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E_1939_Zeitung_Nr.084

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m AUTOMOBIL-REVUE

m AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 28. NOVEMBER 1939 — N° 84 Tier und Mensch Eine Schwalbe konsultiert den Doktor. Der französische Arzt Dr. Faure berichtet in der Zeitschrift «Cosmobiologie» von einem Erlebnis mit einer Schwalbe, das geradezu aus einem Fabelbuch zu stammen scheint. Der Arzt lag eines Tages auf einem Liegestuhl in seinem Garten, als er ein • Schwälbchen bemerkte, das ständig um ihn herumhüpfte, als wenn es gefangen zu werden wünschte. Es liess sich auch ruhig greifen. Dr. Faure nahm den Vogel in die Hand, untersuchte ihn und stellte fest, dass sich drei Baumwanzen von etwa je 1 cm Länge durch das Federnkleid hindurch an der Haut festgesaugt hatten. Da es nicht möglich war, die Insekten mit der Hand zu entfernen, nahm der Arzt den Vogel mit in sein Operationszimmer und beseitigte dort die Parasiten mit Hilfe einer scharfen Pinzette. Die Schwalbe piepste zwar einige Male jämmerlich, liess sich «ber den «Eingriff» gefallen, ohne sich zu wehren oder einen Fluchtversuch zu machen. Nach vollbrachter Operation wurde das Tierchen gefüttert und freigelassen. Es flog sofort hoch, zog über den Garten noch einige Kreise und verschwand dann mit einem oben vorüberziehenden Schwalbenschwarm. * * * Wie alt werden Hunde? Mit besonders sorgfältiger Pflege kann ein Hund bis zu 28 oder 30 Jahre alt werden. Man hatte bisher angenommen, dass das Höchstalter bei 15 Jahren S ege. * „ * Der behelmte Igel. Ein Igel in Schleswig hielt offenbar seine Stachelrüstung für nicht mehr ausreichend für die heutigen Zeiten. Jedenfalls steckte er auf einem Spaziergang seinen Kopf allzu tief in eine Dose mit Milch, die für eine Katze aufgestellt war, so dass es ihm nicht mehr möglich war, den Kopf daraus zurückzuziehen. So blieb ihm nichts andres übrig, als sich mit der Dose als Helm davonzumachen. Ein Passant fand den wehrhaften Igel am Morgen mitten auf der Landstrasse und befreite ihn von der ungewohnten Kopfbedeckung, worauf sich der Igel als Zivilist schleunigst aus dem Staube machte. Du Kamerad Auto Als wir zum erstenmal uns sahen, Da hatt' ich dich sofort auch lieb. Ich dachte kaum daran, wie viele Wechsel ich da unterschrieb. Drauf fuhren wir so manche Strasse. Ich war am Lenkrad noch so jung ... Und du, du nahmst mir gar nichts übel Und bliebst fein säuberlich im Schwung. Ach du, das waren schöne Zeiten ... Weisst du noch, wie ich ... Zähne putzte, Geduldig doch war dein Getriebe, — So oft ich's auch verkehrt benutzte. Weisst du noch ... unsre Reifenpanne ... Du, hör mal zu, das war ein Schreck! Und hätt' ein Dritter nicht geholfen, Wir sässen heut 1 noch an dem Fleck. Kennst du sie noch, die kleine Blonde? Wie fuhr'n wir los mit vollem Gasl Weisst du noch, wie dann in den Bergen Ich dann mit dir im Graben sass ... Ja ja, Kamerad, das waren Zeiten, So schön, dass wir sie kaum begriffen ... Und seitdem bist du guter Alter Zum zweitenmal schon ausgeschliffen. Doch lass es gut seinl Jünger werden Wir nun mal nicht auf dieser Welt. Hauptsache ist, dass sie uns immer In steter Jugend neu gefällt. Da mag es wetter^,.,stürmen, schneien ... Gas drauf! Wenn es nur vorwärts geht... Wir bleiben immer Kameraden ... Bis unser Motor ewig steht... „Meine Frau ist immer krank — sie hat immer etwas ..." Uns ging kürzlich ein Klagebrief eines Ehemannes zu, der einen Rat suchte in folgender Angelegenheit. Seine Frau sei immer kränklich, jedenfalls versichere sie immer, sie sei so müde, sie habe ein schwaches Kreuz, sie könne dies nicht tun und das nicht. Das gebe nun schon seit Jahren