sie nicht in normaler Weise benützen können. Unser Land habe aber, gleich wie die Armee, ein grosses Interesse daran, dass das Automobilgewerbe lebensfähig bleibe und dass unser Fahrzeugpark, statt zu verrosten, weiterhin rolle. Um die Katastrophe zu verhindern, schlägt Herr Oberst Vallotton zivile und militärische Maßnahmen vor, welche die Lösung von Problemen bringen würden, wie sie von einsichtigen Automobilisten schon seit Jahren zur Diskussion gestellt wurden. Zu diesen Problemen gehöre in erster Linie die Frage- der Abänderung der gegenwärtigen kantonalen Verkehrssteuersysteme, die sich schon bei der bisherigen und nun noch vielmehr bei der heutigen und zukünftigen Benzinrationierung neben den geltenden Haftpflichtversicherungen derart ruinös auswirken, dass ein klar kalkulierender Gsschäftsmann sein Auto ausser Betrieb setzen muss, wenn er nicht aus lauter Liebhaberei oder kostspieligem Luxus zum Geldverschwender werden will. Der Nicht-Automobilist und derjenige, der irrtümlicherweise in jedem Automobilbesitzer einen .«kleinen Krösus» erblickt, wird mir entgegnen, dass in Kriegs-, resp. Mobilisationszeiten auch der Automobilist besondere Opfer auf sich zu nehmen habe, um damit dem Lande und der Armee zu dienen. Dieser Einwand ist nur bedingt richtig, d. h. nur insoweit, als diese Opfer das erträgliche Mass nicht überschreiten und sich der Staat nicht ungereehtfertisterweise bereichert. Durch die heutine provisorische Rationierung mit 35 Liier Benzin für den hochpferdigen Wagen und 25 Liter für den Klcinwaaen je für einen Monat — eine Mengenzuteilung, welche bei der definitiven Rationierung für die grossen Watien der Kateqorie D (Fahrzeuge, die wirtschaftlich oder bsruflich nicht unbedingt unentbehrlich sind) voraussichtlich beibehalten bleibt, währenddem die Kleinwaqen bis 7,5 PS nur noch 20 Liter erhalfen — sind diese Opfer untragbar geworden, wenn nicht der Staat auch seinerseits das nötige Verständnis für eine Entlastung aufbringt. Die folgenden Kalkulationen zeigen das eklatant: I. BEISPIEL: Ein hochwertiges Auto (24 PS) mit einem Einstandspreis von Fr. 17.500.— bedingt folgende jährliche Belastung; A. Betriebsspesen: a) Kantonale Autosteuer (Luzern) Fr. 456.10 b) Führerausweis » 10.— c) Haftpflichtversicherung » 339.40 d) Feuerversicherung > 72.— Total B. Allgemeine Spesen: a) Garagemiete pro Monat F r . 30.— = Fr. 360.— b) Minimal-Amortisation vom Anlagekapital, Unterhalt (Waschen, Schmieren, Oelen, Reparaturen und Zubehör) berechnet auf 18% des Einstandspreises » 3150.— Fr. 877.50 Total » 3510.— Totale Spesen pro Jahr Fr. 4387.50 Totale Spesen pro Monat eomit Fr. 365.625. Ein solch hochwertiges und im Unterhalt kostspieliges Auto muss eine jährliche Leistung von mindesten« 15.000 km oder 1250 km pro Monat vollbringen. Es verbraucht bei sachkundiger Führung und Einhaltung einer mittleren Geschwindigkeit auf 100 km je 20 Liter Benzin, für 1250 km pro Monat, also 250 Liter. Beim bisherigen Benzinpreia von 42 Bp. betragen demzufolge die Benzinkosten pro Monat Fr. 105.—. Somit erhöht sich die monatliche Gesamtbelastung (Betriebsspesen, allgemeine Unkosten und Benzin) bei einer Benützung des Wagens von 1250 km auf Fr. 365.62 plus Bensänkosten Ton » 105.