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E_1939_Zeitung_Nr.082

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 14. NOVEMBER IC39 N° 82 wollte, im Glauben, dadurch die Treffsicherheit erhöhen zu können. Die uralte Zauberformel aus dem Bernbiet zeugt nicht von grosser Liebe für unsere Vogelwelt: «So du willst 3 gewüsse Schütz haben. So du ein Schwalbennest findest so nimm der Schwalben 3 oder 5 thu sie in einen neuen Topf brenn es allso zu Pulfer und thu dasselbe Pulfer unter das andere Pulfer ist bewert.» Wer erinnert sich übrigens noch der «Kettenbriefe», die während und nach dem letzten Weltkrieg eine Wiederbelebung erfahren haben, und die vor Unglück bewahren und Glück verschaffen sollten? Irgendein sinnloser Spruch, ein Gebet oder ein propagandistisch werbender Text wurde ohne Angabe des Absenders mit der Aufforderung versandt, der Empfänger habe den gleichen Text so und soviele Male abzuschreiben und an ebensoviele Bekannten mit der gleichen Aufforderung weiterzusenden. Für den, der dies befolge, stünde in ein paar Tagen eine grosse Freude in Aussicht, das Nichtbefolgen aber bringe Leid. Die Tatsache, dass dieser blühende Unsinn in unserer aufgeklärten Zeit sein Wesen treiben konnte, und selbst gebildete Kreise aus Furcht, Unglück über sich zubringen, zur Feder greifen Hess, zeigt deutlich, wie leicht der Aberglaube in Kriegs- und Kriesenzeiten die Vernunft aus dem Felde zu schlagen vermag. Frauen geben bekanntlich (oder steht das nur in Witzblättern?) ihr Alter nicht gerne preis. So ist es auch recht schwierig, das genaue Alter der sieben Mädchen Amalia, Barbara, Genoveva, Hanna, Leonie, Ottilie und Paula zu ergründen, besonders darum, weil nur zwei von ihnen ehrlich die Anzahl ihrer GsburUtage eingesehen. Doch weiss man, dass jede genau ein Jahr von der Nächstjüngeren bzw. Nächstälteren trennt. Berücksichtigt man die folgenden Angaben, so sollten die Nichten und Neffen Rfiisel*.Ed*e Denkaufgabe von den 7 Rädchen Die richtige Lösung zählt 4 Punkte Einsendetermin: 21. November ohne allzu viel Kopfzerbrechen das Alter von jedem der sieben Mädchen angeben können. Amalia und Paula gehören zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen an. Barbara ist älter als Leonie. Genoveva ist 23 Jahre alt. Amalia ist jünger als Paula. Barbara ist das älteste Mädchen. Paula ist 27 Jahre alt. Leonie ist älter als Genoveva. Ottilie ist das jüngste Mädchen. Paula ist älter als Genoveva. Genoveva und Leonie gehören zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen an. Jfot/e Muff and Müffchen Auflösung des Kreuzwort-Füllrätsels: Es gab eine Zeit, da Muffe so unzertrennlich mit der Wintergarderobe verbunden waren, wie der Hut und der Mantel. Ohne assortierten Muff war jeglicher Pelzbesatz unvollständig. Und mit welch' wohligem Behagen vergrub die Dame ihre Der Muff von heute hat aufgehört, Selbstzweck zu sein. Ihm ist eine doppelte Aufgabe zugedacht. Er muss vor allem auch als Tasche dienen, denn das diskrete Täschchen, das der Muff von früher in seinem Innern barg, in dem man zur,Not ein Taschentuch und eine winzige Geldbörse unterbringen konnte, würde heute niemals genügen, um das ganze Arsenal an Gebrauchsgegenständen