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E_1939_Zeitung_Nr.081

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6 AUTOMOBIL-REVUE

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BERN, Dienstag, 7. November 1939 Die Schweizer Theater haben beim Ausbruch des Krieges, da anderswo die Türen der Politik und Kultur zugeschlagen wurden, beschlossen, ihre Tore weit zu öffnen und ihre völkerverbindende Mission erst recht zu erfüllen. «Das Theater soll dazu beitragen», heisst es in einem Aufruf, «dass der Atem der Kultur nicht ganz erstickt wird durch den Ungeist und die Trübnis der Zeit.» Ausserdem: «Nichtspielen heisse Brotlosmachung unserer künstlerischen, kaufmännischen und technischen Kräfte.» In der Tat, diese Kräfte, die schon den ganzen Sommer hindurch notgedrungen «spazieren gingen», wie es in der Theatersprache heisst, brannten darauf, ihre Talente in den Dienst der durch die Kriegsereignisse aus dem Gleichgewicht geratenen Menschheit zu stellen. «Ja, ja, die Schauspieler», kann man etwa an einem Stammtisch hören, «die haben es gut; den ganzen Tag bummeln sie auf der Strasse herum, abends ziehen sie sich schön an, leiern ihre Verse herunter und heimsen Applaus und Blumen ein.» Sagte man nicht früher den österreichischen Schmieren nach, dass der Mime fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung die Bühne betrete mit den Worten: «Herr Direktor, i bin g'schminkt, was spül' i für a Roll'n?» Aber dieses goldene Zeitalter der Bühnenromantik ist längst in der Versenkung verschwunden. Arbeit und wieder Arbeit heisst die Losung auch am Theater. Eine wirklich hochstehende Aufführung ist alles eher, als ein Zufallsprodukt aus Talent und guter Laune, sie ist vielmehr das Ergebnis unzähliger Proben, angefangen von der Leseprobe beim Schauspiel und den Klavierproben im stillen Kämmerlein für die Oper über die Stell- und Stückproben bis zur Generalprobe «in Kostüm und Maske, mit Dekorationen, Beleuchtung, Requisiten und Geräuschen». Dazu kommen bei musikalischen Werken noch die Exerzitien mit dem Chor und dem Orchester. Die Memoirenliteratur von Schauspielern und Sängern ist in letzter Zeit so ins Kraut geschossen, wobei sich der Held gewöhnlich ins hellste Rampenlicht stellt, dass hier einmal von den unsichtbar wirkenden Geistern gesprochen werden soll. Eine neuere Erscheinung im Kreise der Theatervorstände ist der Bühnenbildner. Früher gehörte zu jedem Musentempel ein Dekorationsfundus, den der Direktor von eiaem verkrachten Kollegen oder aus der Hinterlassenschaft eines verstorbenen Talentpächters erworben hatte und der aus einem Rittersaal, einem Wald, einer «gebirgigen Landschaft», einer Bauernstube, einer Wolfsschlucht usw. bestand. Tempi passati! Heute verlangt das Publikum für jedes Werk eine Spezialdekoration, und der Künstler, der seine zunächst mit überbordender Phantasie entworfenen Bilder zu vereinfachen und dem zur Verfügung stehenden technischen Apparat, einschliesslich der Beleuchtung, anzupassen versteht, ist ein gesuchter Mann. Lässt Der Bühnenbildner, der es versteht, mit wenig Mittel für jedes Werk eine Spezialdekoration zu «chmeissen, ist ein gesuchter Mann. er, die Anweisungen des Autors mässachtend, seiner Erfindungsgabe allzusehr die Zügel schiessen, so kann es ihm passieren, dass es mitten im Akt mit Auftritten, Stellungen, Blicken, die gewechselt Der Regisseur: «Mann, Sie sehen aus wie Sherloek Holmes im Badekoetüm.