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E_1939_Zeitung_Nr.087

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m AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 19 DEZEMBER 1939 — N° 87 Der Siegeszug des Weihnachtsbaumes Den meisten von uns wird es unwahrscheinlich klingen zu erfahren, dass die Sitte des Aufsteilens einer geschmückten Tanne zum Weihnachtsfest kaum älter ist als vier Jahrhunderte. Werden Väter von den Kindern nach dem Alter dieses Brauches befragt, so pflegen sie zumeist unter allerhand verlegenem Räuspern und Hin- und Herreden zu erklären, es handle sich hier um die Uebernahme alter heidnischer Sitten in die christlichen Gebräuche, also um eine weit Ober tausend Jahre alte Sitte. Aber hier irren die Väter... # In keiner einzigen Dichtung des Mittelalters wird auch nur mit einer Silbe der Verwendung der Tanne oder der Fichte zum Zwecke der Weihnachtsfeier Erwähnung getan; zum allerersten Male geschieht dies im Jahre 1494 in Sebastian Brants «Narrenschiff», wo für das Elsass die Sitte erwähnt wird, zu Weihnachten die Häuser mit grünem Tannenreis auszuschmücken. Wohl gibt es neuzeitliche Dichtungen, die in mittelalterlichen Häusern Weihnachtsbäume auftauchen lassen — Scheffels «Ekkehard» beispielsweise oder Wildenbruchs «König Heinrich» — aber das sind eben grobe Anachronismen. Auch für die Behauptung, der Heiligen Franciscus von Assissi habe den ersten Christbaum angezündet, gibt es nicht mehr Beweise als für andere fromme Legenden. Tatsache scheint vielmehr zu sein, dass das Elsass als Ursprungsland des Weihnachtsbaumes anzusehen ist. Abgesehen von der obenerwähnten Stelle im Buch des elsässischen Dichters Brant, findet sich in einem teilweise erhaltenen Rechnungsbuch der Stadt Schlettstadt aus dem Jahr 1538 ein Posten «3 Schilling für das Hauen von Weihnachtsbäumen». An anderer Stelle findet sich eine Erwähnung der Sitte der Schlettstädter Kinder, das Tannengrün zu Weihnachten mit Aepfeln und Oblaten zu schmücken, die am Dreikönigstage geplündert werden dürfen. Einen Beweis für die grosse Volkstümlichkeit dieses Brauches in der dortigen Gegend bildet dann ein im Jahr 1555 erlassenes Verbot des Rates der Stadt, das «Abschlägen von Weihnachtsbäumen» betreffend. Die Sitte drang auch nach Strassburg vor, wo nach einem Bericht aus dem Jahr 1604 «Rosen aus vielfarbigem Papier daran gehencket wurden, auch Aepfel und Zucker». In Norddeutschland wird des Christbaumes zum ersten Male im Bericht eines Wittenberger Studenten < im Jahr 1737 Erwähnung getan; in Mitteldeutschland hatte er sich damals noch nicht eingeführt, Goethe erwähnt ihn zum ersten Male im Jahre 1774 in den «Leiden des jungen Werther», und bei Schiller wird er erst 1790 zum ersten Male angezündet. In Leipzig lässt er sich zum ersten Male 1767, in Berlin 1/80, in Hamburg 1796, in Dresden gar erst 1807 nachweisefy während ein Bericht aus Nürnberg ergibt, dass er dort schon 1790 ziemlich stark verbreitet war. Jedoch eroberte der Weihnachtsbaum die katholischen Teile Süddeutschlands erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts; damals dürfte er auch in die alemannischen Gebiete und damit in die nördliche Schweiz eingedrungen sein. In den benachbarten Alpenländern hat er sich teilweise erst um 1870 eingeführt. In Frankreich kannte man den Weihnachtsbaum in den vermögenden Kreisen zwar schon verhältnismässig früh; so wird er gelegentlich einer Weihnachtsfeier in den Tüilerien im Jahr 1837 ausdrücklich erwähnt; richtig populär geworden isf'er aber eigenartigerweise erst durch die deutschpn Truppen zu Weihnachten 1870. — 'In England dürfte der erste Weihnachtsbaum' der gewesen sein, den die Königin Viktoria im Jahre 1841 ihrem Gatten, dem