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E_1940_Zeitung_Nr.007

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•U AUTOMOBIL-REVUE

•U AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 13. FEBRUAR 1940 N°7 schaftliche Institute wie das Institut für menschliche Beziehungen der Yale University haben sich mit Fragen der Sicherheit und Unfallsverhütung beschäftigt Die ersten Resultate sind ausgezeichnet. Im Staate Illinois haben 32000 Kinder im Alter von 16—18 Jahren Autofahren gelernt, und 604 Schulen haben Autofahren als Pflichtgegenstand eingeführt. Da man der Ausbildung mehr Zeit widmet als in Fällen des Privatunterrichts, wenn man beim Vater, Onkel, Bruder oder einem Freund fahren lernt, so sind auch die Prüfungen sehr gut ausgefallen, und nur wenige Kandidaten fielen durch. Hilfreiche Polizisten. Europäische Autofahrer kennen Polizisten nur «ls gefürchtete Mitmenschen, welche Strafmandate wegen Schnellfahrens und verbotenen Parkens ausgeben, an Strassenkreuzungen stehen und die Fahrrichtung angeben, und im allgemeinen den Autofahrern ihr an sich schweres Leben noch schwerer machen. In Amerika haben die Verkehrspolizisten aber auch bessere Seiten. In Kalifornien zum Beispiel fahren sie Tag und Nacht in unauffälligen schwarzen Personenwagen durch die-Stadt, und sind mit zauberhafter Schnelligkeit an der Stelle, wenn irgendwo ein Unfall passiert. Vielen Fahrern ist es schon vorgekommen, dass auf einer Strasse in der Umgebung der Stadt das Auto plötzlich stehen bleibt. Es spuckt und röchelt noch dreimal und steht dann still, und alle Versuche, den Motor zu neuem Leben zu bringen, sind nutzlos. In Europa muss in diesem Fall ein Lastauto geholt werden, oder ein anderes Fahrzeug, das die Abschiebung durchführt. Das ganze dauert lange Zeit und kostet Geld. Nicht so in Amerika. Das Polizeiauto schiebt sich hinter den Wagen, der nicht fahren will und schiebt ihn jetzt (meist mit polizeiwidriger Geschwindigkeit) bis zur nächsten Garage oder Benzinstation; und wenn man sich umdrehen will, um den braven Polizisten zu danken — man kann doch nicht sagen: «Was bin ich schuldig?», so sind sie schon auf und davon, vielleicht bereits mit einem anderen Fall beschäftigt. Natürlich stellt man dann fest, dass es sich nur um eine kleine Reparatur handelt, welche in wenigen Minuten durchgeführt ist. Beschädigte Kotflügel und ähnliche kleine Schönheitsfehler bilden niemals den Grund zu einer Auseinandersetzung zwischen Fahrern. Ist der eine von beiden unvorsichtig gewesen und hat er etwas angestellt, so wird der zweite es wahrscheinlich bei einer Entschuldigung bleiben lassen, fährt in seine Garage, wo der Schaden ausgeklopft wird — wenn er nicht zu bedeutend ist, meist auch kostenlos. Nicht nur die Ingenieure in Detroit haben Amerika zum Autoland gemacht, sondern auch die Ueberzeugung der Autofahrer, dass man sich das Auto-Leben nicht noch schwerer machen müsse als es schon ist. J.W. Für die Frau STX Psychologie des „enfant terrible Das «enfant terrible» ist das echte Kind. Es sagt alles, wie es denkt und fühlt, ist aber auch meistens in seinen Spielen, beim Zeichnen, Malen, Formen und Bauen ein «enfant terrible», das sich hemmungsloser seinen Vorstellungen