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E_1940_Zeitung_Nr.013

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 26. MÄRZ 1940 — N° 13 VON FRITZ PENZOLDT Kurz vor der schmalen Ausfahrt, welche die heringe tropften mir von der Stirne und heimatbreite Lagune von West-Palmbeach in Florida mit liehe Gewaltlaute rangen sich von meinen trockenen Lippen. Meine Handflächen brannten und ein trüber dumpfer Schmerz lähmte meine Schulter. Das ging so an die zehn Minuten. Der Graue war aus der Kajüte gekommen und sah mir spöttisch lächelnd zu. Nach einer halben Stunde harten Kampfes wünschte ich mir ein Messer, einen Revolver, um die Leine zu kappen oder dem Fisch dem offenen Meere verbindet, riss der Führer das Motorboot herum und weigerte sich, auszufahren. Es sei heller Wahnsinn, sagte er und zeigte auf die Brandung, die aus scheinbar ruhiger See heraus langsam anschwellend sich zu einem gewaltigen Brecher auftürmte und einen donnernden Schwall in rasendem Lauf durch die enge Einfahrt presste. Als jedoch ein kleines weisses Boot, von zwei Damen besetzt, an uns vorüberfuhr und die Fahrtrinne in einem einzigen kühnen Anlauf bezwang, fügte sich der Kapitän mürrisch unseren Einwänden, um den Augenblick abzuwarten, in dem ein grosser Brecher sich eben überschlagen und ein neuer noch keine Zeit hatte, sich zum Uebersturz zu sammeln. In verkniffener, rasender Fahrt jagten wir der Einfahrt, der glatten See zu, die sich verschlafen dehnte, anschwoll und sich gähnend aufreckte. Ich hielt die Kamera dem sich aufbäumenden Riesen entgegen, doch ein Matrose stiess mich zur Seite und bekreuzigte sich. Das kleine, weisse Boot vor uns war plötzlich verschwunden. Nur seine Mastspitzen sahen über den grossen, sanften Hügel, der uns entgegenschwoll, sich auftürmte zu einem riesigen Brecher. In tollem Wettlauf knatterte das Boot ihm entgegen, warf in steilem Sprung seine Nase über den schäumenden Kamm, sah ins Blaue und kippte in jähem Fall über die weisse Brüstung, die krachend hinter uns zusammenschlug und bellend in die Lagune hineinrollte. Der Matrose, der mich zur Seite gestossen hätte, war ein wenig blass geworden und sah mich feindselig an. Schwatzte etwas von Totenkammer und haarsträubenden Geschichten, die das Inlet zum verrufendsten Platze an Floridas Küste gemacht hätten. Mein Fahrt- und Fischgenosse hörte ihm lachend zu. Wir hatten uns eben erst kennengelernt Wie man halt so zu Sportbekanntschaften kommt in Amerika, indem man gemeinsam ein Boot mietet, sich die Hände schüttelt wie Würfelbecher, seinen Namen murmelt, um den des andern schon wieder zu vergessen, ehe die Fahrt um ist. Denn dann rief man sich gewöhnlich beim Vornamen und dachte sich gar nichts weiter dabei. Ich wusste von meinem Partner nur, dass er irgendwo im Norden ein kleines Bankgeschäft hatte, dass er den linken Fuss ein wenig nachzog und nur deswegen sich an einer Mietsfahrt beteiligte, weil seine Yacht beim letzten Wirbelsturm bei Key-West Kleinholz gemacht hatte. Er hatte ausserdem einen schmalen grauen Schädel, ein Indianerprofil und eine angenehme Art, sich das Reden abschweigen zu lassen. Dieser seltsame Graue also lachte uns an, als wollte er sagen: Wenn das alles wahr ist, was der aufgeregte Matrose da daherschwatzt, dann hätten wir aus der Fahrtrinne hinauswaten können, soviele Wracks hätte es schon verschluckt gehabt Er schien selber einiges erlebt zu haben, der