so. Anfangs habe er ja alles getan, um die Frau zu entlasten. Aber er werde nun auch älter. Und ausserdem habe er den Eindruck, dass die Frau nicht richtig krank ist, sondern sich einfach zu stark gehen lässt. Sie braucht keine ärztliche Behandlung, sagt sie, sondern nur Schonung und gute Behandlung. «Manchmal ist sie zu müde und zu erschöpft, um auch nur das Wasser aufzusetzen oder ein Butterbrot fertig zu machen. Eine Hausangestellte kann ich ihr nicht halten. Ich selbst habe meinen Beruf. Was soll ich tun?» Nun — besprechen wir den Fall — und es gibt deren Hunderte — einmal in aller Ruhe. Vom Standpunkt der Frau aus gesehen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder sie ist wirklich krank. Dann geht sie zum Arzt und lässt sich gründlich untersuchen und behandeln. Oder aber sie ist einfach faul — und dann sollte sie sich etwas schämen, die Last des Lebens andern zu überlassen, indem man sich einfach in den Lehnstuhl setzt und sagt, man wäre zu müde. Das Alter zwischen 40 und 50 ist in mehr als einer Beziehung sehr gefährlich für die Frau. Denn in dieser Zeit neigt eine Frau (die die Wechseljahre fühlt) leicht dazu, eine solche Ader der Faulheit und des Bedienenlassens zu entwickeln. Hat ein Mann den Eindruck gewonnen — und ist ihm dieser Eindruck vom Arzt bestätigt worden, dass nichts Ernstlic.hes mit der Frau in Unordnung ist, dann sollte er sich das Rezept überlegen, das einmal ein sehr kluger Ehemann anwendete, um seine Gattin, eine eingebildete Kranke, für alle Zeiten aus den Federn hochzubringen. Er inszenierte im Nebenzimmer des Zimmers der angeblichen Kranken eine kleine Komödie und versprach einer Freundin der Kranken die Ehe, wenn diese (mit ihrem schwerleidenden Zustand — wie sie selbst behauptete) bald gestorben sei. Erst gab es Tränen und Zähneklappern. Dann aber besann sich die Frau, die gar nicht richtig krank war, auf sich selbst und erkannte Waren unter Bedingungen aufzwingen, die sie selbst bestimmen und ihre eigenen Staatsangehörigen und die Chinesen christlichen Glaubens der reehtmässigen chinesischen Gerichtbarkeit entziehen. In zahlreichen Kriegen erwerben sich Europäer und Japaner immer neue Landgebiete und immer grössere Rechte. Russland nimmt die Amurprovinzen in Besitz, Turkestan wird vom chinesischen Reiche abgetrennt. Im Krieg mit Frankreich verliert China Annam und Tonking. England annektiert Birma. Die Japaner nehmen im chinesisch-japanischen Krieg Formosa und die Halbinsel Liautag mit Port Arthur in Besitz und erzwingen die Unabhängigkeit Koreas. Zwar müssen sie auf russischen Druck Llautung wieder aufgeben, aber Russland gibt es nicht etwa an China zurück, sondern behält es selbst. Die Deutschen eignen sich 1897 Kiautschou an, die Engländer Weihaiwei. Alle diese schweren Verluste rufen im Lande der Mitte immer stärker den Wunsch nach Reformen hervor, um Europa die Spitze bieten zu können. 1898 beruft Kaiser Kuanghsü den Gelehrten Kang Jowei zu seinem Ratgeber. In überstürzter Weise folgt ein Reformdekret dem andern und erregt bei dem konservativen Teil der chinesischen Regierungskreise Anstoss. Die Kaiserin Tschi lässt den Kaiser gefangen nehmen, seine Anhänger hinrichten oder einkerkern. Uneingeschränkt herrscht nun die Reaktion. Die gesamte Regierungsgewalt befindet sich in der Hand der Kaiserin. Dieser Staatsstreich und das Vorgehen der fremden Mächte, die sich in den Jahren 1899—1900 gegenseitig ihre Interessengebiete in China garantieren, lässt die fremdenfeindliche Bewegung, die schon lange besteht, zu einer Art Befreiungskampf anschwellen. Uebergriffe der Fremden, denen die chinesischen Gericht© nichts anhaben können, die Errichtung von Eisenbahnen, deren Aufkommen eine