und deren Darstellungen hingibt,, also «begabter» im Sinne der Erwachsenen. Seine Ausdrucksweise wehrt sich am längsten gegen alles Angelernte, gegen jede Routine, jede Virtuosität, dafür zeigt sie am ehesten ein' eigenes Empfinden für gewisse künstlerische Grundbegriffe. Man sollte sich hüten, solch einem Kinde zu zeigen: Das musst du so machen. Redet man dem «enfant terrible» in seine Spiele hinein, so empfindet es die Korrektur als etwas Unberechtigtes und wird zum «Besserwissen» gereizt. Es will wohl Vorschläge hören und wählt sogar scheinbar einen davon für sich aus, formt ii ihn dann aber persönlich um und macht daraus etwas Neues, zu seiner besonderen Kinderart Passendes. Ein «enfant terrible» steckt in jedem Kinde. Bei Erwachsenen pflegt man es «Charakter» zu nennen. H. Mutterliebe wird eingespritzt. Zwei Forscher am Carnegie-Institut, die Doktoren R. W. Bates und O. Riddle, haben vor kurzem ganz eigenartige Wirkungen des Prolactins, eines Hormonsekrets der Zirbeldrüse, festgestellt. Bei weiblichen Tieren, die Prolactin-Injektionen erhielten, entwickelte sich nämlich, obgleich die betreffenden Tiere niemals Junge geworfen hatten, ein plötzlicher unbezwinglicher «Mutter-Instinkt». Die Tiere wurden unruhig, hörten auf zu fressen und waren sichtlich nach irgend etwas auf der Suche. Sobald man ihnen fremde Junge zu betreuen gab, beruhigten sie sich, gewannen ihr gewöhnliches Benehmen wieder und begannen, die Zöglinge mit einer geradezu rührenden Liebe zu bemuttern. cpr. * • * «Dämmerschlaf» bei der Entbindung ist unschädlich. Nach einem Bericht, der dieser Tage von der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft erstattet wurde, ruft der viel umstrittene «Dämmerschlaf» während der Entbindung weder bei der Mutter noch beim Kind irgendwelche nachteiligen Folgen hervor. Mehrere Aerzte hatten zum Zwecke dieser Feststellung je 800 Geburten mit und ohne Verabreichung schmerzstillender Mittel genau beobachtet und den Gesundheitszustand der Mütter ebenso wie das Gedeihen der Kinder während längerer Zeit verfolgt. Dabei stellte es sich heraus, dass weder die Sterblichkeitsquote noch die Anfälligkeit gegen Krankheiten bei den beiden Kategorien irgendwelche Verschiedenheiten aufwies. cpr. WFITC III III \ HELGOLAND Es gibt in Europa, so paradox es klingen mag, mehr als einen maritimen Stützpunkt, der, wie es in der Bibel heisst, auf sandigen Grund gebaut ist. Gibraltar, das dank seiner trutzigen Silhouette allgemein als Sinnbild des «ruhenden Pols in der Erscheinungen Flucht» gilt, ist eigentlich nicht anderes als ein riesiger Klotz brüchigen Kalks, der wohl den sechspfündigen Kugeln des achtzehnten Jahrhunderts gewachsen war, den zwölf- und fünfzehnzölligen Hochbrisanzgranaten unserer Zeit aber keinen grossen Widerstand entgegenzusetzen hat. Helgoland, das «Gibraltar des Nordens» und der Wächter am Eingang der Deutschen Bucht ist nur der schäbige Rest eines früher um ein Vielfaches grösseren Sandsteinfelsens, dessen Flanken die Nordsee durch ihr ewiges Wellenspiel ausgespült hat. Heute bleibt inmitten des Wattemeers lediglich ein zernagter Kern von einem halben Quadratkilometer Flächeninhalt und etwa fünfzig Meter Höhe übrig, der in Friedenszeiten