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E_1939_Zeitung_Nr.083

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BERN, Dienstag, 21. November 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 83 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEt Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION ^ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschlusg 4 Tage vor Erscheinen der Nummer ERSA TZBRENNSTOFFE Wie stark unser heutiges Leben den Verbrennungsmotor eingeschaltet hat, ergibt sich aus den Folgen, die bei Knappwerden des Benzinhafers für die Motorpferde eintreten. Neu sind bei uns die entsprechenden Anstrengungen um Ersatzkraftstoffe allerdings nicht. Im Weltkrieg hat gerade die Schweiz auf diesem Gebiet viel geleistet und — während der Friedenszeit übrigens nicht aufgegeben, sondern weiter studiert. Man denke da nur an die Forschungen der schweizerischen Gesellschaft für das Studium der Motorbrennstoffe, welche die Ergebnisse ihrer Arbeiten in einer Reihe von Publikationen niedergelegt hat. Unsere Wasserkräfte haben auch den Anlass dazu gegeben, dass viele Maschinen elektrisch und damit unabhängig von jedem Kraftstoff gedreht werden, für die man in andern Ländern Verbrennungsmotoren und Treibstoffe braucht. Aber die Verbrennungsmotoren haben besonders für die Motorfahrzeuge so grosse Vorzüge, dass die Frage auch für uns akut geworden ist, wie man Kraftstoff sparen kann. /. Spocfakct. Es mag überflüssig erscheinen, die wichtigsten Sparmassnahmen und -die Sparfahrweise noch einmal zu rekapitulieren, nachdem dieses Thema schon in Nr. 76 der «A.-R.» eine eingehende Behandlung erfahren hat, Vielleicht aber findet der bedachtsame Leser bei der Lektüre der nachfolgenden Ratschläge doch noch einen Gesichtspunkt, der für seine Verhältnisse eine Ersparnis bringt. Was zunächst die SPARFAHRWEISE anlangt, so heisst diese 1. nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam, 2. jeder Tempowechsel kostet Treibstoff. Dass jedes Fahrzeug bei Spitzentempo Benzin frisst, ist wohlbekannt, wird aber oft vergessen; noch häufiger jedoch die Tatsache, das es beim Würgen des Motors, also z. B. zu spätem Umschalten in der Steigung säuft. Mancher bemüht sich beim Fahren, den Fuss entsprechend weit herunter zudrücken. Der Sparfahrer dagegen probiert dauernd aus, wie weit er den Fuss zurücknehmen kann. Man fährt sparsam in der Ebene mit etwa S U des .Spitzentempos — auf den Steigungen in den untersetzten Gängen entsprechend, — nie aber mit Vollgas. Gleichmässige Fahrt ohne jeden Wechsel des Tempos bringt bei gleicher Reisegeschwindigkeit Ersparnisse bis zu 40%. Man kann also demgemäss sparen, wenn man auf gewöhnlicher Strasse jede Geschwindigkeitsveränderung geradezu ängstlich vermeidet. Für Nutzfahrzeuge gibt es; ein Mittel, sich und seine Berufsfahrer zwangsweise zur Sparfahrt zu erziehen: durch Einbau eines Tachosgraphen. In bezug auf Gleichmässigkeit der Fahrt gibt der im Kienzle- Taohographen eingebaute « Wechselzähler > sogar Zensuren. Je nach der Fahrzeugsorte, um die es sich handelt, sind 1—2 Wechsel pro km vorzüglich, währenddem z. B. 4—5 Wechsel ipro km die Note «mangelhaft» verdienen. Ein «Wechsel» bedeutet eine Tempoänderung um 10 km je Stunde. Aber nicht nur der Führer hat durch seine Fahrweise die Sparfahrt zu verwirklichen. Auch das Fahrzeug selbst muss entsprechend vorgerichtet sein. Wer z.B. einen offenen Personenwagen hat, erzielt merkliche Ersparnisse, wenn er das Cabrio oder Verdeck schliesst; der Luftwiderstand wird dadurch verkleinert. Mehr noch macht es aus, wenn man die für gewöhnlich weichgefahrenen Reifen um ein oder zwei Atü härter aufpumpen lässt. Die Verringerung des Rollwiderstandes des Fahrzeugs durch Verkleinerung des Walkens der Reifen führt zu einer bedeutsamen Kraftstoffersparnis. An Wirksamkeit werden diese Massnahmen noch fast übertroffen durch die Sorge um eine genügend hohe