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E_1940_Zeitung_Nr.003

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unser südlicher

unser südlicher Nachbar. Zwar schützen ihn im Norden die Alpen, wenn auch sie im Laufe der Geschichte mehr denn einm AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 16. JANUAR 1940 — N° 3 CASTEL DEL MONTE Schloss der Höh engt aufen in Apulien Von den Bergen Apuliens zieht sich eine lange Hügelkette südostwärts in die Terra di Bari und hinweg über Altamura und Gravina bis gegen das Vorland des Golfes von Tarent. Von der Küste wie vom Flachlande aus sieht man überall, schon auf Meilenweite, aus jener niederen Bergkette einen pyramidenförmigen, baumlosen, grünen Hügel sich erheben; auf seiner Spitze ein einsames Schloss tragend; denn kein anderes Gebäude steht auf ihm. Dies berühmte Castel del Monte erscheint, von weitem gesehen, kreisrund und zeigt keine Türme. Nur die tiefen Schlagseiten oder Falten dieser Rundmasse von Mauerpfeilern lassen auch aus der Ferne schliessen, dass es ein Oktogon sei, mit stumpfen Türmen an jeder Ecke. Als Weithin sichtbares, die unermessliche Ebene beherrschendes Wahrzeichen nennt es das Volk das Belvedere oder den Balkon Apuliens. Denn gleich einer Mauerkrone ruht dies gelbe Schloss auf jenem Hügel. Wie das Diadem des Hohenstaufenreiches, das herrliche- Land krönend, erschien es mir, wenn es die Abendsonne von Purpur und Gold funkeln liess. Der Ritt zu diesem Schloss gehört zu meinen schönsten Wandererinnerungen. Wir bildeten eine Kavalkade von sieben Personen auf stark gebauten apulischen Pferden. Die Herren, welche Es ist bestimmt nicht leicht, eine Politik in ihren letzten Absichten zu verstehen, deren Träger an Farbkontrasten und Tiefe der Schlagschatten so aussergewöhnlicb reich ist wie Mussolini. Auch wenn man dessen Entwicklung vom revolutionären Sozialisten bis zum erbittertsten Gegner des Bolschewismus als eine einfache Evolution der politischen Erfahrung und Einsicht werten will, so bleiben dennoch zahlreiche Erscheinungen, die nur schwer in ein kompaktes Gedankensystem hineinpassen wollen. Glaubt man, ihn als ausgesprochenen Tatmenschen betrachten zu müssen, so überrascht er durch philosophische Gedanken und Aussprüche, die zweifelsohne bei Nietzsche, im Faust oder bei einem Sozialtheoretiker unseres Jahrhunderts verankert sind. Fordert er für sein Impero die Autarkie, so scheint dem sein Ziel des uns, ihre Gäste, geleiteten, hatten sich mit Doppelflinten bewaffnet, und selbst in den Halftern der Sättel steckten Pistolen. Die Murgie sind wohl zu Zeiten, wie der Silawald in Calqbrien, nicht ganz geheuer gewesen, doch gegenwärtig hört man hier nichts von Räubern. Es ist eine rechte Wonne, diese apulische Wildnis zu durchreiten, die balsamischen, von Blumenduft gewürzten Mailüfte einzuatmen, das tiefblaue Meer drüben strahlen zu sehen und den ätherreinen Himmel, welcher Land und Meer umschlingt... Und darf" man es den Hohenstaufen verargen, dass sie dieses sonnige Land, ihr apulisches Reich, nicht missen konnten, dass sie immer wieder darum kämpften, bis auch der letzte ihres grossen Geschlechtes erschlagen war? Hinaufreitend über die grünen Hügel, hatte ich das wunderbare Schloss stets vor Augen, dessen gelbe Massen sich immer deutlicher gestalteten. Dies vereinsamte Denkmal einer grossen Vergangenheit ruft keine Erinnerungen an Schlachten und