Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.013

E_1940_Zeitung_Nr.013

BERN, Dienstag, 26. März 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 13 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlieh Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden. Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DU achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inaeratenschlu« 4 Tage vor Erscheinen der Ifnmmer Die Strassenbau-Budgets der Kantone im Jahr 1940 Die Unsicherheit der gegenwärtigen Verhältnisse wirkt sich auch auf den Strassenbau aus Bei der gegenwärtigen Lage des motorisierten Strassenverkehrs, die gekennzeichnet ist durch die Requisition zahlreicher Fahrzeuge, durch die Mobilisierung Tausender von Haltern und durch die Treibstoffrationierung, heisst es mit der Möglichkeit rechnen, dass die Erträgnisse aus diesem Verkehr dünner fliessen und dass sich damit die Kantone nolens volens vor die Frage gestellt sehen werden, ob und wie sie ihre Strassenbaubudgets für das laufende Jahr den veränderten Verhältnissen anpassen. Von dieser naheliegenden Uebertegung ausgehend haben wir bei den Baudirektionen einer Anzahl Kantone angeklopft, um uns zu erkundigen, wie man dort diese Situation beurteile und inwiefern sich die Eventualität einer rückläufigen Entwicklung der Erträgnisse aus Fahrzeugsteuern und Benzinzo'llanteil auf die kantonalen Voranschläge für den Strassenbau auswirke. Denn allerdings ist es gerade unter den heutigen Umständen keineswegs von nebensächlicher Bedeutung, was auf dem Gebiete des Strassenbaues weiter geschieht. Und die Antworten ? Wenn sie — soweit sie sich überhaupt für unsere Zwecke verwenden lassen — auch in den Einzelheiten voneinander abweichen, was bei der Verschiedenartigkeit der Strassenfinanzierung weiter nicht verwundern kann, so klingt aus ihnen, selbst dort, wo sie sich mit der Angabe nackter Zahlen begnügen, alles in allem doch der eine gemeinsame Grundton hervor: Zwang zur Einschränkung der Strassenbauausgaben, hervorgerufen durch die derzeitigen Verhältnisse. Nicht dass nun die bezüglichen Budgetposten kurzerhand entsprechend der zu erwartenden und übrigens recht unsicheren Einnahmenverminderung auf der ganzen Line gekürzt würden. Eine Anzahl der von uns befragten Kantone sucht vielmehr das Gleichgewicht ihres Strassenhaushaltes durch Zurückstellung von Neubauiprojekten oder durch Verlangsamung des Tempos bei der Ausführung bereits begonnener Neubauten zu sichern, währenddem die Aufwendungen für den normalen Unterhalt keinen oder wenigstens keinen namhaften Abbau erfahren, doch trifft man allerdings auch hier auf Ausnahmen. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 14. Fortsetzung Die Hitze war ihm wohl zu Kopf gestiegen : an allen Tischen fröhliche, tafelnde Menschen, Kellner, die mit Essplatten auf den gehobenen flachen Händen hin- und hereilen. Macht man sich in den Kantonen auch auf eine Schrumpfung der Ertragsfähigkeit des motorisierten Strassenverkehrs gefasst, so treten immerhin in den Auffassungen über deren Umfang nicht unerhebliche Divergenzen zutage. Zugegeben, es hält schwer, das Ausmass des zu erwartenden Rückgangs zu überblicken, weshalb denn auch das Bauund Forstdepartement Graubündens die im Budget aufgenommenen Beträge für Strassenunterhalt und -ausbau, sowohl was die Einnahmen als auch was die Ausgaben anbetrifft, nicht als definitiv ansieht und bis zu einer weiteren Klärung der Verhältnisse namentlich auch hinsichtlich der Verkehrssteuern, des Benzinzolls usw. auf eine Veröffentlichung der entsprechenden Zahlen verzichtet. Aehnliche Erwägungen stellt auch Obwalden an, wenn es zwar mit einem Budget in normalem Rahmen aufwartet, dabei aber bemerkt, es sei ungewiss, ob der Strassenbau auch wirklich darnach ausgeführt werden Ein weiterer Sprung nach oben: Aus der hier wiedergegebenen Zusammenstellung, die wir der amerikanischen Zeitschrift « Automotive Industries » entnehmen, lässt sich abermals ein anschauliches Bild der unaufhaltsamen Entwicklung des Motorfahrzeuges in allen fünf