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E_1939_Zeitung_Nr.088

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE iMITTWOCH, 27. DEZEMBER 1939 — Die Gefahren des Strassenverkehrs im Jahr 1938 Eine Fundgrube wertvoller Erkenntnisse bildet die Darstellung der Unfallfolgen nach den verschiedenen „Objektkombinationen" unter denen man die einzelnen Konstellationen der am Unfall beteiligten Verkehrsteilnehmer zu verstehen hat. Unfälle mit einem einzigen «Objekt» mochten wir dabei als Soto-Unfälle .bezeichnen; zwei Objekte umfasst beispielsweise ein Züsämmenstoss zwischen einem Radfahrer und einem Fussgänger oder zwei Autos und dergleichen. Wir beschränken unsere Darstellung in der folgenden Tabelle auf die ausgesprochen häufigen Solo-Unfälle und Kombinationsunfälle; diese allein liefern auch auf Grund ihrer verhältnismässig grossen absoluten Zahlen brauchbare Vergleichswerte. Tab. 3. Häufigste Objektkombinationen nach Unfallfolgen 1938. Davon mit Verunfallte Davon Objekte Un- verunfallt. Personen gefalle Personen tötete auf auf abs. % abs. 100 abs. 100 Von hundert Unfällen mit einziger Beteiligung eines Personenwagens führen nur 22 zur Verletzung von Personen, und das sind hier ausschliesslich Wageninsassen; bei Stürzen mit dem Fahrrad und änhlichen Unfällen aber wird in 88 Prozent der Fälle eine Person verletzt. Zusammenstösse zwischen Lastwagen und Personenwagen sind verhältnismässig harmlos, da sie nur in rund 12 von hundert Fällen Personen schädigen — wo aber der Fussgänger an einem Kombinationsunfall beteiligt ist, gibt es in 93 bis 97 Prozent der Fälle verletzte Personen, und es ist klar, dass dabei meistens der Fussgänger den Schaden davon tragen wird (womit über seine Schuld oder Unschuld nicht das geringste gesagt sein soll!). Die Zahl der betroffenen Personen ist wieder etwas anderes. Aber auch sie weist nicht minder eindrucksvolle Unterschiede auf. Bei hundert Solo-Unfällen von Lastwagen verunglückten im Mittel 18 Personen, bei ebenso vielen Motorradunfällen «solo» abei- 105, und Zusammenstösse von Motorrad und Fussgänger lassen gar 134 Opfer je hundert Unfälle auf dem Schauplatz I Hinsichtlich der «Tödlichkeit» der Verkehrsunfälle endlich wollen Tab. 4. zusammengestellt angesichts der jeder Autofahrer, jeder Lastwagenführer, Motorfahrer und Radler selber in sich gehen mag. Hier sei bloss darauf hingewiesen, wie auffallend gleichmässig eich die drei, vier oder fünf zuvorderst stehenden Hauptsünden gegen jede Verkehrsordnung bei den vier Gruppen von Strassenbenützern finden. Bei fast allen rührt die gute Hälfte aller Unfälle allein von zu schnellem Fahren, unvorsichtigem Ueberholen und Verstössen gegen die Vortrittsregeln her. (Dabei muss freilich immer wieder darauf hingewiesen werden, das» die Unfall Ursache mit der Schuld am Unfall nicht zwangsläufig identisch ist, da beispielsweise ein Vortrittsfehler auch einem entschuldbaren Irrtum über die Vortrittsverhältnisse an der betreffenden Kreuzung entspringen kann). Eine kleine Tabelle 5 erlaubt uns, Ale Nach- Ein Objekt 4011 1558 38,8 2001 49,9 184 9,2 weise des Jahrbuches über die jahreszeitliche Ver- der Unfälle, die wir in Indexform für die Personenwagen 1878 414 22,1 725 38,6 35 4,8teilung Lastwagen 733 103 14,0 135 18,4 24 17,8 vier wichtigsten Kategorien von Fahrzeugen dar- Dieser Berechnuhgsmodus lässt in einfach- Motorrad 324 271 83,5 340 105,0 26 7,7stellen. Fahrrad 781 690 88,0 696 89,0 70 10,1 ster Weise den mit Unfällen am schwächsten dotierten