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E_1939_Zeitung_Nr.085

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die Bemühungen der via

die Bemühungen der via Vita volles Verständnis zeigt©. Bei den Militärbehörden war man sich der Notwendigkeit bewusst, über einen den Artraeebedürfnissen entsprechenden Fahrzeugpark verfügen zu müssen und ihren Bemühungen ist es zweifellos zuzuschreiben, wenn durch den Bundesbeeoblusa vom 5. April 1939 eine Vermehrung der Zahl der militärtauglichen Motorlastwagen angeetrebt wurde. Leider kam dieser Bundesbeschluss nicht mehr zur vollen Auswirkung, da wenige Monate nach seiner Inkraftsetzung die Generalmobilmachung der Armee angeordnet wurde. Anfang» September wurden die in der Broeohüre «Heerestnotorisierung» niedergelegten Befürchtungen durch die Ereignisse übertroffen. Die Requisition von nahezu 65% unseres gesamten Lastwagenbestandes durch die Armee führte zur Lahmlegung des zivilen Straßentransportes, so dass in den ersten' Tagen die Ab- und Zufuhr der Güter von den Bahnstationen weitgehend unterbrochen, die Lebensmittelversorgung gefährdet und die kriegswirtschaftlichen Transporte unterbunden wurden. Wenn sich die Verhältnisse in relativ kurzer Zeit^ besserten, so ist dies einzig dem Verständnis der Armeebehörden zuzuschreiben, die sofort in •weitgehendem Masse Fahrzeuge aus den Reserven und Reparaturparks entliessen, Kolonnen auflösten und mit der Entlassung ganzer Trup,penkörper auch deren Fahrzeuge den Besitzern zurückgaben. Wir können uns vorstellen, dass diese Erleichterungen nicht ohne schwerwiegende Bedenken militärischer Art zugestanden wurden und wir sind um so mehr für die rasch getroffenen Massnahmen dankbar. Obwohl nun etwa 50 Prozent der requirierten Fahrzeuge wieder im Besitz ihrer Halter sind, konnte die im Transportwesen nötige Stabilität nicht hergestellt werden. In vielen Landesteilen dauern die Schwierigkeiten an und sie konnten, trotz der Bemühungen des Armeestabes und der Kriegsämter, nicht behoben werden. Diese Situation lässt klar erkennen, dass im Falle einer neuen Gesamtmobilmachung unserer Armee oder gar im Kriegsfall die Lage im Transportwesen völlig unhaltbar werden müsste. Wir denken dabei nicht einmal an die Erfahrungen in Polen, wo in wenigen Tagen die wichtigsten Bahnlinien und Eisenbahnknotenpunkte durch Fliegerangriffe zerstört wurden. Schon die bewaffnete Neutralität rnit voller Kriegsbereitschaft der Armee mit den ihr nötigen Motorla>stwagen müsste zu katastrophalen Verhältnissen führen. Es vierblieben dann der Kriegswirtschaft und Landesversorgung rund 35% unseres gesamten Lastwagenbestandes, wovon aber nur ein kleiner Bruchteil als Transportfahrzeuge angesprochen werden kann. Nachrequisitionen der Armee bei Besitzern. von Lastwagen, die bei der Mobilmachung nicht stellungS'pflicfrtig waren, zeigten, daisis nur ein Bruchteil dieser Wagen von der Armee, verwendet werden kann. Ebensowenig sind diese alten, schwachen und schlecht unterhaltenen Fahrzeuge in der Lage, der Wirtschaft die unumgänglich nötigen Dienste zu leisten. Sie können den Landleuten für Marktfahrtien in die Städte oder den Händlern für ihre Lieferungen an die Kundschaft zur Not genügen, nicht aber zur Zu- und Abfuhr der Güter von den Bahnstationen, zur Versorgung des Landes mit Lebensmitteln oder zur Durchführung der für die Industrie lebenswichtigen Traneporte. Die Lage wäre nicht so schwierig, wenn der Privatwirtschaft an Stelle dieser ungenügenden alten Wagen vollwertige Fahrzeuge zur Verfügung ständen. Sie könnte sich dann — wie dies jetzt vorgesehen ist und organisiert wird — mit Gemeinschaftsbetrieben in beschränktem Umfange helfen. Die Gemeinschaftsibetriebe können aber nur für solange nützlich arbeiten, als- ihnen von der Armee geeignete und betriebssichere Lastwagen überlassen bleiben. Aber auch die Bedürfnisse der Armee sind, soweit wir dies beurteilen können, nicht unbedingt sicheroestellt. Wege zur Lösung der Schwierigkeiten Um aus diesen Schwierigkeiten zu kommen und um die Bereitschaft der Armee sicherzustellen, hat die Via Vita untersucht, welche Mittel geeignet wären, rasche Abhilfe zu schaffen. Das Problem kann unseres Erachtens durch folgende Massnahmen gelöst werden: 1. Anschaffung einer grösseren Zahl ausländischer •Lastwagen durch die Armee. 2. Förderung des Kaufs ausländischer Lastwagen durch die Privatwirtschaft seitens des Bundes. F E U I L L E T O N Der Siedler. Roman von Heinrich Lämmlin. 