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E_1939_Zeitung_Nr.079

E_1939_Zeitung_Nr.079

für Ihre Bemühungen

für Ihre Bemühungen den Dank des schweizerischen Autogewerbes aussprechen, hoffen wir gerne, verschiedene Probleme zu gegebenem Zeitpunkt einmal mündlich mit Ihnen besprechen zu können. So sieht es im Motorfahrzeuggewerbe aus. Eine Frau, die für ihren zu den Waffen gerufenen Mann in der Leitung der Garage einspringen musste, meldet sich mit folgendem Brief zum Wort: Sehr geehrter Herr Oberst! Ich muss Hmen für Ihre trefflichen Worte danken. Sie sprachen damit gewiss allen Gewerbetreibenden der Motorfahrzeug-Branche aus dem Herzen. Wir alle haben bestimmt nur den einen Wunsch, dass die zuständigen Organe die Notlage unseres Gewerbes erkennen. Da mein Mann auch in den Aktivdienst einrücken musste, führe ich unsern Betrieb mit zwe Arbeitern weiter. Sollte jedoch der momentane Geschäftsgang in einen Dauerzustand übergehen so wären wir gezwungen, trotz guter und grosser Stammkundschaft unser Geschäft zu schliessen. Was dies für meinen Mann, einen anerkannt tüchtigen und seriösen Geschäftsmann (und Inhaber des eidg. Meisterdiploms) bedeuten würde, lässt sich gar nicht ausdenken. Mit nochmaligem aufrichtigem Dank zeichnet E. P. Warum Lastwagen stillegen, anstatt sie den Arbeitsgemeinschaften zuteilen ? Ein Vorschlag, der ernsthafter Prüfung wert erscheint, weil er geeignet ist, brachliegendes Wagenmaterial im Dienste unserer Wirtschaft nutzbringend zu verwerten, findet sich in einer weiteren Zuschrift: Industrie und Gewerbe bemühen sich umsonst ihTe von der Armee requirierten Lastwagen freizubekommen und unter einen gewissen Bestand wird die Armee nicht gehen können. Ich denke nun in erster Linie an diejenigen Motorlastwagen, die von ihren Haltern nur in beschränktem Umfang ausgenützt werden und oft mit geringfügigen Lasten beladen den zugeteilten Brennstoff verbrauchen. Alle diese Fahrzeuge hätten sich einer der zu gründenden Transportgemeinschaften anzusehliessen. Nun ist aber Ihrem Artikel zu entnehmen, daes im Kanton Waadt die Kontrollschilder von 82 Lastwagen abgegeben wurden. Diese Fahrzeuge sind demnach dem Verkehr entzogen. Aehnlich werden die Verhältnisse in den übrigen Kantonen liegen. Diese « aufgebockten» Wagen bilden meines Erachtens eine wertvolle Reserve, die zu requirieren und den Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung zu stellen wäre. Zusätzlich wären auch die seit der Mobilisation angeschafften neuen Lastwagen greifbar, die auf Gesuch hin während der Dauer eines Jahres von der Requisition befreit werden und, soweit sie armeetauglich sind, überdies Anspruch auf gewisse Bundesbeiträge während fünf Jahren haben. Richtung hin verdienen eine Prüfung durch die Bundesbehörden, denn darüber sind wir uns alle einig, dass dem Mobilisierten ebenso die Möglichkeit gewährt sein muss, seinen Lebensunterhalt zu verdienen wie dem Zivilisten, zumal auch jener seine Familie hinter der Front zurücklässt. Teilt man diese Wagen, soweit angängig, der Gegend ihres normalen Standortes zu, so könnte man vom Eigentümer eines jeden Fahrzeuges verlangen, dieses in seiner Stammgarage reparieren zu lassen, womit eine gerechte Verteilung gesichert •wäre. Und die Versicherungsfrage ? Wie stellt sich eigentlich das Versicherungsgewerbe zu der Tatsache, dass infolge der Treibstoff rationierung und Sparmassnahmen der Motorfahrzeugverkehr gegenüber früher auf einen verschwindenden Bruchteil reduziert worden ist und damit die Gefährdung des einzelnen Fahrzeugs nur mehr einen geringen Prozentsatz gegenüber dem bisherigen Normalverkehr ausmacht? Wenn ein Fahrzeug, das vor der Mobilmachung beispielsweise zirka 25 000 bis 30 000 km im Jahr gefahren wurde, jetzt nur noch mit Betriebsstoff für eine bedeutend geringere Strecke rechnen kann, bei stark verminderter Verkehrsdichte auf allen Strassen, so würde es wohl eine grosse Ungerechtigkeit bedeuten, wollte man die Versicherungsprämie für das neue Jahr in derselben Höhe belassen wie > bisher. Das würde zweifellos zu einer weiteren « Aufbockung > vieler Fahrzeuge mit all den vielseitigen und schwerwiegenden Folgen führen. Auch da sollte man rechtzeitig vorkehren, ehe es zu spät ist, denn die meisten Fahrer müssen ihre Dispositionen beizeiten treffen. Benzinsteuer mit Einschluss der Versicherung. Die von Ihnen vorgeschlagenen Lösungen — stellt ein weiteres Schreiben an Oberst Vallotton fest — sind derart einfach, dass es den Behörden vielleicht gerade aus diesem Grunde schwer fällt, sie zu verstehen. .. Unter den heutigen aussergewöhnlichen Umständen ist es möglich, dass Ihre Intervention mit zu einer Beschleunigung der Lösung des Problems und zu einer Aenderung im gegenwärtigen Stand der Dinge führt, unter dem ein Teil unserer Bevölkerung und das gesamte Motorfahrzeuggewerbe leiden. Wie man sich auch immer dazu stellen möge: die Besteuerung des Motorfahrzeugs darf einzig auf