Graue, aber ehe er nicht von selber anfing, war ich nicht weiter neugierig. Auf der nur leicht gekräuselten Fläche hielten wir südlichen Kurs. Fuhren an Kingfischerleuten vorbei, die mit fast jedem Wurf einen glitzernden Fisch herausbekamen, umkreist von hungrigen Möwen, die sich die Abfälle holten. Auch das kleine weisse Boot, das uns so schneidig überholt hatte, war eifrig beim Trollen. Nach dreistündiger Fahrt warfen auch wir die mit einem Federspiel geköderten Leinen aus und hatten die Ruten fest in der Faust Eine starke Schule Amberjacks kam uns verquer und schon hatte der Graue scharfen Biss. Er erhob sich vom Sessel und bekam blaue Adern um die Schläfen, denn der Jack war ein gerissener Bursche und strebte lotrecht in die Tiefe, starr, verbohrt. Kein Sprung, kein Trick, kein Spiel oder Kampf. Senkbleiartig zog er nach der Tiefe, die kobaltblau um das Riff stand. Wir hielten an, und der Graue konnte es nicht verhindern, dass er Schnur und Schnur verlor, die wie von der Harpune gezogen ablief. Eine Viertelstunde kämpften Mann und Fisch. Geringe Probezeit für Starrköpfe wie es die Amberjacks sind. Dann lag plötzlich die Schnur schlaff. «Los?» — frug ich vorsichtig. «Haifisch» — grunzte der Kapitän. Surrend kam die Spule zurück, ein mächtiger Kopf erschien quirlend im Blau. Doch kein Leib folgte. Der war abgebissen dicht hinter den Kiemen, die, weit geöffnet, blutrot aufleuchteten. «Das war kein Hai», sagte der Graue. «Sehen Sie die zerrissene Wundfläche. Ein Hai ist guter Chirurg, der amputiert. Die Arbeit da hat ein Stümper gemacht, ein elender, vermaledeiter Stümper, ein Barrakuda. Die reissen wie Doggen.» «Den müssen wir kriegen» — rief ich, doch der Graue wollte nichts vom Stillfischen wissen, das sei nicht sportgerecht und man bekäme nur Haifische an den Köder. Doch als der Mittag den Grauen in die Kajüte trieb und wir zwischen den De* Baraakuda eines vor seinen stupiden Schädel zu schiessen. Da gab er nach. Gerade als ich es tun wollte. Schlag auf Schlag gewann ich zurück. Schon taumelte ein riesiger Fischleib im klaren Wasser unter dem Bootsrand, ein entsetzliches Haupt bewehrt mit hässlichen spitzen Reisszähnen folgte dem Drill. Vergebens wartete ich auf das Gaff. Das hatte der Graue doch in der Hand gehabt. Der aber riss plötzlich einen Revolver heraus und schoss zwei-, dreimal in rascher Folge auf den Tigerkopf, der unter gewaltigem Schütteln freikam. Eine glänzende Spirale in Purpur gehüllt, drehte sich träge in helle Tiefen, bis ein grauer Schatten ihn deckte. «Haifisch?» — frug der Kapitän, der kein anderes Wort zu kennen schien. — Gegen Abend fuhren wir weiter, sassen in den bequemen Korbstühlen und rauchten. «Warum haben Sie das Gaff nicht eingeschlagen? Es wäre ein stattlicher Bursche gewesen —», meinte ich etwas vorwurfsvoll. Der Graue lehnte sich zurück. «Well — ich dächte, eine Kugel ist noch zu schade für eine solche Pest. Sie können Schaden anrichten, wenn sie zupacken.» «Aber doch nur unter Fischen, Was man so hört von angegriffenen Menschen, ist doch wohl Fischerlatein?» Der Graue wurde plötzlich ganz ernst. «Diese Burschen machen vor nichts Halt. Darin machen sie den Haien Konkurrenz. Nur dass sie schneller, tückischer sind wie die trägen Haie. Der Oberkörper auf den felsigen Grund ziehen konnte. Hai ist ein Löwe sozusagen gegenüber diesem Dann Hess der Tiger los. Sportfischer, die in der Tiger. Haben Sie