18. Fortsetzung und Sohluss Eine fremde Dame kommt des Weges daher. Sie bleibt zögernd stehen, schaut sich um und geht dann .weiter zur Hütte. « Wer ist das ? » fragt die Mutter, die die Dame zuerst erblickt. Lisbeth schaut auf. « Ich weiss es nicht », antwortet sie. « Vielleicht ist es eine Fremde, die von der Siedlung gehört hat.» Nun ist die Dame bei der Hütte. « Frau Lüthy ? » fragt sie und hält Lisbeth, ehe diese antworten kann, die kleine, weisse Hand zum Gruss entgegen. « Mein Name ist Müller ! » — Als sie merkt, dass Lisbeth der Name nicht geläufig ist, fügt sie hinzu : « Ich bin die Schülerin Ihres Mannes ! » Sie holen den Sepp, der im Walde Holz schlägt. Der Sepp ist stolz auf sein Werk und führt den Besuch noch einmal überall herum. Nachdem Fräulein Müller alles bewundert hat, kehren sie zur Hütte zurück und setzen sich auf die Bank. Lisbeth, die vorausgeeilt ist, trägt den Tee auf. «Sie müssen mit dem vorlieb nehmen, 3. Anschaffung einer grösseren Zahl miihtärtauglioher schweizerischer Lastwagen durch die Armee als Ergänzung des Korpsmaterials. 4. Förderung des Kaufs schweizierischer militärtauglioher Lastwagen durch die Privatwirtschaft seitens des Bundes. In den drei erstgenannten Fällen sind finanzielle Aufwendungen des Bundes nötig. Ihnen stehen aber die Einsparungen an Entschädigungen für die requirierten Lastwagen und die Abschatzungssummen gegenüber. Die Aufwendungen würden sich also, besonders wenn der Aktivdienst längere Zedt dauern sollte, in erträglichen Grenzen bewegen. Am 12. Oktober 1939 fand eine Sitzung von Vertretern der Kriegswirtschaftsämter, der Handelsabtieilung des Eidg. Volkswirteohaftsdepartements und der Gruppe Transporte des Armeestabs statt, um zu prüfen, ob unter den heutigen Verhältnissen nicht eine Lockerung der Einfuhrkontingente für ausländische Lastwagen angezeigt sei. TJebereinetinnmend wurde die Meinung vertreten, eine solche Lockeruag sei mit Rücksicht auf die Leistungfähigkeit der einheimischen Lastwagenindustrie nicht angebracht. Mitbestimmend beim BescMuss war auch die von den Bundesbehörden geteilte Erkenntnis, dass ausländische Lastwagen nur sehr bedingt militärverwendungsfähig wären und der Reparatur- und Ersatzteildienst nicht sichergestellt werden könnte. Diese Gründe dürften auch bei der Beurteilung der Frag©, ob von der Armee ausländische Lastwagen anzuschaffen oder deren Kauf durch die Privatwirtschaft zu fördern sei, masiagebend sein. Wie früher sind wir auch heute noch der Meinung, der Lastwagenpark unseres Landes sei aus militärischen Gründen durch die Schaffung einer Anzahl dem Gelände angepasster Typen zu vereinheitlichen. Diesies erstrebenswerte Ziel kann mit der Einfuhr ausländischer Wagen, die den topographischen Verhältnissen unseres Landes in keiner Weise angepasst sind, nicht erreicht werden. Es erscheint uns aus diesen Gründen um so notwendiger, dass eo'fort Massnahmen ergriffen werden, um die Zahl der militärtaugliohen schweizerischen Lastwagen zu erhöhen. Als einfachstes Mittel kommt der Kauf einer grösseren Zahl solcher Fahrzeuge durch die Armee in Frage. Nur durch eine solche Anschaffung kann erreicht werden, dass alle Fahrzeuge in bezug auf Grosse. Leistung und Ausrüstung vollständig gleichartig sind. Hier nruss allerdings die Frage gestellt werden, was nach Beendigung des Krieges mit diesen Fahrzeugen zu geschehen halbe. Die einfachste Lösung wäre, sie als Armeereserve zu behalten. Niemand kann voraussehen, wie sich die Verhältnisse nach dem Friedensschluss gestalten werden. Eines aber ist sicher* die Wirtschaftereserven werden weitgehend aufgebraucht sein und man wird alles vermeidien müssen, was eine Vergrösserung der Arbeitslosigkeit herbeiführen könnte. Deshalb wäre der spätere Verkauf der von der Armee gekauften Lastwagen an die Privatwirtschaft gefährlich, da er die schweizerischen Lastwagenfabriken vor unlösbare Probleme stellen müsste. Die Förderung der Anschaffung milltärtauglicher Lastwagen durch die Privatwirtschaft ist durch den Bundesbeschluss vom 5. April 1939 gegeben. Die°er Bundieebeschluss verliert aber heute jede Wirkung. Der Käufer eines schweizerischen militärtauglichen Lastwagens befürchtet mit einem gewissen Recht, dass ihm sein Fahrzeug in erster Linie requiriert werde. Zwar besteht der Armeebeschluss, wonach neu gekaufte Lastwagen während der DaueT eines Jahnes von der Requisition befreit sind. Aber der Kaufinteressent muss damit rechnen, dass sein Fahrzeug nach Ablauf des Jahres eingezogen und für lange Zeit nicht mehr freigegeben wird, da dieses Fahrzeug ganz besonders den Anforderungen und Wünschen der Armee entspricht. Die Erfahrungen bei der Mobilmachung geben uns eine sehr ernste Lehre. Sie zeigen die Notwendigkeit, Massnahmen zu ergreifen, um den Kauf armeetauglicher Lastwagen durch die Privatwirtschaft zu beschleunigen. Wir erlauben uns, Ihnen einige Möglichkeiten zur Erreichung dieses Zieles zur Prüfung zu unterbreiten. 