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E_1940_Zeitung_Nr.008

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BERN, Dienstag, 20. Februar 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 8 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgab« B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GesehSftsstelle Zürich: LOwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die achtgespaltene 2 nun hohe Grundzeile oder deren Ramn 46 JRp. GrSssere Inserate nach Spezialtarif iMKratensehlnM 4 Tage v»r Erscheinen 4n Mnmmer Zur Frage der Automobilbetriebstoffe iVcuutn. noch dieses tut$egtündete Vec&ol dec Veewettdunq. von tBleUetcaätAyl? Von massgebender Seite geht uns folgender Beitrag zu: H. E. F. Die zunehmende Knappheit der Benzinzufuhren hat bekanntlich zu einer starken Einschränkung des Automobilverkehrs geführt und die Frage nach einem Benzinersatz ist wiederholt in dieser Zeitung diskutiert worden. Es sei an die Vorschläge zur Verwendung von Holz *), Alkohol und Azetylen erinnert, die alle nicht darüber hinwegtäuschen können, dass derartige Ersatzbetriebsstoffe das Problem auf die Dauer micht lösen können, Benzin ist und bleibt das vorteilhafteste Betriebsmittel,- das wir kennen, und Ersatzstoffe können nur als Notbehelfe betrachtet werden. Mit dem Motorenbenzin können sie niemals konkurrieren, solange überhaupt Petroleum gefördert wird. Auch das sogenannte synthetische Benzin ist heute noch so teuer, dass auf lange Sicht das Naturprodukt unbedingt billiger ist. Die vielen Vorschläge, die in der Schweiz immer wieder gemacht werden, müssen daher mit allem Vorbehalt betrachtet werden, und ich möchte im folgenden zeigen, wie man die geringen "Benzlnmehgen so" rationell" als möglich verwerten kann. Zu diesem Zwecke muss auf die eigentliche Petroleumwirtschaft näher eingegangen werden, denn nur dadurch bekommt man ein wirkliches Bild des ganzen Problems. Als Unterlage für die hier folgenden Darlegungen dienen mir verschiedene Veröffentlichungen, die säch mit der Petroleum Wirtschaft befassen. Ich nenne u. a. « A Petroleum Handbock», herausgegeben von der « Shell Group », ferner die Zeitschrift « Refiner » und das « 1939 Process Hand Book » der Refinery Catalog Co., USA. Diese Veröffentlichungen sind bei den Petroleuminteressenten wohlbekannt, scheinen aber bei uns wenig verbreitet zu sein» so dass sehr oft falsche Ansichten des weltumspannenden Problems geäusert werden. Daneben benütze ich das ausgezeichnete «Industrial and Engineering Chemistry », die verbreitetste Fachschrift für chemische Industrie der Vereinigten Staaten Nordamerikas, die fortlaufend interessante Mitteilungen über das weitverzweigte Gebiet des Petroleums bringt. ) Unsere Holztestände •würden bei weitem nicht ausreichen, um den Automobilbetrieb auf die Dauer aufrechtzuerhalten. Die Weltproduktion an Rohpetroleum, dem Ausgangsmaterial für Automobilbenzin, betrug im Jahre 1937 rund 280 Millionen meterische Tonnen ä 1000 Kilogramm. Bei einem ungefähren Werte von 5 Dollar die Tonne ergibt sich daher ein Jahreswert von über 5600 Millionen Schweizerfranken, eine Summe, die so gross ist, dass der gewöhnliche Bürger sich kaum einen Begriff davon machen kann. Von dieser Menge erzeugen die USA rund 62%, Südamerika 16%, Russland und Rumänien 13% und Asien und Afrika 9%. Man kann, ohne einen grossen Fehler zu machen, annehmen, dass rund ein Drittel des ganzen geförderten Petroleums in Form von Automobilbenzin au! den Markt kommt. Fest steht, dass von dieser Menge die Vereinigten Staaten von Nordamerika 60% verbrauchen. Zu Beginn des «Automobilismus» verwendete man das sogenannte «Leichtbenzin», so, wie es bei der Destillation erhalten wurde, aber die Lage hat sich in Üem letzten Jahrzehnt vollkommen verändert. Es sind die •Amerikaner gewesen, die schon früh-Miaran gingen, den Wert des Benzins nach der Leistung im Automobil zu studieren, und sie waren es, die durch systematische Versuche gefunden haben, dass nur der eigentliche Fahrversuch uns ein wirkliches Bild vom Werte eines Betriebsstoffes geben kann. Zu diesem Zwecke wurden besonders «Standard-Motoren » konstruiert, an denen man die tatsächliche Leistung eines Benzins wenigstens angenähert feststellen kann. Derartige Maschinen kommen unter dem Namen C. F.R.-Engine (Co-operative Fuel Research) auf den Markt, so dass jedermann, der in diesen Fragen interessiert ist, durch eigene Versuche feststellen kann, ob ein gegebenes Benzin den Anforderungen entspricht, die man daran stellen muss. Es sei daran erinnert, dass die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt in Zürich einen derartigen Motor besitzt. Mit derartigen Standard-Maschinen kann man nun die verschiedenen Benzine vergleichen. Ferner kann man feststellen, inwieweit die Kompression von Benzindampf und Luftgemisch einen Einfluss auf die erzeugte motorische Energie hat. Es muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass diese Ver- Eine Kolonne russischer Panzerwagen, die den Finnen als Beute in die Hände fielen. Es handelt sich dabei um Kriegsmaterial, das der 44. russischen Division gehörte. suche nur vergleichenden Wert haben, indem z. B. ein Benzin, welches unter gewissen Bedingungen besser ist als ein anderes, unter andern Bedingungen (andere Kompression) wiederum schlechter sein kann. Man kann sagen, dass jeder Automobiltypus wieder andere Resultate ergibt, so dass die Konstrukteure darnach trachten, die Automobile den Brennstoffen so gut es geht anzupassen. Hier ist kein Stillstand möglich, und jedes Jahr bringt neue verbesserte Wagentypen heraus. Man hat sich darauf geeinigt, als Standardtyp eines Benzins das Isooctan (H 8 H 18 ) zu betrachten, welchem man die Leistung 100 zuerkennt. Damit Ist aber keineswegs gesagt, dass es nicht ohne weiteres möglich wäre, noch bessere Benzine zu fabrizieren, und in der Tat zielen alle Forschungen darauf hin, Benzine zu erzeugen, die eine möglichst hohe «Octanzahl» (eigentlich Isooctanzahl) haben. Ein Blick in die umfangreiche technische Literatur zeigt nun, dass auf dem Gebiete der Benzinforschung ausserordentlich viel geleistet wird, und die Fortschritte, die erzielt werden, sind erstaunlich. Während man, wie oben erwähnt, früher das Benzin so verwendete, wie es auf dem Destillierapparate erhalten wurde (Streightrum-Qasoline), so so ist das heute überhaupt nur noch in Ausnahmefällen der Fall. Auf Grund der durch die systematischen Studien erhaltenen Resultate werden die Benzine weitgehend gemischt, damit man den bestmöglichen motorischen Effekt bekommt. Es hat sich nun gezeigt, dass es meist überhaupt nicht möglich ist. aus den natürlichen Benzinen einen Motorbetriebsstoff zu gewinnen, der eine höhere Octanzahl als rund 70 aufweist, so dass hier die technische Chemie vor eine grosse und sehr interessante Aufgabe gestellt war. (Schluss Seite 2.) Die Kantone wollen von der Benzinsteuer nichts wissen. EIN KATEGORISCHES NEIN ZU DEN PLÄNEN DES EIDG. AMTES FÜR VERKEHR Am vergangenen Mittwoch versammelten eine Orientierung und Aussprache über die sich, wie in Nr. 7 der « A.-R.» angekündigt, Vorschläge des Eidg. Amtes für Verkehr zu die Vertreter der Kantone — in der Hauptsache handelte es sich dabei um die Finanz-, dete. einer Neuordnung der Automobilsteuern bil- Polizei- oder Baudirektoren — unter dem Was man beim Bund ins Auge fasst, ist, Vorsitz von Bundespräsident Pilet-Golaz zu wie unsere Leser bereits wissen, eine Kombination fester Fahrzeugsteuern mit einer Konferenz in Bern, deren Gegenstand einem F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 9. Fortsetzung Gerda Manz, die heute an ihrem Telephonschrank eine Fehlverbindüng nach der andern herstellt, sieht das Lämpchen aus dem Direktionszimmer aufglühen. Da sie vermeint, dass eine der Sekretärinnen darinnen zu tun hat, ruft sie, während sie den Hörer hebt und den Stecker bedient, dem vorübergehenden Ausläufer zu : « Eine Hitze ist das !... Bringen Sie mir doch ein Glas Wasser. > «Bitte, keine Privatgespräche während der Dienstzeit, Fräulein !» klingt's an Gerdas Ohr. « Hier Römer junior. Vertrete meinen Vater.» Noch mehr Fehlverbindungen und noch mehr Gesprächsunterbrechungen unter Gerdas sonst so flink stöpselnden Fingern. Der Sohn des Chefs wettert in seinem Büro, wundert sich, dass im Betrieb seines Vaters so strenge Zucht herrschen soll — er hat es längst vergessen, wer da in der Telephonzentrale sitzt, dass es das verheulte Mädchen von der Frühstücksterrasse ist, die er gleich nach des Vaters Fortgang mit ein paar beruhigenden Worten abgeschoben hat. Eine halbe Stunde später hatte es sich bereits im Fabrikgebäude herumgesprochen : der Sohn vom Alten ist im Bau ! « Kinder ! Schlüsse muss man ziehen können », raunt der junge Arbeiter, der mit Vorliebe Detektivgeschichten liest, seinem Nebenmann zu. « Das Herrchen sitzt im Büro nur sozusagen... als sein eigener „Geheimer" ! Um zu spionieren!... Um herauszukriegen, wer von uns das Geld geklaut hat! ... Wenn er klug wäre, würde er mich zur Hilfe heranziehen, ich habe Erfahrung in solchen Sachen ! > Ja. Es stimmt. Als „Geheimer" sitzt Hans Römer im väterlichen Büro. Um zu spionieren. Aber nicht um den flüchtigen Dieb geht es ihm — vielleicht will der Vater wirklich die Angelegenheit selber in die Hand nehmen, sich einen Sport daraus machen. — Um den Vater selber geht's ! Der entlaufen ist... der jedes Jahr entläuft! Wiederkehrt zwar, aber von Mal zu Mal in erregterem Zustand seinen selbstbestimmten und genau umgrenzten Urlaub antritt! Zum erstenmal erfüllt ihn des Vaters Handeln mit tiefer Besorgnis. Zu Hause sitzt die Mutter und" heult! Heult wie eine Frau, die ihren Mann auf einer Untreue ertappt hat. Worte fallen wie: « ... wegen irgend einer fremden Frau f» Hans kann es nicht begreifen, will es nicht glauben, dass sein Vater durch die Leidenschaft zu einer Frau zu solcher Pflichtvergessenheit getrieben wird. Seine eigenen kleinen Liebschaften, die er alle paar Weekends wechselt, sind immer wieder rasch vergessen. Nein — um eine Frau kann es sich nicht handeln — er war dem Vater zu gleich, er hätte es herausgespürt! Aber immerhin : irgend etwas bei Vater stimmte nicht! Das kam einem nicht so zum Bewusstsein, wenn der alte Herr anwesend war. Seine starke Persönlichkeit und die Suggestionskraft seiner Stimme und seines Blickes Hessen Gedanken anderer kaum aufkommen. Auch wenn der Vater fort war, hatte seine Wesensart noch lange im Sohn nachgewirkt. So kam es, dass die Mutter nie Trost finden konnte bei ihrem Sohne. Nur diesmal... diesmal, als Wanda schon gar nicht mehr auf einige Beruhigungsworte ihres Sohnes gehofft hatte, hatte Hans — kaum dass das fremde Mädchen nach einem scheuen «Also ich gehe jetzt...» verschwunden war — den Arm um der Mutter Schulter gelegt: « Hast recht, Mutter ! Hast ganz recht! Ist nicht schön, was Vater da tut... Passt nicht dir gegenüber, passt nicht der Fabrik gegenüber ! Uns Kindern gegenüber ! Der ganzen augenblicklichen Lage gegenüber.» Wanda Römer hatte ihre Wange dankbar auf des Sohnes Hand gelegt, ihre Tränen versiegten — sie war nicht mehr allein ! — Tage waren vergangen. Hans Römer hat das dumpfe Gefühl, dass sich das Rätsel- um den Vater irgendwie lösen würde, wenn er einige Wochen in das Leben des obersten Chefs eintrat, in das Leben, das sich zu zwei Dritteln im « Vulkan » abspielte. Er arbeitet sich verblüffend rasch ein, arbeitet dem Betriebsingenieur in die Hand, der als dritter Prokurainhaber in rein kaufmännischen Dingen nur die Unterschrift zu leisten hat. Das zu den Lohnzahlungen diesmal notwendig gewesene Geld war im letzten Augenblick von Karsten und Hans Römer gemeinsam von der Bank beschafft worden.