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E_1940_Zeitung_Nr.009

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m AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 27. FEBRUAR 1940 — N»9 Einfluss des jungen Polen und seiner Mitverschworenen. Zwar war die moralische Seite der Angelegenheit der Zarin gleichgültig, aber die politischen Intrigen der Freunde Katharinas reizten sie doch so sehr, dass Poniatowski eines Tages den Befehl erhielt, Russland sofort zu verlassen. Aber noch übte Bestuscheff seinen ganzen Einfluss auf die Zarin aus, und er erwirkte, dass der junge Pole drei Monate später im Gefolge des Königs August III. von Polen und Kurfürsten von Sachsen mit dem Range eines Gesandten nach Russland zurückkehrte. Schon um diese Zeit bestand die Absicht, im Falle des Todes der Zarin den jungen Grossfürsten Paul zum Zaren unter der Regentschaft Katharinas auszurufen. Diese Intrigen führten 1758 zur Verhaftung Bestuscheffs und zu seiner Verbannung nach Sibirien. Katharina hatte die Geistesgegenwart, alle kompromittierenden Papiere zu vernichten, aber sie wusste, welch gefährliches Spiel sie getrieben hatte. Wochenlang durfte sie nicht vor der Zarin erscheinen. Zweifellos war der Gedanke Bestuscheffs, den verrückten Grossfürsten Peter vom Throne auszuschalten, richtig. Die intelligente und kultivierte Katharina würde gewiss für Russland eine würdigere Herrscherin sein. Die Verhältnisse, die sich jetzt am russischen Hofe entwickelten, waren selbst für russische Begriffe unhaltbar. Die Zarin Elisabeth fiel von einem Extrem ins ändere. Entweder lag sie stundenlang vor den Heiligenbildern, oder sie huldigte masslosen Ausschweifungen. Oft musste man sie nach sinnlosen Exzessen betrunken ins Bett bringen, und sie duldete nicht einmal, dass man sie entkleidete. Wie stellte sich nun der Grossfürst Peter zu dem Verhältnis, das seine Gattin zu Poniatowski unterhielt? Er bildete sich plötzlich ein, dass durch diese Beziehungen sein Leben bedroht sei. Als Poniatowski eines Morgens in der Frühe den Schlossflügel verliess, in dem Katharina wohnte, wurde er von einer Abteilung Soldaten verhaftet. Man führte ihn vor den Grossfürsten Peter. Auf die Fragen des Gatten Katharinas antwortete Poniatowski sehr geschickt, und nachdem dieser den Eindruck gewonnen hatte, dass tatsächlich nur die Liebe die Zusammenkünfte des jungen Polen mit seiner Frau bestimmte, Hess er ihn frei, denn dieses Verhältnis störte ihn nicht im mindesten. Aber Poniatowski zog aus dieser Verhaftung eine Lehre. Er suchte nun — die Freundschaft Peters. Und wie erlangte er diese? Indem er sich der Geliebten des Grossfürsten, Elisabeth Woronzoff, näherte, die stolz war, dass ein so grosser Mann ihre Protektion suchte. «Bist du nicht ein grosser Dummkopf, dass du so lange gezögert hast, mich zum Vertrauten zu machen?» fragte Peter den Polen, als ihm dieser seine Aufwartung machte. Am meisten gefiel es ihm, dass Poniatowski seine Soldaten gelobt hatte, die bei seiner Verhaftung so grosse «Geschicklichkeit» gezeigt hatten, wie er sich ausdrückte. «Da wir nun gute Freunde sind», rief er aus, «so fehlt nur noch jemand.» — «Und darauf», erzählt Poniatowski selbst, «begab er sich rasch in das Zimmer seiner Frau, zerrte sie aus dem Bett, Hess ihr nicht einmal Zeit, sich Strümpfe und Schuhe anzuziehen oder einen Morgenrock überzuwerfen. Im Nachtgewand führte er sie mit den Worten herein: «Nun, da ist sie. Ich hoffe, ihr seid zufrieden mit mir.» Vorher hatte er noch zu seinem neuen Freund gesagt: «Bleiben Sie doch, essen Sie zu Nacht mit mir. Sie wissen ja, ich