1. Befreiung von der Requisition während der ganzen Dauer des Aktivdienstes, ausgenommen allgemeine Mobilisation. Da mit einer solchen Massnahme die Reserve der Armee bei der Privatwirtschaft verstärkt werden kann, spielt die Dienstibefreiung keine Rolle. Im Notfall hat das Fahrzeug einzurücken und wird ein anderes für die Privatwirtschaft frei. was es hier gibt. Wir stecken noch überall in den Anfängen und können unsera Gästen nur wenig bieten. > «Aber nein», wehrt die Dame ab, «ich finde, Sie haben es sehr gut hier. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass ein Künstler wie Ihr Mann auf seine Kunst verzichtet, um als Siedler zu leben. > Lisbeth erblasst. Plötzlich weiss sie: Diese Frau ist schuld, dass der Sepp in den letzten Wochen so nachdenklich umherging. Sie hasst jetzt dies© Frau und hat Mühe, gleichgültig zu erscheinen, ja, sie muss erst schlucken, ehe sie Antwort geben kann. Dann aber klingen ihre Worte ganz ruhig. «Ich finde, es ist auch eine Kunst, das Leben neu zu gestalten. Was wir tun, das tun wir unbeachtet von der Welt und fühlen den Lohn nur in uns selbst und in der Zufriedenheit, die wir durch unsere Arbeit erringen. Dazu gehört mehr Grosse, als viele ahnen. Ich glaube, das ist mehr als alle Kunst!» « Bravo, kleine Frau ! » sagt eine lachende Stimme und als die Anwesenden aufschauten, sehen sie Alois Fürst vom Garten her kommen. Er wendet sich an Lisbeth : « Das, was Sie vorhin gesagt haben, Frau Lüthy, das sollten sich viele hinter die Ohren schreiben ! » Fräulein Müller zuckt mit den Achseln : «Meine Zeit ist vorbei; ich muiss wieder nach Ascona! > AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 5. DEZEMBER 1939 — N° 85 2. Eine starke Bevorzugung der Käufer neuer militärtauglicher Lastwagen schweizerischer Fabrikation bei der Zuteilung von flüssigem Kraftstoff. Eine solche Massnahme könnte, ohne finanzielle Belastung des Bundes, den Kauf neuer Schweizer Wagen stark fördern. 3. Abgabe genügender Kraftstoffmengen zu verbilligtem Preis an die Käufer neuer militärtauglicher Lastwagen. Diese Massnahme hätte naturgemäss eine erheblich stärkere Wirkung als die unter 2) genannte. Sie brächte aber etwelche Schwierigsten, hauptsächlich bei der Aufstellung einer allen Verhältnissen gerecht werdenden Lösung. 4. Erhöhung der im Bundesbeschluss vom 5. April 1939 vorgesehenen finanziellen Beihilfen des Bundes. Von einer solchen Lösung versprechen wir uns dann nicht viel, wenn nicht gleichzeitig dem Käufer die" Sicherheit geboten wird, dass er über eine längere Zeitperiode über ©ein Fahrzeug verfügen kann und für dieses genügend Kraftstoff erhält. Nach unseren Erfahrungen glauben wir, dass für die Dauer des Aktivdienstes ein durchschlagender Erfolg nur erzielt werden kann, wenn dem Kaufinteressenten die unter 1) und 2) genannten Vorteile zusammen gewährt werden. Diese Lösung würde dem Bund kleine Kosten verursachen. Ob aber in ausreichend kurzer Zeit eine genügend grosse Umstellung des Wagenparks auf militärtaugJiche Fahrzeuge erreicht werden kann, wagen wir nicht zu beurteilen. Sicher würde dieser Zeitraum viel gröeser sein, als wenn sich die Armee selber zum Kauf einer grösseren Zahl von Fahrzeugen entscbliesst. Es darf eben nicht übersehen werden, dass die wenig kaufkräftigen gewerbemässigen Transportunternehmer als Käufer unter den jetzigen Verhältnissen völlig ausscheiden und als solche nur die kapitalkräftigeren Werkbetriebe in Frage kommen. Man muss sich daher die Frage stellen, ob nicht beide Lösungen zu verbinden seien und neben der Anschaffung einer grösseren Zahl von Motorlastwagen durch die Armee gleichzeitig Im angedeuteten Sinne eine Förderung des Kaufs tauglicher Schweizer Wagen durch die Privatwirfschaft anzustreben sei. Sdhw«! risdh« Der Schweizerische Autogewerbeverband schlägt eine Neuregelung der Verkehrssteuern während der Mobilmachung vor. Letzter Tage hat der Schweizerische Autogewerbeverband dem Bundesrat eine Eingabe eingereicht, worin er diesem Vorschläge für eine sofort realisierbare Neuordnung der fiskalischen Belastung der Motorfahrzeuge während der Dauer der Kriegsmobilmachung unterbreitet. Wenn das Automobil nicht rqllt, so wird in der Eingabe dargelegt, so bedeutet das eine schwere •Gefährdung von etwa 50.000 Existenzen. Dazu fehlen der Armee die stillgelegten Motorfahrzeuge, dem Bund entgehen