AUTOMOBIL-REVUE der Grundlage des Verbrauchs erfolgen: Treibstoff, Oel und Reifen. Es wäre sogar logisch, zu gegebener Zeit darin auch die Haftpflichtversicherung einzubegreifen. Aber das ist etwas anderes... Ich pflichte auch Ihrer Auffassung über das unverständliche Sonntagsfahrverbot ru, das sich mit nichts zusammenreimt, seitdem man den Brennstoff rationiert hat, das aber unserer gesamten Wirtschaft schweren Schaden zufügt. für die Ausführung solcher Arbeiten erforderlichen Garagechefs und Mechaniker vorübergehend beurlauben. Dabei besteht die Absicht, diese Methode durch schrittweisen Abbau der Armeereparaturkolonnen noch weiter auszubauen. Was die übrigen von Oberst Vallotton in die Diskussion geworfenen Fragen, wie die Vereinheitlichung der Verkehrssteuer, Aufhebung des Sonntagsfahrverbotes und Schaffung ziviler Reserven anbelangt, welche in den Kompetenzbereich der zivilen Behörden fallen, so ist geplant, diesen unverzüglich konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Und jetzt? Inzwischen hat der Motorwagendienst des 1. Ar Wie entwickelt sich die Aktion? meekorps (dessen Chef niemand andere ist als Oberst_ Vallotton) damit begonnen, die in seinem Am vergangenen Freitag fand in Ölten die von Gebiet'ausser Verkehr gesetzten Lastwagen zu zählen. In den Stillegungen dieser Fahrzeuge liegt ein uns angekündigte Sitzung der Anneeinstanzen statt. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Militärbehörden bereits auf die Verwirklichung der von benötigen. Man könnte sie somit als Ersatz für die Indiz dafür, dass deren Halter sie nicht dringend Oberst Vallotton entwickelten Ideen eingetreten im Dienst stehenden mobilisieren, deren Einziehung sind, indem sie Reparaturaufträge soweit als möglich dem privaten Autogewerbe übertragen und die seiner Existenz manchen der davon betroffenen Unternehmer in bedroht. Steuerermässigung und Abbau der Versicherungsprämien (Schluss von Seite 1.) Hinzu kommt aber noch, dass die für die Kategorien B und G angenommenen Wagenbestände vermutlich zu tief kalkuliert sind. Die Auswertung der Ergebnisse der Rundfrage wird — was wir früher schon angedeutet haben — Licht in diese Seite der Angelegenheit bringen und voraussichtlich mit einer Erhöhung der hier angenommenen Fahrzeugzahlen enden, währenddem umgekehrt der umfang der Kategorie D (d. h. der mehr zu touristischen Zwecken verwendeten Wagen) hinter der Ziffer zurückbleiben dürfte, womit die Sektion für Kraft und Wärme rechnet. Reduktion der Fahrleistung einerseits, gleichbleibende feste Unkosten (wie Steuern, Versicherungsprämien, Amortisation, Garage usw.) anderseits müssen in ihrem Zusammenwirken unfehlbar zu einer Verteuerung der Kilometerkosten führen. Welches Ausmass diese Verteuerung erreicht, dafür sei eine Probe aufs Exempel gemacht: Für 100 Fr. Verkehrssteuer oder Versicherungsprämien stellt sich die Belastung je Fahrkilometer bei 20.000 km jährlich auf 0,50 Rp., bei 4000 km dagegen auf 2,50 Rp. und bed 3000 km sogar auf 3,33 Rp. Auf einen andern Nenner gebracht, bedeutet dies, dass bei einem 12-PS-Wagen, für den im Landesdurchschnitt jährlich 460 Fr. an Steuern und Haftpflichtprämien zu entrichten sind, der Anteil dieser Kosten bei 20,000 Fahrkilometern im Jahr 2,3 Rp. pro Kilometer beträgt; bei .1000 Fahrkilometem steigt er bereite auf 11,50 Rp. und bei einer Jahnen leistung von 3000 km wächst er auf 15,32 Rp, an. 3. Die Motoreinstellung. Am sparsamsten funktioniert ein Motor, wenn seine Einstellung dem Brennstoff genau entspricht; aber nur der Fachmann ist imstande, eine Motorinsteilung mit der erforderlichen Präzision vorzunehmen. Selbst dann jedoch, wenn sich der Motor in einwandfreiem Zustand befindet, gelingt es nicht immer, die maximale Leistung aus dem Brennstoff herauszuholen, und zwar besonders dann nicht, wenn ihm eine wichtige Eigenschaft abgeht, DIE KLOPFFESTIGKEIT. Es handelt sich hier um einen Begriff, der erst durch das neuzeitliche Motorfahrzeug eine ungeheure Bedeutung erlangt hat. Von Jahr zu Jahr erhöhte sich das Kompressionsverhältnis der Motoren, um aus einem gewissen Quantum Benzin und aus einer bestimmten Motoren.grösse ein Maximum an Leistung herauszubringen. Man konstruierte die Motoren besser durch und fand Mittel und Wege, um den Brennstoff kompressionsfester, d. h. klopffester zu machen. Der Motorenkonstrukteur legt seinen Berechnungen einen Brennstoff zugrunde, der nach seinem Ermessen überall erhältlich und für den Fahrzeughalter am wirtschaftlichsten ist. So sind denn die Motoren der Gegenwart für den Betrieb mit Brennstoffen gebaut, die eine bestimmte Klopffestigkeit besitzen. Benzin, dessen Klopffestigkeit den heutigen Ansprüchen nicht genügt, lässt sich nicht anders denn als schlecht bezeichnen. Ein solcher Brennstoff aber schliesst bei Motoren, die für gutes Benzin gebaut wurden, einen •wirtschaftlichen Betrieb aus. wischen gutem und schlechtem Automobilbenzin besteht nur ein sehr