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E_1940_Zeitung_Nr.005

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 30. JANTTAR 1940 — N° 5 Der Wein ist bei jedem Mahle, ganz besonders aber bei festlichen Anlässen der Intellekt und das Stimulans, welche den Speisen erst die richtige Geltung und ihre letzte Auskostung vermitteln. Es sollte ihm daher nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden, als der Speisenfolge selbst. Denn wie schmerzlich ist es für den Kenner, wenn er eu einem auserlesenen Mahle unpassende oder schlechte Weine vorgesetzt erhält. Ein guter Tropfen kommt, wenn er zur unrichtigen Speise gereicht wird, nur zu halber Würdigung. Man muss daher Gehalt und Charakter der verschiedenen Sorten kennen. So kann im passenden Moment auch ein weniger edler Wein zur Geltung kommen und ein kostbarer nicht unterschätzt werden. In verschiedenen Ländern werden zum Hors d'oeuvre schwere Süssweine ausgeschenkt, während wir uns an die guten Schweizer Weissweine halten, und auch die Forelle, Zuger Röteli, Hechte und die Aale der Tresa darin schwimmen lassen. Bei den Entrees und Rötis folgen dann die schweren Rot- und Weissweine, deren wir ja von Nord bis Süd, von Ost bis West die mannigfaltigsten Sorten hervorbringen, die alle ihre Eigenart und ihren Charakter haben. Es ist unbestritten, dass wir heute in der Schweiz eine hochentwickelte Weinkultur besitzen, die von den leichten Ostschweizer Weinen bis zum edlen, königlichen Döle eine grosse Varietät von roten und weissen Weinen produziert. Gewiss bringt die in langer Winterstarre liegende Erde unserer Heimat keine schweren, süssen und gewürzten Weine hervor: aber wem sich einmal die reine Herbheit der Ostschweizer Weine von Hailau bis an die Gestade des Zürichsees erschlossen hat, wer die Bekömmlichkeit und Herzenswärme, das erfrischende Traubenbouquet der Rheintaler und Herrschäftler Tropfen verspürt hat, der wird zugeben müssen, dass schon die Ostschweiz mit ihrem eher rauhen Klima dem gefühlsamen Zecher einen Becher kredenzt, dessen Duft und Hauch noch lange den Gaumen liebkosen. Die Weine des Bieler- und Neuenburgersees haben alle den gleichen edel-herben, fruchtigen Geschmack: sie sind süffig und zuverlässig und enthalten viel Vitamine. Es sind appetitanregende Weine, die zu Hors d'oeuvre und Fisch besonders gut passen und an einer gepflegten Tafel auch meist dazu gereicht werden. Von Neuenburg sind wir in einem Katzensprung in Lausanne, wo sich der abenteuerlustige und entdecküngsfreudige Zecher von Herz und Seele — denn nur ein solcher entdeckt Herz und Seele und die wonnigen Geister des Weines — entscheiden kann, ob er zuerst einen Abstecher ins Gebiet der La Cöte, seeabwärts zwischen Lausanne und Genf gelegen, oder ins Lavaux machen will, wo an den Steilhängen die glutvollen, lieblichen, Seligkeit spendenden königlichen Schweizer Welssweine wachsen und zu köstlicher Blume heranreifen. Bis nach Aigle hinauf, dem altehrwürdigen Städtchen, gedeihen und reifen diese köstlichen Weine, für die unsere Vorfahren einst ihr Blut geopfert haben, um für uns Enkel einen Anteil an dieser Seligkeit zu erstreiten. Unser bacchischer Spaziergang führt uns weiter hinauf, ins sonnendurchglühte Rhonetal, wo an den Steilhängen der Döle, unser edler Schweizer Burgunder und der kraftvolle Fendant, der rassige Johannisberger und der hellrote, Begeisterung entfachende Wein der Dichter und Sänger, der Malvasier, reifen... Und schliesslich breiten wir den Zaubermantel Fausts aus und fliegen über die Alpen ins Schweizer Sonnenstübchen: ins TessJn, um in einem von Kastanien beschatteten Grotto, bei Nostrano und andern hellschiumenden Italiener Weinen unsern bacchischen Spaziergang zu beenden.,, Alte Bräuche der Bodenseegfrörni nach alten Berichten geschildert Von Ferdinand Bolt cWillkommen, am Fenster, Mägdelein! An den See, an den See, wie weit mag es s«!n?