die hellen, grausamen Augen gesehen? Diese Augen vergisst man nicht so leicht, Hospital. Der Kerl von Fischer unauffindbar, ob- Nähe waren, nahmen mich mit. Drei Monate wenn man sie einmal gesehen hat.» Er streifte mit wohl ich eine Passe mit Bluthunden hinter ihm einer raschen Bewegung die Hose über die linke herhetzte. Sie haben ihn nicht bekommen. Haben Wade. «Da — überzeugen Sie sich selbst — niedliche Schramme, nicht wahr?» ren damals tolle Burschen im Lande. Mit hellen vielleicht mit ihm geteilt, was ich ihnen gab. Wa- Ich staunte in die breiten zerklüfteten Furchen, kalten Tigeraugen und hungrigen Kinnladen. Wie die ein entsetzliches Gebiss, ein wahres Alligatorengebiss in das Muskelfleisch gerissen hatte; «Ja — genau wie Barrakudas» wiederholte er Barrakudas.» Der Graue blies eine lange Wolke in die stille, und sah an meiner Antwort vorbei mit müden schwere Luft. Augen in den verlöschenden Tag. Woher stammt wohl die Sitte des «April- nicht böswillig gemeint war. Daher stammt auch die schickens» oder des «Aprilfisches»? Die Entstehung epische Legende von dem «Invaliden mit dem Holzfalsche dieser Gewohnheit ist wohl auf das Ende des köpf». XVI. Jahrhunderts zurückzuführen. Bis zu dieser Und so wurde auch die Legende von diesem Epoche begann das Jahr immer am 1. April, mit dem Frühlingsanfang, was, beiläufig gesagt, viel französische König Karl IX. der gregorianisonderbaren Phänomen zu einem komischen Aprilscherz ausgenützt für die Maulaffen jener Epoche, deren Zahl gewiss nicht geringer war als zu unserer Zeit und die nicht weniger leichtgläubig waren, Reform Neujahrsfest auf den in der Hauptstadt Paris als irgend anderswo 1. Januar einsetzen. Die echten Neujahrsgeschenke in Provinz. wurden dann auch auf den 1. Januar Der Invalide mit dem Holzkopf?... Aber selbst- übertragen, aber die Oberlieferte Sitte der l.-Aprilgeschenke verständlich kann man ihn sehen!... Und am wurde vielfach beibehalten. Da viele 1. April zogen ganze Menschenprozessionen auf Personen mit dem Wechsel nicht zufrieden waren, die Esplanade. Am vergoldeten Gitter ihres so machte man sich ein Vergnügen, dieselben zu foppen und zum Narren zu halten durch trüge- «Hotel» standen die tapferen Invaliden, die genau wussten, um was es sich handelte und gern berische und spasshafte Bot- reit waren, zum guten 9 Gelingen des Spasses zu Geschenke, Schäften oder man schickte einander scherzhafte verhelfen. Mit grosser Dienstfertigkeit und sehr Beglückwünschungen. Die Gewohnheit hat sich gewissenhaft hielten sie den Besucher zum Narren allmählich über ganz Europa verbreitet. — Wieso und führten ihn von einem Gebäude zum andern, man dazu kam, diesen Spässen die Benennung von einem Stockwerk zum andern, durch alle «Aprilfische» («poisson d'avril») zu geben, ist Wandelgänge und von einer Tür zur andern. noch nicht ganz klar. Unser glorreicher Verstümmelte ist zu Hause, Die Astronomen glauben, dass unsere Vorfahren diesen Scherzen die Benennung «Aprilfisch» gegeben haben, weil um die Zeit des 1. April der Zodiakus im Zeichen der Fische steht. Anderseits mein lieber Herr, gehen Sie nur diesen Gang entlang, dann nach links und dann wieder zweimal rechts und an die fünfte Tür klopfen Sie an — dort ist es. Ihr Besuch wird ihn sehr freuen. will die Liturgie die Benennung «poisson» als eine Verstümmelung des Wortes «passion» (Leidensgeschichte Christi) erklären. Einer der amüsantesten