habe auch eine Geliebte.» Darauf blieben alle vier in der grössten Fröhlichkeit zusammen. Es wurde vier Uhr morgens, als man sich trennte. So ging es viele Wochen lang fort. Die bizarren Gewohnheiten Peters, seine wüsten Gelage Es gibt Kindheitseindrücke, die man nicht vergisst, obwohl es sich sehr oft nur um Belanglosigkeiten handelt. Ich weiss aber noch ganz genau aus meinen Kindertagen die «Katastrophe mit dem fliegenden Schwan>l Es war auf dem sogenannten Familientag bei meiner Grossmutter. Jede Woche einmal fand er statt, und immer gab es etwas besonders Gutes zu essen. Aber das imponierte uns Kindern nicht am meisten — viel wichtiger war das Rätselraten um die Servietten. Grossmutters altes Mädchen, Emilie, war nämlich eine wahre Künstlerin im Serviettenfalten. Was gab es da nicht alles zu sehen: Bischofmützen, Fächer, «das versteckte Brötchen», die Rose usw. Und eines Tages hatte sich Emilie die unendliche Mühe gemacht, einen «fliegenden Schwan» zu modellieren. Das schön gemusterte Leinen der Servietten war in tausend Fältchen gelegt, in anatomischer Unmöglichkeit ragten Flügel nach zwei Seiten, dpr Schwanenhals, auf den Emilie so stolz war, sah aus wie eine gestopfte Wurst I Mein Vater wagte dies laut zu sagen. Emilie wurde böse — der Familientag endete äusserst ungemütlich. Und alles wegen des «fliegenden Schwanes» auf dem Teller. Seit diesem Tag hatte ich mir geschworen, meine Servietten nicht in künstliche Formen zu pressen, die mit dem Zweck des Gegenstandes ja gar nichts zu tun haben. Heute ist man Gort sei Dank etwas abgekommen von dem konstruierten Serviettenfalten, das Leinen oder das schöne Kunstseidengewebe wird nicht mehr in tausend Fältchen gelegt und zerknittert. Die Kultur des Tischdekkens hat sich dem allgemeinen Geschmack angepasst. Hochaufgebaute Tafelaufsätze, die einem den Blick auf das Gegenüber versperren, kennt man nicht mehr; an ihre Stelle ist die flache Blumenschale getreten. Reizend sind auch die kleinen Blumenbehälter, die vor jedes Gedeck gestellt werden, so dass jeder Gast seine eigene Blumendekoration hat. nahmen immer mehr zu. Er betrank sich oft in so unsiniger Weise, dass er nicht mehr stehen konnte. Trotzdem hätte man es am Hofe für einen unmöglichen Bruch der Tradition gehalten, wenn Katharina etwa auf den Gedanken gekommen wäre, getrennte Schlafzimmer zu verlangen. Ende des Jahres 1758 brachte die Grossfürstin wieder ein Kind, diesmal ein Mädchen, zur Welt. Niemand machte ein Geheimnis daraus, dass Poniatowski der Vater sei. In seiner dummen Art platzte Peter bei Tisch vor allen Leuten in die Worte heraus! «Weiss der Himmel, wo sie die Kinder hernimmt? Ich habe keine Ahnung, dass dieses Kind das meinige ist.» Dieser Ausspruch wurde der Grossfürstin hinterbracht, und sie schickte jemand zu Peter, der diesem mitteilte, Katharina könne unter Eid versichern, dass das Neugeborene sein Kind sei. Als die kleine Prinzessin zur Welt kam, hatte Peter noch in anderer Weise sein bizarres Wesen gezeigt. In der Nacht fühlte Katharina die ersten Wehen. Der Grossfürst, den man benachrichtigt hatte, zog sofort seine Galauniform an und erschien mit einem ungeheuren Säbel bewaffnet am Bette Katharinas. Er war so betrunken, dass et sich kaum auf den Beinen halten konnte. Als Katharina ihn fragte, was dieser seltsame Aufzug zu bedeuten habe, da antwortete er, nur bei solchen Gelegenheiten erkenne man seine wahren Freunde. In dieser Kleidung sei er bereit, das grossfürstliche Haus gegen alle seine Feinde zu verteidigen. Und da er seine Frau allein glaubte, wäre er zu ihrer Hilfe herbeigeeilt. Trotz