> Die Maid, sie staunt den Reiter an: «Der See liegt hinter dir und der Kahnt> Der Fremde schaudert, er atmet schwer: «Dort hinten, die Eb'ne, die ritt ich her!» Da recket die Maid die Arm' in die Höh's «Herrgott, so rittest du über den Seel> So heisst es in der bekannten Ballade von Gustav Schwab, «Der Reiter und der Bodensee>, die auf die Bodenseegfrornl von 1830 zurückzuführen Es ist ein eigenartiger Brauch, dass bei Seegfrörnen des Obersees immer zwischen dem deutschen Hagnau und dem schweizerischen Münsterlingen eine Eisprozession abgehalten wird. Ist der See zugefroren und das Eis tragbar, wird ein hölzernes Brustbild des Evangelisten Johannes in feierlicher Prozession über den See getragen, und zwar dort abgeholt, wo es sich seit der letzten Uebertragung befqnd. Zum letzten Male geschah dies im Jahre 1830. Der bekannte Schriftsteller und Pfarrer Honsjakob erwähnt in seinen «Schneeballen», dass er als Pfarrer von' Hagnau Im Jahre 1880 dgs Bild vom Rathaus nach der Kirche verbringen Hess, wo es sich heute noch befindet. Es trägt die Inschrift: «Dieses Bildnis ist anno 1573, dem 17. Februar, als der Bodensee überfroren war, von Münsterlingen nach Hagnau übertragen und dort auf dem Rathaus gesetzt worden. Nach 100 Jahren wurde es bei überfrorenem See wieder hierher (Münsterlingen) gebracht. Anno 1796 aber zur Zeit des Franzosenkrieges das zweitemal zurückgestellt und renoviert von F. X. Faivre.> Die Konsole erzählt weiter, dass das Bild am 6. Februar 1830 wieder von Münsterlingen in Begleitung von geistlichen und weltlichen Vorgesetzten, sowie der Schuljugend, nach Hagnau «übertragen» wurde. Die Eisdecke schloss sich 1830 in der Nacht vom 1. und 2. Februar nach vorangegangenen strengen Kältewochen. Mächtige Eiswälle türmten sich längs des Ufers auf. Sofort setzte nun die grosse Wanderung über den See ein. Aus verschiedenen thurgauischen Dörfern kamen Schulkinder und Vorsteher ans ist. Eine Seegfrörni des Bodensees, besonders des sehr breiten Obersees, tritt nur ganz selten ein, während der Untersee schon eine Reihe von solchen Gfrörnen durchgemacht hat. Dank seiner geringen Tiefe schliesst sich der J|Jntersee zwischen Reichenau und Allensbach bald zu. Der Obersee aber ist viel hartnäckiger, er ist erstens viel breiter, dann auch viel tiefer und drittens herrscht auf ihm deutsche Ufer. Am 6. Februar wurde dann auf Beschluss des Gemeinderates von Hagnau die Eisprozession unternommen. Mittags 12 Uhr brachen 110 Schulkinder, Pfarrer, Eltern und der Ortsvogt auf. Sie kamen glücklich in Münsterlingen an und wurden im dortigen Frauenkloster gut bewirtet. Im Kloster war man einzig deshalb betrübt, weil man, altem Brauch entsprechend, das Johannesbild den ständig ein reger Schiffsverkehr. Man sollte es Hagnauern abtreten musste. Nach Entgegennahme daher nicht für möglich halten, dass er überhaupt einmal zugefrieren könnte. Die Chronik und vorhandene Zeugen belehren jedoch anders. Nach den Aufzeichnungen in verschiedenen Jahrbüchern war der Bodensee ganz zugefroren in den Wintern des