Kriege, an höfische und politische Frevel, an Ränke von Päpsten und Pfaffen hervor: vielmehr gilt unser Besuch den friedlichen Räumen, wo der geniale Kaiser (es handelt sich um Friedrich II.) sich den Studien in ländlicher Stille und den Freuden der Jagd hingegeben hat. Und doch fallen selbst WFITfi in in \ Italien und das Mitteimeer Niederreissens aller Zollschranken grundsätzlich entgegenzustehen. Scheinen seine Forderungen an die Masse nach « gefährlich leben », nach « Heroismus und Hingabe an den Staat», auf kommende kriegerische Operationen hinzuweisen, so steht dem sein Wunschbild eines geeinigten Europas und die bereits historisch gewordene Vermittlertätigkeit zwischen den auflodernden nationalen Leidenschaften entgegen. Ebenso rätselhaft scheint die politische Marschrichtung zu sein, wenn Italien dem Völkerbund brüsk den Rücken kehrt, um sein Impero durch kriegerische Eroberungen aufzurichten und gleich darauf der internationalen Friedensarbeit das Wort redet. Unter diesen Umständen liegt die Versuchung nahe, den italienischen Begierungschef zum Opportunisten zu stempeln, dey einfach den Eingebungen der jeweiligen Verhältnisse folgt. Doch die Erfahrungen der letzten fünfzehn Jahre reden in dieses schöne Bild finstere Schatten, die es gibt. Sie war offenbar vom Ideol des Altertums zersören,- denn es sind die letzten Hohenstaufen, durchdrungen. die unglücklichsten Enkel Friedrichs II., die Söhne Friedrich II. liebte den Luxus des Morgenlandes. Manfreds, welche uns in diesem Schloss entgegentreten, ihre Ketten zeigen und ihre namenlosen wänder brachten ihm Gesandte des Orients zum Die kostbärsten Seidenstoffe, Teppiche und Ge- Leiden klagen. Geschenk, oder lieferten ihm seine' Handelsschiffe Ich wusste, dass Castel del Monte das am besten erhaltene Schloss Friedrichs II. ist; denn seine Gäste im Schlosse konnte niemals sehr gross sein, oder seine Fabriken zu Palermo. Die Menge der Paläste in Foggia, Capua und Lucera und seine denn sechzehn Säle würden nicht ausgereicht haben, ein zahlreiches Gefolgte zu beherbergen. schönen Villen zu Castel Fiorentino und am Logo Pesole sind zerfallen. Trotzdem war ich überrascht, dieses herrliche Gebäude in einem viel der Fensterbrüstung jenes Saales niederliess, um Wenn der grosse Hohenstaufenkaiser sich in besseren Zustand zu finden als ich erwartet hafte. Meer und Landschaft zu seinen Füssen zu betrachten, lag vor ihm sein Lieblingsland Apulien. eine Es ist innen verwüstet, aussen stellenweise beschädigt, aber keineswegs eine so verzweifelte weite, zum Meer gesenkte Terrasse, bedeckt mit Ruine wie das Heidelberger Schloss. Vielmehr blühenden Gärten und Feldern, erfüllt von Herden, steht die ganze Masse mit Mauerflächen und Türmen fast überall bis zu der ursprünglichen Höhe Hier zogen an seinem Blick vorüber Hellenen, Rö- übersät mit Schlössern und betürmten Städten. aufrecht, so dass das ganze noch heute nahezu mer, Karthager, Byzantiner, Goten, Langobarden, den Eindruck der Vollendung macht. Sarazenen und jene Normannen, deren Erbe sein Es ist ein Achteck. An jeder Ecke steht ein Vater Heinrich VI. durch Constanze von Sizilien stumpfer, runder Turm von so massiger Höhe, dass geworden war. Auch aus seinem eigenen Leben er nur um ein weniges den Kranz der Wandflächen überragt. Das Material ist der Kalkstein des mit tiefem Nochdenken wird er zumal das Meer kamen ihm hier zahlreiche Erinnerungen entgegen; Hügels selbst, von schöner hellgelber Farbe, zu dort unten betrachtet haben, wo er sich, mit dem Quadern geschnitten und auf das sauberste zusammengefügt. Das Ganze sieht vollkommen aus schifft hatte und von .dort heimgekehrt war — der Bann der Kirche beladen, nach Jerusalem einge- wie ein Marmorbau. Es hat nichts, was einer Festung ähnlich ist. Die Formen sind von einer klas- Zwecke der Kirche und ihrer Kreuzfahrten erho- erste Monarch, der sich über die einseitigen sisch zu nennenden Einfachheit und Reinheit, welche Erstaunen erregt und einen hohen Begriff von (Aus: Ferdinand Gregorovlus, tWanderjahre In ben hatte. der hohenstaufischen Architektur in diesem Lande Italien», geschrieben 1875.) 3)ee französische. !Botschaftet in Solothwat empfängt Casanova Schluss von Seite 1. Solothurn, Bern, Lausanne, Genf und Lugano. Schon diese Reiseroute zeigt, dass es Casanova nicht darum zu tun war, die Schönheit der schweizerischen Berge und Seen kennenzulernen. Die Landschaft war noch nicht entdeckt; das Jahrhundert Voltaires interessierte sich nur für den Menschen. Und so sehen wir Casanova zu dem grbssen Haller eilen, zu Voltaire und zu allen jenen Männern, die damals als Zierden ihres Jahrhunderts galten. Gewiss waren es nicht literarische Interessen allein, die den Reiseweg des Venezianers bestimmten. Dieser grosse Verehrer der Frauenschönheit liess sich von seinen Launen treiben, und wenn ihn ein schönes Weib fesselte so machte er Halt. So war auch seine Reise nach Solothurn als eine «Pilgerfahrt nach Kythera» gedacht. In dieser alten ehrwürdigen Stadt residierte damals der allmächtige Gesandte des französischen Königs, de Chavigny. Mit einem Empfehlungsbrief versehen, den kein Geringerer als der fast unbeschränkt in Frankreich herrschende Herzog von Choiseul ausgestellt hatte, war der Chevalier de Seingalt in der berühmten Ambassadorenstadt erschienen und hatte seine Karte beim Gesandten abgegeben. Doch geben wir ihm selbst das Wort: «In Solothurn angekommen», schreibt Casanova, «kleidete ich mich in Gala, wie ich es in Versailles getan hätte und fuhr bei dem Gesandten vor. Da er nicht zu Hause war, gab ich meine Karte und den Empfehlungsbrief ab. Ich hatte mir vorgenommen, in Solothurn prächtig aufzutreten. Ich verfügte über viel Geld und wusste, dass man mit diesem Metall die trübsten wie die glänzendsten Augen blendete. Der Gesandte war vor dreissig Jahren Vertreter seiner Regierung in Venedig gewesen. Ich kannte eine Menge Anekdoten, die über ihn in Umlauf waren und brannte darauf, ihn kennenzulernen.» Im Laufe des Tages besuchte ein Offizier der Gesandtschaft den Chevalier de Seingalt in seinem Gasthof und überbrachte ihm eine Einladung des Gesandten. «Zur festgesetzten Stunde», schreibt Casanova weiter, «stellte ich mich im Palais der Gesandtschaft ein und fand die Diener des Gesandten in grosser Livree vor. Das erschien mir von guter Vorbedeutung. Ich wurde nicht erst angemeldet, sondern, sobald ich erschien, riss ein Page beide Türflügel des Saales auf. Ein schöner Greis kam mir entgegen, richtete die verbindlichsten Worte an mich und stellte mich allen Anwesenden vor, die im Kreise herumstanden. In seiner feinen höfischen Art schien Herr von Chavigny meinen Namen vergessen zu haben, denn er zog den Brief des Herzogs von Choiseul aus der Tasche und las eine allzu prägnante Sprache und lassen durch alle noch so unklaren Situationen und Entschlüsse hindurch deutlich einen roten Faden erkennen. Die Schwierigkeit, Einsicht in die grundlegenden Gedankengänge der italienischen Politik zu gewinnen, liegt bestimmt teilweise beim Objekt. Sie rührt aber auch ohne Zweifel weitgehend davon her, dass wir das gesamte Problem aus der Enge unseres eigenen Gesichtswinkels betrachten. Unsere vorbildlich statische Aussenpolitik, deren hauptsächlichste Voraussetzung das "traditionelle Festhalten am überlieferten Zustand bildet, hat uns das Verständnis dafür geraubt, dass -jenseits der Grenzpfähle ständig Kräfte entstehen und vergehen, die ihre Auswirkungen letzten. Endes auch in territorialer Richtung finden müssen. Im Gewirr der immer mehr oder weniger aktiven geopolitischen Strömungen wird das Leben einer Grossmacht viel mehr laut den ganzen Absatz vor, worin der Minister empfahl, mich mit der grössten Auszeichnung zu behandeln. Er nötigte mich, zu seiner Rechten Platz zu nehmen und stellte /nir mehrere Fragen, und zwar so, dass ich antworten musste. ich reise zu meinem Vergnügen, die Schweizer Nation verdiene vor vielen anderen den Vorzug und ich sei glücklich, seine persönliche Bekanntschaft gemacht zu haben. , Es wurde aufgetragen, und seine Exzellenz liess mich wiederum neben sich Platz nehmen. Hinter jedem der sechzig Gäste stand ein Lakai in der Livree der Gesandtschaft. Im Laufe der Unterhaltung nahm ich eine Gelegenheit wahr, ihm zu sagen, dass man In Venedig noch mit grösster Anteilnahme von ihm spreche. «Auch ich», erwiderte Herr von Chavigny, «werde nie vergessen, wie gütig man gegen mich während meines ganzen Aufenthaltes in jener schönen Stadt war. Aber nennen Sie mir doch bitte die Personen, die sich meiner noch erinnern. Es müssen sehr alte Leute sein.» • * Diese Frage kam mir sehr gelegen. Ich hatte so manches aus damaliger Zeit gehört, was ihm zur grössten Ehre gereichte.' Vor allem war mir seine Liebschaft mit der berühmten Stringhetta bekannt. Der Koch Seiner Exzellenz war vorzüglich, aber die Freude, mich mit ihm zu unterhalten, liess mich das Essen kaum beachten. Alles, was ich ihm sagte, brachte ich mit dem ganzen Aufwand meiner Plauderkunst vor, so dass sich die Freude auf seinen Zügen malte. Als wir aufstanden, drückte er mir die Hand und versicherte mir, er habe in Solothurn noch nie so vergnügt gespeist. «Meine Abenteuer in Venedig», setzte der liebenswürdige Greis hinzu, «haben mich wieder verjüngt. Sie erinnern mich an viele schöne Stunden». Er umarmte mich und bat mich, während meines ganzen Aufenthaltes in Solothurn ihm so viel Zelt als möglich zu schenken; ich sei ihm zu jeder Stunde willkommen.» Als glänzender Plauderer hatte Casanova grossen Erfolg in der Solothurner Gesellschaft. yVie dramatisch verstand er es, seine abenteuerliche Flucht aus den Bleikammern von Venedig der atemlos lauschenden Gesellschaft zu erzählen. Man bewunderte seine Schauspielkunst, die ihm, dem Abkömmling einer venezianischen Schauspielerfamilie, im Blute steckte, als er in Voltaires Theaterstück die «Schottländerin» die Rolle des Lord Murray spielte. Und als er sich ausserhalb der Stadt in der Nähe der Aare ein entzückendes Landhaus mietete, da fehlte es ihm nicht an Besuchern, die sein Haus, seine vorzügliche Küche und seinen persönlichen weltmännischen Charme zu schätzen wussten. durch Stösse und Hiebe gestört als auf einer Insel, wie sie unser Land im