allem wurde Katharina von der Zarin dauernd überwacht. Aber sie verstand es, allen Wächtern ein Schnippchen zu schlagen. Mit Hilfe von Wandschirmen Hatte sie sich in ihrem Schlafzimmer ein Kabinett geschaffen. Hier empfing sie die Gäste, die von anderen nicht gesehen werden sollten, und in diesem künstlich geschaffenen Zimmer hielt sie ihre lustigen Gesellschaften. Nirgends amüsierte man sich besser als bei der Grossfürstin. Sie lag meist im Bett, konnte aber durch einen zurückgezogenen Vorhang und einen beiseitegeschobenen Wandschirm von ihrem Lager aus die ganze Gesellschaft ausgezeichnet unterhalten. Wurde ein Hofbeamter gemeldet, der kam, um zu spionieren, so Hess sie schnell den Vorhang zuziehen und die Wand vorschieben. Ihre Gesellschaft verhielt sich einen Augenblick ruhig, und der Betreffende verliess die Grossfürstin in der festen Ueberzeugung, sie allein gefunden zu haben. Sobald er aber fort war, feierte die fröhliche Tafelrunde weiter. Katharina erklärte ihrem Diener, sie habe einen Hunger für vier. Sie Hess sich ungeheure Platten Fleisch, Früchte und allerlei Leckerbissen bringen und bot sie ihren Gästen an. Auch für Poniatowski schlug eines Tages die Stunde des Abschieds. Er musste sich an den Hof von Warschau begeben. Katharina Hess ihn nicht einmal ungern gehen; sie liebte die Abwechslung. Aber sie vergass ihn nicht. Als er wieder nach Russland zurückkehrte, zierte die polnische Königkrone sein Haupt. Er verdankte sie Katharina. Peter III, wurde am 18. Juli 1762 ermordet. Als Katharina diese Nachricht vernahm, zeigte sie sich als vollendete Schauspielerin. Sie spielte vor dem Hofe die schmerzgebeugte Frau. Der Leichnam Peters wurde in das Alexander-Newskikloster überführt, wo sein Grab bald in Vergessenheit;;geriet. Erst der Sohn, Zar Paul I„ der seine Mutter tödlich hasste, zog nach Katharinas Tod die Gebeine seines Vaters hervor. Er Hess den toten Kaiser krönen und ihm die gleichen Ehren erweisen wie der eben verstorbenen Kaiserin. Und gleichsam wie zum Hohne, Hess er beide Seite an Seite bestatten, als habe sie nie etwas im Leben getrennt. Ein „fliegender Schwan" auf dem Teller Soll man künstliche Blumen zur Tafeldekoration nehmen? Diese Frage wird jetzt aktuell. Es gibt reizende Tafeldekorationen aus Porzellan in Form von B|umen — und doch sollte man nach Möglichkeit frische Blumen vorziehen. Wie eng darf man die Teller stellen? Diese Frage bereitet jungen Hausfrauen, die zum ersten Male Gäste haben, oft etwas Kopfzerbrechen. Man rechnet im Durchschnitt 70 Zentimeter Zwischenraum zwischen den einzelnen Gedecken. Schöner ist es natürlich, wenn man mehr Platz hat, aber in den Neubauwohnungen ist der Platz die grösste Kostbarkeit. Nicht ist ungemütlicher für die Gäste als ein zu enges Sitzen; während des Essens darf man den Nachbarn nicht mit dem Ellbogen berühren, ausserdem muss zum Servieren genügend Platz sein. Dass alle Speisen immer von links angeboten werden, weiss wohl jeder, gebrauchte Teller werden von rechts förtgenommen. Serviert man. einen Auflauf, so vergesse man nie, um die Auflaufschüssel ejne Serviette oder — wenn man es hat — einen aus Stoff angefertigten Umschlag zu binden. Für die Servierende ist dies eine grosse Erleichterung, und die Gäste verbrennen sich -nicht. Wer giesst die Getränke ein? Diese nützliche Tätigkeit überlasse man dem Hausherrn I Es sieht nicht hübsch aus, wann die Hausfrau mit der Weinflasche herumwandert. Immer wird von rechts eingegossen I Die Speisen nett auszurichten, kostet nicht mehr — und wird dankbar empfunden. Es schmeckt allen besser, wenn man