rund zwei Dutzend Millionen Zolleinnahmen auf Benzin, Autos, Ersatzteilen usw. Ausserdem verlieren die Kantone über 12 Millionen an Fahrzeugsteuern und Gebühren und darüber hinaus einige Millionen Benzinzollviertel. Die Schuld an dieser ständig wachsenden Notlage tragen die kant. Autosteuern, die sich heute ungerechter denn je auswirken. Um dieser dem Bund, der Armee und den Kantonen drohenden Katastrophe vorzubeugen, regt das schweizerische Autogewerbe dem Bundesrat eine als Notmassnahme gedachte Neuordnung der fiskalischen Belastung der Motorfahrzeuge in dem Sinne an, dass die Kantone während der Dauer der Mobilmachung auf die Erhebung von Verkehrssteuern verzichten. An deren Stelle soll der Bund eine Steuer einführen, deren Höhe für die einzelnen Fahrzeugarten die Eingabe genau fixiert. Die. Steuer soll nach den Vorschlägen des Autogewerbeverbandes für alle Fahrzeuge obligatorisch sein. Was die Steuererhebung anbetrifft, so soll sie «Ich halte Sie nicht zurück ! » Fürst ist grob. Er nimmt auch keine Notiz davon, dass die Dame sich verabschiedet, aber wie sie dann ihren Wagen besteigt, steht er plötzlich neben ihr: « Hören Sie >, sagt er barsch, « wenn Sie mit dem Mann Ihr Spiel treiben, so bekommen Sie es mit mir zu tun. Ich fühle mich für ihn verantwortlich und ich sehe nicht ruhig zu! » Der Motor springt an, die Dame fährt ab, ohne den alten Mann eines Wortes zu würdigen ... Der Sepp schlägt wieder Holz. Aber wohl ist ihm dabei nicht. Irgend etwas hat sich geändert, seit er die Geige wieder in der Hand hat. Er hat nicht mehr dieselbe Freude an seiner Arbeit; er sehnt sich zurück in die Welt. Lisbeth hat gewiss etwas bemerkt. Schon die ganzen Tage machte sie so sonderbare Augen. Ja, und jetzt war sie da und fragte und drängte. Er hat sie angefahren, hat mit ihr in einem Ton gesprochen, den er sich früher nie erlaubt hätte. Da schwieg sie und ging still davon. Sicher hat er ihr weh getan. Er nimmt die Axt und schlägt sie in einen Stamm : « Verdammt noch einmal! — Ei, verdammte Geschichte !» — Doch so hart er auch schafft, so laut er flucht, das leise Mahnen lässt sich nicht übertönen. Da legt er die Axt zur Seite und geht — zögernd Wir denken dabei an die Anschaffung einer gröeseren Anzahl durch dde Armee, wenn im Transportwesen der Privatwirtschaft eine Erleichterung eintreten soll. Ein Entscheid ist aus zwei Gründen eehr dringlich. Einmal sollte raschiestens Vorsorge getroffen werden, damit die Wirtschaft im Falle einer Wiedermobilmachung der Armee durch die Sicherung der Transporte ihrer Aufgabe nachkommen kann. Dann muss die Lastwagenindustrie in die Lage versetzt werden, ein Arbeitsprogramm aufzustellen. Eine baldige Losung würde es auch ermöglichen, die Schwierigkeiten zu mildern, in denen ©ich das Tran sportwiesen einzelner Landesgegenden und Industrien jetzt befindet. Die Armee könnte ausserdem ohne "Befürchtungen den gelegentlichen Austausch der requirierten Lastwagen ins Auge fassen und damit Härten im Bequisitionssystetn au 1 »- merzen. Abschliessend möchten wir 'betonen, dass unsere Ausführungen lediglich von der Sorge um das Wohl unseres Landes und der Bereitschaft seiner Armee diktiert worden sind. Diese Sorge ist nach den gemachten schmerzlichen Erfahrungen grösser als je. Wir stehen Ihnen gerne mit allen ron Ihnen gewünschten Angaben und Ergänzungen zur Verfügung. In der Hoffnung, dass Sie unseren Ausführungen Ihre wohlwollende Aufmerksamkeit schenken werden, versichern wir Sie, hochgeachteter Herr Bundespräsident, hochgeachtete Herren Bundesräte, unserer ausgezeichneten Hochachtung. VIA VITA. Der Präsident: sig. Dechevrens. * Was uns fehlt, sind Lastwagen, wie die nachstehende Uebersicht zeigt: England 1 Lastwagen auf 73 Einwohner Norwegen 1 » :. 83 Frankreich 1 » » 83 Dänemark 1 :> » 88 Schweden 1 » » 100 Belgien 1 » „ 105 Holland 1 » * 152 Deutschland 1 •> » 146 Schweiz f » » 191 durch die kantonalen Automobil'kontrollen erfolgen; den Kantonen würde der Bund 80 %' der im Jahre 1938 vereinnahmten Autosteuern zurückvergüten. Im übrigen würde — immer nach den Propositionen des Autogewerbeverbandes — das Recht der Kantone auf Erhebung von Gebühren für die Führer- und Verkehrsbewilligungen nicht berührt. Was der Vorschlag will, das ist eine radikale Senkung der Verkehrssteuern hauptsächlich für die hochpferdigen Wagen; dazu gesellt sich ais weiterer Hauptpunkt die Obligatorischerklärung der Steuer. Chronik der Rationierung Täglich Hunderte von Gesuchen um Versetzung in eine höhere Kategorie oder um Zusatzrationen. Worauf man sich zuständigen Orts gefasst machte, das