der modernen Dame zu fassen. Denn ein Miniature Manicure Set, ein Näh-N6cessaire, die Riesen-Puderdose, der dicke Lippenstift nebst qem Cigarettenetui und dem eleganten Zünder gehören heute zum eisernen Bestand einer Damentäsche, nicht zu reden von den übrigen entbehrlichen Dingen, die man ihr noch anvertraut Es ist begreiflich, dass bei dieser Menge unverdaulicher Dinge, die man in seinem Bauche verstaut, der heutige Muff nicht mehr jene restlose Molligkeit aufwesen kann, wie seine Vorfahren, die nur mit Watte «gefüttert> wurden! — Auch ist der moderne Muff, oder besser gesagt die Mufftasche, ausschliesslich aus kurzhaarigem Fell hergestellt wie Persianer, Feh, Seal, Biber, Lamm etc., jene langhaarigen weichen Dinger aus Skunks, Waschbär, Opossum und allen möglichen Fuchsarten, die letzteren meist noch mit Kopf, Klauen und Richtige Losungen des Kreuzwort-Füllrätsels. 4 Punkte. A, Bachofen, Glarus; Erica Balestra, llanz; E. zenhausen; E. Keusen, Biel; G. Laepple, Basel; Benz jun., Goldach; Max Bertschmann, Basel; Frl. Josef Leimer, Bettlach; Frau E. Lienhard, Winter- Margnt Bossert, Lenzburg; C. Burgener, Rorschach; thur; Frau B. Markoff, Buchs; Frau Marti, Ölten; N. Donzelli, Luzern; Frl. Margrit Epple, St. Gallen; Frl. M. Ruf, Winterthur; C. Schuler, Willisau; Frau Frau C. Fravi, Rapperswil; Frau E. Gräflin, Wal- E. Steinbömer, Schaan; Frl. E. Winteler, Glarus. Hände im warmen Innern eines Muffs, ob er nun, wie zu Grossmutters Zeit, die Form eines runden fetten Fässchens hatte oder in seinem Ausmasse mehr dem heutigen Autofußsack ähnelte, wie er zur Zeit des Weltkrieges Mode war. Tatsache ist, dass wenn dann der Frühling kam und der Muff seine Daseinsberechtigung verloren hatte, die Damen plötzlich das Gefühl hatten, ihre Arme seien zu lang geworden und sie gar nicht wussten wohin mit den Händen. Sie kamen sich just so unbeholfen vor wie der linkische Junge, dem die Mutter verboten hat, seine Hände in den Hosensäcken zu verstauen und der nun mit ihnen nichts anzufangen weiss! Erhältlich in allen Apotheken 10er Packung Fr. 4.50 - 4er Packung Fr. 2.— . Qratls-Prospekt diskret durch EROVAQ A.Q.. Zürich 25, Bachtobeistrasse 59. Lesen Sie die aufklärende Broschüre von Dr. R. Engler. Zu beziehen gegen Einsendung von Fr.1.20 in Briefmarken oder auf Postscheck VIII/1819 EROVAQ A.Q. MODES Die letzten Pariser Schöpfungen äusserst gediegene, kleidsame Hüte sind eingetroffen und ich empfehle höflich deren Besichtigung EMMY KÖRNER Marktgasse 31/1 Haus Tea-Room Meyer •au? Schwanz des Tieres ausgestattet, entzücken heute Kunst trotz Krieg! nicht mehr kleine Kinder und junge Hunde, die Hinter den beiden Fronten ist man übereinstimmend -zu dem Entschluss gelangt, alles daran zu sich mit Vorliebe — nicht zum Vorteil des Objektes — damit herumbalgten. setzen, um nicht die heimische Kunst den schweren Paris lanciert entzückende Müffchen für denZeiten erliegen zu lassen. Abend. Im Grunde genommen handelt es sich um eine paradoxe Modelaune, denn an Bällen und sonstigen gesellschaftlichen Anlässen dürfte bei den Damen kaum das Bedürfnis vorhanden sein, ihre schön manikürierten Hände in Muffen zu verbergen, und wo bei derartigen Gelegenheiten tatsächlich