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E_1940_Zeitung_Nr.007

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BERN, Dienstag, 13. Februar 1940 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erseheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, B«rn Geschäftsstelle, Zürich) Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di« achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarlf Inscratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Achtzig Jahre Erdölgewinnung Die Geschichte der Erdölgewinnung zeigt drei grosse Abschnitte: In einer ältesten Zeit bis zum Jahre 1859 wurde das Rohöl an natürlichen Austrittsstellen in kleinen Mengen gesammelt, um als Medikament, als Räuchermittel, zum Verpichen von Booten oder zur Herstellung von Fackeln verwendet zu werden. Am 27. August 1859 wurde bei Titusville (Pentisylvanien) in den Vereinigten Staaten von Nordamerika eine erste Bohrung niedergebracht und damit die eigentliche Erdölindustrie begründet. In einer Tiefe von nur 21 Metern flössen zunächst täglich 25, später 15 Fass dunkles Erdöl frei heraus. Der Preis des Rohöls sank, aber nun zeigte sich bald eine neue Verwendungsmöglichkeit, indem die Destillate als Leuchtpetroleum und Schmieröle, die Rückstände als Heizöle einen grossen Absatz fanden. Ein wahres Oelfieber verbreitete sich. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Kanada, einige Jahre später in. Südrussland und in Rumänien wurde lebhaft nach Erdöl gebohrt. In diese Periode-fäilt die Gründung der ersten grossen Petroleumgesellschaften, deren drei später zu den den Weltmarkt beherrschenden Erdöltrusts heranwuchsen. In jener ersten Zeit der Erdölindustrie wurde das Benzin als gefährlicher und leicht entzündbarer Brennstoff von den Bohrfeldern möglichst rasch entfernt und vernichtet. Es fehlte noch jede Verwendungsmöglichkeit im grossen. Mit der Erfindung des durch Benzin gespiesenen Explosionsmotors und mit der Verwendung von Dieselöl im Dieselmotor begann für die Erdölindustrie eine dritte Epoche. Wohl fallen diese Erfindungen noch in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, aber das Automobil steckte damals noch in seinen Kinderschuhen. 1908 wurden die ersten Explosionsmotoren in Gleitflugzeuge eingebaut. Das Benzin fand eine früher nicht geahnte Anwendungsmöglichkeit und der Kraftwagen wurde zum wichtigen Verkehrsmittel. Der Weltkrieg zeigte, dass Benzin wie eine Art Munition behandelt werden muss. « Petroleum war der Schrittmacher auf dem Vormarsch des amerikanischen Aussenhandels» sagte der Präsident der amerikanischen Standard OH, W. C. Teagle, und Woodrow Wilson prägte das Wort «die Weltgeltung einer Nation hängt von ihren Oelschätzen ab». Jede§ mit Oel oder seinen Derivaten geheizte Kriegsschiff ist auch heute einem mit Kohle geheizten Schiff überlegen. Wohl bewahrt Von P.-D. Dr. W. Staub (Bern). die Eisenbahn ihre erste Stelle als Verkehrsmittel, der Last- wie die Personenwagen aber bemächtigten sich der Strasse und halfen mit, weit entlegene Gebiete aufzuschliessen. Welch hohe Bedeutung heute einer motorisierten Landarmee zukommt, hat der polnische Feldzug wieder schlagend bewiesen. Das Flugzeug wurde zur unentbehrlichen Flugwaffe, ohne deren Besitz ein kriegfüh- Ein Teil der Tagesipresse hat kürzlich die Meldung gebracht, dass auf den 14. Februar eine Konferenz der Kantonsvertreter nach Bern einberufen werde, um die Frage der Einführung einer Benzinsteuer