Kontinenten unseres Erdballs gewinnen. Unnötig, diesem Siegeszug noch einen Kommentar zu widmen, es sei denn, um darzutun, dass ihm auch der Krieg nichts anzuhaben vermochte, wenig- Total * ohne USA. Von der Gestalt, die er eben noch zu sehen glaubte, keine Spur. Er kehrt an seinen Platz zurück und setzt sich wieder. Er wünscht, er wäre wieder zu Hause. Allein. Im kühlen Bibliothekzimmer. ... war eigentlich interessant gewesen gestern mit dem verhungerten kleinen Professor. — Was hatte der gesagt? ... Man muss in andere Berufe, in andere Gesellschaftsschichten verreisen ?... Na — das hatte er ja nun zur Genüge getan heute und sehnte sich wieder von ganzem Herzen nach seiner Heimat : nach der väterlichen Villa !... Was der Alte im Kaffeehaus alles geredet hatte ! Von der «Ambivalenz» der Gefühle und Eigenschaften... und den aus dieser Zwiegespaltenheit erwachsenden Doppelnaturen. ... Na, er war jedenfalls nicht zwiegespalten und nicht gedoppelt und gar nichts !... Er war völlig normal und wütend, dass eine kleine Telephonistin, mit der er sich einen harmlos vergnügten Sonntag machen wollte, ihn um alle Stimmung brachte !... Und müde war er, müde. Gerda Manz « plaudert» längst nicht mehr. Ihr Kleidchen ist zerdrückt, ihr Gesicht ist zerdrückt. Sie steht blass, abgespannt und traurig inmitten ihrer Schützlinge, deren Bewegungen lässiger werden mit der vorgerückten Abendstunde. Sie fühlt sich grenzenlos allein. Selbst die frohe Stimmung der Mutter gibt ihr keine Freude. Sie hat mit unsäglicher Peinlichkeit die wachen, beobachtenden Blicke der Mutter empfunden, die Gerda auch während der Kaffeestunde gezwungen hatten, den suchenden Augen Hans Römers auszuweichen. Gerda hatte ihrer Mutter, um sie zu unterhalten — lange bevor sie Hans Römer kennengelernt — zu viele Romane über den Sohn des Chefs vorfabuliert: ... dass eine kleine Expedientin gehofft hatte, durch ihn ihr Glück zu machen, dass er aber eines Tages abgesprungen sei, weil er sie mit einem Monteur könne. Im übrigen jedoch stimmen die Ansichten der Kantone, soweit sie sich zu dieser Frage äussern, oder soweit deren zahlenmässige Angaben Rückschlüsse gestatten, darin überein, dass der Erlös aus den Verkehrssteuern vermutlich sinken werde. Ungleich werden dagegen die Aussichten auf den Benzinzollerlös eingeschätzt. Nehmen die einen Kantone dafür dieselben Beträge in ihr Budget auf wie 1939, so halten andere einen Ausfall als im Bereich der Möglichkeiten liegend, währenddem Dritte wieder eine Einbusse auf den Benzinzollanteil als unabwendbar betrachten. Sicher scheint nach alledem eines zu bleiben : die Unsicherheit der kantonalen Voranschläge für den Strassenbau 1940, eine Problematik, die vor allem in der Undurchsichtigkeit der künftigen Entwicklung jener Faktoren wurzelt, welche die Budgetgestaltung entscheidend bestimmen. Mit diesem Schwebezustand, der zur Folge hat, dass man da und dort vor der Nennung konkreter Ziffern zurückscheut, werden wir uns solange abfinden müssen, als die heutige Situation mit ihren verschwommenen, nirgends genau erfassbaren Aspekten fortdauert. (Schluss Seite 2.) 44 Millionen Automobile standen Ende 1939 in Betrieb stens nicht in den Vereinigten Staaten, die allein zwei Drittel der gesamten Jahresproduktion der Welt liefern. A propos USA übrigens: nicht weniger als 61% der dort in Verkehr stehenden Fahrzeuge entstammen den « big three », was soviel heisst, als dass Ford mit 6,2 Mill. Wagen oder 25,4% die Spitze hält, gefolgt von Chevrolet mit 6,1 Millionen oder 24,6% und Plymouth mit 11%. Die Entwicklung des Welt-Automobilbestandes 1932-1939 Erdteile 1932 1933 1934 1935 1936 1937 1938 1939 Afrika 369 814 383 227 425 573 466 603 562 892 619 867 668 778 692 974 Amerika* . . . . 1896 380 1827 754 1860135 1917 676 2 001459 2105190 2106 867 2 309100 Asien 486 292 506 925 546 201 597 601 625 718 666 719 666 550 , 695 738 Europa 5 498 704 6 052 758 6 656 012 7136425 7 791665 8455 577 9039 555 9463 293 Ozeanien . . . . 740 016 778 856 826 711 890 669 972 059 1052 511 1140100 1200 808 Total . . 