Bildes machte sich die Eisprozession wieder auf den Heimweg. Unter Freudenjubel und Glockengeläute wurden sie abends 6 Uhr in Hagnau empfangen und zur Kirche geleitet. Nach einer Darstellung trugen das Johannesbild zwei 875, 895, 1074, 1076, 1108, 1217, 1227, 1277, Burschen an der Spitze des Zuges. Ihnen folgten 1323, 1325, 1378, 1379, 1383, 1409, 1431, 1435, Schulkinder in der alten Bodenseetracht — die 1460, 1465, 1470, 1497, 1512, 1553 1560, 1564, Mädchen trugen mächtige Goldhauben —, Amts- 1565, 1571, 1573, 1684, 1695, 1788, 1830 Und das letzte Mal 1880. Der Untersee allein war viel öfter zugefroren, zum letzten Male ganz im Jahre 1929. personen in schweren Mänie\n mit langen Tabakspfeifen und schliesslich der Kaplan, der seines Alters wegen auf einem Schlitten von Burschen gezogen wurde. Zu Hause aber wurde das Ereignis noch abends würdig bei gutem Ruländer gefeiert ... Bunte Umschau Das grate Gedächtnis. Das beste Gedächtnis, das je ein Buchhalter bewies, hatte jener Däne, der nach einem Brand in einer Bank aus dem Gedächtnis alle Konten wieder aufbauen konnte. * * * Der Maaa trinkt anders. Um «ine Charakterprobe zu machen, empfehlen Psychologen, Mann und Frau aus einem Glas trinken zu lassen. Der 100% Mann schaue in das Glas hinein. Die Frau schaue in den Raum. * • * Sie trltamen mehr. Man vertritt heute die Ansicht, dass Frauen bedeutend mehr und viel schwerer träumen als Männer. Damit sei bewiesen, das? ihr Innenleben reicher sei. * • * Erst Probe im Elterxhaus. Auf der japanischen Insel Takamatsu muss der Bräutigam erst ein halbes Jahr im Haus der Eltem seiner Braut wohnen, um zu sehen, ob er sich mit den Eltern auch verträgt. * * So alt - der erste Füllfederhalter? In Holland hat man den Brief eines Kaufmanns aus dem Jahre 1640 gefunden, in dem er den ersten Füllfederhalter beschreibt, den er auf einer Reise sah. * . * Nicht klüger geworden. Eine Umfrage in der amerikanischen Provinz ergab, dass trotz der Radioaufklärung noch immer der gleiche alte Aberglauben im Schwange ist, vor allem in der Medizin. o too 2O04f KOS»** WFI .TC KKT HVÜTV! W Oel im Kaukasus Als während des Weltkrieges die Erstarrung der Fronten einen immer grösseren Einsatz an Material notwendig machte, hat sich der damalige französische Premierminister Clemenceau eines Tages geäussert, dass «ein Tropfen Oel einen Tropfen Blut wert sei». Schon damals bildete die Frage der Brennstoffversorgung eines der wichtigsten Kapitel im Ringen um den Sieg. Durch die Entwicklung der Strategie im Laufe der letzten zwanzig Jahre hat ihre Bedeutung noch um ein Vielfaches zugenommen. Angriff und Transport sind weitgehend mechanisiert worden. Die Kampf- und Bombenflugzeuge mit ihrer ungeheuren Leistungsfähigkeit, die Tanks und Panzerwagen, die Geschtitztraktoren, Motortransportmittel, Torpedojäger und Unterseeboote können nur dann nützlich eingesetzt werden, wenn gewaltige Mengen von Brennstoff zur Verfügung stehen. Nach der Schätzung von Kennern der Materie soll allein Deutschland — intensive Führung der Feindseligkeiten vorausgesetzt — jährlich 12 Millionen Tonnen, das heisst weit über eine Million Eisenbahnwaggons Brennstoff benötigen. Man müsste sich wundern, wenn unter diesen Umständen der Kampf Um den Besitz des Erdöls und um dessen Quellen mit der Zeit an Schärfe nicht zugenommen hätte. Für die Grossmächte stehen jedoch überall Gesellschaften im Vordergrund, in denen die staatlichen Leiter die Interessen der Allgemeinheit parallel