abzuklären, Wenn dabei behauptet wird, die Abschaffung der Hubraumtaxen und deren Ersetzung durch eine eidgenössische Benzinsteuer entspreche einem immer dringender erhobenen Ruf aus ..autornpbilistischen Krejsen. so trifft das insofern zu, als" Nationalrat VallottansiJei seiner Aktion eine Lanze für die Erhebung eines Zuschlags auf dem Benzin brach, wo? mit er freilich zugleich eine namhafte Reduktion der kantonalen Steuern forderte. Daneben erhoben sich, namentlich seitdem der Kanton Tessin zur Ablösung des Systems der PS-Steuer durch die Benzinsteuer geschritten ist, vermehrte Stimmen zugunsten der letzteren Besteuerungsmethode, mit der Begründung, sie entspreche gerade heute, im Zeichen der Treibstoffrationierung, mehr denn je einem Gebot steuerlicher Gerechtigkeit. Die grossen Automobilverbände dagegen nehmen ihr gegenüber eine ablehnende Haltung ein, weniger weil sie dem Prinzip der Benzinsteuer als solcher abgeneigt sind, sondern weil sie angesichts der Erfahrungen mit Bundessteuern und bei dem zu erwartenden gewaltigen Finanzbedarf des eidgenössischen Fiskus befürchten, die Benzinsteuer könnte, wenn die Grundlagen dazu einmal geschaffen sind, nach bekannten Beispielen < appetitanregend » wirken und zu unaufhörlich steigender Belastung des Motorfahrzeugs führen, selbst dann, wenn sie nur für die Dauer der Treibstoffrationierung ins Auge gefasst wird. Man hat zuständigenorts noch immer genügend Erfindergeist aufgebracht und den Rank zu entdecken gewusst, wenn es darum ging, das Automobil als FinanzqueMe heranzuziehen. Daran mag sich die Via Vita, die Spitzenorganisation der Automobilinteressenten, erinnert haben und von solchen Erwägungen mag sie ausgegangen sein, als sie sich in rendes Land von vornherein verloren ist In den meisten europäischen Ländern ist die Flugwaffe neben der Landarmee und der Marine zur dritten selbsttätig organisierten Waffe geworden. Zunächst war der Handel mit Benzin frei. Aber der Weltkrieg von 1914/18 verlangte eine staatliche Kontrolle und schliesslich übernahm in den meisten europäischen Ländern der Staat mit Hilfe von bestimmten Verbänden die Einfuhr. Nach dem Weltkrieg setzte wohl wieder eine Lockerung der Einschränkungen ein, die Wirtschaft nahm auch in unserem Lande bis .1929 einen mächtigen Aufschwung, aber das Benzinsteuer oder nicht ? ihrer vom 25. November 1939 datierten Eingabe an den Bundesrat darauf beschränkte, Steuererleichterungen im Sinne einer allgemeinen Herabsetzung der kantonalen Automobiltaxen um einen gleichmässigen Prozentsatz sowie besondere Reduktionen für Fahrzeuge vorzuschlagen, welche nur die HäMte oder gar nur ein Viertel ihrer normalerweise benötigten Brennstoffmenge erhalten. Nach einer ^Befürwortung der eidgenössischen Benzinsteuer dagegen wird man in der Eingabe umsonst suchen. Tätsache ist nun allerdings, dass das Eidg. Amt für Verkehr einen Entwurf für eine Neuregelung- des Motorfahrzeiigsteuenproblems ausgearbeitet hat, der auf dem Grundgedanken einer Benzinsteuer, kombiniert mit einer festen Taxe für jedes Vehikel beruht, ein System, desrsen Geltungsbereich auf die Dauer der Mobilisation beschränkt bliebe. Die Verteilung der Gesamteinnahmen soll dabei nach einem Schlüssel erfolgen, der auf die kantonalen Steuererträgnisse des Jahres 1938 abstellt. Und dieses Projekt wird, wie man annehmen darf, den Gegenstand der Beratungen der eingangs erwähnten Konferenz der Kantonsvertreter bilden. Tatsache ist