Wassertemperatur oder die Benutzung eines ausreichend dünnflüssigen Oels. Sehr viel Benzin und Dieselöl wird dadurch unnötig vertan, dass in einer zu kalt arbeitenden Maschine das Schmieröl Honigkonsistenz besitzt und dadurch den blitzgleichen Lauf der Kolben und anderer Motorteile empfindlich hemmt. Daes die Einhaltung der richtigen Kühlwassertemperatur (über 80° C) durch Thermostat, Kühlerjalousie, Motorhaube usw. auch in anderer Hinsicht nur nützen kann, setzen wir als bekannt voraus. Aber auch um einem leichten La"if des ganzen Führzeugs muss man bssor^t sein. Klar, daes die leichtlaufenden Fahrzeuge weniger Benzin oder Dieselkraftstoff für das gleiche Tempo benötigen. Ursachen des Schwerlaufs sind schleifende Bremsen, zu fest eingestellte Wälzlager und vieles andere mehr. Zwei gar nicht selten wirksame kleine Tricks zur Sparfahrt liegen im Einbau einer neuen Kerzenserie und in der absolut regelmässigen Bedienung des Benzinabsperrhahns. Das eine führt erstaunlich oft zu ausgesprochener Verbrauchsverringerung, das andere verhindert Verluste nicht nur durch Lecks, sondern vor allem auch duroh Verdunsten aus der Schwimmerkammer. Erfolgreich Remedur schaffen lässt sich, wofür allerdings der gewöhnliche Fahrer auf die Hilfe eines Vergaserspezialisten angewiesen ist, durch die Umregelung des Vergasers auf enge Gurgel. Hierzu muss nämlich nicht nur die Gurgel selbst (Lufttrichter) ausgewechselt werden, auch die übrigen Düsen bedürfen neuer Masse. Selbst bei erheblicher Verringerung des Vergaserquersohnitts büsst dabei das Fahrzeug an Spitzentempo nur sehr wenig ein, hingegen verbessert sich die die Beschleunigung sogar und der Konsum geht s«hr merklich zurück (sog. Drosselmotor). 2. tcsatebettießsacten Bei den Ersatzbetriebearten kann man zwischen flüssigen, gasförmigen und festen Ersatztreibstoffen und Elektro- und Dampfbetrieb unterscheiden. Bestimmt hat der elektrische Betrieb seine grossen Reize, r zumal die Schweiz Elektrizität nicht mit Kohle bezahlen muss, weil die Sonne sc liebenswürdig ist, das arbeitsleistende Wasser immer wieder auf die Berge zu tragen. Verhältnisimässig leicht lassen sich elektrische Akkumulatorenwagen herstellen. Man hat sie immer wieder nicht nur als leichte, mittlere und schwere Lastfahrzeuge, sondern auch als Personenwagen gebaut. Personenelektromobile wollten sich aber durchaus nicht einführem, offenbar weil auch Die amerikanische Presse kündigt den bevorstehenden Start einer Expedition in die Arktis an, die unter der Leitung von Admiral Byrd steht und mit einem völlig neuen Fahrzeug, dem « Schneekreuzer », ausgestattet sein wird. Dieses Ungeheuer, von dem unsere Abbildungen einen Begriff vermitteln, soll imstande sein, sich mit einer Geschwindigkeit von 50 km/St, auf Schnee und Eis zu bewegen, wobei es in seinem Innern nicht nur Raum für eine fünfköpfige Besatzung, sondern auch für all das bietet, was die Durchführung einer auf ein Jahr berechneten Forschungsfahrt erfordert. Ausserdem führt sie an Tempo selten mehr als 30 kim/St., an Aktionsradius kaum mehr als 80—100 km lieferten. Aber die Elektronutzwagen haben sich zäh gehalten. Die eo anspruchslos auftretenden elektrischen Speieherfahrzeuge besitzen nämlich ganz überraschende Vorteile im Dauerbetrieb: sie sind unglaubliche Reifenschoner, gewährein dem Chassis eine weit überdurchschnittliche Lebensdauer und — das ist das Ueherraschendste — sie sind im Stadtverkehr schneller als Benzin- oder Dieselwagen, obwohl ihr Sp'itzentempo so klein ist. Diese letztere Tatsache hängt damit zusammen, dass die Speicherfahrzeuge Erste Erfahrungen mit der definitiven WACHSENDE Seit dem 16. November sind wir in das Stadium der definitiven Treibstoffrationierung eingetreten. Nicht dass sich jedoch damit die Akten über diesem Kapitel endgültig geschlossen hätten. Denn auch jetzt noch treffen täglich Hunderte von Fragebogen bei den Behörden ein, in deren Händen