dank der Fischerei und dem Badebetrieb zweieinhalbtausend Menschen das Auskommen, bietet. Doch, wie in der gesamten Kriegsführung bat die Technik auch hier auf jede neue Angriffswaffe ein entsprechendes Verteidigungsmittel gefunden. Eisen und Beton bieten als Bunker, Kasematten und Panzertürme der Besatzung Schutz und Aktionsfreiheit und halten in der Form von Molen, Stützmauern und anderen Verbauungen die Erosion der Ebbe- und Flutbewegung auf. Schlüsselstellungen wie Gibraltar und Helgoland sind für den Krieg zu wertvoll, als dass nicht alle Mittel versucht würden, um die durch die Natur gebotenen Vorteile zu wahren. Helgoland hat nicht jene wechselvolle Geschichte wie Gibraltar. Seine Lage war nie ein Sprungbrett für Völker, die ihr Heil in fernen, verheissungsvollen Ländern suchten. In der vorchristlichen Zeit beherbergte es statt Bastionen einen Tempel, der der Göttin Hertha geweiht war und bildete darum für die Friesen und Angelsachsen einen viel aufgesuchten Wallfahrtsort. Im 7. Jahrhundert kam es unter die Herrschaft der Herzöge von Schleswig, im 14. unter diejenige der Dänen. Der Eintritt in die Weltpolitik erfolgt erst 1807, als die Engländer darauf Fuss fassen, um mit seiner Hilfe die napoleonische Kontinentalsperre zu brechen. Die Briten bleiben dessen Herren bis zum Jahre 1890, in welchem es an Deutschland abgetauscht wird, wogegen London die afrikanischen Besitzungen Sansibar, Wituland und Uganda erhält. Helgoland bildet für das britische Reich keinen Stützpunkt für seine Seerouten und wäre nur für den Fall eines Krieges von einer — dabei noch sekundären — Bedeutung. Deutschland dagegen kann die Insel zu einer Marinestation ausbauen, welche die Ems-, Weser- und Elbemündung und dadurch auch den Nordostseekanal, die Verbindung zwischen Brunsbüttel und Kiel, beherrscht. Nun beginnt der strategische Ausbau. Helgoland wird zum eigentlichen Zentralpunkt der Ostseestrategie. In der südöstlichen Niederung entsteht ein bedeutender Kriegshafen; der Inselrand wird gespickt mit Geschützen und Befestigungen, das Innere dient als Arsenal und Vorratsmagazin. Im Weltkrieg bildet es den Ausgangspunkt zu den Aktionen gegen England; es ist der Schlupfwinkel für die Unterseeboote, welche die Blockade brechen soll und das Ziel, um das die Seeschlachten ausgefochten werden. — Der Vertrag von Versailles gibt ihm seinen Charakter als Fischerei- und Badeplatz wieder zurück, indem er die Schleifung sämtlicher militärischer Anlagen vorschreibt. Wie Deutschland an die Wiederaufrüstung herangeht, gewinnt Helgoland seine Bedeutung zurück. Allerdings mit einem Unterschied. Es ist nicht mehr der einzige Punkt, der das Verteidigungssystem der Deutschen Bucht souverän beherrscht. Die Kampfmittel, besonders die Flugwaffe hat ungeheure Fortschritte gemacht und eine Aenderung der Strategie nach sich gezogen. Es genügt nicht mehr, einzelne wichtige Punkte stark auszubauen, sowenig sich die Landverteidigung mit gewissen, stark befestigten Plätzen begnügen kann. An Stelle der «Punktverteidigung» tritt die Linie, die rück- Helgoland. Die Insel besteht aus einem Felsen aus rotem Sandstein, dem sogenannten Oberland, das eine Höhe von über 50 Meter ü. M. erreicht Die Erosion der