Prinzen Albert, zuliebe aufstellen liess; seither ist er sowohl im englischen Mutterlande wie in den Kolonien häufig neben den traditionellen Mistel- und Stechpalmenzweigen zu sehen. Durch eine Engländerin, Gattin eines nach Rom versetzten Diplomaten, wurde der Christbaum gegen 1880 auch in Italien eingeführt, wo dann deutsche Künstlerkreise sich eifrig für seine Verbreitung einsetzten. R. H. Jfapoleons schriftstellerische Tätigkeit Erst das plötzliche Auftauchen eines Romans aus der Feder Napoleons I. hat die Allgemeinheit mit der Tatsache bekannt gemacht, daß Bonaparte nicht nur mit dem Degen, sondern auch mit der Feder umzugehen verstand. Schon im Alter von 17 Jahren schrieb er eine Geschichte über Korsika, die er dem alten Schriftsteller Raynal zur Begutachtung einreichte. Diesem gefiel die Arbeit des jüngsten Lieutnants der französischen Armee so gut, dass er ihre Veröffentlichung betrieb; aber Bonaparte verhinderte sie im letzten Moment, da ihm der stürmisch-republikanische Geist und die offene Leidenschaftlichkeit seiner Arbeit als unverträglich mit seiner Stellung als Offizier erschien. Er liess sich das Manuskript von Raynal zurückgeben und vernichtete es. Ein Jahr später erliess das Lyoner «Journal» ein Preisausschreiben über die Frage: «JVelches sind die Gefühle, die den Menschen am Glücklichsten machen?» Bonaparte beteiligte sich an dem Wettbewerb mit einem längeren Essay, das mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet wurde. - Später, als Napoleon schon Kaiser war, erzählte er einmal Talleyrand von seiner «Jugendsünde», und dieser hatte nichts Eiligeres zu tun, als in aller Weihnachten, das Fest der Liebe, erblüht nur zu seinem grossen Glänze im Schosse der Familie, während der Einsame mit diesem Feste nichts Rechtes anzufangen weiss. Sonderlinge verfallen auf merkwürdige Formen, das Christtest zu begehen und einige Beispiele dieser Art sollen hierbei folgen: Seit vielen Jahren trifft an jedem Weihnachtsabend zu später Stunde ein älterer Herr in einem Hotel zu Brighton ein, nimmt nur Brot und Wasser zu sich und bleibt in seinem Zimmer bis zum Ende des zweiten Feiertages eingeschlossen; er hat streng verboten, ihn zu stören, und auf eine Frage des Hotelbesitzers gab er nur die rätselvolle Antwort: «Ich bin einer mehr von den vielen.» In einer anderen Gegend Englands geht alljährlich am Weihnachtsabend und am ersten Feiertag abends ein alter Mann mit einer Laterne durch verschiedene Dörfer, klopft an jedem Haus an die Tür und fragt: «Wie ist das Weihnachten?» Wenn er erfreuliche Auskunft erhält, dann verbeugt er sich tief und lässt einige Silberstücke, an der Türschwelle liegen. Wird ihm keine gute Auskunft zuteil, dann schüttelt er sorgenvoll den Kopf und geht weiter. In einem Dorf von Dorsetshire befindet sich die Ruine einer alten Kirche, um die ein verfallener Friedhof herumliegt. Seit vielen Jahren erscheint hier eine tief verschleierte Frau in Trauerkleidung am Weihnachtsabend und verbringt die Zeit Vom Dunkelwerden bis zur Mitternacht auf 'denr Kirchhof, unablässig zwischen den Gräbern hin- und hergehend; Am nächsten Morgen sieht man dann auf jedem Grabe einen kleinen Mistelzweig oder einen Stechpalmenzweig. An einem andern Orte haben sieben Männer, die sich zu einem frommen Bund zusammengeschlossen haben, die Gewohnheit, die Christnacht in einem Stall zu verbringen; sie schliessen sich hier ein und singen Weihnachtslieder. Wahrscheinlich wollen sie die heilige Stunde in Gemeinschaft mit den Ochsen verbringen, die ja schon im Stall von Bethlehem bei der Geburt des Heilandes zugegen waren. Heimlichkeit einen Kurier nach Lyon zu senden, um das Manuskript herbeizuschaffen. Nach langem Suchen wurde es wirklich in einem alten Archiv aufgestöbert. Als Talleyrand sich mit dem Kaiser allein im Zimmer befand, zog er es plötzlich aus der Tasche, reichte es Napoleon und fragte: «Sire, kennen Sie diese Handschrift?» Der Kaiser nahm das Manuskript, erkannte es sofort, blätterte darin und - warf es mit einem raschen Schwung in den brennenden Kamin; so erschrak er über den Kontrast zwischen seinen damaligen und jetzigen Auffassungen. Talleyrand aber ging untröstlich davon, verzweifelt, dass er nicht rechtzeitig daran gedacht hatte, sich von dem Manuskript eine Abschrift zu machen. Die bekannten, von Napoleon überkommenen Schriften bilden allein eine kleine Bibliothek. Die bekanntesten unter ihnen sind: «Memoires pour servir ä l'histoire de France en 1815», «Campagnes d'Egypte et de Syrie 1798/99», «Memoires pour servir a l'histoire de France sous Napoleon, ecrites ä St-Helene», «Commentaires de Napoleon I er ». Ein grosser Teil seiner übrigen Werke ist femer in 4 Bänden «Oeuvres litteraires de Napoleon I er » und in 2 Bänden «Napoleon inconnu» zusammengefasst Sonderbare Weihnachtsfeiern Ein reicher Londoner Junggeselle, der in einem luxuriösen Haus wohnt, verschwindet jeden Weihnachtsabend und kehrt erst am zweiten Feiertag wieder heim. Man hat herausgebracht, dass er diese Zeit als Vagabund auf der Landstrasse verbringt, und als man ihn fragte, warum er das täte, erwiderte er: «Das bringt mir die andere Seite des Lebens ins Gedächtnis.» Seit etwa zwanzig Jahren verbringt e!n Herr die Christnacht in den Gewölben unter einer Dorfkirche und legt .einen Kranz auf den Sarg eines dort begrabenen Verwandten. Der Tote hatte ihm einen grossen Besitz hinterlassen, unter der Bedingung, dass er diese Zeremonie in jeder Weihnachtsnacht ausführe. Obwohl ihm bereits verschiedentlich vom Gericht mitgeteilt worden ist, dass er sich an diese Klausel nicht zu halten brauchte, erfüllt er sie doch pietätvoll jedes Jahr. Das Rezept für die Feiertage: Gänseleberpastete. Selbstgemachte Gänseleberpastete ist leichter und bekömmlicher als Strassburger. Hier ihr Rezept: Man braucht zwei Gänselebern, y 2 Pfund Gänseliesen, Zitronensaft (von einer Zitrone). % Teelöffel geriebenen Meerrettich, einen geviertelten Apfel, etwas Pfeffer, drei kleine Zwiebeln und eine Zehe Knoblauch. Die Liesen werden auf langsamem Feuer ausgelassen; die Grieben werden herausgenommen. Die Leber wird nun mit Zitronensaft beträufelt und, halbiert, in das Fett gelegt; dannach kommen auch der Aepfel, die Gewürze und der restliche Zitronensaft hinein. Der Topf muss so klein sein, dass das Fett die Leber bedeckt. Auf einer doppelten Asbestplatte muss nun die Leber solange sehr langsam ziehen, bis sie gar ist; genussfähig ist sie erst nach drei Tagen; serviert wird sie eisgekühlt. WFI.TßKKTIII IBS \ Das Kaiserreich Indien hat einen Flächeninhalt von 5 Millionen Quadratkilometer, auf denen 350 Millionen Menschen leben. Wie winzig ist dagegen die Armee, die England zur Bewachung dieses ungeheuren Reiches benötigt! Welche Staatskunst, welche ungeheure Erfahrung gehören dazu, diesen ausgedehnten Besitz in Kriegs- und Friedenszeiten zu erhalten! Die Engländer sind in dieser Hinsicht Eng] and erobert INDIEN in die Fußstapfen. der alten Römer getreten, die es ebenfalls verstanden haben, mit schwachen militärischen Kräften ihrem Weltreich lange Zeit hindurch Ruhe und Frieden zu bewahren. In der Zeit der grössten Ausdehnung genügten 350 000 Mann römischer Bürger und Hilfstruppen, um das grosse Reich zu schützen. Gallien hatte nur eine Garnison von 1200 Mann. In den fünfhundert Kompliziert. «Sie ist viel älter, als es scheint!» «Ja, und was noch schlimmer ist: Sie sieht so aus, als ob sie viel älter ist, als es scheint!» Städten Asiens war nicht ein einziger Soldat zu sehen. In ganz Aegypten standen nur zwei Legionen, später sogar nur eine einzige. Die römische Seemacht beschränkte sich auf einige Flottenstationen in Ravenna und Misenum, im Pontus Euxinus, in der Nordsee, auf der Donau und dem Euphrat. Wie alle koloniale Eroberungen, so ist auch der Erwerb Indiens nicht ohne Gewalttaten vor sich gegangen. Im Laufe der drei Jahrhunderte, in denen England das indische Reich kolonisierte, hat es auch nicht an blutigen Aufständen gefehlt. Aber man hat doch den Eindruck, dass Indien unter der englischen Verwaltung viel gewonnen hat. Es besteht gar kein Zweifel, dass das Land bei den vielen Gegensätzen, die seine Bewohner voneinander trennen, in ununterbrochene blutige Bürgerkriege verwickelt sein würde, ganz abgesehen von Einwirkungen seiner Nachbarn. Allein der grosse Reichtum Indiens würde stets eine grosse Lockung für raubgierige Völker sein. Erst wenn die inneren Gegensätze überbrückt sind, wird Indien in der Lage sein, sich vollständig selbst zu regieren. Diese grossen Gegensätze erklären sich aus der Geschichte des Landes. Im dritten Jahrtausend v. Chr. wandert ein Zweig der grossen Völkerfamilie der Indogermanen oder Arya von Nordwesten in das Gebiet des Indus ein, das vorher von wilden Volksstämmen schwarzer Farbe bewohnt war. Von dem Strom nehmen sie den Namen Inder (Hindu) an. Sie sind ein kriegerisches Volk, dehnen sich aus und erkämpfen in jahrhundertelangen Kriegszügen das ganze Gebiet des Gangesstromes. Es ist ihre Heldenzeit, in der ihre grossen Nationalepen entstehen (14, Jahrhundert v. Chr.). Damit ist aber ihre Kraft gebrochen. Der kriegerische Geist des Volkes macht einer friedlichen Gesinnung Platz, einer passiven Weltauffassung, in der der Verzicht auf die Dinge des Diesseits dominierend wird. Der Einfluss kriegerischer Fürsten geht ganz auf die brahmanische Priesterschaft über. Im 6. Jahrhundert v. Chr. verbreitet sich in Indien der Buddhismus. Er wird zwar wieder vertrieben, aber er behält seinen Einfluss auf die Religion der Bevölkerung, ohne jedoch den passiven Charakter des Volkes zu ändern. Im Jahre 705 dringen die Araber von Iran aus in das Land Sindh, an der Nordwestküste Indiens, südlich von Afghanistan, ein, und ihre Eroberungen dehnen sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte auf den ganzen Norden aus. Das Pandschabgebiet wird gegen Ende des 12. Jahrhunderts erobert, und in allen unterworfenen Gebieten richtet sich der Islam als herrschende Religion ein. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wird in Indien das Reich des Grossmoguls (d. h. grossen Mongolen) begründet. Es schliesst sich direkt an die Schöpfungen Timurs und Dschingis Khans an. Damit gewinnt der sunnitische Islam eine gewaltige Ausdehnung. Unter dem Grossen Akbar, dem Schöpfer so vieler herrlicher Paläste und Moscheen, wird das Reich wesentlich erweitert. Akbar ist ein geschickter Organisator und ein toleranter Fürst. Er gewährt den unterworfenen Hindus die gleichen Rechte wie den mohammedanischen Siegern und duldet in seinem Reiche auch das Christentum. Seine Regierung ist die Glanzzeit des grossmogulischen Reiches. Bis in das Jahr 1857 regieren seine Nachkommen, in ihrer Macht allerdings nach und nach durch die Engländer beschränkt. Die mohammedanische Fremdherrschaft bleibt zunächst auf das nördliche Indien beschränkt. Im Süden erhalten sich die nationalindischen Fürsten. Unter Aurungseb, der bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts regiert, erwacht der religiöse Fanatismus der Mohammedaner aufs neue. Die Hindus werden unterdrückt, ihre Tempel von den Anhängern des Islams zerstört. So stellt sich in grossen Zügen die Geschichte Indiens dar. Die Gegensätze zwischen Hindus und Mohammedanern bestehen heute unvermindert fort, obwohl letztere nur wenig mehr als ein Viertel der Hindubevölkerung ausmachen. Wenn man bedenkt, wie gross bereits die Verschiedenheit der Denkweise in Europa ist, so kann man sich leicht eine Vorstellung machen, wie schroff die Gegensätze in diesem Riesenreich sein müssen, das ein Konglomerat so vieler Rassen enthält und in dem die Einrichtung der Kasten ein weiteres Trennungsmoment bildet. Man vergegenwärtige sich dabei, dass gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr als 100 000 Briten in Indien lebten. Die ersten Eroberungen der Europäer in Indien fallen in den Beginn des 17. Jahrhunderts. 1498 hat der Portugiese Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckt, den Columbus vergeblich suchte. Er landet im Mai desselben Jahres in Ca- fln die Wehrmännerl Beim Wachestehen, beim Maisch durch Sturm und Regen sind Sie giosser Erkäliungsgeiahi ausgesetzt Beugen Sie rechtzeitig vor durch die bazillenlötenden \l>1WfTT l Bf«Y PasillUxt

JJ0 87 — DIENSTAG, 19. DEZEMBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE an IDeihnachtsrounschzettel Von Hermine Graber. In einem reizenden Weihnachtsbrief vom 23. Dezember 1793, der interessante Rückschlüsse auf den Wunschzettel eines berühmten Kindes zulässt, schreibt Frau Elisabeth Goethe: «Lieber Sohn, alles was ich dir zu Gefallen thun kann, geschieht gerne und macht mir selbst Freude — aber eine solche infame Mordsmaschine zu kaufen (eine kleine Guillotine als Spielzeug für den Enkel August), das thue ich um keinen Preis — wäre ich Obrigkeit, die Verfertiger hätten am Halseisen gemusst.» — Die Grossmutter, die es an «Kistgen und Päckgen mit dem überschickten Christkindlein> für ihre Kinder und Enkelkinder niemals hat fehlen lassen, hat diesen Wunsch des Goetheschen Wunschzettels energisch durchgestrichen und sich etwas anderes ausgesucht, das mehr für ihres Hätschelhans 1 Söhnchen passte. Wunschzettel können also auch voller Gefahren stecken, da sie ja nicht immer in die Hände einer verständigen Grossmutter gespielt werden. Eltern und Postbehörden erleben im Weihnachtsmonat rührende Beispiele kindlichen Vertrauens, was sich in unbeholfen geschriebenen, in den Briefkasten geschmuggelten Wunschzetteln äussert. Kinder sind leicht getröstet, auch wenn am Weihnachtsabend etwas anderes als das Gewünschte unter dem Weihnachtsbaum liegt. «Grossen Leute Kummer über unverstandene oder nicht erfüllte Wünsche ist weit schwieriger wieder gut zu machen. Denn es gibt einen Stolz des Schenkens, einen Ehrgeiz, nicht zu enttäuschen und den Beschenkten damit zu treffen, trotz aller Umtauschmöglichkeiten. Darum sind Weihnachtswunschzettel, geschriebene oder ungeschriebene, auch bei den Grossen eine wohltätige Einrichtung. Dass es dennoch manchem geht wie dem «Fischer und syner Frou», die nicht das Richtige wünschen konnten, beweist, dass es auch zum Wünschen Talent braucht. Nicht immer ist es so leicht, aus Erwachsenen Wünsche herauszulocken, oder meist sind diese für das Portemonnaie des Schenkenden unerschwinglich hoch. Schwer vor allem ist es, Wünsche der Mutter zu erfahren, sie, die das ganze Jahr über nur die Wünsche der andern erfüllt. Schwierig ist es oft auch bei Alleinstehenden, die gewohnt sind, sich ihre Wünsche selbst zu erfüllen. Mancher Papa nimmt es mit dem Wunschzettel sehr genau. Einmal erlebte ich in einem Internat, dass die jungen Menschen aufgefordert wurden, einen Wunschzettel mit drei Wünschen zu je zehn Franken auszufüllen, damit die Geber einen dieser Wünsche erfüllen konnten. Rührend war nun, die verschiedenen Wünsche durchzugehen. Einer der Jungen schreibt, er wünsche nichts für sich selbst, die Hausmutter möge nach Gutdünken einem, der noch ärmer sei, einen zweiten Weihnachtswunsch erfüllen. Jedenfalls ist das Lesen von Weihnachtswunschzetteln von grossen und kleinen Kindern nicht nur anregend, sondern die Wünsche geben oft auch Aufschluss über Charakter, Wesen und Veranlagung des Wünschenden. Die schönsten und für beide Teile beglückendsten Wunschzettel werden niemals geschrieben, sondern nur erraten, zu ihnen gehören heute die zahllosen Wünsche unserer .Wehrmänner, die für des Landes Schutz an den Grenzen stehen. SchtummexmäcdieH Weisse Lämmer grasen auf dem Himmelsrasen, schütteln ihre Locken, läuten mit den Glocken. Im Himmelswind ein selig Kind reitet auf dem Fohlen zu den jungen Dohlen. Siehst das Rösslein schäumen, wirst von Dohlen träumen, von Lämmern und dem Kind im Himmelswind. Katharina Waldisberg. Man sieht's sofort: wirkliche Eleganz/sorgfältig gearbeitet, keine gewöhnliche Konfektion/ da liegt Qualität sozusagen in jedem Detail/ trotz allem preiswert: Winter-Mäntel Indien (Fortsetzung van Seite \\.) SchmissigeMünfel Herren-Anzüge reinwollen Sport-Anzüge mit 1 Hosen reinwollen 135.— 110.— 60.- 45.- 120.- 100.- 58.- 50.- Gute Herrenkonfektion 90.— 75.- 90.- 7i- Geschäfte in Arbon, Basel, Chur, Frauenfeld, St. Gallen, Glarus, Herisau, Luzern, Ölten, Romanshorn, Schaffhausen, Stans, Winterthur, Wohlen, Zug, Zürich. Depots in Bern, Biel, La Chaux-de-Fonds, Interlaken, Thun licut. In den folgenden Jahren besetzen die Portugiesen eine Reihe von Hafenplätzen, vertreiben nach und nach die Araber und haben etwa ein Jahrhundert lang den indischen Handel in Händen. Von den einheimischen Fürsten anfangs gut aufgenommen, machen sie sich bald durch Grausamkeit und durch die Einführung der Inquisition verhasst. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts regen sich die Holländer in Indien. Sie nehmen die Sundainseln und das dem Kontinent vorgelagerte Ceylon, beschränken sich jedoch auf ihren kolonialen Inselbesitz. Nun treten die Engländer auf. Sie besetzen zwar zunächst nur wenig umfangreiche Ge- xtro-Anfertigung für jede Figur zu bescheidenem Mehrpreis Zur rechten Zeit. «Warum hast du eigent- • lieh deine Verlobung gelöst, Adalbert?» «Als ich vor einiger Zeit mit meiner damals noch angehenden Schwiegermutter unser neues Heim besichtigte, meinte sie, dass die Wohnung für drei Personen doch eigentlich etwas zu klein wäre - na, und da habe ich mich eben bescheiden zurückgezogen!» biete, gründen jedoch Stützpunkte, die sich später als geeignete Grundlage für die Erweiterung ihres Besitzes erweisen. Unter der Regierung der Königin Elisabeth war bereits am 31. Dezember des Jahres 1600 die Eng- .lisch-Ostindische .Kompagnie gegründet worden. ,4(339-.erfolgt die Errichtung von Niederlassungen in -Madras und später in Kalkutta und Bombay, nachdem in der Mitte des Jahrhunderts der für die Reise nach Indien so wertvolle Stützpunkt, die Insel Sankt Helena, gewonnen worden war. Als weiterer Bewerber um Kolonialbesitz in Indien ist inzwischen Frankreich erschienen, das England in der ganzen Welt als Konkurrent entgegentritt. Zwar sind die Engländer in Indien den Franzosen überlegen, aber dies ändert sich, als Joseph Dupleix, der Gouverneur von Französisch- Pondichery, an die Spitze der Partei gelangt, die für den Plan eines französischen Kolonialreiches eintritt. 