geringer Kostenunterschied. Die Leistung des Motors dagegen könnte mit gutem Benzin um mindestens 10% erhöht werden, was nichts anderes heisst, als dass wir mit dem uns zur Verfügung stehenden Benzin mindestens 10% mehr Weg zurückzulegen imstande wären. Warum aber verfügen wir in der Schwei« nicht über gutes Benzin? Man erklärt mir, der Grund hierfür liege darin, dass es mit Rücksicht auf unsere Handelsabkommen aus Ländern bezogen werden müsse, die eben zum gleichen Preis kein gutee Benzin liefern können. Nun steht uns jedoch ein Mittel offen, um auch * Gleich ein ganzes Programm Ausserdem belastet das Benzin den Fahrkilometer entwickelt ein Automobilvertreter. Aus seinen Darlegungen schälen wir jene Punkte wächst somit einem Wagen der Kategorie D, für einstweilen noch um weitere 6 Rp. Per Saldo er- heraus, die mit den durch Oberst Vallotton welche nach der definitiven Benzinrationierung ein Jahrestotal von 3000 bis 3600 km vorgesehen ist, aufgerollten Fragen in unmittelbarem Zusammenhang stehen : versicherung und Benzin eine Belastung von 18,9 pro Fahrkilometer allein aus Steuern, Haftpflicht- Zivile Benzinreserven: Es liegt durchaus im bis 21,3 Rp., mehr als das Dreifache des Drittklasstarifs und mehr als das Doppelte des Zweitklass- Interesse der Armee wie der zivilen Wirtschaft, die Schaffung privater Benzinvorräte zu begünstigen, tarifs der SBB. aber wäre es nicht auch angezeigt, zugleich die vielen vorhandenen, jedoch ausser Betrieb gesetzten Reservoirs zu benützen ? FOLGEN VERMEHRTER STILLEGUNG Requisition : Meines Erachtens wäre es besser gewesen, einen allgemeinen Requisitionsplan aufzustellen, der vor allem jene "Wagen erfasst hätte, Gelingt es nicht, diese dem Personenwagen drohende Betriebsverteuerung zu mildern, dann deren Chauffeure periodisch zur Verfügung stehen. stehen mit Sicherheit zweierlei Folgen zu erwarten: Damit Hessen sich Störungen im Wirtschaftsleben Zum ersten eine weitere Verteuerung der allge- vermeiden. Reparaturen: Ihre Anregungen nach dieser meimen Lebenshaltung (weil die Eigentümer jener Fahrzeuge, deren die Wirtschaft unbedingt bedarf, die Kostensteigerung auf den Konsumenten abzuwälzen suchen werden) und zum andern eine Vermehrung des Anreizes zur Stillegung (für die Halter jener Fahrzeuge nämlich, welche zur Sicherung der geschäftlichen Existenz oder zur Ausübung der Berufstätigkeit nicht absolut erforderlich sind, also in erster Linie für die Wagen der Kategorie D). Das Unheil läset sich abwenden durch Gewährung von Erleichterungen auf den Steuern und den Versicherungsprämien. Aber man zögere nicht damit Denn sonst wird und muss das eintreten, was Oberst Vallottons untrüglich klarer Blick voraussieht? Finanzielle Rintrassem für die Kantone, Zusammenbruch des Motorfahrzeuggewerbes und Schwächung unserer Wehrkraft. In Kriegszeiten muss die Armee über einen fahrbereiten und nicht über einen aufgebocktem Park verfügen können. Und es Messe Vogetetrauasipolitik betreiben, wollte man eich der Tatsache verschliessen, dass auch jener Teil unseres Fahrzeugbestandes im Verkehr zu bleiben hat, der nicht unmittelbar lebenswichtigen Wirtsehafteintereesen dient. Wir machen mit dieser summarischen Schilderung der Gefahren, denen wir uns aussetzen, durchaus nicht etwa in Schwarzmalerei. Beweis: Die zustandigen Bundesinstanzen legen ihren vorläufigen Ueberschlägen nur noch ©inen Personenwagembeetand von 40,000 Fahrzeugen zugrunde. Man nimmt also ohne weiteres an, dass rund die Hälfte unseres ganzen Wagenparke als Folge der Rationierungsmaesnahmen au« dem Zivilverkehr ausgeschaltet sei. Allerdings darf dabei sogleich bemerkt werden, daea diese Schätzung aler Voraussicht nach durch die Ergebnisse der Rundfrage eine Korrektur erfährt, weil es eich zeigt, dass die Zahl der wirtschaftlich unentbehrlichen Wagen nicht unerheblich gröser ist, als die amtlichen Stellen angenommen halben. WIE LÄSST SICH DIE GEFAHR BANNEN? a) durch Steuerreduktionen. Fordern somit das wehrpolitische wie das wirtschaftliche Landesintereeise, dass trotz der Treibetoffrationierumg möglichst viele Fahrzeuge weiter im Verkehr bleiben, dann entspringt daraus die Verpflichtung, jedes Mittel zu nützen, das geeignet erscheint, im Motorfahrzeughesitzer den Wunsch nach Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs zum Entschluss heranreifen zu lassen. Erleichtert aber Ein Benzinproblem Schluss von Seite 1. schlechtes- Benzin qualitativ zu verbessern. Dieses Mittel heisst: Blei-Tetraäthyl. Die Beigabe einiger Tropfen Blei-Tetraäthyl auf einen Liter Benzin erhöht dessen Klopffestigkeit ganz wesentlich, sie genügt, um das Benzin um 10%, in vielen Fällen bis zu 15% wertvoller zu machen. Dabei kostet das hierfür notwendige Blei- Tetraäthyl pro Liter nicht einmal einen Rappen! Wohl hat man den Benzinpreis während der letzten Jahre erhöht— bis zum Januar 1935 noch stand er auf 36 Rappen pro Liter — die Benzinqualität blieb dabei aber gleich, und