Nordsee hat die Oberfläche innert drei Jahrhunderten um vier Fünftel reduziert. Ausserhalb der durch eine fette schwarze Linie gekennzeichneten eigentlichen Insel befindet sich ein seichter Rand, der bis an die Wasseroberfläche hinaufreicht. Die Hauptbefestigungen befinden sich an der Nordwest- sowie an der Südspitze. Die schwarze Fläche zeigt die Lage der zivilen Wohnhäuser an, die selbstverständlich evakuiert wurden. Im Innern der Insel scheint sich, analog der Siegfried- und Maginotlinie, eine eigentliche unterirdische Stadt zu befinden. Der alte Kriegshafen wurde gemäss den Bestimmungen des Versailler Vertrages in den Jahren 1919 bis 1922 geschleift. Der Leuchtturm, der in Friedenszeiten als Orientierung für die Schiffahrt nach Hamburg und Bremen dient, ist auf 40 km sichtbar und damit einer der stärksten Europas. wärts mehrfach gestaffelt ist. Die sogenannte maritime «Dreieckstrategie» entsteht, die sich auf eine Reihe von Küstenverteidigungen stützt, unter welchen die wichtigsten ein Dreieck bilden, das durch die gegenseitige Ergänzung der Eckpunkte die Verteidigungsmöglichkeiten bedeutend verbessert. Wie im Mittelmeer Frankreich das System Toulon - Villefrache - Bastia und Toulon - Biserte - Tunis, Italien Palermo - Pantellaria - Augusta und England Cypern - Haiffa - Port Said entwickelt, so entsteht in der Deutschen Bucht die Trilogie Helgoland - Sylt - Wilhelmshaven. Das erstere wird vor allem zur Operationsbasis für Flugzeuge entwickelt und dient als solche sowohl für Angriffe wie für Abwehr. Sylt hingegen erhält nicht nur Flughäfen, sondern auch noch einen Seehafen, der Wasserfahrzeugen bis ungefähr 15 000 Tonnen Verdrängung Aufnahme gewährt. Der Hindenburgdamm, der die Insel mit dem Festland verbindet, hat gegen Norden eine Bucht geschaffen, welche sich in hervorragender Weise für das Verankern aller Arten von Schiffen eignet. Wilhelmshaven und in grösserem oder geringerem Masse auch andere Küstenplätze sind kontinentale Stützpunkte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Helgoland in den Vordergrund der mit den Ereignissen verknüpften Namen tritt, sobald dieser Krieg richtig und mit vollem Einsatz ausbricht. 0 Die Deutsche Bucht. Das strategische Dreieck Sylt • Helgoland - Wilhelmshaven, unterstützt durch weitere Befestigungsanlagen, schützt die Eins-, Weser- und Elbemündung. Im Mittelpunkt der Bucht ist Helgoland vom Festland 45 bis 70 Kilometer entfernt; die modernen Jagdflugzeuge legen diese Distanzen in etwa 7 bis 10 Minuten zurück. Die Insel Sylt ist im Laufe der letzten Jahre zu einem Flugzeug- und Marine-Stützpunkt ausgebaut worden; sie ist mit dem nördlichsten Teil von Deutschland durch den Hindenburgdamm verbunden. Eine besondere Bedeutung besitzt der Nordostsee- (früher Kaiser Wilhelm-) Kanal, der Schiffen mit einem Tiefgang von etwa 9 Meter ermöglicht, aus der Nord- in die Ostsee zu gelangen, ohne den Skagerrak zwischen Norwegen und Dänemark passieren zu müssen. Die Ostfriesische Inselgruppe, welche die Kette von Juist bis Wangeroog umfasst, ist selbstverständlich ebenfalls befestigt. Nordwestlich von Helgoland erstrecken sich die Minenfelder, welche die deutsche wie die englische Marine gelegt haben. IJNÜBEFtTRGFFEN