> werden sollen, nicht mehr klappt. Dann kommt er mit dem Regisseur oder Spielleiter, wie man heute sagt, in Konflikt. Auch dieser ist, im Vergleich zu früher, ein mächtiger Mann geworden und reisst sich in der Oper mit dem Kapellmeister oder «Generaldirektor» um den Posten des Ministerpräsidenten im Kabinett der Bühnenvorstände. Früher, da war er — meist ein alternder erfahrener Mime oder ausgesungener Bassbuffo — der Mann, der die Anordnungen traf, wo die Tische und Stühle zu stehen haben, wo und wann die Auftritte, die Umarmungen und Leichentransporte vor sich gehen sollen. Heute aber bestimmt er den Geist einer Aufführung. Man verlangt von ihm hohe Bildung und reiche kulturgeschichtliche Kenntnisse. Ein guter Geschmack und ein scharfer Blick sind für ihn unerlässlich. «Dieser Milchtopf braucht ja nicht gerade von Aluminium zu sein», ertönte während einer im Mittelalter spielenden Szene die Stimme eines Regisseurs aus dem Dunkel des Zuschauerraums. Und als ein gefeierter Berner Heldentenor sein von ihm selbst entworfenes Kostüm als Feuergott Loge zum erstenmal den Strahlen der Rampe preisgab, meinte derselbe Regisseur; «Sie sahen aus, wie Sherlock Holmes im Badekostüm.» Sänger und Göttertracht waren gerichtet. Nein, ein moderner Regisseur lässt nicht mehr mit sich spassen. Ist ein Stück schlecht und gefällt es dennoch, so ist er es, der den Erfolg gemacht hat. Niemals fragt er: «Haben Sie Goethes „Faust" schon gesehen?», sondern immer nur: «Haben Sie meinen „Faust" schon gesehen?» — Des Regisseurs getreuer Schildknappe, gewissermassen sein Sancho Panza, ist der Inspizient, verdeutscht Spielwart, italienisch gewichtiger Direttore di Scena genannt. Er ist ein Universalgenie. Er regelt das ganze Geschehen hinter der Szene. Er ist es, der die Solisten und den Chor zu ihren Auftritten «einklingelt». Seine Routine, aufgeregte Leute zu behandeln, gäbe ihm die Berechtigung, sich als Nervenarzt zu etablieren. Er gebietet über Blitz und Donner, und wenn er die Hebel verwechselt, so steht die Weltordnung auf dem Kopf. Er lässt den Mond auf- und untergehen, den guten Bühnenmond, der so stille gehen sollte und doch von jeher einen unwiderstehlichen Hang zum wackeln in sich hat. Dem Inspizienten kommt di schwierige Aufgabe zu, die Ruhe- hinter der Szepe zu sorgen. Kaum ist ihm dies gelungen, so hat, auf ein bestimmtes Stichwort das Volk zum hinter der Szene aufzustacheln. Er gleicht jjlnem Jahrmarktsmusikanten, der seine Instrumenjfe mit dem Kopf, mit beiden Armen und Füssen zugtgg|g bedient. Seine Gliedmassen reichen kaum aus, um gleichzeitig einem Schauspieler einen Wink zum Auftritt, einem Trompeter zur Fanfare, dem Donnergott auf dem Schnürboden ein Signal zum Loslegen usw. zu geben. Früher imitierte er auch noch sämtliche Tierstimmen; heute besorgt das für ihn die Schallplatte, die er allerdings im richtigen Moment in Bewegung setzen muss. Zu den ganz unsichtbaren, ja unterirdischen Geistern des Theaters gehört der Souffleur oder die Souffleuse, im Bühnenjargon Kastengeist genannt. Ueber diesen Retter in der Not gehen die Ansichten des Direktors und des Personals diametral auseinander, «Ich habe den ganzen Abend kein Wort von Ihnen gehört», sagte der Mime. «Ich habe den ganzen Abend überhaupt nur Sie gehört», sagte der Direktor. Kurz bevor sich der Vorhang hebt, wird der hilfreiche Geist von allen Seiten umschmeichelt und werden einseitige Beistandspakte mit ihm geschlossen. Geht die Sache gut, so findet er am andern Morgen auf der Probe, namentlich wenn er eine Sie Ist, etwa ein Säckchen Pralines auf dem Lesepültchen. Gewöhnlich jedoch wird geschimpft: «der Mann hat mich wieder hängen lassen»; die Frau hat den ganzen Abend geschlafen.» Will der Direktor aber zu einer Entlassung schreiten, so regnet es Petitionen: «Entlassen? Etwas Zuverlässigeres als unsern Paul oder unsere Irma gibt es auf der ganzen Welt nicht!» ^ . " _ Veilchen, die mehr qder^ weniger im Verborge- "nen blüh'n, sind auch die Qrchestermusiker. Von ihnen wird heute das Aeusserste an Nervenanspannung gefordert. 