zu den Gewihnbestrebungen der privatwirtschaftlichen Unternehmer zur Sprache und zur Geltung bringen. Wenn dazu noch die Tatsache kommt, dass die Ausbeutungsgebiete nicht im Innern, sondern an der Peripherie des Staates liegen, wodurch sie militärischen Operationen besonders ausgesetzt sind, dann ist der Brennstoff in doppeltem Sinn explosionsgefährlich. Ein Gebiet, bei welchem diese Umstände in ausgesprochener Weise zutreffen, ist dasjenige zwischen dem Kaspischen, dem Schwarzen und dem Mittelmeer: Die kaukasischen und mesopotamischen Oelfelder. Es wäre gewagt, zu glauben, dass die politischen Verhältnisse in jenen Gebieten seit langem stabil seien. Russland im Norden hat sich seit der Einführung der bolschewistischen Gesellschaftsordnung vom Ausland weitgehend abgeschlossen und duldet keinerlei Ausdehnung fremdländischer Interessen auf seinem Gebiet — so lange es daraus nicht einen unbedingten Vorteil zieht. Iran, das frühere Persien, und die Türkei sind politisch selbständig, doch ihre Nachbarn, das Königreich Irak« das Emirat Transjordanien, das Mandatgebiet Palästina und das Sultanat Koweit am westlichen Ende des persischen Golfes stehen unter der Kontrolle Englands, und über Syrien besitzt Frankreich ein weitgehendes Mitspracherecht, Deise Verhältnisse sind der untrügerische Beweis dafür, dass die Grossmächte hier scharf wachend auf Vorposten liegen, und dass diepolitischen Ereignisse in jenem Teil der Erde nicht ausschliesslich durch die natürlichen Feindschaften der verschiedenartigen Stämme bedingt sind. Wenn man in der Geschichte zurückblättert, so wird man allerdings feststellen, dass sich der russische Expansionsdrang früher weniger nach dem Süden als nach dem Südosten, in der Richtung des Aralsees, Afghanistans und Britisch Indiens betätigt hat. Ein Blick auf die Karte zeigt übrigens, dass der Machtbereich Moskaus östlich des Kaspischen Meeres bedeutend weiter nach Süden dringt als im Westen. Zu einem gewissen Teil haben die Fünftausender, die an der russisch-türkischiranischen Grenze liegen, dem Wander- und Eroberungstrieb ein natürliches Hindernis entgegengesetzt; vor allem sind es jedoch die wirtschaftlichen Faktoren, die Jahrzehnte hindurch der russischen Politik die Richtung in den Südosten gewiesen haben. Das Problem Oel gibt an dieser Stelle der Erde dem Lauf der Geschichte eine neue Das kaukasisch-mesopotamische Oelaebiet. Die russische Oelproduktion, die mit einer Jahresmenge von 29 Millionen Tonnen etwa 11% der Weltproduktion ausmacht, stammt zu 9/10 aus der Gegend um das Kaspische Meer, also ganz aus der Peripherie des Landes. Ein feindlicher Einbruch sowohl aus dem Süden wie durch das Schwarze Meer müsste für die russische Kriegsführung und Wirtschaft unabsehbare Folgen haben. Die Bohrtürme von Irak liegen am Oberlauf des Tigris, der mit seinem Zwillingsbruder Euphrat die mesopotamische Ebene durchfliesst. Die Ausbeutung erfolgt durch eine gemischte Gesellschaft, in welcher die beiden englischen Konzerne Anglo-Persian und Royal Dutch-Shell die Aktienmajorität besitzen und die das Oel durch Pipe-Iines von Kirkuk nach Beirut (genauer Tripoli) in Syrien und nach Haiffa in Palästina befördern. Das iranische Oel wird durch die Anglo-Iranion Oil Co in Abadan raffiniert und nach den natürlichen Absatzgebieten verschifft. Die fetten Linien geben die Pixe-Iines an. Orientierung. Russland braucht für die sogenannte Kolchosenwirtschaft, die fast ausschliesslich auf der