von einer «kalten Atmosphäre> die Rede ist, dürfte selbst ein Muff nicht die nötige Wärme spenden... Es handelt sich bei diesen MiniatUre- Muffen um reizende Phantasiegebilde, die aber immer irgend eine Beziehung zu einer bestimmten Abendtoilette haben und nicht willkürlich zu jedem In Frankreich fasste die Akademie der Schönen Künste eine Resolution, die in dem Wunsche gipfelte, «Mars (der Krieg) möge diesmal nicht sich als stärker erweisen als Ars (die Kunst)». In England verkündete die Royal Society of Arts in einer feierlichen Sitzung ihren festen Willen, ihr Werk unverändert fortzusetzen, «by whatever means the circumstances of the time may indicate». In diesen schwierigen Tagen müsse den für die Allgemeinheit wichtigen Dingen alle erdenkliche Unterstützung gewährt werden unter Hintansetzung aller persönlichen Interessen. Pflicht und Aufgabe Kleid getragen werden können. Mqn sieht z. B. der Gesellschaft sei es, ihre zweihundertjährige eien kleinen runden Muff aus Hermelin, an dem Tradition gerade jetzt fortzusetzen und den Künsten ein niedliches Sträusschen bunter Feldblumen aus jede erdenkliche^ Ermutigung zukommen zu lassen. Filz angeheftet ist, das sich am Corsage des Kleides wiederholt. Ferner ein entzückendes Müffchen sehenen Kunstausstellungen des Herbstes plan- In Deutschland schliesslich sollen die vorge- aus heilblauen Straussenfedern, ein duftiger Federball, der zu einem eisblauen Lame'kleia gehört, letzten Wochen drei Kunstausstellungen im Reich mässig durchgeführt werden. Nachdem in den dessen Ausschnitt ebenfalls ein Aufputz aus hellblauen Straussenfedern aufweist. Ganz raffiniert mit dem grossen Herbstsalon des Vereins Berliner eröffnet worden waren, folgte am 19. Oktober Berlin wirkt ein kleiner Muff, der aus lauter Rosen, aus Künstler. In Berlin werden neuerdings Jahresabonnements zum Preise von 1.- Mark ausgegeben, die Samt in einem tiefen Örangeton zusammengesetzt ist und als Ergänzung zu einem Goldlamekleid mit zum beliebigen Besuch sämtlicher Ausstellungen dazu gehörigem langem goldbraunem Samtcape berechtigen, die von den diversen Berliner Künstlergedacht war. Sissy. Vereinigungen veranstaltet werden. Inserieren bringt Gewinn Schiffe ohne Heck. Alle Zeitungen sind im Moment voll mit Beschrei- "," bungen von mehr oder weniger geglückten Ver- ''' suchen der «Camouflage», «Tarnung» oder wie sonst die zahlreichen Bezeichnungen für die vielfältigen Methoden sind, deren sich die kriegführenden Parteien zur Unkenntlichmachung ihrer Absichten ebenso wie ihrer kriegswichtigen Objekte bedienen. Da ist es auch am Platze, an eine der merkwürdigsten Schiffskonstruktionen zu erinnern, die jemals die Meere bevölkerten, an die sogenannten «Kü-Boote», die im Weltkrieg von den Engländern zur Bekämpfung der deutschen U-Boote gebaut wurden. Der Name kommt daher, dass alle diese Boote - insgesamt waren es 55 - mit der Silbe «Kil» beginnende Namen trugen: «Küdonan», «Kilfree» und ähnliche. Diese Schiffe waren so gebaut, dass sie vorn wie hinten haargenau gleich aussahen. Sie besassen also kein Heck, sondern vorne und hinten einen richtigen Bug, von denen, um die Täuschung vollständig zu machen, ein jeder mit Anker und Klüsenrohren