DIENSTAG, 13. FEBRUAR 1940 AUTOMOBIL-REVUE üi Nnr ein Verkehrsunfall Diese an sich trockene Meldung eines wenig komplizierten Verkehrsunfalles fand ich erst kürzlich in meiner Zeitung. Ich Hess das Blatt sinken, | staunte durch die ebenfalls starke Rauchentwicklung meiner treuen Pfeife ins Leere und versuchte, mir den Hergang dieses Ereignisses lebhaft vorzustellen. Die Waldenburgerbahn, das liest sich recht anmassend. Es handelt sich eher um ein Bähnlein. Ein ziemlich altes, ein wenig asthmatisches Schmalspurbihnlein. Von Liestal aus schnauft es in gemütlichem Trott ins Tal der Vorderen Frenke zum Bad Bubendorf, über Höllstein nach Niederdorf und Oberdorf und in Waidenburg endet es bereits, in jenem gemütlichen, kleinen Städtchen, wo der Obere Hauenstein, die Strasse nach Langenbruck hinaufzusteigen beginnt. Im Sommer hört man wenig vom altvertrauten Bähnli; aber im Winter, Von Fridolin 6dj«ttre ttatoMIlfira fei t5ob Bulenborf. €ttoa 200 Bieter unterhalb bei Station Sab Kufienbotf tarn es am SHittrooctimUtag xu einem ferneren 3a{ammenfh>6 jroefet SRototlojtjüße. Stuf ffitunb fcet afcäefäldfjenett Hntetfu^ung routbe her 3uiammen» &>& babutfc Deruifadjt, ba& bem Cljauffeut bes taltoätts faljtenben ßaUjuge* bie St($t butdj eine ftatle 5K a u dj« jent»t41nnabet parallel fahtenben SBatbenourger« Sofin 6eeintraaI6 mit einem oott £ie\tal tommenben flaftauto mit Anhänger gufammtn. ß* mürbe ein S a a) fdjaben mm etroa 5000 %T. angeridjtet. 3»»" ®lü mutbe 6etm fjeftigtn 3BJammenftoß niemanb oerle|t. wenn reichlicher Schneefall die Skigebiete um Langenbruck, die Waldweid zum Anziehungspunkt macht, da wird es noch viel genannt, das gute «Waldenburgerli». Langsam kam ich ins Träumen. Wie ein altes Persönchen kam mir das Bähnli vor, wie ein zähes, altes Fräulein. Was hatte es nicht alles erlebt und mitgemacht in seinem langen Leben. Gar manches Strässlein windet sich vom Talboden hinan zu den Höhen, auf allen Seiten, wo schöne Landgüter wohlhabender Basler Familien versteckt liegen. Und Langenbruck ist ein beliebter Luftkurort für die Basler. Mit Pferd und Wagen konnte man von der Stadt aus in einer kleinen Tagereise gut hingelangen. Kutschen und Pritschenwagen, Reiter und Wanderer zu Fuss — das war der Verkehr, den das junge Töchterlein vorfand, als es zum ersten Male nach Waidenburg ratterte. Jugend hat keine Tugend; das junge Bähnlein war sich seiner Kraft und Wichtigkeit wohl bewusst. Stolz und nicht ohne Hochmut schleppte es schwere Wagen, zog es grosse Lasten und viele, viele Menschen auf einmal durchs Tal. Hin und her. Ein kräftiges Mädchen, das sich gern bewundern Hess, wenn es auch nicht so gewaltig war, wie die donnernde Schwester, die es immer bei Liestal traf. Das ging so, jahraus, jahrein. Viele Jahre lang. Und das Fräulein wurde auch nicht jünger. Die anfängliche Schimpferei und die stillen und manchmal lauten Flüche der Fuhrleute und Kutscher verstummten langsam. Dem Bähnlein war das alles sowieso gleichgültig gewesen. Es war der Fortschritt, und wer sich gegen den Fortschritt anstemmte, war einfach rückständig; von dem nahm man einfach gar keine Notiz. Die Bauern in ihren Dörfern staunten wohl anfänglich aus ihren Fenstern dem lärmenden Verkehrsmittel