Monat und die Intensität der Schwankungen Fuhrwerk 160 44 27,5 45 28,1 22 48,9 Andere 135 36 26,7 60 44,5 7 11,6 im Jahreslauf erkennen. Bei allen Vehikeln ist das * 81 1,0 • 134.1,7 wir nur die •wirklich bemerkenswerte Feststellung hervorheben, dass Solo-Unfälle von Fuhrwerken in fast 50 Prozent der Fälle zum Tode eines Menschen führen und sich damit als von meist ausserorde.ntlicher Schwere entpuppen. Aus dem unfangreichen Material über die einzelnen Unfallursachen haben wir in Tabelle 4 eine Zusammenstellung für die wichtigsten Kategorien der Verkehrsteilnehmer und die Tab. 5. der Unfallzahlen beim Motorrad, das ein ausgesprochenes Sportgefährt ist und daher von seinem Besitzer daheimgelassen wird, wenn das Wetter nicht günstig ist. Diese Blutenlese von unfallstatistischen Feststellungen und Erkenntnissen möge bloss ein Fingerzeit dafür sein, wie fruchtbar die Vertiefung in diese Zahlen ist. Kein Zweifel, dass in den Archiven der statistischen Aemter noch reiche ungehobene Schätze an wert^ vollstem Zahlenmaterial ruhen. Vielleicht ist es uns eines Tages vergönnt, einen Teil davon zu heben und das eine oder andere heute noch ungelöste Problem der Verkehrssicherheit auf der Strasse weiter abzuklären, um damit der Allgemeinheit wie den Behörden den Weg zu einer immer wirksameren Bekämpfung der Unfälle der Strasse zu weisen. H. W. Th. Nochmals: Ueberholen an Tramhaltestellen. Die in unserer letzten Nummer veröffentlichten Betrachtungen zu diesem Thema haben uns folgende Zuschrift der Sektion St. Qallen-Appenzell des ÄCS eingetragen : In Nr. 86 der Automobil-Revue vom 12. Dez. ist auf Seite 2 ein Artikel «Ueberholen an Tramhaltestellen» enthalten, der die volle Aufmerksamkeit nicht nur der Verbände, sondern auch der richterlichen Instanzen verdient. Wir unterstützen die Ausführungen des Einsenders in allen Teilen und möchten nur wünschen, dass das Urteil des Basler Polizeigerichts-Präsidenten zu einem Rekurs an das Bundesgericht führt. Das Ueberholen von stillstehenden Tramwagen an Strassenkreuzungen kommt täglich in allen Städten oft vor, so dass es sieh lohnt, einmal Klarheit darüber zu schaffen, wie die Vorschrift gehandhabt werden soll und ob Vorfahrende gebüsst werden können oder nicht. In der Stadt St. Gallen haben wir verschiedene solche Stellen, und es werden auch immer wieder Bussen wegen Ueberholen von stillstehenden Tramwagen vor Strassenkreuzungen ausgesprochen. Unsere Sektion des Automobil-Clubs hat sieb in einer Eingabe vom 15. Juli 1938 an das städtische Polizei-Inspektorat gewendet und gegen diese Büssungen Stellung genommen. In unserer Eingabe wurde ausgeführt: «Wir sind der Auffassung, dass die haltende Trambahn auch bei Kreuzungen überholt werden sann, sofern dies im Schrittenrpo geschieht und der kreuzende Verkehr überblickt werden kann. Art. 26 des MFG schreibt Tor: 'Der Fahrer hat links zu überholen. In Strassenkreuzungen darf nicht überholt werden'. Im Kommentar von Bundesrichter Dr. Strebel zu Art. 26 wird ausgeführt: 'Die Vorschriften des Art. 26 richten sich nach ihrem Wortlaut nur an die Führer der (Motorfahrzeuge, also nicht auch an die Führer anderer Fahrzeuge und andere Strassenbenützer, selbst dann nicht, wenn solche von Motorfahrzeugen gekreuzt oder überholt werden'. Im zweiten Abschnitt «Verkehrsregeln» steht die Ueberschrift «Motorfahrzeuge». Zu Art. 28 sagt der Kommentar Strebel auf Seite 293: 'Ein Fahrzeug überholt, wenn es einem andern vor ihm in gleicher Richtung aber langsamer sich