ist eingetreten : nach dem Versand der Rationierungskarten für die erste, bis 31. Dezember sich erstreckende Periode der definitiven Treibstoffrationierung laufen die Gesuche um Versetzung in eine höhere Kategorie wie um Erteilung von Zusatzrationen bei der Sektion für Kraft und Wärme in wahren Stössen ein, durchschnittlich etwa 500 Stück pro Tag, wie wir auf unsere Erkundigungen hin erfahren. Ueber Mangel an Beschäftigung wird sich somit die kleine Expertenkommission nicht zu beklagen haben. Dabei zeigt es sich, dass zahlreiche Gesuche um Versetzung keine Berücksichtigung finden können, doch steht den Behörden in solchen Fällen ein anderes Ventil zur Verfügung, das im Rahmen des Möglichen gleicherweise eine Anpassung gestattet: die Bewilligung zusätzlicher Benzinmengen. erst, dann rasch und immer rascher zur Hütte hinab. Er kommt am Stall vorbei und hört Lisbeth schluchzen. Zögernd tritt er ein. « Lisbeth ! > Die Frau wendet sich um und wischt mit dem Zipfel ihrer Schürze die Tränen vom Gesicht. Am liebsten würde sie fliehen, sich in einen Winkel verkriechen, in dem sie kein Mensch findet. Aber dort an der Tür steht der Mann und schaut sie aus grossen, erschreckten Augen an. Er spricht nicht, kein weiteres Wort kommt von seinen Lippen, als : « Lisbeth ! » Da ringt sich die Frau ein schwaches Lächeln ab : « Es ist schon vorbei, Sepp ! Ich werde mich besser beherrschen müssen, ja es ist nichts, Sepp !» Oh, es ist nicht leicht, zusehen zu müssen, wenn eine Frau weint. Es ist schwer zu ertragen, wenn man sehen muss, wie eine Frau aus gekränkter Liebe weint. Aber es ist unerträglich, wenn eine Frau weint und man die Schuld an ihren Tränen trägt. Sie rinnen so still und sind doch wie glühende Tropfen, die in die Seele fallen. Da steht der Sepp und empfindet alles, ohne es in klare Gedanken fassen zu können. Er würde sein Leben hingeben, um diese Tränen ungeweint zu machen. Doch das kann er nicht, und das Gefühl seiner Ohnmacht treibt ihn in einen masslosen Zorn. (Fortsetzung Seife im

N°85 — DIENSTAG, 5. DEZEMBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE Immer wieder Vorstosse gegen kant. Verkehrssteuern Da und dort wird die Schraube gelockert. Die in unserer letzten Nummer auszugsweise veröffentlichte Eingabe der Via Vita an den Bundesrat, die gleichzeitig in Abschrift auch an sämtliche Kantonsregierungen ging, trägt neuen Wind in die Segel der Bestrebungen zur Anpassung der Verkehrssteuern an die Verhältnisse, wie sie die Benzinrationierung geschaffen hat. Wäre es, trotz der Dringlichkeit des Problems, auch verwegener Optimismus, heute schon greifbare Ergebnisse dieser Demarche zu erwarten, so entbehrt es doch nicht des Interesses, die Strömungen und die Aktionen zu verfolgen, die sich, auf das gleiche Ziel hintendierend, fast überall abzeichnen. Davon abgesehen ist es Pflicht des Chronisten, getreulich alles festzuhalten, was die Kantone, vorgängig ihrer Stellungnahme zu den Forderungen der Via Vita, den Fahrzeughaltern an Entgegenkommen gewähren. Quartalssteuer In Freiburg aber noch immer ohne Rückvergütung. Im Schosse des freiburgischen Grossen Rates entspann sich, angeführt durch die Vertreter der Strassenbenützerorganisationen, kürzlich eine Debatte über die Frage der Einführung der Quartalssteuer. Als Berichterstatter der Kommission wies Herr de Weck, Sekretär der AGS-Sektion Freiburg, darauf hin, dass angesichts der Benzinrationierung die Stillegung eines Teils der Motorfahrzeuge zu befürchten sei, die sich nicht nur für den Fiskus, sondern auch für die Landesverteidigung nachteilig auswirken müsste, ganz abgesehen von den bedenklichen Folgen für das Autogewerbe. Bestehe so unbestreitbar ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Betriebs des gesamten Fahrzeugparks, so ergebe sich daraus auch die Notwendigkeit, dem Automobilisten und Motorradfahrer gewisse Erleichterungen einzuräumen, um so eher, als die Kilometerkosten durch die Rationierung eine Verteuerung erfahren haben. Die von der Regierung in Aussicht genommene Abänderung der kantonalen Vollzugsvorschriften zum MFG bringe eine bessere Anpassung des Steuersystems an die heutigen Bedürfnisse und sei geeignet, manche Schilderrückgabe zu verhindern. Das Dekret selbst sieht die Abgabe der Verkehrsbewilligung für ein Jahr, ein halbes Jahr oder ein Vierteljahr vor. Die Halbjahressteuer entspricht der Hälfte der für das ganze Jahr zu entrichtenden, während die Quartalssteuer auf ein Viertel der Ganzjahressteuer bemessen wird. Eine Rückvergütung der Steuer ist ausgeschlossen, doch ermächtigt Art. 2 des Dekrets die Regierung, nötigenfalls andere Massnahmen zu ergreifen, um den Motorfahrzeugverkekr und die Steuererhebung zu erleichtern. In der Schlussabstimmung hiess der Rat die •Revision in, der hier skizzierten Form gut Auch im luzernischen Parlament wird die Steuerfrage aufgerollt. Eine im luzernfechen Grossen Rat eingereichte Motion Banmann ersucht die Regierung um Aueknufit über die Regelung der Steuern für Autos und Lastwagen, die von der Armee requiriert werden und über Massnahmen wegen der teilweisen Lahmlegung des Verkehrs, hervorgerufen durch Benzinrationierung. Monatliche Steuerberechnung in Appenzell A.