Bodenbearbeitung vermittelst Traktor aufgebaut ist, praktisch die gesamte eigene Rohölproduktion von etwa 29 Millionen Tonnen. Davon stammen etwa 90% aus den Feldern um das Kaspische Meer herum. Eine Gefährdung dieser Oelquellen wäre gleichbedeutend mit der Gefährdung der russischen Wirtschaft überhaupt. Und eine solche muss selbst eine Regierung vermeiden, die nicht nur aus Ueberlieferung, sondern ebensosehr aus eigenem Antrieb mit der Knute regiert. Die Lage der Gegenspieler Frankreich und England ist in dieser Hinsicht bedeutend vorteilhafter. Selbstverständlich ist auch für sie Produktion, die sich für Iran auf rund 10 Millonen, für Irak auf rund 4 Millionen Tonnen beläuft, von Wichtigkeit. Doch ein Angriff auf ihre Interessen von Norden her hätte unmittelbar eine Eingliederung der Türkei, Irans oder beider Staaten in ihre Front zur Folge. Dazu

— MEW3TAG, 30. TATTOAR 1940 AUTOMOBIL-REVUE III Tlodunals: Zauber des Konzerts Von Fridolin «Der Beitrag «Zauber des Konzertes» von Dr. Hans Ehinger scheint unsern getreuen Mitarbeiter Fridolin veranlagst zu haben, aufforderungsgemäss «jetzt erst recht» in ein Konzert zu gehen. Jedenfalls schickt er uns die nachstehende Skizze. Seine vergnügliche Art, Menschliches und Allzumenschliches zu sehen und zu hören, präjudiziert ja weder unsere noch seine eigene Eineteilung zur ernsten Musik in keiner Weise, und wir geben deshalb der fröhlichen Kleinigkeit gerne Raum. » Die Redaktion. Es gibt Leute, habe ich mir sagen lassen, die gehen tatsächlich nur wegen der Musik in ein Konzert. Sie können sich darauf freuen, wie andere auf eine Martinsgans, einen Ausflug oder einen Film. Zum Glück gibt es aber nicht nur solche Leute, die dann meist auch vorzugsweise mit Schuhnestelkrawatten, ohne Hut oder wenigstens mit einer ins Männliche übersetzten Abart der als Greta Garbo-Frisur in die Geschichte eingegangenen Haartracht herumrennen. Das Konzert ist auch heute noch bis zu einem gewissen Grad ein gesellschaftliches Ereignis, eine Tatsache, die begreiflicherweise, aus klimpernden Gründen vom Herrn Kassier gerne unterstützt und aufrecht erhalten wird. Ich muss gestehen, ob zu meiner Schande, will ich ruhig jenen Greta-Garbisten überlassen, dass ich wohl kaum aus meiner Tasche einen so teuren Platz speziell für dieses Konzert erstanden hätte. Wenn nicht Onkel Paul gerade einen Hexenschuss gehabt hätte, wäre ich schwerlich an jenem Abend, so gegen acht Uhr, mit Tante Lina am Arm, ganz beflissener Neffe, durch den nieselnden Abend geschlichen* Geistig tut sie ja noch sehr jugendlich, aber sonst klappern die Kolben doch schon bedenklich, wie man sich technisch ausdrücken könnte. Immerhin gehört es zu ihrem selbstauferlegten Pflichtenkreis, im Konzert gesehen zu werden. Meinetwegen, so lange Onkel Pauls Hexenschuss nicht chronisch wird, denn ich kann mir noch lustigere Dinge denken, als seinen Platz neben ihr abzusitzen, weil sie es schade findet, ihn «schnattern» zu lassen, wie sie sich am Telephon so treffend ausdrückte. Wir sind relativ früh dort. Eben strömt wieder eine herein. Umständlich entnimmt sie ihrem Tischchen die Karten, die da neben Taschentuch, Opernglas mit Perlmutter, Hausschlüssel und Pfefferminzplätzchen ruhten. Drinnen ist schon ziemliches Gewimmel und so helfen wir denn fleissig wimmeln unter dauerndem «Guten Abend» und «Pardon». Vorbei an einer noch etwas lückenhaft vorhandenen Ahnengalerie (hier müssen die ganz teuren Plätze sein), die wir gemessen und vornehm