— = Dieser km-Preis reduziert sich bei einer jährlichen Mehrbenützung des Wagens, weil die Betriebs- und allgemeinen Spesen ungefähr gleich bleiben und nur auf dem Benzin- und Oelkonsum eine Vermehrung eintritt. Bei einer monatlichen Fahrleistung von 2000 km fallen die km-Kosten bereits auf Fr. 26,6 Rappen. Das Umgekehrte geschieht bei geringerer Benützung, weil auch hier die Betriebs- und allgemeinen Spesen ungefähr gleich bleiben mit Ausnahme der Amortisation. Allein auch diese lässt sich nicht willkürlich herabsetzen, denn der Wagen altert und verliert seinen Wert nicht nur durch den Gebrauch, sonders* auch durch die Zeit allein. Wird die Fahrmöglichkeit auf ein Minimum beschränkt, dann Ist eine Inbetriebhaltung des Autos untragbar. Das illustriert ein Totale Spesen pro Monat somit Fr. 234.37 Der monatlich bewilligte Benzinverbrauch von 35 Litern, womit auch bei der endgültigen Rationierung für einen der Kat. D zugeteilten Wagen von über 15,5 PS voraussichtlich zu rechnen ist, reicht für das als Beispiel gewählte Auto unter gleichen Voraussetzungen wie bei Beispiel I, also 20 Liter pro 100 km, für eine Fahrstrecke von 175 km. Die 35 Liter kosten beim heutigen Benzinliter-Preis von 50 Rp. » 17.50 somit Total der Betriebsspesen und allgemeinen Kosten plus Benzin pro Monat, um 175 km fahren zu dürfen Fr. 251.87 oder pro km Fr. 1.43,9. Eine Autofahrt Luzern—Zürich und zurück kommt somit bei 106 km ä Fr. 1.43 auf Fr. 152.53 zu stehen; eine Autofahrt Luzern—Hochdorf retour bei 44 km ä Fr. 1.43 auf Fr. 63.31. Die Haltung und der Betrieb eines hochwertigen Wagens- wird daher praktisch auch für kleine Strecken unmöglich. Schluss Seite 2. Aufhebung des Sonntagsfahrverbotes auf 15. November. — Militär bezieht inskünftig Benzin an privaten Tanksäulen. — Gründung eines Iniportsyndikates und Schaffung einer eidg. Konsultativkommission. Wie die Tagespresse bereits gemeldet hat, trat am vergangenen Donnerstag im Bundeshaus eine von sämtlichen Organisationen des Benzinhandels und -importes, des Autogewerbes sowie der Automobil-, Lastwagen- und Motor/ahrerverbände der Schweiz beschickte Konferenz zusammen. Im Mittelpunkt, der Tagung stand ein Referat des Chefs der Sektion für Kraft und Wärme, Nationalrat Grimm, über die mit der Treibstoffrationierung zusammenhängenden Probleme. Nach welchen Grundsätzen sich die am 15. November in Kraft tretende definitive Regelung gestaltet, darüber haben wir unsere Xeser bereits informiert. Die Auswertung der Fragebogen durch die Experten geht dieser Tage zu Ende, und die durch die zuständigen Behörden ausgearbeitete Wegleitung an die Kantone für die Durchführung der endgültigen Rationierung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Einleitend umriss der Referent die Gründe, welche die Lösung des ganzen Fragenkomplexes erschwert haben, als da sinr: unsere Abhängigkeit vom Ausland, die Schwierigkeiten der Transportfrage, der militärische Bedarf und dessen Befriedigung sowie die Tatsache, dass die in Betracht fallenden Kraft- und Brennstoffe für die mannigfaltigsten Zwecke Verwendung finden, nicht bloss für den Betrieb von Fahrzeugen oder als Heizöle. Hinzu gesellte sich als weiterer erschwerender Faktor das Fehlen zuverlässiger Unterlagen, denn war auch die Höhe des Verbrauchs bekannt, so tappte man über die Einzelverwendung wie über die Frage der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Fahrzeugbetriebes im Ungewissen. Was die Fr. 470.62 oder pro km auf 37,6 Rp. betrifft, so haben sie einen relativ befriedigenden Verlauf genommen, konnten doch neue Verbindungen geschaffen werden. Immerhin muss