merkt, dass die Hausfrau sich Mühe gegeben hat, auch äusserlich der Tafel ein festliches Gepräge zu geben. Dabei soll man aber nicht in den Fehler verfallen, die Speisen auf alle mögliche Arten zu «frisieren»; dies ist genau so unsinnig wie der «fliegende Schwan», Norwegens grösster Kriminalfall, Die mysteriöse Geisterbeschwörung von Kristianssand Geheimnisvoller Tod und — Happy End. Eine Hochzeit die jetzt in Oslo, der Hauptstadt Norwegens, stattfand, setzt den Schlussstrich Unter den sensationellsten Kriminalfall der letzten Jahre, der bis heute weder von Kriminalisten, noch von Psychologen und Okkultisten gelöst werden konnte. Ingeborg Koeber-Dahl, ein berühmtes Medium, heiratete den Rechtsanwalt Segelcke, einen der bekanntesten Advokaten der norwegischen Hauptstadt. Sie war beschuldigt worden, den Tod ihres Vaters, des Bürgermeisters Ludwig Dahl, verschuldet zu haben. Segelcke verteidigte sie, und sie wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Geister sagen den Tod voraas. Im Sommer 1934 starb der Bürgermeister der kleinen norwegischen Stadt Kristianssand. Er ertrank beim Baden im Fjord, an derselben Stelle, an der sein Sohn Ludwig 15 Jahre vorher ertrunken war. Seine Tochter Ingeborg, eine geschiedene Frau Koeber, die zugegen war, machte sofort Wiederbelebungsversuche. Sie waren umsonst: Der Bürgermeister war tot. Bürgermeister Dahl, der ein weltbekannter Okkultist war, hatte verschiedene Werke über transzendentale Dinge geschriben, die das Leben nach dem Tode zum Vorwurf hatten. Mit seinen beiden Jungen, Ludwig und Ragnar, die er früh verloren hatte, war er in ständiger Geisterverbindung. In dem Hause des Bürgermeisters wurden regelmässig spiritistische Sitzungen abgehalten, und Ingeborg Koeber, als Medium, vermittelte die Verbindung mit den Geistern. Trotz der ständigen spiritistischen Seancen im Hause Dahls war die Atmosphäre dort weder geheimnisvoll, noch krankhaft. Die Familie lebte außerordentlich glücklich, und Geisterbeschwörungen hatten keinen Schrecken für sie. Im Orte selbst war Bürgermeister Dahl geachtet und geehrt. Unmittelbar nach dem Tode des Bürgermeisters erklärte Gustav Apenes, sein Nachfolger und ebenfalls ein begeisterter Anhänger des Spiritismus, dass die Geister Dahls Tod vorausgesagt hätten. Ingeborg Koeber, das Medium, hatte vor vielen Monaten eine Botschaft ihres Bruders Ragnar verkündet, dass ihr Vater binnen einem Jahre, jedoch nicht vor dem Juni 1934, sterben würde. Dahl kannte diese Botschaft nicht, da er bei dieser Sceance nicht zugegen gewesen war; Ingeborg selbst wusste nichts von der übermittelten Botschaft, da sie sie im Trancezustand vermittelt hatte. Apenes war der einzige Zeuge. Die versiegelte Botschaft. Gleichzeitig mit dieser grausigen Voraussage hatte der Geist Ragnars verkündet, dass sich in Händen einer Frau Stolt-Nielsen eine versiegelte Botschaft befände. Sie solle nach des Vaters Tod gelesen werden. Frau Stolt-Nielsen, Ingeborgs Freundin, besass tatsächlich einen solchen versiegelten Briefumschlag. Nach ihren Aussagen waf er ihr in einer anderen Sceance durch den Geist ihrer toten Tochter übergeben worden. Sie hatte, aus Respekt vor den Geistern, den Umschlag nie geöffnet; nach dem Tode des Bürgermeisters jedoch wurde er geöffnet. Er enthielt die Worte: «Bürgermeister Ludwig Dahl wird durch einen Unfall im August 1934 sterben.» Die Spiritisten der ganzen Welt waren zutiefst beeinflusst durch diese Botschaft; die Skeptiker jedoch begannen Nachforschungen anzustellen. Tod hat keinen Schrecken. Da Bürgermeister Dahl ein ausgezeichneter Schwimmer gewesen war und