nach, schüttelten die Köpfe und beklagten sich mit der Zeit über den Rauch, der in ihre Häuser drang und alles mit einer feinen Rußschicht überzog. Aber man gewöhnt sich an alles. Schliesslich fand man das «Waldeburgergerli» einfach heimelig. Damit wurde es beinahe salonfähig. Jedenfalls «gehörte es nun dazu». Es bekam seinen Uebernamen und wurde «Glettyseli» genannt, weil es aus Eisen war und immer so geschäftig dampfte und pustete. Eines Tages nun, es war um die Jahrhundertwende herum, ratterte und knatterte ein komisches Vehikel auf der holperigen Strasse nach Waidenburg. Es stank mächtig und wirbelte riesige Wolken Staub auf, die in der sommerlichen Windstille noch lange wie Nebel in der zitternden Luft stehen blieben. Die Hühner rannten gackernd und erschrocken über die Strasse, die Pferde stellten sich wiehernd auf die Hinterbeine und brannten durch und die Menschen blickten dem neumodischen Teufelswagen misstrauisch nach; fluchten und wetterten wohl auch über den Staub und den Gestank. Und über die geradezu lebensgefährliche Geschwindigkeit. Wer in diesem von selbst und ohne Pferde fahrenden Wagen sass, konnte man nicht sehen. Diese Tollkühnen waren in lange, weisse Mäntel gehüllt, trugen komische Kappen auf dem Kopf, und das staubige Gesiebt verschwand fast vollständig hinter maskenartigen Brillen. Das Bähnlein schnaufte unbeirrt seines Weges, überholte den absonderlichen Teufelsspuk mitten im Dorf und hätte ihn fast über den Haufen gerannt, dort, wo die Schienen mitten im Dorf . ler über die Strasse liefen. Es lachte vor sich hin, wie eben so ein spätes Mädchen — noch fast jugendlich — vor sich hinkichern kann, teils um den Schreck und teils um das Staunen mit Anstand zu verbergen. Auf was für abstruse Einfälle die Menschenkinder doch kamen! Und dabei hätten sie doch so bequem in der Bahn fahren können. Man sah sie selten, diese verrückten Fahrzeuge. Manches lange Jahr ging ins Land; diese Fahrzeuge aber verschwanden nie ganz. Im Gegenteil, man sah sie schon öfters. Besonders zur schönen Jahreszeit und etwa sogar bei Nacht. • Dann kam der Weltkrieg. Da fuhren sogar manchmal Offiziere drin herum und fanden es gar nicht unter ihrer Würde. Diese Automobile, so nannte man die Vehikel, fuhren nun aber schon viel schneller als im Anfang und das Fräulein keuchte bedenklich, wenn es der Uebermut stupfte und es mit ihnen Schritt zu halten versuchte. Meistens wurde es nun überhaupt schon rücksichtslos überholt. Der Krieg ging zu Ende und diese Automobile wurden immer mehr zur Landplage. Kein Tag, keine Fahrt verging, ohne dass unser schon recht betagtes Fräulein zu seinem Aerger eine ganze Anzahl von ihnen sehen musste, und es wurde jedesmal rücksichtslos überholt. Es war geradezu beschämend. Auch grosse, mächtige Lastwagen tauchten auf und führten schwere Lasten mit sich, die das Bähnlein gerade so gut hätte mitnehmen können. Allerdings fuhren diese Wagen mit ihren Gütern dann, ohne In Europa stehen sich Heere gegenüber. Man führt in den Generalstäben und Heeresämtern genau Buch über [eden einzelnen Soldaten. Ist es möglich, dass nun auf dieser Erde ganze Armeen einfach spurlos vom Erdboden verschwinden? Vernunftgemäss natürlich sagt man nein. Doch die Praxis spricht anders. «Ganz ausgeschlossen!» Eine Armee, die aus einigen tausend gut bebewaffneten Soldaten besteht, von denen jeder Empfihleitswirti Uitirhiltongsstittin Theaterkasse TeL 269 22 und 4 6700, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 3613. 