bewegenden Fahrzeug vorfährt. Das Vorfahren an einem stillstehenden Fahrzeug ist nicht Ueberholen (sofern es nicht gerade zum Zwecke anhält, sich überholen zu lassen)'. Auch in der Vollzugsverordnung zum MFG Art. 61 über das «Verhaltea gegenüber Strassenbahnen» ist nichts darüber enthalten, was zu einer Bestrafung berechtigen würde.» Unsere Eingabe hat an der Praxis der städtischen Polizei nichts geändert und es werden nach wie vor Bussen ausgesprochen. Zu bemerken wäre, dass das Untersuchungsrichteramt St. Gallen den Standpunkt der städtischen Polizei teilt, jedoch in letzter Zeit die geringfügigen Fälle nachsichtig behandelt und sogar das Vorfahren in Strassenkreuzungen an fahrenden Fahrzeugen toleriert, weil die Auffassung besteht, dass hier das Gefahrenmoment geringer sei als beim Ueberholen stillstehender Fahrzeuge.» Die Unfallchancen bei Betrunkenheit am Lenkrad. wie der New Yorker Verkehrskomtnissar, Carrol E. Mealey, soeben in einer Broschüre festgestellt hat, verursacht ein betrunkener Automobilist, wenn er in einen Unfall verwickelt wird, mit dreimal so grofeer Wahrscheinlichkeit den Tod eine« Menschen als ein nüchterner Fahrer. Bekanntlich sind in den USA im 1. Quartal 1939 die tödlichen Autounfälle um rund 16% zurückgegangen, während die Gesamtzahl der Autounfälle nur um 7% abgenommen, hat; dies: wird darauf zurückgeführt, dass dank der umfassenden Antitrunkenheits- Propaganda viel weniger betrunkene Fahrer am Steuer zu finden sind ala im Vorjahre. Rechts tiberholen — nicht Immer strafbar. Eine Entscheidung, die zweifellos auch in andern Ländern Interesse erwecken wird, hat vor kurzein das deutsche Reichsgericht gefallt. Ein Automobilist wurde von der Anklage der fahrläs- Gesetzlich zulässiges Höchstgewicht pro Arihängerzug = 100) sigen Tötung freigesprochen, obgleich., er einen Leergewicht des Ausländercamions ca. Monat Personen- Last- Motor- Fahrwagen wagen rad rad ihn rechts, also auf der falschen Seite," überholte. Radfahrer überfahren und getötet hatte, indem er 4900 kg Motorrad: Januar 116 113 106 100 In der Urteilsbegründung heisst es. « däss trotz des +Motorrad 79 60 76,0 103 130,0 1 1,0Februar 104 106 100 106Gebots des Linksüberholens das Rechtsüberholen Fahrrad 489 358 73,2 521 106,9 7 1,3März 100 100 245 190dann nicht verboten ist, 4 wenn ; de* Ueberholende Gesetzlich zulässige Nutelast Fussgänger 289 280 97,0 386 133,6 26 6,7April 130 122 511 240annehmen darf,: dass 4er andere, vorschriftswidrig Fahrrad: Mai . 141 125 700 277vor ihm links fahrende Verkehrsteilnehmer seine +Fahrrad 1340 771 57,7 927 69,0 4 0,4 Juni 159 140 1000 347 Fahrtrichtung beibehalten wird. Mit dessen ganz Fussgänger 1362 1272 93,5 1532 112,5 28 1,8 Juli 177 152 1108 340 unvorhersehbarem .. Rechtssohwenken braucht der August 195 138 1112 322 Kraftwagenführer nicht zu rechnen». In dem gegebenen Falle war der Velofahrer, wie dies ja be- Man verfolge einmal die dritte Zahlenspatte dieser Tabelle ! Welche gewaltigen Unterschiede schon September . . . . 174 154 1061 302 Oktober 173 141 970 264kanntlich nur allzu häufig vorkommt, hartnäckig bei den Solo-Unfällen allein zwischen den verschiedenen Strassenbenützern ! durch die Hupenzeichen anscheinend nipht beirren November 146 128 499 209auf der linken Strassenseite gefahren, hatte sich T)p,7.p.mhp.T . . . . 