ausgestattet war. Schornstein und Mast waren so genau wie möglich in der Mitte des Schiffes angebracht und standen genau senkrecht; auch zur Kommandobrücke gab es auf der anderen Seite des Mastes ein Gegenstück. Für einen U-Boots- Kommandanten gab es effektiv keine Möglichkeit, festzustellen, wo bei einem solchen Boot vorn oder hinten war. Im Uebrigen waren die Küboote als Frachtdampfer getarnt, jedoch mit Geschützen und Unterwasserbomben ausgerüstet. Sie gehörten bald nach ihrer Einführung zu den gefährlichsten Gegnern der Unterseeboote. Vm du Vuliy Das Gesicht unserer Zeit weiss, herrlich schäumend, I. Auswahl 1938, die Flasche (Glas inbegriffen) zu Fr. 1.40. franko Abfahrtstation. Reklamekistchen, 12Flasehen Fr.20.-, franko, Verpackung Inbegriffen. E.Derron «c Flli. propri«. MÄliw-Vully. Tel. 4.51 wenden sich bei monatlichen Verspätungen unter Diskretion an Lak*r. P.rtieide, H»l4«nZ7*. Telephon 204. 500 000 neue Automobilistinnen In Rassland. In der UdSSR werden die grösstenAnstrengungen gemacht, die männlichen Chauffeure durch Ausbildung von Frauen zu Automobilistinnen zu entlasten. Bis Ende des Jahres sollen neuerdings 500 000 Frauen zu Chauffeuren und Traktorführerinnen herangezogen werden. Im Restaurant. «Das nennen Sie ein Rinderfilet?! Sie müssen doch zugeben, Herr Ober, dass jedes Rind sich dadurch beleidigt fühlen muss! » «Verzeihen Sie, mein Herr, es war nicht meine Absicht, Sie zu beleidigen! » Zürich Mi. abend Empfehlenswerte Unterhaltungsstättin Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 3613, 8—18.30 Uhr. 15. , Uhr: Hochzeit des Figaro, per von W. A. Mozart (B- Ab. 5). DO. abend 16.HOT. «H Uhr: Volksvorstellunfr: Hochzeit des Figaro. Fr ahpnil 17 Nm Tosca, Oper von G. Puccini (Bri. ducmi n.nui. Ab ^ Sa abend 18. HOT. H«>P sa - Operette von Paul Burkhard. SO. nachm. 19. HOT. Försterchristi, Operette v. Georg Jarno. SO. abend 19. HOT. 1«* Uhr: Hochzeit *"«»•". Oper von W. A. Mozart. Militär in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hälfte. Abends 8tf Uhr, Sonntag nachm. Z% Uhr hau Abendkasse ab 18 Uhr (21111) Mi. abend 15. Nov. Der Richter von Zatamea. Premiere: Stiftsdamen, Komödie Do. abend 16. Nov. von Axel Breidahl. Fr. abend 17. Hov. Der Richter von Zalamea. Sa. abend 18. Nov. Stiftsdamen. So. nachm. 19. Nov. 15 Uhr: Das schöne Abenteuer. So. abend 19. Nov. Stiftsdamen. Militär auf allen Plätzen halbe Preise.

N° 82 — DIENSTAG, 14. NOVEMBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE VMS&V politische* JCuizü&dcfU Kampf dem dummen Geschwätz Die Widerstandskraft einer Nation ist nicht nur abhängig von der Anzahl Maschinengewehre, Minenwerfer und Handgranaten, sondern auch vom seelischen Zustand des, Volkes. Er hat seinen sichtbaren Ausdruck in der Ruhe und Entschlossenheit, oder aber in der Unrast und Verzagtheit der Bürger. Der schlimmste Feind der seelischen Widerstandskraft, der Erreger von Unrast und der Förderer von Verzagtheit ist der Gerüchtemacher. Es ist schon reichlich viel über ihn gesagt und geschrieben worden und es bleibt, wenn man bereits Verkündetes nicht einfach wiederholen will, nicht viel Neues, aber trotzdem etwas sehr Wesentliches zur Festlegung übrig. Vorab die Frage: Wo bleibt in der Gerüchtemacherei eigentlich auch der gesunde Menschenverstand? Das bedenkenlose Hinnehmen von Gerüchten ist stets ein Beweis dafür, dass die Maschinerie des gesunden Menschenverstandes entweder nicht in Gang gesetzt worden ist oder aber versagt hat. Zirkulierte da dieser Tage das Gerücht, Hitler hätte Mussolini telephonisch von seinem bevorstehenden Griff nach Holland in Kenntnis gesetzt und ihm vorgeschlagen, er möchte gleichzeitig seine Hand auf die Schweiz legen! Man braucht mit gesundem Menschenverstand nicht besonders schwer beladen zu sein, um derartigen Sensationsquatsch dorthin zu verweisen, wohin er gehört, nämlich in das Reich der naiven Gerüchtemacherei. Wer ein bisschen über seine Nasenspitze hinaussieht, muss sich doch beim Anhören einer solchen Nachricht die unvermeidliche Frage stellen, wer wohl das Telephongespräch zwischen Berlin und Rom hätte abhören und wie bei der heutigen rigorosen Zensur eine solche Meldung nach der Schweiz hätte kommen können. Auch wenn die beiden Staatsmänner unter sich telephoniert haben, was sie aber höchst wahrscheinlich in einer derart weittragenden Angelegenheit unter den heutigen Umständen überhaupt kaum tun, so sollte man sich doch vorstellen, welchen Sicherheitsmassnahmen derartige Diktatorengespräche unterworfen sind. Neben den individuellen Gerüchteerfindern — die Schweiz gehört bekanntlich zu den erfindungsreichsten Nationen — schöpft unser Volk aber auch aus der Presse und aus dem ausländischen Radioerguss unaufhörlich Bakterien für das tägliche Geschwätz. Das Mithören der kriegführenden Propagandasender, dann aber auch das Lesen der ausländischen Sensationspresse ist schon an und für sich der Volksbildung und dem seelischen Zustand des Volkes nicht zuträglich, in Kriegs- und KrU senzeiten aber ganz besonders schädlich. Wer diesen nicht für unser Volk bestimmten Botschaften fremder Sender verfallen ist und aus einer sensationslüsternen Weltstadtpresse — sie mag noch so gross an Format sein — das eigene Wissen glaubt bereichern zu können, der baut sich allmählich auch politische Gedankengänge auf, denen alles Realistische abgeht und vor denen dem, der wirklich etwas von den politischen Zusammenhängen versteht, die Haare zu Berge stehen. Die Devise für einen erfolgreichen Kampf gegen die dumme Gerüchtemacherei und für ein gesundes politisches Urteil lautet nicht zuletzt: , Weniger Boulevard-Blätter lesen ! —id. zerkreuzer die gleichen Maxima gelten wie für die Linienschiffe. Dank ihrer Schnelligkeit hilden die Kreuzer in ihren verschiedenen Abarten (nach unten gibt es die sog. leichten Kreuzer) die gefährlichste Waffe für den Kaper- und Prisenkrieg, der entgegen der früheren Strategie vor allem mit Einzelaktionen gegen Handelsschiffe und U-Boote operiert. Mit der Erfindung des Torpedos entstanden die Torpedoboote, deren Hauptwaffe in Torpedo-Lancierrohren besteht. Da ihre Tonnage durchschnittlich nur etwa 1000 Tonnen beträgt, bieten sie den grösseren Einheiten ein schlechtes Ziel, bilden für sie dennoch eine gefährliche Waffe. In die gleiche Klasse gehören auch die etwas grösseren Torpedojäger mit einer Spitzengeschwindigkeit bis über 40 Knoten, die ebenfalls mit einer bedeutenden Zahl von Torpedo-Lancierrohren aus- Das amerikanische Unterseebot R 14 von 530 Tonnen Wasserverdrängung, Geschwindigkeit 10 Knoten an der Oberfläche, 6 Knoten unter Wasser. Auf dem Deck ist eine Kanone und ein Luftabwehrgeaohütz montiert. Waffen des Seekrieges Es ist ganz natürlich, wenn sich der Schweizer als Landratte, dessen Kinder nächstens wohl gar mit Ski und Rucksack auf die Welt kommen, in Friedenszeiten nicht sonderlich um die Probleme der Kriegsmarine kümmert. Wenn aber Radio und Bildberichte von Linienschiffen^ leichten Kreuzern, Taschen-U-Booten und ähnlichen Ausdrücken wimmeln, ist es an der Zeit, sich darüber ein etwas deutlicheres Bild zu verschaffen. Gleich von Anfang an müssen jedoch zwei Umstände in Berücksichtigung gezogen werden, die den Einblick in das Wesen und die Klassierung der Kriegsschiffe komplizieren: Wie beim Landheer haben sich die Aufgaben der Kriegsmarine im Laufe der letzten Jahre ständig vermehrt, sowohl weil sich die Kriegsführung immer stärker im Sinne der Totalität erweitert, als auch wegen der ständigen Zunahme der Abwehrmittel; durch die Flottenkonferenzen in Washington (1922) und London (1930) wurden zwecks Einschränkung der maritimen Rüstung bindende Vereinbarungen getroffen, durch welche nicht nur für die Gesamttonnagen eines Landes ein »Maximum festgelegt wurde, sondern auch für jeden Fahrzeugtyp und dessen Armierung. Eine Folge dieser Einschränkung zeigt sich nicht nur im Bestreben, innerhalb der getroffenen Vereinbarungen die einzelne Einheit auf die höchstmöglichste Leistungsfähigkeit zu bringen, sondern auch sie für andere als die - ursprünglichen Zwecke verwendbar zu machen. Dabei lassen sich natürlich ^- analog dem Automobilbau — Kompromisse nicht vermeiden, die sich übrigens bereits früher schon als notwendig erwiesen hatten. Darf beispielsweise die Klasseder grossen Kreuzer nicht mehr als 10 000 Tonnen Wasserver- Das britische Linienschiff Hood, das grösste cier Welt, wurde 1918 von Stapel gelassen, weshalb es noch mit einer Wasserverdrängung von 42 100 Tonnen gebaut werden konnte, während die Höchstgrenze nachher 35 000 Tonnen betrug. Es besitzt 8 15-Zoll- (381 mm)- und 12 5,5-Zoll- (140 mm)- Geschütze, 4 102-mm-Luftabwehr, 5 kleinere Kanonen, 5 Mitrailleusen und 4 Ueber- und 2 Unterwasser-Lancierrohre; die Panzerung ist bis 150 mm stark, die Maximalgeschwindigkeit beträgt 31 Knoten, die volle Besatzung 1341 Mann. Der französische Kreuzer Emile Bertin, der schnellste der Welt, von 5886 Tonnen Wasserverdrängung. Bestückung: 6 Torpedo-Lancierrohre; 9 Geschütze 152 mm, 12 Kanonen, 6 Mitrailleusen; Spitzengeschwindigkeit 42 Knoten. Jet französische Torpedobootzerstörer Terrible, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 45 Knoten und 9 Torpedo-Laacierrohren. drängung aufweisen, so verlangt dies ein peinliches Abwägen von Panzerung, Armierung, Motorenausstattung, Vorratshaltung usw. gegeneinander, da jeder einzelne Faktor einen entscheidenden Einfluss auf die Kampfkraft, Höchstge- , seh windigkeit, den Aktionsradius und die , allgemeine .Verwendbarkeit hat und keiner zu stärk' beschnitten werden darf. Wenn auch der Prototyp einer Schiffsklasse im Hinblick