die Rationierung liegt, Beweis genug dafür, wie gut sie mit der Schaffung der bereits erwähnten kleinen Expertenkommission beraten waren. An Arbeit wird es diesem Gremium nicht mangeln. Woher aber jetzt noch Fragebogen geflattert kommen, nachdem der Termin für deren Einsendung schon am 7. Oktober abgelaufen war ? Von Nachzüglern teils, die die Sache verbummelt haben, teils auch von Haltern, deren Wagen von der Requisition erfasst worden waren und nun wieder zurückgekehrt sind, und schliesslich von solchen, die zur Zeit der Rundfrage unter den Waffen standen und heute wieder ihrer zivilen Beschäftigung nachgehen können. Im weitern lässt Das Auto im Dienste von Polarexpeditionen der Mammut auf seinem Dach auch noch ein Flugzeug mit, das bei einer Motorstärke von 350 PS einen Aktionsradius von 2400 km besitzt; als Hauptaufgabe ist ihm die Rekognoszierung und die Mithilfe bei topographischen Arbeiten zugedacht. Nach den Projekten Dr. Th. Poultiers gebaut, der bei der zweiten Byrd-Expedition mitwirkte, stellt dieses Fahrzeug eine Ganzmetallkonstruktion dar, deren Einzelteile elektrisch geschweisst sind. Dadurch Hess sich — nach den Angaben der amerikanischen Fachpresse — eine Gewichtsersparnis von ca. 2000 kg erzielen. Die vier riesigen Räder von aus dem Stand ungewöhnlich schnell beschleunigen, und daes gerade hier für die Reisegeschwindigkeit das- Beschleunigen mehr einträgt als die Spitzengeschwindigkeit. Wunde Punkte der elektrischen Speicherfahrzeuge bedeuten freilich das hohe Gewicht und die massige Lebensdauer der Batterien, der geringe Aktionsradius und das niedrige Tempo am Berg, sowie der Mangel an Ladestationen. Aber unter bestimmten Verhältnissen, — besonders in der Stadt — ist der elektrische Speioherfahrzeugbetrieb nach wie vor sehr empfehlenswert. Fortsetzung Seite 2. Rationierung: ZUVERSICHT es sich auch denken, dass bei dem riesigen Andrang eine 'Anzahl Fragebogen verloren gegangen ist. An die betreffenden Halter ergeht das Ersuchen, sofort neue Fragebogen auszufüllen und sie der Behörde einzusenden. Nun, auch die Antworten dieser mehr oder weniger freiwillig Verspäteten wollen geprüft und verarbeitet, auch diese Leute wollen einem der mehreren Dutzende von Kategorien zugeteilt sein, genau so wie die rund 80.000 bisher schon behandelten Fälle. Dabei hat es sein Bewenden indessen nicht. Hinzu gesellen sich noch ein ganzes Schock mangelhaft oder allzu summarisch ausgefüllter Formulare, die den Experten allerhand Plackereien bescherten und Rückfragen bedingten. Nicht selten zeigte es sich dabei, dass ausgerechnet diese Gattung von Leuten merkwürdig rasch mit Beschwerden zur Hand war, wenn sie auf Grund ihrer lückenhaften Angaben nicht jenes Quantum zugeteilt erhielten, auf das sie Anspruch zu (Fortsefzunn Seite 2.) nahezu zwei Meter Durehmesser werden einzeln angetrieben, wobei als Kraftquelle zwei 150-PS- 6-Zylinder-Dieselmotoren dienen. Spalten von mehr als 4,5 m Breite lassen sich mit diesem Fahrzeug ohne Schwierigkeiten überwinden. Gigantisch nehmen sich auch die übrigen Dimensionen des Kreuzers aus : bei 16,5 m Länge besitzt er eine Breite und eine Höhe von je 4,5 m. Die Tanks fassen Dieselöl für eine Gesamtdistanz von 8000 km Und für das Fahrzeug wird eine Benzinreserve von mehreren Tausend Litern mitgeführt. Gekostet hat der Koloss über eine halbe Million Franken. Der Schneekreuzer für die Byrdsche Polarexpedition, teilweise aufgeschnitten. Man sieht, von vorn nach hinten, den Führersitz mit dem dahinter- Iiegenden Kartentisch, den Maschinenraum, den Durchgang mit der seitlich davon eingebauten Dunkelkammer und den Vorratsschränken, in der Mitte zwischen den Rädern den Wohnraum mit den übereinander angeordneten Schlafstellen, an den sich weiter rückwärts wiederum Vorratskammern und — darunter liegend — die Brennstofftanks anschliessen, während das Heck des Monstrums die Ersatzreifen birgt. (Zeichnung: «The Motor».)