Aprilscherze stammt aus der Regierungszeit Ludwigs des XIV. und wurde uns überliefert unter der Bezeichnung «der Invalide mit dem Holzkopf». — Das «Hotel des Invalides», ein Meisterstück der Architektur, für dessen Erbauung Mansart, der grosse französische Architekt, Riffen schaukelten, tat ich einen Zwölfpfünder an die 30 Jahre seines Lebens dazu brauchte, Kingfisch an den Haken und warf ihn zwischenn war bei seiner Einweihuna Einweihung im Jahre 1690 eine Schule Barrakudas, die auseinanderstoben eine der grossen Sehenswürdigkeiten von Paris. und nicht mehr zurückkamen. Ein riesenhafter Menschenmassen strömten dorthin, es war das Bursche war dazwischen gewesen, so an die sechzig Pfund schwer. Schule um Schule aller Klassen Ueberreste der grossen Kriege während des Feld- allgemeine Gesprächsthema und die ruhmreichen rann vorüber. Der Mittag drückte, und ich wurde zuges von Turenne, besonders in der Pfalz, wur- nachlässig. Bis mich Biss und singende Leine zurückriefen. DerBarrakuda nahm endlos Hanf. Salzden vom Volke mit Begeisterung besichtigt und mancher Spass wurde damit getrieben, der aber «Ja — das sind nun schon bald dreissig Jahre her. Nicht wahr, so alt sehe ich gar nicht aus. Wir machten damals gute Grundstückgeschäfte an der Westküste Floridas und schälten die Fischer ab wie die reifen Bananen. Das Land war billig, und ehe die einfachen Menschen auf den Dreh kämen, hatten wir das meiste in Händen. Nachher natürlich wurden die guten Leutchen wütend und hassten uns. Ich war damals Vorsteher einer kleinen Filiale meiner Firma und nützte die wenige freie Zeit, die mir zur Verfügung stand, um in einem gemieteten Fischerboot bei Key West zu fischen, wo damals wie heute die besten Jagdgründe waren. Einmal erwischte ich zur Hochsaison gerade noch ein kleines Boot, und ohne lange zu überlegen, mietete ich es für drei Tage guten Sportes. Ich kannte den Fischer nicht Er aber kannte mich. Und das genau. Den ersten Tag ging es noch, er war mürrisch, tat aber was er sollte. Dann stachen wir Rochen und lungerten um die Riffe, um ein paar Barrakudas zu erwischen. Wir hatten bald eine Schule vor uns, der ein ganz besonders starker Schulmeister vorstand. Als ich eben auswerfen wollte, packte mich eine rauhe Faust an der Schulter. Ich sah in ein wutverzerrtes Gesicht. ,Sie wären gerade ein rechter Brocken für den Burschen da unten.' Das klang bei Gott nicht sehr erbaulich. Ich schlug nach seinem Kinn, aber Bootshaken sind stärker. So zog ich den kürzeren und fiel ins Wasser. Der Kerl warf sein Boot vor den Wind, wünschte mir guten Anbiss und verschwand um das nächste Riff, das an die hundert Yards entfernt über Wasser sah. Ich schwamm hohe Touren. Wenn nur kein Hai kommt, dachte ich, und erinnerte mich gar plötzlich meiner Kindheit. Was man alles so blitzschnell zusammendenkt, wenn einem der Sarg näher scheint als die Wiege. In den Beinen hatte ich Regenwurmgefühle. Immer näher kam der rettende Felsen. Da hielt mich plötzlich etwa fest. Ich wollte schreien, aber mein Kopf kam unter Wasser.» Der Graue holte tief Atem. «Und nun möchten Sie wohl sagen,.. und dann wurden Sie aufgefressen. Weiss Gott viel hätte nicht gefehlt, denn ein halber Zentner Barrakuda Lebendgewicht zerrte an meiner unteren Hälfte. Aber die andere Hälfte krallte sich an das bisschen Riff, bis ich den Woher stammt die Sitte des „Aprilschickens "7 «Poisson d'avril», der «Aprilfisch».. Der Neugierige fand, wenn auch keinen «Holz- köpf» so doch eine Holztüre verschlossen..: und ein kleiner Küchenjunge, der gerade, wie zufällig, da vorbeiging, schickte ihn wieder in eine andere Richtung Glauben Sie mir. Der berühmte Krieger, den Sie wohl suchen, ist eben weggegangen, um sein edles Haupt dem Barbier anzuvertrauen. Ein paar Schritte von hier, eine Stiege höher und dann ganz am die Tu rechts. rauhte —__ Und dort angelangt, sagte man ihm mit tiefem Bedauern: — Mein Herr, Sie versäumen ihn um einige Minuten. Ich habe ihn in der Tat eben rasiert. Höchstwahrscheinlich werden Sie ihn unten am Garteneingang, in der Kneipe finden. BUNTE UMSCHAU Revolte der Hollywooder «Pnhllcity»-Mäaner ? In Hollywood hat sich eine ganz besondere Sparte des «Journalismus» herausgebildet: die Gilde jener Leute, die für die «Publicity» der Filmstars zu sorgen haben und dafür - höchst jämmerlich - bezahlt werden. Wenn eine Diva beabsichtigt, sich eine neue Haarfarbe zuzulegen, wenn ein Schauspieler sich einen neuen Pudel gekauft hat, wenn ein Star beschliesst, Bauchweh zu haben oder sich beim Sturz vom galoppierenden Pferd heldenhaft einen Arm zu verstauchen, so werden die «Publicity Men» befohlen und haben darüber in den Zeitungen eine entsprechend gross aufgemachte Notiz zu bringen. Man erzählt, dass eine bis dahin rothaarige Dame Krämpfe bekam, als sie es nicht durchsetzen konnte, den Entschluss von der Aenderung ihrer Haarfarbe auf den Titelseiten veröffentlicht zu sehen, weil rücksichtsloserweise gerade an jenem Tag Russland in Finnland eingefallen war. Diese Publicity Men nun sind ihrer «Lakaienrolle», wie sie diese selbst bezeichnen, überdrüssig geworden und verlangen in Zukunft menschenwürdigere Behandlung und entsprechende Bezahlung. Andernfalls würden sie nicht etwa streiken, sondern sich künftig in jeder Beziehung - streng an die Wahrheit halten. Eine Drohung, die zweifellos prompt ihre Wirkung tun wird! Salomo in Budapest. In einem Budapester Cafe gerieten zwei Bfflardspieler in Streit, weil beide behaupteten, die als Spielpreis ausgesetzten 20 Pengö gewonnen ru haben. Da die Spieler mit den Stöcken aufeinander losgingen, holte der Wirt einen Polizisten. Der hörte sich die Sache erst ruhig an. Dann schickte er einen Knaben nach einem gewissen Weiss Janos, der gleich um die Ecke wohnte. Man nahm an, es handle sich um einen besonders gerissenen Billardexperten, und wartete geduldig. Der eintretende Janos allerdings sah nicht gerade wie ein Billard-Habitue aus, eher wie ein Häufchen Elend. «Janos,» sagte der Polizist, «heute früh hast du ins Wasser gehen wollen, weil du nichts zu essen hast. War' dir mit 20 Pengö gedient?» Janos sperrte Maul und Augen auf. «Da hast dul» sagte der Polizist, nahm den Spielgewinn, steckte ihn dem armen Teufel in die Hand und grüsste nach allen Seiten: «Damit ist die Sache doch wohl geregelt?» Worauf zuerst der eine Spieler und dann auch der andere noch jeder 5 Pengö zulegten und Polizist und Janos unter den «Eljen»-Rufen der Anwesenden das Lokal verliessen. Englischer Fähnrich tituliert französische Flotte «Schnecke». Als vor einigen Tagen ein französischer Admiral mit einer grösseren Flotteneinheit einem britischen Hafen einen Besuch abgestattet hatte, wollte der kommandierende englische Offizier dem französischen Kameraden zum Abschied eine Freude machen und befahl seinem Signalfähnrich, den ausfahrenden Schiffen auf Französisch nachzuwinken: «Ihre Abteilung ist ganz prachtvoll!» Der Fähnrich, offenbar kein ausgesprochenes Sprachtalent, griff aber im Signalbuch eine Zeile zu tief und signalisierte statt «Votre escadrille» vielmehr «Votre escargot (Ihre Schnecke) est magnifique». Worauf die Franzosen nach einer kurzen Pause der Verblüffung entgegneten: «Ihr Witz auch!» In der Kneipe meinte der Wirt mit höchst betrübter Miene: — Es tut mir furchtbar leid, mein Herr, er ist aber eben auf die Wache gegangen, um dort mit seinem alten Kameraden, dem Invaliden mit den Stelzfüssen, ein Pfeifchen zu rauchen. Auf der Wache angekommen, sprach der oberste Wachtmeister zu ihm väterlich: — Unser lieber Kamerad ist gerade in der Minute weggegangen, .um seinen Morgenspaziergang zu machen. Schauen Sie mal dorthin, da sehen Sie ihn noch wie er zur Esplanade geht. Da war immer noch nicht der Gesuchte. Der Spaziergänger, der auch ein Gevatter war und eingeweiht, schickte unseren guten Mann wieder auf die erste Spur. — Der Holzkopf! Er hat mich oben verlassen und muss am Seineufer sein, um dort fische zu fangen. Schönes Wetter zum Fischfang!... Und endlich am Flussufer angelangt, wurde der arme Mann von einer Schar alter Haudegen empfangen mit grossem Gelächter und den höhnischen Rufen: «Poisson d'avrill — Poisson d'avrill» (Erster April! Erster April!) Zu unserer Zeit wurden ganz andere Aprilscherze, viel dümmere und grausamere gemacht. So wurde Sarah Bernhardt, die berühmte Schauspielerin, einst das Opfer solch grausamen Scherzes. Eines Tages wurde sie von ihrem Notar gebeten, in sein Bureau zu kommen zwecks Erbschaftssache. Sie kam voller Erwartung und der Notar übergab ihr einen Brief mit fünf Siegeln mit der Aufschrift: «Zu überreichen am 1. April 19...» Aufregung, Herzklopfen. Sie bricht die Siegel und liest: — «Madame, ich habe die Ehre, festzustellen, dass Sie das Genie von Rachel geerbt haben.» Man kann sich die Verwünschungen der grossen Schauspielerin gut vorstellen, deren Wortschatz nicht für sehr klassisch galt. (Uebersetzt von R.B.) Gepfl. Haus In bester Lage gegenüber Hauptbahnhof. Im beliebten Stadtrestaurant zu jedem Spezialplättli einen offenen Spitzenwein J. Dauer.

N° IS — DIENSTAG, 26. MÄRZ 1940 AUTOMOBIL-REVUE Piü WFITCFSrilFHF Motortorpedoboote Jeder jjrössere Krieg hat in seinem Verlauf einem oder mehreren Kampfmitteln zu einer vorher ungeahnten Bedeutung verholfen. Waren es beispielsweise im Weltkrieg die Unterseeboote, so sind es diesmal — unter anderen — die Schnellboote. Ihr fieberhafter Ausbau weist auf eine gewichtige Rolle hin, die sie in nächster Zukunft voraussichtlich zu spielen haben. Man kannte sie zwar — analog den U- Booten im Jahre 1914 — bereits seit längerer Zeit, doch beweist der bei Kriegsbeginn relativ schwache Bestand, dass ihre Aufgaben im Rahmen der gesamten Planung als beschränkt betrachtet wurden. Schon heute hat der Seekrieg mancherlei Ueberraschungen gebracht. An Stelle der Grosskämpfe zwischen ganzen Schlachtflottillen ist ein typischer Guerillakrieg getreten. Jede Seite versucht, den Gegner an einzelnen Punkten überraschend zu treffen und sogleich dem Gegenstoss auszuweichen. Diese Tendenz nach dem Kleinkampf hin ist dadurch bedingt, dass der Seekrieg vor allem auf eine wirtschaftliche Schädigung des Gegners ausgeht. Als notwendige Folge ergibt sich daraus die Bereitstellung von Kampfmitteln, die