8—18.30 Uhr. Mi.atUHi14.Flhr. Rigoletto, von G. Verdi. Ff. abini 16. Febr. Hoff mann« Erzlhlungen. Sa.>bMid17.Fihr. Premiire: Schwaczwaldmadel, Operette von Leon Jessel. SflnachH 11 r,hr. 14.30 Uhr: Tannhäustr, v. Rieh. Wagner, mit Kammersänger .' Max Hirzel a. G_ MlliUr in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hüfte. Abends 8H Uhr, tag nachm. 3H Uhr. Abendkasse ab 18 Uhr (21111) Mi. abend 14. Febr. 20 Uhr: Dantons Tod. Do abenilä.Flbr. Premiire: Antfoone, von Sophokles, Deutsch von Emil St*iger. Fr. abend 16. Febr.. 20 Uhr: Dantons Tod Sj.ibend17.Febr. Antitone. SO.naclm. 18.Febr. 15 Uhr: Lumpazivagabundus. So.ibmd18.Febr. Friedliche Hochwit ARMEEN die Im Nichts verschwanden Wenn Bern, dann Casino Zürich Stadttheater So.ibini1l.Febr. Mädi. hau plelhdu Militär auf allen Plätten halbe Preise. sichtbar oder versteckt die Regimentszeichen trägt,' Ist eine Anhäufung von Menschen, die nicht ohne weiteres negiert werden kann. Eine kleine Einheit kann zusammengeschossen werden. Man kann die Toten verbrennen oder tief vergraben. Aber wenn 3000 Mann, die mit dem Hauptquartier in drahtloser Verbindung stehen, mit Artillerie, Tanks und Pferden unterwegs sind und dann auf einmal nicht mehr gesehen werden, dann klingt das unwahrscheinlich. Einer müsste wenigstens lebend durchkommen und von der Vernichtung berichten. Man müsste wenigstens ein Pferd des betreffenden Zuges aufgreifen oder einen Tank finden. Und ein Grab für 3000 Menschen müsste sich wiederfinden lassen. Wir sprachen von 3000 Mann. Aber im spanischen Konflikt marschierten auf der Madrider Seite 4000 verhältnismässig gut ausgerüstete Soldaten in die Pyrenäen hinein — wo sie allerdings von schlechtem Wetter überrascht wurden. Doch ist das ein Grund, nie mehr etwas von ihnen zu hören? Auch letzt — nach dem Abschluss des Konflikts — ist nicht ein einziger der 4000 Mann zurückgekehrt. Spurlos verschwunden. Man hat sie vergebens gesucht. Eine 1000 Mann starke Truppe der Abessinierarmee, im Kampf bereits geschulte Leute, zog aus, um gewisse Erkundigungen anzustellen. Sie kamen nie zurück. Man schickte ein Tankkorps aus. Vergeblich. Ein Flugzeuggeschwader wurde mobil gemacht. Tagelang war man in der Luft. NichtsI Die 1000 Männer waren verschwunden. ROMANE Kreuzworträtsel und Kurzgeschichten finden sie nebst einer Film- u. Modeseite tn jeder Nummer der In Cochinchina gibt es ein ähnliches Rätsel — und zwar seit nunmehr 35 Jahren. Von Saigon aus marschierten 500 Legionäre mit 150 verwege- ROMAN- QUELLE Jeden Freitag/Samstag neue Nummer. An jedem Zeltungskiosk. 