'Frankreich nimmt den Engländern sogar ihre erste Niederlassung, Madras, weg, muss es aber nach den Bestimmungen des Friedens von Aachen (1748) wieder herausgeben. Zwei Jahre später mischt sich der französische Gouverneur in die Thronstreitigkeiten, die das Reich des Nisam (Haiderabad, im südlichen Indien zentral gelegen) erschüttern. Mit seiner Hilfe gelangt ein von ihm begünstigter Prätendent auf den Thron eines Vasallenstaates, während die Engländer einen ihrer Günstlinge in Bereitschaft halten. Versicherungen aller Art ausgenommen Leben Allgemeine Versicherung«-Aktiengesellschaft in Bern BERN, Bundesgasse 18 Für die gewährte Hilfe tritt der Nisam ein beträchtliches Territorium an Frankreich ab, und der Grossmogul verleiht Dupleix den Rang eines Nabobs. In dem nun zwischen Engländern und Franzosen ausbrechenden Krieg erfechten die Franzosen Sieg auf Sieg, bis ein britischer Offizier, Robert Clive, die Führung der englischen Truppen übernimmt. Ihn betrachtet man als den eigentlichen Begründer der englischen Macht in Indien. Clive ist 1743 als Schreiber in den Dienst der Ostindischen Kompagnie getreten und bewirbt sich dann um den Dienst in der Armee. Im Alter von 21 Jahren wird er Fähnrich, dann Kriegskommissar mit dem Rang eines Hauptmanns. 1751 zeichnet er sich durch die Einnahme der Hauptstadt des Nabobs von Karnatik, eines Vasallen des Nisams, aus. Er befreit Tritschinapalli von der französischen Belagerungsarmee und nimmt diese gefangen. 1753 kehrt Clive nach England zurück, erscheint jedoch zwei Jahre später wieder in Indien, mit dem Range eines Oberstleutnants bekleidet. Mit geringen Streitkräften zwingt er den Nabob von Bengalen, der in die britischen Besitzungen eingefallen ist, zum Frieden. Im Gefecht bei Plassey, am 26. Juni 1757, schlägt Clive ein von diesem Fürsten im Bunde mit Frankreich zusammengezogenes Heer von etwa 60 000 Mann und erobert Kalkutta, die Hauptstadt von Bengalen. Hierauf zwingt er den französischen General Lally de Tollendal, der Madras belagert, zum Rückzug. Der Ausgang dieses Feldzuges wäre vielleicht ein anderer gewesen, wenn die Franzosen auf dem europäischen Kriegsschauplatz nicht ebenso unglücklich gekämpft hätten. Das Jahr 1757, in dem Clive bei Passey siegt, ist nämlich gleichzeitig das Jahr der französischen Niederlage bei Rossbach, wo Friedrich der Grosse den Marschall Soubise entscheidend schlägt. Im Pariser Frieden von 1763, in dem Frankreich den Siebenjährigen Krieg beendete, erhielt es zwar Pondichery (an der Südostküste des indischen Kontinents) zurück, aber es löst die Französisch-Ostindische Kompagnie auf und ist von da an England nicht mehr gefährlich. Im Jahre 1765 erlangt die Englisch-Ostindische Kompagnie das Recht der Steuererhebung und der Zivilverwaltung in ganz Unterbengalen und in Bihar. Mit der Zeit gewinnt sie auch in Südindien das Uebergewicht. 1773 regelt die englische Regierung die Verhältnisse der Ostindischen Kompagnie und ernennt 1784 zum erstenmal einen Generalgouverneur. Unter fortwährenden Kriegen erobert Grossbritannien nach und nach den ganzen indischen Kontinent. Es wirft entstehende Revolutionen nieder, namentlich den grossen Aufstand, der in den Jahren 1856—62 tobte. 1858 übernimmt die englische Krone die Verwaltung Indiens. Der Generalgouverneur nimmt den Titel eines Vizekönigs an. Immer mehr befestigt sich die englische Herrschaft, so dass der Prinz von Wales, der spätere Eduard VII., auf seiner Reise durch Indien in den Jahren 1875—76 einen glänzenden Empfang findet. Am 29. April 1876 legt sich Königin Viktoria den Titel einer Kaiserin von Indien bei, und im folgenden Jahre wird unter grossen Festlichkeiten das Indische Kaiserreich proklamiert. Von diesem Augenblick an ist England bestrebt, dem Lande eine möglichst grosse Selbständigkeit zu verleihen. Indien trägt von nun an wesentlich zur Machtstellung und zum Reichtum Grossbritanniens bei. Seine Truppen fechten auf englischer Seite. Es weiss, dass es trotz aller Differenzen seinen inneren Frieden und seinen ungeheuren Fortschritt dem englischen Eroberer zu verdanken hat.