aber auch, dass die Vertreter der Via Vita an der Aussprache, welche sie und der Schweizerische Autogewerbeverband am vergangenen Donnerstag mit den leitenden Persönlichkeiten des Eidg. Amtes für Verkehr pflogen, diesem Entwurf ihre Zustimmung verweigerten und verweigern mussten, zumal sie ja die Benzinsteuer gar nicht verlangt hatten. Im Gegenteil : sie bekämpfen eine solche, weil heute nach ihrer Auffassung nicht der Moment für eine grundsätzliche Aenderung des Steuersystems ist. Ob das Projekt bei den Kantonen auf Gegenliebe stossen wird, bleibt abzuwarten; wir unserseits vermögen gewisse Zweifel nach dieser Richtung hin nicht zu unterdrücken. Benzin wurde nun hoch besteuert. Diese Steuererträge flössen in zahlreichen Staaten, so auch bei uns, teilweise wieder auf die Strasse zurück. In den USA, die heute die Hälfte aller Autostrassen der Erde besitzen, stiegen die Einnahmen aus der Oelsteuer von 130,3 Millionen Dollar im Jahre 1922 auf 1277,7 Millionen Dollar im Jahre 1938. Mit dem drohenden Zusammenbruch der Wirtschaft griff auch in der Schweiz 1932 der Staat weiter in die Wirtschaft ein. Das Erdöl und seine Derivate wurden dem Kompensationsverkehr unterstellt. Auch in erdölführenden Ländern musste der Staat oft in rigorosester Weise auf die Erdölwirtschaft einwirken. So wurden 1932 in einigen der wichtigsten erdölführenden Gebieten der USA die Erdölfelder kurzerhand militärisch besetzt und die Brunnen blieben geschlossen, bis das Faes Erdöl wieder den minimalen Gestehungspreis von 80 Cts USA erreichte. In Ländern, in denen die Erdölindustrie durch revolutionäre Vorgänge verstaatlicht worden war, wie dies 1918 in Russland geschah, ging die Entwicklung dieser Industrie in der Richtung, dass nach der Verstaatlichung des Bodenuntergrundes für Baku, Grozny, Emba je eine trustähnliche Gesellschaft gegründet wurde, deren Erträge der Staatskasse zuflössen. Auch Argentinien weist Staatsbetrieb in der Erdölindustrie auf. Rohstoff zu versorgen. Nur die USA und Russland sind von den Großstaaten der Erde imstande, sich selbst im Kriegsfalle mit dem nötigen (Schluss Seite 3.) WEITERE BENZINVERTEUERUNG um 5 Rappen pro Liter. Buchstäblich über Nacht ist ein weiterer 'Aufschlag auf dem Benzinpreis eingetreten: gestützt auf eine Verfügung des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements hat die Preiskontrollstelle dem Benzinhandel die Ermächtigung erteilt, mit Wirkung ab 12. Februar 0 Uhr den Tankstellen-Literpreis um 5 Rappen auf 55 Rappen heraufzusetzen. Im September 1939 sahen sich die Behörden mit Rücksicht auf die gewaltig ansteigenden Fracht- und Versicherungsspesen gezwungen, zu einer Erhöhung des Benzinpreises von 42 auf 50 Rappen pro Liter zu schreiten. Das halbe Jahr, das inzwischen vergangen ist, hat aber diese Hausse-Tendenz der Transportkosten noch bedeutend verschärft. Hinzu kam eine Steigerung des Warenwertes auf beiden Weltmärkten, vor allem in Rumänien, dessen Benzinpreise heute um mehr als 100°/« höher liegen als vor Jahresfrist. Auch bei der neuerlichen Verteuerung des Benzins um 5 Rappen pro Liter handelt es sich um nichts anderes als um eine Anpassung an die erhöhten Gestehungskosten, bedingt durch das Anziehen der Weltmarktnotierungen einerseits und der See- und Landtransporte anderseits. Im Gegensatz zur Vorkriegszeit, da für die Deckung unseres Treibstoffbedarfs der billige Wasserweg bis Basel benützt werden konnte, erfolgt jetzt die Zufuhr zur Hauptsache per Schiene von Süden her, ein Umstand, der sich natürlich verteuernd auswirkt. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 8. Fortsetzung Auch die kaufmännischen Angestellten verteilen sich auf ihre Arbeitsplätze. Fehling schleppt sich erschöpft in sein Büro zurück, kommt an der Telephonzentrale vorbei. Die Kleine da, die wieder vor ihrem Schrank sitzt, hat vorhin auch den Kopf verloren — war trotz des Verbots davongelaufen, um den Chef in seiner Privatwohnung aufzusuchen und vermutlich Phantasiegeschichten aufzutischen, wie dies immer der Fall ist, wenn ein begangenes Verbrechen die Gemüter in Aufruhr versetzt. Hätte sich den Weg sparen können, die dumme Gans ! War ja doch nicht vorgedrungen zum Direktor... Aergerlich lässt sich Fehling auf seinen Schreibtischstuhl fallen. Karsten kommt zu' ihm herein. Er ist wütend. «Ich muss die Kerls bei Laune halten — es liegen zu viele Terminaufträge aus dem Auslande vor. Unverantwortlich, dass dieser Mensch, der Römer, seine Reise nicht aufgeschoben hat! Wer weiss, wann er die Sache nun in die Hand nimmt! » Fehling, dem sonst der Respekt vor dem Chef jede eigene Meinung aus den Gliedern jagt, schüttelt den Kopf: «Auch eine Kateridee vom Alten, dem Kassierer gerade jetzt Urlaub zu geben, wo er selbst verreist!... Die ganze Geschichte wäre doch nicht passiert, wenn der brave, treue Becker sein Amt versehen hätte... Darum war wohl auch die Manz so aufgeregt ... Wollte sicher beim Chef auf die Ver- Es ist das erstemal, dass Karsten so respektlos vom Chef spricht, obwohl es Feh- ein höheres Gehalt herausschinden. Scheint dienste ihres Verlobten .jetzt hinweisen und ling schon früher aufgefallen war, dass der doch ganz raffiniert, das Mädchen ! » Betriebsingenieur der einzige war, der dem Karsten steht auf: Direktor nicht die gleiche Bewunderung « Na, ich geh wieder hinüber.» zollte wie die andern alle. Der Lärm von der Strasse und die Sonnenhitze sind unerträglich. Fehling schliesst Karsten setzt sich auf die Ecke von Fehlings Schreibtisch, trommelt mit dem Stiefelabsatz Riefen in den Nussbaum. dumpf tönt das Dröhnen der auf- und nieder- das Fenster, zieht den Vorhan-g vor. Nur noch « Um unseren Prokuristen müssen wir uns stossenden Kolben an sein Ohr. Während auch kümmern I Wird sich doch wohl inzwischen erholt haben. Der muss zur Bank. das helle, tickende Klappern der Schreib- Karsten hinausgeht, klingt auf Augenblicke Das fehlende Geld für die heutigen Lohnzahlungen beschaffen ! > kretariatszimmer maschinen aus dem nebenan liegenden Se- herein. Es klopft. Der Fabrikarzt tritt ein : « Herr Fehling, es tut mir leid, aber Prokurist Stössel hat bei der Sache was wegbekommen ... War wohl eine kleine Lähmung vom Schreck... Ist durch heisse Bäder und Massage mit der Zeit zu kurieren. Aber nun hat er ja, scheint's, erfahren, dass der ganze Alarm abgeblasen ist, sitzt wie ein kleines Kind in der Ecke und heult : Ich hab doch keine Schuld... Ich brauch doch keine Schonung... die Kriminalpolizei will ich haben ... zur Aufklärung... ich kann's verlangen ! Er kann einem leid tun, der Mann mit seinen weissen Haaren ! » Fehling mischt sich den Schweiss von der Stirn. Er ist Personalchef... sonst nichts. Nur Personalchef. Aufgaben,- wie sie in den letzten Stunden an ihn herangetreten sind, ist er nicht gewachsen — und mit dem Karsten war's kein Vergnügen; der war ja tüchtig und hielt die Arbeiter in Schwung, aber grob und ohne jede Diplomatie.