-Rh. Der Kantonerat von Ap.penzel'1 A.-Rh. hat in «einer letzten Sitzung einen Antrag der Regierung angenommen^ während der Dauer der Benzinrationierung die Berechnung der kantonalen Verkehrssteuern nach Monaten vorzunehmen, währenddem sie bis anhin nach Quartalen erfolgte. Im Zug© dieser Revision hob er auch die oft kritisierten Sondergebühren bei der quartalweisen Lösung der Verkehrsbewilligung auf. Einer generellen Herabsetzung der Steuern steht die Regierung vorläufig noch ablehnend gegenüber, -wobei sie diese Haltung mit dem Hinweis darauf begründet, dass die ganze Frage zur Zeit noch nicht genügend abgeklärt sei. Dagegen wurde die Einführung der monatlichen Berechnungsweise mit rückwirkender Kraft auf 1. September 1939 ausgestattet, womit wenigstens eine Härte des bisherigen Besteuerungssystecns verschwindet. Obwalden führt Quartalssteuer und» Wechselschild ein. Unter den Geschäften der Obwaldner Kantonsratssitzung vom 27. November nahm die Behandlung der Abänderungsanträge zur Verordnung über den Motorfahrzeugverkehr einen breiten Raum ein. Wenn die Debatte auch schliesslich mit dem Zugeständnis einzelner Erleichterungen endete, so lässt es sich doch nicht verhehlen, dass sie zeitweise einen Geist offenbarte, der sich anscheinend noch immer nicht von der Vorstellung lösen kann, dass das Automobil längst aufgehört hat, zu den Luxusgütern zu zählen. So versagte der Rat einem Antrag auf Verbilligung der Fahrausweis-Erneuerung seine Zustimmung, ebenso wie er auch von einem Rabatt für Fahrzeugbesitzer, die ihre Steuer ganzjährig bezahlen, nichts wissen wollte. Sogar dem «kleinen Mann», dem Motorradfahrer, enthielt er die bescheidene Vergünstigung vor, die in der Beseitigung des Zuschlages für den Soziussitz gelegen hätte. Gutgeheissen wurde schliesslich die Revision der bestehenden Vorschriften in der Form, dass das Wechselschild für zwei Fahrzeuge derselben Kategorie Eingang fand und dass die Steuerberechnung inskünftig tfuartalsweise erfolgt. Da'neben unterliegen Traktoren und landwirtschaftliche Arbeitsmaschinen je nach Geschwindigkeit oder Verwendbarkeit Taxen von 20 oder 100 Fr. Für Steuererleichterungen im Kanton Zürich. Im Zürcher Kantonsrat begründete R. Hafner seine an dieser Stelle bereits im Wortlaut wiedergegebene Motion, welche die Regierung einlädt, dem Automobilgewerbe durch Erleichterungen und durch eine Aenderung des gegenwärtigen Besteuerungssystems aus seiner katastrophalen Lage zu helfen. Dabei wies der Motionär auf den von Nationalrat VaUotton unternommenen Vorstoss hin, die Automobilsteuer für die ganze Schweiz zu vereinheitlichen. Da jedoch die Durchführung einer eidgenössischen Regelung Jahre in Anspruch nehme, liege es an den Kantonen, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um dem schwer bedrängten Autogewerbe unter die Arme zu greifen. Regierungspräsident Dr. Briner hob in seiner Antwort die rechtlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten hervor, die sich einer Regelung der Verkehrssteuerfrage und der wirtschaftlichen Automobilprobleme entgegenstellen. Das gegenwärtige Verkehrsgesetz könne nur durch eine Volksahstimmung abgeändert werden. Immerhin erklärte der Vertreter der Regierung, diese nehme die Motion entgegen und werde in einer späteren Sitzung darauf zurückkommen. Das Zürcher «Ermächtigungsgesetz» kommt nur langsam voran. Mit der Anpassung der Zürcher Verkehrssteuern an die durch die einschneidende Benzinrationierung bedingten, geänderten Verhältnisse will es nicht recht vorwärts gehen. Der Vorschlag der Kantonalen Strassenverkehrsliga, dem Regierungsrat durch ein Ermächtigungsgesetz die Vollmacht zu geben, die Verkehrssteuern entsprechend anzupassen, liegt gegenwärtig bei der kantonalen Polizeidirektion zur Prüfung, doch steht heute schon fest, dass unter Beachtung der vorgeschriebenen Termine bei der Behandlung solcher Gesetzesvorlagen mit dem Inkrafttreten des Gesetzes auf Januar 1940 nicht mehr zu rechnen