174 IRfi 310 111 Spannung: 1 : 2 1,5 11,13,5 lassen und erst im fetzten ^Moment entschlossen, unmittelbar vor dem Auto nach rechts hinüberzukreuzen. » r ". • cpr. Unfallursachen beim Fahrer 1938. Personen- Last- Motor- Fahr- Unfall- wagen wagen rad rad Ursache 1 ) abs. % abs. % abs. % abs. % Zu schnelles Fahren 2493 22,5 459 14,9 542 27,01357 16.8 Unvorsichtiges Ueberholen 1899 17,2 511 16,6 348 17,3 1115 W.8 Vortrittsverstösse 1954 17,6 552 18,0 297 14,8 1128 i*.° Fahren auf falscher Strassenseite 1093 9,9 296 9,6 218 10,8 1026 12.8 Unvorsichtiges Einbiegen 795 7,2 211 6,9 75 3,7 1199 13,9 Unvorsichtiges Kreuzen 375 3,4 89 2,9 70 3,5 298 3,7 Zu nahes Aufschliessen 491 4,4 197 6,4 63 3,1 292 3,6 Ungenügende Signale Unvorsichtiges Rückwärtsfahren Angetrunkenheit Nichtbeachten von Zeichen Fehlerhafte Bremsen Nichtbeleuchten d. Fahrzeuges Vorschriftswidrige .Ladung Fahrrad in Tramrille 273 2,5 76 2,5 46 2,3 425 5,3 341 3,1 217 7,1 _ 251 2,3 48 1,6 60 3,0 221 2,7 168 1,5 37 1,2 40 2,0 112 1,4 153 1,4 78 2,5 14 * 82 1,0 27 * 12 • 18 * 185 2,3 86 2,8 3 (Schluss aus Nr. 87) Un- verfalle nnf. Pers. Zwei Objekte 17013 8779 51,5 10188 59,7 425 4,2 Personenwagen: +Pers.wagen 2791 348 12,5 554 19,8 3 0,5 Lastwagen 1541 181 11,7 263 17,0 2 0,8 Motorrad 819 537 65,5 657 80,1 24 3,7 Fahrrad 3395 2178 64,5 2235 65,9 92 4,1 Fussgänger 1040 1008 97,0 1018 97,8 103 10,2 Lastwagen: +Fahrrad 771 522 67,6 528 68,3 27 5,1 Fussgänger 257 250 97,2 252 98,0 30 11,9 Total 1 ) 11077 3069 2016 8040 ') Nur die wichtigsten Ursachen sind aufgeführt. Das Total am Fuss der Tabelle ist daher nicht gleich der Summe der Einzelposten, sondern gleich der wirklichen Gesamtzahl der Unfälle überhaupt. namhaftesten Ursachen Unfälle nach Monaten. .. Index der monatlichen Unfallzahl (Zahl des schwächsten Monats erste Quartal hinsichtlich der Unfälle die stille Saison. Personenwagen und Lastauto weisen zwischen dem unfallbesetztesten und dem stillsten Monat nur eine Spannung von eins zu zwei bezw, anderthalb auf, weil sie immerhin das ganze Jahr ihren Dienst versehen können und durch die Witterungsverhältnisse in ihrer Sicherheit bei weitem nicht so beeinträchtigt werden wie die Einspurvehikel der beiden letzten Kolonnen. Am auffälligsten Ist die prosse Spannung 55#«ua*««3»»'V4e»»l«^t»» Das ideale Sicherheitsglas DieForschuhgsIaböratorieri von fünf der bedeutendsten amerikanischen Autofabriken haben zusammengearbeitet, um ein neues ; Sicherheitsglas herauszubringen, das den höchsten Anforderungen an Splitterfreiheit bei vollkommener Durchsichtig-: keit und unbeschränkter Haltbarkeit entspricht. Das neue Material ist so elastisch, dass es ohne nennenswerten Kraftaufwand auf das Doppelte seiner normalen Dimensionen gestreckt werden kann. Wird es zerbrochen, so haften sämtliche Splitter ausnahmslos an der plastischen Mittelschicht, so dass die zerbrochene Glasplatte wie ein Teppich zusammengerollt werden kann. Bei kaltem Wetter vermindern sich nicht; etwa die guten Eigenschaften des neuen Materials, sondern sie treten vielmehr noch stärker hervor. Wenn ein Autodieb Pech hat. In Seattle bestieg ein junger Mann eine unbewacht dastehende, wunderschöne Limousine, die zufällig nicht sein Eigentum war. und fuhr damit auf und davon. Bei der nächsten Strassenkreuzung drückte er auf den Knopf des Klaxons, worauf zu seinem eigenen Schrecken und zur Verblüffung des Verkehrsschutzmanns laut und vernehmlich das — Pol:zeisignal ertönte ... Der bedauernswerte junge Mann brauchte das Fahrzeug gar nicht mehr zu wechseln. Er wurde gleich in dem Polizeiwagen, den er gestohlen hatte, ins Gefängnis transportiert. Der Richtungsanzeiger. « Er kennt die Verkeh-rsT regeln, er