ähnliche Wirkung hat wie einige Jahrzehnte vorher in England die Erfindung mechanischer Webstühle, steigern den Hass gegen die «weissen Teufel» bis zur Siedehitze. Patriotische Chinesen gründen nun einen vaterländischen Wehrbund, der den. treffenden Namen der «Faustbund» annimmt Die Engländer übersetzen diese Bezeichnung mit «Boxer». Dieser Faustbund findet ein geeignetes Rekrutierungsmaterial in den vielen Arbeitslosen, die vor dem Bau der Eisenbahnen, vor dem Erscheinen der Schiffe und Motorboote der Europäer ihr Leben als Karrensohieber, Bootsfahrer und Lastträger gefristet hatten. Die Organisation wird bald die mächtigste in China; sie wird so stark, dass selbst Dekrete der chinesischen Regierung, die diese auf den Druck der europäischen Grossmächte erlässt, gegen sie wirkungslos bleiben. Sogar gegen die Boxer entsandte Regierungstruppen gehen zu ihnen über. Ein Angehöriger des kaiserlichen Hauses, Prinz Tuan, tritt offen für sie ein. Nun leiten die Boxer den offenen Kampf ein. Der Sekretär der belgischen Gesandtschaft wird überfallen, der Kanzler der japanischen Gesandtschaft ermordet; überall tötet man Missionare und zum Christentum übergetretene Chinesen. Nirgends sind die Fremden mehr sicher. Sie flüchten in die Gebäude der Gesandtschaften. Auf Grund dieser Lage beginnen die europäischen Grossmächte gegen China den Krieg. Eine zur Befreiung der Weissen in Peking ausgesandte internationale Expedition unter dem englischen General Seymour scheitert. Sie muss den Rückzug antreten, als Proviant und Munition ausgehen. Schritt für Schritt erkämpft sie den Rückzug. Als sie bei Tientsin angelangt ist, greifen die Chinesen die Stadt selbst an. Die schwache Besatzung vermag jedoch nur das Fremdenviertel zu schützen. Um weiteren Zuzug von eurpoäischen Truppen zu verhindern, sperren die Chinesen vor Taku den Peiho-Fluss mittels Minen. Gleichzeitig eröffnen die Forts von Taku das Feuer auf die europäischen Kriegsschiffe. Am 18. Juni werden die Forts von den vereinigten Truppen der Europäer gestürmt. Der russische General Stössel, der spätere Verteidiger von Port Arthur, führt sie nach Tientsin. Unter grossen Verlusten gelingt es, die Stadt zu nehmen. Die europäische Niederlassung wird entsetzt. Am Tage der Erstürmung der Takuforts, den 18. Juni, wird der deutsche Gesandte, Freiherr von Ketteier, durch einen Soldaten der chinesischen Leibgard© erschossen, sein Dolmetscher Cordes schwer verwundet Der Angriff der Boxer auf die Gesandtschaften beginnt. Die österreichische und italienische Gesandtschaft gehen in Flammen auf. Es gelingt den ausländischen Gesandten noch, eine Schutztruppe in Stärke von 18 Offizieren und 389 Mann von der vor Taku liegenden internationalen Kriegsflotte nach Peking zu ziehen, um die Gesandtschaften zu schützen. Dann wird die Bahnverbindung mit der Küste abgeschnitten, die Boxer beginnen mit der Belagerung der Gesandtschaften, die in Eile in Verteidigungszustand gesetzt werden. In der Bewaffnung ist die kleine Schar der Weissen den chinesischen Angreifern zweifellos überlegen, und sie kämpfen ausserdem mit dem Mute der Verzweiflung. Jeder weiss, was seiner wartet, wenn er in die Hände der Boxer fällt, und das Schicksal der Frauen ist noch fürchterlicher als das der Männer. Aber auch die Boxer kämpfen mit 'der grössten Unerschrockenheit. Abergläubische Vorstellungen beherrschen sie. Man glaubt, dass die Zugehörigkeit zum Faustbund übernatürliche Kräfte verleiht; man weiss, dass die Fremden abgeschnitten sind, dass sie der Hunger zur Uebergabe zwingt, wenn das Schwert dies nicht vermag. Die in den Gesandtschaften eingeschlossenen Europäer erleben eine Zeit des Schreckens' die kaum ihresgleichen in der