kerngesund, war der Unfall noch unverständlicher. Die Psychologen meinten, dass er Kenntnis gehabt haben musste von der Todesbotschaft, und sich das Leben genommen habe, um ihre Wahrheit zu beweisen. Andere meinten, dass er unter dem hypnotischen Einflüsse seiner Tochter gestanden habe. Ingeborg Koeber, die die Botschaft vermittelte, mochte gewollt haben, dass ihr Vater starb. In diesem Hause, in dem man fast täglich mit den Geistern der Toten sprach, hatte der Tod keinen Schrecken. Diese Theorie, den Vater zum Selbstmord veranlasst zu haben, veranlasste einen Vetter des Verstorbenen, den Richter am Hohen Gerichtshof, Bonnevie, Anklage gegen Ingeborg Koeber wegen «Tod durch hypnotischen Einfluss» zu erheben. Richter Bonnevie wollte den Fall klären. Ein tragisches Mysterium wird ein sensationeller Kriminalfall. Die Untersuchung brachte heraus, dass Dahl, dessen Ehrenhaftigkeit unantastbar gewesen war, vielleicht durch Ueberlastung mit okkulten Dingen, seinen Pflichten als Bürgermeister nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hatte. In der städtischen Kasse fehlten 60 000 Kronen; die Frau des Bürgermeisters gestand, dass sie von dem Fehlbetrag gewusst hatte. Dies bestärkte die Selbstmordtheorie und die Theorie des hypnotischen Einflusses. Diese Nachricht verursachte, vor allen Dingen in den spiritistischen Zirkeln Skandinaviens, eine ungeheure Erregung. Die Achtung der Spiritisten für den toten Freund war so gross, trotz dieser ungeheuerlichen Entdeckung, dass sie eine Sammlung veranstalteten, um unter sich die fehlenden 60 000 Kronen aufzubringen und den Fehlbetrag deckten, um den guten Namen Dahls wieder herzustellen. Die Lebensversicherung. Die zweite Sensation war die Aussage der Vertreter der Lebensversicherungsgesellschaft, bei der Dahl versichert war. Gegen niedrige Prämien war die Versicherungssumme verhältnismässig riesengross; jedoch enthielt die Versicherung die Klausel, dass die grosse Summe nur ausgezahlt würde, wenn Dahl vor dem 15. August 1934 stürbe. Nach diesem Datum würden die Erben keine Zahlung empfangen. Die Art dieser Lebensversicherung, die in angelsächsischen Ländern vielfach abgeschlossen wird, war in Skandinavien eine Seltenheit. Seit dem Fall Dahl ist sie durch die norwegische Regierung verboten worden. Dahl starb am 5. August. Geld, für das er verantwortlich war, fehlte; sein guter Name war in Gefahr. Seine Frau war unterrichtet. In einer Geistersitzung war eine Botschaft seines toten Sohnes gekommen, die Dahls Tod voraussagte. Es wurde vorausgesetzt, dass Frau Ingeborg Koeber und ihre Freundin Frau Stolt-Nielsen, unwissend waren;' aber durch sie waren die beiden Botschaften im Trance übermittelt worden. Zu viel Geheimtiis für die Polizei. Ingeborg und ihre Mutter wurden verhaftet, und der sensationellste Kriminalfall Norwegens, ja ganz Skandinaviens, begann. Die grössten Psychiater Nqrwegens, die Professoren Scharffenberg f Vogt und Harbitz gaben vor Gericht .ihr Urteil über «psychischen Mord» ab. Experten, Psychologen, Juristen aus der ganzen Welt wurden vernommen. Leben nach dem Tode. Die beiden Angeklagten, Mutter und Tochter, beteuerten ihre Unschuld. Alles, was sie getan hatten, war im guten Glauben geschehen. Aber Richter Bonnevie Hess nicht locker. Und er hatte einen gleichwertigen Gegner in dem Anwalt Ihgeborg Koebers, Segelcke. Bonnevie brachte die Lebensversicherung und die fehlenden 60 000 Kronen zur Sprache, die er als Todesgrund betrachtete. Sehr gut könnte die Ursache des Todes hypnotischer Befehl dazu gewesen sein. Rechtsanwalt Segelcke, einer der besten Anwälte Oslos, verteidigte Ingeborg hervorragend. Er erklärtet dass sie als bewusstloses Medium Botschaften aus dem Jenseits verkündet hatte, und dass er überzeugt sei, dass es ein Leben im Jenseits nach dem Tode gäbe, genau wie es möglich wäre, dass der tote Sohn des Bürgermeisters den Tod des Vaters durch das Medium voraugesagt habe... Die Anklage wurde schliesslich fallen gelassen. Eine Woche später verübte Frau Dahl Selbstmord. Wieder untersuchte die Polizei, ohne Spuren zu finden. Es schien, als ob Frau Dahl ihrem Manne ins Jenseits gefolgt wäre. Happy End nach drei Jahren. Der grösste Kriminalfall Norwegens blieb ein Geheimnis. Drei Jahre sind seit jenen aufregenden Tagen vergangen, und Dahls Tod ist in Vergessenheit geraten. Bis vor kurzem durch Ankündigung der Hochzeit Segelckes mit seiner ehemaligen Klientin Ingebord Koeber den ganzen geheimnisvollen Fall wieder ins Gedächtnis zurückrief. Und die öffentliche Meinung Norwegens betrachtet diese Heirat als letzten Beweis der Unschuld Ingeborg Koebers am Tode ihres Vaters. Rr.

JJO 9 _ DIENSTAG, 27. FEBRUAR 1940 AUTOMOBIL-REVUE HÜ WFI Tr, FSr HFHF 1¥ Führende Köpfe der Flugzeugindustrie Robert Blackbnrn Unter den britischen Gästen, die bis zum Flugmeeting beizuwohnen. Es sollte zum Ausbruch des Krieges jeden Winter die Ski-Wendepunkhänge seines Lebens werden. Nach wenigen der Kleinen Scheidegg und des Männ- lichen belebten, konnte man seit über zehn Augenblicken hatte ihn das Flugfieberlichen gepackt und bis zum Ende des viertägigen Jahren regelmässig einen hochgewachsenen Meetings auf dem Platz festgehalten. Was und schlanken Gentleman bemerken, auf dessen etwas eigenwillig geprägtem Gesicht die seine Stelle verlor? Er hatte seinen Lebens- kümmerte er sich darum, • dass er dadurch Freude am eleganten Schwung der Bretter und beruf gefunden. Innert Monatsfrist waren die der sonnendurchwärmten Bergluft unmissverständlich geschrieben stand. Der englische All- Blackburn kehrte nach Leeds zurück, wo er Pläne für eine Eigenkonstruktion beendet; tag mit seinem Nebel schien so sehr aus sei-inem Denken ausgeschaltet, dass man ihn dar- die Bezeichnung «Schopf» verdiente, mit Un- einer kleinen, leeren Kleiderfabrik, die eher über nie sprechen hörte. Nur so lässt sich erklären, dass es fünf oder sechs Jahre dauerte, Ausführung ging. Der erste Flugversuch terstützung von zwei Mechanikern an deren bis die Grindelwaldner über ihn mehr erfuhren als seinen Namen. Doch erst der Beginn Das Flugzeug, das mit einem brachte allerdings eine herbe Enttäuschung. 35-PS-Green- Dcr Sturzbomber Blackburn «Skua», der sowohl für die Küstenverteidigung als auch auf Flugzeugmutterschiffen verwendet wird. Er ist, als Skua I, mit einem 840 PS Bristol-Mercury IX, als Skua II mit einem 905 PS Bristol-Perseus XII - Motor ausgerüstet, erreicht eine Fluggeschwindigkeit von 400—420 km/St, und kann 600 kg Bomben mit sich führen. Während des Fluges werden die Räder in die Flügel eingelassen, um den Luftwiderstand zu vermindern. Eine besondere Vorrichtung ermöglicht, die Sturzgeschwindigkeit im Moment der Bombenabgabe fast augenblicklich um etwa 200 km/St, zu vermindern, wodurch erreicht wird, dass sich die Bombe vom Flugzeug in jedem Fall löst und die Zentrifugalwirkung beim Auffangen des Apparates etwas verringert wird. Die Besatzung beträgt zwei Mann. — Das Jagdflugzeug Blackburn «Roc» ist aus der «Skua» entwickelt worden und unterscheidet sich von dieser durch einen Geschützturm, der im hintern Teil der Kabine eingebaut ist und ermöglicht, sowohl nach oben wie nach unten zu schiessen. — Die britische Kriegsführung scheint in den Apparat sehr grosse Erwartungen zu stellen, da sie seine Leistungen — Maximalgeschwindigkeit, rationellste Flughöhe, Maximalflugdauer usw. — offiziell nie bekanntgegeben hat. Der Blackburn «Shark» ist bereits älteren Datums und stellt die Weiterentwicklung eines Mehrzweckflugzeuges dar. Seine Hauptaufgabe besteht im Abwurf von Torpedos von ca. 700 kg Gewicht. Dieser Doppeldecker ist durch verschiedene ausländische Regierungen für die Küstenverteidigung angekauft worden; er kann sowohl mit Rädern wie auch mit Schwimmern ausgerüstet werden. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt ca. 250 km/St. der Feindseligkeiten und der dadurch bedingte fieberhafte Ausbau der englischen Luftwaffe hat ihn auch bei uns ins Lampenlicht der Oeffentlichkeit gerückt. Es ist der führende Kopf der Blackburn Aircraft, einer der Hauptlieferanten von Flugzeugen für die britische Marine. In der britischen Seekriegsführung spielt ..das Flugzeug eine besonders grosse Rolle. Es soll nicht nur den eigenen Luftraum vor feindlichen Einbrüchen bewahren und gegnerische Stützpunkte angreifen, sondern auch auf dem offenen Meer gegen Flugzeuge, Ueberwasser- Schiffe und Unterseeboote operieren. — Dieser Aufgabenkreis bestimmt das Produktionsprogramm der Blackburn Aircraft: Die serienweise Herstellung eines Jagdflugzeuges «Roc», eines Sturzbombers « Skua» und eines Aufklärungs- und Torpedotyps «Shark», Robert Blackburn hat von der Picke auf gedient. Als Sohn des Direktors der Firma T. Green & Sons, der Hersteller der Rasenmäher, hatte er Maschinentechnik studiert, 1906 seine Diplomprüfung bestanden, war darauf Vertreter der väterlichen Firma in Deutschland gewesen und 1908 Direktor einer kleinen Maschinenfabrik in Frankreich geworden. Als solcher war er eines Tages aus lauter Neugierde nach Issy hinaus gepilgert, um einem Robert Blackburn im Berner Oberland. Motor ausgerüstet war und sich am besten als «Dreiradwagen mit angeflanschten Flügeln und Steuerelementen» charakterisierte, erhob sich zwar vom Boden, sackte jedoch seitwärts ab und wurde zerstört. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, dass die Begeisterung Robert Blackburns für die Fliegerei keineswegs ein Strohfeuer war, sonder die typische Zähigkeit des wirklichen Pioniers in sich schloss. Mit doppeltem Eifer machte sich Blackburn hinter neue Pläne. Es entstand die «Antoinette» mit einem 50-PS- Isaacson-Stern-Motor, die sich in der Praxis sehr gut bewährte, bis sie im Mai 1911 ebenfalls in die Brüche ging. Die gesammelten Erfahrungen ermöglichten jedoch die Herstellung und den Verkauf weiterer Exemplare des gleichen Modells, die im Laufe von Land- und Kanalflügen, so über dem Bristol-Channel, ihre praktische Verwendbarkeit bewiesen. Bereits Ende 1911 entstand das erste Kriegsflugzeug, das mit Ausnahme der Flügelbespannung vollständig aus Metall hergestellt war. Während einerseits der Bau von Sport- und Meetingsmaschinen für die Deckung der bereits beträchtlichen Ausgaben sorgte, wurden die Forschungen und Versuche mit den Militärtypen fortgesetzt und führten endlich im Mai 1914 zur ersten kleinen Bestellung seitens des Kriegsministeriums. Seit jener Zeit ist die Blackburn-Organisation ständig Lieferantin der britischen Armee und Flotte geblieben. Vom gleichen Zeitpunkt weg datiert die hauptsächliche Orientierung des Unternehmens nach dem LKüstenabwehrflugzeug hin, wenn auch die Herstellung von Land- und vor allem von Sport- •tnaschinen sozusagen nie unterbrachen wurde. " I Der'*'Ap'parat, dessen Anschaffung das Kriegsministerium beschlossen hatte, war ein Aufklärungsflugzeug mit einem 130-PS-Salmson- Motor. — Die Bestellung ermöglichte eine Erhöhung des Personalbestandes auf 20 Mann. Der Ausbruch des Weltkrieges mit der sprunghaft zunehmenden Bedeutung der Kriegsfliegerei brachte der Firma einen unvorhergesehenen Aufschwung. Bereits Ende Juli 1914 wurde sie in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 20 000 Pfund umgewandelt; gegen Ende des Jahres erfolgte die Uebersiedlung in grössere Lokalitäten, in denen nacheinander das Modell TB (ursprünglich zum Abwurf von Pfeilen bestimmt), der zweimotorige GP, dann das einsitzige Kampfflugboot NIB, der Torpedoträger «Blackburd», die Modelle «Cuckoo» und «Kangaroo» geschaffen, von welch letzterem einige Exemplare bis 1929 als Trainingsapparate in Gebrauch standen. Mit dem Ende der Feindseligkeiten musste •der ganze Betrieb auf die naturgemäss sehr beschränkten Möglichkeiten der Nachkriegsjahre umgestellt werden. Zwar blieb die frühere Orientierung nach den Küstenschutzflugzeugen hin bestehen, doch wurde daneben auch der Bau von Zivilflugzeugen gefördert, unter denen das Modell «Bluebird» zu den bekanntesten gehört und das, drei- oder viermal verbessert, unzählige Wettbewerbe gewann. Auch Flugboote wurden konstruiert wie z. B. der dreimotorige «Iris», mit dem Sir Philips Sassoon seine bekannte Reise nach Indien und zurück unternahm, usw. Die gewaltige Ausbreitung des Flugwesens und das Interesse, das sich überall für bewährte Konstruktionen zeigte, ermöglichte der Blackburn Aircraft bereits 1926, 1500 Arbeiter zu beschäftigen. Es verstand sich eigentlich von selbst, dass der leitende Kopf sich unter diesen Umständen weniger konstruktiven als organisatorischen Problemen widmen musste, sind doch in solchen Unternehmungen die technischen Fragen eher leichter zu lösen als solche persönlicher und damit organisatorischer Art. Die Aufnahme der Cirrus-Motorenfabrik in den Konzern, die Erweiterung und Dezentralisation der Werke, die Spezialisierung der einzelnen Flugzeugtypen auf ganz bestimmte Aufgaben, brachte Probleme mit sich, deren Lösung keine dauernde Beschäftigung mit Konstruktionsfragen mehr erlaubte. Im Schweizer H. J. Stieger, dem seinerzeitigen Konstrukteur des Monospar, fand er übrigens einen Mitarbeiter, dem er die Leitung der Forschungsabteilung anvertrauen konnte und der ihn von der Sorge um die technische Weiterentwicklung seiner Modelle entlastete. Welche Ausdehnung das Blackburn-Unternehmen heute hat, ist nur wenigen Eingeweihten bekannt. Wie die gesamte Flugindustrie steht es unter staatlicher Kontrolle, wird aber natürlich nach wie vor von dem nun bald sechzigjährigen Robert Blackburn geleitet. Die Ereignisse erlauben dem Freund der Berner Oberlandes nicht, auch dieses Jahr wieder seine drei Wochen auf seine Lieblingsbeschäftigung, das Skifahren, zu verwenden. — Doch wenn die Kanonen einmal wieder verstummen, dann wird man an den Hängen der Scheidegg und des Männlichen wieder einen hochgewachsenen, vielleicht etwas breiter gewordenen Robert Blackburn finden, der sich aus vollem Herzen freut an den gelungenen Christianias und der strahlenden Wintersonne. 0 Der Sturzbomber «Skua» mit zurückgeklappten Flügeln. Zwecks Raumersparnis in den Flugzeugmutterschiffen können die Flügel der «Skua» mit wenigen Handgriffen zurückgeklappt werden, so dass sich auf kleinem Raum eine grosse Anzahl von Apparaten unterbringen lässt. Wie man bemerkt, ist auch dieses Modell mit Rädern versehen, trotzdem es durch die Marine verwendet wird; der Start erfolgt vermittels Katapult-Vorrichtung auf dem Deck des Flugzeugmutterschiffes.