zeigt immer an, wenn er-um die Ecke geht!» «Motor und Sport».) Wie lange noch dieser Bussenunfug? Seit der Generalmobilmaohung steht der Lastwagenbesitzer mit in vorderster Linie derjenigen, die dem Lande Opfer darbringen. Weder bei gewissen Polizeirichtern noch in Bern selbst scheint man jedoch darum zu wissen, dass der Camionneur vielfach mit seinem Fahrzeug sein ganzes Vermögen und sein Einkommen in den Dienst unserer Landesverteidigung gestellt hat. Kaum ist nach tnonatelanger Requirierung der Saurer, F.B.W, oder Berna für unbestimmte Zeit wieder im zivilen Gebrauch, eo fährt die Hermandad hinter dem Halter her oder lauert ihm auf, dem Manne, um den die Schweiz im Militärdienst so gottenfroh sein muss. Und was will die Polizei? Auf Grund einer Schikane im MFG. Geldbussen für angebliches Ueberlasten und zu schnelles Fahren verhängen. Zwei Gesetzesbestimmungen über den Motorfahrzeugverkehr, die dem Fiskus jährlich Hunderttausende von Franken einbringen, sind vielleicht nicht jedem Leser bekannt: Art. 44 VO, wonach die Höchstgeschwindigkeit für Anhänigerzüge ausserorte auf maximal 35 km begrenzt iat — Diese Vorschrift gilt für breite Ueberlandstrassen, wie auch für Camions mit modernsten Oeldruckbremsen an jedem Rad von Motorwagen und Anhänger. Art 65, der die Höchstgewichte regelt Das zulässige Höchstgewicht von Camions + Frachtgut beträgt 11 000 kr Dasjenige von Anhänger + Frachtgut 5000 kr Zulässiges, Höchstgewicht pro Anhängerzug Schweizer Camions bis Modell 1935 haben ein Durchschnittsleergewicht von zirka Dazu Einacbs-Anhänger 16000 kr 6500 kg 1 000 kg Leergewicht des Anhängerzuges somit 7 500 kg Zulässiges Höchstgewicht pro Anhängerzug 16 000 kg Nutzlast pro Anhängerzue Hätten wir, statt dem einheimischen Produkt, irgendeiner Ausländermarke den Vorzug gewährt, so ergäbe sich folgendes Bild: 16 000 kg Leergewicht des Einachs- Anhängers 1000 kg 5 900 kg 10 100 kg Es ist für den normal denkenden Bürger absolut unverständlich, wieso der Halter von Fahrzeugen schweizerischen Ursprungs geeenüber seinem Konkurrenten mit Fahrzeugen ausländischer Provenienz derart handicapiert sein soll. Tatsächlich herrscht denn auch unter den Laetwagenbesitzern ob dieses Bussen-Unfugs eine Verstimmung die grösser, ist denn je. Höchi?te Zeit deshalb, dass die verantwortlichen Behörden solche nicht mehr länger zu ertragenden Zustände ondlich beseitigen. Bei gutem Willen und Verständnis auch für einpn «Straseentransporteur» sollte ihnen das mit Leichtigkeit möglich sein. *. C. SEKTION BERN. Neujahrs-Skitage In Zweisimmen. Für die Teilnehmer des Trockenskikurses winkt an den Neujahrstagen ein dreitägiges Wochenende im Schnee mit Standquartier im bequem erreichbaren Zweisimmen. Für diese Wintersporttage, deren technische Aufsicht dem bewährten Clubinstruktoren, Herrn J. Rindiisbacher, anvertraut ist, können sich noch weitere Sektionsmitglieder oder Angehörige anschliessen. Mit dem Hotel in Zweisimmen ist ein vorteilhaftes, der Zeit angepasstes Arrangement erzielt worden, das den Teilnehmern bei allem Komfort und für wenig Geld beste Unterkunft in froher Gesellschaft bietet. Vom Standquartier aus stehen überdiese preislich vorteilhafte Transportmöglichkeiten in die nahegelegenen Skigebiete zur Verfügung. Interessenten wollen eich mit dem Sektionssekretariat ins Einvernehmen setzen, das ihnen für nähere Einzelheiten, wie Preis und Programm gerne zur Verfügung steht. ^us «den Vevbänden CHAUFFEUR-VEREIN ZÜRICH Vor dem Abschluss eines inhaltsreichen