ist. Das sollte aber den Regierungsrat nicht veranlassen, die Sache auf die lange Bank zu schieben, sondern während der Zeit, die bis zur Volksabstimmung im Januar oder Februar oder März nötig ist, gemeinsam mit den Strassenverkehrsinteressenten die für die Mobilisationszeit geltende Aenderung der Steueransätze, auf die Benzinrationen, vorzubereiten. Aus «•«•» 'Kantf« abgestuft Zur Nachahmung empfohlen! Der Kanton Zürich berechnet Steuerrückvergütung für requirierte Fahrzeuge nicht nur mehr nach Monaten, sondern nach lOtägigen Perioden. Bereits anfangs Oktober hat sich der Arbeitsausschuss der Kantonalen Strassenverkehrsliga Zürich in einer Eingabe an die Kantonale Polizeidirektion dafür Verwenders dass für die Berechnung der Verkehrssteuern für requirierte Motorfahrzeuge das totale Prorata-System zur Anwendung gelange, wobei die Steuerberechnung nicht nur nach Monaten erfolgt, wie sie der Kanton Zürich schon seit etlichen Jahren kennt, sondern nach ein-- zehien Tagen. Würde ein Waigen am 8. des Monats militärisch requiriert, so wäre die bezahlte Steuer von diesem Tage an rückzuvergüten. Der gleiche Modus käme auch für die vom Militärdienst zurückkehrenden Fahrzeuge in analoger Weise zur Anwendung. Die mit der kantonalen Motorfahrzeuigkontrolle geführten Verhandlungen haben nun zum Regierungsratsbeschluss vom 23. November 1939 geführt, der dem Verlangen der kantonalen Strassenverkehrsliga in der Weise Rechnung trägt, dass, wenn auch aus praktischen Erwägungen von der tagweisen Berechnung Abstand genommen wurde, nun wenigstens die Berechnungsbasis von 10- tägigen Zeitperioden zur Einführung gelangt. Es wird nun die Steuer bei militärischer Requirierung eines Motorfahrzeugs im Kanton Zürich für den laufenden Monat wie folgt berechnet : 1. Rückerstattung der Steuer. Bei Requirierung am ersten oder zweiten Tag des Monats wird die volle Monatssteuer, bei Requirierung vom 3. bis und mit 10. des Monats werden zwei Drittel, bei Requirierung vom 11. bis und mit dem 20. des Monats ein Drittel der Monatssteuer zurüekbezahlt, während bei Requirierung nach dem 20. des Monats keine Rückerstattung der Steuer mehr stattfindet. 2. Entrichtung der Steuer bei Wiedermverkehrsetzung eines requiriert gewesenen Motorfahrzeugs: Bei Inverkehrsetzung vom 1. bis und mit 10. des Monats ist die volle Monatssteuer zu bezahlen; bei Inverkehrsetzung vom 11. bis und mit 20. des Monats zwei Drittel und bei Inverkehrssetzung nach dem 20. des Monats ein Drittel der vollen Monatssteuer. Und was weiter wichtig ist: Dieser Regierungsratsibeschluss gilt rückwirkend ab 1. Oktober 1939. Das Entgegenkommen des Zürcher Regierungsrates verdient nicht nur die volle Anerkennung der Zürcher Automobilisten, sondern auch Nachahmung in möglichst vielen andern Kantonen. Es sollte die Basis bilden für eine einheitliche Regelung dieser Steuerfrage auf eidgenössischem Boden. Wenn auch hiefür selbstverständlich die Kantone allein zuständig sind, so sollte auf dem Wege über das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement oder die kantonale Polizeidirektorenkonferenz die Möglichkeit bestehen, die Zürcher Regelung der Besteuerung requirierter Motorfahrzeuge generell für alle Kantone zu übernehmen. V MOTORWAGENFABRIK BERNA AG., ÖLTEN Die Toten des Rennjahres 1939 , Seit drei Monaten ist das eherne Gedröhn der Motoren auf den Rennstrecken verstummt. Vorzeitig fand die Rennsaison 1939 ihren Abschluss und niemand vermag zur Stunde zu sagen, ob überhaupt und in welchem Umfang der Autorennsport nächstes Jahr wieder'erstehen wird. Wie noch eine jede ihrer Vorgängerinnen, so hat auch die vergangene Saison wieder schmerzliche Lücken in die Reihen derer gerissen, die mutig und einsatzbereit ihr Leben für den Sport, für Höchstleistungen wagen. Muss es sein, müssen wir diesen schweren Tribut wirklich darbringen, lässt sich die Hingabe so vieler junger Menschenleben verantworten? Hartnäckig erhebt sich diese Frage immer wieder, wenn sich der Tod auf einen dieser unerschrockenen Männer senkt. Ja — muss es sein? Fragen Sie die Fahrer selbst Wen sie einmal gepackt, die Leidenschaft der hohen Geschwindigkeiten, den lässt sie nicht mehr los. Sie können nicht anders, trotzdem sie um die Gefahr wissen, die sie ständig umlauert. Wo ist der unter ihnen, unter den Grossen, nach dem sich die Knochenfinger des allmächtigen Schnitters noch nie ausgestreckt, denen er nicht mit knapper Not entronnen ? Abermals : fragen Sie die Fahrer selbst (oder denken Sie daran, dass beispielsweise ein Nuvolari so ziemlich alles gebrochen hat, was der Mensch an Knochen