angesichts der derzeitigen Lage die Verbesserung der Importe in erster Linie zur Anlage von Reserven dienen. Für eine Erhöhung des Benzinpreises liegt jedoch gegenwärtig kein Anlass vor. Nach einer Orientierung über die Schwierigkeiten, welche sich der Lösung des Transportproblemes entgegenstellen, wobei namentlich die Beschaffung der nötigen Kesselwagen eine harte Nuss zu knacken gab, erläuterte der Referent die Beweggründe der provisorischen Regelung, welche vor allem darin lagen, dass es an der Uebersicht fehlte. Daraus entsprang der Zwang II. BEISPIEL: Die nun durch Bundesbeschluss festgelegte provisorische Benzinrationierung, d. h. die Zuteilung von 35 Liter pro Monat für einen hochpferdigen Wagen, die wahrscheinlich auch bei der definitiven Rationierung für die Kategorie D keine Erhöhung erfährt, ergibt nachfolgendes Bild: A. Betriebsspesen: Sie bleiben gleich, betragen also Fr. 877.50 B; Allgemeine Spesen: a) Die Garagemiete bleibt gleich » 360.— b) Für die Amortisation, den Unterhalt usw. müssen wenigstens 9% des Einstandspreises von Fr. 17.500.— eingestellt werden » 1575.— Totale Spesen pro Jahr Fr. 2812.50 Um die definitive Rationierung Zufuhren aus dem Ausland zur Improvisation, wobei sich Ungerechtigkeiten nicht ganz vermeiden Hessen. Mit der Durchführung der Rundfrage hat man nun das Fundament für die definitive Ordnung gelegt; den Verbänden gebührt dabei Dank und Anerkennung für ihre Mitarbeit bei der Auswertung der Ergebnisse dieser Erhebung. Wenn bei der endgültigen Rationierung auch der Schaffung einer eisernen Reserve für die Armee in erster Linie Rechnung getragen werden muss, so haben die militärischen Instanzen ihr Verständnis für die schwierige Lage des Autogewerbes dadurch dokumentiert, dass Militärpersonen ihr Benzin inskünftig an den privaten Tanksäulen zu beziehen haben und dafür den normalen Säulenpreis entrichten. (Das Autogewerbe, für das der Benzinverkauf mit eine der wichtigsten Einnahmequellen bildet, namentlich jetzt, da andere Arbeiten infolge der Mobilisierung zahlreicher Betriebsinhaber und ihres Personals unausgeführt bleiben müssen, wird der Armee für dieses Entgegenkommen Dank wissen. Red.) Zugleich bedeutet aber diese Aenderung auch eine Erweiterung der Lagermöglichkeiten. Im übrigen beleuchtete der Referent auch die Gründe, welche dazu führen, das Sonntagsfahrverbot erst auf 15. November aufzuheben. Mitentscheidend fällt dabei die Tatsache ins Gewicht, dass dieses Verbot einen Bestandteil der provisorischen Treibstoffrationierung und der dadurch angestrebten Verbrauchseinschränkungen bildete, so dass man es nicht vorzeitig für sich allein, sondern nur im Zusammenhang mit dem Uebergang zur definitiven Rationierung beseitigen kann. Gründung eines Einfuhr-Syndikates. Für die Durchführung der Ueberwachung des Importes von flüssigen Kraft- und Brennstoffen legte der Referent weiter dar, sei ein Syndikat in Entstehung begriffen, dem durch besondere Weisungen des Volkswirtschaftsdepartementes auch andere Aufgaben kriegswirtschaftlicher Natur überwiesen werden könnten, welche mit dem Transport, der Lagerung, der Verteilung und bestimmungsgemässen Verwendung der eingeführten Waren zusammenhängen. Diese Genossenschaft umfasst in der Hauptsache die Benzinimporteure. Auf der andern Seite beabsichtige man die Einsetzung einer eidg. Kommission, der die Wahrnehmung der allgemeinen Interessen von Import, Handel und Konsumenten