Jahres gedenken wir in Dankbarkeit der treuen und kollegialen Zusammenarbeit unserer Mitglieder. In diesem Geiste wollen wir ins neue Jahr eintreten und uns bemühen, trotz allen • Schwierigkeiten, unsere idealen Bestrebungen aufrech't zu erhalten. Wir entbieten allen Kollegen, zu Hause und im Felde, sowie ihren Angehörigen, zum Jahreswechsel unsere besten Glückwünsche. Am Mittwoch, den 3. Januar 1940, abends 8.30 Uhr, findet im «Du Pont» die ordentliche Monatsversammlung statt. Wir laden dazu freundlich ein und bitten recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. BudieHiMh 8 500 kz DER KAMPF MIT DEM WAL, von Cesco To- .maselli. Orell Füssll Verlag, Zürich und Leipzig. Monate hat der Verfasser dieses fesselnden Buches an Bord von Transport- und Kochereischiffen verbracht Und auch Fahrten im Fangboot mitgemacht. Tomaselli begnügt sich aber nicht mit der Schilderung seiner Reise, die über die Tropen bis in die Antarktis, an die Eisbarre führt, und mit der Beschreibung des Lebens und der Arbeit an Bord. Er macht uns in überaus sympathischer Weise mit den Menschen bekannt, die dieses uns tso. fremde Xeben führen. Und vor allem gibt er Einblick in die Kulissen dieser modernen Grossindus.trie, dieser mechanisierten Fettgewinnung. Dazu hat er eine reiche Ausbeute an Photograiphien mitgebracht, die seine dramatischen Schilderungen noch eindringlicher gestalten.

BERN, Mittwoch, 27. Dezember 1939 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr, II II III " es ^rs S n„ chett '" Orakel in der Silvesternacht. Im Volksglauben ist die Uebergangszeit, die das Ende einer Jahreszeit oder den Anfang einer neuen Epoche bezeichnet, als besonders wichtiges Moment von grosser Bedeutung. Es ist der Zeitpunkt, wo die Zukunft bestimmt wird oder sich wenigstens enthüllen lässt. Diese Bedeutung wird besonders der Silvesternacht, dem letzten Tage des sterbenden Jahres, zugeschrieben. Daher gibt es noch sehr viele Gegenden, wo man in dieser allerletzten Nacht sein Schicksal zu erspähen versucht. Gegossenes Blei •— das je nach der Gestaltung der Bleitropfen im Wasser auf alle Fragen des Lebens, die die menschliche, allzu menschliche Neugierde stellt, Antwort geben soll — ist das, noch bis in unser modernes Zeitalter, die allermeiste Gunst geniessende Orakel. Aber es gibt noch eine Menge anderer Schicksalsbefragungen, wie zum Beispiel: die über die Schulter geworfene ganze Apfelschale, um daraufhin den Buchstaben zu entziffern, der unserem geheimen Wunsche gemäss, derjenige des «Zukünftigen» sein wird. Oder auch das Hinschleudern eines Schuhes, dessen Lage einem verkünden soll, aus welcher Himmelsgegend im Laufe des kommenden Jahres der so lang erwartete Ehemann kommen wird. Man kann auch die Zukunft erfahren, der man mit gewisser Besorgnis entgegengeht, indem man einen Kreis um sich zieht, aber nur zwischen elf Uhr abends und der Mitternachtsstunde. Man muss sich in dieser Schicksalsstunde auf einen Kreuzweg stellen und dem Bellen der Hunde eifrig zuhören, die die nächstliegenden Bauernhöfe bewachen. Oder' man forscht auch im Psalmenbuch nach, oder man deutet die Traumgeschichte. Die Fragen, die diese Orakel beantworten sollen, sind immer dieselben; es sind die Rätsel des Lebens, die seit ewigen Zeiten unsere Menschheit beschäftigen: Liebe, Heirat, Tod, Wetter und Ernte (heute sagen wir besser Geschäft)... mit einem Worte — unser Glück und Reichtum. Einige Beispiele gefällig? ... Denjenigen ereilt der Tod, der im Laufe des Jahres