'Gelingt alles nach Wunsch, so findet man das ganz selbstverständlich. Kippt aber Der Inspizient gebietet über Blitz und Donner, lässt den Mond auf- und untergehen und hat das Volk zum Lärm hinter der Szene aufzustacheln. ein Ton um, so spricht am nächsten Tag die ganze Stadt davon. Wenn ein Fussballer einen Angriff «brillant vorträgt», so wird er in der Zeitung mit Namen genannt. Wenn aber ein Flötist sein Solo brillant vorträgt, so wird das Lob, das ihm gebührte, höchstens noch auf die, Lobeserhebungen des Kapellmeisters gehäuft. Ein Bläser ist ebenso empfindlich, wir ein Sänger. Wie dieser jeden Morgen beim Erwachen sein «mimimi» herbetet, um die Stimmbänder zu prüfen,, so beleckt der Hornist seinen Zaun der Zähne auf dessen Integrität. In wenigen Tagen einen ganzen «Nibelungenring» durchzublasen, ist für Lippen und Lungen keine Kleinigkeit. Da geht es in der Spieloper gemütlicher zu. Nicht umsonst sagte mir einmal ein Musiker: «Der Lortzing müsste die Wagner-Opern geschrieben haben.» _'•;," Da blitzt beim Rundgang durch das Geisterreich der Unsichtbaren ein Helm aus dem Dunkel der Bühne auf! Auch der Feuerwehrmann ist kein unentbehrliches, wenn auch gottlob meist nur bei Kurzschlüssen in Funktion tretendes Rad im grossen Getriebe des Theaters. Er kennt von den Stücken nur so viel, als man aus der ersten Gasse erspähen kann. Auch für ihn liegt die Würze in der Kürze. «Ich hab's ja gewusst, mich trifft's wieder», ruft er aus, wenn er aus dem Plan ersieht, dass sein nächster Dienst mit der «Götterdämmerung» zusammenfällt. Viel wäre noch zu erzählen vom Bühnenmeister, vom Beleuchter, vom Requisiteur und seiner heimeligen Schatzkammer mit ihren Schlüsselbünden, Kartontörtchen, Pergamentrollen und Folianten. Interessant wäre ein Geschichtsbummel durch die kampherduftenden Kostümräume, durch die Rüst- Zu den unterirdischen Geistern des Theaters gehört die Souffleuse, im Bühnenjargon cKastengeist» genannt. kammer, das harmloseste Arsenal der Welt mit seinen Schwertern, Hellebarden und Spiessen, die nie richtig stechen, mit seinen Pistolen, die nie richtig losgehen dürfen (wenn sie überhaupt losgehen!). Gehören die Ballettmädchen keineswegs zu den Unsichtbaren (denn man sieht von ihnen oft recht viel!), so bleibt doch die grosse Arbeit, die ihren Leistungen vorangeht, dem Publikum unbekannt. Training ist ihr tägliches Brot. Eine gute Balletteuse hat mit dem Training schon als Kind angefangen. Die Beherrschung des Fußspitzentanzes ist eine Lebensfrage für sie. Diese Kunst ist kaum zu erlernen und wird der Berufenen in die Wiege gelegt, wie das Staccato dem künftigen Geigenvirtuosen. In jüngster Zeit wird bis zu einem gewissen Grade auch Akkrobatik verlangt. Das Herz (das körperliche natürlich) ist beständig gefährdet. Am Abend bewegen sich die Mädchen klimatisch zwischen Pol und Aequator. Fröstelnd kommen sie in ihren leichten Gazeröckchen auf die Bühne, und triefend verlassen sie nach geschlagener Schlacht den Kampfplatz, um sich möglichst rasch von einem Schmetterling in einen Eisläufer zu verwandeln. In fast allen Stücken hat die Balletteuse zu tun, sei es als Tänzerin, sei es als Komparse. Das BaliAuch der Feuerwehrmann ist kein entbehrliches, wenn auch ein gottlob meist nur bei Kurzschlüssen in Funktion tretendes Rad im Getriehe des Theater».