zwar well der Verbesserung unseres Benzins ein veralteter Paragraph im Wege steht. Die Auslegung unseres Lebensmittelgesetzes gibt den für die Ausübung dieses Gesetzes zuständigen Organen die Möglichkeit in die Hand, die Beimischung von Blei-Tetraäthyl zu verbieten, mit der Begründung, dass es giftig sei. Das stimmt, aber Benzin stellt ja an und für sich kein Genussmittel dar. Dass aber durch die Auspuffdämpfe die Menschen dahingemäht würden, gehört genau so gut ins Reich der Legenden wie seinerzeit bei der Einführung der Eisenbahn die Prophezeiung, sie werde zum Absterben der Kulturen führen. Tatsächlich benutzt man Blei-Tetraäthyl in den meisten Staaten der Welt ohne weiteres zur Verbesserung des Benzins. So fährt z. B. der Automobilist in Nordamerika, das namentlich in den Großstädten viel intensiveren Verkehr aufweist, grossenteils mit Brennstoffen, die einen Blei-Tetraäthyl-Zusatz enthalten. Flugzeugmotoren z. B. könnten mit unserem normalen Benzin schon gar nicht mehr betrieben werden. Tatsächlich hat man denn auch bei uns der Fliegerei in dieser Hinsicht eine Ausnahmebehandlung zugestanden. Deutschland, Italien, Holland und andere Länder schreiben zur besseren Ausnützung der Brennstoffe die Klopffestigkeit vor. Der Bundesrat hat es heute in der Hand, von den vielen in das Ausland fliessenden Benzinmillionen 10—15% für unser Land einzusparen. Ausserdem wäre mit der Aufhebung des Beimischungsverbots für Blei-Tetraäthyl dem Automobilfahrer im einzelnen wesentlich geholfen und zugleich ein Anfang zur Lösung der Benzinprobleme gemacht. C Ben seh, Automobilineenieur SAE. wird ihm dieser Entschluss vor allem durch die Einräumung finanzieller Entlastungen. Ein erster Weg zur Erreichung dieses Zieles fühlt über die Ermässigung der Verkehrssteuern für die Dauer der Rationierung, wobei es unseres Erachtens unerlässlich ist, die Reduktion in einem Ausmass vorzunehmen, das der Einschränkung der Fahrkilometer entspricht. Um indessen nicht auf halbem Weg stehen zu bleiben, muse grundsätzlich auch die monatliche Steuerberechnung zur Einführung gelangen, und zwar deshalb, weil bei der definitiven Benzinrationierung die Festsetzung der bewilligten Mengen voraussichtlich ebenfalle nur von Monat zu Monat erfolgt. lediglich wenn die Automobilisten der Kategorien G und D die Gewissheit besitzen, dass .sie im Falle der Sistierung der Brennstoffzuteilung für ihre Wagen die zu viel entrichteten Steuern zurückvergütet erhalten, besteht Aussicht auf eine nennenswerte Wiedereinlösung von Kontrollschildern ru Beginn des Jahres 1940. Damit soll die Frage der Abschaffung der kantonalen Steuern während der Kriwgozeit und deren Ersatz durch einen Zuschlag auf d«n Benzin, wie sie Oberst Vallotton in seinem Artikel aufgeworfen hat, in keiner Weise präjudiziert sein. Wir beabsichtigen vielmehr, in einer der nächsten Nummern auf dieses Problem näher zurückzukommen. Als zweiter Weg, um der Einstellung von Wagen entgegenzutreten und die Wieder-in-verkehreetzung bereits stillgelegter zu fördern, fällt b) ein Abbau der Prämiensätze für die Haftpflicht-, Kasko-, Insassen-, Unfall- und Rechtsschutzversicherung. für die Zeit der Kraftstoffrationierung in Betracht. Auch diese Forderung gründet sich auf die Tatsache der Reduktion der Fahrleistungen und der Verminderung des Risikos, welche damit Hand in Hand geht. Dass die Versicherungsprämien dieser veränderten Situation angepasst und im gleichen Ausmass gesenkt werden müssen, wie die Zahl der Fahrkilometer abnimmt, entspricht lediglich einem Gebot der Billigkeit. Gewiss hat die Verkehrsdisziplin mit der durch die Treibstoffrationierung hervorgerufenen rückgängigen Verkehrsdichte eine Lockerung erfahren, aber abgesehen davon, dass Behörden und Verbände die nötigen Vorkehrungen bereits an die Hand genommen haben, um einer Unterminierung der Verkehrssicherheit zu steuern, wird das Nachlassen der Disziplin dadurch wettgemacht, dass die Gelegenheitsfahrer aus dem Strassenbild verschwinden, dass die Reisedurchschnitte als Folge des Zwangs zum Benzinsparen gesunken sind und dass schliesslich eine Hauptursache schwerer Unfälle, der Ueberlandverkehr, im Zeichen starker Schrumpfung ist. Aus diesen Faktoren resultiert eine Verminderung nicht nur des Risikos bei der Haftpflicht-, sondern gleicherweise auch bei Kasko-, Insassen-, Unfall-, Chauffeur- und Feuerversicherung. Deshalb muss dem Begehren nach einem Abbau der Prämien all dieser Versicherungsarten gestellt werden, einem Abbau, für den als Grundsatz die Anpassung an die Einschränkung der Fahrleistungen zu gelten hat. Und der Benzinzoll? Aus Hunderten von Millionen privaten Kapitals haben die Automobilisten ein kriegswirtschaftlich und wehrpolitisch eminent wichtiges Transportinstrument geschaffen. Die Erhaltung dieser Werte liegt im Interesse des ganzen Landes. Warum soll nicht der Bund in Form einer Herabsetzung des Benzinzolls das Seinige dazu beitragen? Eine solche