internationalen Geschehen nun einmal darstellt. In jener Welt, wo täglich und stündlich um Einfluss, Freundschaft, Macht und Besitz geworben und gekämpft wird, auch wenn jegliche kriegerische Handlung unterbleibt, wo allzuoft nicht das Mittel, sondern einzig das Ergebnis den Ausschlag gibt, kann sich nur jener behaupten, der seinen Platz an der Sonne letzten Endes durch eigene Kraft zu verteidigen vermag. Wie im geschäftlichen Alltag wird jede Schwäche des Gegners nach Möglichkeit ausgenützt lind wirkt sich nicht nur als eigener Vorsprung, sondern auch als Benachteiligung des andern ans. Das Bestreben eines verantwortlichen Staatenlenkers muss vor allem auf zwei Dinge gerichtet sein: Die Sicherung des Territoriums in militärischer und der Existenzgrundlage in wirtschaftlicher Hinsicht. Es gibt wenige Länder in Europa, die in beiden Richtungen von der Natur stiefmütterlicher behandelt worden sind als

N«3 DIENSTAG. 16. JANUAR 1940 AUTOMOBIL-REVUE III Während das Land im Norden durch die Alpenkette geschützt ist, werden vier Fünftel seiner Gesamtgrenze durch das Meer gebildet. Die punktierte Linie gibt die sog. 120-km-Zone an, von deren äusserstem Rand das Festland mit modernen Bombenflugzeugen innert einer Viertelstunde erreicht werden kann. Diese Umstände sind verantwortlich für das Entstehen der sog. Douhet-Strategie, wovon in unserem Artikel die Rede ist. Die natürlichen Expansionsströmungen Italiens richten sich nach Süden und Südosten, nach Nordafrika, wo rund 1500 000 km 2 unter italienischer Hernschaft stehen und Ostafrika, wo die kolonialen Besitzungen Italiens mit Einschluss Abeesiniens etwa 1800 000 km 2 betragen. Nicht umsonst ist die italienische Politik während der letzten Jahre in erster Linie durch die Sorge um den ungehinderten Verbindungeweg beherrscht worden und bildet heute einen der Gründe, warum sich Italien jedem Vordringen Russlands im Balkan widersetzt. (Die breiten schraffierten Linien zum Mittelmeer sind die für Italien und zum Kolonialreich wichtigen Seewege.) mal feindlichen Heeren als Einfallstor gedient haben. Doch volle vier Fünftel der Grenzen werden durch offene Meeresküsten gebildet, deren Verteidigung schon von jeher nicht leicht war, im Zeitalter der weittragenden Geschütze und unerhört schnellen Kampf- und Jagdflugzeuge aber um ein Mehrfaches erschwert ist. Dazu kommt, dass während jenen Jahrzehnten, da Italien zerrissen und ohnmächtig am Boden lag, andere Mächte Kolonial-Positionen erobert haben, die in unserer Epoche von überragender Bedeutung sind. Nicht viel besser steht es um die Bodenschätze, welche die Weiterentwicklung der Wirtschaft überhaupt erst ermöglichen; Italien ist arm an Erzen, Kohlen, Erdölen und andern Eohstoffen, die für den Aufbau» der nationalen Existenz unumgänglich notwendig sind. Wieweit sich ein Land dem Druck eines andern unterziehen muss, ist aber vor allem dadurch bedingt, in welchem Masse es bei der Befriedigung seiner leiblichen Bedürfnisse abhängig ist. Diese Umstände bilden den eigentlichen Grund, weshalb die italienische Politik imperialistisch sein muss, wenigstens soweit dies einen angemessenen Anteil an den natürlichen Reichtümern der Erde betrifft. Dass davon der «Wille zur Macht» als Endziel, wie er die Politik des Jahrhundertanfangs beherrschte und auch in unsern Jahren öfters wieder aufflackert, grundsätzlich verschieden ist, soll weiter unten aufgewiesen werden. Es