brechen kann, dass er vor anderthalb Jahren, nach der scheusslich brenzligen Episode in Pau schwor, nie wieder das Volant eines Rennwagens anzufassen und ein paar Monate später dennoch wieder dabei war). Und dann, bringen sie ihr Leben nicht auf dem Altar des Fortschritts dar ? Fortschritt aber bedeutet Kampf und in der Natur des Kampfes liegt es, dass ej an den Wagemut appelliert und Opfer fordert. Ohne Kampf, ohne härteste Zerreissproben hätte das Motorfahrzeug niemals die Entwicklung nehmen und jene technische Vollkommenheit erreichen können, die es heute erlangt hat. Ungezählte Errungenschaften des modernen Wagens verdanken wir in der Hauptsache jenen Erkenntnissen, welche der Sport, die Prüfung von Material und Konstruktion in ihrer schärfsten, unerbittlichsten Form lieferte. Ein gütiges Geschick hat den schweizerischen Rennsport 1939 von Todesopfern verschont, aber Amerika, Italien, England und Frankreich sahen mit von den wägsten und besten ihrer Autorennfahrer und Förderer des Autosports von der Bühne dieses Lebens scheiden. Ihrer möchten wir heute kurz gedenken. Auch dieses Jahr wieder wollte der Grosse Preis von Indianapolis sein Opfer haben. Unter dramatischen Umständen Hess dabei der Sieger des Vorjahresrennens, Floyd Roberts, sein Leben. 500 km hatten die Spitzenreiter schon hinter sich, als in einer der überhöhten Kurven einer von ihnen ins Schleudern geriet. Im selben Moment knallte ihm auch schon der Hintermann in die Flanke, eine Feuergarbe lohte empor, die beiden Fahrer flogen aus ihren Sitzen. Und schon zischte Roberts heran, vermochte nicht mehr auszuweichen und krachte in vollem Tempo auf den brennenden Trümmerhaufen vor ihm. Kurz darauf erlag er im Spital den schweren Verletzungen, die er dabei davongetragen hatte. Einen schweren Verlust erlitt am 19. Juni der italienische Rennsport mit dem tödlichen Unfall von Emilio Villoresi. Bei den Probefahrten, welche Alfa Romeo mit dem Anderthalbliter- und dem Grand-Prix-Wagen in Monza durchführte, verfehlte der erst 25J-2 jährige, kühne Draufgänger eine Kurve und fegte über die Piste hinaus, der Wagen zerschellte an einem Baum, wobei Villoresi derart übel zugerichtet wurde, dass er kurz hernach verschied. Sechs Tage später, beim Grossen Preis von Belgien am 25. Juni, holte sich Schnitter Tod in Richard Seaman eine der Koryphäen des internationalen Renrisports. Die Umstände, unter denen dieser vollendete Sportsmann und Gentleman sein Leben lassen musste, drücken seinem Hingang den Stempel wahrhafter Tragik auf. Hinter Lang an zweiter Stelle liegend, sauste er, nachdem sein Wagen auf der regenübergossenen Strasse zu schlenkern begonnen, in voller Geschwindigkeit rückwärts gegen einen Baum, das Fahrzeug fing Feuer, aber Seaman vermochte sich infolge der Verletzungen beim Anprall nicht aus eigener Kraft zu befreien. Mit furchtbaren Brandwunden wurde er ins Spital übergeführt; ein paar Stunden später, die er bei vollem Bewusstsein verbrachte, erlöste ihn der Tod von seinen Qualen. Nicht auf dem Feld des Autosports, das ihn in seiner Heimat wie auf dem Kontinent so oft erfolgreich gesehen, sondern bei einem Flugzeugunfall bezahlte der Engländer Penn Hughes seine Sportbegeisterung mit dem Leben. Ein zweiter ,Schlag traf die Alfa Corse am lt. August, als beim Training zur Coppa Acerbo der Nachwuchsfahrer Qiordano Aldrighetti in einen schweren Sturz verwickelt wurde, dessen Folgen er nicht überstehen sollte! Erst zu Beginn dieses Jahres hatte Aldrighetti, der sich zuvor als Motorradfahrer einen internationalen Namen geschaffen, die Lenkstange mit dem Volant des Alfa-Romeo- Rennwagens vertauscht, doch versagte ihm das Geschick hier grosse Triumphe. Als schwarzer Tag wird dieser 11. August auch in die Annalen der Bugattiwerke eingehen. Beim Ausprobieren eines Rennwagens auf der Strasse Molsheim-Strassburg verunglückte der 27jährige Sohn des berühmten Konstrukteurs, Jean Bugatti tödlich. Betätigte er sich selbst auch nicht als Rennfahrer, so leitete er doch die Sportabteilung der Bugattiwerke und nahm in dieser Eigenschaft auch die Versuchsfahrten mit sämtlichen neuen Modellen vor. Er gehörte zu den habitues der internationalen Rennplätze und die Popularität, deren er sich in den autosportlichen Kreisen erfreute, kam durchaus nicht von ungefähr. Ein banaler Strassenverkehrsunfall löschte im September Laury Schell, den Gatten der Begründerin und Leiterin der französischen Ecurie Lucy O'Reilly-Schell, aus der Reihe der Lebenden aus. Auch er zählte nicht zu den Aktiven des Rennsports, wohl aber zu dessen grossen Animatoren und Förderern.