Geste des Entgegenkommens wäre um so eher am Platz, als bei einem wesentlichen Teil der übrigen den Benzinpreis bestimmenden Elemente bereite Aufschläge eingetreten sind, die zu einer scharfen Verteuerung geführt haben. Wenn schon der Bund aus handelspolitischen Erwägungen heraus das Benzin zur Hauptsache aus einem Lande bezieht, das dafür einen höheren Preis verlangt — und auch erhält — als andere Lieferstaaten, dann soll er die dadurch bedingte Verteuerung durch einen Nachlass auf dem Benzinzoll auffangen helfen. Auch das wäre ein Stück konstruktiver Automobilund damit Wirtschafts- -wie Landesverteidigung«- politik. , Voraussichtliche Benzinzuteilung bei der definitiven Treibstoffrationierung Drlngllchktitskateiorle C D Drlnjllchkeits- DIENSTAG, 24. OKTOBER 1939 — N° 79 die ab 16. November In Krait tritt £Ue*tatel fit Personenwagen Jtavisoxische Quant.- kattgorig Bit 7,1 Pt. 7,11-15,1 PS. Ok*r1I,5Pt 1 2 3 4567 8 120 L. 100 L. 90 L. 80 L. 70 L. 60 L. 46 L. 30 L. 180 L. 150 L. 135 L. 120 L. 105 L. 90 L. 70 L. 45 L. JxoMSoxisdie £U&Ualelßc Lieferwagen (unter 1 Tonne Nutzlast) 210 L. 175 L. 160 L. 149 L. 125 L. 105 L. 85 L. 55 L. 1 80 L. 120 L. 140 L. 2 60 L. 90 L. 105 L. 3 40 L. 60 L. 70 L. 1 50 L. 75 L. 90 L. 2 30 L. 45 L. 55 L. 20 L. 30 L. 35 L. Quant.- kategorie kategori« bil 7,5 Pt 7,81-15,5Pt IktriMM 1 150 L. 225 L. 300 L. 2 125 L. 190 L. 250 L. 3 100 L. 150 L. 200 L. A 4 75 L. 116 L. 150 L. 5 50 L. 75 L. 100 L. 6 35 L. 55 L. 70 L. 7 20 L. 30 L. 40 L. 1 110 L. 150 L. 200 L. 2 75 L. 115 L. 160 JJ. 3 50 L. 75 L. 100 L- 4 35 L. 55 L. 70 L. 5 20 L. 30 L. 40 L. 1 75 L. 115 L. 150 L. 2 50 L. 75 I* 100 L. 3 35 L. 56 L. 70 L. 4 20 L. 30 L. 40 L.

flJO 79 _ DIENSTAG, 24. OKTOBER 1939 AUTOMOBIL-REVÖE Sicassenveckefic und JCtiegswictsehaft Die bernischen Verkehrsverbände beim Polizeidirektor: Zurückstellung des im Wurf liegenden Verkehrssteuergesetzes und der Vorlage über den Bau von Radfahrwegen. Nach den baidseitig gemachten guten Erfahrungen mit den Besprechungen der berniechen Polizeidirektion und den am Strassenverkehr interessierten Verbände lud Herr Regierungsrat Seematter auf vergangenen Mittwochnachmittag wieder zu einer Konferenz in das Rathaus ein. Der Polizeidirektor führte in seinem Referate aus, das« sowohl dae Gesetz über die Straasenpoliaei und die Erhebung einer Motorfahrzeug- Steuer, sowie dasjenige über die Erstellung von Radfahrwegen in normalen Zeiten am 2./3. Dezember zur Abstimmung durch das Volk hätte gebracht werden können. Jetzt aber müsse die weitere Bearbeitung beider Vorlagen vorderhand eingestellt werden, sollen abe'r zur gegebenen Zeit auf dem gesetzlichen Wege wieder zur Behandlung kommen. Das Gesetz über die Strassenpolizei und Motorfahrzeugsteuer enthält nur 9 Artikel und ersetzt 4 alte gesetzliche Erlasse. Ee sieht die notwendige Kompetenaentrennung zwischen der Bau- un-d der Polizeidirektion vor. Die Steuer soll nicht mehr al« Objektsteuer erhoben und im Dekret vom Grossen Rat festgesetzt werden. Das Ertragnis soll grundeäzlich nicht kleiner eedn als dasjenige einee Normaljahree. Da die verfügbaren Mittel der Baudirektion kaum ausreichen, die dringend notwendigen Arbeiten für den Strassenunterhalt zu bestreiten, muss der Bau von Radfahrwegen, die geeignet wären, den Straßenverkehr weitgehend zu entlasten, leider ebenfalls hinausgeschoben werden. Vorgeeehen ist in diesem Gesetz, dass Automobile. Motorradfahrer und Radfahrer eine S'pezialsteuer bezahlen, deren Ertrag nur zum Bau von Radfahrwegen verwendet werden darf. Die Wirkungen der Mobilisation auf den Verkehr bildeten ein spezielles Traktan-dum. Regierungsrat Seematter führte ans, dass die Verfügungen der eidgenössischen Behörden auch für den Kanton Bern Geltung halben, öbsehon manda und dort vielleicht eine andere Lösung vorgezogen hätte. Hauptsächlich das Strassenvßrkehrsanit, wo von 24 Angestellten deren 14 einrücken mussten, habe — wie überhaupt alle Angestelltem des Polizeidepartementes — ein vollgerüttelt Mass von Arbeit zu bewältigen gehabt. Nur durch die vorher geleisteten Arbeiten sei ee möglich geworden, allen durch die Rationierung des Treibstoffes verursachten Aufgaben gerecht zu werden. BundesbeecMüse gelangen oft verspätet in die Hände der kantonalen Instanzen, was diese vielfach hindert, auf telopboniscbe oder schriftliche Anfragen sofort Antwort zu erteilen. Lastwagen von einer Tonne oder mehr erhalten in Zukunft die zusätzliche Bezugskarte für Benzin bei der Sektion für Kraft und Wärme, Falkenplatz 18, Bern. Benzin soll nach Möglichkeit so riel abgegeben werden, als Handel und Gewerbe zur Aufrechterhaltung der Betriebe benötigen. Der Entzug des F üh r er aus weises wurde seit einiger Zeit im Kanton Bern gemildert (was dankbare Anerkennung fand) und nur noch tue im eidgenössischen Gesetz vorgeschriebenen Strafen verhängt. Dagegen werden da, wo dies wegen mangelnder moralischer, geistiger oder körperlicher Eignung im Interesse der Verkehrssicherheit angezeigt sei, auch vor schärferen Verfügungen nicht zurückgeschreckt. Leider müsse festgestellt werden, dass die Verkehrsdisziplin durch die Einschränkungen des Fahrbetriebes bereits etwas gelitten habe; die Verbände sind, döshalfc ersucht, in vigenem Interesse dafür zu sorgen, dass die Zügel nieder etwas straffer angezogen werden. In der anschliessenden. Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, womit das Sonntagsfahrverbot begründet werde und welche Wirkung man davon erwarte. Da jeder Motorfahrzeughalter nur sein bestimmtes, stark reduzierte« Quantum Benzin erhalte, bedeute dieses Verbot absolut keine Ersparnis, Auch wurde eine Notverordnung vermiest, weiche die Steuer entsprechend der gegenüber normalen Zeiten bedeutend reduzierten Kilometerzahlen regelt wie auch bei der Requirierung von Fahrzeugen. Gewünscht wird ferner, dass im Interesse der Lebensfähigkeit Tieler Garagen Gesellschaftewagen — wenigstens in beschränktem Masse — für Sonntagsfahrten freigegeben werden, da auch eidgenössische Postautomobile an Sonntagen Privatfahrten ausführen. -i. AKTUELLES Werden die Wagen teurer? Es fehlt schon heute nicht an Anzeichen dafür. Wird .die TeuerungstendeM, welche nach Kriegsausbruch bereits auf zahlreichen Warengattungen eingesetzt hat, auch auf die Wagen übergreifen ? Es bedarf keiner akademisch-volkswirtschaftlichen Vorbildung, um die Antwort auf diese Frage zu finden. Denn haben — alles in allem genommen —- die Preise für neue Automobile bisher auch noch feit angezogen, so liegt es auf der Hand, dass die iler den heutigen Verhältnissen unvermeidlich wordene ansteigende Bewegung der Preiskurve auch vor ihnen nicht Halt machen kann. Mit der Entfesselung des bewaffneten Konfliktes, mit der Umstellung der Wirtschaft der kriegführenden Staaten auf die Notwendigkeiten und Bedürfnisse der Armee ist die Nachfrage auch nach jenen Rohstoffen und übrigen Materialien, welche in der Autoindustrie und verwandten Branchen Verwendung finden, sprunghaft angewachsen. Darin aber liegt ein Element der Verteuerung begründet, dem sich auch unser Land und sein Automobilgeschäft nicht zu entziehen vermögen. In welchem Umfang der auf die Rohstoffe entfallende Kostenanteil bereits zugenommen hat, illustriert die nachfolgende Gegenüberstellung der Indexziffern gewiwer für den Automobilbau erforderlicher Materialien Ende August und Ende September 1939, •wohlverstanden in der Schweiz : Zinn 457/630; Blei 3590/6200; Kupfer 94/160; Wolle 440/675; Kautschuk 168/265. Für die Wagen, Bestandteile usw., welche wir aus Uebersee beziehen, kommt nun aber ein weiterer gewichtiger Faktor hinzu : Infolge des erhöhten Risikos sind die Transportversicherungsprämien von 0,9 auf 8 % emporgeschnellt. Davon gehen 5K % auf das Konto der Seekriegs- und 2K % auf jenes der Landkriegsversicherung'. Gleichzeitig bewegen sich auch die Frachtkosten in aufsteigender Linie, weil für die Beförderung nach der Schweiz gewisse Umwege eingeschlagen werden müssen. Angesichts dieser Entwicklung eines Teile der Preisgrundlagen lässt es sich fast an den Fingern abzählen, dass auf die Dauer die Aufrechterhaltung der bisherigen Wagenpreise frommer Wunsch wird bleiben müssen. Dabei handelt es sich hier, Ein offener Brief Oberst Vsüfottons an den Bundesrat Zu Beginn dieser Woche hat Oberst Vallotton, der Präsident des Nationalrates, einen offenen Brief an den Bundesrat gerichtet, worin er einleitend nochmals auf die bereits in seinem Artikel dargelegten Notwendigkeiten unserer Landesverteidigung zurückkommt: Die Sicherung eines möglichst grossen fahrbereiten Bestandes ziviler Fahrzeuge und die unverzügliche Ergreifung von Massnahmen, um unsern zivilen Garagen und Reparaturwerkstätten die Fortsetzung ihrer Tätigkeit zu ermöglichen, soweit es die Umstände irgendwie gestatten. Im Anschluss daran rollt der Brief nochmals die Frage der Aufhebung eds Sonntag-Fahrverbotes auf, wozu der Brief im einzelnen folgende Argumente ins Treffen führt: 1: < Da der Automobilist und der Motorradfahrer pro Monat nur eine bestimmte Menge Benzin verbrauchen kann, will die Frage nicht veretuinmen, was es denn dem Bundesrat schon ausmachen könne, ob der motorisierte Strassenibeoützer den Brennstoff, auf den er Anspruch hat, am Sonntag oder am Werktag konsumiere. Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht, weil man die Massnahme einfach nicht verstehen kann. Im Anfang des Krieges, bevor die Rationierung verfügt wurde, war das Verbot legitim, weil um jeden Preis auf sparsamen Benzinverbrauch Bedacht genommen werden musste. Heute indessen hat die Massnahme ihre Daseinsberechtigung verloren. Auf der Suche nach einer Erklärung fragt sich der Schweizerbürger, ob die Verewigung dieses "Verbotes vielleicht das Ziel anstrebe, durch Unterdrückung des Automobilverkehrs die SBB zu begünstigen. Handelt es sich um eine neue Episode im Zweikampf « Schiene — Strasse»? Persönlich sind wir Die Beschrankung des Benzinverbrauchs das sei wiederholt, nur um einen Ausschnitt aus der Vielzahl der die Preisgesatltung bestimmenden Faktoren, denn zur Verteuerung der Rohstoffe, der Frachten und der Versicherungsprämien gesellen sich, namentlich in den kriegführenden Ländern, die ja zu den grössten Automobilproduzenten Europas zählen, noch weitere preissteigernde Momente, wie z. B. die Einschränkung der Erzeugung als Folge der Dienstbarmachung der Autoindustrie für die Rüstung, die Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung usw. Was die Schweiz anbetrifft, so haben unsere Behörden, um die Anschaffung neuer Wagen zu begünstigen und damit den Autohandel vor dem Verfall zu bewahren, das Verbot der Zuteilung von Kraftstoffen an neue Motorfahrzeuge mit der Verlängerung der provisorischen Benzinrationierung aufgehoben und diese Kategorie von Wagen für die Dauer eines Jahres vor der Requisition befreit Um das Sonntagsfahrverbot Kommt die Aufhebung auf Mitte November? überzeugt davon, dass diese Annahme auf einem Irrtum beruht Immerhin sollte man sich davor hüten, auch nur den Schimmer ihrer Wahrscheinlichkeit dafür aufkommen zu lassen, indem man einen Ausnahmezustand weiter beibehält, der sich nicht mehr rechtfertigt. 2. Das Sonntagsfahrverbot bedeutet eine erhebliche Schädigung zahlreicher Garagen, denn am Samstag und Sonntag sind sie zum Feiern verurteilt, weil es keine Reparaturen und keine Reinigungen mehr gibt. Am Sonntag schliesst man den Schalter nach einer Defizitwoche. 3. Zahlreiche Restaurants, Wirtschaften, Tea- Rooms, Konditoreien und ähnliche Betriebe lebten bisher dank dem Automobil vor allem aus ihrem Sonntagsgeschäft. Heute zählen sie ihre Verluste zusammen. 4. Das Sonntagsfahrverbot — das sei mit Nachdruck wiederholt — stellt eine unbestreitbare Ungerechtigkeit gegenüber den Mobilisierten dar, die nur den Sonntag haben, um zu ihren Geschäften zu sehen, ihre Verwandten zu besuchen und die oft genug schwerwiegenden Folgen der Mobilisation zu mildem, über deren Dauer man heute nichts weiss. 5. Die ausländischen Gäste, die sich noch immer in unsern Hotels aufhalten, beklagen sich bitter über diese nur in der Schweiz existierende Massnahme. Aus diesen Gründen heraus muss das Sonntagafahrverbot unverzüglich aufgehoben werden. Ich glaube zu wissen, dass man an höchster Stelle die Beseitigung der Massnahme auf 15. November ins Auge fasst. Wozu aber warten? Warum die Schäden noch weiter anwachsen lassen und weshalb nicht die Rückgabe weiterer Hunderte von Auto- und Motorrad-Schildern auf Ende Oktober verhindern, indem man ungesäumt zur Tat schreitet? Ein stillgelegter Park ziviler Fahrzeuge verkörpert eine Gefährdung der Landesverteidigung: Lassen Sie deshalb nichts unversucht, um die Zahl der in Betrieb stehenden Fahrzeuge zu erhöhen. Wir wissen, dass der hohe Bundesrat mit all seinen Entscheidungen das Ziel verfolgt, die Kräfte Aerzte, Industrielle, Geschäftsleute . . . zwingt Sie, mit dem Brennstoff sparsamer umzugehen, wenn er für ihre Bedürfnisse ausreichen soll. f 'lwierigkelten, die dadurch entstehen können, vermeit.^n Sie am besten durch die Anschaffung eines kleinen Wagens mit geringem Brennstoffverbrauch, der daneben eine hohe Leistungsfähigkeit besitzt. Kaufen Sie einen COMPOUND 6 PS, 7 Liter auf 100 km, Spitzengeschwindigkeit 110 St./km, sehr hohe Reisegeschwindigkeit. GEGENWARTIG DER BESTE KLEINWAGEN. Der komfortabelste franzosischer Konstruktion. Sehr sorgfältig gebaut, allen Ansprüchen, auch Langstreckenfahrten gewachsen. RASCHESTE LIEFERUNG Generalvertreter für die Schweiz: E. M A U R E R, 50, TRANCHEES, GENF Vertreter fOr Bern: H. Schmidt &. Cle, 30 b, Belpstrasse Vertreter für Zürich: P. Glättli, Hofwiesenstrasse 10 Vertreter für Basel: Bader & Cie, Burgfelderstrasse 11 Vertreter für Neuenburg: Garage des Trois Rois, La Chaux-de-Fonds des Landes so lange als irgend möglich intakt zat erhalten. Aus diesem Grunde glauben wir aber* auch, unsere Pflicht als Volksvertreter, als natür-* liebes Bindeglied zwischen Volk und Behörden zu erfüllen, wenn wir Sie von den schweren Folgen des Sonntagsfahrverbotes (deren unmittelbarer Zeuge wir sind) in Kenntnis zu setzen und Sie um dessen sofortige Aufhebung zu ersuchen. » ...und eine Eingabe des A.C.S. an Bundesrat Obrecht Fast gleichzeitig unterbreitete der A.CJS. dem Chef des eidg. Volkswirtschaftsdepartements eine Eingabe, deren Gegenstand ebenfalls die unverzügliche Beseitigung des Sonntagsfahrverbotes bildet Wir geben sie im Wortlaut wieder; « Der Bericht Ihres Sekretariates, wonach die Airßbehung des Sonntag-Fahrverbotes gegenwärtig geprüft werde und die Zeitungsmeldungen über ein» bevorstehende < Lockerung » dieses Verbotes veranlassen uns, Ihnen unsere Auffassung über diese Frage zu unterbreiten. Das Sonntags-Fahrverbot mochte in den ersten Kriegswochen von psychologischem Wert sein — im Hinblick auf den Benzinverbrauch kam ihm aber zweifellos nur eine gering© Bedeutung zu und wirtschaftlich wirkte es sich ausgesprochen ungünstig aus. Letzteres in folgenden, Richtungen: 1. Das Sonntags-Fahrverbot bedeutet vor allem eine schwere Benachteiligung aller Wehrmänner, die sich im Zivilleben in selbständiger oder leitender Stellung befinden. Diese Wehrmänner sind darauf angewiesen, an Sonntagen Angehörige oder Angestellte zur Besprechung der geschäftlichen Fragen zu empfangen, was in sehr vielen Fällen die Benützung eines Automobils voraussetzt. Weiter müssen sie bei Urlauben auch Sonntags die aufgelaufenen Geschäfte erledigen und dringende Besprechungen nachholen können, was wiederum ohne Gebrauch eines Automobils in sehr vielen Fallen erschwert oder verunmöglicht wird. 2. Das Sonntags-Fahrverbot führte im weitern zu einer schweren Schädigung zahlreicher Betriebe des Gastgewerbes. Durch das schlagartige Aufhören des Tourismus ist dieser gesamte Wirtschaftszweig in eine ausserordentlich schwierige und gefährliche Lage geraten; das Sonntags-Fahr-, verbot hat dazu geführt, dass der letzte Rest dos; Verkehrs, der einer grossen Zahl von Betrieben we- A&aenützte Zutindex und JCöl&ewünae lassen einen qtossen %eil des JComa (vtessLousdxuckes entweichen und &thc* hen den !BeminoeH&*aach. 6s lohnt sich, dass kompetente Sachleute JLemedwi schallen. nigstens noch ein gewisses Durchnähen ermöglichen würde, verschwand. 3. Die verzweifelten Appelle aus dem Autogewerbe und aus dem Gastgewerbe scheinen die Bundesbehörden veranlasst zu haben, von einer allzu rigorosen Rationierung abzusehen und auch für jene Wagen, die keinen dringenden wirtschaftlichen Zwecken dienen, die Abgabe eines geringen Benzinquantums in Aussicht zu nehmen. Damit soll die Ausserbetriebsetzung von Personenautomobilen in einigermassen erträglichem Rahmen gehalten werden, wodurch man dem Autogewerbe ein Minimum, von Beschäftigung zu sichern hofft. Die für die Fahrzeuge der letzteren Kategorie vorgesehenen Mengen werden aber nur dann attraktiv wirken (d. h. die Fahrzeugbesitzer zum Verzicht auf die Einstellung bewegen), wenn der Sonntagsverkehr wieder freigegeben wird. •i. Der Beschluss, dass für sämtliche Wagen ein gewisses Benzinquantum abgegeben werden soll, kommt einem Verzicht auf die frühere Absicht, nur wirtschaftlich unbedingt notwendige Fahrten zu gestatten, gleich. Grundsätzlich hat jeder Automobilist das Recht, sein Benzinquantum nach eigenem Gutdünken zu verbrauchen. Das Sonntagsfahrverbot steht zn dieser Auffassung in diametralem Gegensatz. Praktisch wird sich dies so auswirken, dass bei einer weiteren vollständigen oder teilweisen Aufrechterhaltung des Verbotes zahlreiche Automobilisten verärgert und ihre Wagen aus dieser Verärgerung einstellen. Gestützt auf diese unbestreitbaren Tatsachen unterbreiten wir Ihnen das Gesuch, das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement möchte unverzüglich und ohne Einschränkung das Sonntagsfahrverbot aufheben. Wir möchten mit besonderem Nachdruck betonen, dass jede Regelung, die den Sonntagsverkehr nicht vollständig freigäbe, die genannten Nachteile zum Teil bestehen Hessen. Es kann sich deshalb bei der zu treffenden Massnahme nur um eine vollständige Beseitigung des Verbotes handeln. » Nationalrat Grimm nimmt Stellung In einem Brief vom 18. Oktober bezieht der Chef der Sektion für Kraft und Wärme, Nationalrat Robert Grimm, Stellung zu den von Oberst Vallotton angeschnittenen Fragen, wobei er sich über das Thema cAufhebung des Sonntagsfahrverbotes» wie. folgt äussert: «Das Sonntagsfahrverbot ist nicht als Dauermassnahme gedacht. Es entstand zwangsläufig in einem Zeitpunkt, der nur die rohe Rationierung, unbekümmert um die wirtschaftlichen Verwendungszwecke des Automobils, zuliess. Die horizontale Rationierung ist bei den folgenden Provisorien bewusst geändert worden, und sie wird unter dem Zustand der endgültigen Rationierung vollständig verschwinden. Die gegenwärtig in Verarbeitung stehende Erhebung wird zu einem System führen, das die Grundsätze einer gerechten Verteilung der Benzinvorräte weitgehend erfüllt. Die in Aussicht genommene, nach wirtschaftlichen Ueberlegungen abgestufte Rationierung wird die dem Luxus- und Vergnügungsverkehr zufallende Quote reduzieren und im Notfall sogar erlauben, die Zuteilung an diese Kategorie vorübergehend überhaupt zu sistieren. Glücklicherweise braucht dieser Notfall in der nächsten Zeit nicht ins Auge gefasst zu werden. Sobald die Rationierung auf dieser Grundlage durchgeführt werden kann — und das wird nach dem 14. November 1939 der Fall sein — ist die Bemerkung des Herrn Vallotton, es könne dem Staat gleichgültig sein, ob die zugeteilte Benzinmenge an Werktagen oder an Sonntagen verfahren wird, richtig. Ich glaube zu wissen, dass in diesem Sinne bei den zuständigen Stellen Vorschläge bestehen, die auf eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbotes zu dem genannten Termin abzielen.» (Von uns hervorgehoben. RedJ