zufallen würde, die aber lediglich konsultativen Charakter an sich trägt. Voraussichtlich wird sie sich aus Vertretern der Kantone, der Verbände und Fachverbände zusammensetzen. Die Diskussion drehte sich im wesentlichen um die Umschreibung der Zweckbestimmung des Syndikates, das übrigens eine rein private Organisation verkörpert und der Sektion für Kraft und Wärme untersteht. Was die Aussprache an Wünschen zutage förderte, fand innerhalb des Rahmens der allgemeinen Gesetzgebung über die Syndikate durch eine Neuformulierung des Zwecks der Genossenschaft Berücksichtigung. Senkung der Verkehrssteuern und Anpassung der Versicherungsprämien. Eine Aktion der Zürcher Strassenverkehrsliga. Die weitgehende Rationierung des Benzins und das Sonntagsfahrverbot haben die kantonale Strassenverkehrsliga Zürich veranlasst, sich für ein» Senkung der fixen Lasten der Motorfährzeughaltung zu verwenden. In einer Eingabe an die kantonale Polizeidirektion wurde das Begehren nach einer vorübergehenden Reduktion der kantonalen Motorfahrzeugsteuern gestellt, wobei diese den heutigen Benzinrationen angepasst werden sollen. Die Revision des kantonalen Verkehrsgesetzes, welche man noch dieses Jahr unter Dach zu bringen hoffte, ist nun den geänderten politischen Verhältnissen zum Opfer gefallen und die Annahme geht kaum fehl, dass bis zur Rückkehr normaler Zustände keine nennenswerten Fortschritte in dieser Angelegenheit zu erwarten stehen. Wenn aber bis zum 5. Oktober allein im Kanton Zürich 2116 Kontrollschilder für Motorräder und Sidecars und 4364 Kontrollschilder für Personenautos und Lastwagen zurückgegeben worden sind, so liegt es auf der Hand, dass diese Massenstilllegung auch den kantonalen Fiskus sehr fühlbar trifft, gehen ihm dadurch doch Hunderttausende von Franken verloren. Man sollte daher glauben, dass auch der Kanton an einer den heutigen Zeitverhältnissen angepassten Senkung der Verkehrssteuern in erster Linie interessiert ist. Im Zürcher Kantonsrat hat Herr Hafner (Zürich) eine Motion über diese wichtige Angelegenheit eingereicht, die folgenden Wortlaut trägt: «Durch die eingetretenen ausserordentlichen militärischen Verhältnisse wird das im Entwurf liegende kantonale Verkehrsgesetz am 1. Januar 1940 nicht in Kraft treten. Der Regierungsrat wird daher eingeladen, zu prüfen, wie dem Automobilgewerbe durch Erleichterungen und Aenderunz im bestehenden Steuersystem und der Verordnung geholfen werden könnte. Durch die Mobilisation und die damit verbundenen Massnahmen ist das Autogewerbe in eine katastrophale Lage versetzt worden. Durch Stillegung von Personenautos, Lastwagen und Motorrädern entsteht ein derart grosser Schaden, dass sowohl die Existenz vieler Betriebe in Frage gestellt wird und infolge davon eine erhebliche Anzahl Angestellter und Chauffeure arbeitslos werden. Land, Volk und Armee aber haben bestimmt ein grosses Interesse an einem lebensfähigen Autogewerbe.» Die kantonale Strassenverkehrsliga hat ferner der schweizerischen Strassenverkehrsliga beantragt, raschestens mit den Haftpflichtversicherungsgesellschaften Rücksprache zu nehmen, um sie zu einer namhaften Senkung der Versicherungsprämien für Haftpflicht, Kasko usw. zu veranlassen. In dieser Nummer s Fahren in angetrunkenem Zustand. Eine amtliche Stellungnahme zu den Vorschlägen Oberst Vallottons. Ueberwinterung der Batterie. Schmarotzer am Automobil. Brauchen Sie Rat? Wir helfen. Beilage: