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E_1940_Zeitung_Nr.009

E_1940_Zeitung_Nr.009

BERN, Dienstag, 27. Februar 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5 , Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassen Versicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222• Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LOwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DU achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezlaltaril Inscratenschluss 4 Tage vgr Erscheinen der Nummer Woher der Benzinpreisaufschlag um 5 Rp. ? «In der Kürze liegt die Würze », mögen sich die zuständigen Bundesbehörden gesagt haben, als sie am Morgen des 12. Februar der Presse die Meldung übergaben, welche der Oeffentlichkeit kund und zu wissen tat, dass der Tankstellenpreis für das Benzin über Nacht auf 55 Rappen pro Liter erhöht worden sei. Nicht nur die Automobilisten, die unmittelbar Betroffenen, sondern auch, weitere Kreise fanden aber diese seltsame Art von «Würzigkeit» durchaus nicht nach ihrem Geschmack. Und man braucht sich bei der lapidaren Formulierung, wodurch sich das amtliche Commumique auszeichnet — es stellt schlicht und bieder und auf jede weitere Präzisierung verzichtend, lediglich die vollendete Tatsache der inzwischen erfolgten Verteuerung fest — man braucht sich unter diesen Umständen nicht zu wundern, wenn die Nachricht nicht nur Beunruhigung, sondern auch die Frage nach dem Warum hervornefl"Müss der mit Fiskallasten ohne- hin bis zum Uebermass gesegnete Motorfafirzeughalter schon einen weiteren Aufschlag auf dem Treibstoff in Kauf nehmen, dann besitzt er auch einen Anspruch darauf, zu erfahren, aus welchen Gründen er mehr berappen soll. In dieser Hinsicht jedoch gefiel man sich beim Eidg. Volskswirtschaftsdepartement in einer Verschwiegenheit, deren Hintergründe allerdings recht verschiedene Ausdeutungen zulassen. Dabei konnte es nicht ausbleiben, dass man sich im Volk draussen seine Gedanken machte und dass Vermutungen oder gar Behauptungen flaut wurden, die bei den Behörden einiges Kopfsehütteln erregt hätten. So etwa, wenn ein Organ der Tagespresse den Ausspruch tat, es handle sich bei der Benzinpreiserhöhung um eine willkürliche Massnahme des Fiskus, der Finanzverwaltung. Tatsache ist indessen, dass man auf dem Eidg. Finanzdepartement über die Absichten der Preiskontrolle genau so wenig unterrichtet war, wie bei den Automobilisten selbst. Der Verdacht, dass der Bund etwa die Gelegenheit benützt habe, um bei der Heraufsetzung des Tankstellenpreises eine Zollerhöhung mit einzuschmuggeln, entpuppt sich daher als unbegründet. Um die Dinge auf ihren richtigen Platz zu stellen, sei deshalb der Versuch unternommen, die Entwicklung der Benzinmarktpreise, wie sie sich seit dem Juni 1939 vollzogen, kurz zu skizzieren. Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Golfbenzin (aus überseeischen Produktionsgebieten) und dem rumänischen Benzin (Gonstanza-Ware). Beim Golfbenzin stellen die Seefrachten den wichtigsten Faktor der Verteuerung dar, sind sie doch um rund 47 Fr. per Tonne angestiegen. Auf dem Preise für die Ware, selbst hat sich die Haussetendenz in einer Erhöhung von 22 Fr. pro Tonne ausgewirkt. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen im weitern die Bahnfrachten, bei denen je eine Tonne ein Aufschlag um Fr. 12.50 für ausländische und 12 Fr. für inländische Frachtspesen zu registriern bleibt. Wie — höhere Inlandfrachten? Die Tarifansätze unserer Bahnen haben doch seit Juli 1939 keine Aenderung erfahren ? Das nicht, wohl aber stehen wir heute unter dem Zwang, den weitaus grössten Teil unseres Treibstoffes vom Süden her nach den Verbraucherzentren zu befördern. Und dass sich dieser Transport über den Gotthard kostspieliger gestaltet als jener von Basel her, das ist ein einfaches Rechenexempel. Vor dem Krieg kam ja der Hauptstrom unseres Benzins in Schleppkähnen den Rhein herauf nach Basel, wurde dort « umgeladen» und die Transporte auf dem Landweg beschränkten sich auf relativ kurze Distanzen, bis die Ware ihren Bestimmungsort erreichte. Hinzu gesellt sich aber noch ein weiteres, nicht ganz nebensächliches Element der Verteuerung : aus den Lagerspesen und einer Reihe anderer Kosten, die sich unter dem Sammeltitel «ausserordentliche Kriegskosten» gruppieren lassen, resultiert eine weitere Belastung pro Tonne Benzin um 10 Fr. Nicht genug damit läuft nebenher, als unmittelbare Folge des bewaffneten Konfliktes, noch ein ganzer Rattenkönig Meiner Einzelposten, wie Kriegsrisikoversicherung für die Ware zu Wasser und zu Lande, Umschlagspesen, Kesselwagenmiete usw., welche in ihrer Gesamtheit wacker mithelfen, die Preiskurve noch weiter in die Höhe zu treiben. Ziehen wir aus diesem Zahlenmosaik das Fazit, dann lautet es : Auf dem Gölibenzin ist selrjOnf ä 1939 eine Verteuerung um zirka 113 bis 118 Franken pro Tonne eingetreten. ^Auf den Liter umgerechnet entspricht das einer Preissteigerung um 8,3 bis 8,5 Rappen. Schärfer noch haben die Preise des rumänischen Benzins angezogen, nur dass dabei die Erhöbung eine etwas andere Struktur aufweist. Weitaus am stärksten fällt hier nämlich die Verteuerung der Ware selbst mit 104 Fr. pro Tonne seit Juni 1939 ins Gewicht (von 94 auf 198 Fr. im Jahre 1940), währenddem sie beim Golfbenzin, wie erwähnt, « nur» 22 Fr. ausmacht. Mit einer Steigerung um 25 Fr. pro Tonne hat auch die Seefracht, mit Einschluss der Kriegsrisikoversicherung für Schiffskörper und Mannschaft einen erklecklichen Sprung nach oben getan und für das Kriegsrisiko der Ware auf See müssen wir 4.50 bis 4.80 Fr. mehr bezahlen als Mitte vorigen Jahres. Die übrigen Posten hingegen decken sich ungefähr mit jenen für das Golfbenzin. Damit lässt sich die Verteuerung des rumänischen Treibstoffs mit Fr. 17.50 bis 18.— per Tonne oder, auf einen andern Nenner gebracht, mit 12,3 bis 12,5 Rp. pro Liter ermitteln. Unter Berücksichtigung der bisher aufgezählten Verteuerungsmomente kommt uns das Golfbenzin heute auf rund 50,5 Rappen per Liter zu stehen. Darüber hinaus gilt es aber noch, der inzwischen zum Ausgleich des Umsatzrückganges vorgenommenen Erhöhung der Pumpenkommission für die Tankstellenhalter um 1 Rappen und der Grosshandelsmarge um 0,75 Rappen pro Liter Rechnung zu tragen, womit sich der Preis des Golfbenzins auf ca. 52,3 Rappen stellt. Für das rumänische Benzin müssen wir unter Zugrundelegung der nämlichen Faktoren mit einem Warenpreis von 54,8 Rappen pro L. rechnen; schlägt man noch die Steigerung der Handelsspannen von zusammen 1,73 Rp. hinzu, dann ergibt sich hier ein Literpreis von ca. 56,6 Rappen. Nun bezieht die Schweiz Golf- und Constanza-Benzin im Verhältnis von rund 60 : 40 Prozent. Auf Grund dieser Proportion gelangt man zu einem durchschnittlichen Kostenbetrag von annähernd 54 Rappen per Liter. Und der Rappen, der noch übrig bleibt ? Er dient zur Abtragung des