auf seine taktische Aufgabe gebaut wird, so verschwimmen doch die Grenzen zwischen den einzelnen Arten immer mehr. Noch heute ist das Linienschiff der Kern- einer Flotte. Die vertragliche obere Grenze der Wasserverdrängung ist 35 000 Tonnen; die Kaliber der grossen Schiffsgeschütze dürfen nioht mehr als 16 Zoll (406 mm) betragen. Dazu kommen als weitere Bestückung eine grössere Anzahl von 6- bis 8-Zoll-Geschützen, einige Fliegerabwehrkanonen, oft auch eine Katapultvorrichtung für Flugzeuge und Torpedo- Lancierrohre. Dieser Typ bildet die eigentliche Kampfeinheit, deren Aufgabe in der Vernichtung der gegnerischen Flotte besteht. Das Hauptgewicht liegt demnach auf einer sehr starken Bestückung und Panzerung. Die schwere Bauart bedingt eine etwas geringe Geschwindigkeit; die Spitze befindet sich je nach Schiffstypen bei etwa 30 Knoten (a 1853 Meter). Der gegenwärtige taktische Wert dieser grossen Einheiten wird in Marinekreisen verschiedentlich beurteilt, weil es fast ausgeschlossen ist, dass es früher oder später zwischen zwei gegnerischen Flotten zu einem Grosskampf kommen wird. Die Meinung, dass sich die Opfer an Geld und Arbeit vorteilhafter auf den Bau einer Mehrheit von kleineren Einheiten verwenden Hessen, findet sehr viel Befürworter. Der Kreuzer war ursprünglich als Begleiter und Aufklärer für das Linienschiff gedacht. Von ihm muss vor allem eine grosse Geschwindigkeit und Wendigkeit verlangt werden, weshalb er mit einer Wasserverdrängung von 6—7000 Tonnen und einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 38 Knoten gebaut wird. Es lag jedoch in der Natur der Sache, dass auch Uebergangstypen vom eigentlichen Kreuzer zum Linienschiff geschaffen wurden durch Verstärkung von Armierung und Panzerung, wobei auch die Dimensionen grösser gewählt wurden. Auf diese Weise entstanden die sog. Panzerkreuzer, die sich im Spezialtyp der Schlachtkreuzer an Kampfwert den Linienschiffen nähern. Die Flottenkonventionen haben die maximale Wasserverdrängung der Kreuzer auf 10 000 Tonnen und das Kaliber der Schiffskanonen auf 8 Zoll (203 mm) festgesetzt, während für die Konstruktion der Pangestattet sind. Die Flotten-Konferenzen haben die Tonnage dieser Klasse auf maximal 1800 Touren fixiert; der Durchmesser der Lancierrohre darf 533 mm nicht übersteigen. Auch diese Einheiten werden sehr oft' für die Jagd auf die Unterseeboote eingesetzt, weil sie den letzteren, über die wir an dieser Stelle bereits berichtet haben, an Geschwindigkeit um mehr als das Doppelte überlegen sind. Die steigende Verwendung des Flugzeuges hat die Schaffung von Flugzeugträgern notwendig gemacht. Auch bei der Konstruktion von Kampf- und Jagdflugzeug stehen sich zwei Faktoren diametral gegenüber: der Aktionsradius und der Kampfwert, welch letzterer durch Höchstgeschwindigkeit, Wendigkeit und Tragfähigkeit bedingt sind. Um zu vermeiden, dass die Kampfkraft durch das Mitführen grosser Brennstoffmengen beeinträchtigt wird, werden die Flugzeuge vermittelst den Flugzeug-Mutterschiffen eine Strecke weit dem Ziel entgegengeführt, wodurch es möglich wird, das für die Aktion not- Ein deutsches Schnellboot von unter 100 Tonnen Wasserverdrängung. Die Armierung besteht aus Tor