grüssen, arbeiten wir uns zu unsern Plätzen durch über spitze Knie, Hühneraugen und anmutig ausgebreitete Füsse hinweg. Der gesellschaftliche Teil des Abends hat für Tante Lina begonnen. Ganz als ob ich Onkel Paul wäre, meldet sie mir nacheinander ihr» Beobachtungen durch den Feldstecher und macht vernehmlich, für meinen Geschmack fast zu vernehmlich, ihre Glossen. «Ach, sieh mal, Herr Professor Bruchband scheint noch immer nicht wohl zu sein». Ein anderer Teil des Hauses wird aufs Korn genommen. «Ja, ja, die Hemdenknopfs müssen auch schwer Geld verloren haben! Sie sind auf den billigen Plätzen, dieses Jahr.» «Und Frau Frankenstrom trägt nun auch das dritte Jahr dasselbe Kleid I» Und was derartige Dinge mehr sind. Inzwischen ist es ordentlich voll geworden, riecht nach feuchten Mänteln von unten herauf und vorwiegend nach Lavendel um mich herum. Es kann auch nur Tante Lina sein. Im Orchester sind alle Mann an Deck, räuspern sich ausgiebig, blicken um sich, als wollten sie ihre Gegner mustern und stimmen im übrigen ihre Instrumente. Ich liebe diese Tätigkeit sehr. Das Ungebundene, sehr Spielerische daran reizt meine Phantasie. Meinetwegen könnten die Mannen eine halbe Stunde lang stimmen. So, als hätten sie ihre Werkzeuge zum erstenmal in der Hand. Da zupft einer hingerissen an seinem Kontrabass herum, während einer, die Trompete' an den Lippen, dreinschaut, als könne er die Lust kaum niederkämpfen, männiglich mit einem gellen Stoss zu erschrecken. Ein anderer pinselt schüchtern auf seiner Violine herum, ganz sanft, als wolle er ihr noch zureden. Das schönste ist für mich aber immer der flinke Lauf der Oboe, der plötzlich aus dem Nichts auftaumelt, unweigerlich und immer von unten nach oben. Oh, bitte noch einmal — es soll nicht sein. Elastischen Schrittes eilt der Dirigent auf seinen Platz, wie ein Radfahrer geschickt durch den schlimmsten Mittagsverkehr hindurchzirkelt. Nicht das kleinste Notenblatt weht zu Boden. Er verbeugt sich, wendet sich prüfend seinen Schützlingen zu, richtet sich noch ein letztes Mal häuslich in seinem Frack ein, zieht die Manschetten hervor, als kämen die nicht nachher ganz von selber zum Vorschein, murmelt ein gewichtiges Wort mit der ersten Violine und dann bricht, wie auf ein Stichwort, ein wüstes Husten und Schneuzen los, im ganzen Haus, im Orchester, im hintersten Winkel — gerade noch vor Torschluss. Dann geht's los. Pianissimo zuerst. Tante Lina scheint zu glauben, so lange es noch leise zugehe, brauche sie noch nicht mit Plaudern aufzuhören. «Ich gebe dann filets de sole mit...» — «Psst» von hinten, und sie bricht jäh ab, nicht ohne einen wütenden Blick in jene Gegend, Jetzt schwillt das Tongebilde an, und die Sache ist richtig unterwegs. Wild geht es zu. Das Orchester fuchtelt und tobt, und es sieht aus, als hätten sie unier sich ausgemacht; wer zuerst fertig ist, hat gewonnen. Gut, dass ein Dirigent da ist. Der ist schuld, wenn die Sache nicht richtig herauskommt. Er scheint sich mächtig aufzuregen, sticht in der Luft herum wie ein Florettfechter, jetzt wieder eher wie ein Tennisspieler, dann wieder eine besänftigende Gebärde, die aber nichts fruchtet, jetzt scheint er zu tanzen, als habe er sich entschlossen, doch mitzutun; im nächsten Augenblick steht er da wie die Freiheitsstatue, um sofort wieder loszubrechen. Mein Gehirn registriert: täglich eine halbe Stunde Dirigieren für die schlanke Linie. Die letzten Paukenschläge verlieren sich dröhnend im aufrauschenden Applaus — Pause. Erschöpft verbeugt sich der Herr Dirigent und sieht aus, als möchte er gerne einmal nur ein kurzes Wiegenlied dirigieren, so zur Erholung. Tante Lina sieht zu mir, verdreht die Augen und stöhnt etwas von Bach. Ich deute milde auf das Datum ihres Programms, das vierzehn Tage zurückliegt, und kläre sie auf, das sei Tschaikowsky gewesen. Ihr Gesicht verrät deutlich den Entschluss, mich nie mehr ins Konzert mitzunehmen. verfügen sie noch über andere Erdölgebiete in allen Teilen der Welt, so dass ein Verlust der Quellen nicht unbedingt katastrophale Folgen nach sich ziehen müsste. Auch kann das Oel durch die Pipe-lines direkt auf die Tankschiffe verfrachtet werden, von wo es wiederum ohne Zwischenstation an den Bestimmungsort gelangt. Nebst den verschiedenen diplomatischen Hilfsmitteln sorgen Flottenstützpunkte und Heeresbestände dafür, dass die Interessen gewahrt bleiben, während die Möglichkeit einer Aktion durch den Bosporus und das Schwarze Meer für Russland eine ständige empfindliche Bedrohung darstellen. Wenn der politische Vorstoss Russlands heute gegen Finnland geht, so darf man sicher sein, dass die Gefahr eines solchen in südlicher Richtung dabei ein gewichtiges Wort mitgesprochen hat, trotzdem an dieser Stelle das wirkliche Bedürfnis nach «Sicherung» ohne Zweifel bedeutend grösser ist als am Finnischen Meerbusen. Und wenn in der letzten Zeit die Meldung die Runde machte, dass der französische General Weygand in Vorderasien eine Armee von mehreren hunderttausend erfahrener Kolonialsoldaten sammelt, dann liegt diese Tatsache ganz in der natürlichen Ent- Zürich Empfehlenswerte Unterhaltungsstätten Stadttheater Abe ? ds 8 . Dhr . Sonntag nachmittags 3 Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 36 13, 8—18.30 Uhr. Mi. abend 31. Jan. »«""- ° pe . r von Robert , ett^,* Stolz (A-Ab. 11). 18 Uhr: DO. abend 1. Febr. Vorstellung für Sekundärschulen: Carmen. Ma Fr. abend 2. Febr. ed o i- °P" ett TOn Robert » Stolz (A-Ab. 11). Sa. abend 3. Febr. Der Barbier von Sevilla, Oper von G. Rossini. SO.nachm. 4. Febr. Ein Walzertraum, Operette von Oskar Straus. So abend 4 Febr Gastspiel Kammersänger Richard Tauber: Die Boheme, Oper von G. Pucoini. Mo. abend 5. Febr. Gala Karsenty: Premiere legion. Militär in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hälfte. Schauspielhaus Abends ** Abendkasse ' ab 18 Uhr (21111) tag nachm. Mi. abend 31. Jan. Friedliche Hochzeit. Do. abend 1. Febr. 20 Uhr: Lumpazivagabundus. Fr. abend 2. Febr. Emilia Galotti, von G. E. Lessing. Sa. abend 3. Febr. 20 Uhr: Lumpazivagabundus: SO. nachm. 4. FEÖr. 15 Uhr: Lumpazivagabundus. So. abend 4. Febr. Friedliche Hochzeit. Militär auf allen Plätzen halbe Preise. Uhr. wicklung der Dinge. Man darf nicht vergessen, dass ein Eingreifen in das kaukasische Oelgebiet auch jenen Strom unterbinden müsste, den das Deutsche Reich zufolge der Handelsabmachungen mit Sowjetrussland von seinem Wirtschaftspartner zu erwarten hat. Die Bohrtürme des Kaukasus sind vielleicht gar nicht so weit vom Kriegslärm entfernt, wie es ein Blick auf die Karte glauben lässt, und vielleicht braucht es nur einen Funken, um den gefährlichen Herd zu entzünden. 