wäre verkehrt zu glauben, dass dieses Streben nach Weltgeltung sein Entstehen dem Faschismus-verdankt. Im Gegenteil liegt es in der historischen Entwicklung des italienischen Staates veran- Wenn Bern, dann Casino kert, dessen Ausdehnung auf die ganze apenninische Halbinsel auf das Jahr 1866 zurückgeht. Der Faschismus verdankt seine Entstehung und Bedeutung in nicht geringem Masse der Tatsache, dass diese Entwicklung durch die Machthaber der ersten Nachkriegsjahre nicht verfolgt wurde oder zum mindesten verfolgt werden konnte und dass dadurch jenes Unbehagen entstand, das den Nährboden für eine neue Bewegung lieferte. Dieses Streben nach militärischer und wirtschaftlicher Sicherstellung des Landes und seine Befreiung von der möglichen Bedrohung durch jene, « welche schon vorher da waren », bildet den roten Faden, der sich durch die ganzen Ereignisse der Nachkriegsjahre hindurchzieht. Es hat einerseits einer spezifisch italienischen Strategie gerufen, die vollständig. aus den besonderen geographischen Verhältnissen heraus entwickelt wurde und als deren Schöpfer der vor einigen Jahren verstorbene General Douhet gilt Sie fusst auf der Auffassung, dass zu Lande die Defensive leicht, die Offensive jedoch schwierig ist, dass sich die See ebenfalls eher für die Verteidigung denn für den Angriff eignet, während die Dinge für die Operationen in der Luft gerade umgekehrt liegen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit der Schaffung einer schlagkräftigen Luftflotte, die für den offensiven Blitzkrieg geeignet ist, einer achtunggebietenden Unterseewaffe und eines Netzes von Stützpunkten, das den Mittelmeer-Positionen anderer Mächte notwendigenfalls gewachsen ist. Anderseits wurde die Kolonisierung gefördert, und, zwar "nicht nur durch die Eroberung von Ländern, die früher oder später sowieso zum Spielball der Weltpolitik geworden wären, sondern vielleicht in noch stärkerem Masse durch die Nutzbarmachung von Besitzungen, die noch bis vor wenigen Jahren als nationalökonomischer Ballast verschrien waren. Was Marschall Balbo mit seinen Leuten innert kurzer Frist in Libyen geleistet hat, ist, wie die Kenner der Verhältnisse übereinstimmend berichten, der grössten Kolonisatoren anderer Länder würdig! Es ist wohl kaum notwendig, darauf hinzuweisen, dass auch der Faschismus als Bewegung in Rechnung gestellt sein will, falls die Bilanz der politischen Zielsetzung gezogen werden solL Allerdings wird man dabei nicht einfach an den oberflächlichen Ereignissen haften bleiben dürfen; denn er hat, wie jede andere Bewegung, in seiner Sturm- und Drangperiode innere Widersprüche aufgewiesen und sich erst dann voll entfalten können, als er schlakkenlos zu einem, wie sich Mussolini ausdrückt, «System historischer, zeit- und ortgebundener Kräfte » geworden war. Der Weg konnte nicht schnurstraks verlaufen seit den Tagen, da die gesamte politische Doktrine des Faschismus aus dem «Willen zur Tat » bestanden hatte. Die Klärung ist, wie der Verlauf der italienischen Politik besonders seit Ausbruch des gegenwärtigen Krieges deutlich beweist, erfolgt. Der Glaube an « die Macht und das natürliche Lebensrecht des Stärkeren », den Mussolini als r^ Politischer Kämpfer von den Denkern un,.i Dichtern der Jahrhundertwende übernommen hatte, ist durch die Erfahrungen der Jahre geläutert worden. Nach wie vor bleibt zwar die Ueberzeugung, dass einzig und allein die