einerseits keinen grossen Einsatz verlangen und anderseits rasch zuschlagen können. Damit ist der in maritimen Kreisen lange herrschende Meinungsstreit um die Vorteile der verschiedenen Typen — vorübergehend wenigstens — zugunsten der kleinen Einheiten entschieden worden. Das Motortorpedoboot ist im Grunde nichts Ein neues englisches Motortorpedoboot. Die Reederei John Thornycroft & Co. Ltd. hat Kürzlich auf der Themse Prüfungsfahrten mit einem neuen Schnellboot durchgeführt und dabei nach den uns vorliegenden Angaben eine Geschwindigkeit von 76 km/St, erzielt Das Boot ist mit drei Zwölfzylinder-Marinemotoren von 1800 PS Gesamtleistung ausgerüstet, die mit Benzin betrieben werden. Die ßewaffnung besteht aus 2 Torpedo-Lancierrohren, die zu beiden Seiten der Kabine eingebaut sind und in der Fahrtrichtung feuern. Daneben werden auf dem Vorder- und Achterdeck je eine Flugzeugabwehrkanone montiert, im weiteren eine Einrichtung zum Auslegen von Unterwasserbomben, die für den Kampf gegen die U-Boote bestimmt sind. Das Schiff hat eine Totallänge von 20 Metern. — Wie die englische Marineleitung seinerzeit erklärte, sollen binnen kurzer Frist 1000 solcher Fahrzeuge in den Dienst gestellt werden. Die Fahrt nach Bern lohnt sich, denn unser Lager ist eines der schönsten, grössten und reichhaltigsten im Lande. Vorteilhafte alte Preise solange Vorrat! TEPPICHHAUS wsteethaatr y? es^. n tOAn wunstrasse/ • Heivetiapiatz • Thunstrasse7 Zürich Ein deutscher Schnellkreuzer als Mutterschiff einer Schnellbootflotille. Wegen der geringen Wasserverdrängung können die Schnellboote nur kleine Vorräte mit sich führen. Auf längeren Reisen werden sie daher von einem Kreuzer aus mit Torpedos, Munition, Brennstoff und Proviant beliefert. Der Kreuzer dient auch als Unterkunft für die Besatzung der Schnellboote. anderes als ein für Kriegszwecke umgebautes Die geringe Wasserverdrängung der Motortorpedoboote hat selbstverständlich einige Schnellboot von unter 100 Tonnen Wasserverdrängung (es gibt solche bereits von 17 Nachteile im Gefolge, worunter der kleine Tonnen an). Seine Hauptwaffe besteht aus zwei Aktionsradius und die dauernd notwendige in der Fahrtrichtung fest montierten Torpedo- Alimentierung mit Geschossen, Brennstoff Lancierrohren, wozu meist noch Flugzeugabwehrgeschütze und Vorrichtungen zum Aus- usw. die wichtigsten bilden. Diesen Umständen legen von Unterwasserbomben kommen. Da diese Fahrzeuge mit sehr starken Motoren ausgerüstet sind, verfügen sie nicht nur über eine ausserordentliche Beschleunigung und Behendigkeit, sondern auch über eine von keinem andern Schiffstyp erreichte- Spitzengeschwindigkeit; gibt es doch bereits Typen, die eine solche von 47 Meilen pro Stunde erreichen, also ungefähr die gleiche wie die der Torpedos selbst. Ein Schnellboot, das ein Torpedo auf sich zukommen sieht, hat also immer die Möglichkeit, seitwärts zu entweichen oder rechtsumkehrt zu machen. Als Angriffswaffe bietet das Schnellboot dem Gegner ein nur geringes Ziel, das sehr schwer zu treffen ist, während seine Torpedos auch für die stärksten Einheiten eine grosse Gefahr bilden. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Waffe, besonders wenn sie in einer grösseren Anzahl von Exemplaren zur Verfügung steht, sich für verschiedene Zwecke eignet; selbst die Tatsache, dass die übrige Bestückung notwendigerweise beschränkt sein muss, fällt nicht stark in die Waagschale. Nebst den bereits genannten Vorteilen verfügen die Schnellboote über einen weiteren, nämlich den, dass sie fast keinen Tiefgang haben. Gegnerische Torpedos können nur dann einschlagen, wenn sie sich an oder wenig unter der Wasseroberfläche fortbewegen und eine Schaumlinie erzeugen. Die ständige Beobachtung der Meeresoberfläche genügt somit bereits, um die Fahrzeuge einer der grössten Gefahren zu entheben, welche die übrigen Typen bedroht: Das unbemerkt herannahende Torpedo. Empfehlenswerte Unterhaltungsstätten Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00. 10—12.30 und 15.30—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 36 13, 8—18.30 Uhr. jj2 Tanzabend mit grossem Orchester: Petruschka, Das blaue Tuch (B-Ahb. 14). Do abend 28 März Volksyorstelhmg: Hoffmanns Erzählungen. Tr ahenil 79 Mär? Tiefland, Oper von Eugen d*Albert (B-Ab. 14). Sa ahflnil 311. Marc Hoffmanns Erzählungen, von J. Offenbach. SO.nachm.31.März Die Boheme, Oper v. G. Puccini. So. abend 31. März Maedi, Operette von Robert Stolz. Militär in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hälfte. Schauspielhaus Abenas \ r tag nachm. Abendkasse ab 18 Uhr (211 11) Mi. abend 27. März Glück im Haus. Do. abend 28. März lindine. HUh Fr. abend 29. März Antigone, von Sophokles. Sa. abend 30. MäTZ Glück Im Haus. So.nathni.31. März 15 Uhr: Undine. So. abend 31.März Glück im Haus. Militär auf allen Plätzen halbe Preise. wenden sich bei monatlichen Verspätungen unter Diskretion an AmrJiiint Lat>. pertlcld«, Heiden 27*. Tel. 204. Die Uebernahme von Torpedos auf ein deutsches Schnellboot. Die Schnellboote haben längsseits des Mutterschiffes angelegt und übernehmen von demselben die Materialvorräte, welche sie für ihre nächste Ausfahrt benötigen. wird dadurch abgeholfen, dass auf längeren Reisen sog. Schnellkreuzer die Rolle eines Mutterschiffes übernehmen. Die kleinen Trabanten können nach Erledigung ihrer Aufgaben zu ihm zurückkehren und sich dort «verköstigen». Die Beweglichkeit dieses Bootstyps macht ihn auch für eventuelle Grosskämpfe zu einem nützlichen Werkzeug, wo er durch unvermitteltes Angreifen und vorübergehend schwache Punkte im gegnerischen Geschwader unter Umständen Verluste herbeiführt, die von ent- Kritik. Vor dem Kampf erkundigte sich der Boxer unruhig: «Ist es weit von derscheidender Bedeutung sein können. 0 Garderobe zum Ring?» «Ja», antwortete ihm einer, «aber Sie brauchen ja nur den Hinweg zu Fuss zurückzulegen.» Einbringlicher Beruf. Frauen lernten sich kennen. Frieda erzählte: «Mein Mann ist Diabetiker.» «Ach? Verdient er damit viel?» atfSi»kas*i«i:Kte%^%aÄ' Liebe Obers Grab hinaus. Die Budapester Polizei musste den 46jährigen Handwerker Franz Apocs in Haft nehmen, weil er nicht davon abgehalten werden kann, sich jede. Nacht aufs Grab seiner kürzlich verstorbenen Frau zu schleichen und dort lang auszustrecken, um zu erfrieren. Einmal wäre ihm diese Absicht schon beinahe gelungen. Apocs erklärt, er könne und er werde ohne seine Frau nicht weiterleben. Zuverlässig angenehm unschädlich lOez Fackg. Fr. 4.50 4er Packg. Fr. 2.— erhältlich in allen Apotheken Frauenschutz -Präparat über die modernsten Methoden des Sexualschutzes vermittelt Ihnen die Broschüre von Dr. Engler, welche wir Ihnen gegen Einsendung von Fr. 1.20 in Briefmarken oder auf Postcheck VHI/1819 in geschlossenem, neutralem Briefe zusenden. Erovag A.-G., Bachtobeistrasse 59, Zürich