Kompensationskontos, das schon seit Monaten zu Ungunsten der Konsumenten mit einer 6—7- stelligen Ziffer überzogen war. ' ~ Dergestalt also bietet sich der Sachverhalt 4ar.' Einevobjektive Betrachtungsweise wird daher zugeben müssen, dass die Gründe auch dieser Preiserhöhung in Umständen lagen, auf welche die Schweiz keinen Einfluss auszuüben imstande ist. Natürlich aber schliesst das keineswegs aus, dass der neuerliche Aufschlag in wirtschaftlicher wie in militärischer Hinsicht, namentlich aber für das schwer um seine Existenz ringende Autogewerbe Perspektiven eröffnet, die ernste Befürchtungen und Besorgnisse auslösen müssen. Durch die Verteuerung werden die Steuererleichterungen, zu deren Gewährung sich ein Teil der Kantone, allerdings überwiegend in völlig unzureichendem Ausmass durchgerungen hat, wieder aufgehoben. Die Wirkung dieser bescheidenen Anläufe zu einer Entlastung und Anpassung an die geschmälerte Verwendungsmöglichkeit des Fahrzeugs zerrinnt in eitel Nichts, zum Schaden unserer Armee, des wirtschaftlichen Durchhaltevermögens und schliesslich auch des Fiskus. Die Oberalpstrasse erstmals im Winter geöffnet! In dieser Nummer: Der Schweiz. Aiitomobil- Aussenhandel. Armeetaugliche Lastwagen. Inventur der Rekorde. Ein wirkliches Entgegenkommen der Kantone ist deshalb unabweisbares Gebot. Mit Halbheiten und Palliativmittelchen überwinden wir die drohende Gefahr nicht. Freilich, es wäre gerade im gegenwärtigen Moment staatspolitisch unklug, ja untragbar, den Kantonen allein ein Opfer zuzumuten. Auch der Bund muss mithelfen, schon deswegen, weil die eine der Folgen der 32prozentige Benzinverteuerung — die Verstärkung des Anreizes zur Stillegung der Fahrzeuge — seine eigene Interessensphäre oder genauer ausgedrückt jene der Armee unmittelbar berührt. Und zwar sehr stark. \ Nun, wenn der Bund nach der Abwertung eine Million bereitstellen konnte, um die nachteiligen Auswirkungen seiner Massnahme auf den Benzinpreis zu unterbinden und aufzufangen, dann darf er sich heute der Pflicht, durch eine Senkung der Benzin« und Fahrzeugzölle zur Wiederbelebung des motorisierten Strassenverkehrs beizutragen und begangene Sünden wenigstens teilweise gutzumachen, um so weniger entziehen, als jetzt Dinge von so vitaler Bedeutung wie die Landesverteidigung auf dem Spiel stehen. Geht er mit dem Beispiel voran und anerkennt er durch eine Reduktion der Zölle das Automobil als einen unentbehrlichen Helfer von Heer und Wirtschaft, dann schafft er damit für die Kantone einen Ansporn, auch ihrerseits zu der heute mehr denn je notwendigen steuerlichen Entlastung Hand zu bieten. Der Möbilwationszustand der Schweizer Armee erfordert aas strategiechen Gründen die jederzeitige Befahrbarkeit wichtiger Verkehrsstrassen. Aus diesem Grunde wurde die Oberalpstrasse, die in vergangenpn Jahren während des Winters für jeglichen Verkehr unpassierbar war, von den Schneemaesen freigemacht. Eine leistungsfähige Schneeschleudermaschine sorgt für die Befahr arkeit durch jeweilige Wegräumung der gewaltigen Schneemassen. Wir zeigen links die Schneeschleudermaschine in voller Aktion beim Oberalpsee. Der Grössenvergleich der Maschine mit den Schneemassen vermittelt einen Begriff von den grossen Schneemengen, die jeweils wegzuräumen sind. Rechts: An lawinengefährdeten Stellen der Strasse sind Schneetunnels errichtet worden, welche allfällige niederstürzende Schneemaseen über die Strasee leiten sollen. Photopress VI Br. 0993.