eigene Kraft das Dasein der Nationen gewährleisten kann und dass jede sich bietende Gelegenheit zur Stärkung der eigenen Macht und des eigenen Einflusses Ualienucie JiulzpuniCe französisch» ' trilifcA* ' ausgenützt werden muss, da die Politik teils auf die Nichterfüllung des sog. Londoner Vertrages anlässlich der Friedensschlüsse in den Jahren 1919/20 zurückführen, teils auf diplomatische Manöver, wie dies die Anlehnung von Tunis an Frankreich im Jahre 1881 darstellte, die eigentlich auf das Betreiben des damaligen deutschen Kanzlers Bismarck erfolgt war, um das Interesse der französischen Oeffentlichkeit von Elsass-Lothringen abzulenken. Es wäre bestimmt falsch zu glauben, dass sich Italien in irgendwelche kriegerische Operationen stürzen wird, nur um seine Machtsphäre zu erweitern. Im Gegenteil verlangt die «totale Sicherung des Landes» nichts mehr als eine freie und ungehinderte Verbindung mit den eigenen überseeischen Besitzungen, was wiederum voraussetzt, dass andere Grossmächte Italien nicht nur im offiziellen Verkehr, sondern auch im Handel und Wandel des Alltags als gleichwertigen Partner anerkennen, der in seinem eigenen Bereich Herr und Meister ist. Weiter verlangt diese Sicherung aber, dass dort, wo territoriale An- • sprüche nicht im Zug der historischen Entwicklung liegen, wo andere kleinere Völker ihr Schicksal aus .eigener Kraft zu formen bestrebt sind, sich keine Dritten Vorzugsstellungen ergattern, Die Stützpunkte der drei Mittelmeer-Grossmächte. Grossbritaanien hat zur Sicherung des Seeweges nach Indien seinerzeit Gibraltar, Malta, Cypera (Nikosia und Famagusta) und Port Said befestigt, während sich Frankreich auf Toulon, Villefranehe, die korsischen Plätze Bastia und Ajaocio und die nordafrikanischen Biserte und Tunis stützt. Italien schuf das strategische Gleichgewicht im offenen Mittelmeerraum durch den Ausbau der Felseninsel Fantellaria, das an der Indienroute Grossbritanniens liegt und jMalta und Biserte beherrscht, der Dodekanes-Inseln Leros, Astropalia und Rhodos zwecks Verteidigung gegen Norden und Osten, der nordafrikanischen und der sardinischen Hafen. Das adriatische Meer zwischen Triest und Brindisi ist durch allseitige Flankierung zu einem italienischen «Mare nostrum» geworden. Die englische F.estung Haifa dient der Sicherung der Oel-Pipeline, die hier ausmündet, sowie anderer vorderasiatischer Interessen. nun einmal die «Kunst dea Möglichen» ist. Alles überragt aber die Erkenntnis, dass das Leben eines Volkes, genau wie dasjenige des einzelnen, in erster Linie davon abhängt, welchen Kraftaufwand es für die eigene ' Arbeit einzusetzen hat. Wenn auch der Kampf im politischen Alltag um so erfolgreicher gestaltet werden kann, je besser sich ein Land seiner Haut zu wehren versteht, so bleibt doch das Hauptbestreben anf die innere Entwicklung des Impero gerichtet. Gewiss hat Italien noch «aspirazioni » (man beachte, dass nicht von « rivendicazioni» gesprochen wird) — Wünsche, die Zürich ad A £ CYPrEN Empfehlenswert! Unterhaltungsstätten Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 3613. 8—18.30 Uhr. Der Mi. abend 17. Jan. Ba f bl « r v . on / s « v A il ' a > °P er von G. Bossini (A-Ab. 10). DO abend 18 Jan. Volksvorstellung: Der Barbier von Sevilla. Fr abend 19 Jan Orpheus in der Unterwelt, von 9tUI r i u G. Offenbach (A-Ab. 10). Sa. abend 20. Jan. 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