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E_1939_Zeitung_Nr.079

E_1939_Zeitung_Nr.079

BERN, Dienstag, 24. Oktober 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 79 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 1 O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erseheint jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222- Postcheck III 414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: I.Owenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di* achtgespaHene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer ZJos £andesUU&tesse foxdect: Steuerermäßigung und Abbau V ersicher un gspr ämien Benzinzoll, Verkehrssteuern, Gebühren aller Art und Versicherungsprämien haben den Automobilisten schon in Friedenszeiten das Rechnen gründlich gelehrt. Und der müsste ein schlechter Rechner sein, der im Zeichen der Brennstoffrationierung und der zwangsläufig verminderten Kilometerleistungen nicht schon jetzt mit sich darüber im reinen wäre, dass beim heutigen Stand der Dinge eine Revision der Steueransätze nach unten oder überhaupt eine grundsätzlich© Reform des gegenwärtigen Besteuerungsmodus unaufschiebbar geworden ist. Denn allerdings käme die Beibehaltung des Status quo in verkehrssteuerlicher Hinsicht einer Aufmunterung zu weiteren Stillegungen gleich, nachdem schon in den letzten September- und ersten Oktobertagen ungefähr 20 % unseres Wagenparks ausser Betrieb gesetzt worden sind. Man darf es deshalb keineswegs als blossen Zufall abtun wollen, wenn sich gerade jetzt die Stimmen mehren, die nach einer Entlastung und Angleichung der Steuer- und Versicherungsprämien an die Einschränkung des Fahrbetriebs rufen. Wie war es doch schon ? Hat nicht unser Blatt kurz nach der Mobilisation eine Lanze für die Einführung der monatlichen Steuerberechnung gebrochen, hat nicht Nationalrat Vallotton in seinem von uns zuerst veröffentlichten und ungewöhnlich stark beachteten Artikel der Abschaffung der kantonalen Steuern während der Kriegszeit und der Erhebung eines Zuschlags auf dem Benzin das Wort geredet, der durch den Bund an die Kantone zurückzuvergüten wäre, ist nicht erst dieser Tage eben an der Konferenz zwischen dem Polizeidirektor des Kantons Bern und den Verkehrsverbänden der Wunsch nach einer Neugestaltung der Steuern entsprechend den eingeschränkten Fahrleistungen geäussert worden und kündigt sich nicht, aus grundsätzlich gleichen Erwägungen heraus, bereits das Begehren nach einem Abbau der Versicherungsprämien an, wie es eine an anderer Stelle dieser Nummer wiedergegebene Einsendung dartut? Unveränderte Steuer- und Prämienansätze bei zum Teil sehr erheblich geschmälerter Benützungsmöglichkeit des Fahrzeugs und stark verminderter Inanspruchnahme der Strassen — es liegt auf der Hand, dass ein solcher Zustand, dessen Auswirkungen die Interessen der Landesverteidigung wie jene unserer Wirtschaft und der Kantone selbst gefährden, untragbar ist. Sofortige Remedur tut deshalb dringend not, denn eine Politik der verpassten Gelegenheit würde sich um so bitterer rächen, als die endgültige Benzinrationierung in der Form, wie sie sich jetzt abzeichnet, kaum dazu angetan erscheint, ein neues Stimulans zur Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs zu schaffen. Damit aber würde die Gefahr einer massenhaften Nummernrückgabe während des letzten Quartals 1939 mit all ihren schwerwiegenden Folgen noch verschärft. Wie stellt sich die definitive Treibstoffrationierung, die ab 16. November in Kraft treten soll, in ihren Grundzügen voraussichtlich dar ? Der Bundesratsbeschluss vom 26. September 1939 über die Landesversorgung mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen gliedert die Fahrzeuge in folgende vier Kategorien : Kategorie A: Fahrzeuge, die für die Aufrechterhaltung von lebenswichtigen Betrieben und Anstalten unentbehrlich sind. Kategorie B: Fahrzeuge, die für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes und der persönlichen Existenz unentbehrlich sind. Kategorie C: Fahrzeuge, deren Nichtver- entsprechend der Einschränkung der Fahrleistungen, wie sie nach der definitiven Treibstoffrationierung zu erwarten steht. Wendung eine wesentliche Erschwerung der Berufstätigkeit oder des Geschätfsbetriebes zur Folge hätte. Kategorie D: Fahrzeuge mit anderer Zweckverwendung. Was die Einteilung der Fahrzeuge in diese vier DRINGLICHKEITSKATEGORIEN will, darüber gibt der erwähnte Bundesratsbeschluss selbst Auskunft, wenn er sagt, dass, sofern es die Sicherstellung der Kriegswirtschaft erfordere, die Abgabe von flüssigen Kraftstoffen an Fahrzeuge einer oder mehrerer der genannten Kategorien entsprechend ihrer Wichtigkeit ganz eingestellt werden könne, mit andern Worten, welchen von ihnen in diesem Fall der Vorrang gebühre. Das Fundament für die Einreihung der Fahrzeuge in eine dieser vier Kategorien liefert nun die vom 2.