die Gebete verwechselt; der gewisse Geräusche hört; der eine Sternschnuppe gesehen hat... Mit verbundenen Augen sucht man in der Biskuitbüchse dasjenige Gebäck zu erhaschen, das eine spezielle Form hat: Thom/vtfif'h. .Trt.Jiw f Aufnahme Schmidely; aus dem Schweizerfilm: «Elly Scheuermann» der Produktion PRO FILM trinken alle Tischgenossen aus demselben Glase, das man daraufhin aus dem Fenster hinauswirft, um das Unglück zu verscheuchen. Was man in diesem Augenblick ist oder was man gerade tut, wird man tun und bleiben das ganze kommende Jahr hindurch. Derjenige Glückspilz, der am Silvester Geld besitzt, wird auch alle 365 Tage des Jahres welches besitzen. Man muss gut aufpassen, n^cht das zu tun, was Unglück bringen könnte: nicht seine Hosen verkehrt anziehen, wie es der gute König Dagobert einstmals getan hatte, nichts verleihen, nichts verkaufen und ja nichts flicken. Jedoch ist es sehr zu empfehlen, eine Sache zu empfangen, eine Arbeit zu vollenden, früh aufzustehen, lustig und zufrieden zu sein. Das ist nur eine ganz kleine Anzahl von Beispielen, die ins Unendliche vervielfacht werden könnten. Nun kam in der Silvesternacht des alten Jahres Sterbestunde: Hoch an der Turmuhr schreitet sacht der Zeiger ab die zwölfte Runde; und wie er stetig vorwärtsrückt dem letzten Viertel schon entgegen, beginnt es sich im Glockenstuhl geheimnisvoll zu regen. Zuerst nur leis' ein Her und Hin, doch bald darauf ein mächt'ges Klingen, Dem Altjahr, das da stirbt dahin, gilt es, das Abschiedslied zu singen; Es. tönt: «Vergänglich ist die Zeit, doch unvergänglich sind die Zeiten! Leb 1 wohl, Altjahr, du mündest nun ins Meer der Ewigkeiten!! Der ernste Abschiedsgruss verklang ... Da schlägt vom Turm die zwölfte Stunde, und wieder hört man nun Gesang aus aller Glocken eh'rnem Munde: «Willkommen denn, du jung Neujahr! Streu' auf die Welt des Guten Samen, dann gilt dir unser Jubelgruss auch in des Höchsten Namen!» Emil HOgli. Am 8. Februar 1587 haucht Maria Stuart ihr Leben auf dem Schaffot aus. Sie fällt als ein Opfer des grossen Kampfes zwischen Katholizismus und III III \ Der Untergang der Armada Spaniens und Englands Kampf um die Herrschaft zur See. Protestantismus, der zugleich ein persönlicher zwischen den beiden Königinnen Maria und Elisabeth ist. Nach diesem Schlag entschliesst sich Philipp II.. der sich als den berufenen Vertreter des Kampfes der Kirche gegen die «Ketzerei» betrachtet, mit England endgültig Schluss zu machen. Hoffnungen, die er früher gehegt, sind in nichts zerronnen. Nicht ohne politische Absichten hatte er im Jahre 1554 die hässliche Maria von England geheiratet, der die Geschichte den Namen der «Blutigen» gegeben hat. Der Gedanke lag nahe, dass ihm einst die englische Königskrone zufallen und England wieder katholisch werden würde. Maria starb jedoch 1558, ohne einen Thronerben hinterlassen zu haben, und damit erledigten sich Philipps Hoffnungen von selbst. Elisabeth besteigt den englischen Thron. Sie weist Philipps Werbungen ab, und dieser geht eine neue Ehe mit einer französischen Prinzessin aus dem Hause Valois ein. Aber er hat England nicht vergessen. In einem Kreuzzug hofft er das Land der Kirche zurückzugewinnen. Dabei findet er die Unterstützung des energischen Sixtus V., jenes «Eisernen Papstes», der mit grösstem Erfolg den Protestantismus niederkämpft. Mit aller Energie betreibt Philipp die Rüstungen gegen England. Er sieht ein, dass man dem Inselreich nur durch eine riesige Ueberlegenheit zur See beikommen