86 Seiten, Nur 35 Rappen. ^inraffl Selbst wenn man einmal annimmt, doss die 1000 Mann in einen gewaltigen Hinterhalt gerieten und aufgerieben wurden: was wurde aus den Gewehren, den Ausrüstungen, aus der Artillerie. Wenn die Abessinier alle Leichen verscharrten: was wurde aus den Waffen, aus den Tanks, nach denen man noch jetzt sucht, um wenigstens einen Anhalt zu finden, wo die 1000 Mann geblieben sind. Genau wie damals, so sucht man auch heute noch vergeblich nach Anhaltspunkten. Und in China —und im Gran Chacol An der weiten chinesischen Front hatte eine Kolonne von gut ausgerüsteten chinesischen Soldaten einen erfolgreichen Vorstoss gegen die Japaner unternommen. Der Vorstoss erreichte das gesteckte Ziel. Dann zogen sich die Chinesen wieder zurück. Und seit dieser Zeit hat man weder auf chinesischer, noch auf japanischer Seite jemals wieder etwas von den 3000 Mann gesehen, aus denen die chinesische Kolonne bestand. Es ist möglich, dass 3 Mann überlaufen, ohne dass die Welt etwas davon hört, auch 30 und sogar 300 — aber 3000 Mann hätte man doch auf japanischer Seite als Sensation registriert. Und auf chinesischer Seite brauchte man nicht zu suchen. Doch man sucht bis zum heutigen Tag, weil jede, aber auch jede Spur fehlt. Gehen wir ein wenig weiter zurück zeitlich, dann stossen wir im Gran Chaco auf einen ähnlichen Fall. 2000 Mann auf bolivianischer Seite wurden für einen Vorstoss ausgesucht. Sie marschierten also in den Dschungel hinein — und sind nicht mehr zurückgekehrt. Die Engländer suchen bis heute noch immer die Norfolks, die zusammen mit den Lancashlre Fusilliers und dem Anson-Regiment auf Gallipoli eingesetzt wurden gegen die Türken. Von den Norfolks fehlt jede Spur. Man hat aber auch nie ein Grab gefunden. Und kein Türke konnte etwas über den Verbleib angeben. Ausgelöscht — kein Helm, kein Knopf — nichts hat man gefunden. Und der Fall Cochinchina. PHVPVillp syperieure de Commerce : CUVCVIliC offizielle Handelsschule Kaufmännische Abteilung für Jünglinge und Töchter. Abteilung für Sprachen und Haushaltung für Töchter. Gründliche Erlernung der französischen Sprache. Sorgfältige Erziehung und Aufsicht. Schulbeginn: April. — Mitte Juli: Französischer Ferienkurs. — Programm und Auskunft durch die Direktion. nen Spohis in den Busch, um eine kleine Rebellion unter den Eingeborenen zu schlichten. An sich eine Affäre von drei Tagen. Die Hälfte der Leute hätte auch genügt. Die Eingeborenen waren schlecht oder gar nicht bewaffnet. Unter den 500 Mann befanden sich die bösesten Schläger der Legion. Leichte Feldgeschütze, Munition, Nahrungsmittel — alles war zur Stelle. Aber von den 650 Mann hat man nie mehr etwas gehört oder gesehen. Kein Zusammenstoss wurde gemeldet. Dabei war man sicher, dass diese 650 Mann ihr Fell teuer verkaufen würden. Und bis heute ist es nicht gelungen, einen Eingeborenen zu finden, der zugegeben hätte, den Legionären irgendwo begegnet zu sein: Die Erde hat sie verschluckt — möchte man sagen. Jetzt, da die WETTERBERICHTE xuisMeiten muss sich «jeder sein Wetter seihermachen». Mit einigen Kenntnissen der Vorgänge in der Luft ist es heute jedermann möglich, das Wetter des nächsten Tages mit grosser Zuverlässigkeit vorauszusagen. Zu diesem Zwecke erschien das praktische, von Fachleuten wie Touristen und Landwirten begutachtete Büchlein WETTER von Walter Schmid Es ist kein wissenschaftlicher Leitfaden, sondern eine Anleitung, wie man dem Wetter auf die Schliche kommen kann. Das praktische Büchlein erscheint bereits in dritter Auflage. Preis nur 2 Franken. Im Buchhandel erhältlich, wo nicht, vom VERLAG HALLWAG BERN