0 Der Weg des russischen Petroleums Die Lage des Produktionszentrums im südlichen Grenzgebiet macht den Transport für die russischen staatlichen Oelgesellschatten zu einem besonders schwierigen Problem. Soweit das Petroleum nicht für die Gegend um Odessa-Rostow oder cjen Export durch die Dardanellen bestimmt ist, wird es durch die Pipelines (Totallänge 3070 km) nach dem Kaspischen Meer gebracht, dort nach Astrachan verfrachtet und folgt von hier auf dem Rücken der Wolga bis zum Automobil-Zentrum Nishni-Nowgorod und dann auf Kanälen nach Moskau und Leningrad. Ein Teil wird ebenfalls über die Schiene transportiert. Die Distanz von Baku nach Moskau beträgt rund 6000 km nach Leningrad 7500 km. Der Weiterexport nach Deutschland, wie er durch die wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen den beiden Ländern vorgesehen ist, erfordert eine Weiterverschiffung durch die Ostsee oder dann eine Verfrachtung durch die Eisenbahn, wobei sich die Tatsache, dass die russischen Eisenbahnen eine grössere Spurweite besitzen als die deutsche Reichsbahn, verkehrsstörend und umständlich auswirkt. Bei diesen Distanzen ist es nicht verwunderlich, dass die Transportverluste jährlich rund 23000 Eisenbahnwaggons ausmachen. Immer neue Unter, [haltung und Freude bietet Ihnen kGk-ßalüc-Radio Schulze Nb-2 Fahrer Raupanslüizract Bremspedal OetrieöeschaZtha bei kalibrigen, behindert. Heute hat der Motor diese Schwierigkeiten überwunden, wie dies der deutsche Feldzug in Polen War bewiesen hat, Die Russen wie die Deutschen verwendeten damals ausschliesslich motorisierte Artille- wenden sieb bei monatlichen Verspätungen unter Diskretion an Amrheins Lab.Ptrt i c i de, Htldan 27*. Tel. 204. TANKS Jhnzerturm. Schütze JVs7 Wenn Bern, dann Casino Die Kriegsberichte sind in den letzten Wochen in bezug auf Erfolge mit Tanks zwar ruhiger geworden; dennoch bleibe/i diese eines der wichtigsten Angriffsmittel. Früher wurde die Manövrierfähigkeit einer Armee in erster Linie durch die mangelnde Beweglichkeit der Artillerie, besonders der grosskonstruktion zurückzuführen. Sie lässt sich durch folgende Zahlen ausdrücken: Die Leistungsfähigkeit übersteigt 20 PS pro Gewichtstonne, die Höchstleistung der Motore nimmt ständig zu und beträgt zum Beispiel bei schweren Tanks bereits 2400 PS. Die Raupenbänder und ihre Montage werden ständig Sedriebe jaltunt Jbszzerktbue Triebrad. rie, Kampfwagen oder Traktoren kleinerer oder mittlerer Grosse, da keine grossen Befestigungsanlagen zu erobern waren. Wie wir aus italienischer Quelle vernehmen, sollen die deutschen Panzerdivisionen über 1500 Kampfwagen —1000 leichte und 500 schwere verfügen. Als leichte Kampfwagen werden solche bezeichnet, die nicht mehr als 10 Tonnen wiegen, während die mittleren bis 25 oder 30 Tonnen erreichen. Was darüber ist, gehört zu den Schwergewichten, die vor allem dann zur Verwendung gelangen, wenn es um den Angriff auf stark befestigte Linien geht. Wenn die Tanks heute eine ungleich wichtigere Rolle spielen als im Weltkrieg, so ist dies vor allem auf die Entwicklung der Automobilverbessert; die Gangschaltung ist automatisiert; die Kraftübertragung erfolgt auf elektrischem Wege, wodurch die Fahrweise elastischer wird. Peinlich durchkonstruierte Brennstoffreservoirs vermindern die Brandgefahr, die Bestückung ist bedeutend besser, ganz abgesehen davon, dass auch die Innenausstattung Fortschritte gemacht hat. fto VERWALTUNG-SPRACHEN-GESCHÄFT-BU> Erhältlich in allen Apotheken 10er Packung Fr. 4.50 - 4er Packung Fr. 2.—. Qratls-Prospekt diskret durch EROVAQ A.Q., Zürich 25, Bachtobeistrasse 59. Lesen Sie die aufklärende Broschüre von Dr. R. Engler. Zu beziehen gegen Einsendung von Fr.1.20 In Briefmarken oder auf Postscheck VI11/1819 EROVAQ A. Q.