kann. So entsteht die gewaltigste Flotte der damaligen Zeit, die «Armada», die man bereits jetzt im Vertrauen auf ihre Grosse und auf die Unterstützung des Himmels die «Unüberwindliche» nennt, bevor sie überhaupt Proben ihres Könnens abgegeben hat. Es versteht sich von selbst, dass man mit der Vernichtung der englischen Flotte gleichzeitig dem eigenen Kolonialreich die nötige Ruhe verschafft, die ihm jetzt durch kühne Vorstösse englischer Seefahrer geraubt ist. Die Armada zählt 130, die Proviantschiffe eingerechnet, 160 Schiffe, eine Besatzung von 30 000 Mann und 2400 Geschütze, auch nach heutigen Begriffen eine gewaltige Seemacht. Wenn uns heute auch der Tonnengehalt der Kriegsschiffe klein erscheint, so muss man dies eben relativ auffassen. Damals besass die Armada die grössten Schiffe der Welt. Sie verfügte über eine artilleristische Ueberlegenheit, die sie unüberwindlich machen musste und sie war durchwegs mit Segeln ausgerüstet, während man in den letzten Schlachten noch mit Ruderschiffen gekämpft hatte. Wie lächerlich klein erscheint hiergegen die Flotte Elisabeths. England verfügt nur über 34 Kriegsschiffe mit einem Gesamtgehalt von 12 000 Tonnen und 6000 Mann Besatzung. Unter der Bedrohung mobilisiert Elisabeth alle verfügbaren Kräfte ihres Landes. Sie stellt ein Heer von 50—60 000 Mann auf, das aus Volksmilizen gebildet wird und die Aufgabe hat, den gelandeten Feind ins Meer zu treiben. Sie schafft eine neue Flotte, um jede Landungsmöglichkeit zu unterbinden, denn man ist sich klar darüber, dass das englische Heer den spanischen Veteranen nicht wird widerstehen können. Gilt doch die spanische Infanterie als die beste der Welt, als unüberwindlich wie später Napoleons Alte Garde. Eigentümlich, dass England mit sträflichem Leichtsinn die Rüstungen zur Landesverteidigung vernachlässigt, um dann im Augenblick der Gefahr alle Mittel anzuspannen. In wenigen Monaten erstehen auf den englischen Werften 163 neue Kriegsfahrzeuge, so dass die Gesamtstärke der bewaffneten Schiffe sich nunmehr auf 197 beläuft. Die meisten dieser neuen Schiffe sind klein und haben nur geringe Aussicht, sich mit den Riesenschiffen der Armada messen zu können. Aber sie sind mit erfahrenen und tollkühnen Seeleuten bemannt, die eine harte Lehrzeit auf den Kaperschiffen Drakes und anderer Seehelden hinter sich haben. Philipp II. plant, England noch im selben Jahre (1587) anzugreifen. Seine erprobten Flottenführer raten ihm davon ab und erklären es für notwendig, zunächst in holländischen Häfen Stützpunkte zur See zu gewinnen. Der spanische König lehnt dies im Gefühl seiner masslosen Ueberlegenheit ab. Das einzige, was er zugesteht, ist die Verschiebung der Expedition auf den Sommer des nächsten Jahres. Die unbequemen Ratgeber fallen in Ungnade, und ein Laie, der Herzog von Medina-Sidonia, ein fügsames Objekt in der Hand des Königs, wird zum Oberbefehlshaber ernannt. Er führt die Flotte in den Untergang. Die englische Flotte aber, zwar so viel schwächer, wird von den erfahrensten Seehelden der Zeit geführt. Kommandant ist Grossadmiral Lord Howard, unter ihm Drake, Hawkins, Forbisher. Am 8. Juni 1588 sticht die Armada in See und verlässt den Hafen Lissabon. Gleich zu Anfang leidet sie unter Stürmen und ist gezwungen, in portugiesischen Häfen Schutz zu suchen. Erst am 22. Juli verlässt sie endgültig die Küste des Festlandes und taucht, von günstigen Winden getrieben, am 30. Juli im Kanal auf. Sorgfältig vermeiden es die Engländer, sich zur Entscheidungs-