8 991206 9 549 520 10 314 632 11008 974 11953 793 12 899 864 13 621850 14 361913 USA 24 341822 23 849 932 24 881467 26 225 757 28091709 29 649 270 29158 615 30180 224 33 333028 33 399 452 35196 099 37 234 731 40045 502 42 549134 42 780 465 44 542137 seiner Fabrik auf dem Soziussitz eines Motorrades angetroffen. Die Mutter hatte vor Vergnügen auf die Seitenlehnen des Stuhles geschlagen über die interessante Geschichte. Nun fühlt Gerda, dass die Mutter in ihrer leicht erregbaren, von keinerlei akustischen Eindrücken abgelenkten Vorstellungswelt davon träumt, dass nun die eigene Tochter < ihr Glück » macht. Dass der « richtige» Verlobte auf lange Zeit verreist ist, hat sie von der Tochter gehört und sich nicht weiter darüber gegrämt. Er hatte ihr zwar öfters eine Kleinigkeit mitgebracht, entführte ihr aber im übrigen die Tochter alle Sonnabende und Sonntage und Hess sie, die alte Frau, alilein!... Da war das doch eine andere Sache mit dem jungen Chef! Gerda fühlt, dass sie Hans Römer an diesem Nachmittag verloren hat, dass er nicht Lust haben wird, ihr ein zweites Mal Freude zu bereiten... Sie kann's ihm nicht verdenken ! Er weiss ja nicht, wie grauenhaft es ist, auch wenn die Strasse von lärmendem Grossstadtgetriebe erfüllt ist, in Totenstille zu leben ! Gerda hat sich einmal — als Backfisch — üi der Apotheke irgend so ein Mittel gekauft, Safety First Man schreibt uns : Die Entwicklung der Strassenverkehrsunfallzahlen in den letzten Jahren macht es den Behörden und Verkehrsinteressentenverbänden wie auch der Lehrerschaft zur Pflicht, der Unfallverhütung weitestgehende Beachtung zu schenken. Gewiss, man widmet diesem volkshygienisch eminent wichtigen Problem vermehrte Aufmerksamkeit und die Unfallverhütungsaktionen eines Teils unserer Städte sind noch in bester Erinnerung. Es handelte sich um einen Anfang, der den weiteren Weg weisen sollte. Da mag es denn auch besonderes Interesse bieten, zu sehen, was das Ausland auf diesem Gebiet geleistet hat und was für Erfahrungen dort gesammelt worden sind. England besitzt in seiner « Safety first Association » eine Organisation, die zweifellos vorbildliche Arbeit vollbracht hat. Und was lehrt dabei die Beobachtung? Dass ohne eine zweckmässige «Belehrung» durch die Polizei auf der Strasse der gewünschte Erfolg nicht eintreten kann. Ermahnungen durch Plakate, Filme, Vorträge, Unterricht in der Schule usw. blieben, wie sich herausstellte, zu wenig lange haften; weit stärkeren und nachhaltigeren Eindruck hinterliess ein energischer Verweis an die Adresse der fehlbaren Strassenbenützer-aufder Strasse selbst, wobei es unter einer Bussenandrohung bei weiterem verkehrsgefährdendem Verhalten nicht abgeht. Amerika hat übrigens einen ähnlichen Weg eingeschlagen, und wer dort wich- In dieser Nummer: Eine regelmässige Autobusverbindung Genf-Riviera? Wiener Automobilausstellung. Serien-Herstellung von Aufbauten für schwere Motorfahrzeuge. Rückgang der Autotransporte durch den Gotthard. das man sich in die Ohren stopft, um den Lärm von draussen abzuhalten. Sie wollte mal wissen, wie es ihren Eltern zumute war. War den ganzen Tag vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit den beiden kleinen schallhindernden Bäuschchen in den Ohren herumgelaufen. Nie vergass sie jenen Tag ! ... Nie ! Als hätte sie ein unwirkliches Leben gelebt, als sei sie nur von einem Traum umfangen gewesen, selbst nur eine unwirkliche Traumgestalt. Als sie dann abends im Bett das Zeug aus den Ohren riss. als sie wieder das Ticken der dicken Weckuhr hörte, das leise Knacken im wurmstichigen Schrank, da weinte sie laut auf vor Glück. Leise streichelt sie die Hand der Mutter, die ob dieser ungewohnten Zärtlichkeit voll Misstrauen die Lippen zusammenkneift. Gerda sieht sich um. Zählt. Ja — sie sind vollzählig versammelt. Nur Hans Römer fehlt. Drüben, auf der anderen Seite, stehen schon die drei Autos, vor denen die Chauffeure in lautem Geschwätz ihre Zigarren rauchen. Wo'bleibt Hans Römer — ? Vergeblich späht Gerda den letzten Nachzüglern entgegen, die, Kinder auf dem Arm