Geschichte hat. Am 4. August ist ein starkes Entsatzkorps, das aus Angehörigen aller europäischen Grossmächte besteht, endlich bereit, den Vormarsch nach Peking anzutreten, um die 22.000 Mann an der Expedition; den Oberbefehl über das gesamte alliierte Hilfskorpserhält der deutsche Generalfeldmarschall Graf von Waldersee. Inzwischen ist Peking eingenommen worden, der kaiserliche Hof bereits am 7. August entflohen, das Hauptziel daher erreicht. Es bleibt nunmehr nur noch übrig, Strafexpeditionen an diejenigen Orte zu senden, wo die Boxer ihre Hauptstützpunkte haben. Diese Kämpfe dauern bis in den April des Jahres 1901 und enden mit dem Sieg der Deutschen an der Grossen Mauer. Der Kampf Chinas gegen das vereinigte Europa ist natürlich gänzlich aussichtslos. Am 30. September 1900 begännen die Friedensverhandlungen. Der chinesische Kaiser erlässt ein Entschuldigungsdekret bezüglich der Ermordung des deutschen Gesandten und ordnet die Bestrafung der Rädelsführer an. Die deutsche Regierung begnügt sich damit nicht. Sie verlangt die Auslieferung der Hauptverantwortlichen, die Entsendung einer Sühnegesandtschaft nach Berlin, die Zahlung einer, Kriegsentschädigung, die Bildung eines befestigten, von fremden Truppen bewachten Gesandtschaftsviertels in Peking, den Erlass kaiserlicher Dekrete gegen alle fremdenfemdlichen Umtriebe, neue Handelsverträge und die Schleifung der Takuforts. Der chinesischen Regierung bleibt nichts anderes übrig, als diese demütigenden Bedingungen anzunehmen. Sie erklärt sich zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von 450 Millionen Taels bereit. Am 29. Mai 1901 beginnt der Abmarsch der deutschen Truppen, denen die andern Kontingente folgen. Graf Niederlassungen und Gesandtschaften zu befreien. Es ist gerade Regenzeit, und der Ein kaiserlicher Prinz spricht am 4. Sep- Waldersee verlässt Peking am 2. Juni. Marsch stösst auf grosse Schwierigkeiten. tember in Potsdam das Bedauern aus. Am In unaufhörlichen Gefechten schlägt das Expeditionskorps die angreifenden Boxer zu- Friedensvertrages unterzeichnet. Trotz der 17. September wird das Schlussprotokoll des rück und erreicht innerhalb von 10 Tagen demütigenden Bedingungen ist China besser die Hauptstadt. Für die eingeschlossenen aus diesem Krieg hervorgegangen, als es Europäer schlägt endlich, nach zwei Monaten der Belagerung, der Entbehrung, der Landgebiete verloren. Die Eifersucht der selbst glaubte. Es hat nämlich diesmal keine Leiden und des Schreckens, die Stunde der europäischen Mächte untereinander hat das Befreiung. Reich der Mitte vor diesem Schicksal einstweilen bewahrt, aber nur um es noch tiefer Die Ermordung des Freiherrn von Ketteier stellt Deutschland in die erste Reihe derjenigen Mächte, die berechtigt sind, von mesgenossen, den Japanern, blieb es vor- ins Unglück zu stürzen. Den eigenen Stam- China Sühne zu verlangen. So beteiligt sich behalten, den ersten Schritt der Aufteilung das Deutsche Reich mit einem Korps von' Chinas zu tun.

N° 84 — DIENSTAG, 28. NOVEMBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE III die Folgen, die ihr Verhalten haben konnte und auf die lange Dauer sogar haben musste. Aus purer Opposition gegen die Absichten des Gatten stand sie auf und wurde von Tag zu Tag gesunder und frischer. Freundin auszustechen, die ihren Platz einnehmen wollte, wenn sie stürbe. Eine Frau muss auch darin ehrlich sein: nur zu leicht steckt in ihr ein Stück Komödiantin, wenn es einen Sinn, einen Vorteil für sie hat. Doch wenn sich eine Frau sach- darüber klar wird, gibt sie bald Schon um dielich dieses Spiel auf und sieht den Dingen des Lebens ehrlicher ins Gesicht. RaiselpilEcke Magisches Silbenkrenzworträtsel Pu- &e*£''4**s