—7. Oktober durchgeführte Rundfrage, deren Ergebnisse, wie wir gemeldet haben, zurzeit durch die Experten der Strassenverkehrsverbände ausgewertet werden. Dass nicht alle Fahrzeuge einer und derselben Dringlichkeitskategorie die nämliche Treibstoffmenge benötigen, ist klar. Um diesem unterschiedlichen Bedarf Rechnung zu tragen, trifft man innerhalb der einzelnen Dringlichkeitskategorien eine Abstufung nach QUANTITÄTSKATEGORIEN, deren jede die Fahrzeuge mit gleicher Benzinration umfasst. Für die Kategorie A ist dabei die Schaffung von acht solcher Quantitätsgruppen vorgesehen, für die Kategorie B hat man deren drei ins Auge gefasst, die Kategorie G zerfällt noch in deren zwei, während in der Kategorie D keine Unterteilung erfolgt. Im übrigen erhält, wie bei der provisorischen, so auch bei der endgültigen Rationierung das Fahrzeug mit der höheren PS-Zahl ein grösseres Brennstoffquan tum, dnd zwar nach Massgabe folgender Skala : 1. Gruppe Wagen bis 7,50 PS. 2. Gruppe Wagen von 7,51 bis 15,50 PS. 3. Gruppe Wagen über 15,50 PS. Ueber die organisatorische Durchführung der definitiven Rationierungsmassnahmen, deren Regime am 16. November beginnt, können wir unsern Lesern so viel verraten, dass jedem Fahrzeugbesitzer, der den ausgefüllten Fragebogen eingesandt hat — rund 50,000 türmen sich auf den Tischen des Eidg, Statistischen Amtes — eine Stammkarte mit nähern Angaben darüber zugestellt wird, in welche Dringlichkeits- und Quantitätskategorie er eingeteilt ist. Gestützt auf diesen Ausweis kann er bei der zuständigen kantonalen Behörde (Automobilkontrolle usw) die ihm zukommenden Rationierungsscheine beziehen. Auf welche Brennstoffmenge er dabei Anspruch besitzt, darüber erteilt die Sektion für Kraft und Wärme den kantonalen Stellen jeweilen für die Dauer eines Monats, eventuell auch für eine längere Periode genaue Anweisungen, die sich natürlich nach der Versorgungslage richten. Wenn nun die Sektion für Kraft und Wärme bei ihren vorläufigen Berechnungen von einer ungefähren monatlichen Fahrleistung von 350—1500 km für die Kategorie A, von 800—1000 km für die Kategorie B, von 400—700 km für die Kategorie G, und von 250-^-300 km für die Kategorie D ausgeht — wobei die « Siebung > nach Quantitätskategorien sehr rigoros vorgenommen und kein Pardon gewährt wird — dann bedeutet das, in die Sprache der Praxis übersetzt, selbst für jene Fahrzeuge der Kategorien A und B, welche die grössten Treibstoffmengen zugeteilt erhalten, eine Herabsetzung ihrer normalen monatlichen Kilometerleistung um mindestens die Hälfte. Verhältnismässin noch stärkere Kürzungen erleidet die monatliche Fahrstrecke der übrigen Quantitätskategorien von A und B sowie der Kategorie C, und den Wagen der Kategorie D schliesslich wird ein Benzinkontipgent zugedacht, wobei sie sich mit weniger als einem Viertel des unter normalen Verhältnissen üblichen Durchschnitts von 1500 km pro Jahr begnügen müssen. Steigerung der Motorleistung durch Erhöhung der Klopffestigkeit des Benzins Aufhebung des Verbotes der Beimischung von Bleitetraäthyl ergäbe eine um 10—15 % bessere Ausnützung des Benzins. Der Zeitpunkt, dringende Benzinfragen einmal gründlich zu lösen, ist heute gekommen. Der Bundesrat besitzt die hierfür nötigen Vollmachten. Dio Notwendigkeit der Treibstoffrationierung bringt Nachteile mit sich, die nur von Fachleuten und nach gründlichem Studium übersehen werden können. Warum es zu einer solchen Massnahme kommen musste und wieviel Benzin pro Motorfahrzeug abgegeben werden darf, soll hier nicht erörtert werden. Wir Automobilisten finden uns mit diesen Einschränkungen ab, weil wir der Armee nicht nehmen wollen, was sie eventuell nötig hat. Gewiss ist die Einlagerung von Benzin mit Schwierigkeiten verbunden. Und diese Schwierigkeiten stellen nicht nur eine Geld- oder Kreditfrage dar, sondern es gibt noch Probleme, die bloss vom Chemiker gelöst werden können. Trotzdem wird es wohl für die nächste Zukunft möglich sein, den Benzinmarkt besser zu organisieren, so dass der einzelne Fahrer, ohne Gefährdung unserer Wehrkraft, die Zuteilung grösserer Benzinmengen sollte erwarten dürfen. Nachdem nun für jedes Automobil ein gewisses Benzinquantum zugestanden wird, etellt sich die Frage: